Fernwärmeerzeugung in Österreich

26. März 2026

Potenzial. Die Fernwärme stellt eine tragende Säule der österreichischen Wärmeversorgung dar und gewinnt im Kontext der Energiewende weiter an Bedeutung

In Österreich wurden zuletzt 31,8 Prozent des energetischen Endverbrauches durch Heizungswärme (inkl. Warmwasserbereitung) bestimmt. Der Anteil der Nah- und Fernwärme am gesamten Wärmebedarf Österreichs (Raumklima und Warmwasser) liegt aktuell bei 18,9 Prozent. Die Zahl fernwärmeversorgter Wohnungen ging im Berichtsjahr 2024 weiter nach oben und erreicht einen Marktanteil von 29 Prozent. Mit 1,205 Mio. Wohnungen wurden 2024 um 3,5 Prozent mehr Wohnungen mit Nah-/Fernwärme beheizt als noch ein Jahr zuvor – ein Plus von 40.600 Wohneinheiten. Die Nachfrage nach Fernwärme verteilt sich auf mehrere Sektoren. Haushalte stellen mit rund 45 Prozent die größte Kundengruppe dar, gefolgt von öffentlichen und privaten Dienstleistungen mit etwa 40,9 Prozent. Industrie- und Gewerbebetriebe nehmen rund 14 Prozent der gelieferten Wärmemengen ab. Diese Struktur zeigt, dass Fernwärme sowohl für die Versorgung dicht besiedelter Wohngebiete als auch für kritische Infrastrukturen und wirtschaftliche Aktivitäten unverzichtbar ist.



Kraft-Wärme-Kopplung– Rückgrat der Erzeugung


Ein wesentlicher Teil der österreichischen Fernwärme stammt aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Diese Anlagen erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme und erreichen dadurch deutlich höhere Gesamtwirkungsgrade als getrennte Produktionsprozesse. Nachdem die Wärmeversorgungsunternehmungen Österreichs in den Jahren 2022 und 2023 ihre Fernwärmeerzeugung sukzessive reduzierten, nahm diese im Jahr 2024 – auf Grund einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit auf den Energiemärkten – wieder kräftig zu. Die Wärmeproduktion in Eigenanlagen stieg verglichen mit dem Jahr 2023 um 16,7 Prozent. Allein der Einsatz der Heizwerke legte im Berichtsjahr 2024 um 14,7 Prozent zu, während der Ab-ruf von Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gar um 18,3 Prozent gesteigert wurde. Damit lag der KWK-Anteil an der gesamten Nah-/Fernwärmeerzeugung der erfassten FGW-Mitgliedsunternehmen bei 58 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 57 Prozent. Gasbefeuerte KWK-Anlagen bilden dabei ein zentrales Standbein der Versorgung. Erdgas ermöglicht eine flexible Fahrweise und ist somit für die Versorgungssicherheit bei Strom und Wärme von großer Bedeutung.


Der Schlüssel für den hohen erneuerbaren Anteil


Der vergleichsweise hohe Anteil erneuerbarer Energien in der österreichischen Fernwärmeproduktion ist in erster Linie auf Biomasse zurückzuführen. Vor allem Holzabfälle, Hackschnitzel und andere biogene Reststoffe spielen eine dominierende Rolle. In den KWK-Anlagen der Energieversorger wurden rund 3,3 TWh Fernwärme aus Holzabfällen erzeugt. Auch industrielle Betreiber erzeugten Wärmemengen im Ausmaß von 0,7 TWH aus Biomasse. Besonders ausgeprägt ist die Bedeutung von Biomasse in Heizwerken. Dort stammen etwa 7,1 TWh von insgesamt 9,8 TWh erzeugter Fernwärme aus Holzabfällen — ein Anteil von ca. 73 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Biomasse der entscheidende Faktor für den hohen erneuerbaren Anteil der Fernwärmeerzeugung in Österreich ist. Sie ermöglicht eine regional verfügbare, speicherbare und vergleichsweise stabile Wärmeproduktion, die unabhängig von kurzfristigen Witterungsschwankungen funktioniert.


Weitere Energieträger


Auch andere erneuerbare Energiequellen spielen eine immer größere Rolle. Geothermie, Solarthermie oder Großwärmepumpen tragen in einzelnen Projekten zur Versorgung bei. Auch erneuerbare Gase wie Biomethan oder Wasserstoff sind mengenmäßig zwar gering, könnten jedoch langfristig Erdgas ersetzen. Um die langfristigen Klimaziele zu erreichen, ist ein massiver Ausbau dieser Technologien erforderlich.


Perspektiven der Transformation


Die Fernwärmeerzeugung in Österreich befindet sich somit in einem Spannungsfeld zwischen bereits erreichten Fortschritten und erheblichem Transformationsbedarf. Einerseits sorgt die starke Nutzung von Biomasse dafür, dass der Anteil erneuerbarer Energien im internationalen Vergleich hoch ist. Andererseits bleibt derzeit eine gewisse Abhängigkeit von Erdgas in den Ballungsräumen. Für eine vollständige Dekarbonisierung wird es notwendig sein, zusätzliche erneuerbare Quellen in großem Umfang zu erschließen – etwa industrielle Abwärme, tiefe Geothermie, Großwärmepumpen oder synthetische Gase.


Eine solide Basis für die Wärmewende


Ebenso entscheidend sind Investitionen in Netzausbau, Speichertechnologien und Digitalisierung der Systeme. Insgesamt zeigt die österreichische Fernwärmewirtschaft jedoch eine solide Ausgangsbasis für die Wärmewende. Die Kombination aus leistungsfähigen Netzen, effizienter KWK-Technologie und einer starken Biomassebasis ermöglicht es, die Transformation schrittweise umzusetzen. Entscheidend wird sein, die derzeit noch kleinen Beiträge anderer erneuerbarer Energieträger rasch zu skalieren, um Erdgas langfristig ersetzen zu können und eine vollständig klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen.


Leitungslänge


Das Fernwärmesystem wuchs im Jahr 2024 um rund 92 km. Per 31.12.2024 erreichte die Gesamt-Trassenlänge der Heizwassernetze der Wärmeversorgungsunternehmungen Österreichs 6.219 km nach 6.127 km per 31.12.2023 (+1,5 Prozent).

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