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Fotovoltaikanlagen: Förderaktion gestartet

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20. Mar. 2019

Der Klima- und Energiefonds hat Anfang März sein Förderpaket für erneuerbare Energien präsentiert.

In Summe stehen dafür heuer 9,7 Mio. Euro zur Verfügung. Davon sind 4,3 Mio. Euro für Fotovoltaikanlagen mit maximal fünf kWp vorgesehen, für die sich neben Privatpersonen auch Betriebe oder Vereine bewerben können. Gefördert werden frei stehende PV-Anlagen und Aufdachanlagen mit 250 Euro/kWp, gebäudeintegrierte Anlagen mit 350/kWp sowie Gemeinschaftsanlagen mit maximal 50 kWp. Zusätzlich steht ein Budget von rund 3,4 Mio. Euro für große Dachflächenanlagen von Land- und forstwirtschaftlichen Betrieben als einmaliger Investitionskostenzuschuss zur Verfügung. Einreichungen unter: 
www.pv.klimafonds.gv.at

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Klimaschutz: Warum wir uns mehr anstrengen müssen

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20. Mar. 2019

Auf allen Kontinenten an fast 1700 Orten finden heute Demonstrationen für mehr Klimaschutz-Aktivitäten statt, auch in Österreich. Ausgelöst hat das ein schwedischer Teenager.
Worum es den Jugendlichen geht.

Skolstrejk för klimatet - Schulstreik für das Klima: Vor einem knappen Jahr hat die schwedische Schülerin Greta Thunberg (siehe unten) aufgrund der Hitzewelle im Sommer 2018 begonnen, die Schulbank gegen die Straßen zu tauschen. Aus Protest platzierte sie sich mit einem Transparent am ersten Freitag nach Schulbeginn vor dem schwedischen Reichstag und hat damit eine weltweite Protestwelle ausgelöst. 


Auch in Österreich werden heute Tausende Schüler den Unterricht schwänzen und in sieben Städten für ihre Zukunft auf die Straße gehen. Was sind ihre Anliegen? Wie sieht die Situation bei uns aus, und was sollte die Politik und jeder Einzelne tun? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
 
Worum geht es den Schülern, die heute streiken? 
Ihnen geht es um nichts weniger als den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, denn die jetzigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen nicht aus. Das bestätigt die europäische Wissenschaftselite, die sich unter dem Titel #Scientists4future zusammengeschlossen hat und die Anliegen der Jugend unterstützt (www.scientists4future.org) . 

Wie steht es um den weltweiten Klimaschutz? 
Die vom Menschen verursachte Erderwärmung seit den 1850er-Jahren beträgt ein Grad Celsius. Im Jahr 2015 haben 193 Staaten bei der Pariser Klimaschutzkonferenz eine maximale Erwärmung von 2 °C bis zum Ende dieses Jahrhunderts vereinbart, besser noch wären 1,5 °C. Tatsache ist, dass weltweit viel zu wenig unternommen wird, um diese Ziele auch nur annähernd zu erreichen. 

Wie viel dürften die Österreicher verbrauchen und wie viel verbrauchen sie tatsächlich? 
"Global ist klar, wie viel Treibhausgase noch an die Atmosphäre abgegeben werden dürfen, damit die Temperatur nicht mehr als 2°Celsius steigt", erklärt der Klimaforscher Karl Steininger von der Uni Graz. "Das sind 1000 Gigatonnen , die weltweit bis 2050 noch emittiert werden dürfen. Dieses Kohlenstoff-Budget kann man auf jedes Land runterrechnen. In der für Österreich günstigsten Variante heißt das, wir dürfen bis 2050 noch maximal 1500 Millionen Tonnen ausstoßen. Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, haben wir 2035 unser Budget ausgeschöpft und dürfen bis 2050 gar nichts mehr emittieren." 

Die Regierung will bis 2030 Strom nur mehr aus erneuerbaren Energieträgern produzieren - wie stehen wir da? 
Um das Ziel zu erreichen, bräuchte es eine Verdreifachung der heutigen Windkraftleistung, sagt die IG Windkraft, zuletzt sei beim Ausbau kaum etwas weitergegangen. Dennoch bleibt das Problem, dass in Österreich rund zwei Drittel der Gesamtenergie nach wie vor fossil (Öl, Gas, Kohle) sind. Diese Energieträger müssten bis 2050 zur Gänze verschwinden. 

Was sind die Folgen des Klimawandels für die Menschen in Österreich? 
In Österreich ist die Temperatur seit 1980 bereits um 2 °C gestiegen. Die Prognose für die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts sind weitere 1,4 °C. Zu erwarten sind heiße, trockenere Sommer mit doppelt so vielen Tagen über 30 Grad Celsius wie bisher. Heißt: mehr Niederschläge im Winter und weniger im Sommer, mehr Muren und Steinschläge, Waldbrände. Land- und Forstwirtschaft werden mit mehr Schädlingen zu kämpfen haben. Bereits heute kosten die wetter- und klimabedingten Schäden in Österreich etwa eine Milliarde Euro. Diese Summen werden bis Mitte des Jahrhunderts auf bis zu 8,8 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen. 

Wer sind die schlimmsten Klimasünder? 
Wer für weniger - Emissionen sorgen will, sollte beim Energieverbrauch ansetzen - weltweit der größten Klimasünder. Die Energiegewinnung macht rund 30 % der -Emissionen aus, weil sie vornehmlich noch auf fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Erdgas basiert. Der Transportsektor ist für rund 14 % der - Emissionen verantwortlich. Beim Personenverkehr sind Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge die größten Klimakiller. Lebensmittel sind für weiter rund 20 % verantwortlich. 

Wie sieht ein klimaneutraler Verkehr aus ? 
Die Zersiedlung führt zu mehr Autoverkehr, weshalb sie gestoppt werden müsste. Gestärkte Ortszentren und eine bessere Nahversorgung gelten als weitere Lösung. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren müssten verboten , Öffis und Bahn besser und billiger werden. 

Was kann Österreich tun, um das Wohnen klimafreundlicher zu machen? 
Öl und Gas sollten durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Im Neubau muss sich der Passivhausstandard durchsetzen. 
Wie muss sich unser Konsumverhalten ändern? Die Kreislaufwirtschaft sollte angekurbelt werden und Produkte zu 100 Prozent recycelt werden. Langlebigkeit und Möglichkeiten, Dinge zu reparieren, gehören verbessert. 

Müssen wir uns anders ernähren? 
Die aktuelle Formel lautet derzeit: Weniger Fleisch und Milchprodukte, dafür mehr regionales Obst und Gemüse. Experten fordern zudem die Stärkung der biologischen Landwirtschaft, denn die gilt als klimafreundlicher. 

Kurier, von B. Gaul, U. Brühl
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Energieeffizienz mit Hindernissen

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20. Mar. 2019

Der Umsatz wächst, das Ergebnis weniger. Warum die Stein-und keramische Industrie trotz Auslastungsspitzen keine Freudentänze macht.

Ein Plus von 4,6 Prozent und ein hochgerechneter Umsatz auf 3,52 Milliarden Euro für das Jahr 2018, so lautet das Ergebnis der Konjunkturerhebung des Fachverbands der Stein-und keramischen Industrie unter seinen Mitgliedsunternehmen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg österreichweit um 2,8 Prozent auf 13.113 Beschäftigte. Der Bauboom stellte die Produzenten im vergangenen Jahr aber zunehmen vor Herausforderungen. "Fast alle Teilbranchen konnten - man könnte auch sagen mussten - ihre Umsätze im letzten Jahr steigern, um die Ergebnisse zu halten. Stark steigende Logistik-,Energie-, aber auch Personalkosten waren für fast alle Unternehmen eine große Herausforderung", so Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands.

Kostentreiber drücken aufs Ergebnis
Allein die Transportkosten stiegen bis zu 20 Prozent, wenn überhaupt Frächter zur Verfügung standen. Folglich bauen sich viele Hersteller wieder einen eigenen Fuhrpark. Als energieintensive Baustoffindustrie leiden die Produzenten vor allem unter den Preiserhöhungen von Strom und Gas. "Die Gaspreise sind seit 2017 um 50 Prozent gestiegen, die CO2-Preise haben sich vervierfacht, die Trennung der Strompreiszone Deutschland-Österreich führte ebenfalls zu einer massiven Kostensteigerung bis zu 30 Prozent", erklärt Manfred Asamer, Obmann des Fachverbands Steine + Keramik.

Energie-und Emissionsoptimierung im Blick
Die Branche mache in puncto Energieeffizienz ihre Hausaufgaben. "Es ist bekannt, dass die Stein-und keramische Industrie eine energieintensive Industrie ist und die Prozessemissionen unserer Produkte nicht völlig verhindert werden können, aber wir arbeiten weiter an der Optimierung", so Andreas Pfeiler. Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Wegener Center für Klima und globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz wird derzeit u. a. den Fragen nachgegangen, wie einzelne Schritte innerhalb des gesamten Lebenszyklus eines Baustoffs optimiert und wie die Wechselwirkungen zwischen Produktion, Transport und Verwendung besser aufeinander abgestimmt werden können. Erste Ergebnisse sollen 2020 präsentiert werden.

Standortnachteile
Hinsichtlich der heimischen Energiepolitik sieht Pfeiler jedoch Nachholbedarf. "Die Trennung der Strompreiszone zwischen Deutschland und Österreich muss aufgehoben werden, oder die enormen Preisanstiege müssen über Kompensationen korrigiert werden. Hierzu könnten die im Strompreis enthaltenen CO2- Kosten aus dem EU-Emissionshandel, analog dem deutschen Modell, refundiert werden." Begrüßt wird die Ankündigung der Bundesregierung, das Ökostromregime künftig marktnäher zu gestalten. Der Fachverbandsgeschäftführer macht darauf aufmerksam, dass die europäischen Umwelt-und Energieleitlinien für energieintensive Betriebe die Möglichkeit bieten, überbordende Ökostromförderbeiträge zu deckeln. "Österreich macht davon nicht Gebrauch, wodurch wir gegenüber Nachbarländern einen wesentlichen Standortnachteil haben", appelliert Pfeiler an die Verantwortlichen, diesen Nachteil aufzuheben.

2019: Seitwärtsbewegung erwartet
Heuer werde nicht mit den Wachstumsraten des Jahres 2018 zu rechnen sein, aber auch eine geringere Wachstumsrate werde eine Bauaktivität auf sehr gutem Niveau für 2019 bedeuten, so Asamer. Die Unternehmen sind für 2019 optimistisch. Man hoffe, dass neben der guten Wohnbauentwicklung auch wieder verstärkt flächendeckend in Infrastruktur investiert werde.

ÜBERBLICK
Branchenergebnisse im Detail
Feuerfestindustrie: +13,0 %(Umsatz 192 Mio. €)Transportbetonindustrie: +12,1 %(Umsatz 480 Mio. €)Beton-und Fertigteilindustrie: +6,3 %(Umsatz 488 Mio. €)Ziegel-und Fertigteilindustrie: +4,0 %(Umsatz 169 Mio. €)Zementindustrie: +3,3 %(Umsatz 436 Mio. €)Schotterindustrie: +1,9 %(Umsatz 116 Mio. €)Putz-und Mörtelindustrie: +0,8 %(Umsatz 396 Mio. €)Sand-und Kiesindustrie: +0,4 %(Umsatz 145 Mio. €)

Österreichische Bau.zeitung
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Befreiung von Ökostromabgabe

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Wien, 20. Mar. 2019

300.000 einkommensschwache Haushalte zahlen nichts 

Es war der Köder, mit dem Türkis-Blau die SPÖ für das Ökostromgesetz gewinnen und damit die notwendige Zweidrittelmehrheit sicherstellen wollte: die Befreiung ärmerer Haushalte von der Ökostromabgabe. Das ist bekanntlich schiefgegangen. 

Die SPÖ hat sich gegen die Novelle zum Ökostromgesetz „in der vorgesehenen Form“ gestellt und Neuverhandlungen zur geplanten Anschlussfinanzierung von nicht überlebensfähigen Biomasseanlagen gefordert. Die Regierung ging darauf nicht ein, hat ein Grundsatzgesetz zur Biomasseförderung in Begutachtung geschickt, das mit einfacher Mehrheit nach Möglichkeit noch im Mai beschlossen werden soll, und hat hat jetzt nachgelegt. Am Donnerstag ist eine Novelle des Ökostromgesetzes in Begutachtung gegangen, mit der die Befreiung einkommensschwacher Haushalte fixiert werden soll. 

Der Kreis der Adressaten ist derselbe, der auch von den Radio- und Rundfunkgebühren befreit ist – rund 300.000 Haushalte. Derzeit zahlt jeder Haushalt über seine Netzrechnung auch bis zu 90 Euro pro Jahr an Ökostromumlage. Mit dem Geld wird der Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind, Sonne und Biomasse unterstützt. Für GIS-befreite Haushalte ist die Abgabe mit 30 Euro gedeckelt. 

Bisher gab es ab Zulassung der Anlage 13 Jahre lang Fixtarife für das Einspeisen von Strom in das öffentliche Netz. Mit dem in Ausarbeitung befindlichen „Erneuerbaren Ausbau Gesetz“ (EAG) soll der Ausbau erneuerbarer Energien auf eine neue Basis gestellt werden. Statt fixer Einspeisetarife soll es Prämien, Ausschreibungen und eventuell Investitionsförderungen geben. Die Branche soll „näher an den Markt“, ist aus Verhandlerkreisen zu hören. 

SPÖ froh über „Einlenken“ 
„Unsere Warnung davor, den Weg über ein Grundsatzgesetz zu gehen und den Ländern die Verantwortung umzuhängen, halten wir aufrecht. Das führt zu einem Chaos und dauert lang“, sagte SPÖ-Energiesprecherin Muna Duzdar dem STANDARD. Bei der Abgabenbefreiung Ärmerer sei man aber dabei. Duzdar: „Wir sind froh, dass die Regierung unsere Forderung übernommen hat.“ (stro) 

Der Standard
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Die Politik als Zünglein an der Waage

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20. Mar. 2019

Windkraft I. Das ambitionierte Klimaziel von 100 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie im Jahr 2030 ist zum Scheitern verurteilt, wenn der Ausbau von Windkraftanlagen stagniert. 

Blickt man ins Weinviertel, entsteht der Eindruck, als floriere die Windkraft. Acht neue Windenergieanlagen des Windparks Dürnkrut-Götzendorf nehmen den Betrieb auf. Im Herbst folgen in Obersiebenbrunn weitere sechs Windkraftanlagen. Sogar in Kärnten, wo die Windkraft bisher kaum eine Rolle gespielt hat, ist noch heuer der Bau des Windparks Kuchalm geplant, und für den Windpark Wöllaner Nock läuft die Standortevaluierungsphase. 

Trotzdem spricht die IG Windkraft, die Interessenvertretung der Windbranche, von einem Rückgang des Ausbaus. "Seit 2014 ist er kontinuierlich nach unten gegangen", sagt Martin Fliegenschnee-Jaksch, Sprecher der IG Windkraft. Hauptgrund sei der eingebrochene Strommarktpreis durch die Übersubventionierung von Kohle und Atomkraftwerken in Europa. Zudem gehe die Anzahl der geförderten Anlagen zurück. Heuer würden mehr als 100 Windräder weniger gefördert als noch 2016. "Auf diese Weise geht sich das Klimaziel der Regierung nicht aus, 100 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie im Jahr 2030 zu erreichen." 

Rund 170 genehmigte Windräder befinden sich derzeit in der Warteschleife. Theoretisch wäre es möglich, 2030 rund ein Viertel des Ökostroms von der Windkraft beizusteuern (22,5 Terawattstunden/ThW), doch dazu müsste man ab 2020 jährlich 120 Windräder mit einer Gesamtleistung von 500 Megawatt (MW) errichten. "Also das Zwei- bis Dreifache von dem, was aktuell getan wird", betont der IG-Windkraft-Sprecher. 

Mehr Fördereffizienz 
Auch die Regierung ist sich klar, dass die Erfüllung der "@LJmission2030" alle erneuerbaren Erzeugungsformen benötigt. "Wir fördern einen Ausbau aller Technologien, dazu gehört selbstverständlich auch die Windkraft", sagt Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz; damit soll die Ökostromförderung auf neue Beine gestellt werden." Die Regierung will mehr Windkraft, aber auch eine höhere Fördereffizienz. "Daher werden wir in Zukunft stärker auf Marktprämien und Ausschreibungen setzen, damit wir mehr erneuerbare Energie für jeden Förder-Euro erreichen können", erklärt die Ministerin. 

Ausschreibungen hält Fliegenschnee-Jaksch für die falsche Strategie. "Im Unterschied zu einem Fotovoltaikprojekt, das sich von der Idee bis zur Stromerzeugung in einem halben Jahr umsetzen und gut kalkulieren lässt, dauert das bei der Windenergie mehrere Jahre, in denen sich Bedingungen ändern können. Ausschreibungen bekommen dadurch eine Casinomentalität." Sein Lösungsvorschlag: "Die Höhe der Förderungen administrativ festlegen. Seit der Ökostromnovelle kann der Gesetzgeber in die Bücher der Windkraftbetreiber blicken und sieht genau, was die Projekte kosten, und kann somit die Fördersumme festlegen. Das wäre effizient." Es liege rein am Willen der österreichischen Energiepolitik, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch die Umweltschutzorganisation Global 2000 steht der Entwicklung der Windkraft in Österreich grundsätzlich positiv gegenüber. "Leider wird die positive Entwicklung immer wieder politisch ausgebremst", sagt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energieexperte von Global 2000. "Wir brauchen stabile Förderbedingungen und eine Energie-Raumplanung auf Bundesländerebene, die Eignungszonen für Windkraftanlagen festlegt und auch Bereiche, wo keine derartigen Anlagen gewünscht sind." 

Widerstand Gesellschaft 
Letzteres betrifft etwa Projekte im Waldviertel, denen von Teilen der Bevölkerung ein rauer Wind entgegenbläst. Unter der IG Waldviertel versammeln sich acht Bürgerinitiativen, die sich seit 2012 vehement gegen neue Projekte wehren. Michael "Jimmy" Moser, Sprecher der IG Waldviertel, beobachtet gegenwärtig erhöhten Druck seitens der Windkraftbetreiber: "Weil die windstarken Regionen schon stark belegt sind und aufgrund der hohen Förderungen auch windschwache Standorte für die Aktiengesellschaften interessant werden." Die IG Waldviertel wolle sich erst zufriedengeben, wenn die Politik erkenne, dass der Wald des Waldviertels als Bauplatz für Industrieanlagen ungeeignet ist. 
Adressat von Mosers Kritik ist die Niederösterreichische Landesregierung. "Die Entscheidung, durch den informellen Energiefahrplan Wälder in Niederösterreich für eine Industrialisierung freizugeben, muss angesichts der dramatischen Entwicklung der vergangenen Jahre, wie Schneebruch, Windwurf und Borkenkäferbefall, dringend überdacht werden." Er kritisiert zudem fragwürdige Gutachten, die seiner Meinung nach teilweise unvollständig und nicht schlüssig aufbereitet sind. "Die Beobachtungsräume sind zu klein, die Beobachtungszeiten zu kurz. Die Zerstörung von bedeutenden Vogellebensräumen wird in Kauf genommen." Sowohl Global 2000 als auch die IG Waldviertel raten zu verstärkten Repowering-Projekten, also der Modernisierung von bestehenden Anlagen. 
 

Die Presse, von Christian Scherl
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Niedrigwasser in Österreich bremst Verbund

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Frankfurt , 20. Mar. 2019

Während die deutschen Versorger unter der Energiewende ächzen, profitiert Österreichs größter Stromversorger Verbund von den veränderten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa.

Die mehrheitlich staatliche Verbund AG, die rund 90 % ihrer Erzeugung aus Wasserkraft holt, musste allerdings im vergangenen Turnus dem heißen Sommer Tribut zollen, der eine schwache Wasserführung mit sich brachte und das Geschäft erschwerte. Die Aktionäre reagierten enttäuscht. Das Verbund-Papier sackte in Wien zeitweise um 6,3 % auf 41,18 Euro ab. Allerdings hatte die Aktie ihren Wert auch in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht. 

Der Umsatz knickte im vergangenen Jahr um 2,2 % auf 2,8 Mrd. Euro ein, und das operative Ergebnis (Ebitda) ging überproportional dazu um 6,3 % auf 864 Mill. Euro in die Tiefe. Unterm Strich steht dennoch ein Ergebniszuwachs von 44 % auf 433 Mill. Euro, wofür Einmaleffekte verantwortlich waren, darunter Zuschreibungen bei Wasserkraft in Österreich und Deutschland sowie bei Windkraftanlagen in Rumänien. 
Den Knick im operativen Ergebnis führt Verbund vor allem auf das Niedrigwasser zurück. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke habe mit 0,94 um 5 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert des Vorjahres und um 6 Prozentpunkte unter dem langjährigen Schnitt gelegen, heißt es. 
Unterdessen profitierten die Österreicher davon, dass sich die im Jahr 2017 begonnene Erholung der Großhandelspreise für Strom in Europa fortsetzte. Den Ausschlag hätten dafür vor allem die gestiegenen Preise für CO2-Zertifikate gegeben, was dem auf Wasserkraft fokussierten Wiener Energiekonzern naturgemäß zupass kam. Für den laufenden Turnus zeigt sich Verbund zuversichtlich, das Ergebnis kräftig zu steigern. Angegeben wird ein Zielwert in einer Spanne von 1,05 bis 1,2 Mrd. Euro fürs Ebitda sowie von 440 Mill. bis 540 Mill. Euro fürs Nettoergebnis. Die Dividende für das vergangene Jahr soll stabil bei 42 Cent bleiben. 

Verbund verweist in der Mitteilung aus Wien mit spürbarem Stolz darauf, dass man über eine solide Kapitalstruktur und eine hohe strategische Flexibilität verfüge, "um zukünftig Wachstumschancen wahrzunehmen". Von der Ratingagentur Moody's wird der Konzern mit "Baa1" eingestuft und von Standard & Poor's mit "A-", womit man "zu den am besten bewerteten Versorgern in Europa" gehöre, heißt es. 

An der Börse bringt Verbund 14,3 Mrd. Euro auf die Waage. Die Republik Österreich hält 51 % an dem Stromversorger. 

Börsen Zeitung
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Überall öko, nur nicht zu Hause

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20. Mar. 2019

Der größte heimische Stromerzeuger RWE legt sein Kohle-Image ab - und steckt sein Geld nun weltweit in Windkraft und Solarenergie.

Hierzulande verhindern Umweltschützer den Ausbau.
RWE - ein Energiekonzern erfindet sich neu. Der größte deutsche Kraftwerksbetreiber führte bislang die Rangliste der größten Klimasünder Europas an. Jetzt wandelt sich das für seine Braunkohlekraftwerke kritisierte Unternehmen rasant in einen weltweit führenden Ökostrom-Konzerne. Nur: In Deutschland merkt man davon nichts - und daran sind womöglich ausgerechnet die hiesigen Umweltschützer schuld. 


Konzern-Chef Rolf Martin Schmitz sprach vor Journalisten am Konzernsitz in Essen nur noch von der "neuen RWE". Denn dank der Übernahme der Ökostrom-Aktivitäten von E.on und Innogy hat sich der Unternehmenskern der Reviergröße vollkommen verändert. "Wir sind auf vollen Touren im Endspurt", sagte Schmitz: "Die neue RWE wird zu einem global führenden Unternehmen im Geschäft mit Erneuerbaren Energien." 

An diesen Gedanken werden sich Klima- und Hambacher-Wald-Schützer wohl erst noch gewöhnen müssen. Aber nachdem die EU-Kommission die Transaktion mit E.on genehmigt hat, steht nun fest: Die "neue RWE" wird auf einen Schlag der drittgrößte Ökostrom-Produzent Europas. 
Gleichzeitig wird das Unternehmen Vizeweltmeister im Betrieb von Meeres-Windparks. Das europaweit viertgrößte Portfolio sauberer Gaskraftwerke ist längst umfangreicher als das der Braunkohle. Schon 2017 hatte RWE seine CO2-Emissionen um 16 Millionen Tonnen reduziert, im vergangenen Jahr waren es weitere 14 Millionen Tonnen. Und so soll es weitergehen. Wenn RWE-Chef Schmitz von Investitionen spricht, dann geht es nur noch um Windkraft-, Solarprojekte und Speicher. Ab kommendem Jahr steckt der Konzern netto pro Jahr 1,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien und will damit ein jährliches Wachstum von 2 bis 3 Gigawatt erreichen - Ökostrom-Kapazitäten die der Leistung von zwei bis drei Atomkraftwerken entsprechen. Die Konzernsparte RWE Renewables, so definiert Schmitz den Anspruch, werde "entwickeln, konstruieren, bauen, betreiben und vermarken - alles aus einer Hand." 

Nur: Wenn der RWE-Chef die Regionen aufzählt, die von den Ökostrom-Investitionen profitieren wollen, fällt eines auf: Wind- und Solarparks sollen in allerlei europäischen "Kernmärkten" entstehen, auf dem amerikanischen Kontinent und neuerdings auch im asiatisch-pazifischen Raum - nur Deutschland ist nicht dabei. Von aktuell neun Gigawatt Ökostrom-Kapazität der neuen RWE, gibt der Konzernchef zu, "steht in Deutschland nur ein einziges."
 
Dass einer der größten Windkraft-Investoren der Welt um seinen eigenen Heimatmarkt einen weiten Bogen macht, ist bemerkenswert, insbesondere weil Deutschland ja eigentlich globaler Vorreiter in Energiewende und Klimaschutz sein will. Doch die Strategen der neuen, grünen RWE halten eben dieses Öko-Deutschland für "non investible", für nicht attraktiv wenn es um echte Grünstrom-Investitionen geht. 

Wenn Schmitz die Gründe dafür nennen soll, bedient er sich - für RWE-Chefs früherer Zeiten undenkbar - argumentativ bei der Windlobby: "Der Bundesverband der Windenergie beklagt, dass 80 Prozent aller neuen Onshore-Projekte in Deutschland viel zu lange in Gerichtsverfahren stecken bleiben", sagt der RWE-Chef: "Daran sind die Umweltverbände nicht unschuldig." 
Aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden betreiben deutsche Umweltverbände "Rosinenpickerei": Geht es um Klimaschutz, fordern Organisationen wie etwa der BUND lautstark eine schnellere Energiewende. Doch dieselben Organisationen ziehen auf lokaler Ebene dann gegen praktisch jedes Windkraft- und Leitungsbauprojekt juristisch zu Felde. Resultat: An den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur für neue Windparks nimmt kaum noch jemand teil. 

Der Ausbau der Windenergie stockt ebenso wie der Ausbau der Stromnetze, weil alles sofort beklagt wird. "So ist das eben", fast Schmitz die Crux zusammen: "Wenn Sie gegen alles sind, läuft gar nichts mehr." So kommt es, dass deutsches Geld viel für die Ökostrom-Revolution tut - nur eben im Ausland. Dort sind die Fortschritte beachtlich: So baut RWE derzeit einen der größten Onshore-Windpark Europas mit einer Leistung von 475 Megawatt - in Schweden. In Texas hat der Konzern gerade mit dem Bau eines 200 Megawatt-Windparks begonnen - es ist bereits der 23. RWE-Windpark in Nordamerika. 

Mit der Übernahme der entsprechenden Innogy-Sparten, die noch in diesem Jahr abgeschlossen sein soll, geht das Wachstum noch schneller: In Ohio baut Innogy das Großprojekt Scioto Ridge mit 242 Megawatt. Vor der Ostküste Englands wächst der Offshore-Windpark Triton Knoll mit 860 Megawatt in die Höhe. Eine Entscheidung für das größte Solarprojekt Australiens, Limondale mit 349 Megawatt Leistung, ist ebenfalls bereits gefällt. 

Projekte dieser Größenordnung würden in Deutschland jahrelang vor den Gerichten festhängen, weil das öffentliche Bekenntnis zum Klimaschutz stets laut ist, aber die konkreten Folgen von Klimapolitik vor Ort gleichzeitig als untragbar gelten. So müsste der Beschluss zum Kohleausstieg in Deutschland "eigentlich dazu führen, "dass die Umweltverbände jetzt ihre Klagen gegen Windräder und Netze zurückziehen", sagt Schmitz. "Ohne den Netzausbau können wir die Energiewende und den Kohleausstieg vergessen." Doch das passiert nicht, stellt der RWE-Chef fest. Konsequenz: "Es funktioniert einfach nicht, wenn man gleichzeitig gegen Kohle ist, gegen Windräder, gegen Netze, eigentlich gegen alles." 

Die von der Kohlekommission der Bundesregierung geforderte Stilllegung von Braunkohle-Kraftwerken will RWE bereitwillig umsetzen. Allerdings besteht der Konzern auf entsprechende Kompensationszahlungen, die von der Kohlekommission ebenfalls empfohlen worden waren. "Dass die Entschädigung für weitere Kraftwerke deutlich höher ausfallen muss als in der Vergangenheit, liegt auf der Hand", sagte Schmitz. Denn anders als bei früheren Stilllegungen seien jetzt auch ganze Tagebaue betroffen. 

Insgesamt beziffert der RWE-Chef die Entschädigungssumme auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt. Bei der Sofortstillegung von 3 Gigawatt Braunkohle bis 2023, wie sie von der Kommission empfohlen worden war, müsste der Steuerzahler als mit maximal 4,5 Milliarden Euro gerade stehen. Auf dieser Basis könnte der gesamte Kohleausstieg "rasch und einvernehmlich geklärt" werden, erklärte Schmitz, denn: "Um solche Zahlen einmal in Relation zu setzen: Ein kompletter Kohleausstieg wird wahrscheinlich nicht mehr kosten als ein halbes Jahr staatliche Förderung der Erneuerbaren Energien." 

Selbst beim Hambacher Forst, der für einen RWE-Tagebau gefällt werden soll, klingt Schmitz inzwischen kompromissbereiter als noch vor einem Jahr, als es noch darum ging, illegale und zum Teil gewalttätige Waldbesetzer von der Polizei räumen zu lassen. Doch nachdem die Kohlekommission der Bundesregierung den Wunsch geäußert hat, den Wald stehen zu lassen, werde RWE nun "prüfen, was technisch mit Blick auf Standsicherheit, Rekultivierung und Wasserwirtschaft möglich ist." 

Allerdings, schränkte Schmitz ein, bedürfe es dazu einer "insgesamt neuen Braunkohleplanung", die einschließlich der Genehmigungsverfahren zehn bis 15 Jahre Zeit in Anspruch nehmen könnte. "Ganz offensichtlich ist schon jetzt, dass für den Erhalt des restlichen Forstes eine Menge Geld aufgebracht werden müsste", sagte der RWE-Chef: "Aber Symbole haben eben ihren Preis." 

Die Welt, Daniel Wetzel
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Neue Wege für Nord Stream 2

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Berlin , 19. Mar. 2019

Die geplante EU-Gasrichtlinie öffnet Raum für Spekulationen. Am Ende könnten die Ziele der Europäer umgangen werden. 

Bei der Nord Stream 2 AG gibt man sich schmallippig: Man kommentiere Spekulationen über die Umsetzung der künftigen EU-Gasrichtlinie nicht, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die "Financial Times" (FT) hatte berichtet, bei den Unternehmen, die den Bau der Ostsee-Pipeline vorantreiben, gebe es Überlegungen, die geplante EU-Regulierung zu umgehen. 

Dem Bericht zufolge erwägen die Projektpartner, die Pipeline kurz vor Beginn der deutschen Territorialgewässer enden zu lassen. Die letzten 50 Kilometer bis zum geplanten Anlandepunkt an der deutschen Ostseeküste könnte man in die Hände eines separaten Unternehmens legen. Damit wäre der verbleibende, ganz überwiegende Teil der insgesamt 1 220 Kilometer langen Pipeline, die Gas aus Russland bis nach Deutschland bringen soll, der geplanten europäischen Regulierung entzogen. 

Alles nur wilde Spekulation? Seit sich Rat, Kommission und Parlament kürzlich auf einen Kompromiss für eine neue EU-Gasrichtlinie verständigten, kursieren verschiedene Theorien darüber, wie die Richtlinie in die Praxis umgesetzt wird - und wie man sie umgehen könnte. Eine davon hat die "FT" aufgegriffen. 
Der Kompromiss der EU-Gremien sieht vor, dass der Betrieb von Pipelines, die in Drittstaaten beginnen und auf EU-Territorium enden, der EU-Gasregulierung unterworfen wird. Die praktische Umsetzung der Regulierung soll demnach von der Regulierungsbehörde des Landes übernommen werden, in dem die Pipeline endet. Im Fall von Nord Stream 2 wäre das also die Bundesnetzagentur. Die formelle Verabschiedung der neuen Gas-Richtlinie durch Rat und Parlament steht zwar noch aus. Allerdings gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Kompromiss eine Mehrheit findet. 

Vorausgegangen waren monatelange Debatten. Insbesondere die Bundesregierung, die das Projekt lange verteidigt hatte, sah sich wachsender Kritik ausgesetzt. Die Gegner des Projekts, allen voran die EU-Kommission, hatten stets argumentiert, die Pipeline behindere die Diversifizierung des europäischen Gasbezugs. Zuletzt hatte sich auch Frankreich den Kritikern angeschlossen. 

Für Nord Stream 2 wären die Konsequenzen der neuen Regulierung gravierend: Der Entwurf der neuen Richtlinie sieht eine komplette Entflechtung vor. Gazprom dürfte demnach nicht mehr Eigentümer der Pipeline sein und zugleich eigenes Gas durch die Pipelines leiten. Die Überlegung, die Pipeline kurz vor Beginn der deutschen Territorialgewässer enden zu lassen, sodass nur das letzte Teilstück von 50 Kilometern der europäischen Regulierung unterworfen wäre und eigentumsrechtlich entflochten werden müsste, trägt dem Rechnung. Auch in Kommissionskreisen verfolgt man solche Spekulationen aufmerksam. 

Die praktische Umsetzung könnte so erfolgen, dass die ohnehin in Bau befindliche Anbindungsleitung EUGAL, die das Erdgas aus der Nord-Stream-2-Pipeline ab der Küste übernehmen soll, einige Kilometer in die Ostsee hinaus verlängert wird. 

Auch über andere Varianten wird spekuliert. So könnte Gazprom, zu 100 Prozent Eigentümer von Nord Stream 2, sein Eigentum an ein befreundetes russisches Unternehmen übertragen. Der eigentumsrechtlichen Entflechtung könnte man so ihren Schrecken nehmen. 
Auch ein Deal mit der EU erscheint nicht ausgeschlossen. Statt eine komplette eigentumsrechtliche Entflechtung zu verlangen, könnte sich die europäische Seite auf die Forderung beschränken, die Pipeline von einem unabhängigen Systembetreiber bewirtschaften zu lassen. Die Europäer könnten dann beispielsweise verlangen, dass zehn Prozent der Pipelinekapazitäten für Dritte freigehalten werden. 
Man befinde sich bei all diesen Überlegungen auf einem "hochspekulativen Niveau", hieß es in Verhandlungskreisen. Gleichwohl sei es wahrscheinlich, dass es auch nach der Beschlussfassung über die Richtlinie noch erheblichen Gesprächsbedarf auf allen Seiten gebe. 


ZITATE FAKTEN MEINUNGEN 
1 220 Kilometer soll Nord Stream 2 lang werden. Quelle: Unternehmen 
 

Handelsblatt, Klaus Stratmann
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„Öl mehr veredeln, weniger verbrennen“

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Wien., 19. Mar. 2019

OMV-Chef Rainer Seele über die Herausforderungen des Klimawandels und jungfräuliches Rohöl. 

Einmal Chemiker, immer Chemiker. Wenn es zum Beispiel um das Recyceln von Plastik geht, ist der Vorstandsvorsitzende des heimischen Mineralölriesen OMV, Rainer Seele, wieder in seinem Element. Wieder im Hörsaal, mit dem Periodensystem vor dem geistigen Auge, wo er mit Leidenschaft über jungfräuliches Rohöl und Polyethylen doziert. 

Den Hörsaal hat er längst verlassen. Er sitzt heute im 21. Stock der OMV-Zentrale in Wien. Von da oben sieht die Welt anders aus. Da ist der Gegenwind wegen der guten Beziehungen zu Russland und der Pipeline Nord Stream 2 vielleicht nicht ganz so stark. Nur der Klimawandel macht auch vor dem traditionsreichen Ölkonzern nicht halt. Die OMV wappnet sich für neue, emissionsfreiere Zeiten und will künftig weniger verbrennen und mehr veredeln. 

„Wiener Zeitung“: Herr Seele, mögen Sie eigentlich heiße Sommer? 
Rainer Seele: Klar! 
Ich frage deswegen, weil dieser besonders heiße Sommer zumindest ein kleines Stückchen zu Ihrem Rekordgewinn von zwei Milliarden Euro beigetragen hat . . . 
Sie sprechen natürlich die niedrigen Wasserpegel der Flüsse an. Sie haben zu einer Verknappung des Energieangebotes geführt und dementsprechend haben wir als OMV davon profitiert. (Im Sommer 2018 mussten wegen niedriger Wasserführung und Windstille immer wieder Gaskraftwerke hochgefahren, Anm.) Ich betrachte das aber als Ausnahmesommer. 

Sie haben wiederholt die Klimastrategie der Regierung kritisiert. Was genau stört Sie daran? 
Wir hatten ein Interesse daran, dass man einzelne Primärenergieträger nicht diskriminiert. Wir unterstützen die Klimastrategie der Bundesregierung und haben den Beschluss gefasst, dass wir Heizöl in den Haushalten mit Ende des Jahres nicht mehr fördern werden. In Zukunft setzen wir am Wärmemarkt verstärkt auf Erdgas. Wir sehen nicht nur eine bessere CO 2 -Bilanz, Erdgas erzeugt auch keinen Feinstaub. Die OMV wird mehr zu einer Gas- statt zu einer Ölfirma werden. 

Wo sehen Sie Gas und Öl in einer zukünftigen, CO 2 -neutralen Welt? 
Der primäre Energiemix wird sich deutlich verschieben. Nehmen wir mal das Thema Erdgas: Es hat ein wesentlich größeres Potenzial in der Stromerzeugung, und da setzen wir auf einen Trend, den wir in Europa schon sehr deutlich erkennen können. Nämlich, dass ein Ersatz der Kohle durch Erdgas stattfindet. Kurzfristig kann ich mir vorstellen, dass Erdgas auch bessere Chancen in der Mobilität erhält. Wir erleben derzeit eine Verunsicherung der Verbraucher, insbesondere was das Diesel-Fahrzeug betrifft. Deswegen versuchen wir stärker auf die Erdgasmobilität hinzuweisen. Das ist eine Überbrückung, weil der Käufer nicht in einem ausreichenden Maße Elektromobilität angeboten bekommt. Die Automobilkonzerne bereiten sich aber darauf vor. Mittel- und langfristig wird die Nachfrage nach Benzin und Diesel zurückgehen. Deshalb müssen wir uns unter Berücksichtigung der Klimastrategie die Frage stellen, was die Alternative zur Produktion von Benzin und Diesel ist. Wir werden das Öl mehr veredeln und weniger verbrennen, das heißt, in der Petrochemie einsetzen. 

Sie testen ja gerade ein Verfahren, bei Kunststoff in seine chemischen Einzelteile zerlegt und recycelt wird. Was passiert da genau? 
Wir testen verschiedene Kunststoffsorten, inwieweit wir sie verarbeiten können. Die Anlage funktioniert so, dass wir den Kunststoffabfall dort reinschieben und am Ende ein synthetisches und hochwertiges Rohöl herausbekommen. Das hat einen so hohen Reinheitsgrad, dass wir damit die gesamte Weiterverarbeitung in unserer Raffinerie machen können. Wir können aus diesem Kunststoff Diesel, Kerosin oder neue, petrochemische Produkte machen. Herkömmliches Kunststoffrecycling besteht derzeit daraus, aus altem neuen Kunststoff zu machen. Damit kommen Sie aber nicht an die ursprüngliche Qualität heran. Diese Jungfräulichkeit des Kunststoffes können wir aber über unser Verfahren wieder generieren. 

Die OMV hat im Vorjahr einen Gasliefervertrag mit der russischen Gazprom unterschrieben (bis 2040, Anm.). Kritiker meinen, dass das eine lange Periode ist und Österreich abhängiger von russischem Gas macht. Was entgegnen Sie? 
Wir hatten keine Probleme, uns so lange zu binden, weil wir überzeugt sind, dass der Markt deutlich mehr Gas importieren muss. Europa kann nur noch jeden zweiten Kubikmeter Gas, den es braucht, durch Eigenproduktion decken. Schon 2030 gehen Prognosen davon aus, dass es nur noch 25 Prozent sein werden. Zur Abhängigkeit von Russland muss ich auch noch etwas sagen: Für Gazprom ist Europa der Hauptabsatzmarkt. Die Abhängigkeit mit Russland ist immer eine gegenseitige, und so sollten wir sie auch sehen. 

Die OMV war das erste westeuropäische Unternehmen, das überhaupt wirtschaftliche Beziehungen mit der damaligen UdSSR pflegte. Seit Ende der 60er Jahre fließt russisches Gas nach Österreich. Präsident Putin besuchte immer wieder Österreich, zuletzt als Hochzeitsgast. Wie wichtig ist denn Österreich für Russland? 
Wenn man sich allein die Handelsvolumina ansieht, ist das sicherlich nicht der wichtigste Absatzmarkt. Von Bedeutung ist hier vielmehr die Beziehung, die über viele Jahre gewachsen ist. Der Vorteil von Österreich ist seine Neutralität, die dafür prädestiniert, eine Vermittlerrolle einzunehmen. 

Sie sind am Pipelineprojekt Nord Stream 2 beteiligt. Wann soll das erste Gas über diese Pipeline fließen? 
Wir sind nicht beteiligt, wir finanzieren das Projekt in der Höhe von zehn Prozent. Es sind schon zwei mal 400 Kilometer Rohre verlegt worden. Bis Ende des Jahres soll das erste Gas fließen, und wir sind soweit voll im Zeitplan. Bislang wurden 600 Millionen Euro im Rahmen der Kreditvereinbarung abgerufen, und wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr noch der größte ausständige Teil finanziert wird. (Auf die OMV entfallen maximal 950 Millionen Euro, Anm.) 

Nord Stream 2 ist geopolitisch umstritten. Polen und die Ukraine fürchten, dass sie bei der Gaslieferung nach Europa umgangen werden und dadurch Einnahmen und Einfluss verlieren. Auch die EU war lange dagegen. 
Als Erstes möchte ich sagen, dass die OMV sich dafür einsetzt, dass auch die Transitroute durch die Ukraine weiterhin genutzt wird. Wir wollen sie nicht ersetzen, sondern sie ergänzen. In welchem Umfang der Transit in der Ukraine gebucht wird, hängt vom Angebot der Ukraine ab. Wir sehen auch weiterhin eine volle Beschäftigung der Transitkapazitäten durch die Jamal-Pipeline insbesondere durch Polen. 

Die USA stören sich an Nord Stream 2, weil sie ihr Flüssiggas in der EU verkaufen wollen. Was macht russisches Gas besser als das Fracking-Gas aus den USA? 
Es ist kostengünstiger und eine verlässliche Lieferquelle. Es wäre schädlich für den Wirtschaftsstandort Europa, Energie überteuert einzukaufen. Die Bedenken der USA teile ich dann nur zu einem gewissen Grad. Der Markt hat einen so hohen Importbedarf, dass genügend Platz für US-Gas besteht. Dafür brauche ich keine Pipeline zu blockieren. Es muss nur der Preis passen.

Sie wollen heuer die Fördermenge auf 500.000 Barrel pro Tag von aktuell 427.000 erhöhen. Woher soll das zusätzliche Volumen kommen? 
Die Mengensteigerung kommt aus Neuseeland. Dort haben wir Ende letzten Jahres die Shell-Anteile erworben. Dann haben wir ein neues Gasfeld in Norwegen sowie zwei Ölfelder in Abu Dhabi in Produktion genommen. Weitere Mengen kommen durch den Einstieg bei Sapura Upstream in Malaysien. 

Sind für heuer weitere Akquisitionen geplant? 
Es ist nur noch ein Projekt in Sibirien ausständig. Da sind wir in der heißen Phase der Verhandlungen. Wir konnten uns noch nicht über den Kaufpreis einigen. 

Mit der Reform der Staatsholding hat der Bund wieder mehr Durchgriffsmöglichkeiten bei seinen beteiligten Unternehmen, also auch bei Ihnen. Wie beurteilen Sie die Reform? 
Durchaus positiv. Für uns ist der Aufwand jetzt deutlich geringer, insbesondere was die Berichterstattung und Abstimmung von großen Projekten betrifft. Wir haben jetzt den schnellsten, direkten Kommunikationsweg mit unserem größten Aktionär. Das war über die zwischengeschaltete Holding mit einem wesentlich größeren Aufwand verbunden. Ich erwarte auch, dass mein Hauptaktionär ein direktes Interesse daran hat, mit dem Management in einen Dialog zu treten. 

Wie viel Staat ist denn in einem international tätigen Unternehmen o.k., und wann ist es genug? 
Ich werde da ganz formal antworten: Auch der Hauptaktionär ist ein Aktionär wie jeder andere. Wir behandeln gemäß dem Aktiengesetz jeden Aktionär gleich. 

Rainer Seele 
ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender des teilstaatlichen Mineralölkonzerns OMV. Der promovierte Chemiker leitete davor den Öl- und Gasproduzenten Wintershall. 
Seit 2015 an der Spitze der OMV: Der gelernte Chemiker Rainer Seele sieht im Erdgas großes Potenzial. 

Wiener Zeitung, von Marina Delcheva
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US-Vertreter zu Nord Stream: „Sanktionen sind immer eine Option“

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19. Mar. 2019

Die USA setzen die EU stark unter Druck. US-Botschafter Travor Traina verteidigt Sanktionen im Handel und bei russischem Gas. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bezeichnet Strafzölle als Bumerang. 

Donald Trump treibt die EU vor sich her. Erst erließ der US-Präsident Strafzölle auf Aluminium und Stahl, dann folgte die Drohung, auch europäische Autoexporte mit höheren Tarifen zu belegen. Die Europäische Union will nun ein Handelsabkommen mit den USA abschließen, streitet aber intern. Frankreich hat bisher verhindert, dass es ein einheitliches Mandat für die Gespräche zwischen Brüssel und Washington gibt, am Donnerstag hat auch noch das EU-Parlament dagegen gestimmt. Das sind aber nicht die einzigen transatlantischen Spannungen. Auch bei russischem Gas und der Digitalsteuer gibt es Differenzen. 
STANDARD: Die USA haben einige Handelskonflikte angezettelt, nun drohen auch noch Strafzölle auf europäische Autos. Geht es hier mehr um taktische Spiele oder ist die Lage ernst? 
Traina: Lassen Sie mich zuerst sagen, dass unsere Handelsbeziehungen sehr gut sind. Die USA sind der zweitgrößte Abnehmer österreichischer Produkte, die Exporte aus Österreich sind im Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Wir haben überhaupt keine Handelsprobleme. Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU sind komplexer. Da geht es nicht nur um Zölle, sondern auch um nichttarifäre Barrieren. Aber lassen Sie mich ein Missverständnis ausräumen: Die USA treten für freien und fairen Handel ein. Wir wollen keine Zölle, aber wir verwenden sie, um Gespräche voranzubringen. 
Standard: Wenn man sich die Exportzahlen ansieht, schaden sich die USA vor allem selbst. Die amerikanischen Exporte nach China beispielsweise sind zuletzt eingebrochen, das Handelsbilanzdefizit ist explodiert. 
Traina: Die Ironie ist, dass die boomende Wirtschaft und der starke Dollar dazu führen, dass sich das US-Handelsbilanzdefizit vergrößert. Doch die Wirtschaft boomt wegen der Politik der US-Regierung. Es ist das erste Mal, dass China eine US-Administration ernst nimmt und absolut nicht vorhersagen kann, was Präsident Donald Trump vorhat. 
Schramböck: Es gibt eine Krise in den langen Beziehungen zwischen den USA und der EU. Ich bin überzeugt, dass Strafzölle ein Bumerang und keine Lösung sind. Das wissen wir von ähnlichen Maßnahmen früherer Regierungen, die immer zu höherer Arbeitslosigkeit geführt haben. Wir brauchen eine Lösung mit niedrigeren Zöllen, und das schnell. Die EU muss dabei eng zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen. 
Standard: Sie wollen ein TTIP light, also eine verschlankte Variante des gescheiterten US-EU-Abkommens, das auch Schiedsgerichte und andere Punkte enthielt? 
Schramböck: Nein, TTIP ist tot. Es gibt kein TTIP und auch kein TTIP light. Wir wollen eine Vereinbarung, die simpel und transparent ist und vorwiegend auf industrielle Produkte und QualitätsStandards fokussiert. Das Problem mit TTIP war, dass es zu umfassend war, sodass es kaum jemand verstanden hat. 
Standard: Frankreich scheint aus Sorge um die Landwirtschaft wenig Freude damit zu haben, ein Mandat für die EU-Kommission gibt es jedenfalls noch nicht. 
Schramböck: Das Ziel ist, möglichst rasch ein Mandat zu beschließen. Landwirtschaftsprodukte sind dabei die rote Linie. Was das Problem Frankreichs ist, weiß ich nicht genau. Es dürfte um innerstaatliche Themen gehen. Ich habe im Rat betont, dass wir aufs Tempo drücken müssen. 
Standard: Wie stark muss sich die EU bewegen, damit die USA keine Strafzölle auf europäische Autos verhängen? 
Traina: Ich denke, Strafzölle können verhindert werden, wenn sich die EU ausreichend bewegt. Solange wir produktive Gespräche führen, wird es keine Autozölle geben. 
Schramböck: Viele europäische Autohersteller produzieren in den USA. Ich sehe keinen Grund für die USA, deswegen Maßnahmen zum Schutz der nationalen Sicherheit zu ergreifen. 
Standard: BMW ist der größte US-Autoexporteur. Ist das nicht ein Zeichen, dass europäische Hersteller ohnehin sehr stark in den USA investiert sind? 
Traina: Das hat den Grund, dass Amerika ein fantastischer Ort für die Autoproduktion ist. Die US-Konsumenten geben viel Geld aus, die Standortfaktoren sind großartig. Es geht darum, dass die europäischen Zölle viel höher als die amerikanischen sind, vor allem in der Autoindustrie. In China kommen dann noch andere Probleme dazu. Ich habe österreichische Unternehmen, die in China tätig sind, besucht. Wenn eine Maschine kaputt ist, muss ein österreichischer Mechaniker einfliegen, weil die Unternehmen Angst haben, dass China Technologie stiehlt. 
Standard: Neben dem Handelsstreit gibt es auch Differenzen in Bezug auf Russland, insbesondere betreffend Gaspipelines. Warum mischen sich die USA in die Frage ein, woher EU-Länder ihr Gas beziehen? 
Traina: Energiesicherheit ist seit vielen Jahren ein Thema zwischen Europa und den USA. Das große Missverständnis dabei ist: Es geht nicht darum, US-Flüssiggas nach Europa zu verkaufen. Fakt ist, als dieses Thema aufkam, hat Amerika noch Flüssiggas importiert und nicht exportiert. Es ergibt einfach keinen Sinn für Europa, seine ganze Energie aus einer Quelle zu beziehen. Daher wäre es gut, die Energielieferungen zu diversifizieren. 
Standard: Okay, aber warum mischen sich die USA in die europäische Frage ein, wenn es angeblich nicht um eigene wirtschaftliche Interessen geht? 
Traina: Amerika ist die Verteidigung Europas ein Anliegen, und es will ein starkes und gut verteidigtes Europa. Amerika und Europa haben Bedenken betreffend einer zu großen Energieabhängigkeit. Speziell weil es in der Vergangenheit vorgekommen ist, dass Russland inmitten des Winters den Gashahn abdreht und Menschen sterben. 
Schramböck: Wir kaufen Gas, wenn die Konditionen und der Preis stimmen. Diversifizierung ist eine gute Idee, aber wir unterstützen klar Nord Stream. Wenn der Preis für Flüssiggas stimmt und ausreichend Terminals vorhanden sind, ist das auch gut. 
Standard: Österreich und Europa machen da den Eindruck, es allen recht machen zu wollen und sich durchzuwursteln. Wir wollen russisches Gas, die USA sind dagegen. Jetzt baut Europa Flüssiggasterminals, obwohl es schon Überkapazitäten gibt, um Sanktionen zu vermeiden. 
Schramböck: Es ist immer gut, sich nicht auf eine Energiequelle zu fokussieren. Das würde jedes Unternehmen so machen. In der Wirtschaft würden Zulieferer keine Aussage treffen, bei welchen anderen Anbietern man kaufen darf. Das von Ihnen angesprochene Durchwursteln sehe ich nicht. 
Traina: Es gibt hier auch ein Fallbeispiel: In Litauen sind die Preise für russisches Gas um 20 Prozent gesunken, nachdem alternative Quellen angezapft worden sind. Dazu kommt, dass einige Länder die USA um Hilfe ersuchen, sich gegen die Pipeline einzusetzen. 
Standard: Sind US-Sanktionen gegen Firmen mit North-Stream-Beteiligung wie die OMV eine echte Option oder mehr Drohkulisse? 
Traina: Sanktionen sind immer eine Option. 
Schramböck: Wenn es zu Sanktionen kommt, müssen sie für alle gelten. Wir kennen Fälle, bei denen sich europäische Firmen wegen US-Sanktionen aus dem Geschäft zurückgezogen haben, während US-Unternehmen Ausnahmegenehmigungen erhielten. Grundsätzlich sind Sanktionen für uns keine Option. 
Standard: Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Digitalsteuer. Auch wenn eine EU-weite Lösung gescheitert ist, will Österreich mit einer nationalen Regelung vorpreschen und Onlinewerbung beispielsweise von Google oder Facebook besteuern. Wie reagieren die USA? 
Traina: Unsere Position ist, dass auf OECD-Ebene eine einheitliche Lösung gefunden werden soll. Persönlich bin ich der Meinung, dass die Steuer für US-Konzerne sehr ärgerlich wäre. Für Europa wäre die Maßnahme aber noch schlechter, weil sie einen Gegenwind für Technologiefirmen bringt. Dass es in Europa keine Googles oder Facebooks gibt, hängt damit zusammen, dass es in vielen EU-Ländern nicht das richtige Umfeld oder Klima für diese Firmen gibt. Es gibt einfach zu viele Hürden für Technologieunternehmen. Die Digitalsteuer steht symptomatisch dafür. 
Schramböck: In den USA gibt es einen Riss innerhalb der IT-Industrie. Einige sagen, dass sie einen fairen Steuerbeitrag in der EU leisten, sich aber ein neues Geschäftsmodell rasch entwickelt hat. Wir haben bisher keine Möglichkeit gehabt, uns des digitalen Geschäfts anzunehmen. Das wollen wir nun tun. 
Margarete Schramböck (48) studierte Betriebswirtschaftslehre in Wien und Lyon. Die Tirolerin war in leitenden Positionen bei Alcatel und Nextira One tätig. 2016 wurde sie Chefin von A1 Telekom Austria, Ende 2017 übernahm sie auf einem ÖVP-Ticket das Wirtschaftsministerium, das nun Ministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort heißt. Schramböck interessiert sich u. a. für Kinesiologie und alternative Heilmethoden. 

Travor Traina (50) ist Sohn des Schiffsmagnaten John Traina, sein Großvater war auch schon Botschafter in Wien. Travor studierte Politik und Business in Princeton, Oxford und Berkeley und gründete danach mehrere Unternehmen, darunter Ifonly.com. Der Sammler von Fotografien fungiert als Kurator im Fina Arts Museum in San Francisco, das die Familie unterstützt. Trainer ist verheiratet, hat zwei Kinder. Seit gut einem Jahr ist er Botschafter in Wien. 

ZU DEN PERSONEN 
Ich bin davon überzeugt, dass Strafzölle ein Bumerang und keine Lösung sind.

Der Standard
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Zwerge statt Champions

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19. Mar. 2019

Die Politik will Marktführer. Deutsche Energiekonzerne haben sich aber aus der Spitze verabschiedet - und die Politik hat es befördert, meint Jürgen Flauger. 

Deutschland sucht nach Champions: Unternehmen, die in ihrer Branche an der Spitze stehen. Die Champions sollen stark genug sein, um sich im internationalen Wettbewerb gegen aggressive Konkurrenten behaupten zu können - und sie sollen immun gegen Übernahmeversuche aus dem Ausland sein. Wirtschaftsminister Peter Altmaier will solche Champions, Siemens-Chef Joe Kaeser hätte gerne in der Bahntechnik einen Champion geformt - und jetzt hat sich sogar Kartellamtspräsident Andreas Mundt offen für die Debatte gezeigt. 

Für eine Branche kommt die Diskussion aber zu spät: die deutsche Energiewirtschaft. Wahrscheinlich sind viele aktuelle und ehemalige Manager von Eon und RWE sogar verärgert über die plötzliche Bereitschaft von Politikern und Wettbewerbshütern, bei einer marktbeherrschenden Stellung auch einmal ein Auge zuzudrücken. Denn Eon und RWE waren einst Champions. Vor einem Jahrzehnt zählten sie noch zur Spitzengruppe der europäischen Energiebranche. Inzwischen sind sie zu Zwergen geschrumpft, die nur noch eine Nebenrolle spielen. Daran wird auch das aktuell von Eon und RWE geplante Tauschgeschäft nichts ändern. 

Natürlich haben die Konzerne selbst viele Fehler gemacht. Sie haben sich viel zu spät der Energiewende verschrieben und viele Milliarden durch riskante Beteiligungen versenkt. In keinem anderen Land Europas mussten die Versorger aber auch mit so drastischen Eingriffen des Staates zurechtkommen. 
Am rasantesten war der Absturz von Eon. Anfang 2008 war der Konzern noch mehr als hundert Milliarden Euro an der Börse wert. Eon war sogar kurzzeitig der wertvollste Konzern im Dax, hatte Siemens und SAP hinter sich gelassen. Aktuell dümpelt Eon um die 21 Milliarden Euro. Siemens ist fast viermal so teuer, SAP sechsmal. Abgeschlagen ist der Versorger auch im Vergleich mit europäischen Wettbewerbern. Enel aus Italien kommt auf einen Börsenwert von 55 Milliarden, Iberdrola aus Spanien auf 48 Milliarden und Electricité de France auf 38 Milliarden Euro. 

Einst war Eon auf allen Stufen des Energiemarkts eine Macht. Der Energiekonzern gehörte nicht nur in Deutschland und vielen Märkten Europas zu den größten Strom- und Gaslieferanten. Eon war auch ein mächtiger Stromproduzent mit gewinnbringenden Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken. Neben den Verteilnetzen gehörte Eon in Deutschland auch eines der großen Übertragungsnetze. Und im Gasmarkt war Eon durch die Übernahme von Ruhrgas zum wichtigsten Großhändler Europas aufgestiegen. 
Die neue Eon, die Konzernchef Johannes Teyssen jetzt durch das Tauschgeschäft mit RWE aufbaut, soll zwar wieder zu einem führenden europäischen Versorger werden. Eon wird 50 Millionen Kunden beliefern und gut 1,5 Millionen Kilometer an lokalen Strom- und Gasleitungen betreiben. Eon wird eine mächtige Vertriebs- und Netzgesellschaft. 

Mehr aber auch nicht. Der Konzern wird bald keinen Strom mehr selbst produzieren. Die Kohle- und Gaskraftwerke hat das Unternehmen in die Neugründung Uniper abgespalten. Die Atomkraftwerke muss Eon abwickeln. Die erneuerbaren Energien, in die Eon dann doch noch entschlossen investierte, wird RWE bekommen. Das Stromtransportnetz und das Ferngasnetz hat Eon längst verkauft. Den Großhandel mit Energie - also auch das Erbe der Ruhrgas - hat ebenfalls Uniper bekommen. Andere europäische Energiekonzerne wie Engie aus Frankreich oder wie Enel und Iberdrola sind viel breiter aufgestellt. Alles in allem ist Eon ein attraktives Ziel für einen Übernahmeversuch. 

Bei RWE war der Absturz nicht minder dramatisch. Dieselben Eingriffe trafen auch Eons Rivalen - und RWE wurde ebenfalls auf einen einzigen Bereich der Wertschöpfung gestutzt: Hier ist es die Stromproduktion. Die Macht der Energiekonzerne Eon und RWE wurde gezielt beschnitten. Nach Vorgabe der EU-Kommission wurden Netz und Vertrieb getrennt - der Verkauf der Transportnetze für Strom und Gas wurde vorangetrieben. Die Bundesnetzagentur drückte die Renditen im Verteilnetz, das Bundeskartellamt erwirkte den Verkauf von Stadtwerken. Der von der Politik gewünschte Boom der erneuerbaren Energien machte Kohle- und Gasanlagen unrentabel. Dem Atomausstieg musste sich Eon fügen. Jetzt wird RWE der politischen Vorgabe zum Kohleausstieg folgen müssen. 

Alle Maßnahmen waren wohlbegründet. Atom- und Kohleausstieg und Energiewende werden von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen. Die Deregulierungsarbeiten von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt brachten den Wettbewerb auf dem Energiemarkt erst in Schwung. 

Aber es wurden starke Unternehmen in einer strategisch wichtigen Branche zerschlagen. Gerade im Energiemarkt werden milliardenschwere Investitionen benötigt, besonders, um die Energiewende zu stemmen. Champions mit Finanzkraft könnte Deutschland hier gut gebrauchen. Die gibt es aber nicht mehr. 

Der Autor ist stellvertretender Ressortleiter Unternehmen. Sie erreichen ihn unter: flauger@handelsblatt.com 
ZITATE FAKTEN MEINUNGEN 
Alle Eingriffe des Staates waren wohl begründet. Aber es wurden starke Unternehmen in einer strategisch wichtigen Branche zerschlagen. 
 

Handelsblatt
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ÖSTERREICHS BESTE STROMANBIETER

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19. Mar. 2019

Montana gewinnt vor oekostrom und Grünwelt Energie den ÖGVS-Test zu STROMANBIETERN. Verbraucher können mit einem Anbieterwechsel mehrere Hundert Euro jährlich sparen.

Zwischen 2011 und Mitte des Vorjahres hat sich der Strompreis kaum bewegt. Endkunden zahlten im Schnitt pro Kilowattstunde durchwegs rund 20 Eurocent. Damit ist es aber vorbei. Auf Jahressicht ist der österreichische Strompreisindex, der die Entwicklung der Großhandelspreise abbildet, um 51 Prozent gestiegen. Für die rasante Teuerung gibt es mehrere Ursachen. Clemens Wodniansky-Wildenfeld, Geschäftsführer des Versorgers Montana: "Die Preise für CO 2-Zertifikate sind stark gestiegen. 2012 kostete ein Zertifikat, das zum Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid berechtigt, fünf Euro. Aktuell sind es bereits 23 Euro." Dazu kommt, dass der unbegrenzte Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich nicht mehr möglich ist, weil die gemeinsame Strompreiszone seit Oktober des Vorjahres Geschichte ist. Damit ist die Lieferung von billigem Strom von Deutschland nach Österreich begrenzt. Wodniansky-Wildenfeld: "Das gesunkene Angebot hat in Österreich bei gleicher Nachfrage einen Preisdruck ausgelöst."
STEIGENDE PREISE. Bereits ab Mitte 2018 drehten viele Versorger an der Preisschraube. Und alleine seit Jahresbeginn haben 30 regionale Anbieter und sechs Lieferanten von Alternativenergie Strompreiserhöhungen durchgeführt oder angekündigt. Angesichts dieser Entwicklung lohnt es sich, die Konditionen der Stromlieferanten zu vergleichen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Was ein Wechsel bringen kann, zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals durchblicker.at. Demnach ließ sich die Stromrechnung im Vorjahr bei einem Stromverbrauch von 3.000 Kilowattstunden um 150 Euro drücken. Bei einem hohen Verbrauch von mehr als 8.000 Kilowattstunden erreichte die Ersparnis sogar knapp 400 Euro.

Stehen Verbraucher vor den Fragen, welche Stromanbieter aktuell Topkonditionen offerieren und bei welchen Versorgern das gesamte Angebotsbündel überzeugt, liefert die aktuelle "Studie Stromanbieter 2019" des auf konsumentenorientierte Tests spezialisierten Instituts ÖGVS Antworten darauf. Im Zuge der Analyse hat ÖGVS die Leistungen von 49 national tätigen Versorgern verglichen. Im Testergebnis sind die jeweils günstigsten Tarife für Neu- und Bestandskunden auf Basis von drei Verbrauchsfällen mit 50 Prozent am höchsten gewichtet. Die per Mail und Telefonanfragen überprüfte Servicequalität ist im Testurteil mit 20 Prozent berücksichtigt. Ebenso mit 20 Prozent geht die Vielfalt angebotener Tarife in die Bewertung ein. Die Funktionalitäten der Websites der Stromlieferanten und per Internet verfügbare Informationen sind im Testurteil mit zehn Prozent gewichtet.

Der Versorger Montana gewinnt den ÖGVS-Test mit Respektabstand vor oekostrom und Grünwelt Energie. Auch bei den Konditionen hat Montana die Nase vorn. Viele Anbieter operieren weiterhin mit sehr hohen Rabatten. Diese werden als Neukundenbonus oder als Treuebonus offeriert. ÖGVS-Projektleiterin Katja Likowski: "Verbraucher sollten die Bonifikationen beachten. Wer seinen Anbieter nicht jedes Jahr wechseln will, ist gut beraten, die Stromkosten je Kilowattstunde zu vergleichen und Boni auszublenden."
Eine aus Verbrauchersicht positive Entwicklung zeigt sich bei den Modalitäten der Verrechnung. ÖGVS-Expertin Likowski: "Immer mehr Versorger bieten integrierte Rechnungen, also eine Gesamtrechnung für Energieverbrauch und Netznutzung an." Bei der Servicequalität haben viele Anbieter, die mit günstigen Tarifen aufwarten, noch Aufholbedarf.
Die Testergebnisse sind gegen 1.490 Euro Schutzgebühr zuzüglich USt. unter info@qualitaetstest.at erhältlich.

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Gespannte Beziehungen nach Osten In der Energiepolitik herrscht Uneinigkeit

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Berlin, 19. Mar. 2019

Es gibt mindestens eine Frage, die Polen von Deutschland entfremdet:
Der Bau der Pipeline Nord-Stream 2 von Russland nach Mecklenburg-Vorpommern.


Diese Gasleitung, eine weitere bereits in der Ostsee verlegte und eine fast fertige durchs Schwarze Meer werden dem russischen Staatskonzern Gazprom voraussichtlich ermöglichen, seinen West-Export fast ohne die bisherigen Transitländer abzuwickeln. Die polnische Regierung befürchtet, dass Russland dann insbesondere das Nachbarland Ukraine erpressen kann, durch das eine wichtige Export-Pipeline läuft. Aber auch Polen selbst ist Transitland für russisches Gas. Die Bundesregierung setzt zum Ärger der Polen und Ukrainer auf die Fertigstellung von Nord Stream 2 und argumentiert, die Röhre sei für Deutschlands Versorgungssicherheit notwendig. 

Die polnische Kartellbehörde hat sich stets gegen die Pipeline gesträubt und dafür gesorgt, dass deutsche Unternehmen sich nicht als Teilhaber, sondern nur als Finanzierer an Nord Stream 2 beteiligen können. Nun aber findet Warschau sich offenbar damit ab, dass die Leitung fertiggestellt wird. Der Grund ist eine Regelung der EU. Der polnische Botschafter in Deutschland, Andrzej Przylebski, sagte dem Tagesspiegel dazu: "Wir sind mit der revidierten Gasdirektive zufrieden, denn damit wird die Pipeline nach ihrer eventuellen Fertigstellung dem EU- Recht unterworfen werden." Die geänderte EU-Gasdirektive besagt, dass Pipelines aus einem Drittstaat denselben Regeln unterliegen wie solche innerhalb der EU. Damit würde Gazproms Kontrolle über die Leitung eingeschränkt. 

Harmonischer geht es auf dem Strommarkt zu. Vor einigen Jahren klagte Polen noch über ein Übermaß deutschen Stroms, der bei starkem Wind und intensiver Sonnenstrahlung das westpolnische Netz zu überlasten drohte. Inzwischen haben der deutsche Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz und die polnische PSE an der Grenze aber sogenannte Phasenschieber installiert, die ein unkontrolliertes Überschwappen aus Deutschland verhindern.
 
Grundsätzlich ist Strom aus Deutschland indes nicht unerwünscht - etwa dann, wenn Polens Kohlekraftwerke im Sommer bei niedrigen Wasserständen Kühlprobleme bekommen. Mehrere hundert Gigawattstunden im Monat fließen durch die beiden Interkonnektoren bei Schwedt und Görlitz von West nach Ost, während Deutschland umgekehrt fast gar keinen Strom aus Polen bezieht. Eine dritte Leitung ist geplant, das Projekt ruht allerdings. Mehr will Polen mit deutschem Ökostrom derzeit nämlich nicht zu tun haben. Die konservative PiS-Regierung setzt trotz wachsenden Interesses an Windenergie im Land auf heimische Kohle. Neue Kraftwerke sind im Bau, weitere in Planung. Dabei ist die Kohleverstromung längst unwirtschaftlich - die polnischen Bergwerke zumindest, die den Brennstoff liefern, schreiben hohe Verluste. Auffangen muss diese Verluste der Staat. Christian Schaudwet 

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"Die Stromversorgung ist sicher"

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18. Mar. 2019

Der Verbund-Vizevorstandschef Michael Strugl über Energieziele und die Folgen des Klimawandels

von Wolfgang Unterhuber Ob drohender Blackout oder ausbleibende Niederschläge: Der Verbund-Konzern ist laut Michael Strugl, seit Jänner stellvertretender Vorstandschef, darauf vorbereitet. 

KURIER: Sie waren in Oberösterreich Spitzenpolitiker und wollten schon länger in die Wirtschaft. Sind Sie jetzt glücklicher als in der Politik? 
Michael Strugl: Es ist mir in der Politik meistens gut gegangen. Ich wollte aber nicht mein ganzes Leben in der Politik verbringen, sondern in der Wirtschaft Managementaufgaben übernehmen. Insofern geht es mir jetzt sehr gut. 

Sie waren auch Wahlkampfmanager: Vermissen Sie nicht die Dynamik eines heißen Wahlkampfs? 
Wahlkampfmanagement ist natürlich immer sehr spannend. Dynamisch geht es aber schließlich ja auch beim Verbund zu (lacht) . 
Ihre Partei, die ÖVP, stand lange für "Mehr privat, weniger Staat". Warum hat die ÖVP diese ideologische Vision begraben? 
Das sehe ich nicht so. Die private Wirtschaft ist die tragende Säule unseres Wirtschaftsstandortes. Wir haben ja gerade in Oberösterreich unsere Erfahrungen mit der Verstaatlichten erlebt. Auf der anderen Seite war aber auch nicht jede Privatisierung ein Erfolg. 

Wo muss der Staat als Eigentümer die Mehrheit haben? 
Die Infrastruktur generell, besonders aber die sogenannte kritische Infrastruktur wie zum Beispiel die Stromversorgung sind Bereiche, wo das öffentliche Interesse unbedingt gewahrt sein muss. 

Die Regierung hat die Staatsholding, in der die wertvollsten Beteiligungen der Republik gebündelt sind, neu aufgestellt. Auch der Verbund gehört dazu. Wird sich die Politik jetzt stärker beim Verbund einmischen? 
Die Staatsbetriebe im Sinne eines erfolgreichen Gesamtmanagements neu zu ordnen, ist nachvollziehbar. Die Politik wird sich aber nicht in das tägliche operative Geschäft einmischen. Aber sie ist sicher daran interessiert, dass die Beteiligungen verantwortungsvoll und erfolgreich gemanagt werden. Das machen Eigentümer in der Privatwirtschaft auch nicht anders. 

Bis zum Jahr 2030 soll laut Plan der Regierung die in Österreich verbrauchte Strommenge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energi eträgern gedeckt werden. Was tut der Verbund, um dieses Ziel zu unterstützen? 
Dank der Wasserkraft erzeugen wir schon jetzt Strom zu 95 Prozent aus erneuerbarer Energie. Österreich gesamt steht bei 75 Prozent. 
Also eine leichte Übung. 
Nicht ganz. Österreich benötigt rund 25 bis 30 zusätzliche Terawattstunden, um dieses Ziel zu erreichen. 

Wie viel sind die rund 30 Terawattstunden? 
Das entspricht rund zwei Mal der ganzen Strommenge, die aus den jetzigen Donaukraftwerken gewonnen wird. 

Und wie kommt man auf diese Anzahl an Terawattstunden? 
An die sechs bis acht Terawattstunden können wir über den Ausbau und die Effizienzsteigerung bei der Wasserkraft holen. Und bei Fotovoltaik gibt es großes Potenzial und auch bei Windkraft. Aber die Rahmenbedingungen müssen passen. 

Wie auch immer: das Projekt 2030 kostet Geld. Wird Strom teurer werden müssen? 
Investitionen müssen sich rechnen. Aktuell aber ist der Strompreis durch die Primärenergieträger Kohle, Öl, Gas und vom - Preis getrieben. Dazu kommt die Preiszonentrennung zwischen Österreich und Deutschland. 

Österreich setzt bei der Energieversorgung voll auf die Wasserkraft. Was aber, wenn, so wie im Vorjahr, europaweit die Niederschläge ausbleiben? 
Wenn die Wasserstände in den Flüssen sinken, reduziert sich die Stromerzeugung. Wir sind aber darauf vorbereitet. Wir haben durch Speicherkapazitäten die Möglichkeit, Schwankungen auszugleichen. 

Selbst wenn es heuer also wieder über Wochen keinen Regen gibt: Ist unsere Stromversorgung dann sicher? 
Ja. Die Versorgungssicherheit ist gegeben. 
Und was heißt das dann für die Bilanz des Verbundes, der ja mehrheitlich uns Staatsbürgern gehört. 
Weniger Niederschlag zeigt sich auch in unserer Bilanz. Im vergangenen Jahr lagen wir sechs Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Ein Prozent weniger an Wasserführung kostet uns unterm Strich aktuell im Ergebnis acht bis neun Millionen Euro. 

Für die Wasserkraft sind auch die Gletscher wichtig. Hat man das Thema Gletscherschwund beim Verbund auf dem Radar? 
Nicht so sehr, was die Stromerzeugung betrifft. Das ist eher ein Thema für die Instandhaltung unserer Anlagen, weil es immer wieder erhebliche Mengen an Gesteinssedimenten in unsere Anlagen treibt. 

Länder wie Frankreich und Tschechien setzen nach wie vor voll auf die Atomkraft. Brauchen wir die Atomenergie in Europa noch? 
Atomkraft ist der falsche Weg. Sowohl aus Sicherheitsgründen wie aus wirtschaftlichen. Die Vollkosten eines AKW über die gesamte Laufzeit sind enorm teuer. 

Ist der Verbund auf den totalen Stromausfall - also auf ein Blackout - vorbereitet? 
Ja. Wir haben Kraftwerke, die in so einem Fall das Netz wieder anfahren können. Was Gesamt-Österreich angeht, braucht es sicher weitaus höhere Anstrengungen. 

Ist die Bevölkerung für dieses Thema ausreichend sensibilisiert? 
Ich habe dieses Gefühl nicht immer. 

Weil Energieerzeugung heute Hightech ist: Kann Europa in Sachen Technologie noch mit China und den USA mithalten? 
Absolut. Wir können technologisch mit den USA und China konkurrieren. Wir müssen in Europa aber Forschung und Innovation intensivieren und den Faktor Kosten unter Kontrolle halten. 

Thema Facharbeitermangel: Wie sehr ist der Verbund betroffen? 
Derzeit sind wir noch gut aufgestellt. In den kommenden zehn Jahren geht aber ein Viertel unserer Belegschaft in Pension. Da müssen wir jetzt Vorsorge treffen. Wir bilden daher jedes Jahr an die 40 Lehrlinge in unseren Lehrwerkstätten aus. 
Wenn Sie noch einmal 15 Jahre alt wären: Würden Sie eine Lehre beim Verbund machen? 
Ja. Das kann ich mir gut vorstellen. 
*** 
Zur Person 
Karriere 

Michael Strugl, 55, ist seit Jänner stellvertretender Vorstandschef beim Energiekonzern Verbund. Strugl war seit 2001 Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag und seit April 2017 Landeshauptmann-Stellvertreter in Oberösterreich. Michael Strugl studierte Sozial- und 
Wirtschaftswissenschaften sowie Rechtswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz und International Finance an der University of Toronto. 
Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Energieeffizienz mit Hindernissen

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18. Mar. 2019

Der Umsatz wächst, das Ergebnis weniger. Warum die Stein-und keramische Industrie trotz Auslastungsspitzen keine Freudentänze macht.

Ein Plus von 4,6 Prozent und ein hochgerechneter Umsatz auf 3,52 Milliarden Euro für das Jahr 2018, so lautet das Ergebnis der Konjunkturerhebung des Fachverbands der Stein-und keramischen Industrie unter seinen Mitgliedsunternehmen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg österreichweit um 2,8 Prozent auf 13.113 Beschäftigte. Der Bauboom stellte die Produzenten im vergangenen Jahr aber zunehmen vor Herausforderungen. "Fast alle Teilbranchen konnten - man könnte auch sagen mussten - ihre Umsätze im letzten Jahr steigern, um die Ergebnisse zu halten. Stark steigende Logistik-,Energie-, aber auch Personalkosten waren für fast alle Unternehmen eine große Herausforderung", so Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands.

Kostentreiber drücken aufs Ergebnis
Allein die Transportkosten stiegen bis zu 20 Prozent, wenn überhaupt Frächter zur Verfügung standen. Folglich bauen sich viele Hersteller wieder einen eigenen Fuhrpark. Als energieintensive Baustoffindustrie leiden die Produzenten vor allem unter den Preiserhöhungen von Strom und Gas. "Die Gaspreise sind seit 2017 um 50 Prozent gestiegen, die CO2-Preise haben sich vervierfacht, die Trennung der Strompreiszone Deutschland-Österreich führte ebenfalls zu einer massiven Kostensteigerung bis zu 30 Prozent", erklärt Manfred Asamer, Obmann des Fachverbands Steine + Keramik.

Energie-und Emissionsoptimierung im Blick
Die Branche mache in puncto Energieeffizienz ihre Hausaufgaben. "Es ist bekannt, dass die Stein-und keramische Industrie eine energieintensive Industrie ist und die Prozessemissionen unserer Produkte nicht völlig verhindert werden können, aber wir arbeiten weiter an der Optimierung", so Andreas Pfeiler. Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Wegener Center für Klima und globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz wird derzeit u. a. den Fragen nachgegangen, wie einzelne Schritte innerhalb des gesamten Lebenszyklus eines Baustoffs optimiert und wie die Wechselwirkungen zwischen Produktion, Transport und Verwendung besser aufeinander abgestimmt werden können. Erste Ergebnisse sollen 2020 präsentiert werden.

Standortnachteile
Hinsichtlich der heimischen Energiepolitik sieht Pfeiler jedoch Nachholbedarf. "Die Trennung der Strompreiszone zwischen Deutschland und Österreich muss aufgehoben werden, oder die enormen Preisanstiege müssen über Kompensationen korrigiert werden. Hierzu könnten die im Strompreis enthaltenen CO2- Kosten aus dem EU-Emissionshandel, analog dem deutschen Modell, refundiert werden." Begrüßt wird die Ankündigung der Bundesregierung, das Ökostromregime künftig marktnäher zu gestalten. Der Fachverbandsgeschäftführer macht darauf aufmerksam, dass die europäischen Umwelt-und Energieleitlinien für energieintensive Betriebe die Möglichkeit bieten, überbordende Ökostromförderbeiträge zu deckeln. "Österreich macht davon nicht Gebrauch, wodurch wir gegenüber Nachbarländern einen wesentlichen Standortnachteil haben", appelliert Pfeiler an die Verantwortlichen, diesen Nachteil aufzuheben.

2019: Seitwärtsbewegung erwartet
Heuer werde nicht mit den Wachstumsraten des Jahres 2018 zu rechnen sein, aber auch eine geringere Wachstumsrate werde eine Bauaktivität auf sehr gutem Niveau für 2019 bedeuten, so Asamer. Die Unternehmen sind für 2019 optimistisch. Man hoffe, dass neben der guten Wohnbauentwicklung auch wieder verstärkt flächendeckend in Infrastruktur investiert werde.

ÜBERBLICK
Branchenergebnisse im Detail

Feuerfestindustrie: +13,0 %(Umsatz 192 Mio. €)Transportbetonindustrie: +12,1 %(Umsatz 480 Mio. €)Beton-und Fertigteilindustrie: +6,3 %(Umsatz 488 Mio. €)Ziegel-und Fertigteilindustrie: +4,0 %(Umsatz 169 Mio. €)Zementindustrie: +3,3 %(Umsatz 436 Mio. €)Schotterindustrie: +1,9 %(Umsatz 116 Mio. €)Putz-und Mörtelindustrie: +0,8 %(Umsatz 396 Mio. €)Sand-und Kiesindustrie: +0,4 %(Umsatz 145 Mio. €)
 

Österreichische Bau.zeitung
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Niedrigwasser in Österreich bremst Verbund

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Frankfurt , 18. Mar. 2019

Während die deutschen Versorger unter der Energiewende ächzen, profitiert Österreichs größter Stromversorger Verbund von den veränderten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa.

Die mehrheitlich staatliche Verbund AG, die rund 90 % ihrer Erzeugung aus Wasserkraft holt, musste allerdings im vergangenen Turnus dem heißen Sommer Tribut zollen, der eine schwache Wasserführung mit sich brachte und das Geschäft erschwerte. Die Aktionäre reagierten enttäuscht. Das Verbund-Papier sackte in Wien zeitweise um 6,3 % auf 41,18 Euro ab. Allerdings hatte die Aktie ihren Wert auch in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht. 

Der Umsatz knickte im vergangenen Jahr um 2,2 % auf 2,8 Mrd. Euro ein, und das operative Ergebnis (Ebitda) ging überproportional dazu um 6,3 % auf 864 Mill. Euro in die Tiefe. Unterm Strich steht dennoch ein Ergebniszuwachs von 44 % auf 433 Mill. Euro, wofür Einmaleffekte verantwortlich waren, darunter Zuschreibungen bei Wasserkraft in Österreich und Deutschland sowie bei Windkraftanlagen in Rumänien. 
Den Knick im operativen Ergebnis führt Verbund vor allem auf das Niedrigwasser zurück. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke habe mit 0,94 um 5 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert des Vorjahres und um 6 Prozentpunkte unter dem langjährigen Schnitt gelegen, heißt es. 
Unterdessen profitierten die Österreicher davon, dass sich die im Jahr 2017 begonnene Erholung der Großhandelspreise für Strom in Europa fortsetzte. Den Ausschlag hätten dafür vor allem die gestiegenen Preise für CO2-Zertifikate gegeben, was dem auf Wasserkraft fokussierten Wiener Energiekonzern naturgemäß zupass kam. Für den laufenden Turnus zeigt sich Verbund zuversichtlich, das Ergebnis kräftig zu steigern. Angegeben wird ein Zielwert in einer Spanne von 1,05 bis 1,2 Mrd. Euro fürs Ebitda sowie von 440 Mill. bis 540 Mill. Euro fürs Nettoergebnis. Die Dividende für das vergangene Jahr soll stabil bei 42 Cent bleiben. 

Verbund verweist in der Mitteilung aus Wien mit spürbarem Stolz darauf, dass man über eine solide Kapitalstruktur und eine hohe strategische Flexibilität verfüge, "um zukünftig Wachstumschancen wahrzunehmen". Von der Ratingagentur Moody's wird der Konzern mit "Baa1" eingestuft und von Standard & Poor's mit "A-", womit man "zu den am besten bewerteten Versorgern in Europa" gehöre, heißt es. 

An der Börse bringt Verbund 14,3 Mrd. Euro auf die Waage. Die Republik Österreich hält 51 % an dem Stromversorger. 
Börsen-Zeitung 

Börsen Zeitung
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Kneissl raucht Friedenspfeife in Moskau

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13. Mar. 2019

Außenministerin spricht vor Russlandreise über ihr Verhältnis zu Lawrow und Putin 

Außenministerin Karin Kneissl will bei ihrem Moskau-Besuch am Dienstag die Entwicklung des österreichisch-russischen Verhältnisses durch ein neues Format – genannt Sotschi-Dialog – vorantreiben. Als Vorbild nannte sie Deutschland und Frankreich, die ihren Angaben zufolge ebenfalls über den „Petersburger Dialog“ und den „Dialogue de Trianon“ Anknüpfungspunkte für Wirtschaft und Zivilgesellschaft geschaffen haben.

Ihr Verhältnis zu Russland charakterisierte Kneissl in einem Vorabinterview mit der russischen Tageszeitung Kommersant als pragmatisch. Sie habe dabei stets die Interessen Österreichs im Blick. Das Hochzeitstänzchen mit Wladimir Putin, den sie seit 2001 kenne und „der mit dem ihm eigenen Charme“ ihren Festtag bereichert habe, verteidigte sie trotz der nachfolgenden Medienkritik. Es sei immer leichter, Verhandlungen zu führen, wenn Sympathie zwischen den Gesprächspartnern herrsche. Dies gilt wohl auch für das Verhältnis zu ihrem Kollegen Sergej Lawrow, mit dem Kneissl nach eigenen Angaben schon die eine oder andere Zigarette geraucht hat – „das verbindet“. 

Die Raucherpause mit Lawrow dürfte Kneissl tatsächlich Pluspunkte bei ihrem Vis-à-vis eingebracht haben. Der 68-Jährige gilt als passionierter Raucher. Während seiner Zeit als ständiger Vertreter Russlands bei der UN stritt er sogar mit UN-Generalsekretär Kofi Annan, als dieser den Diplomaten das Rauchen im UN-Hauptgebäude verbieten wollte. 

Diese persönliche Sympathie dürfte helfen, über die jüngste Verstimmung im Verhältnis zwischen Moskau und Wien hinwegzukommen. Zur Erinnerung: Kneissl sollte schon im Dezember nach Moskau reisen, doch dann wurde publik, dass ein Oberst im Bundesheer für Russland spioniert haben soll. Lawrow reagierte verärgert auf die Anschuldigungen, solche Fälle sollten nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden, mahnte er „mehr Takt“ bei seinen Wiener Kollegen an. 

Gas und Spione 
In Moskau wird Kneissl den Fall anscheinend nicht ansprechen. Im Interview zeigte sie sich erstaunlich uninformiert über die Untersuchungen. Stattdessen wird die Ministerin wohl eher versuchen, die Rolle Österreichs als Hub für russische Gaspipelines zu stärken. Wien unterstützt nicht nur das Projekt Nord Stream 2, sondern auch die Verlängerung der russischen Gaspipeline Turk Stream nach Europa. Kneissl verwies auf die Bedeutung Baumgartens in dem Zusammenhang. In Moskau sind ihr für die Gasdiplomatie weitere Sympathiepunkte gewiss. 
 

 

Der Standard
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Premiere: Eigener Stromtarif für Landwirte

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13. Mar. 2019

Nach Angaben der Energie Steiermark ist es eine österreichweite Premiere: „Erstmals gibt es einen speziellen Stromtarif mit Preisvorteilen für Land- und Forstwirte.“

Das Angebot namens „steirerAGRAR“ stehe rund 36.500 landwirtschaftlichen Betrieben ab sofort zur Verfügung. Der Sondertarif sei auch für Landwirte in ganz Österreich buchbar. „Im Agrarbereich gibt es im Unterschied zu Haushalten und Unternehmen andere Anforderungen an die Energieversorgung und auch andere Lastprofile. Mit diesem neuen Tarif nehmen wir darauf Rücksicht“, so Vorstandssprecher Christian Purrer. „steirerAGRAR“ werde „auf die Bedürfnisse von Milch-, Obst-, Weinbau- oder Mastbetrieben individuell adaptiert. Unterm Strich erwartet Landwirte in jeder Betriebsgröße eine wesentliche Vergünstigung, diese beträgt bis zu 20 Prozent.“ Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher verweist darauf, dass der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen komme. 

Kleine Zeitung
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"Mehr Europa bringt auch mehr Klimaschutz"

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13. Mar. 2019

Deutsche Alleingänge im Energiebereich widersprechen einer EU-weiten Industriepolitik /

Europas Wirtschaft muss aktuell auf mehrere Herausforderungen reagieren: Die Globalisierung und die Digitalisierung verstärken den Wettbewerbs- und Innovationsdruck, wachsender Protektionismus schürt Handelskonflikte, demografische Umbrüche und Klimaschutz verlangen nach neuen Antworten. Es ist deshalb ein gutes und wichtiges Signal, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam die Initiative für eine europäisch abgestimmte Industriepolitik ergreifen. Die Regierungen bekennen sich klar zu dem Ziel, industrielle Wertschöpfung in Europa zu erhalten und auszubauen. 

Einer der wichtigsten Faktoren dafür, dass das gelingen kann, ist der künftige Kurs in der Energiepolitik. Vor allem für deutsche Industrieunternehmen stellt sich die Gretchenfrage, wie sie sich zu verlässlichen Bedingungen und wettbewerbsfähigen Preisen mit Strom versorgen können. Für sie gibt es eine gute Nachricht: Der Europäische Binnenmarkt ermöglicht den grenzüberschreitenden Handel mit Energie. Die geltenden Regeln und vorhandenen Netze bieten dafür eine solide Grundlage. 

Doch in der politischen Praxis dominiert weiterhin der nationale Alleingang - insbesondere in Deutschland. Und das kommt hiesige Unternehmen, insbesondere aus der Industrie, teuer zu stehen. Bei den Strompreisen ist Deutschland "Spitzenreiter" in Europa, noch vor Italien und Zypern. Nach den jüngsten Statistiken der EU-Kommission liegen die mittleren Industriestrompreise in Deutschland bei 142 Euro pro Megawattstunde (MWh). Bei unseren französischen Nachbarn erreichen sie nicht einmal 80 Euro. 
Ein deutscher Mittelständler zahlt für den Strom fast doppelt so viel wie sein Pendant in Frankreich. Das verzerrt nicht nur den direkten Wettbewerb innerhalb der Europäischen Union (EU). Auch auf dem Weltmarkt rufen andere Industrienationen wie die USA und China deutlich niedrigere Strompreise auf als Deutschland. 
Ein starker Industriestandort ist aber auf eine sichere und zugleich bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Im größeren europäischen Rahmen haben wir die Chance, eine Energiewende für ganz Europa mit weniger Kosten und stärkerem Klima-Effekt zu organisieren. Dieses Ziel verfolgen auch die neuen EU-Regelwerke, die im Rahmen des Gesetzespakets "Saubere Energie für alle Europäer" im Laufe des Jahres 2018 vereinbart wurden. Deutschland muss diesen neuen Rahmen als Chance begreifen, seine bislang eher nationale Energiepolitik stärker europäisch auszurichten. Mit grenzüberschreitenden Lösungen ist mehr drin - für Unternehmen, für Verbraucher und für Klimaschützer. 

Technisch, rechtlich und faktisch ist beim Stromhandel heute über Grenzen hinweg sehr viel mehr möglich, als viele immer noch denken. Insbesondere erneuerbare Energien mit ihrer schwankenden Produktion können dank kurzfristiger Kontrakte auf den Großhandelsmärkten besser in das Energiesystem integriert werden. Zugleich sorgt mehr grenzüberschreitender Stromfluss für eine bessere Auslastung konventioneller Kraftwerke, die für die Versorgungssicherheit weiterhin notwendig sind. 

Wer Energiepolitik nicht national, sondern stärker europäisch ausrichtet, kann die Kosten für den Umbau unseres Energiesystems erheblich senken. Das dämpft die Preise für Unternehmen und Haushalte. Dieses Potenzial erschließt sich jedoch nur, wenn die notwendige Netzinfrastruktur sowohl im Inland als auch grenzüberschreitend vorhanden ist. Es gehört daher zu den wichtigsten Hausaufgaben der deutschen Energiepolitik, den dringend erforderlichen Ausbau der Stromtrassen in Deutschland zu beschleunigen. Die bisherige Verschleppung ist ein schwerer Fehler. Mit jedem Tag, den Deutschland lieber auf der Leitung steht statt neue Trassen zu bauen, verzögert sich der Klimaschutz, verschlechtert sich die Energieversorgung und verteuert sich die Industrieproduktion. Die EU verlangt von den Mitgliedstaaten, marktwirtschaftlichen Prinzipien in ihrer Energiepolitik wieder mehr Platz einzuräumen. Die erneuerbaren Energien müssen sich stärker als bisher auf dem Markt beweisen, wozu sie aufgrund der erheblichen Fortschritte in vielen Ländern während der vergangenen zehn Jahre auch imstande sind. Gleichzeitig müssen die Märkte so ausgestaltet werden, dass die erneuerbaren Energien in einem fairen Wettbewerb mit anderen Energieträgern stehen. Ein Ausbau der erneuerbaren Energien ohne staatliche Förderung verschafft den europäischen Unternehmen die Perspektive, sich mit großen Mengen günstiger Energie zu versorgen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. 

Ein vergleichbares Potenzial bieten auch die eigene Erzeugung und der Verbrauch von erneuerbarem Strom innerhalb der Unternehmen. Im Rechtsrahmen für den europäischen Strombinnenmarkt und die erneuerbaren Energien wird Eigenversorgung als feste Säule wertgeschätzt. In Deutschland wird diese Eigenversorgung bislang noch mit Abgaben belegt und als eine Art "Entsolidarisierung" stigmatisiert. Auch hier ist Europa schon deutlich weiter. 

Die EU hat eine klare Position: Deutschland und seine Nachbarn müssen die Versorgungssicherheit künftig über einen europäischen Ansatz sicherstellen. Beiträge ausländischer Kraftwerke zur Versorgung sollten stets berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollte Deutschland die EU-Vorgabe ernst nehmen, sogenannte Kapazitätsmechanismen nur als letztes Mittel vorzusehen. Dabei geht es um nationale Beihilfen für Kraftwerke, die im Strommarkt nicht oder nicht mehr rentabel betrieben werden können, aber als Puffer weiterlaufen oder sogar neu gebaut werden sollen. Auch diese EU-Regel ist sehr vernünftig: Wer Stromnetze grenzüberschreitend schaltet, verfügt über mehr Reserven - für weniger Geld. 

Mehr Europa und mehr Markt bringen auch mehr Klimaschutz. So funktioniert der europäische Emissionshandel, an dem sich alle EU-Staaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein beteiligen, immer besser. Indem für den Ausstoß von Treibhausgasen ein steigender Preis fällig wird, haben sich die Emissionen bei den beteiligten Kraftwerken und Industrieanlagen in effizienter Weise verringert. Auch in bisher nicht vom Emissionshandel erfassten Sektoren wie dem Verkehr werden neue EU-rechtliche Vorgaben zu erheblichen Einsparungen führen. 

Deutschland sollte dies bei der Diskussion um ein mögliches Klimaschutzgesetz und bei der Umsetzung der Empfehlungen der Kommission "Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung" unbedingt berücksichtigen. Auseinandersetzungen und Abgrenzungen zwischen deutschen Ministerien nutzen im Gegensatz zur grenzüberschreitenden Perspektive in Europa weder der Industrie noch dem Klimaschutz. Deutschland muss hier endlich seine nationale Brille ablegen. Wer die Industriepolitik stärken will, sollte in der Energiepolitik europäischer denken und handeln. Die Chance dazu ist da. 

Eric Schweitzer ist Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er kritisiert, dass es im Energiebereich noch zu viele nationale Alleingänge gibt.

 

Der Tagesspiegel, von Eric Schweitzer
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EXAA führt physische Location Spreads ein - Virtuelle Kopplung der beiden Preiszonen DE und AT erfolgreich gestartet.

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Wien, 12. Mar. 2019

Handel mit Preisdifferenzen zwischen Österreich und Deutschland stärkt den Spothandel

Die Energiebörse EXAA mit Sitz in Wien setzt auf eine Belebung des kurzfristigen Cross-Border Handels. „Mit der neuen Produkterweiterung ermöglicht die Börse ihren Handelsteilnehmern, mittels Spread Geboten, die seit 1. Oktober 2018 über getrennte Orderbücher laufenden Day Ahead Auktionen für AT und DE virtuell miteinander zu verknüpfen.“, erklärt Jürgen Wahl, kfm. Vorstand der EXAA.

Ab sofort können EXAA Händler über einen neuen Spread Editor, zusätzlich zu ihren Geboten für Blöcke, Stunden und Viertelstunden, auch Gebote auf den Preisunterschied zwischen AT und DE abgeben, und diesen Spread mit oder ohne Limit kaufen bzw. verkaufen. Bekommt ein Spread Gebot bei der Auktion den Zuschlag, so wird eine betragsmäßig gleich große Menge in der einen Preiszone gekauft und gleichzeitig in der anderen Preiszone verkauft – dies zur halben Transaktionsgebühr.

Der Preis des Spreads wird durch die gleichzeitig durchgeführten Auktionen im Marktgebiet AT und im Marktgebiet DE unter Einbeziehung der jeweils gesamten Orderbücher ermittelt. Die Erfüllung des Spreads erfolgt physisch im jeweiligen Marktgebiet.

Mit den Spread Geboten eröffnen sich zahlreiche, zusätzliche Optimierungs- und Arbitragemöglichkeiten zwischen physischen Long- und Short Positionen in AT und DE, dem OTC Handel für AT und DE und den Preisen der 12:00 Uhr Market Coupling Auktion, zu welcher EXAA als NEMO ihren Handelsteilnehmern in naher Zukunft ebenfalls den Zugang anbieten wird.

„Der Spothandel hat in den letzten Jahren sehr unter der starken Reglementierung gelitten und ist vorwiegend zu einem Beschaffungsinstrument geworden. Aufgrund der bislang wesentlich höher als erwarteten Preisdifferenzen zwischen den getrennten Preiszonen AT und DE, sind die neuen Spread Gebote besonders attraktiv für unsere Händler, denn die sind stets auf der Suche nach neuen Chancen und attraktiven Handelsmöglichkeiten. Somit erwarten wir uns für das laufende Geschäftsjahr, dass das Handelsvolumen an der EXAA bis Jahresende wieder steigen wird“, führt Vorstand Wahl aus. 

Mit Marktstart am 5. März 2019 werden physische Location Spreads für die Produkte Base und Peak angeboten. Je nach Nachfrage ist eine Erweiterung auf andere Produkte (weitere Blöcke, Einzelstunden oder Viertelstunden) sowie auf neue Märkte vorgesehen. Die Ergebnisse der ersten Handelstage mit einem Anteil von 15% der Spreads am Gesamtvolumen stimmen optimistisch.

Kontakt:
DI Jürgen Wahl, MBA
Executive Board Member, Joint CEO

EXAA Abwicklungsstelle für Energieprodukte AG
Palais Liechtenstein, Alserbachstraße 14-16, 1090 Wien
Tel.: +43 1 253 72 72-66
Fax: +43 1 253 72 72-90
juergen.wahl@exaa.at
www.exaa.at

EXAA Abwicklungsstelle für Energieprodukte AG, DI Jürgen Wahl, MBA
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Ölheizungs-Aus könnte ab 2021 blühen und Erdgas folgen

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Innsbruck, 08. Mar. 2019

Tirol will ab dem Jahre 2050 energieautonom sein und auf alle fossilen Energieträger verzichten. Alle Lebensbereiche werden davon betroffen sein.

Es ist die viel zitierte Energiewende, die Tirol im Jahr 2050 mit dem Vermerk "erledigt" versehen will. Das Ziel ist mehr als nur ambitioniert, der Weg dorthin nicht viel weniger. Wie bereits mehrfach berichtet, hat das Land anhand einer Studie in Kooperation mit Uni, MCI und Wasser Tirol Zahlen, Fakten und Daten vorliegen, wie die Abkehr von den fossilen Energieträgern in Tirol funktionieren könnte.
Ist-Situation: Auf Basis der Daten des Jahres 2016 ist der Endenergieverbrauch bei Gebäuden mit 41% am höchsten, gefolgt von der Mobilität (35%)und dem produzierenden Bereich (24%).Mit 58,5% wurde dieser Energiebedarf mit fossilen (Öl, Erdgas, Kohle),zu 41,5% aus erneuerbaren Energieträgern (Strom aus Wasserkraft, Biomasse, Umwelt-und Fernwärme) gedeckt. In Summe lag der Energiebedarf 2016 in Tirol bei rund 87 Terajoule. Unter den Prämissen eines anhaltenden Bevölkerungsund Wirtschaftswachstums und damit einhergehend eines steigenden Energiebedarfs bedarf die Wende aber nicht nur eines Umstiegs auf erneuerbare Träger, sondern auch Einsparungen in Form einer verbesserten Energieeffizienz.

Energieszenarien: Ausgearbeitet wurden vier Szenarien, wobei dem Wasserstoff-und Methan-Szenario (für Tirol) keine große Zukunft vorhergesagt wird. Wie Rubert Ebenbichler von der Wasser Tirol erklärt, müsse zu deren Herstellung selbst viel Energie aufgewendet werden. Für Nischen seien Wasserstoff und Methan aber weiter von Vorteil. Tirol müsse indes entweder auf das reine Stromoder ein Energiemixszenario setzen. Für das Jahr 2050 wird ein Gesamtenergieverbrauch von 54 Terajoule angestrebt-ein Minus von 37 Prozent. Dieser könnte sich-so einer der Wege-zu 52% aus Strom (Wasserkraft 59%, Photovoltaik 40%),Umweltwärme (19%),Fernwärme (5%),Holz (5%),Wasserstoff (5%),Methan (4%),Solarthermie (3%), Biofuels (3%)und sonstigen nichtfossilen Energieträgern (4%)zusammensetzen.

Gebäude: Energieeffizienz ist das Zauberwort im Gebäudebereich. Umso wichtiger sei es, Altbestände umfassend zu sanieren, sagt Wolfgang Streicher von der Uni Innsbruck. Doch auch für Neubauten gelte es bereits jetzt, "2050-ready" zu bauen. Nur so könne das Ziel einer knapp 32-prozentigen Energieeinsparung im Gebäudebereich erreicht werden. In der Praxis hieße das, dass bereits ab 2021 keine Ölheizungen mehr eingebaut werden dürften. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hat Tirol noch kein Verbot ausgesprochen. "Ich bin eher ein Fan von Anreizen", sagt LHStv. Josef Geisler (VP). Zudem verweist Bruno Oberhuber (GF Energie Tirol) auf die Tiroler Bauordnung. Wer neu baut und auf Öl-oder Erdgasheizung setzen will, müsse schon jetzt eine "Alternativprüfung" absolvieren. Das führe in der Praxis bereits dazu, so Oberhuber, dass nur noch wenige Ölheizungen eingebaut würden. Vom Tisch ist ein Verbot für Ölheizungen trotzdem nicht. Zumindest will Geisler nicht dezidiert ausschließen, dass es ab 2021 auch in Tirol in diese Richtung gehen könnte. Anders beim Erdgas. Dieses werde noch zu Diskussionen führen, ist sich Oberhuber sicher. Geisler sagt, diese Umrüstung würde länger und in Etappen erfolgen müssen. Der Vorteil zu Ölheizungen: Gasanlagen können auch mit Biogas oder Ähnlichem betrieben werden. Trotz allem: Auch vom Erdgas will sich Tirol verabschieden.

Mobilität: Mit bis zu 68 Prozent liegt hier das Einsparpotenzial (im Stromwie im Mixszenario) am höchsten aller drei untersuchten Teilbereiche. Der Boom in der E-Mobilität und die Annahme, dass ab 2050 bis zu 70 Prozent des Schwerverkehrs mit Wasserstoff fahren, soll diesen Ansatz stützen.

Industrie/Gewerbe: InSumme soll hier der Energiebedarf bis 2050 um knapp zehn Prozent sinken. Die Empfehlung lautet: so viele Produktionsprozesse wie möglich auf Strom umzustellen.

Energiepotenzial: Wie bereits berichtet, liegt das größte nutzbare Potenzial an erneuerbaren Energien in Tirol im Ausbau der Wasserkraft(werke) und in der Photovoltaik. Um das Ziel 2050 zu erreichen, müssten alle verfügbaren Ressourcen angezapft werden, beteuert Ebenbichler.

Tiroler Tageszeitung
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Wie man E-Autos auflädt

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08. Mar. 2019

Elektrisch.In Sachen E-Mobilität gibt es zahlreiche Fragen. Viele davon drehen sich um das Laden der Autos.

von Florian Christof Wo kann ich mein Elektroauto aufladen, was brauche ich dazu und kann man dabei etwas falsch machen? Beim Thema Elektromobilität tritt eine Vielzahl an Fragen auf, speziell wenn es um das Laden der Akkus geht. 

Wer sich ein Elektroauto anschaffen will, wird zunächst wissen wollen, wie man sein künftiges Auto am effizientesten zu Hause aufladen kann. 

Zur Basisausstattung eines E-Autos gehört natürlich ein entsprechendes Kabel mit Adaptern, sodass man es an möglichst vielen Stellen ohne Hürden aufladen kann. 

Zu Hause laden Grundsätzlich können E-Autos auch mit einer herkömmlichen Haushaltssteckdose geladen werden. Der Ladevorgang damit dauert allerdings extrem lange - zum Teil länger als einen Tag. 
Die rote CEE-Steckdose, auch Starkstromstecker genannt, hat fast jeder Hausbesitzer in Österreich zu Hause. Sie stellt einen effizienten Ladepunkt dar. Wer diesen Stecker zum Laden verwenden will, muss ein passendes Adapterkabel mit einer "In-Kabel-Kontrollbox" (kurz "ICCB") verwenden. Die ICCB übernimmt dabei die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Stromnetz. Sie teilt der Ladestelle die maximal mögliche Ladeleistung des Autos mit. Die meisten Hersteller bieten für ihre Fahrzeuge passende ICCB-Kabel an. Ansonsten gibt es auch im freien Handel zahlreiche Anbieter von ICCB-Kabeln. Laden mit ICCB-Kabel wird oft auch als Notladung bezeichnet und eignet sich etwa perfekt, wenn man irgendwo zu Besuch ist. 
Wallbox Zur Anschaffung eines Elektroautos gehört eigentlich auch die Installation einer passenden Wallbox - sofern man eine Garage hat. Hier gibt es zwei Arten von Wallboxen: die "dummen" und die "intelligenten". 

Eine "dumme" Wallbox ist nicht mehr als ein stationäres ICCB-Kabel. Eine "intelligente" Wallbox lässt sich mit digitalen Stromzählern vernetzen und mit dem Internet verbinden. Dadurch können Ladevorgänge digital erfasst werden. So kann man künftig etwa auch seinen selbst erzeugten Solarstrom direkt ins Auto einspeisen. 

Etwas weiter in die Zukunft geschaut, könnten die Akkus der E-Autos mit Hilfe intelligenter Wallboxen Teil des gesamten Stromnetzes werden. Sie könnten dabei als Energiespeicher dienen, der hilft, das Stromnetz zu stabilisieren. Eine Wallbox kostet ohne Installation ungefähr zwischen zwischen 500 und 2000 Euro. 
Ladeinfrastruktur Öffentliche Ladestationen setzen auf verschiedene Steckersysteme (siehe Grafik) . Der gängigste Anschluss ist dabei der Stecker vom Typ 2, der eine Ladeleistung von bis zu 43 kW unterstützt. Für Schnellladungen wird meist der CCS Combo 2 Stecker verwendet, der eine Leistung von bis zu 350 kW zulässt. 

Ein zentrales Verzeichnis für Österreich, in dem alle öffentlichen Ladepunkte samt ausführlicher und aktueller Zusatzinformationen aufgelistet sind, gibt es noch nicht. Ein solches wird gerade von der E-Control erarbeitet und soll noch vor dem Sommer öffentlich werden. Derzeit empfiehlt es sich, auf größere Anbieter zu vertrauen, beispielsweise Smatrics, ÖBB, manche Supermärkte, Wien Energie, EVN, Kelag oder andere Energieversorger. 

Preise Beim Laden zu Hause kommt es natürlich auf den jeweiligen Stromtarif an. Bei öffentlichen Ladestationen sind die Kosten äußerst schwer zu vergleichen. Viele arbeiten mit Preisen, die auf Abo-Modellen basieren und zusätzlich die Ladedauer und Ladeleistung in die Preisgestaltung einfließen lassen. 
Die Arbeiterkammer hat die Preise öffentlicher Ladestationen miteinander verglichen. Das Ergebnis: Pro 100 Kilometer Fahrleistung werden zwischen 2,92 und 8,33 Euro fällig. Im Schnitt bezahlen E-Auto-Fahrer also 4,88 Euro pro 100 Kilometer, mit einem Verbrennungsmotor belaufen sich die Kosten auf acht bis neun Euro. 

Fazit Die Ladearchitektur der E-Autos ist so ausgelegt, dass man beim Laden des Akkus eigentlich nichts falsch machen kann. Optimal für E-Autobesitzer ist es, einen privaten Ladepunkt, etwa eine intelligente Wallbox, in der Garage zu haben, an dem man das Auto über Nacht aufladen kann. Denn dann ist man nur in wenigen Fällen auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. 

Problematisch bei öffentlichen Ladestationen ist weniger die Anzahl der Ladepunkte, sondern vielmehr der Wildwuchs und das Fehlen von verlässlichen Angaben zu den einzelnen Ladepunkten. Genau diese Ungewissheit führt dann am Ende zur meist ohnehin unbegründeten Reichweitenangst. 

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Klimawandel: Verbund-Chef warnt vor Wohlstandsverlust

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LINZ/WIEN, 08. Mar. 2019

Anzengruber: "Genug der Zielvorgaben, jetzt müssen wir handeln" 

Man muss kein Gutmensch sein, um sich wegen des Klimawandels Sorgen zu machen. Es geht auch um handfeste ökonomische Folgen." 

Der Chef des größten österreichischen Stromkonzerns, Verbund, Wolfgang Anzengruber, warnt vor dramatischen Folgen des Klimawandels. Gelinge es nicht, das Ruder herumzureißen und den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu beschränken, drohen Naturkatastrophen und Klimaveränderungen, die letztlich unseren Wohlstand beeinträchtigen, sagt Anzengruber im Gespräch mit den OÖNachrichten. 
"Es hat genug Zielvorgaben gegeben, jetzt muss gehandelt werden", sagt Anzengruber weiter und lässt keinen Zweifel daran, dass die Welt vor einer großen Herausforderung stehe. Ohne einen Mindestpreis für die Emission einer Tonne CO2 von 40 Euro werde sich auch nichts ändern. Zuletzt war der Preis von fünf bis sechs auf 20 Euro gestiegen. Die energieintensive Industrie müsse bei einer solchen Preissteigerung aber entlastet werden, etwa über die Lohnnebenkosten. Denn es könne nicht sein, dass Firmen wie die voestalpine gefährdet werden, obwohl sie bei der Stahlproduktion am saubersten sind. 

Bis 2030 sollen die Staaten ihre Klimaziele erreichen. Wobei es nicht darum gehe, dass das punktgenau 2030 passiere. "Die Richtung muss stimmen, aber derzeit entfernen wir uns eher von den Zielen." 
"Das weiß mittlerweile jeder" Einwände, dass CO2 überbewertet sei, lässt Anzengruber nicht gelten. "Dass CO2 der Hauptgrund für den Klimawandel ist, weiß mittlerweile jeder. Nach 800.000 Jahren hat die Konzentration 1950 erstmals 300 ppm (parts per million) in der Luft überschritten und ist seither um 100 ppm gestiegen", sagt Anzengruber. Dass dies auf einen Kubikmeter Luft wenig sei, lässt Anzengruber nicht gelten. "Es wäre auch dramatisch, wenn wir ein Prozent weniger Sauerstoff in der Luft hätten." 

Die Folgen einer Erwärmung um drei bis vier Grad wären dramatisch, sagt Anzengruber: Mehr Umweltkatastrophen und Hochwässer, Trockenheit und Küstenstädte, die vom Meer überschwemmt werden. Und in Afrika und Südostasien würden sich viele Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen. "So dicht können die Grenzen nicht sein, dass diese nicht kommen. Man muss also kein Gutmensch sein, um sich wegen des Klimawandels Sorgen zu machen. Es geht auch um handfeste ökonomische Folgen", sagt Anzengruber. 

In Österreich brauche es zu den 40 Terrawattstunden Strom weitere 25, um das Ziel einer Stromerzeugung aus 100 Prozent erneuerbarer Energie zu erreichen. Dies sei durch den Ausbau und die Erneuerung von Wasserkraft, Windkraft und Sonnenenergie erreichbar. Den Bau eines Wasserkraftwerks in Hainburg, das ein bis 1,5 Terrawattstunden beitragen könnte, schließt Anzengruber aus. 

Oberösterreichische Nachrichten
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Berlin übernimmt sein Stromnetz

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Düsseldorf , 08. Mar. 2019

Bei der Neuausschreibung der Konzession setzte sich der Landesbetrieb Berlin Energie durch - zum Ärger von Vattenfall. 

Berlin bringt das Stromnetz wieder unter die eigene Kontrolle. Der Senat für Finanzen teilte am Dienstag mit, dass der Landesbetrieb Berlin Energie im Verfahren zur Vergabe der entsprechenden Konzession das beste Angebot abgegeben habe. Die Entscheidung trifft besonders den schwedischen Energiekonzern Vattenfall. Die Tochter Stromnetz Berlin und das Vorgängerunternehmen Bewag hatten seit mehr als 20 Jahren das Netz in der Hauptstadt gemanagt. 

Berlin ist damit der jüngste Fall einer inzwischen langen Reihe an Rekommunalisierungen: Bundesweit versuchen Städte und Gemeinden seit Jahren, den Betrieb von Strom- und Gasnetzen wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Kommunen vergeben zum Teil für Jahrzehnte Konzessionen, die zum Betrieb der Netze berechtigen. Vielerorts versuchen Stadtwerke bei der Neuausschreibung, privaten Betreibern die Konzessionen wieder abzunehmen. 

Der Netzbetrieb gilt schließlich als äußerst lukrativ. Während die Einnahmen aus der Stromproduktion in den vergangenen Jahren drastisch gesunken sind, fallen bei den Netzen stabile Renditen ab. Diese werden zwar von der Bundesnetzagentur gedeckelt, sind aber trotzdem attraktiv. 
Das Stromnetz in Berlin ist eines der größten lokalen Netze in Deutschland. Es erstreckt sich über rund 35 000 Kilometer. An die Leitungen sind mehr als 2,3 Millionen Netzkunden angeschlossen. Das Konzessionsverfahren wurde schon vor Jahren angestoßen. Insgesamt lagen fünf Angebote vor, wie der Senat jetzt mitteilte. Auch die Genossenschaft Bürger Energie hatte sich um den Betrieb des Netzes beworben. 

Vattenfall bedauerte die Entscheidung, die Konzessionsrechte an den kommunalen Bieter vergeben zu wollen. Das Unternehmen kündigte an, nun gemeinsam mit den Verantwortlichen von Stromnetz Berlin die Vergabeentscheidung und deren Begründung genau zu analysieren. Formal abgeschlossen ist der Wechsel schließlich noch nicht. Es ist zwar davon auszugehen, dass der Senat die Konzession jetzt an den Landesbetrieb vergibt. Vattenfall kann gegen die Entscheidung aber klagen. Das Land muss Vattenfall auch einen Kaufpreis bezahlen, der auf mehr als eine Milliarde Euro taxiert wird. 

"Wir betreiben das Stromnetz in Berlin seit Langem erfolgreich und zuverlässig", sagte Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. "Wir sind überzeugt, diese erfolgreiche Arbeit allein oder in Partnerschaft mit der Stadt Berlin fortsetzen zu können." 

Zugleich betonte Hatakka, dass Berlin und Deutschland unabhängig von der aktuellen Senatsentscheidung ein wichtiger Wirtschaftsstandort und Markt für Vattenfall bleiben werde: "Wir wollen weiterhin zum deutschen Energiewendeprozess beitragen und sehen Wachstumschancen für unser Unternehmen in verschiedenen Bereichen, darunter bei den dezentralen Energielösungen oder der erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugung." 

Tatsächlich ist der Verlust der Konzession ein schwerer Schlag für den Energiekonzern. Er hat zwar in Deutschland 3,6 Millionen Strom- und Gaskunden. Berlin ist neben Hamburg aber hierzulande der zweite große Markt des Unternehmens. 2014 hatte Vattenfall bereits in Hamburg die Konzessionen für das Stromnetz verloren - ebenfalls an die Stadt. 

Handelsblatt, Jürgen Flauger
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20 Energie-Start-ups, die Sie kennen sollten

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08. Mar. 2019

Von einer Mikro-Dampfturbine über eine E-Ladestation bis hin zu einer intelligenten Batterie: 20 junge Energiepioniere, die heute schon die Welt von morgen nachhaltiger gestalten. Von Doris Könighofer

1.
Die Wasserkraft- Digitalisierer
Hydrogrid

Was: SaaS-Lösung für Wasserkraftwerke
Gründung: 2016
Besonderheit: Automatisierungslösung für Kleinwasserkraftwerke plus deren Effizienzsteigerung mithilfe von KI und IoT
Wie man aus Wasser Geld macht, wissen Betreiber von Wasserkraftwerken. Wie man aus Wasser mehr Geld macht, das weiß Hydrogrid. 16 Prozent mehr Einnahmen durch die optimale Ausnutzung von Wasserkraftanlagen, das verspricht die Software as a Service-Lösung (SaaS). Vollautomatisch wird die Produktion in Echtzeit optimiert. Die Technologie des Startups lässt sich mit bestehenden Scada- /Anlagenleitsystem kombinieren. Dadurch werden tägliche Prozesse vereinfacht. Kleinen Wasserkraftwerken (< 30 MW Erzeugungsleistung) erleichtert es die vollständige Digitalisierung: Von der Zuflussprognose, Integration in den Strommarkt bis hin zur automatischen Schnittstelle zum lokalen Anlagensteuerungssystem. Den Anwendern bieten sich somit Möglichkeiten, die sonst den großen Playern am Markt vorbehalten sind.

2.
Der Risikominimierer
Alterdyne

Was: Dienstleistung für Investoren
Gründung: 2017
Besonderheit: Steigern die Erfolgsquote bei Projekten zu erneuerbarer Energie
Rund um das Thema erneuerbare Energie gibt es viele Möglichkeiten neue Geschäftszweige zu erschließen. Alterdyne sorgt dafür, dass Projekte zu erneuerbarer Energie nicht zu jenen 80 % gehören, die scheitern. Mit Branchenwissen und moderner Informationstechnologie unterstützt das Wiener Start-up Investoren bei der Auswahl von erfolgsversprechenden Projekten im Bereich erneuerbare Energie. Für die Kunden werden Marktchancen identifiziert, Projektrisiken reduziert und im undurchsichtigen globalen Markt Transparenz geschaffen. Ein Geschäftsbereich mit Zukunft. Im Bild Gründer Philipp Lobnig (rechts).

3.
Die Geräusch- Visualisierer
Nlacoustics

Was: Akustische Leckagen-Analyse
Gründung: 2015
Besonderheit: Machen Geräusche von Energieleckagen mithilfe einer Kamera sichtbar
Diese Finnen machen Geräusche sichtbar. Werden Luftleckagen bei der Wartung von Anlagen nicht entdeckt, können sie bis zu 40 %der Energiekosten verursachen. Dieser Verschwendung von Energie will Nlacoustics zu Leibe rücken. Das finnische Start-up setzt dabei auf akustische Detektion. Sie hören bei kritischen Anlagen genau hin, was nicht rund läuft. Leckagen, Entladungen oder anderen Anomalien werden so lokalisiert und können behoben werden. Doch nicht nur Energiesparen ist damit möglich. Die akustische Analyse findet auch in der vorausschauenden Instandhaltung Anwendung.

4.
Die schwimmenden Solarpanele
Swimsol

Was: Solarpanele
Gründung: 2012
Besonderheit: Schwimmende Solarpaneele für Küstenregionen
Das österreichische Start-up Swimsol ist derzeit das führende Solarenergieunternehmen auf den Malediven und expandiert schnell in andere Küstenregionen Südostasiens. Mit erschwinglichen und langlebigen Solarstromsystemen für die Küsten-Tropen wird dort Strom erzeugt, wo der Platz an Land begrenzt ist.

5.
Der Wasserstoff-Transporteur
Hydrogenious Technologies

Was: Flüssige organische Wasserstoffträger
Gründung: 2013
Besonderheit: Versprechen mehr Sicherheit bei der Speicherung großer Mengen Wasserstoff
Ganz oben im Ranking der am häufigsten verwendeten Industriegase steht Wasserstoff. Beliebt wegen seiner energietechnischen Pluspunkte, hat er aber ein großes Problem: Der Transport ist teuer, ineffizient und mit Sicherheitsrisiken verbunden. Die LOHC-Technologie von Hydrogenious schafft Abhilfe. LOHC steht für "liquid organic hydrogen carriers", also flüssige organische Wasserstoffträger. Dibenzyltoluol (DBT) wird als Trägermaterial verwendet. Die nichtexplosive und ungiftige Flüssigkeit macht eine sichere Handhabung möglich. Für die Aufbewahrung können bestehende Kraftstofftanks verwendet werden. Ein weiterer Vorteil: DBT ist nicht als Gefahrgut eingestuft. Im Bild Gründer Daniel Teichmann.

6.
Der E-Lade-Rebell
Easelink

Was: Ladestationen für E-Autos
Gründung: 2015
Besonderheit: Automatisierte und kontaktlose Ladetechnologie
Die konduktive Ladelösung von Easelink bietet eine komfortable Möglichkeit E-Autos aufzuladen. Die Technologie des steirischen Hightech-Unternehmens funktioniert ohne Ladesäule, ist robust und unkompliziert in der Anwendung. An einer Bodenplatte können E-Fahrzeuge vollautomatisch andocken. Mit einem Wirkungsgrad von 99 Prozent weist das System eine maximale Effizienz auf. Aufkommende Technologien, wie autonomes Fahren, könnten zur zusätzlichen Triebfeder für das System werden. Im Bild Gründer Hermann Stockinger.

7.
Die Energie-Reformer
EET -Efficient Energy Technology GmbH

Was: Mini-Kraftwerke für Zuhause
Gründung: 2016
Besonderheit: Unabhängige, dezentrale Energieerzeugung
Einfach zu installieren, mit 100 % Eigennutzungsgrad: Mini-Kraftwerke aus Graz könnten die Energieversorgung von Privathaushalten verändern. SolMate, so heißt das Photovoltaik-System von EET. Bestehend aus Solarpanelen für den Balkon und einer Speichereinheit soll damit die unabhängige und dezentrale Stromerzeugung ermöglicht werden. Was an SolMate besonders ist die firmeneigene Messtechnologie, die erkennt, ob gerade im Haushalt Strom verbraucht wird. Ein weiteres Feature ist die Notstromversorgung. Derzeit befindet sich das Produkt noch in der Testphase. Die Vorbereitungen für den diesjährigen Markteintritt laufen auf Hochtouren. Im Bild die Gründer (v. li.) Stephan Weinberger, Christoph Grimmer und Florian Gebetsroither.

8.
Die Dampf-Macher
Turbonik

Was: Mikro-Dampfturbine
Gründung: 2017
Besonderheit: Können 40 Prozent mehr Strom erzeugen als mit vergleichbaren Turbinen
Das Spin-off des Fraunhofer Instituts Umsicht reduziert mit der Mikro-Dampfturbine "MDT-300" Energiekosten. Diese Neuheit wurde im Februar dieses Jahres auf der E-world energy &water der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Dampfverarbeitende Unternehmen können so aus ihrem Dampf mehr Strom erzeugen. Bei einer elektrischen Leistung bis 300 kW und 2,4 GWh pro Jahr Strom ist die Technologie auch für kleine Anlagen und Dampfmengen wirtschaftlich interessant. Der Energieversorger Oberhausen AG hat die Turbine bereits installiert und erzeugt künftig 300.000 kWh Strom pro Jahr (= 70 Vier-Personen-Haushalte). Im Bild die Gründer (v. l. n. r.) Björn Bülten, Martin Daft und Johannes Grob.

9.
Die Solarisiererin
Tausendundein Dach

Was: Beratung für Solarenergie
Gründung: 2011
Besonderheit: Planung, Bau und Vermarktung von Solaranlagen für Unternehmen
Cornelia Daniel widmet sich seit 2008 dem Thema Solarenergie und dabei vor allem den wirtschaftlichen Aspekten der Technologie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgol. Seither berät sie Unternehmen, die in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Mit ihrem Gestehungskostenrechner setzte sie einen neuen Standard in der Branche. 2014 entwickelte die Solarunternehmerin gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Initiative "Tausendundein Dach". Das Ziel: 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu "solarisieren". Die Initiative begleitet Unternehmen von der Planung bis hin zum wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb.

10.
Die CO2-Bekämpfer
Aparus

Was: Biomassefeuerungsanlagen
Gründung: 2016
Besonderheit: Anlagen beherrschen Heiztechnik und Produktion von Pflanzenkohle in einem
Aparus bietet eine automatisierte Wärme-und Pflanzenkohleproduktion. Die beiden Maschinenbauer August Zöchbauer und Pia Dietachmair entwickeln kleine, dezentrale Biomassefeuerungsanlagen, die sowohl Pflanzenkohle als auch Energie erzeugen. Die Anlage kombiniert zwei Funktionen: Einerseits handelt es sich um eine Feuerungstechnologie, andererseits wird damit Pflanzenkohle produziert. Mit der Technologie wird Biomasse zu Pflanzenkohle und nicht - wie bisher üblich -vollständig verbrannt. Die Anlagen sollen für kleine Betriebe erschwinglich und gewinnbringend sein.

11.
Die Datenlogger
LineMetrics

Was: Energiemonitoring Lösung
Gründung: 2012
Besonderheit: Vernetzt Maschinen mit Sensoren und Messgeräten und erzeugt so ein Energie-Ökosystem
LineMetrics liefert Sensordaten und die entsprechenden Auswertungen zur Steuerung von Maschinenparks. Das Besondere daran: die eigens entwickelte Datenlogger-Box. Sie verbindet Produktionsmaschinen, Sensoren und Energie-Messgeräte. Angezeigt werden die Daten in einer Cloud-Plattform. Durch die gewonnenen Informationen kann der Verbrauch oder die Erzeugung von Strom, Wasser und Gas aufgezeichnet und optimiert werden. Mit der Lösung von LineMetrics kann die Effizienz von Produktionsanlagen gesteigert, aber auch das Monitoring des Energieverbrauchs smart durchgeführt werden. Das österreichische Start-up kann bereits Peneder, EVN und Boehringer Ingelheim zu seinen Kunden zählen.

12.
Die Solarstrom- Revoluzzer
Heliac

Was: Wärmeerzeugung
Gründung: 2014
Besonderheit: Hochtemperaturwärme mit Solarpaneelen
Die Paneele von Heliac erzeugen Wärmeenergie mit bis zu 400 Grad Celsius. Mit den Paneelen können 80 %des einfallenden Sonnenlichts in Wärmeenergie umgewandelt werden. Diese Energie kann etwa genutzt werden, um Turbinen anzutreiben. Das Produkt des dänischen Start-ups ist nicht für den Dachaufbau geeignet, dafür sind die Paneele zu groß. Übrigens: Die erste Anlage entsteht in Lendemarke, Dänemark. Bei einer Fläche von ca. 10.000 m² beträgt die erwartete Jahresproduktion ca. 2.000 MWh.

13.
Die Branchenneulinge
Smart Inspection

Was: Inspektionsflüge per Drohne
Gründung: 2017
Besonderheit: Smarte Inspektion von Industrie-und PV-Anlagen
Smart Inspection ging 2017 aus der Innovation Challenge von Wien Energie hervor. Aus einer Idee wurde eine neue Dienstleistung geboren. Eine 16 Kilo schwere Industrie-Drohne, ausgestattet mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera, liefert Bilder, die mit einem speziellen Algorithmus analysiert werden. Inspektionen führt das Team mittlerweile nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch für andere Infrastrukturbetreiber durch. Standen zu Beginn noch Windräder und Photovoltaik-Anlagen im Fokus, sind mit der Zeit Kamin-Inspektionen, Gebäude-Befliegungen oder Inspektionen von Fernwärmeleitungen hinzugekommen. Aktuell führt das Team von Patrick Enzinger und Michael Elias die besagte Inspektion von Fernwärmeleitungen durch. Die Drohne fliegt 50 Meter über dem Boden durch die Straßen. Mögliche Schwachstellen werden exakt bestimmt und Aufgrabungen zur Behebung anschließend gezielt durchgeführt.

14.
Die Stromnetz- Optimierer
Adaptricity

Was: Smart Grid Simulation
Gründung: 2014
Besonderheit: Optimierung von Verteilernetzen
Adaptricity ist im Bereich SmartGrid-Simulation tätig und wurde 2014 als Spin-off des Power Systems Laboratory der ETH Zürich gegründet. Das Start-up spezialisierte sich auf die Planung und Optimierung von Verteilnetzen. Mit der innovativen Software werden zeitreihenbasierte Simulation und Analyse von Stromnetzen durchgeführt. Die Anwendungsfälle gehen von der Netzplanung, Netzbetrieb bis hin zu Asset Management. Im Bild zwei der drei Gründer: Ben Schaule (li.) und Andreas Ulbig (re.).

15.
Der Wetter- Beherrscher
Amper Meteo

Was: Meteorologische Dienstleistung
Besonderheit: Mehr Vorhersagegenauigkeit für Wind-und Sonnenkraftwerke
Amper Meteo liefert hochwertige Prognosen und begleitete Spezialprodukte für die Energiewirtschaft. Auf Basis numerischer Wettervorhersagemodelle minimiert das tschechische Start-up Prognosefehler für Wind-und Solarkraftwerke. Das Team liefert Energieerzeugern damit wichtige meteorologische Parameter und Prognose der Wetterentwicklung und trägt zu einem stabilen Stromsystem bei.

16.
Die Stromnetz- Lieblinge
Envelio

Was: Algorithmus zum Planen und Betreiben von Stromnetzen
Gründung: 2017
Besonderheit: Prüfprozesse bei Stromnetzen werden mithilfe von künstlicher Intelligenz drastisch verkürzt
Eine Minute für Prüfprozesse, anstelle von zwei bis acht Wochen. Bisherige Prozesse zum Betrieb und der Planung von Stromnetzen sind langsam und ineffizient. Das Smart Grid Start-up aus Deutschland will das ändern und erneuerbare Energien schneller ins Stromnetz bekommen. Stromnetze werden mithilfe automatisierter Handlungsempfehlungen und Datenanalyse besser planbar. Das Einsparungspotenzial durch die Envelio-Lösung schätzen die Gründer auf 16 Mrd. Euro bis 2030 allein für Deutschland. Im Bild das Gründerteam (v.l.n.r.) Moritz Cramer, Fabian Potratz, Simon Koopmann, Philipp Goergens, Philipp Erlinghagen.

17.
Die Batterie-Wächter
Bamomas

Was: Batterieüberwachung
Gründung: 2018
Besonderheit: Mit Big Data und IoT zu intelligenten Batteriesystemen
Bamomas übernimmt mit seiner cloudbasierten Big-Data-Lösung die Überwachung von industriellen Batteriesystemen. Funksensoren schaffen in Verbindung mit einer Cloud-Plattform. Das entwickelte System analysiert kontinuierlich die Nutzung, Leistung und den Zustand der Batterien. Über das Internet oder ein mobiles Dashboard kann auf die Echtzeitinformationen zugegriffen werden. Regelmäßig erhält man so Berichte, Warnungen und Benachrichtigungen.

18.
Der Design-Affine
Ecosys

Was: Automatisierte Stromsparlösung für Industriebetriebe
Gründung: 2010
Besonderheit: Mit Design und Technologie Umweltschutz sichtbar machen
Mit den Produkten des steirischen Start-ups können Unternehmen aktiv Energie sparen und machen dies auch sichtbar. Zu den Kunden von €cosys zählt etwa Holzher: Seit über zwei Jahren ist das Energiesparsystem hier im Einsatz. Jährlich spart der Maschinenhersteller so 45.000 Euro an elektrischer Energie ein. Die Anschaffung hat sich so innerhalb weniger Monate gerechnet. Das Steuerungssystem und die Sensoren, für die Energieanalyse und Energieeinsparung, treten dabei in den Hintergrund. Die Verbrauchsmessung wird auf "Atmosphere", dem Anzeige-Medium, sichtbar. Damit werden Klimaschutz-Maßnahmen von Unternehmen visualisiert. Man muss es selbst gesehen haben.

19.
Die Systemüberwacher
Solytic

Was: Monitoring von PV-Analgen
Gründung: 2017
Besonderheit: Anlagenüberwachung mithilfe von modularen Dashboards
In einem höheren Automatisierungsgrad liegt der Schlüssel zur Effizienzgewinnung. Deshalb liegt für PV-Anlagen-Betreiber der Schlüssel zur Effizienz in der Anlagenüberwachung und Automatisierung von Arbeitsprozessen. Solytic unterstützt mit KI und Big Data die Überwachung von PV-Anlagen und verändert damit Abläufe für den Betrieb und die Wartung. Die Lösungen soll klassische Überwachungsportale ersetzen. Ein modulares Dashboard hilft beim Monitoring der Anlagen, liefert Anlagendaten und unterstützt die Fehlerfindung und -behebung.

20.
Die Speicher-Querdenker
SaltX Technology

Was: Energiespeicherlösungen mit Nano-Salz
Gründung: 2001
Besonderheit: Patentiertes Wissen zur thermochemischen Speicherung von Energie
SaltX verwendet nanobeschichtetes Salz, um Energie thermochemisch zu speichern. Nanobeschichtetes Salz (NCS) kann tausende Male aufgeladen werden und hat den Vorteil, das es nicht kordiert oder verklebt. Die Kerntechnologie verwendet das Unternehmen, um profitable Lösungen für die Energiespeicherung,-produktion und -optimierung zu entwickeln. Großflächige Energiespeicherlösung ist eine von vielen möglichen Anwendungsgebieten.

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Fragezeichen über Turbinenersatz in Simmering

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08. Mar. 2019

Langjähriger Vertrag über Reservehaltung wäre Voraussetzung für Großinvestition 

Es ist zwölf Jahre her, dass Wien Energie an ihrem größten Kraftwerksstandort in Simmering 300 Millionen investiert hat. Der Block „Simmering 1“ wurde als Gas- und Dampfturbinenanlage neu errichtet; zusätzlich wurde ein Teil des seit den 1970er-Jahren bestehenden alten Kraftwerks modernisiert und als „Simmering 2“ zur Reserve betrieben. Bei Letzterem steht in den nächsten Jahren eine Millioneninvestition an, über der aber noch ein großes Fragezeichen schwebt. 

Für ein Investment in dieser Größenordnung sei es unabdingbar, dass es eine langfristige Perspektive gibt, das Geld zurückverdienen zu können. „Da ist ein Dreijahresvertrag, wie im vorigen Herbst mit der Austrian Power Grid (APG) vereinbart, eindeutig zu wenig“, sagte der im Vorstand der Wiener Stadtwerke für die Tochter Wien Energie zuständige stellvertretende Generaldirektor Peter Weinelt dem STANDARD. „Bei einem Kraftwerk muss man 20 Jahre denken. Wer ein Kraftwerk baut, investiert für zwei Generationen – 40 Jahre in etwa.“ 

„Simmering 2“ ist neben dem Block 1 in Simmering und Donaustadt eines von drei Kraftwerken, das die Wien Energie für kurzfristiges Engpassmanagement der Verbund-Tochter APG bereithält. Gibt es irgendwo im Netz einen Spannungsabfall, weil mehr Strom nachgefragt wird, als zur Verfügung steht, müssen so rasch wie möglich Reservekraftwerke angeworfen werden. 

Ende der Lebenszeit 
Für das Vorhalten von Leistung gibt es Geld, der tatsächlich abgerufene Strom wird gesondert verrechnet. Insgesamt hat Wien Energie in einer Ausschreibung knapp 1600 MW auf drei Jahre vertraglich fixieren können; österreichweit hat die APG 2500 MW unter Vertrag. Die Leistung von „Simmering 2“ beträgt 60 MW elektrisch und 150 MW thermisch. Fix ist derzeit nur, dass die Gasturbine 2022 außer Betrieb gehen wird. „Die hat dann das Ende ihrer physikalischen Lebensdauer erreicht“, sagte Weinelt. Die Zeit dränge, eine Turbine zu ersetzen dauere inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung, allen damit zusammenhängenden Unwägbarkeiten und anschließender Bauphase rund fünf Jahre. Auf das im Vorjahr beschlossene Standortbeschleunigungsgesetz vertraut Weinelt nicht blindlings: „Da fehlt noch die Betriebserfahrung.“ 

Den Ausbau erneuerbarer Energien zur Erreichung der Klimaziele hält Weinelt für wichtig und richtig, allerdings gelte auch da: „Sprunghaftigkeit vermeiden, Investitionssicherheit.“ Wie das Beratungsunternehmen Ecofys für Wien Energie berechnet hat, müssten 28 Milliarden Euro investiert werden, um die Energieversorgung der Bundeshauptstadt bis 2030 CO2-neutral zu machen – Verkehr inklusive. „Das ist kein kleiner Betrag, aber nicht unmöglich, wenn die Rahmenbedingungen passen,“ sagte Weinelt. 

Der Standard
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Freileitungsgegner kämpfen weiter

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08. Mar. 2019

Die 380-kV-Leitung in Salzburg darf gebaut werden.

Betreiber Verbund will im Herbst mit dem Bau starten. Die Gegner gehen zum Verfassungsgericht.
Bei den Freileitungsgegnern ist der Kampfgeist keineswegs gebrochen, auch wenn es einen Rückschlag gibt. Das Bundesverwaltungsgericht hat am Dienstag den Bau der 380-kV-Leitung durch Salzburg abgesegnet. Mit einer Verfahrensdauer von 77 Monaten zählt das Vorhaben zu den am längsten geprüften Infrastrukturprojekten Österreichs, teilte der Projektbetreiber, die Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG), mit. 

Mit dem Bau der Salzburg-Leitung soll die letzte Lücke im 380-kV-Ring Österreichs geschlossen werden. Die geplante Stromleitung ist 113 Kilometer lang und verläuft zwischen Elixhausen im Flachgau und Kaprun im Pinzgau. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 800 Millionen Euro. „Mit den Vorbereitungen werden wir so rasch wie möglich starten. Mit einem Baubeginn ist voraussichtlich im Herbst zu rechnen“, sagte APG-Sprecherin Elke Koch zum STANDARD. 

Plan B 
Der Streit um die Stromautobahn zieht sich bereits seit Jahren. Und er wird weitergehen. „Wir haben einen Plan B“, sagte der Anwalt Wolfgang List, der die Freileitungsgegner vertritt. Der nächste Schritt sei eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die oberösterreichische und Salzburger Landesregierung gemeinsam hätten entscheiden müssen.“ 
Entschieden hat im Dezember 2015 aber das Land Salzburg. Ein Schmerzensthema für die Grünen. Denn die ehemalige Salzburg Landesparteichefin Astrid Rössler trat im Wahlkampf 2013 mit dem Versprechen an, dass die Leitung nie kommen würde. Als Umweltlandesrätin musste sie den Bau schließlich bewilligen. 
Diesen positiven Bescheid hat das Bundesverwaltungsgericht nun bestätigt – und damit die Beschwerden der zahlreichen betroffenen Gemeinden, Bürgerinitiativen und Privatpersonen abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Berufungsverfahren keine Auswirkungen auf die Umwelt festgestellt, die schwerer wiegen würden als bereits im UVP-Verfahren berücksichtigt. 
Für Wolfgang List eine sehr problematische Entscheidung. „Dann kann man in Österreich alles genehmigen. Wenn wir es brauchen, dann ist der Naturschutz wurscht.“ Auch wegen dieser Abwegungsklausel wolle er eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof einreichen. „Der Naturschutz hat mit dieser Erkenntnis jede Bedeutung in Österreich verloren“, sagte List. 
Und an einem weiteren Detail der Entscheidung stößt sich der Anwalt: „Das Bundesverwaltungsgericht behauptet, Forstwirtschaft sei auf der Trasse weiter möglich. Schwammerln können sie vielleicht anbauen unter der Leitung oder Christbaumkulturen.“ 

Kritik äußerte List auch an der Bekanntgabe des Bundesverwaltungsgerichtshofs. Er als beschwerdeführende Partei habe die Entscheidung auf Umwegen erst von Medien erhalten. „Das ist ein irre cooler, neuer Weg, wie Behörden Entscheidungen ausstellen“, sagt List. „Das ist unwürdig, rechtsstaatlich und demokratiepolitisch äußerst problematisch.“ 

Sollte Plan B übrigens scheitern, gebe es auch noch einen Plan C, lässt der Anwalt wissen. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Entscheidung auch die Revision beim Verwaltungsgerichtshof in zwei Punkten ermöglicht. Dabei geht es um die Zuständigkeit der Behörde und um die Frage, welche Abholzungen für die Leitung in welchem Ausmaß als Rodungen zu werten sind. „Das ist ein klares Signal. Das Gericht lässt es zu, weil es um entscheidende Rechtsfragen geht, die noch nicht geklärt worden sind“, meint List. 

Das Land Salzburg reagierte zurückhaltend auf die Entscheidung. In einer Aussendung erklärten Energielandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) und Umweltlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne): „Das Urteil nehmen wir zur Kenntnis.“ Die Interessenabwägung im Verfahren des Landes Salzburg sei als korrekt befunden worden. Schellhorn kündigte an, darauf zu achten, dass der Projektbetreiber alle Auflagen erfüllt. „Eine Teilverkabelung wäre uns lieber gewesen, war aber nicht Gegenstand des Verfahrens.“ 

Meilenstein für Infrastruktur 
Froh über die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zeigte sich am Dienstag freilich der Projektbetreiber APG. Es sei ein wichtiger Meilenstein für die Energieinfrastruktur Österreichs. Mit der Salzburgleitung schaffe man die Voraussetzung dafür, dass der geplante massive Ausbau der erneuerbaren Energien wie Wind und Fotovoltaik ins Stromnetz integriert werden könne. 
Auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) begrüßte die Entscheidung. „Um Versorgungssicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, braucht Österreich eine moderne Infrastruktur mit zuverlässigen Stromnetzen. Gerade für den Wirtschaftsstandort Österreich ist ein integrierter und leistungsstarker Energiemarkt von essenzieller Bedeutung“, teilte sie in einer Aussendung mit. Die Ministerin verwies auch auf das neue Standortentwicklungsgesetz, mit dem ab 2019 UVP-Verfahren für Großprojekte beschleunigt werden sollen. 

Der Standard, Stefanie Ruep
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Alpiq versprüht am Tiefpunkt Zuversicht

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08. Mar. 2019

Der Energieversorger verliert mit der einheimischen Stromproduktion nach wie vor Geld – 2020 soll jedoch die Zeit der Defizite enden 

Es scheint paradox: Laut Jens Alder, dem Verwaltungsratspräsidenten, der seit dem Abgang von Jasmin Staiblin Ende 2018 das Unternehmen als VR-Delegierter auch operativ führt, ist die CO2-freie Wasserkraft in der Schweiz der «Schlüssel zur Energiezukunft». Gleichzeitig sind es genau die einheimischen Wasser- und Kernkraftwerke, die dem finanziell angespannten Konzern zurzeit riesige Verluste verursachen. Weil die jährlich rund 10 TWh grosse Produktionsmenge im europäischen Grosshandel und deshalb unter den Gestehungskosten verkauft werden muss, bleiben diese Aktivitäten vorerst ein Verlustgeschäft. 
In der rein operativen Betrachtung (Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda vor Sondereinflüssen) verursachte diese Konstellation der Alpiq im vergangenen Jahr einen Verlust von 115 Mio. Fr. In der laufenden Periode werde der Fehlbetrag noch höher ausfallen, erklärte Finanzchef Thomas Bucher an der Bilanzmedienkonferenz. Er weiss das schon jetzt, denn das Unternehmen verkauft seine Stromproduktion jeweils zwei, drei Jahre im Voraus zu fixen Preisen. Die Bilanz der Alpiq lasse es bis jetzt nicht zu, dass man ein Preisrisiko eingehen könne, heisst es. Laut Alder soll dies bald wieder möglich sein. Dank der rollierenden Absicherung kann recht genau vorausgesagt werden, wie viel Geld im Stromgeschäft verdient oder verloren wird. Der im laufenden Jahr in der Schweiz produzierte Strom, der grösstenteils zu den Tiefkursen des Jahres 2016 abgesichert worden ist, wird zu durchschnittlich 34 €/MWh (2018: 38 €) abgesetzt. Derzeit liegt der Spotpreis deutlich über 40 €. Weil es in der Berichtsperiode zu keinen Stillständen von Kraftwerken gekommen und die Wasserkraft mit einer Marktprämie von 17 Mio. Fr. unterstützt worden ist, milderte sich der operative Verlust aus dem Schweizer Stromgeschäft auf 28 Mio. Fr. (i. V. 25 Mio. Fr. Gewinn). Ab nächstem Jahr sollte die einheimische Stromproduktion wieder einen Gewinnbeitrag leisten, selbst wenn bis dann der Schweizer Strommarkt nicht völlig geöffnet sein wird. 
Das Unternehmen hofft, dass sich das nicht gerade wettbewerbsfreundliche Regulierungsumfeld tendenziell verbessert. Das riesige Pumpspeicherkraftwerk im Wallis, Nant de Drance, an dem die Alpiq 39% besitzt, sei zu gross für die Schweiz und brauche den Zugang zum europäischen Strommarkt, weshalb ein Stromabkommen mit der EU so wichtig sei. 

Es war dank den beiden anderen Sparten, dass sich der finanzielle Schaden für Alpiq im Rahmen hielt. Die italienischen Gaskombikraftwerke, die nur für Systemdienstleistungen angeworfen wurden, sowie die nach wie vor zum Verkauf stehenden Kohlekraftwerke in Tschechien lieferten einen soliden Gewinnbeitrag. Zusammen mit den Wind- und Photovoltaikanlagen in Italien blieb der operative Gewinn des internationalen Stromgeschäfts bei 156 Mio. Fr. beinahe konstant. Auch die dritte Sparte Digital & Commerce erzielte mit 55 Mio. Fr. einen stabilen Gewinn, obwohl das Unternehmen sein Engagement in Rumänien zurückfuhr. Grund ist ein Konflikt mit den rumänischen Steuerbehörden, die seit Herbst 2017 auf eine Nachsteuer von umgerechnet 192 Mio. Fr. pochen. Alpiq bestreitet die Forderung und erachtet es als unwahrscheinlich, in dieser Angelegenheit zu unterliegen. 

Finanziell um ähnlich viel Geld geht es bei einer Schiedsgerichtsklage im Zusammenhang mit dem Verkauf des Ingenieurgeschäfts an Bouygues Construction für 790 Mio. Fr. Während Alpiq aufgrund der nach dem Vollzug eingereichten Bilanz auf einen Zusatzbetrag von 12,9 Mio. Fr. kommt, macht der französische Käufer eine Minderanpassung um 205,1 Mio. Fr. geltend. Weil es sich bei den Aktivitäten um ein klassisches Projektgeschäft handelt, ist der Ermessensspielraum über den Wert der pendenten Aufträge gross. Wie lange dieses Verfahren vor einem Schweizer Schiedsgericht dauert und wie hoch der Anpassungsbetrag ausfallen wird, könne nicht gesagt werden. 

In der Rechnung 2018 berücksichtigt Alpiq die per Ende Juli 2018 von Bouygues geleistete Zahlung (netto 704 Mio. Fr.). Fast alles davon wurde für die Rückzahlung von Verbindlichkeiten und Obligationen verwendet, was die Bilanz deutlich stärkte. Die Nettoverschuldung wurde gegenüber dem Vorjahr um zwei Drittel verringert. Obwohl sich der Ebitda im vergangenen Jahr auf 166 Mio. Fr. fast halbierte, gelang es, die Verschuldungsquote auf das 1,5-Fache (2017: 2,4) zu reduzieren. Mit einer Liquidität von 1,26 Mrd. Fr. sei Alpiq in der Lage, alle bis 2024 fälligen Schulden zu refinanzieren, erklärte der Finanzchef. Trotzdem trachtet das Unternehmen danach, die Verschuldung weiter abzubauen, weshalb erneut auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet wird und die Schweizer Konsortialaktionäre auf der Hybridanleihe keinen Zins erhalten. 

Neue Zürcher Zeitung, Giorgio V. Müller
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Schleichender Sinneswandel

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Berlin , 08. Mar. 2019

Die Union will bei der CO2 - Abgabe und beim Klimaschutzgesetz nicht länger als Totalverweigerer wahrgenommen werden. 

Wer kürzlich beim Empfang der Erneuerbare-Energien-Branche im Berliner Hotel Maritim den Worten des neuen Wirtschaftsstaatssekretärs Andreas Feicht lauschte, der konnte mit viel Fantasie und gutem Willen heraushören, dass die Große Koalition beim Thema CO2 - Abgabe noch nicht allen Ehrgeiz über Bord geworfen hat. Das Konzept einer CO2 - Abgabe solle "weiter diskutiert werden", sagte der Staatssekretär aus dem CDU-geführten Haus. Er sei sich auch sicher, dass es dazu in der nächsten Legislaturperiode eine Entscheidung geben werde. Nur in dieser Legislaturperiode werde es damit nichts mehr. 
Feichts Worte mögen für viele Anwesende enttäuschend gewesen sein; immerhin aber sind die Äußerungen nicht als schroffe Ablehnung des Konzepts der CO2 - Bepreisung schlechthin zu werten. Ein paar Tage später ging CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer einen Trippelschritt weiter: Entweder es würden CO2 - Einsparziele festgelegt, die jedes Ressort zu erfüllen habe. So sieht es der von der Union heftig kritisierte Entwurf eines Klimaschutzgesetzes von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor. "Oder Sie nehmen den Ansatz der CO2 - Bepreisung." Das eine sei so schwierig wie das andere, sagte Kramp-Karrenbauer. Und doch seien beide Wege samt sämtlicher Vor- und Nachteile zu beraten. "Wir müssen die Diskussion führen und in diesem Jahr abschließen." Auf ihrer Agenda stehe das jedenfalls "ganz oben". 

Die Union bewegt sich. Lange hat sie sich beim Thema Klimaschutz schwergetan. Die Forderung nach Einführung einer CO2 - Abgabe, die seit Monaten unisono von der Wissenschaft und von Teilen der Wirtschaft, aber auch von Klimaschützern erhoben wird, wiesen führende Politiker von CDU und CSU zurück. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) etwa war stets darauf bedacht, das Thema klein zu halten. 

Kritik an Planwirtschaft 
Und als Ende Februar der Entwurf der Umweltministerin für ein Klimaschutzgesetz publik wurde, waren führende Unionspolitiker sogleich auf den Zinnen. Sie geißelten Schulzes Entwurf als "Planwirtschaft pur". 
Langsam deutet sich ein vorsichtiger Kurswechsel an. In Teilen der Partei bis hinauf in die Parteiführung und zu Regierungsmitgliedern hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man den harten Kurs nicht auf Dauer durchhalten kann. Dahinter steckt auch machtpolitisches Kalkül: Sollte die Koalition von CDU, CSU und SPD vorzeitig enden, müsste sich die Union nach einem neuen Koalitionspartner umschauen. Ein schwarz-grünes Bündnis erscheint aus heutiger Sicht nicht unwahrscheinlich - dann aber wäre die Totalblockade beim Klimaschutzgesetz und bei der CO2 - Abgabe nicht durchzuhalten. 
Zwar lehnen Unionspolitiker die CO2 - Steuer nicht mehr komplett ab, sie stellen aber Bedingungen. Er sei für jede Diskussion offen, sagte Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU) jetzt dem Handelsblatt. Bislang habe ihn allerdings "noch kein Modell für eine CO2 - Bepreisung überzeugt", gibt er zu bedenken und warnt: Ein CO2 - Preis, der eine Lenkungswirkung haben solle, sei mit Mehrbelastungen verbunden. Seine Forderung: Es soll zielgenaue Kompensationen geben. Er habe aber "große Zweifel", dass diese Kompensationen "staatlicherseits organisiert werden könnten, ohne neue Ungerechtigkeiten zu schaffen". 
"Wir stehen zu unserer Vereinbarung im Koalitionsvertrag, bis Ende 2019 ein Gesetz zu verabschieden, mit dem wir unsere Klimaziele 2030 erreichen", sagte Anja Weisgerber, Klimaschutzbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. "Im Koalitionsvertrag steht aber nichts davon, dass wir jahres- und sektorenscharf festlegen müssen, wie viel Emissionen in den nächsten Jahren eingespart werden müssen." Genau darauf hatte sich die Kritik der Union gerichtet: dass Schulze pauschale Einsparziele für jedes Ressort vorschreiben will. 

Dabei hatte sich bereits in der vergangenen Legislaturperiode die Vorgängerregierung auf den Klimaschutzplan 2050 als übergreifende Langfriststrategie geeinigt. Darin sind klare Treibhausgas-Minderungsziele festgeschrieben, die die Sektoren Energie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Industrie bis 2030 erreichen müssen. Eigentlich hätte es jetzt darum gehen müssen, dass die einzelnen Ressorts - alle CDU geführt - Vorschläge machen, wie sie die Emissionen in ihren Sektoren mindern wollen. Doch daraus wurde nichts. Außer dem Landwirtschaftsministerium hat noch kein anderes Ministerium einen Maßnahmenkatalog beim Umweltministerium eingereicht. 
Um doch noch irgendwie im Zeitplan zu bleiben, griff Schulze zu dem Kniff, einen Referentenentwurf zur sogenannten Frühkoordinierung an das Bundeskanzleramt zu schicken. Die Maßnahmen, so der Plan, könnten dann nachgereicht werden. 

Förderung per Sonderfonds 
Man könne gleich morgen damit beginnen, konkret etwas für den Klimaschutz zu tun, sagt Weisgerber nun. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) müsse einen Vorschlag zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudefinanzierung machen. Ebenso wie ihr Parteikollege Nüßlein fordert Weisgerber einen neuen Anlauf des bereits mehrfach gescheiterten Vorhabens. "Wir würden wie die Löwen darum kämpfen." 

Zur Finanzierung von mehr Klimaschutz schwebt Weisgerber eine Art ressortübergreifender Sonderfonds nach dem Vorbild des "Energie- und Klimafonds" EKF vor, der durch Einnahmen aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten gespeist wird. 

Handelsblatt, Silke Kersting, Klaus Stratmann
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Nächstes Jahr CO2-Preise von 65 Euro?

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08. Mar. 2019

Berenberg Bank prognostiziert Verknappung von Emissions- zertifikaten - doch das ist umstritten 

Die Preise für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) im Emissionshandel werden stark steigen - davon jedenfalls geht die in Hamburg ansässige Berenberg Bank in einer neuen Marktbewertung aus. Um ökologische Wirkung zu erzielen, muss CO2 auch teurer werden, denn unterhalb eines Preises von 27 Euro pro Tonne, so betonen die Analysten, werde es "keine signifikante CO2-Minderung" geben. 
Den Emissionshandel gibt es in der EU seit 2005. Seither müssen rund 12.000 Emittenten (etwa Kraftwerke, Raffinerien und Stahlwerke) in der EU und einigen kooperierenden europäischen Staaten für jede Tonne CO2, die sie in die Luft blasen, ein Berechtigungspapier vorlegen. Diese Papiere werden gehandelt, sodass sich ein variabler Marktpreis ergibt. Zuletzt lag dieser zwischen 20 und 22 Euro pro Tonne, nachdem er sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt hatte. 
Getragen ist das Konzept des Zertifikatehandels von der Idee, dass immer derjenige seine Verschmutzungen reduziert, der dies zu den geringsten Kosten bewerkstelligen kann. Voraussetzung ist freilich, dass die Zertifikate knapp sind, damit der Preis auch einen Anreiz zu klimafreundlichem Verhalten gibt. Doch über Jahre hinweg waren zu viele Zertifikate auf dem Markt, sodass das System nicht richtig wirken konnte. 

Nach den Modellrechnungen der Berenberg Bank soll sich das nun aber ändern. Denn sofern es nicht zu Emissionsminderungen komme, fehlten im laufenden Jahr bereits 233 Millionen Tonnen an Kohlendioxidgenehmigungen. An der zunehmenden Verknappung der Zertifikate werde auch der deutsche Kohleausstieg nichts ändern. Bislang schenke der Markt diesen fundamentalen Daten allerdings noch zu wenig Aufmerksamkeit, weshalb der Tonnagepreis noch immer so niedrig sei. 

Faktisch sei der "Kohlenstoffmarkt defizitär", im Laufe des Jahres müsse deswegen der CO2-Preis steigen. Für 2019 hatte die Bank bereits früher einen Preis von 45 Euro pro Tonne prognostiziert; diese Voraussage erneuerte sie nun. Im kommenden Jahr sei nach den neuen Analysen sogar mit bis zu 65 Euro zu rechnen. Selbst 107 Euro pro Tonne seien möglich - dieser Preis gilt als theoretische Obergrenze, weil Unternehmen diese Summe als Strafe bezahlen müssen, wenn sie mehr CO2 ausstoßen, als sie an Zertifikaten vorweisen können. 
 

Die Tageszeitung, von Bernward Janzing