Steirische BDI errichtete Anlage, die aus Abfällen Vorprodukte für nachhaltige Kraftstoffe gewinnt.
Gent ist ein guter Boden für die steirische BDI-BioEnergy International. Mitte 2022 stellte sie in der belgischen Hafenstadt für den US-Konzern Cargill eine Biodieselanlage fertig – es war damals der größte Auftrag in der Firmengeschichte.
Nun setzt das Unternehmen aus Raaba-Grambach abermals einen Meilenstein in Gent. Mit Ghent Renewables wurde im Nordseehafen eine hochmoderne Anlage in Betrieb genommen, die komplexe Abfallströme zu hochwertigen Einsatzstoffen für erneuerbare Kraftstoffe verarbeitet und dabei „Maßstäbe setzt“, wie die BDI mitteilt. Die Anlage „übernimmt eine zentrale Rolle in der Stärkung der Lieferkette für nachhaltige Kraftstoffe“ – insbesondere für Sustainable Aviation Fuel (SAF), also nachhaltigen Flugkraftstoff.
Die EU hat per Verordnung Quoten für die Beimengung von SAF zum Flugbenzin festgesetzt. Bis 2030 lautet das Ziel sechs Prozent, bis 2035 20 Prozent, bis 2050 soll der SAF-Anteil auf 70 Prozent steigen.
Die neue Anlage in Gent mit einer Kapazität von rund 100.000 Tonnen im Jahr stellt Vorprodukte für SAF her. Dafür verarbeitet sie eine breite Palette von minderwertigen Abfällen wie Tierfette, Altöle und Industrieabfälle, erläutert Christine Riedl, Direktorin der Division Biofuels und RetroFit bei der BDI der Kleinen Zeitung. Mithilfe der BDI-Technologie – sie ist das Herzstück der Anlage – werden sie in hochreine Zwischenprodukte umgewandelt, die sich für die Weiterverarbeitung zu erneuerbarem Diesel und SAF eignen. „Die Inbetriebnahme dieser Anlage ist ein bedeutender Meilenstein“, bezeugen Manfred Baumgartner und David Niederl, Geschäftsführer von BDI-BioEnergy International.
Ein Fingerzeig ist das Projekt vor dem Hintergrund des Krieges im Iran und drohender Engpässe bei Kerosin und anderen Kraftstoffen. Der Brandherd im Nahen Osten zeigt die Abhängigkeit Europas von fossilen Energieträgern auf, während das Projekt von BDI und Ghent Renewables einen direkten Beitrag zum Ausbau der SAF-Produktion leistet.
Krieg und Knappheit „spielen uns in die Karten“, bestätigen Niederl und Riedl. Sie appellieren an die EU, die Beimischmengen von SAF zu erhöhen. Der Krieg müsse dazu führen, dass in Europa die eigenen Industrien gestärkt werden und der Energiesektor unabhängiger wird. Dazu bedürfe es Investitionen in die SAF-Produktion und in einen eigenständigen Markt. Freilich: Selbst um die geltenden SAF-Quoten zu erfüllen, reichen die Produktionskapazitäten in Europa nicht aus.
Die Projekt-Pipeline der BDI indes sei „gut gefüllt“, versichern Niederl und Riedl. Aufträge gebe es auch aus Asien. Auch Biodieselanlagen werden wieder gebaut. Die BDI zählt hier zu den Markt- und Technologieführern.
Von Hannes Gaisch-Faustmann
Kleine Zeitung


