Die zunehmenden Hitzewellen verändern die globale Energiewirtschaft grundlegend. Während die Weltwirtschaft vielerorts unter Dürren, Produktionsausfällen und steigenden Kosten leidet, profitieren Stromerzeuger von einem Trend, der sich in den kommenden Jahrzehnten weiter verstärken dürfte: dem stark steigenden Bedarf an Kühlung. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) trugen die außergewöhnlich starken Hitzewellen des Jahres 2024 maßgeblich zum weltweiten Anstieg der Stromnachfrage bei, ein Trend, der sich auch 2025 fortsetzte. Während der Hitzeperioden erreichen die Stromnetze immer häufiger ihre Belastungsgrenzen. Das macht milliardenschwere Investitionen in zusätzliche Kraftwerkskapazitäten, Netzinfrastruktur und Speichersysteme notwendig. Zusätzlich ermöglicht die steigende Stromnachfrage höhere Umsätze. Energieerzeuger mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien profitieren zusätzlich von sinkenden Produktionskosten und regulatorischer Unterstützung.
Zu den größten Stromerzeugern der Welt zählen heute die staatliche State Grid Corporation of China, die chinesische China Energy Investment Corporation, die französische EDF, die italienische Enel, die spanische Iberdrola sowie NextEra Energy in den USA. Während chinesische Konzerne von der enormen Industrienachfrage profitieren, setzen europäische Marktführer zunehmend auf Wind-und Solarenergie.
Enel und Iberdrola gehören mittlerweile zu den weltweit größten Produzenten erneuerbarer Energien. NextEra Energy wiederum gilt als einer der wichtigsten US-Profiteure des wachsenden Strombedarfs durch Klimatisierung, Elektromobilität und Rechenzentren. An den Börsen lässt sich im Energiesektor zunehmend ein Strukturwandel ablesen. Die Transformation hin zu einer elektrifizierten Wirtschaft verspricht mittlerweile stabilere und langfristigere Wachstumsraten als das traditionelle Ölgeschäft.
Für die Energiewirtschaft entsteht damit ein paradoxes Bild. Die Hitzewellen sind eine Folge des Klimawandels und stellen Gesellschaften vor enorme Herausforderungen. Gleichzeitig erhöhen sie den Bedarf an Strom und stärken die wirtschaftliche Position vieler Stromerzeuger. Die großen Gewinner könnten daher jene Unternehmen sein, die den wachsenden Energiebedarf zuverlässig und möglichst klimafreundlich decken können. Die von der IEA ausgerufene „Age of Electricity“ dürfte durch die zunehmenden Extremtemperaturen zusätzlich beschleunigt werden.
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