Ungarn drosselt Leistung des Kernkraftwerks Paks

30. Juli 2026, Budapest
Maßnahme wegen Rekordtief bei Donau-Wasserstand
 - Mariaposching, APA/dpa

Wegen eines historischen Rekordtiefs des Donau-Wasserstandes und damit Kühlwassermangels musste das ungarische Kernkraftwerk Paks seinen Reaktorblock 3 komplett vom Netz nehmen und die Leistung von Block 2 auf die Hälfte senken. Laut Aussendung des Betreibers MVM Paks Nuclear Power Plant Ltd. (Paksi Atomerőmű Zrt.) vom Donnerstag ist der Wasserpegel der Donau in den vergangenen Stunden weiter gesunken, er stehe aktuell bei minus 112 Zentimeter.

Die Entscheidung sei im Sinne der Aufrechterhaltung des sicheren Betriebs des AKW und der Einhaltung der Vorschriften des Umweltschutzes getroffen worden, heißt es in der Aussendung. Laut Behörden ist die Energieversorgung des Landes dennoch gesichert.

Kritik am Bau neuer Reaktorblöcke

Paks liefert über die Hälfte des ungarischen Stroms. Gleichzeitig ist der umstrittene Bau von zwei weiteren Reaktorblöcken (Paks II) mittels russischen Darlehens und unter Leitung des russischen Staatskonzerns Rosatom in Planung bzw. Ausführung.

Einschlägige Kritik kommt hier von Umweltschützern und Nachbarländern. Diese bezieht sich auf die enge Bindung zu Russland und die angespannte Kühlwasser-Situation an der Donau.

Ungarn betreibt seit 1982 in der südungarischen Stadt Paks das von der damaligen Sowjetunion gelieferte Atomkraftwerk. Zwei der vier Blöcke sollen durch die beiden neuen Reaktoren aus der Fertigung von Rosatom ersetzt werden. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme nicht vor Mitte der 2030er-Jahre gerechnet.

EuGH beanstandete Verstoß gegen EU-Recht

2017 hatte die Europäische Kommission staatliche Beihilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro für den Bau genehmigt. Die Vergabe des Projektes erfolgte direkt an Rosatom – ohne das vorgeschriebene EU-weite Ausschreibungsverfahren. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2025 in einem Urteil festgestellt, dass diese direkte Vergabe des milliardenschweren Auftrags an Rosatom gegen EU-Recht verstößt.

Neue Regierung will Revision aller Verträge

Unter der neuen ungarischen Regierung von Premier Péter Magyar steht Paks II auf dem Prüfstand. Die einschlägigen Verträge des von Russland und Rosatom beherrschten Baus sollen neu bewertet werden.

APA