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Enso hydro baut Wasserkraftwerk in Albanien

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Wien/Luxemburg, 17.12.2013

Der steirische Wasserkraft-Entwickler enso hydro hat in Albanien mit dem Bau eines Wasserkraftwerks begonnen, das ab 2015 mit einer installierten Leistung von 9 Megawatt und einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 32 GWh fast 10.000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Die Investitionskosten betragen 23 Mio. Euro.

An der Finanzierung des Projekts beteiligt sich die Oesterreichische Entwicklungsbank (OeEB) mit einem Kredit über 5 Mio. Euro. Der Green for Growth Fund, Southeast Europe (GGF) ist mit einem Darlehen über 9,1 Mio. Euro dabei.

"Albanien ist ein extrem gutes Wasserkraft-Land", sagte der Chef der enso hydro GmbH, Georg Kühhas, am Dienstag vor Journalisten in Wien. Darum man habe sich entschieden, an der Lengarica in der Provinz Gjirokaster ein Wasserkraftwerk zu installieren, "das sich auch in Österreich sehen lassen könnte".

Es sei eine großer Herausforderung gewesen Investoren zu finden, die bereit waren mit Eigenkapital nach Albanien zu gehen, aber auch eine große Herausforderung Fremdkapital für die Finanzierung zu finden. "Wir hatten ewig lange und nicht einfache Gespräche mit Kommerzbanken gesucht, aber wir mussten feststellen, dass Albanien ein Land ist, in dem man auf Entwicklungsbanken und das Umfeld von Entwicklungsbanken sehr stark angewiesen ist", sagte Kühhas.

Albanien sei eines der ärmsten Länder in Europa, "das Pro-Kopf-Einkommen liegt noch immer unter 3.000 Euro" im Jahr, sagte OeEB-Vorständin Andrea Hagmann. Es sei ein Land, "wo Kommerzbanken nicht wirklich Appetit haben, langfristige Finanzierungen zu geben". Der OeEB-Kredit über 5 Mio. Euro hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Die OeEB sei überzeugt, dass das Wasserkraftwerk Lengarica einen Mehrwert für ein Albanien bringe, wo es immer wieder zu Stromunterbrechungen komme und teurer Strom importiert werden müsse, der noch dazu aus fossilen Energieträgern erzeugt werde.

Geschützt vor politischer Willkür

In anderen Ländern beteilige sich die OeEB auch selbst an Projekten und damit werde die Republik Österreich mittelbar zum Gesellschafter. "Das schützt in diesen schwierigen Märkten schon ein wenig vor politischer Willkür", sagte OeEB-Vorstand Michael Wancata. Die Oesterreichische Entwicklungsbank AG wurde 2008 im Auftrag des Finanz- und des Außenministeriums gegründet und ist seither als offizielle Entwicklungsbank der Republik Österreich tätig.

Für den 2009 gegründeten GGF ist Lengarica das erste Projekt dieser Art. "Diese Projekte haben alle eine relativ lange Vorlaufzeit", sagte GGF-Vorstand Michael Neumayr. Begonnen habe man mit der Arbeit an dem Projekt bereits 2010, "es war eine schwere Geburt". Investoren beim GGF sind u.a. die deutsche KfW Entwicklungsbank, und die Europäische Entwicklungsbank.

"Wasserkraft rechnet sich nicht schnell", sage Kühhas. "Wir reden hier über Zeiträume von 30, 35 Jahren", für die die Lizenzen vergeben würden. Viele der anfangs von "local heroes" in Albanien erworbenen Lizenzen würden brachliegen, denn die Erwerber hätten oft nicht die nötige Sachkenntnis oder das Geld. Enso habe sich vier oder fünf solche Projekte angesehen und sich dann für Lengarica entschieden.

Das Wasserkraft-Potenzial in Albanien sei enorm, ist Kühhas überzeugt. "Albanien kann sicher so ausgebaut werden, dass es sich zu 100 Prozent aus Wasserkraft versorgen kann, und da muss man nicht jeden Bach zubauen." Derzeit werde aber noch die Hälfte des Stroms importiert.

Enso hydro investiert 80 Mio. Euro Eigenkapital in ein Portfolio aus kleinen und mittleren Wasserkraftwerken. Im Endausbau sollen es rund 30 Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 150 MW sein. Eigentümer der enso hydro sind vor allem institutionelle Investoren, gut 30 Prozent gehören der enso GmbH & Co KG, hinter der die Industriellenfamilien Kapsch, Trierenberg und Frizberg stehen.