Strom. Der Wasserkraftkonzern Verbund bekommt die extreme Trockenheit in Österreich zu spüren. Das Ergebnis sinkt zum Halbjahr um ein Drittel.
Österreich erlebt das trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Grundwasserspiegel sind auf einem Rekordtief, die Flüsse führen so wenig Wasser wie selten zuvor. Das macht sich auch in den Zahlen des Wasserkraftkonzerns Verbund bemerkbar: „Uns fehlt ein Drittel der Wassermenge, die wir üblicherweise in unseren Kraftwerken verarbeiten“, sagte Verbund-Chef Michael Strugl am Donnerstag. Im ersten Halbjahr produzierte das Unternehmen um 1,2 Terawattstunden weniger Wasserkraft. Und das reißt ein großes Loch in die Bilanz.
Das operative Ergebnis (Ebitda) ist um ein Viertel auf 1,06 Milliarden Euro gefallen. Alleine der Rückgang der Wasserkraftproduktion schlägt sich mit einem Minus von 370 Millionen Euro nieder, sagte Finanzvorstand Peter Kollmann. Dazu belastet der Rückgang der Strompreise. Das bereinigte Konzernergebnis schrumpfte um 31,4 Prozent auf 537,8 Millionen Euro.
Anpassung notwendig
Auch seine langjährige Hedgingstrategie kommt dem Konzern heuer teuer zu stehen. Verbund verkauft traditionell große Mengen seiner erzeugten Mengen traditionell im Voraus zu fixierten Preisen. Gibt es so schlechte Wasserjahre wie heuer, muss das Unternehmen an den Börsen Strom zurückkaufen, um die notwendigen Mengen bereitstellen zu können. In Summe hätten diese Rückkäufe im ersten Halbjahr 200 Millionen Euro gekostet, so Strugl. An der grundsätzlichen Hedging-Strategie will er nicht rütteln.
Dennoch zwinge die Häufung von extrem trockenen Jahren das Unternehmen zur Weiterentwicklung: „Wir brauchen Diversifizierung, eine breitere Aufstellung sowohl technologisch als auch geografisch“, betont der Verbund-Chef. Das sei nicht nur für das Unternehmen selbst relevant, sondern auch für die Versorgungssicherheit des Landes. Noch sei die Versorgung mit Elektrizität auch in Hitzewellen gewährleistet. Die Ausfälle in der Wasserkraft werden aktuell zur Mittagszeit von Solaranlagen abgefedert, an den Tagesrandzeiten von Pumpspeichern und thermischen Kraftwerken und in der Nacht über Stromimporte.
Standbeine in halb Europa
Wie lange das so gut gehen kann, erforscht das Unternehmen gemeinsam mit AIT, Geosphere Austria und der Boku. Problematisch ist der starke Anstieg der Verdunstung und die Schwankungen zwischen normalen und trockenen Jahren. „Wir müssen uns anpassen“, sagt Strugl.
Gelingen soll das mit einem breiteren Mix an Erzeugungstechnologien und auch einer stärkeren geografischen Streuung der Kraftwerksstandorte. Verbund betreibt große Wasserkraftwerke in Österreich und Bayern, hat in den vergangenen Jahren aber auch viele Solar- und Windkraftprojekte in Spanien, Italien, Albanien und Rumänien zugekauft.
Die Presse



