
Eine von der IG-Windkraft in Auftrag gegebene Studie betont die Wichtigkeit von Windkraft zur Verringerung der Winterstromlücke in Tirol. Schöpfe man das vorhandene Windpotenzial von 2,9 Terawattstunden im Jahr aus, sei eine Reduktion der Lücke um bis zu zwei Drittel möglich, hieß es. Das bedeute auch, „dass der Stromimportbedarf im Winter signifikant gesenkt werden kann“, sagte IG-Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.
Grundsätzlich sei man aber bezüglich Unabhängigkeit vom internationalen Strommarkt in Tirol „bereits recht gut aufgestellt“, sagte Maringer und nannte auch die Wasserkraft in Tirol als wesentliche Quelle für heimische Energieerzeugung: „Wichtig für die Zukunft ist aber, dass Tirol einen guten Mix aus Wasserkraft und Windkraft vorzuweisen hat.“ Das sei auch vor dem Hintergrund der „globalen Gaskrise“ vonnöten, um „Unabhängigkeit von fossiler Energie im Winter zu erreichen.“
Windkraft in Tirol für „sinnvolle Diversifizierung“
Hierbei komme der Windkraft eine zentrale Rolle zu, zumal diese „im Herbst und Winter stark sei“. Wasserkraft und Photovoltaik würden dagegen im Frühling und Sommer viel Energie liefern, erklärte Maringer. „Gemeinsam mit Windkraft erreicht man eine sinnvolle Diversifizierung“, meinte er. Diese Kombination liege in Tirol jedenfalls wahrlich auf der Hand: „Wir haben diese Energiequellen ja vor der Haustüre.“
Damit diese Form von Diversifizierung und damit auch „eine Resilienz des Tiroler Energiesystems“ erreicht werde, müsse aber das „Windpotenzial in Tirol noch deutlich stärker genutzt werden“, strich Studienautor Jürgen Neubarth heraus. Derzeit trage „Windkraft drei Prozent zum Tiroler Strommix bei“, nannte er Zahlen. „Das Potenzial ist aber deutlich höher, nämlich bei Faktor zehn“, so Neubarth. Möglich sei jedenfalls „eine sehr gute Komplementarität zur Wasserkraft in Tirol“, hielt er fest. Jetzt müsse Tirol „den Mut aufbringen“, dieses Potenzial auch zu nutzen, adressierte Neubarth auch die Tiroler Landespolitik.
Maringer sah jedenfalls auf Nachfrage keinen wirklichen „Gegenwind“ durch die schwarz-rote Landesregierung. Er sei davon überzeugt, dass das Thema Windkraft in Tirol auch „zunehmend politische Unterstützung“ erfahren werde. Noch sei man aber in Tirol in Sachen Windkraft ohnehin ganz am Anfang und so könne er auch nicht sagen, „wann das erste Windrad in Tirol stehen wird“. Man sei im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erst bei Windmessungen und damit beim Ausloten „erster Projekte“. Aktuell suche man zudem auch den Dialog mit Gemeinden und der Bevölkerung.
Beschleunigungsgebiete nur für PV in Tirol
Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung hatte sich grundsätzlich zur Windkraft bekannt. Bei der Ausweisung von „Beschleunigungsgebieten“ im Rahmen des zweiten Erneuerbaren-Ausbaugesetzes wurden diese Gebiete jedoch nur für die Photovoltaik, aber nicht für Windkraft, definiert. Der zuständige Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) betonte dazu im September aber, dass das nicht bedeute, „dass sich in Tirol in Zukunft keine Windräder drehen werden“. Er verwies zudem auf eine aufrechte Prämie von 100.000 Euro für die Errichtung des ersten Windrades in Tirol.
APA




