E-Ladeinfrastruktur muss zügig ausgebaut werden

14. September 2026

In Österreich gibt es aktuell mehr als 39.100 Ladepunkte. Einen weiteren Ausbau fordert Andreas Reinhardt vom Bundesverband für Elektromobilität.

Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) vertritt die Interessen von dreizehn Energieunternehmen in Österreich. Damit ist der BEÖ ein wichtiger Ansprechpartner in allen Fragen der E-Mobilität. Seine Mitglieder sorgen für ein flächendeckendes, roamingfähiges, öffentliches Ladenetz aus Erneuerbarer Energie.


Zu den Forderungen des BEÖ zählen unter anderem eine Vereinfachung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und eine Weiterentwicklung von Anreiz und Fördersystemen. Um dem derzeitigen Boom der E-Mobilität gerecht zu werden, will die Energiewirtschaft die Errichtung von öffentlicher wie auch privater Ladeinfrastruktur in den nächsten Jahren weiter vorantreiben.


Andreas Reinhardt ist Vorsitzender des Bundesverband Elektromobilität Österreich und Leiter des Bereichs Energiedienstleistungen bei der Linz AG. Er studierte Elektrotechnik an der TU Graz und war bei der Linz AG maßgeblich für den Netzausbau und für den flächendeckenden Smart Meter Ausbau verantwortlich. Reinhardt lehrt auch an der FH Hagenberg.


medianet: Wie würden Sie aus Ihrer Sicht den Zustand der Ladeinfrastruktur bezeichnen? Ist noch viel Luft nach oben?


Andreas Reinhardt: Die Ladeinfrastruktur in Österreich ist auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel. Mit Juli 2026 gibt es hierzulande bereits rund 40.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte; im März waren es noch 37.000. Zusätzlich gibt es geschätzt rund 200.000 private Ladeanschlüsse, etwa beim Eigenheim oder direkt am Firmengelände. Das zeigt die Dynamik im Ausbau. Gleichzeitig gilt: Für den weiteren Hochlauf braucht es noch mehr Dichte, Verläss lichkeit und Ladeangebote in den Regionen.


medianet: Gibt es Incentives bzw. wie müssten sie aussehen, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur am Land und in kleineren Gemeinden zu sichern?

Reinhardt: Wenn wir den Ausbau auf dem Land absichern wollen, braucht es vor allem langfristige Anreize. Gerade dort ist Wirtschaftlichkeit oft der Engpass, deshalb sind einfache Genehmigungen, planbare Förderungen und bessere Netzanschlüsse zentral. Wichtig ist, dass Ladeinfrastruktur dort entsteht, wo sie im Alltag tatsächlich gebraucht wird. Hier haben die BEÖ-Mitgliedsunternehmen gemeinsam mit den großen Supermarktketten eine Vorreiterrolle eingenommen. Mittlerweile gibt es bei fast jedem Supermarkt (am Land), Möglichkeiten sein E-Auto während des Einkaufs aufzuladen.


medianet: Die Zahl der Neuanmeldungen bei E-Kfz ist auf einem Rekordhoch. Ist genügend ‚Treibstoff‘ für alle vorhanden?

Reinhardt: Ja, der Strom ist nicht das Problem, entscheidend ist die intelligente Bereitstellung. In Österreich sind bereits 288.142 rein elektrische Pkw zugelassen, dazu kommen rund 19.924 E-Lkw; der Markt wächst also stark. Damit das gut funktioniert, müssen Ladeinfrastruktur, Netz und Lastmanagement gemeinsam mitwachsen.


medianet: Wie tragfähig ist das Netz für eine derartige Menge an E-Fahrzeugen? Mangelt es an Speichermöglichkeiten?

Reinhardt: Das Netz ist grundsätzlich tragfähig, braucht aber laufende Verstärkung und mehr Flexibilität. Mit der wachsenden Zahl an Ladepunkten und E-Fahrzeugen werden Speicher, intelligentes Laden und Lastmanagement immer wichtiger, um Lastspitzen abzufangen. Genau hier liegt der Schlüssel, damit E-Mobilität im Alltag stabil und effizient bleibt. Die derzeit diskutierte Verteuerung der Netzgebühren für Haushalte mit Ladestationen stellt – vorausgesetzt sie wird verwirklicht – einen deutlichen Hemmschuh beim Ausbau dar.

medianet: Die Transformation gestaltet sich vor allem bei Überland-Lkw träge – was müsste also zur Beschleunigung passieren?

Reinhardt: Beim Schwerverkehr sehen wir noch den größten Handlungsbedarf. Ende Mai 2026 waren in Österreich rund 19.924 E-Lkw zugelassen, und bis Ende Juni kamen 2.601 Neuzulassungen bei N1 bis N3 dazu. Es kommt Bewegung rein, aber eben noch keine breite Skalierung. Für den Durchbruch braucht es Ladeachsen entlang der Hauptverkehrswege, klare Investitionssignale und vor allem weniger Bürokratie.


medianet: Wie sieht die Situation bei E-Motorrädern aus, die derzeit ebenfalls boomen?

Reinhardt: E-Motorräder sind ein gutes Beispiel dafür, dass Elektromobilität in weiteren Segmenten ankommt. Sie profitieren von denselben Trends wie der Pkw-Bereich: mehr Sichtbarkeit, mehr Alltagstauglichkeit und ein wachsendes Ladenetz. Das Segment ist kleiner, aber es trägt zur Normalisierung der E-Mobilität bei.


medianet: Welche Aktivitäten unternimmt der BEÖ zu Förderung und Ausbau der E-Mobilität? Was können Ihre Mitglieder, die Energieversorger, hier beitragen?

Reinhardt: Der BEÖ und seine Mitglieder investieren und treiben den Ausbau der Ladeinfrastruktur seit Jahren aktiv voran. Allein die BEÖ-Mitglieder betreiben rund 20.000 öffentliche Ladepunkte an mehr als 5.000 Standorten. Unser Beitrag ist klar: Wir schaffen die Infrastruktur, vereinfachen den Zugang und sorgen dafür, dass Laden im Alltag funktioniert.


medianet: Heuer sind diverse Förderungen für E-Mobilität ausgelaufen, auch das E-Kfz als Sachbezug läuft aus. Torpediert das den Ausbau der E-Mobilität?

Reinhardt: Ausgelaufene Förderungen sind für den Markt kein gutes Signal, weil sie Investitionen verunsichern können. Öffentliche Ladeinfrastruktur wurde zwar zuletzt weiter ausgebaut, aber die politischen Rahmenbedingungen müssen verlässlich bleiben. Wenn der Hochlauf gelingen soll, braucht es Kontinuität statt kurzfristiger Stop-and-go-Politik.


medianet: Welche Wünsche hätte Sie an die Politik, um die E-Mobilität zu fördern?

Reinhardt: Wir brauchen einen klaren, verlässlichen Kurs für die E-Mobilität. Dazu gehören langfristige Förderungen, schnellere Verfahren, bessere Netzanschlüsse und ein konsequenter Ausbau der Ladeinfrastruktur, ob in Städten, am Land und speziell für den Schwerverkehr. Die Zahlen zeigen: Der Markt wächst, jetzt müssen die Rahmenbedingungen mitziehen.
Ich möchte noch einen wichtigen Punkt erwähnen: Während an der Zapfsäule die Preise oft stark schwanken und zuletzt aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzung im Nahen Osten wieder deutlich gestiegen sind, bleibt E-Mobilität in vielen Fällen kalkulierbar. Rund 84 Prozent der E-Auto-Nutzerinnen und -Nutzer in Österreich haben Ladeverträge abgeschlossen, die stabile Tarife sichern und vor Preisschocks schützen. Genau das ist ein zentraler Vorteil der E-Mobilität: mehr Planbarkeit, weniger Abhängigkeit von Ölpreisen und geopolitischen Krisen.

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