Wendepunkt für europäischen Solarmarkt

27. März 2026

Wie sich die Streichung der Export-Subventionen in China auf den heimischen Markt auswirkt.


Mit 1. April 2026 streicht China zentrale Export-Subventionen für Photovoltaik-Produkte. Die bisherige Mehrwertsteuererstattung von 0 Prozent für PV-Produkte entfällt, bei Batteriespeichern wird die Rückerstattung schrittweise reduziert – von 9 Prozent auf 6 Prozent ab 2027, später vollständig auf null. „Was wie eine innenpolitische Maßnahme wirkt, hat direkte Folgen für Europa – und besonders für Österreich, das stark von chinesischen Modulen und Speichersystemen abhängig ist“, bekräftigt Daniel Pölzlbauer, Ingenieur für Erneuerbare Energien und Elektrotechnik.


Fallen die Export-Subventionen weg, steigen die Herstellerpreise – und das spüren Installateure und Endkunden unmittelbar. Bislang erhielten chinesische Hersteller für ausgeführte Photovoltaik-Produkte die zuvor entrichtete Mehrwertsteuer teilweise oder vollständig zurück. Dieses Instrument wirkte wie ein indirekter Exportanreiz und ermöglichte besonders wettbewerbsfähige Preise auf dem Weltmarkt. Mit dem Wegfall dieser Rückerstattung erhöhen sich die effektiven Exportkosten.


Zeitverzögerte Preiswirkungen


Die Auswirkungen werden sich zeitverzögert durch die Lieferketten bewegen. Viele Hersteller versuchen derzeit, noch größere Mengen zu bisherigen Konditionen nach Europa zu liefern. Solange entsprechende Lagerbestände verfügbar sind, bleibt das Preisniveau stabil. Sobald diese Bestände abgebaut oder durch höher eingekaufte Ware ersetzt werden, dürften Preisanpassungen folgen. Erste Erhöhungen werden ab dem späten Frühjahr 2026 erwartet und könnten sich in den Folgemonaten vollständig durchsetzen. Insbesondere für Großprojekte ist diese Entwicklung relevant. Steigen Modul- und Speicherpreise dauerhaft, verändern sich die Wirtschaftlichkeitsberechnungen deutlich. Projekte mit knapper Rendite könnten neu bewertet oder verschoben werden. Pölzbauer: „Mit dem Wegfall des steuerlichen Exportvorteils verändert sich auch das Marktgefüge. Besonders günstige Anbieter profitierten bislang stark von der Rückvergütung. Fällt dieser Vorteil weg, reduziert sich der Abstand zwischen Niedrigpreisprodukten und hochwertigeren Systemen. Damit rücken Lebensdauer, Servicefähigkeit und technische Leistungsfähigkeit stärker in den Fokus. Anlagen höherer Qualität können sich über den gesamten Betriebszeitraum wirtschaftlich stabiler darstellen, selbst wenn die Anfangsinvestition etwas höher ausfällt.


Komplettsysteme gefragt


Parallel steigt die Nachfrage nach Speicherlösungen. Steigende Netzkosten und der Wunsch nach höherem Eigenverbrauch fördern insbesondere Komplettsysteme. Gleichzeitig zeigt sich, dass häufig einzelne Hardwarekomponenten verkauft werden, ohne die notwendige Systemintegration ausreichend zu berücksichtigen. Im gewerblichen Bereich führt das teils dazu, dass Großspeicher nicht optimal gesteuert werden können. Fehlende oder nur rudimentär ausgeführte Energiemanagementsysteme schränken den Nutzen ein. Integrierte Lösungen, die Hardware und Software als abgestimmtes Gesamtpaket verbinden, sind bislang vergleichsweise selten.


Zusätzlicher Preisdruck und neue handelspolitische Vorgaben verschärfen den Wettbewerb weiter. Vor allem Anbieter, die fast ausschließlich über den Preis verkaufen, verfügen oft nur über geringe finanzielle Reserven. Müssen solche Unternehmen den Markt verlassen, sind Garantie- und Serviceleistungen für bereits installierte Anlagen unter Umständen nicht mehr gesichert.


Das Ende der chinesischen Export-Mehrwertsteuer-Rückvergütung markiert einen Wendepunkt für den europäischen Solarmarkt. Die Energiewende bleibt technisch umsetzbar, doch ihre ökonomischen Rahmenbedingungen verändern sich spürbar. Investitionsentscheidungen sollten daher nicht ausschließlich am kurzfristigen Preis ausgerichtet werden. Systemqualität, Integrationsfähigkeit und langfristige Stabilität gewinnen an Bedeutung, wenn steigende Kosten die Wirtschaftlichkeit stärker in den Mittelpunkt rücken.

Vorarlberger Nachrichten