Die für den Weltmarkt wichtigen Flüssiggasanlagen in Katar sind durch iranische Raketen beschädigt worden. Auch Öl verteuerte sich wegen der zugespitzten Lage im Nahen Osten deutlich.
Der Preis für europäisches Erdgas ist am Donnerstag deutlich gestiegen. Die für den Weltmarkt besonders wichtigen Flüssiggasanlagen in Katar sind bei einem iranischen Raketenangriff schwer beschädigt worden. An der Börse in Amsterdam legte die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat am Donnerstag in der Früh um 24,5 Prozent auf 67,89 Euro je Megawattstunde (MWh) zu.
Die Lage am Golf spitzte sich am Donnerstag weiter zu. Nach dem israelischen Schlag gegen die Gasanlage South Pars am Mittwoch feuerte der Iran wieder Raketen auf Katar und Saudi-Arabien ab. Der staatliche Energiekonzern Qatar Energy meldete „umfangreiche Schäden“ und „beträchtliche Brände“ in mehreren Flüssiggasanlagen (LNG) in der Industriestadt Ras Laffan. Dort wird etwa ein Fünftel des weltweiten Gasangebots verarbeitet. Ein Schiff wurde vier Seemeilen östlich der Anlage von einem unbekannten Geschoss getroffen, die Besatzung blieb unverletzt.
Angriff auf Gasfeld
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran als Folge mit einer massiven Bombardierung und vollständigen Zerstörung des wichtigen Gasfelds South Pars gedroht. South Pars ist der iranische Sektor des weltweit größten Erdgasvorkommens, das sich der Iran mit Katar teilt. Eine solche Attacke des US-Militärs werde es geben, falls Iran weiter Katars Gasindustrie angreife, schrieb er auf der Plattform Truth Social. Für diesen Fall drohte er mit einem Angriff „mit einer Stärke und Schlagkraft, wie Iran es noch nie zuvor gesehen hat“. Zugleich betonte er, dass Israel dieses Gasfeld nicht erneut angreifen werde – solange der Iran Katar nicht weiter attackiere.
Auch Saudi-Arabien geriet erneut ins Visier. Über Riad wurden nach Regierungsangaben am Mittwoch und Donnerstag ballistische Raketen abgefangen. Ein Branchenvertreter berichtete zudem von einem Luftangriff auf den saudi-arabischen Hafen Yanbu am Roten Meer, dem derzeit einzigen Exportweg für Rohöl der Golfstaaten. Die Auswirkungen seien minimal gewesen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) fuhren ihre Gasanlage Habschan herunter, nachdem sie Raketen abgefangen hatten. Das Außenministerium in Abu Dhabi sprach von einem „terroristischen Angriff“.
Die Sorgen vor Lieferengpässen werden immer stärker, nachdem der Krieg im Nahen Osten in seine dritte Woche geht. Die Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus am Persischen Golf beginnen sich vor allem auf Verbraucher in Asien auszuwirken. Sie sind auf Lieferungen aus der Golfregion besonders angewiesen und haben zuletzt auch auf dem europäischen Markt verstärkt Gas nachgefragt. Jetzt kommen auch Angriffe auf Gasfelder hinzu. Dies könnte die Versorgung mit Erdgas auch längerfristig beeinträchtigen. In Asien spitzt sich die Lage bereits zu, in Indien wird das Gas zum Kochen knapp, andernorts wird Benzin bereits rationiert.
Wegen des Preissprungs wird die Wiederbefüllung der Gasspeicher in Europa heuer nach Einschätzung von Speicherbetreibern eine große Herausforderung. Da auch der Strommarkt noch immer, vor allem im Winter, stark von Gaskraftwerken abhängig ist, wirkt sich der Gaspreis auch auf die Strompreise aus.
Auch die Ölpreise legten am Donnerstag angesichts der zugespitzten Lage im Nahen Osten deutlich zu. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg zeitweise auf mehr als 115 Dollar. Deutlich verhaltener ist die Preisentwicklung bei der US-Sorte WTI. Der Preis für ein Barrel zog lediglich leicht auf etwas mehr als 96 Dollar an. Die Differenz zwischen Brent und WTI ist derzeit so groß wie seit Anfang 2015 nicht mehr.
Während Trump erklärte, die USA hätten keine Vorabkenntnis von dem israelischen Angriff gehabt, berichtete das Wall Street Journal hingegen, der US-Präsident habe den Plänen zugestimmt. Katar ist ein enger Verbündeter der USA und beherbergt deren größten Militärstützpunkt in der Region.
Sicherheit für Öltanker
Angesichts der Eskalation erwägt Trump Insidern zufolge die Entsendung tausender weiterer US-Soldaten in den Nahen Osten. Diese könnten eingesetzt werden, um die Sicherheit für Öltanker in der Straße von Hormus wiederherzustellen, sagten ein US-Regierungsvertreter und drei weitere mit den Planungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Iran hat das Nadelöhr, durch das ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt, blockiert. Bitten Trumps an Verbündete, bei der Öffnung der Straße zu helfen, wurden bislang abgelehnt.
Die Außenminister von zwölf mehrheitlich muslimischen Ländern verurteilten bei einem Treffen in Riad die iranischen Angriffe. Der saudi-arabische Außenminister Faisal bin Farhan warnte, der Druck des Iran werde politisch und moralisch nach hinten losgehen. „Wir behalten uns das Recht vor, militärische Maßnahmen zu ergreifen, falls dies für notwendig erachtet wird“, sagte er.
Auch die Börsen haben am Donnerstag wieder deutlich nachgegeben. Durch die gestiegenen Preise für Öl und Gas sind Inflations- und Konjunktursorgen zurück an den Märkten. Deutlich verbilligt hat sich auch die Krisenwährung Gold. Zuletzt wurde eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) bei 4716,38 US-Dollar gehandelt. Das waren 2,13 Prozent weniger als am Vorabend.
(Reuters, bpf)
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