Kärntner Industrielle bekräftigen Ruf nach 380-kV-Leitung

13. April 2026, Klagenfurt
Unternehmen betonten Wichtigkeit für Versorgungssicherheit
 - Wien, APA/THEMENBILD

Sieben hochrangige Vertreter von Industrieunternehmen in Kärnten haben am Montag ihren Ruf nach einer Umsetzung der geplanten 380-kV-Leitung in Kärnten bekräftigt. Das Projekt sei nicht nur angesichts des erhöhten Energiebedarfs wichtig – die neue Leitung würde auch Schwankungen im Stromnetz vorbeugen. Denn gerade in der Hightech-Industrie würden dadurch jährlich Schäden in Millionenhöhe entstehen, hieß es bei einer Pressekonferenz der Industriellenvereinigung (IV).

Die neue Leitung sei ein Schlüsselprojekt für das Land, sagte Claudia Mischensky, die Geschäftsführerin der IV Kärnten: Eine moderne Energieinfrastruktur biete Versorgungssicherheit und sichere die Wettbewerbsfähigkeit Kärntens. Eine Umfrage unter den 20 Unternehmen mit dem höchsten Energiebedarf in Kärnten habe ergeben, dass sich ihr Energiebedarf bis zum Jahr 2040 verdoppeln werde. Das betonten auch die Vertreter von Infineon, RHI, Wietersdorfer Alpacem, Wild GmbH, Flex Althofen, Hasslacher Holding und Treibacher Industrie AG bei der Pressekonferenz in Klagenfurt.

Tenor der Teilnehmer: Der Strombedarf werde in Zukunft stark steigen – und ein leistungsfähiges Netz sei dafür essenziell. Eine große Herausforderung seien nämlich Spannungsschwankungen im Netz, so Thomas Reisinger (Infineon Technologies Austria): „Gerade die Wafer-Fertigung ist extrem sensibel, was Spannungsschwankungen angeht. Wir verzeichnen 20 bis 30 pro Jahr, die wir merken.“ Das könne nicht nur Auswirkungen auf die Qualität haben, sondern hochpräzise elektronische Bauteile könnten durch solche Schwankungen überhaupt kaputt gehen. Die Kosten für einen solchen Ausfall könnten dann schnell mehr als 100.000 und bis zu einer Million Euro betragen. Ähnliches gilt für Hochleistungsöfen bei Alpacem oder die Erzeugung der Hightech-Produkte der Wild GmbH.

„Geht um unseren Wohlstand“

Aussagen, dass Kärnten den 380-kV-Lückenschluss gar nicht benötige, begegne man ganz einfach mit Fakten, merkte Mischensky auf Nachfrage an. Es gehe dabei nicht nur um die Zukunft des Standortes, sondern auch um den Wohlstand in Kärnten – immerhin würden 59 Prozent der gesamten Wertschöpfung aus der Industrie stammen. Das betonte auch René Haberl, Vorstand der Treibacher Industrie AG: „Ich appelliere an die Bevölkerung: Bitte unterstützen Sie diesen Ausbau und die rasche Umsetzung. Die 380-kV-Leitung ist für uns und unseren Wohlstand wesentlich. Wenn wir die Innovation in Kärnten halten wollen, brauchen wir das.“

Vergangenen Herbst war die Grobtrasse für die neue 380-kV-Leitung präsentiert worden, die sich quer durch Kärnten erstrecken wird. Die 192 Kilometer lange Trasse führt von Lienz übers Drautal, den Ossiacher Tauern und südlich von Feldkirchen und St. Veit an der Glan nach Obersielach bei Völkermarkt. Die Feintrassen-Planung läuft aktuell, Mitte 2027 soll das UVP-Verfahren stattfinden, bevor 2029 mit dem Bau begonnen werden soll. Die Inbetriebnahme erfolgt laut aktuellen Plänen im Jahr 2033. Neben dem Neubau wird auch das regionale 110-kV-Netz verstärkt.

APA