Energiepreisschock bremst deutsches Wirtschaftswachstum

3. April 2026, Berlin

Konjunktur. Aufgrund des Iran-Kriegs senken deutsche Ökonomen die BIP-Prognose für dieses Jahr von 1,3 auf 0,6 Prozent. 2027 soll es in Deutschland nur noch zu einem Plus von 0,9 Prozent kommen. Die Inflationsrate dürfte hingegen auf 2,8 Prozent steigen.


Die Folgen des Iran-Kriegs mit stark gestiegenen Energiepreisen bremsen das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Führende Forschungsinstitute erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 nur um 0,6 Prozent zulegt. Der „Energiepreisschock“ im Zuge des Iran-Kriegs treffe die Erholung der deutschen Wirtschaft hart, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Vor rund einem halben Jahr hatten die Institute noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet.
Für 2027 prognostizieren die Wirtschaftsforscher nun ein Wachstum von 0,9 Prozent. Auch das ist deutlich pessimistischer: Zuvor hatten sie mit 1,4 Prozent gerechnet.


Die Institute erwarten außerdem ein spürbares Anziehen der Verbraucherpreise. Nach ihrer Einschätzung wird die Inflationsrate in Deutschlandheuer auf durchschnittlich 2,8 Prozent steigen und 2027 auf 2,9 Prozent. An der „Gemeinschaftsdiagnose“ beteiligt sind unter anderem das Münchner Ifo-Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).


Preissprünge bei Öl und Gas
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es zu Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, die sehr wichtig ist für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas, ist wegen des Kriegs und drohender iranischer Angriffe praktisch zum Erliegen gekommen.
Nach Jahren der Flaute und einem Mini-Wachstum 2025 sollte es in diesem Jahr eigentlich wieder deutlich bergauf gehen für die deutsche Wirtschaft – auch wenn das Wachstum vor allem durch die staatlichen Milliardenausgaben für Verteidigung und zur Modernisierung der Infrastruktur getrieben wird. Diese staatlichen Ausgaben verhinderten ein stärkeres Abrutschen der Konjunktur, sagte Wollmershäuser. Die Institute rechnen damit, dass der „Energiepreisschock“ in diesem und im nächsten Jahr jeweils 0,3 Prozentpunkte Wachstum kostet.


Und es könnte noch schlimmer kommen. In der Prognose wird unterstellt, dass die Straße von Hormus im Lauf des zweiten Quartals wieder voll passierbar sein wird und die Energiepreise ab dem Sommer sinken. Wäre aber der Handelsverkehr durch die Straße von Hormus auch den Sommer über blockiert, könnten die wirtschaftlichen Folgen noch viel gravierender sein. Dann wäre mit noch weitaus höheren Erdöl- und Erdgaspreisen zu rechnen, so die Institute. „Auch der Welthandel würde gebremst und erhebliche Probleme in den globalen Lieferketten wären zu erwarten.“ Die Inflation in Deutschlandkönnte über drei Prozent steigen.


Der Anstieg des Erdgaspreises verteuere nicht zuletzt auch Düngemittel, was auf die Nahrungsmittelpreise ausstrahle, heißt es in der Prognose. Zudem dürfen auch höhere Produktions- und Transportkosten auf die Preise für Waren durchschlagen. Die gestiegene Inflation dämpfe den privaten Konsum. Vor einem halben Jahr noch hatten die Institute für 2026 einen Anstieg der Verbraucherpreise um zwei Prozent und für 2027 um 2,3 Prozent vorhergesagt.
Im März trieben die Folgen des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Inflationsrate lag bei 2,7 Prozent nach 1,9 Prozent im Februar.


Gegen Markteingriffe
Die Institute empfehlen, Preissignale auch in Energiekrisen wirken zu lassen. Wollmershäuser wandte sich gegen einen kurzfristigen Aktionismus. „Wir raten dringend von pauschalen Markteingriffen wie einem Tankrabatt ab. Dieser ist kostspielig, er kommt vielen zugute, die eine Entlastung nicht brauchen.“ Außerdem werde das Knappheitssignal des Preises verzerrt. Sozialpolitisch sinnvoller wären gezielte Transfers.

Die Presse