
Die Chef der Wiener Stadtwerke, Peter Weinelt, sieht erneuerbare Energien als eine Chance, sich resilienter gegenüber globalen Krisen zu machen. „Der Klimawandel ist eine Tatsache, das merkt man an der Trockenheit, das merkt man an den Temperaturen. Da gibt es verschiedene Studien dazu, aber es reicht die Praxis“, sagte Weinelt im Gespräch mit der APA. Ein Konzern wie die Stadtwerke müsse vor diesem Hintergrund „vorangehen“ und in die Mobilitäts- und Energiewende investieren.
„Wir haben in Europa seit 2022 auf die schmerzhafte Tour gelernt, was Abhängigkeit bedeutet“, sagte Weinelt. Egal, wohin man den Blick richte, seien es die Temperaturen und die gerade vorbeigegangene Hitzewelle oder die Straße von Hormuz und die globalen Auswirkungen des Krieges in der Region, „wir landen immer beim selben Thema, dass Investitionen in die erneuerbaren Energien zur Resilienz beitragen, beim Strom wie bei der Wärme“, so der Stadtwerke-Chef.
Abschied von Gasheizungen in Wien bis 2040
Das Ziel der Stadtwerke und der Wien Energie sei weiterhin, die Gasheizungen in Wien bis 2040 zur Gänze abzubauen. „Es sind viele Dinge, die die Umsetzung sehr schwierig machen“, sagte Weinelt. Er verwies etwa auf fehlende gesetzliche Verpflichtungen zum Heizungstausch: „Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das nicht gekommen ist, unter der Vorgängerregierung, natürlich war das nicht hilfreich.“ Die Wien Energie stelle derzeit pro Jahr rund 10.000 Wohnungen von Gas-Etagenheizungen auf Fernwärme oder Wärmepumpen-Systeme um. Das entspreche einer mittleren österreichischen Stadt, für Wien sei diese Größenordnung zwar relativ klein, „aber wir sind auf dem Weg dorthin“. An den Zielen will Weinelt festhalten, denn „wenn wir die Ziele jetzt aufweichen, wird das keine Beschleunigung erfahren, wir müssen da draufbleiben“.
Die Fernwärme wird aktuell noch zu etwa 60 Prozent aus fossilem Gas produziert, bis 2040 soll komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Auf dem Weg der Dekarbonisierung setzen die Stadtwerke unter anderem auf Tiefengeothermie. Die erste Bohrung in Aspern soll im Winter 2027 ans Netz gehen, weitere größere Bohrungen sind in Donaustadt geplant. Im Endausbau sollen in den 2030er-Jahren etwa 200.000 der rund 1 Million Haushalte in Wien mit Wärme aus der Tiefe versorgt werden. Insgesamt sollen dann rund 56 Prozent der Wiener Haushalte mit Fernwärme beheizt werden, große Wärmepumpen kommen in weniger dicht besiedelten und hügeligen Stadtgebieten zum Einsatz.
Iran-Krieg lässt Energiepreise Jo-Jo spielen
Die jüngsten Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten infolge des Iran-Kriegs bereiten dem Stadtwerke-Chef weniger Kopfzerbrechen, als es die Energiekrise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 getan hat. Der Unterschied zwischen damals und jetzt sei: „Es ist wirklich gelungen, LNG-Terminals et cetera und den Lieferantenkreis auszuweiten“, sagte Weinelt. Mit Blick auf die physikalische Versorgung mit Gas seien die Auswirkungen der Iran-Krise nicht vergleichbar mit dem Jahr 2022. Die Auswirkungen auf die Preise seien allerdings gegeben, der Stadtwerke-Chef sprach von einem „Jo-Jo-Spiel“ entlang der politischen Entwicklungen rund um Waffenstillstände und andere Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien. Die Preise für Gas seien jedenfalls gestiegen, was sich auch auf die Preise in der Stromproduktion auswirke. Die Folgen für die Endkundenpreise seien aber immer noch sehr schwer prognostizierbar.
Auch vor diesem Hintergrund pocht der Stadtwerke-Chef auf Investitionen in die Erneuerbaren. Bei den Wiener Linien und den Lokalbahnen stelle man die Busse von Diesel auf Elektroantriebe um, um unabhängiger von globalen Krisen zu werden. Beim Strom habe die Trockenheit heuer zu weniger Erzeugung aus der Laufwasserkraft geführt, gleichzeitig habe die Hitze den Strombedarf zuletzt unter anderem durch Klimaanlagen um rund 20 Prozent in die Höhe getrieben. „Deshalb brauchen wir wie den berühmten Bissen Brot die Photovoltaik und vor allem den Wind“, sagte Weinelt.
Umstieg auf Erneuerbare „Riesenchance“
Sollte es gelingen, die Energieversorgung weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen, erspare sich Österreich „die berühmten 10 bis 12 Milliarden Euro“, die jährlich für Benzin, Diesel und Gas ausgegeben werden. Man sei dann nicht mehr davon abhängig, ob „durch die Straße von Hormuz ein Tanker“ durchgeht oder nicht, so der Stadtwerke-Chef. „Das sind alles Erpressungssituationen, denen man sich nicht sehenden Auges langfristig ausliefern kann.“ Darin sieht Weinelt auch eine „Riesenchance“ für die Industrie.
APA





