Die jüngsten Anschläge in Deutschland zeigen neue Bedrohungen auf. Auch die Unternehmen nutzen innovative Technologien, Details bleiben aber geheim.
Drohnendetektoren, Fangnetze, regelmäßige Schulungen für Krisenfälle, IT-Systeme gegen Cyberangriffe, Kontrollroboter: Die Liste der Mittel und Methoden zum Schutz der kritischen Infrastruktur in Österreich ist lang, denn Betreiber von Kraftwerken, Flughäfen, Bahnanlagen, Stromleitungen und Raffinerien sind in Sachen Sicherheit sehr alert. Doch sie reden ungern darüber. Man wolle potenziellen Tätern, Terroristen, Kriminellen und Saboteuren keinen Anstoß für mögliche Attacken bzw. Hinweise auf mögliche Lücken geben, heißt es unisono. Grundsätzlich sei der besondere Schutz der kritischen Infrastruktur nichts Neues. Die Bedrohungslage habe sich in den vergangenen Jahren aber verändert – und mit ihr auch die Prävention.
Die jüngsten Ereignisse in Deutschland, vom Sprengsatz auf dem Flughafen Leipzig bis zu Sabotageakten in Umspannwerken oder Drohnensichtungen auf Flughäfen, zeigen, dass die Sicherheitslage in Europa tatsächlich erodiert. Im Vergleich dazu sind hierzulande bis dato keine groben Vorfälle bekannt.
Flughafen Wien „gut geschützt“
Der Flughafen Wien hat ein eigenes Drohnendetektionssystem angeschafft – keine Selbstverständlichkeit in Europas Luftfahrtwelt. „Wir achten in enger Abstimmung mit Innenministerium, Flugsicherung, Behörden und allen Gremien darauf, dass die Sicherheit im Flugverkehr gewährleistet ist“, heißt es vom Unternehmen. Auch IT-Security habe höchste Priorität, ebenso wie entsprechende technische Ausrüstung, es gebe Krisenpläne und regelmäßige Übungen, auch in Koordination mit dem Bundesheer. „Wir fühlen uns gut geschützt“, so ein Sprecher, ein gewisses Risiko sei aber latent immer vorhanden.
„Gänzlich auszuschließen sind Anschläge auf kritische Infrastruktur auch in Österreich nicht – es gibt keinen 100-prozentigen Schutz gegen Terror- oder Sabotageakte“, betont auch die Verbund AG. Österreichs größter Stromkonzern, Betreiber von 110 Wasser- und riesigen Speicherkraftwerken wie in Kaprun, spielt ebenfalls regelmäßig Krisenszenarien durch, auch gemeinsam mit Einsatzkräften. Es gebe einen etablierten Krisenstab und Notfall- und Wiederanlaufpläne, die regelmäßig trainiert, überprüft und weiterentwickelt würden, betont das Unternehmen. Zudem gelten erhöhte Aufmerksamkeit bei Beschäftigten und Meldedisziplin bei verdächtigen Sachverhalten. Und nicht zuletzt bedeuteten ein starkes und resilientes Stromnetz und eine starke europäische Kooperation in der Energiewirtschaft Schutz. Ein Schutz jedes der rund 12.000 Masten ist weder kostenmäßig noch technisch darstellbar.
APG-Chef Gerhard Christiner Österreichs Hoch- und Höchstspannungsnetzbetreiber APG unterstreicht ebenfalls die Bedeutung einer leistungsfähigen Stromversorgung. „Der Krieg in der Ukraine führt die Verletzlichkeit einer Bevölkerung und Volkswirtschaft durch Sabotage der Energieversorgung deutlich vor Augen“, so Vorstandssprecher Gerhard Christiner. Die Sicherheitsstandards der APG zielten durch einen entsprechenden Perimeterschutz vor allem auf den höchstmöglichen Schutz der Umspannwerke ab. Notwendig sei es dabei, „eine Balance zwischen vertretbaren Kosten und sicherheitstechnischem Nutzen zu finden“. Jeden der rund 12.000 Masten zu schützen, sei „weder kostenmäßig noch technisch darstellbar“.
Gewohnt zurückhaltend gibt sich der heimische Öl- und Gasriese OMV, Betreiber der einzigen Raffinerie des Landes. Man beobachte die Bedrohungen ständig und genau, verlautet aus dem Konzern. Zu den konkreten Schutzmaßnahmen könne man sich aber nicht äußern.
ÖBB setzen auf frühzeitige Erkennung und Verhinderung
Auf Details gehen auch die ÖBB nicht näher ein. Aufgrund der Häufung von Sabotage- und Angriffshandlungen gegen kritische Infrastrukturen habe man aber „Maßnahmen gesetzt, um eine frühzeitige Erkennung und Verhinderung potenzieller Sabotage- und Eindringversuche zu gewährleisten“, teilt die Staatsbahn mit. Im Bereich kritische Infrastruktur stehe man in ständigem Austausch mit den Landesämtern für Staatsschutz sowie der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst. Vor dem Hintergrund des seit Juli geltenden Resilienz-kritischer-Einrichtungen-Gesetzes werde „die Objektschutzstrategie an die jeweiligen geopolitischen Entwicklungen angepasst“ – mit umfassenden Risikoanalysen. „Für Österreich besteht seit längerer Zeit eine abstrakt hohe Gefährdung, aber keine konkrete Gefahr“, heißt es bei den ÖBB.
Für Wartung, Kontrollen oder zur Schadensbeurteilung, nicht zuletzt in unwegsamem Gelände, setzen die Infrastrukturbetreiber selbst längst alle Arten von innovativen Technologien ein. Die ÖBB nutzen Drohnen für die Instandhaltung ihres rund 5000 Kilometer langen Schienennetzes und der Gleisanlagen, zudem werden Einsatzleiter entsprechend ausgebildet. Verbund kontrolliert mit Drohnen beispielsweise Talsperren. Dabei werden die Staumauern minutiös nach einem Raster abfotografiert und die gesammelten Bilder mit KI analysiert. Auch zur Bestimmung der Schneemengen, die später Schmelzwasser für die Kraftwerke liefern, fliegen Drohnen über hochalpines Gebiet.
„Energy Dogs“ schnüffeln bei der Wien Energie
Auf bodennähere Hilfe im Alltag setzt die Wien Energie. Der Hauptstadtversorger hat vor fünf Jahren einen ersten Roboter von Boston Dynamics angeschafft und kürzlich vier weitere. Die Energy Dogs, wie die vierbeinigen Inspektoren genannt werden, erledigen nach entsprechendem Training routinemäßig Rundgänge in den Gaskraftwerken. Sie schnüffeln in Lacken nach Lecks und schicken gegebenenfalls Aufnahmen an das diensthabende Team. Nichts zu tun haben die Roboterhunde mit dem Sicherheitskonzept der Wien Energie – über das aber, aus sicherheitstechnischen Gründen, keine näheren Angaben gemacht werden.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten





