Wärmeschatz unter der Erde

26. März 2026, Wien

Ab 2028 soll die Tiefengeothermie der Fernwärme einheizen

Regional, erneuerbar, ganzjährig verfügbar und unabhängig von Preisschwankungen an den internationalen Energiemärkten – das alles verspricht die Tiefengeothermie. In Aspern arbeiten Wien Energie und OMV daran, diese Energiequelle für die Fernwärme nutzbar zu machen.


Denn Wien will bis 2040 klimaneutral sein, das Heizen stellt dabei eine besondere Herausforderung dar. Um fossile Energieträger schrittweise zu verdrängen, müssen Erneuerbare stark ausgebaut werden. Bereits ab 2028 soll die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens mithelfen und in das Fernwärmenetz einspeisen. Das Projekt ist ein gemeinsames Vorhaben von Wien Energie und OMV. Zur Umsetzung haben die beiden Unternehmen das Joint Venture „deeep“ gegründet.


Pionier-Anlage


Im Dezember 2024 erfolgte der Startschuss zu den Bohrungen in Wien Aspern. Bis zum Sommer 2025 wurden hier drei Bohrungen drei Kilometer tief in die Erde getrieben. Denn in dieser Tiefe, in einer Gesteinsschicht namens Aderklaaer Konglomerat, findet sich ein natürliches Heißwasservorkommen. Ab dem Herbst 2025 wurde das etwa 100 Grad heiße Wasser erstmals an die Oberfläche gefördert. In unterschiedlichen Tests werden unter anderem die Fördermenge, Temperatur und die chemische Zusammensetzung untersucht. Diese Informationen ermöglichen es deeep, eine Anlage an der Oberfläche zu planen, mit der die Wärmeenergie gefördert und in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann. Das abgekühlte Wasser wird dann wieder in das Aderklaaer Konglomerat zurückgeführt, sodass ein geschlossener Kreislauf entsteht. Mit einer Leistung von 20 Megawatt soll die erste Anlage 20.000 durchschnittliche Wiener Haushalte mit Heizung und Warmwasser versorgen. Das bedeutet CO2-Einsparungen von rund 54.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Wien Energie und OMV nehmen für dieses Leuchtturmprojekt rund 90 Millionen Euro in die Hand.

Das soll aber erst der Anfang sein: „Die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens ist dann unsere Blaupause für den weiteren Ausbau: Bis 2040 wollen wir mit mehreren Anlagen nachhaltige Fernwärme für bis zu 200.000 Wiener Haushalte erzeugen“, sagt Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber. Grundlage für die Umsetzung der ersten Tiefengeothermie-Anlage Wiens war das größte Geologie-Forschungsprojekt in der Geschichte Österreichs. Von 2016 bis 2022 untersuchten Wien Energie und OMV gemeinsam mit weiteren Partnern den Wiener Untergrund. Mit seismischen Messungen an 16.000 Punkten wurde dabei ein 3D-Modell der Gesteinsschichten erstellt.


Fernwärme wird klimaneutral


Bisher werden bereits 479.000 Wiener Haushalte und Tausende Unternehmen mit Fernwärme versorgt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Müllverbrennung. Gut die Hälfte der Energie wird aber bislang mit Kraft-Wärme Kopplungsanlagen produziert, zur Spitzenabdeckung kommen außerdem Heizwerke zum Einsatz. Diese Anlagen werden vorrangig mit Erdgas betrieben. Das soll sich bis 2040 ändern. Wien Energie will das Fernwärmenetz künftig nicht nur klimaneutral betreiben, sondern auch weiter ausbauen. Um das möglich zu machen, wird ein Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energieträgern benötigt. Die Tiefengeothermie soll laut Wien Energie 2040 etwa ein Viertel der insgesamt benötigten Energie beitragen. Eine zentrale Rolle kommt auch Großwärmepumpen und der Nutzung von Abwärme zu. Auch die Müllverbrennung soll weiterhin ihren Beitrag leisten. Zu den Vorteilen der Nutzung von Tiefengeothermie zählt, dass sie ganzjährig stabil und regional verfügbar ist. Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energieträgern bietet sie vor allem im Winterhalbjahr eine hohe Versorgungssicherheit. Auch ist der Platzverbrauch an der Oberfläche vergleichsweise gering.

Kurier