Suche nach heißem Thermalwasser läuft

16. April 2026, Mödling

Um das geothermische Potenzial der Region präzise bestimmen zu können, setzen die EVN und die Universität Wien im Bereich Achau bis Schwechat auf eine Kombination aus seismischer Messung und geologischen Bohrungen.


Von Achau bis Schwechat – über mehrere Wochen wurden rund 240 seismische Sensoren im südlichen Wiener Becken vergraben, verteilt über eine Fläche von etwa 220 Quadratkilometern. Diese sogenannten Geophone messen das natürliche seismische Grundrauschen der Erde, das durch Gewitter, Meeresbrandung oder menschliche Aktivitäten entsteht.


Durch die Analyse dieses kontinuierlichen „Erdrauschens“ lassen sich Rückschlüsse auf die Struktur der Gesteinsschichten in mehreren Kilometern Tiefe ziehen. Unterschiedliche Gesteine verändern die Ausbreitung der seismischen Wellen – so entsteht ein erstes geophysikalisches Modell des Untergrunds.
„Mit dieser Methode können wir erstmals großflächig und völlig schonend Hinweise darauf gewinnen, wo sich tiefgelegene, wasserführende Gesteinsschichten befinden könnten“, erklärt Gregor Götzl, Geothermieprojektleiter der EVN. Die Daten bilden eine wichtige Grundlage für die Standortsuche künftiger Tiefen-Geothermieanlagen.


Forschungsbohrung am Sooßer Lindkogel


Parallel zur seismischen Untersuchung wurde am Sooßer Lindkogel in Bad Vöslau eine Forschungsbohrung durchgeführt. Diese erreicht rund 70 Meter Tiefe und erschließt den Wettersteindolomit – ein Gestein, das im Wiener Becken normalerweise mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche liegt, hier aber an die Oberfläche tritt.


Die Bohrkerne erlauben detaillierte Analysen der geologischen Eigenschaften, insbesondere der Durchlässigkeit für Thermalwasser – ein entscheidender Faktor für die geothermische Nutzung.
In den Labors der Universität Wien werden die Proben zusätzlich unter realistischen Druckverhältnissen getestet, wie sie sonst nur in großer Tiefe herrschen. „Die Untersuchungen liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich das Gestein unter realen Bedingungen verhält“, betont Kurt Decker von der Universität Wien.


Die Aktivitäten sind Teil des Forschungsprogramms „GeoWärme Niederösterreich“, mit dem die EVN das geothermische Potenzial der Region erschließen möchte. Ziel: Zwei Anlagen bis 2035 „Mit den aktuellen Untersuchungen schaffen wir eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Unser Ziel ist es, bis 2035 zwei Tiefen-Geothermieanlagen an unsere Naturwärmenetze anzuschließen“, sagt Gerhard Sacher, Geschäftsführer der EVN Wärme.
Gemeinsam liefern seismische Daten und Bohrkerne ein umfassendes Bild des Untergrunds – und bringen Niederösterreich der umweltfreundlichen Wärmeversorgung der Zukunft einen wichtigen Schritt näher.

Christoph dworak

NÖN Niederösterreichische Nachrichten