
Die EVN hat sich mit Natur- und Umweltschutzorganisationen auf einen Kompromiss für die Zukunft des historischen Wasserkraftwerks Rosenburg (Bezirk Horn) geeinigt. Der Energieversorger modernisiert laut einer Aussendung von Freitag den Standort, erhält dabei jedoch Stau- und Fallhöhe. Zusätzlich werden freiwillige Begleitmaßnahmen wie eine höhere Wasserabgabe über den Umlaufberg sowie Schotterzugaben im Oberlauf des Kamp umgesetzt. Die Arbeiten sollen im August starten.
Bisher konnten 1.100 Haushalte versorgt werden, künftig sollen es 1.400 sein, sagte EVN-Sprecher Stefan Zach. Der Standort inklusive Krafthaus, Technik und Staumauer wird erneuert, die beiden Turbinen werden ersetzt. Vorgesehen sind weder eine Stauzielerhöhung noch eine Unterwassereintiefung oder eine neue Zufahrtsbrücke. Mit Oktober 2028 soll das neue Kraftwerk in Betrieb gehen.
Einigung nach jahrelangen Konflikten
Das Wasserkraftwerk Rosenburg wurde 1908 von der Stadtgemeinde Horn errichtet. In den 1960er-Jahren führten Proteste zum Rückzug von Plänen für eine vierte Staumauer. Bei einem Hochwasser 2002 wurde die Wehranlage größtenteils zerstört und danach provisorisch erneuert. Ursprünglich hatte das börsenotierte Unternehmen eine Modernisierung samt einer Stauzielerhöhung und einer Unterwassereintiefung von maximal eineinhalb Metern geplant, 2017 wurde das Projekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht. Das Vorhaben stieß jedoch auf Widerstand von NGOs, Gegner sahen darin einen unverhältnismäßigen Eingriff in ein wertvolles Naturgebiet. Angesichts eines drohenden jahrelangen Rechtsstreits zog das Unternehmen das ursprüngliche Projekt Anfang 2024 zugunsten einer Sanierung des Bestands zurück.
Nach mehreren Gesprächsrunden unter der Federführung des niederösterreichischen Umweltanwalts Tom Hansmann haben sich nun EVN sowie Vertreter von NGOs und Bürgerinitiativen auf einen „tragfähigen Kompromiss“ verständigt, hieß es. Voraussetzung für eine Lösung seien „zwei Seiten, die aufeinander zugehen wollen“, hielt Hansmann fest. Zach sah „einen guten Kompromiss im Sinne des Großen und Ganzen“.
Die Einigung entspreche „den Grundsätzen eines naturverträglichen Ausbaus der Wasserkraft“, so Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes. Der „ausverhandelte Mehrwert einer deutlich erhöhten, dynamischen Restwassermenge, die Kieszugabe zur Anlage von Laichplätzen und das Artenschutzprojekt Huchen als freiwillige Zusatzmaßnahmen der EVN überzeugten schließlich auch alle am Prozess beteiligten Vertreter der Naturschutzorganisationen“, betonte Erhard Kraus von Lanius – Forschungsgemeinschaft für regionalen Naturschutz. Der über zehn Jahre andauernde Einsatz für eine in Österreich einzigartige naturnahe Flusslandschaft habe „zu einem vertretbaren Kompromiss geführt“, so Clemens Feigl von der Bürgerinitiative Lebendiger Kamp.
APA



