Drohende Houthi-Blockade erhöht Druck auf Ölversorgung

21. Juli 2026, Sanaa/Riad
Zweite Versorgungsroute könnte lahm gelegt werden
 - Khor Fakkan, APA/AFP

Während die erneute Eskalation im Krieg zwischen den USA und dem Iran wieder den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz lahmlegt, droht für die weltweite Belieferung mit Öl und Gas nun auch an anderer Stelle Gefahr. Denn die mit dem Iran verbündete Houthi-Miliz im Jemen hat eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien im Roten Meer angekündigt. Warum dies von Bedeutung ist und was es für den Iran-Krieg und die globale Energiekrise bedeutet:

Es ist unklar, wie die Huthis eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien, den nördlichen Nachbarn an der Küste des Roten Meeres, durchsetzen wollen und ob dies eine Wiederaufnahme von Angriffen auf die Schifffahrt in der Region wie schon im Gaza-Krieg umfassen würde. Die Westküste des Jemen liegt an der Meerenge Bab el-Mandab, dem südlichen Zugang zum Roten Meer. Das Rote Meer wiederum ist nach der Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran zu einer wichtigen Alternativroute für den Export von Öl und anderen Produkten aus den Golfstaaten geworden. Eine schwerwiegende Störung würde bedeuten, dass beide wichtigen Ölexportrouten im Nahen Osten gleichzeitig unterbrochen wären. Denn Saudi-Arabien hat inzwischen mehr als 70 Prozent seiner normalen täglichen Rohölexporte in den Hafen von Janbu am Roten Meer umgeleitet. Schiffe aus Janbu mit Ziel Europa fahren nach Norden durch den Suezkanal. Die Schiffe nach Asien fahren jedoch nach Süden durch Bab al-Mandab.

Die Lieferungen aus Janbu beliefen sich in den vergangenen Wochen nach Angaben der Datenanbieter Kpler und Signal Ocean auf durchschnittlich vier Millionen Barrel pro Tag, gegenüber rund 973.000 Barrel pro Tag im Vorjahr. Die Gesamtmenge an Erdöl, die Bab al-Mandab passierte, belief sich im Juni laut Kpler-Daten auf 7,4 Millionen Barrel pro Tag, was etwa sieben Prozent der weltweiten Ölproduktion entspricht – vor einem Jahr waren es nur 4,2 Millionen Barrel pro Tag. Und Saudi-Arabien erwägt laut einem Bericht von Reuters aus der vergangenen Woche eine Erweiterung seiner Rohölpipeline an die Küste des Roten Meeres.

Wer sind die Houthis?

Die Huthi-Miliz entstand in den 1990er-Jahren im Norden des Jemen als militärische, politische und religiöse Bewegung und führten Guerillakriege gegen die Regierung in Sanaa. Seit mehr als einem Jahrzehnt befindet sie sich in einem Bürgerkrieg gegen die von Saudi-Arabien unterstützte, international anerkannte Regierung und hat auch Nachbarländer am Golf mit Raketen und Drohnen angegriffen.

Ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien aus dem Jahr 2022 hielt jedoch weitgehend bis zur vergangenen Woche, als die international anerkannte Regierung des Jemen erklärte, sie habe den Flughafen von Sanaa angegriffen, um die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern. Die Houthis machten Saudi-Arabien dafür verantwortlich und feuerten daraufhin Raketen auf den Flughafen Abha im bergigen Südwesten des Königreichs ab.

Der Iran unterstützt die Houthis als Teil seiner regionalen „Achse des Widerstands“, zu der auch die libanesische Hisbollah und irakische schiitische Milizen sowie die radikal-islamische Palästinenser-Organisation Hamas gehören. Die Houthis erkennen den obersten Führer des Iran aber nicht in gleicher Weise als ihre höchste religiöse Autorität an wie die Hisbollah und die irakischen Gruppen. Ihre Motive sind hauptsächlich innenpolitischer Natur. Es ist unklar, inwieweit die Haltung der Miliz zu Bab al-Mandab und dem Roten Meer auf ihren eigenen strategischen Prioritäten oder Anweisungen des Iran beruht.

Frühere Angriffe im roten Meer

Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und des darauffolgenden israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen begannen die Houthis, nach eigenen Angaben zur Unterstützung der Palästinenser mit Raketen und Drohnen auf Israel und Schiffe im Roten Meer zu feuern. Die Angriffe führten zu erheblichen Störungen des weltweiten Schiffsverkehrs und veranlassten große Reeder wie Maersk und Hapag-Lloyd, ihre Routen um die Südspitze Afrikas umzuleiten – eine weitaus längere und teurere Strecke.

Der Schiffsverkehr im Roten Meer hat sich seitdem nicht erholt. Laut Daten der Suezkanal-Behörde ist das Verkehrsaufkommen durch den Suezkanal im Jahr 2025 im Vergleich zu 2023 um 52 Prozent zurückgegangen und befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit mindestens 50 Jahren. Ein von den USA geführter Einsatz zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt im Roten Meer umfasste wiederholte Angriffe auf die Houthis sowie den Schutz von Schiffen, bei dem Hunderte von Drohnen und Raketen abgeschossen wurden. Die Angriffe der Houthis endeten erst mit der Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober vollständig.

Im vergangenen Monat kündigten die Houthis dann aber an, dass sie Schiffe mit Verbindungen zu Israel an der Durchfahrt durch das Rote Meer hindern würden, nachdem Israel seine Luftangriffe auf den Iran wieder aufgenommen hatte. Diese Drohung wurde jedoch nie in die Tat umgesetzt. Die Reedereien Maersk und Hapag-Lloyd nahmen einige Routen im Roten Meer wieder auf, die sie während der Houthi-Angriffe im vergangenen Jahr aufgegeben hatten.

APA/Reuters