Österreich fördert Solarthermie-Ausbau im südlichen Afrika

15. April 2026, Wien
Österreichische Expertise in der Region
 - Freiburg, APA/dpa

Solarthermie-Projekte im südlichen Afrika verbessern die Lebensbedingungen spürbar – von warmem Wasser in Studierendenheimen bis zu besserer Hygiene in Krankenhäusern. Vertreter aus Botswana und Namibia berichteten in der Zentrale der Austrian Development Agency (ADA) in Wien über die Erfolge der Initiative SOLTRAIN. „Der Unterschied zu anderen Projekten ist: Wir wissen, dass die Implementation unser Leben verbessern wird“, sagte Kevin Nnanye Nwaigwe aus Botswana.

„Früher haben unsere Studierenden im Winter protestiert, weil sie morgens nicht duschen konnten“, sagte Kevin Nnanye Nwaigwe, Professor für Maschinenbau an der Universität von Botswana, im Gespräch mit der APA. Seit in den Studentenheimen Solarwärmeanlagen installiert wurden, gebe es keine Proteste mehr. Mittlerweile produziere die Universität sogar einen Überschuss an Wärme: „Wir sind von einem Mangel zu einer Überproduktion übergegangen.“

Auch im Gesundheitsbereich zeigt die Technologie Wirkung. In Namibia versorgt eine thermische Solaranlage die Entbindungsstation des größten öffentlichen Spitals in Windhoek zuverlässig mit Warmwasser. „Früher mussten die Menschen das Wasser mit Wasserkochern erhitzen und in Kübeln transportieren“, berichtete Helvi Ileka vom Namibia Energy Institute. Die Anlage habe die hygienischen Bedingungen deutlich verbessert.

Österreichische Expertise in der Region

Hinter den Projekten steht die Initiative SOLTRAIN (Southern African Renewable Heating and Cooling Training and Demonstration Initiative), die 2009 vom österreichischen Forschungsinstitut AEE INTEC gestartet wurde und von der ADA unterstützt wird. Ziel ist es, den Wärmebedarf in der Region verstärkt durch erneuerbare Energie – insbesondere Solarthermie – zu decken. Derzeit sind viele Länder noch stark von günstiger Kohle abhängig. „Mit dieser langjährigen Zusammenarbeit bringt Österreich nicht nur Expertise in die Region, sondern hilft auch, die Klimakrise global zu bekämpfen“, so Wolfgang Gruber-Glatzl von AEE INTEC.

SOLTRAIN setzt dabei auf praxisorientierte Ausbildung, Demonstrationsanlagen und politische Zusammenarbeit. Mehr als 6.400 Fachkräfte wurden bisher ausgebildet, über 1.000 Demonstrationsanlagen errichtet und jährlich rund 2.300 Tonnen CO2 eingespart.

Langfristig soll die Technologie in größerem Maßstab eingesetzt werden. Namibia, Botswana und Simbabwe haben bereits investitionsreife Finanzierungskonzepte entwickelt, um Solarthermie landesweit auszurollen. „Es handelt sich um konkrete Strategien, die mit staatlicher Unterstützung, der Finanzierung durch Entwicklungs- und Privatbanken und technischer Hilfe durch das SOLTRAIN-Netzwerk realisiert werden können“, so Gruber-Glatzl.

Schulungen stärken Wissenstransfer

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung und der Weitergabe von Wissen in der Region an Studierende und andere Interessierte, die wiederum ihr Know-how weitertragen. Besonders wichtig sei dabei auch die Förderung von Frauen im traditionell männlich dominierten Energiesektor. „Wir haben gelernt, wie wir Frauen gezielter ansprechen können“, sagte Birgit Weyss, ADA-Programmmanagerin für die Region Afrika und Uganda. Vorbilder wie Ileka spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sei mittlerweile Vorbild, Mentorin, Trainerin und ein Beispiel dafür, wie ein wenig Unterstützung sehr viel bewirken könne.

Doch sauberes, kostenfreies Warmwasser gehe weit über verbesserte Hygienestandards und Geschlechtergerechtigkeit hinaus: „Menschen gewinnen dadurch ein Stück Selbstbestimmung zurück“, sagte Nnanye Nwaigwe. Verbesserte Lebensbedingungen durch verlässliche, klimafreundliche Energieversorgung seien ein entscheidender Schritt für die Entwicklung der Region.

APA