Die Spritpreisbremse, die heute in Kraft tritt, wird wohl kaum etwas bewirken. Energieexperten ermutigen Bürger, den Energieverbrauch deutlich zu drosseln
Mit Spannung blicken etliche Autofahrer heute auf die Anzeigentafeln bei den Tankstellen. Wird mit Inkrafttreten der Spritpreisbremse der Treibstoff heute billiger? Wohl kaum, sind sich Experten und Energiehandel weitgehend einig. Dennoch sind die hohen Preise nicht unbedingt nur Schicksal. Wichtig wäre es, den Verbrauch massiv einzuschränken. 15 Prozent Einsparung seien ohne einschneidende Verluste drinnen, sagt der langjährige Chef der E-Control, Walter Boltz, im Gespräch mit den OÖNachrichten.
- Wirkt die Spritpreisbremse?
Ein OÖN-Leser, der die Preise an den Tankstellen beobachtet, hat sich leicht resigniert gemeldet und vermutet, dass die geplante Preisreduktion von zehn Cent je Liter Treibstoff bei den Autofahrern nicht ankommen wird. Obwohl der internationale Ölpreis nicht mehr gestiegen sei, hätten einige Tankstellen die Preise am 1. April weiter erhöht, um sie vielleicht am Donnerstag um zehn Cent sinken zu lassen. So oder so wird die Maßnahme der Regierung eher symbolischen Charakter haben. Der Energiehandel kontert, dass die Regierung ein Verordnungschaos verursacht habe. Die geplanten Margeneinschnitte seien nicht durchdacht. „Es ist inakzeptabel, dass fünf Stunden vor Inkrafttreten der Verordnung weder die konkreten Einzelheiten noch die Verordnung selbst vorliegen“, sagt der Obmann des Energiehandels in der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Bernd Zierhut. Die Preissenkung werde so oder so verpuffen. - Warum bleiben die Preise auf dem Weltmarkt nicht nur für Erdöl überdurchschnittlich hoch?
Auch in den USA, die zwar viel Erdöl selbst fördern und verarbeiten, nehmen die Preissteigerungen langsam Dimensionen an, die für den US-Präsidenten Donald Trump politischen Sprengstoff enthalten. Mit vier Dollar je Gallone (3,70 Liter) kostet der Liter Benzin zwar nur rund einen Euro je Liter. Das reicht aber, um die US-Bürger zu verärgern. In Europa sind die Preise massiv gestiegen. Laut ÖAMTC hat der Dieselpreis in Österreich innerhalb eines Monats um 70 Cent zugelegt, Benzin wurde um 40 Cent teurer. Selbst wenn die Kampfhandlungen im Iran schnell zu Ende gehen, sei mit einer schnellen Rückkehr in die preisliche Normalität nicht zu rechnen. Auch Flugbenzin (Kerosin), das zu 40 Prozent aus den Raffinerien der Golfstaaten kommt, und Schwefel (für die notwendige Schwefelsäure im Bergbau) werden wohl noch einige Zeit teuer bleiben, sagt Energieexperte Boltz. Auch der Energiekommissar der EU, Dan Jorgensen, rechnet mit längeren Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Energiepreise: „Ich halte es für äußerst wichtig, so deutlich wie möglich zu sagen, dass wir selbst bei einem morgigen Friedensschluss in absehbarer Zukunft nicht zur Normalität zurückkehren werden.“ - Wann können sich die Preise im besten Fall wieder beruhigen?
In der Region ist viel an Energieinfrastruktur zerstört worden und muss wieder aufgebaut werden. Das hat die Importkosten für fossile Energie um 14 Milliarden Euro erhöht. Boltz rechnet damit, dass es vor dem Sommer keine Erholung gibt und die Preise bestenfalls im Vergleich zu jetzt nicht mehr steigen. Dies auch deshalb, weil es dauert, bis Schiffe wieder regelmäßig fahren, diese versichert werden und die Lager wieder aufgefüllt sind.
- Steht uns eine Verknappung beim Treibstoff und beim Gas ins Haus?
„Einen unmittelbaren Versorgungsengpass“ erwartet EU-Kommissar Jorgensen nicht, aber bei Diesel und Flugbenzin könne es zu Verknappung kommen, ebenso bei der Gasversorgung. Die Gasspeicher waren im Vorjahr Ende März zu gut 30 Prozent gefüllt, heuer wegen des kalten Winters sind es nur 20 Prozent. Daher will Jorgensen nur 80 statt 90 Prozent Befüllung der Gasspeicher vorschreiben. Erdölexperte Johannes Benigni sieht die Lage, wie berichtet, pessimistischer und rechnet noch im April mit Verknappungen an manchen Tankstellen. - Soll die Politik stärker in den Treibstoffpreis eingreifen?
Davon raten die meisten Experten ab. Gabriel Felbermayr vom Wifo warnt davor, dass Staatseingriffe die Inflation anheizen könnten. Auch der ehemalige Chef der E-Control, Boltz, erwartet maximal symbolische Akte der Regierung, weil sie sich auch nicht mehr leisten kann und eine Reaktion auf steigende Preise eher ein Rückgang beim Verbrauch sein sollte. In einem breiteren Zusammenhang wird auf Betreiben Österreichs über eine Änderung des EU-Emissionshandels diskutiert. - Was kann jeder Einzelne beitragen?
Es seien viele bekannte Maßnahmen – von der Absenkung der Raumtemperatur um ein bis zwei Grad über Tempo 100 auf den Autobahnen bis zum Entschluss, möglichst viele Fahrten mit dem Pkw zu vermeiden -, die viel bewirken, wenn man gemeinsam Verantwortung übernimmt. Boltz geht davon aus, dass 15 Prozent des Energieverbrauchs kurzfristig eingespart werden können, ohne dass darunter jemand leiden muss und Wohlstand einbüßt. Sinke die Nachfrage, habe das natürlich Auswirkungen auf die Preise, sagt Boltz.
„Wenn jeder Verantwortung übernimmt, kann man den Verbrauch drosseln. Das wird auch den Preisanstieg dämpfen.
Walter Boltz, der Energieexperte war viele Jahre Geschäftsführer der Energiebehörde E-Control
„Ich halte es für wichtig, deutlich zu sagen, dass wir selbst bei einem morgigen Friedensschluss in absehbarer Zeit nicht zur Normalität zurückkehren.“
Dan Jorgensen, EU-Kommissar
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