Innovativer Wasserstoff-Großmotor an der TU Graz springt bei Stromausfällen ein und hilft, den KI-Energiehunger zu stillen.
LEC-Demonstrator, ein mit grünem Wasserstoff betriebener Großmotor an der TU Graz, schon gehört davon? Jetzt könnte man sagen: Na und? Ein neuer Ansatz in der Energiegewinnung, hochinteressant. Aber was geht das uns an?
Die Antwort, kurz und knapp: Diese Großmotoren sind das Missing-Link in die Zukunft einer komplexen Energieversorgung, sie werden unentbehrlich. Nehmen wir nur den Sommer 2026: Extreme Trockenheit, weniger Strom durch Wasserkraft, laut der Netzbetreibergesellschaft Austrian Power Grid war Österreich vor allem in den Nächten auf Atomstromimporte aus Frankreich angewiesen – im Winter sei man noch stärker abhängig davon.
Die erneuerbaren Energien können längst nicht alles abdecken, und der Energiehunger steigt rasant: Die Verwendung der Künstlichen Intelligenz durch jeden einzelnen von uns frisst Unmengen, je nach Berechnung, verschlingt eine KI-Anfrage – im Vergleich zu einer alten, klassischen Anfrage bei Google – das Zehn- bis Fünfzigfache an Energie.
Am Inffeld-Campus der TU steht ein Dutzend Menschen, längs aufgereiht, vor dem mehrere Meter hohen Ungetüm, was in der Beschreibung freilich keine wissenschaftliche Annäherungsweise ist. Man ist einfach beeindruckt. Der LEC ZID ist ein wasserstoffbetriebener Großmotor mit Abgasnachbehandlung, der zu einem hocheffizienten Gesamtsystem entwickelt wurde. Mit einer elektrischen Leistung im Bereich von zwei bis drei Megawatt, kann man Strom und Wärme (Wärme bis 1,5 MW) erzeugen. In jahrelanger Forschungsarbeit wurde dieser sogenannte „LEC-Demonstrator“ entwickelt und er ist flexibel einsetzbar.
Offizielle Bezeichnung des Großmotors an der TU Graz: Zero-Impact-Demonstrator, „LEC ZID“, erdacht und gebaut vom Large Engines Competence Center, in Co-Produktion mit industriellen Partnern. „Die praktische Machbarkeit eines klimaneutralen Betriebs von Großmotoren wird und wurde so nachgewiesen“, hieß es bei der Eröffnung am Large Engines Competence Center (COMET-Zentrum), das von Andreas Wimmer mitgegründet wurde und von Nicole Wermuth sowie Thomas Jauk geleitet wird. Man ist eng mit der TU Graz verwoben (Firmensitz am Campus, TU Graz als Miteigentümer). Ziel war es immer „den LEC-Demonstrator in das reale Energiesystem zu integrieren und damit direkt zum Ziel einer klimaneutralen TU Graz bis 2030 zu kommen“. Zudem ebne der hocheffiziente Wasserstoff-Großmotor den Weg in die industrielle Anwendung. Die Herausforderung dabei: Man benötigt eben Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Dieser Großmotor dient dazu, Energieschwankungen auszugleichen und hilft dann aus, wenn andere Energiequellen ausfallen.
Der Rektor der TU Graz, Horst Bischof, erklärt: Man könne den selbst erzeugten Wasserstoff direkt einspeisen und wäre damit energieautark. „Damit kann der Rektor wieder gut schlafen, sollte irgendwann einmal der Strom ausfallen.“ Und: „Ich will mit der TU Graz in jenen Bereichen tätig sein, wo wir nach außen strahlen.“
Mit dem Projekt scheint das mehr als gelungen, internationale Forschungspartner wie Bosch oder Innio arbeiten längst an der Umsetzung. In Deutschland stabilisiert Innio Energienetze mit Großmotoren in Containern – in Texas (USA) werden mobile Großmotoren eingesetzt, um KI-Zentren je nach Bedarf zu unterstützen.
„Mit Forschungsinfrastrukturen wie dem Zero-Impact-Demonstrator zeigen wir, dass Schlüsseltechnologien für klimaneutrale und resiliente Energiesysteme hier in der Steiermark entwickelt, erprobt und gemeinsam mit der Industrie in die Anwendung gebracht werden“, erklärte Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer.
Von Didi Hubmann
Kleine Zeitung





