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Energieverbrauch 2019 leicht um 1 Prozent gestiegen

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Wien, 27. Nov. 2020

Der energetische Endverbrauch ist im Vorjahr laut Statistik Austria leicht um 1 Prozent gewachsen. "Der Anstieg des Energieverbrauchs 2019 ist vor allem auf einen höheren Energieeinsatz im Verkehr und hier insbesondere im Flugverkehr sowie auf einen gestiegenen Verbrauch der privaten Haushalte zurückzuführen. Die Industrie benötigte hingegen etwas weniger Energie als 2018 und das bei gestiegener Produktion", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. 

Mit 1.139 Petajoule (PJ) und lag der Energieverbrauch ungefähr auf dem gleichen Niveau wie 2017, wie die Statistik Austria mitteilte.

Im Verkehrssektor (413 PJ) und bei den privaten Haushalte (281 PJ) gab es einen Anstieg um je 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anstieg im Verkehr war vor allem bedingt durch die Zunahme beim Flugverkehr um 15 Prozent auf 41 PJ. In den vergangen zehn Jahren ist der Energieverbrauch des Flugverkehrs um 50 Prozent gestiegen (Verbrauch 2009: 28 PJ). Im Straßenverkehr gab es von 2018 auf 2019 ein Plus von 1 Prozent auf 353 PJ, das ebenso hoch war wie die Steigerungsrate des Kfz-Bestandes.

Der Zuwachs des Energieverbrauchs bei den Haushalten war höher als jener der Heizgradsumme (+1 Prozent) - die den temperaturbedingten Energiebedarf definiert - und lag auch über dem Anstieg des Bevölkerungsstandes (+0,5 Prozent).

Der Energieeinsatz des Dienstleistungssektors, der zu mehr als 60 Prozent zur Bereitstellung von Raumwärme dient, nahm um 3 Prozent auf 112 PJ zu. Der Energieeinsatz der Industrie sank um 2 Prozent auf 312 PJ.

Nach Energieträgern betrachtet verzeichnete der Endverbrauch von erneuerbaren Energieträgern und Strom keine nennenswerte Änderung. Der Einsatz von kohlebasierten Energieträgern (+1 Prozent auf 17 PJ), Erdgas (+1 Prozent auf 198 PJ) und Fernwärme (+1 Prozent auf 72 PJ) entsprach dem Anstieg der Heizgradsumme. Der Zuwachs bei Erdölprodukten (+2 Prozent auf 439 PJ) war im Wesentlichen durch die Entwicklung im Verkehr bestimmt.

Die Produktion von elektrischer Energie stieg um 9 Prozent auf 255 PJ. Bei etwa gleichem Einsatz wie im Vorjahr erfolgte der Ausgleich zum annähernd gleichbleibenden energetischen Endverbrauch durch weniger Importe (minus 7 Prozent auf 94 PJ) und mehr Exporte (+20 Prozent auf 83 PJ). 

Die Erdgaslagerbestände erhöhten sich wegen höherer Importe (+9 Prozent auf 492 PJ) und niedrigerer Exporte (minus 46 Prozent auf 98 PJ) um 106 PJ. Dieser Anstieg entspricht ungefähr einem Drittel des gesamten Jahresverbrauches.

Bei der Fernwärme stiegen Produktion und Endverbrauch um 1 Prozent, was der Entwicklung der Heizgradsummen entsprach.  

Bei der inländischen Erzeugung von Rohenergie gab es bei den relevanten fossilen Energieträgern Rückgänge. Bei Erdöl waren es minus 5 Prozent auf 28 PJ und bei Erdgas minus 10 Prozent auf 32 PJ. Die Erzeugung aus erneuerbaren Energieträgern stieg um 5 Prozent auf 430 PJ. Kräftige Steigerungen gab es dabei bei Wasserkraft (+7 Prozent auf 146 PJ), Windkraft (+24 Prozent auf 27 PJ) und Photovoltaik (+17 Prozent auf 6 PJ). 

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Auszeichnung: Energie Burgenland ist "solider Grünstromanbieter"

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27. Nov. 2020

WWF und Global 2000 durchleuchteten 148 Stromanbieter

Die Umweltschutzorganisationen Global 2000 und WWF haben die 148 österreichischen Stromanbieter unter die Lupe genommen. Nur fünf von ihnen erhielten die Bestnote "Treiber der Stromzukunft", weitere elf schafften es in die zweitbeste Kategorie "Solider Grünstromanbieter", darunter auch die Energie Burgenland. Bei den restlichen Anbietern sehen die Umweltorganisationen noch "massiven Verbesserungsbedarf", wie sie am Mittwoch erklärten. 

Bei der Energie Burgenland setzt man seit Jahren auf den Ausbau von erneuerbarer Energie - dabei vor allem auf die Windkraft. Erst im Oktober wurde vom Aufsichtsrat zwei neue Vorstände bestimmt. Stephan Sharma vom Verbund und Reinhard Czerny von IBM wechselten zum Energiekonzern. Die Ziele für das Duo sind klar definiert. Die Energie Burgenland soll in Österreich "mittelfristig" auch bei Fotovoltaik Nummer eins werden; bei der Produktion von Windenergie habe das Unternehmen dies bereits geschafft. 
Das Landesunternehmen mit knapp 900 Mitarbeitern und 340 Millionen Euro Jahresumsatz hat zuletzt einen Überschuss von 23,2 Millionen Euro erzielt. Aktuell liefert die Energie Burgenland 21 Millionen Euro Dividende an die Eigentümer ab, etwas mehr als die Hälfte davon geht an das Land. 
 

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Energie-Regime-Wechsel

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27. Nov. 2020

Derart radikale Umwälzungen gibt es nur alle 100 Jahre. 

Mit der Wahl von Joe Biden zum 46. US-Präsidenten folgen nun auch die USA dem Bekenntnis Chinas, der EU, Japans und Südkoreas, bis zum Jahr 2050 ein Null-Netto-Emissionsziel für Treibhausgase zu erreichen. Das ist ein wichtiger Schritt für die globale Klimapolitik: Denn damit ist die Chance intakt, das Ziel des Pariser Klima-Abkommens zu erreichen. Aber auch für die USA selbst ist Bidens Ankündigung ein Signal: Denn trotz Donald Trumps Nähe zur Öl- und Gaslobby war den Wirtschaftseliten Amerikas klar, dass mit einem Festhalten an überkommenen Energieträgern die Wettbewerbsfähigkeit der USA gegenüber den wichtigsten Konkurrenten in Ostasien und der EU längerfristig sinkt. In Kalifornien – Firmensitz des Elektroauto-Giganten Tesla – wollte man deshalb – Trump hin oder her – ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen und in Millionenstädten wie Chicago oder New York werden längst die Netze für das Laden von E-Autos vorbereitet. 

Angesichts der Corona-Krise ist die drohende Klimakatastrophe etwas aus dem Fokus gerutscht: Aber die Pandemie hat gezeigt, wie gefährlich es sein kann, bekannte Risiken nicht ernst zu nehmen. Man kann die Bedeutung des nun anstehenden Energie-Regime-Wechsels gar nicht überschätzen. Ganze Industrien werden umgekrempelt werden, die Verkehrsinfrastruktur wird sich radikal ändern – und damit das Bild der Metropolen. Wenn 2030 leise und emissionsfreie E-Autos das Straßenbild beherrschen werden, wird das Leben in der Nähe von Verkehrshöllen wie etwa am Wiener Gürtel erstmals seit den 1950er Jahren wieder erträglich. Die Lebensqualität in den Städten wird von Los Angeles über Shanghai bis Wien, Berlin und Lissabon deutlich steigen. 

Die neue Energie-Geopolitik wird das Antlitz der Welt ändern: Die politische Bedeutung der Länder am Persischen Golf und anderer Öl- und Gasförderländer sinkt, während Länder mit moderner Verkehrsinfrastruktur und hoher Energieeffizienz im Vorteil sind. 

Derart radikale Umwälzungen finden nur alle 100 Jahre statt: Das letzte mal war das der Fall, als Kohlenwasserstoffe Kohle als Energieträger abzulösen begannen. 
Und dieses mal? Der Bau von Windfarmen und Photovoltaikanlagen, Wärmedämmung, der Austausch ganzer Fahrzeugflotten, der Ausbau von Schienen-Netzen und smarten Stromnetzen versprechen Milliarden-Investitionen und die Schaffung von Millionen von Arbeitsplätzen. Insgesamt hinken die USA in vielen dieser Bereiche Europa und auch China hinterher – die Energieeffizienz der US-Wirtschaft ist nicht beeindruckend. Man kann aber davon ausgehen, dass die USA sich anstrengen werden, das rasch zu ändern. 

Wiener Zeitung, von Thomas Seifert
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Günstige Winde für das Studium

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27. Nov. 2020

Ab 2030 soll der gesamte Strombedarf in Österreich aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Reicht das aus, um bei erhöhtem Homeoffice, Home Learning oder Fernlehre die dazu benötigten Geräte verlässlich zu speisen?

An Österreichs Universitäten werden schon seit einigen Jahren Fernlehre und unterstützende digitale Technologien angeboten. Der dafür nötige Strom soll in ein paar Jahren mit Hilfe von erneuerbaren Energien zur Verfügung gestellt werden. Auch schon bevor uns Corona das Leben schwer gemacht hat, war Fernlehre oder sogar ein gesamtes Fernstudium bei vielen beliebt.

In den letzten Monaten konnte beobachtet werden, dass Privathaushalte durch Homeoffice und Homelearning deutlich mehr elektrische Energie konsumiert haben. Strom aber soll ab 2030 in Österreich zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Dieses Ziel will die Regierung mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), dessen Begutachtungsfrist Ende Oktober auslief, erreichen. Wie sieht es mit der Stromversorgung der für Fernlehre und Home Learning verwendeten Geräte aus? Wird die Versorgung weiterhin gewährleistet sein, wenn der Strom nur noch aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse generiert wird?

Den größten Verbrauch an elektrischer Energie verzeichnen in Österreich Industrie und produzierendes Gewerbe. Beim Gesamtstromverbrauch ist der Verbrauch der österreichischen Haushalte überschaubar. "Der Einsatz von digitalen Geräten wie Computern ist dabei nur für einen geringen Anteil verantwortlich. Daten der Statistik Austria zeigen etwa, dass im Jahr 2018 der Bedarf von Büro-und Unterhaltungselektronik ungefähr zehn Prozent des Stromverbrauchs der privaten Haushalte ausmachte", erklärt Günter Pauritsch, Leiter des Centers für Energiewirtschaft und Infrastruktur der Österreichischen Energieagentur. Ein Standcomputer oder Laptop verbraucht viel weniger Strom als Geräte, die Wärme oder Kälte erzeugen, als Wäschetrockner oder Kühlschrank.

"Wenn nun jemand ein Fernstudium macht oder im Home Office arbeitet, muss man auch immer miteinbeziehen, dass dann keine Energie verbraucht wird, um zur Universität oder zum Arbeitsplatz zu fahren. Dem geringen Mehrverbrauch an Strom durch einen Laptop zu Hause steht dann zumeist eine deutliche Energieersparnis gegenüber," sagt Pauritsch. "Tatsächlich könnte Home Office durch die teilweise Vermeidung des Berufsverkehrs durchaus als eine Klimaschutzmaßnahme angesehen werden." Noch viel deutlicher zeige sich dieses Phänomen, wenn etwa durch Videokonferenzen manche Dienstreisen mit dem Flugzeug überflüssig werden.

Derzeit bezieht Österreich zwei Drittel der gesamten Energie aus fossilen Energieträgern. Beim Strom sieht es umgekehrt aus, hier stammen immerhin schon deutlich mehr als siebzig Prozent aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse. "Österreich bis 2030 bilanziell zu hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellenzu versorgen, ist sicherlich eine der größten Herausforderungen der letzten Jahrzente", betont Pauritsch. Dazu muss einerseits die Energieeffizienz erhöht werden, andererseits müssen die erneuerbaren Energieträger ausgebaut werden. Der aktuelle Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes besagt, dass die jährliche Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern 2030 um 27 Terawattstunden (TWh) erweitert werden soll. Der Hauptausbau wird im Bereich der Photovoltaik und der Windenergie liegen, wo momentan noch die größten ungenutzten Potenziale vorhanden sind. Mit zusätzlichen elf TWh macht hierbei Solarenergie den größten Anteil aus, gefolgt von der Windkraft mit zehn TWh, Wasserkraft mit fünf TWh und Biomasse mit einem TWh. "Wenn durch Fernstudien oder vermehrtes Homeoffice ein Mehrverbrauch an elektrischer Energie in den Haushalten entsteht, so müsste dieser dem Minderbrauch, etwa im Verkehr durch den Wegfall des Arbeitsweges gegengerechnet werden. Im Verhältnis zu anderen Aufgaben ist die Verwendung von privaten digitalen Geräten eine eher untergeordnete Größe", sagt Moidl.
Die Nachfrage an erneuerbare Energien wird in kurzer Zeit stark steigen. "Es ist wichtig, frühzeitig und konstant die erneuerbaren Energien aufzubauen, das sagen wir schon lange. Der Ausbau muss jetzt endlich erfolgen. Für die Industrie wird die Verfügbarkeit erneuerbare Energie künftig einer der wichtigsten Standortfaktoren sein", ist sich Moidl sicher. Derzeit macht die Windkraft etwa elf Prozent der österreichischen Stromversorgung aus. Dies soll nun bis 2030 um ungefähr 25 Porzent gesteigert werden, nämlich um zehn TWh. "Es geht einerseits um neue Projekte oder den Ersatz alter Anlagen. Viele Anlagen haben zwanzig Jahre überschritten und müssen durch moderne, leistungsstärkere Windräder ersetzt werden. Das heißt an manchen Orten werden dann weniger, aber dafür leistungsstärkere Windräder stehen."

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Nicht alle EU-Länder teilen ehrgeizige Klimaziele

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Wien/Brüssel, 27. Nov. 2020

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt machen. 

Vor Beginn der Coronakrise waren die wöchentlichen "Fridays for Future"(FFF)-Proteste junger Klimaaktivisten Sinnbild für eine neue Generation, die es sich zum Ziel gemacht hat, mit dem Planeten Erde achtsamer umzugehen als Eltern und Großeltern dies in den vergangenen Jahrzehnten getan haben. Die Pandemie hat die Großkundgebungen vorerst gestoppt, nicht aber den unbedingten Willen der FFF-Anhänger, die Klimawende zu schaffen. 

In der EU jedenfalls hat die Bewegung prominente Unterstützung - auch wenn die politischen Vorhaben aus Sicht der Initiatoren bei Weitem nicht ausreichend sind: Unter dem Eindruck von "Fridays for Future" will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Europa mit dem "Green Deal" bis 2050 "zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt" machen. Der Klimaschutz hat für die Deutsche während ihrer fünfjährigen Amtszeit absolute Priorität - das zeigt sich auch beim kürzlich verabschiedeten Arbeitsprogramm der Brüsseler Behörde für das Jahr 2021: So soll ein Paket "Fit für 55" das von der Kommission vorgeschlagene Zwischenziel realisieren, bis 2030 mindestens 55 Prozent weniger Klimagase als 1990 auszustoßen. In dem Paket finden sich Vorgaben zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, zum Energiesparen in Gebäuden, Landnutzung und Steuern. Auch der Emissionshandel wird überarbeitet. Diese Maßnahmen sollten helfen, so von der Leyen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten und die Überhitzung der Erde zu stoppen. 

Debatte vertagt 
Während das Vorhaben dem Europäischen Parlament nicht weit genug geht - die Abgeordneten fordern ein Minus von 60 Prozent Treibhausgasemissionen bis 2030 - bremsen die 27 EU-Staats- und Regierungschefs die ehrgeizigen Pläne ein. 

Eine erste Debatte im Europäischen Rat wurde auf Ende des Jahres vertagt. Hintergrund sind Bedenken aus stark kohleabhängigen Ländern in Osteuropa, die dramatische Nachteile für die Wirtschaft befürchten. 
Zuletzt einigten sich die EU-Chefs lediglich darauf, dass das neue CO2-Reduktionsziel "gemeinsam durch die EU in der möglichst kosteneffizientesten Weise" erreicht werden soll. Alle Mitgliedstaaten sollen dazu beitragen - allerdings müssen dabei "nationale Umstände", wie es heißt, berücksichtigt werden. Das neue Klimaziel muss also nicht von allen EU-Mitgliedern auf nationaler Ebene erreicht werden, sondern nur durch alle 27 insgesamt. 

Für viele osteuropäische Regierungschefs ist das bisher geltende Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2030 "die absolute Obergrenze", wie Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow es formuliert. Tschechien und Polen schlagen in dieselbe Kerbe. Andere EU-Länder dagegen fordern ein höheres Tempo: Elf von ihnen - darunter Frankreich, Spanien, Irland, die Niederlande und Schweden - unterzeichneten eine Erklärung, in der sie sich ausdrücklich hinter das Kommissionsziel einer 55-prozentigen Reduktion stellen. 
Österreich unterzeichnete das Schriftstück nicht. Für Kanzler Sebastian Kurz, der den "ambitionierten Vorschlag der Kommission sinnvoll" erachtet, ist auch entscheidend, dass "wir gleichzeitig darüber sprechen, wie wir den Wirtschaftsstandort" Europa schützen können. 

Grüne Anleihen 
Für die nötigen Investitionen des neu ausgegebenen Klimaziels will von der Leyen im Übrigen das Corona-Wiederaufbauprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro nutzen, auf das sich die Staats- und Regierungschefs im Juli geeinigt hatten. 30 Prozent dieser Summe, die die EU über gemeinsame Schulden finanzieren will, sollen aus "grünen Anleihen" beschafft werden, kündigte sie an. 
 

Die Presse, von Anna Gabriel
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Stromspar-Challenge in der Energienachbarschaft

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27. Nov. 2020

Plattform für Energiegemeinschaften gewinnt Energietechnik-Hackathon der Forschungsinitiative Green Energy Lab 

Um die Energiewende zu schaffen, sollte Strom aus erneuerbaren Quellen bezogen, lokal verbraucht und möglichst effizient eingesetzt werden. Das bedeutet, dass Entscheidungen und das Verhalten von Verbrauchern – die nun auch als Energieproduzenten auftreten und zu „Prosumern“ werden – mit zu den wichtigsten Faktoren im Energiesystem werden. Gleichzeitig ist es für sie aber nicht einfach, jedes Detail ihres „Energielebens“ zu managen. Sie sollten Überblick über Strombezug und Verbrauch haben und die Motivation für stetige Optimierungen aufbringen. 

Einen Ansatz, wie Bewusstsein für Energiefragen gefördert und gleichzeitig ein Beitrag für stabilere Netze geleistet werden kann, zeigten junge Entwickler bei einem „Hackathon“ des Green Energy Lab, einer Forschungsinitiative, die vom Klimaschutzministerium gefördert wird. Bei dem Bewerb, der – inklusive Teamarbeit, Jurysitzung und Preisverleihung – virusbedingt spontan in den virtuellen Raum verlegt wurde, traten Teams mit Ideen für eine „nachhaltigere Energiezukunft“ gegeneinander an. 
Der erste Platz und der größte Anteil der Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro ging dabei an eine Plattform für Energiegemeinschaften, die einen unkomplizierten Stromhandel in kleinen Energiecommunitys ermöglichen soll. „Die Menschen sollten einen persönlichen Bezug zum Energiethema entwickeln – ähnlich wie bei der Milch, die vom Bauern aus der Region stammt“, erläutert der Business-and-Software-Developer Philipp Hamann, der mit dem Wirtschaftsinformatiker Felix Fally, dem Wirtschaftsingenieur Max Brandts und dem Softwareengineer Harald Reingruber das Gewinnerteam stellt. Elektrizität solle mit ihrer Anwendung nicht nur rechnerisch tausch- und handelbar werden, wie das bereits in vielen Energiecommunitys üblich ist, sondern „wirklich physikalisch und örtlich zwischen den Nachbarn“. 

Ein Ziel dabei ist, dass die Lösung möglichst niederschwellig funktioniere: Die Plattform soll als App organisiert sein, mit der man sich mittels QR-Code auf dem Smart Meter schnell identifizieren und Energiedaten beziehen kann. „Der Fokus auf Einfachheit ist wichtig“, sagt Hamann. „Die Nutzer sollen nicht tausend Parameter einstellen müssen, um teilnehmen zu können.“ Auch der Handel selbst soll in simpler Weise und ohne dass man als Nutzer viel Zeit am Handy verbringen muss funktionieren. Hamann: „Man gibt einfach die Präferenzen an, von welchem Nachbarn, der Überschussenergie anbietet, man diese beziehen möchte.“ 

Um das Gemeinschaftsgefühl in den Energiecommunitys zu stärken, sollen Challenges, gemeinsame Herausforderungen, etwa im Bereich der Energieeffizienz, gesetzt werden. „Es sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, Strom zu reduzieren“, sagt Hamann. „Eine Challenge könnte etwa sein, das Licht in ungenutzten Räumen nicht mehr brennen zu lassen. Eine andere vielleicht, die Waschmaschine nur dann einzuschalten, wenn viel Strom produziert wird.“ Motivation dazu soll neben Incentives von Gemeinden und Energieversorgern auch aus dem Vergleich mit Nachbarcommunitys kommen. Im besten Fall kommt es also zu einer Art Wettrennen in Richtung Energieeffizienz, das die App in entsprechenden Rankings abbildet. (pum) 
 

Der Standard
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»Greta Thunberg hat mehr erreicht als Greenpeace«

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27. Nov. 2020

Rainer Seele ist Chef des Mineralölkonzerns OMV. Wie stellt er sich eine Zukunft ohne Öl vor, und weshalb sponsert seine Firma den Lieblingsfußballclub von Wladimir Putin? 

DIE ZEIT: Herr Seele, wie geht es Ihnen? 
Rainer Seele: Fantastisch, danke! 
ZEIT: Mitten in der Krise? 
Seele: Es ist eine Herausforderung, der man unternehmerisch begegnen muss. 

ZEIT: Sie stehen hier an der Spitze eines potenziellen Dinosauriers: In einer Welt, die wegwill vom Öl, leiten Sie einen Ölkonzern. Andere wie Shell oder BP setzen auf erneuerbare Energien. Sie nicht, warum? 
Seele: Wir machen das nur in einem Bereich – unserer eigenen Stromversorgung. Sonst ist das die Kompetenz der Stromkonzerne, da braucht es uns nicht. Wir haben ja nur ein Problem mit Öl und Gas, wenn wir sie verbrennen. Warum also nicht Produkte daraus herstellen, die wir auch in einer CO₂-Ausstoß-freien Welt brauchen? Selbst Windräder brauchen Teile aus hochwertigem Kunststoff. 

ZEIT: Ist das ein Ausweichmanöver, weil man so erst mal weiterhin Öl aus dem Boden holen kann? Einstweilen verkaufen Sie weiterhin Diesel an Tankstellen. 
Seele: Das muss man auch. Ich kann nicht einen Knopf drücken und die Raffinerie stillstehen lassen, das würde die Versorgungssicherheit gefährden. Langfristig werden wir aber die Produkte, die wir heute aus Erdöl herstellen, etwa aus Pflanzenöl produzieren. Wir investieren in Recycling und werden synthetische Treibstoffe aus Plastikabfällen gewinnen. Und wir entwickeln eine Technologie, die das CO₂-Molekül nicht als Bedrohung sieht, sondern als Rohstoff. In einem Projekt mit dem Schweizer Zementkonzern LafargeHolcim planen wir, das CO₂ am Schornstein aus den Abgasen zu holen. Daraus werden wir etwa Kerosin für die Luftfahrt und werthaltige chemische Produkte herstellen. Wir haben bereits jetzt fast 50 Prozent unseres gebundenen Kapitals im Bereich Chemie. 

ZEIT: Sie haben für Ihren Einstieg in den Chemiekonzern Borealis fast vier Milliarden Euro gezahlt. 
Seele: Ja, und es lohnt sich. Während man bei erneuerbaren Energien fast alles von der Stange kaufen kann, hat Borealis in der Chemie weltweit führende Technologie entwickelt, das ist ein Wettbewerbsvorteil. Ich spreche hier nicht von der Plastiktüte. Es ist die Spezialfolie auf den Fotovoltaikzellen. Das Vlies für die medizinischen Gesichtsmasken. Leichtbauteile für Elektroautos und Luftfahrt. Isolierte Kabel, um den Strom von den Windparks zu transportieren. Das sind alles Zukunftsgeschäfte mit Wachstumspotenzial. 

ZEIT: Die OMV gehört zu 30 Prozent der Republik Österreich. Wie viel Einfluss hat das auf Ihre Entscheidungen? 
Seele: Wir müssen uns umstellen, weil die Klimaveränderung deutlich sichtbar wird, nicht nur wegen eines Regierungsprogramms. Die Republik Österreich wird nicht bevorzugt. Wir nehmen ihre Position zur Kenntnis und berücksichtigen sie ebenso wie die Interessen aller anderen Eigentümer. 

ZEIT: Dazu gehört das Ölförderland Abu Dhabi. Es kann nicht so leicht sein, die von der Abkehr von der Ölförderung zu begeistern. 
Seele: Das habe ich nie behauptet. Aber wir dürfen bei allem Stolz nicht die Augen davor verschließen, dass wir vor einer Zukunft mit deutlich geringerem Ölverbrauch stehen. Wir können unsere Bergbau-Kompetenzen allerdings nützen. Wir können beispielsweise Lagerstätten, die wir ursprünglich entdeckt haben, um Öl und Gas zu fördern, nun stattdessen als Speicher nutzen, um etwa CO₂ dort einzulagern. Und wir werden die Geothermie weiterentwickeln. 

ZEIT: In Neuseeland haben Sie sich aus einem umstrittenen Ölprojekt zurückgezogen. War der Protest von Greenpeace ein Faktor? 
Seele: Nein, wir treffen primär wirtschaftliche Entscheidungen. Außerdem habe ich Greenpeace sehr deutlich wegen falscher Behauptungen kritisiert. 

ZEIT: Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Kritikern? 
Seele: Wir nehmen Greenpeace als Sparringpartner wahr, der uns hilft, besser zu werden. Ich sage aber auch ganz deutlich, dass die Greta-Thunberg-Bewegung mehr erreicht hat als Greenpeace in Jahrzehnten. Sie hat das zu einer Zukunfts- und Generationenfrage gemacht, die Diskussion auf eine ganz andere Ebene gehoben und damit erstmals einen direkten Dialog mit der Politik erreicht. Darum fingen wir im Unternehmen wesentlich stärker an, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. 

ZEIT: Wirklich? Fridays for Future hat Ihre Konzernstrategie verändert? 
Seele: Wissen Sie, Menschen reagieren viel schneller, wenn man eine sachliche, faire Diskussion führt. Wenn jemand behauptet, ich würde Natur verschmutzen, wo es nicht stimmt, muss ich in Verteidigungshaltung. Das ist bei Fridays for Future anders, da hat man sich geöffnet. Ich hatte Vertreter zu einer Diskussion hier, die ich sehr spannend fand. 

ZEIT: Bremst die Corona-Wirtschaftskrise diese Wende? 
Seele: Im Gegenteil, sie beschleunigt die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Wir werden dafür Förderprogramme in einer ungeahnten Dimension sehen. Für uns heißt das: Wir werden die Investitionen in Öl schneller zurücknehmen als gedacht. Vor ein, zwei Jahren haben wir so drastische Schritte, wie wir sie jetzt vorbereiten, noch nicht einmal diskutiert. 

ZEIT: Die Schweiz stimmt am Wochenende über eine Initiative für Konzernverantwortung ab. Wird sie angenommen, müssen sich Schweizer Unternehmen für ihr Wirken im Ausland vor Schweizer Gerichten verantworten. Umgelegt auf die OMV: Könnten Sie das in Österreich? 
Seele: Zur Schweizer Initiative kann ich nichts sagen. Ich kann nur über die OMV sprechen. Wir setzen überall die gleichen Standards ein, in Österreich ebenso wie in jedem anderen Land, in dem wir aktiv sind. 

ZEIT: Sie arbeiten im Bürgerkriegsland Libyen nach österreichischen Standards? 
Seele: Natürlich. Das ist auch der Grund, warum wir keine Probleme mit Korruption im Konzern haben. Man muss in solchen Ländern einfach noch genauer auf die Einhaltung der Spielregeln achten. 

ZEIT: Sie hätten also kein Problem damit, wenn man bei Ihren Auslandsoperationen österreichisches Recht einklagen könnte? 
Seele: Man muss in jedem Fall die Gesetze der jeweiligen Länder respektieren. Darüber hinaus brauchen wir einen globalen Code of Conduct, und der wird von den Kapitalmärkten kommen. Und wenn nicht global, dann müssen wir europäisch denken. 

ZEIT: Was »europäisch denken« heißt, ist nicht immer eindeutig. Sie sind an der Gasleitung Nord Stream 2 beteiligt. Polen findet das nicht europäisch und hat Ihnen eine Strafe aufgebrummt. 
Seele: Wir haben dagegen Rechtsmittel eingelegt. Man fragt sich, wie unabhängig die Kartellbehörden in Polen sind. 

ZEIT: Das Beispiel zeigt, dass Sie im Öl-Business nicht geopolitisch neutral sein können. Wenn Sie mit Russland eine Gaspipeline bauen, dann werden Sie als Verbündeter Russlands behandelt. 
Seele: Ich bin mit Herzblut Europäer. Bei diesem Pipelineprojekt ist nicht die Frage: Stehe ich auf irgendeiner Seite? Sondern: Wir sind überzeugt, dass wir diese Infrastruktur für die Versorgungssicherheit brauchen. Sonst würden wir uns da nicht engagieren. Das ist keine Sympathiebekundung, wir denken da rein wirtschaftlich. 

ZEIT: Sie sind Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Ist das notwendig für gute Stimmung in Moskau? 
Seele: Die Handelskammer setzt sich für wirtschaftliche Brücken ein, auch in politisch angespannten Zeiten. Wir machen sehr oft den Fehler, dass wir die Politik stellvertretend für die Bevölkerung eines Landes nehmen. Das ist einer der Gründe, warum ich gegen Sanktionen bin. 

ZEIT: Deutschland fährt eine strikte Linie – immerhin geht es um den Verdacht von versuchten Giftmorden. 
Seele: Man fordert mit Recht mehr Transparenz. Aber mehr Kooperation würde die politischen Beziehungen verbessern. Man muss den Mut haben, aufeinander zuzugehen. Da adressiere ich sowohl Berlin als auch Moskau. 

ZEIT: Sie sponsern Zenit St. Petersburg, Putins Lieblingsfußballverein. 
Seele: Weil es der beste Fußballverein ist und wir so unsere Zielgruppen erreichen. Wir sponsern auch viel Kultur. Wir sind einer der größeren nicht russischen Konzerne, die in Russland Gas fördern und verkaufen, mit Politik hat das nichts zu tun. 

ZEIT: Auch Ihr Gehalt wird politisch diskutiert. Sie haben 2019 7,24 Millionen Euro verdient. Dazu kommen noch drei Millionen Euro jährlich für Ihren Vorgänger, der eine langfristige Vereinbarung hat. Was antworten Sie denen, die sagen: Das ist zu viel? 
Seele: Dass der Aufsichtsrat für die Vorstandsgehälter zuständig ist. Und: dass wir in einem Wettbewerb um die begabten Köpfe stehen. 

ZEIT: Aber Herr Seele, Sie sind ja schon da. 
Seele: Das stimmt. Aber es geht ja nicht nur um mich, wir brauchen auf allen Ebenen hochbegabte Manager. Der Standort Wien ist vorteilhaft, aber wir müssen auch international wettbewerbsfähige Gehälter anbieten. 

ZEIT: Österreichische Arbeitnehmervertreter haben vorgeschlagen, die Vorstandsgehälter in Unternehmen, die Corona-Staatshilfen bekommen, auf 500.000 Euro jährlich zu beschränken. Was halten Sie davon? 
Seele: Das klingt mir zu sehr nach Sozialismus. Das ist DDR, und das war nicht unbedingt ein Erfolgsmodell. Wir sollten nicht in planwirtschaftliche Konzepte verfallen. Wenn wir ein Krisenjahr haben, dann werden die Bezüge im Management das Krisenjahr reflektieren. Wir haben in der Öffentlichkeit das Problem, dass die Boni immer erst im Folgejahr ausgezahlt werden, das ist schwer zu erklären. 
Die Fragen stellte Corinna Milborn 
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Rainer Seele 
Der promovierte Chemiker wurde 1960 in Bremerhaven geboren. Seine Karriere begann er als Forscher bei BASF, dem größten Chemiekonzern der Welt. 1996 wechselte er zum Ölproduzenten Wintershall. 
2015 wurde Seele Vorstandsvorsitzender der OMV. Mit einem Jahresverdienst von zuletzt 7,24 Millionen Euro gilt er derzeit als der bestverdienende Manager Österreichs. 
Seit acht Jahren ist Seele Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer 
 

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Keine Angst vor dem Ladesäulen-Blackout

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27. Nov. 2020

Ab sofort werden sogenannte Wallboxen für daheim gefördert. Die Infrastruktur wird den neuen Elektro-Boom bewältigen, sagen Versorger - mit Hilfe der Stromkunden und Steuerzahler 

Ob es in Deutschland eine Straße gibt, in der mehr als fünf Zahnärzte ein Einfamilienhaus besitzen, wurde empirisch wahrscheinlich nie untersucht. Dennoch ist die "Zahnarzt-Allee" unter deutschen Energiemanagern sprichwörtlich geworden. Der Straßenname löste aus Gründen, die rein gar nichts mit Wurzelkanalbehandlungen zu tun haben, in dieser Berufsgruppe lange Zeit Angstschweiß aus. 
Was die Strom-Manager und Netzbetreiber grauste, war die Vorstellung, dass jeden Abend gut betuchte Dentisten im Dutzend aus der Praxis nach Hause ins Villenviertel kommen und ihren Tesla gleichzeitig an die heimischen Supercharger stöpseln. Der Elektronenfluss, so zeigten überschlägige Berechnungen, würde die Stromleitungen praktisch zum Glühen bringen und das Leitungsnetz binnen Sekunden zusammenbrechen lassen. Das Zeitalter der Elektromobilität würde mit Blackouts beginnen. 
Am Dienstag dieser Woche hätte dieses Schreckensszenario der Realität sogar ein Stück weit näher kommen können. Seit diesem Tag fördert die staatliche KfW-Bank den Einbau von privaten Ladepunkten für Elektroautos mit 900 Euro pro Anschluss. "Die Nachfrage nach den Zuschüssen hat unsere Erwartungen am ersten Tag weit übertroffen", sagte ein KfW-Sprecher am Abend auf WELT-Nachfrage: "Zeitweise sind unsere Server unter dem Ansturm in die Knie gegangen." Innerhalb von 24 Stunden wurden über 16.000 Anträge für den Einbau von mehr als 20.500 privaten Ladepunkten gestellt. Wenn ab jetzt Hausbesitzer reihenweise sogenannte Wallboxen an ihre Garagenwände dübeln lassen, könnte ein Übermaß an Ladestrom wohl auch die lokalen Leitungsnetze kollabieren lassen. Zumindest in der Theorie. 
Doch in der Realität sind solche Sorgen wohl nicht mehr berechtigt. Die Stromnetzbetreiber haben sich seit Jahren auf den Durchbruch der Elektromobilität vorbereitet. Nach zahlreichen Berechnungen und Feldversuchen geben sie Entwarnung: Die Stromnetze kommen mit der raschen Zunahme der Elektromobilität einstweilen spielend klar. 

"Wir erwarten nicht, dass es irgendwo zum Szenario Zahnarzt-Allee kommt", bestätigt ein Sprecher des Berliner Netzbetreibers Vattenfall. Komme es einmal zu einer räumlichen Ballung vieler stromhungriger Schnellladegeräte, könne man dem leicht mit punktuellen Maßnahmen zur Netzverstärkung begegnen. Doch solche Supercharger, die Elektroautos in Minuten betanken können, dürften bei Kosten von 30.000 Euro und mehr vorerst die seltene Ausnahme in den Wohnvierteln bleiben. 
Die Masse der leistungsschwächeren Elf-Kilowatt-Geräte, wie sie jetzt von der KfW bezuschusst werden, bereitet dem Berliner Stromnetz überhaupt keine Probleme. "Nach einer Studie der Technischen Universität könnte das Berliner Leitungsnetz heute bereits 250.000 Elektroautos verkraften", versichert der Vattenfall-Sprecher: "Bis Ende vergangenen Jahres waren aber erst 7500 Elektroautos in der Hauptstadt registriert." 

Auch eine Sprecherin von "Stromnetz Hamburg" zeigt sich gelassen. Schon vor Jahren hat das Unternehmen von Forschern der Helmut-Schmidt-Universität errechnen lassen, was passiert, wenn Tausende Elektroautos abends gleichzeitig ans Stromnetz angeschlossen werden. Ergebnis: Es passiert wenig. Kritische Punkte machte die Studie allenfalls bei gewerblichen Fuhrparks, etwa bei den Betriebshöfen der städtischen Busflotte, aus. 

Deutschlands größter Stromnetzbetreiber E.on hatte sein gesamtes Leitungsnetz im vergangenen Jahr sogar einem "Stresstest" unterzogen. Der Konzern tat in einer Simulation so, als hätten sich alle 6,5 Millionen Pkw, die in den E.on-Netzgebieten gemeldet sind, über Nacht in Elektroautos verwandelt. "Das Ergebnis der Studie ist positiv", verkündete E.on-Chef Johannes Teyssen: "Sie hat bestätigt, dass wir auf den Durchbruch der Elektromobilität sehr gut vorbereitet sind." 
Die berüchtigten Zahnarzt-Alleen verwies der E.on-Chef nach dem Stresstest ins Reich der Fabeln: "In der Realität kommen nicht alle Pkw gleichzeitig nach Hause, sondern zeitversetzt", erläutert Teyssen. "Einer kommt um 17 Uhr nach Hause, ein anderer um 19 Uhr und ein dritter erst um 22 Uhr." Aus dem Zeitversatz ergebe sich "eine Durchmischung, so dass nicht alle Kunden gleichzeitig die gleiche Leistung benötigen". 

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nennt noch einen weiteren Grund, warum Tausende Elektro-Ladegeräte in den Garagen netztechnisch keine Blackout-Gefahr bedeuten: "Die KfW-Förderung unterstützt nur intelligente Ladesäulen", erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage. Die könnten notfalls so ferngesteuert werden, dass einige Autos am frühen Abend, andere aber erst spät in der Nacht geladen werden. Durch diese "netzdienliche" Steuerung der Ladesäulen könnten Engpässe vermieden "und ein schnellerer Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur ermöglicht werden". 

Gleichwohl: Die Sorge vor dem hohen Strombedarf der E-Autos treibt noch immer viele Skeptiker um. Der BDEW rechnet, ausgehend von einer Jahresfahrleistung von 14.700 Kilometern eines durchschnittlichen Pkw, mit einem Verbrauch von rund 2900 Kilowattstunden pro Jahr. Der Stromverbrauch eines durchschnittlichen privaten Haushalts würde sich durch ein Elektroauto also praktisch verdoppeln. 
Doch was viel klingt, ist es in Wirklichkeit gar nicht. Denn der Stromverbrauch der privaten Haushalte ist in der gesamten Energiebilanz des Landes nur ein kleiner Teil. So rechnet E.on etwa mit dem Stromverbrauch eines BMW i3 von 17,9 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Bei im Schnitt 13.600 Kilometer Fahrleistung pro Jahr ergebe sich damit ein durchschnittlicher Stromverbrauch von rund 2434 Kilowattstunden Strom. Damit aber verbrauchen 136.600 E-Autos in Deutschland pro Jahr nur etwa 332.587.000 Kilowattstunden, so die E.on-Rechnung. Und das entspreche lediglich 0,15 Prozent der gesamten jährlichen Ökostromproduktion. 

In einer Studie für die Bundesregierung rechnet das Beratungsinstitut Prognos damit, dass der gesamte deutsche Stromverbrauch wegen zahlreicher Effizienzgewinne im Jahr 2030 bei lediglich 517 Terawattstunden liegen werde. Die Elektromobilität werde mit geschätzt 5,4 Millionen batterieelektrischen Autos davon nur 48 Terawattstunden, also in etwa ein Zehntel, in Anspruch nehmen. Voraussetzung dafür sei allerdings die Umsetzung aller Maßnahmen des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung. 
Die Sorglosigkeit der Stromversorger in Bezug auf die Elektromobilität mag auf Verbraucher beruhigend wirken. Allerdings hat die Gelassenheit auch einen Preis: Das Stromnetz ist deshalb so stabil, weil der Verbraucher dessen Ausbau bereits mit Milliarden-Summen finanziert und noch weiter finanzieren muss. Der E.on-Chef machte dazu seine eigene Rechnung auf. Für die unterstellte Vollelektrifizierung in den Netzgebieten der E.on gebe es einen Investitionsbedarf von kumuliert 2,5 Milliarden Euro bis 2045, so Teyssen: "Bezogen auf die 6,5 Millionen Fahrzeuge in unseren Netzgebieten, sind das 400 Euro je E-Auto." 

Geld, das sich zu den übrigen Markthilfen der Elektromobilität addiert. Reduziert werden kann der Investitionsbedarf pro Pkw zwar durch digitale Lösungen, um einen Großteil der Ladevorgänge aus der laststarken Abendzeit in die lastschwachen Nachtstunden zu verschieben. Der Stadtwerke-Konzern Thüga erprobt in einem Pilotprojekt in Braunschweig dazu bereits Anreizsysteme, die einmal in vielen Kommunen in Anwendung kommen dürften. Doch die Kosten des Netzausbaus bleiben volkswirtschaftlich von erheblicher Größenordnung. 

"Auf absehbare Zeit sind die Verteilnetze sehr gut in der Lage, eine steigende Anzahl von Ladepunkten für Elektrofahrzeuge aufzunehmen", sagt Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU): "Allerdings wachsen damit auch die Herausforderungen für die Verteilnetzbetreiber." Bis 2030 müssten rund 20 Milliarden Euro in den Ausbau der regionalen und lokalen Verteilnetze investiert werden. 

Damit die Branche die notwendigen Investitionen tätigen könne, so Liebing, müssten "die Rahmenbedingungen stimmen". Was der Stadtwerke-Chef damit meint, ist nicht schwer zu erraten: Für die richtigen Rahmenbedingungen wird, wie stets, am Ende der Steuerzahler und Stromverbraucher sorgen müssen. 
 

Die Welt, von Daniel Wetzel
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Terna holt Strom aus Afrika

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27. Nov. 2020

Stromnetzbetreiber plant groß angelegte Investitionen 

Italien will zum internationalen Stromverteiler werden. Der italienische Stromnetzbetreiber Terna plant groß angelegte Investitionen, um Energienetze in Europa, Afrika und im Balkanraum zu verbinden. 

Damit will die Gesellschaft – zu 29,9 Prozent in der Hand der öffentlichen Holding CdP Reti – zu einem internationalen Player bei der Umsetzung der europäischen Strategie zur Senkung der CO2 -Emissionen auf 0 bis 2050 aufrücken, teilte CEO Stefano Donnarumma mit. 

Laut Ternas neuem Entwicklungsplan, laut dem mit staatlicher Unterstützung Investitionen in der Größenordnung von 9 Milliarden Euro umgesetzt werden sollen, will man in den nächsten Jahren Unterseenetze bauen, um Strom von Nordafrika nach Mittel- und Nordeuropa zu liefern. Damit soll Strom aus Sonnenenergie aus der Sahara bis nach Europa gebracht werden. 

300 Millionen Euro sollen in das Projekt einer Untersee-Kabelleitung zwischen Italien und Tunesien investiert werden. Dadurch soll Nordafrika direkt an Mitteleuropa angebunden werden. Italien will damit zu einem Knotenpunkt für elektrische Energie avancieren. 

Die börsennotierte Stromgesellschaft will ihre Investitionen in den nächsten 3 Jahren um 22 Prozent erhöhen. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis 2025 um 10 Prozent auf 5000 steigen. Terna, Betreiber von 72.900 km Stromnetz, will bis 2023 seinen Jahresumsatz von 2,2 auf 2,7 Milliarden Euro anheben. 
Teil der Investitionspläne ist auch eine neue Strom-Hochspannungsleitung zwischen Italien und Österreich. Terna wird die neue, zur Gänze unterirdisch verlaufende Stromverbindung über den Reschenpass mit einer Spannung von 220 Kilovolt (kV) bauen. Diese wird über eine Strecke von 24 Kilometern Nauders in Nordtirol mit dem Netzknoten der Gemeinde Glurns verbinden, der für diesen Zweck ausgebaut wird (die „Dolomiten“ haben am 24. November berichtet, siehe digitale Ausgabe). 

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Viel frischer Wind beim Windenergie Symposium AWES 2020

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St. Pölten, 27. Nov. 2020

Dringlichkeit politischen Handelns wurde nicht nur von Umweltökonom Gernot Wagner eingemahnt

Die letzten zwei Tage versammelte sich die Windbranche im digitalen Raum und diskutierte nicht nur über fachliche Themen, sondern auch über die dringende Notwendigkeit neuer politischer Rahmenbedingungen. So fordert auch Sigrid Stagl, Professorin der Wirtschaftsuniversität Wien: "Wir müssen weg von den Ankündigungen und hin zum Tun.“ Nicht nur für Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft wurde es deutlich, dass mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz die Politik stabile Rahmenbedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien für die nächsten 10 Jahre sicherstellen muss.

Diese Woche versammelte sich die gesamte Windenergiebranche für zwei Tage digital beim 14. Windenergie Symposium, dem AWES 2020. Mit über 500 Teilnehmer*innen war die Branchenveranstaltung noch nie so gut besucht wie diesmal. Bei 18 Präsentationsständen zeigten Firmen der Windbranche ihre Angebote und Leistungen und konnten auch digital mit den Besucher*innen Details zu den Produkten erörtern. Mehr als 1.000 Mal wurden die Präsentationsstände von Teilnehmer*innen des AWES besucht. Auf zwei digitalen Bühnen konnte sich die Branche über aktuelle Themen der Windenergie informieren und an über 70 Diskutant*innen am Podium ihre Fragen stellen, die geschickt von führenden Journalist*innen des Landes in die Diskussion eingebunden wurden. „Trotzt der schwierigen Umstände, die uns der Lock Down in der Corona-Pandemie beschert hat, war die Veranstaltung ein voller Erfolg“, freut sich Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft.

Es braucht eine europäische Zulieferbranche
In Österreich arbeiten mehr als 180 Firmen in der Windbranche. Beinahe jeder Teil eines Windrades wird auch in Österreich hergestellt. Einige Firmen sind sogar Weltmarktführer in ihrem Segment. Damit diese Firmen am Weltmarkt reüssieren können, ist auch der Ausbau der Windkraft im Heimmarkt wichtig. „Es macht auch für einen Zulieferbetrieb, der seine Produkte international vermarktet, einen großen Unterschied ob ein Land als windkraftfreundliches Land vom Ausland aus wahrgenommen wird oder nicht“, erklärt Bernhard Zangerl von Bachmann electronic aus Vorarlberg. Besonders auch für die Forschung und Entwicklung ist eine funktionierende Zulieferbranche von größter Bedeutung. „Forschung zu betreiben über Produkte, wo die Produktion auf einem anderen Kontinent liegt, ist eine große Herausforderung“, erklärt Roland Stör von WINDnovation: „Die Produktion in Europa zu halten ist ein wichtiger Faktor um Innovation und technologischen Fortschritt langfristig zu erhalten.“ „Bei Corona haben wir gesehen, dass es von Vorteil ist, wenn wir Produkte vor Ort produzieren, anstatt alles importieren. Dies trifft auch auf die Windbranche zu. Die Innovation müssen wir in Europa halten, damit die Wertschöpfung in Europa bleiben kann“, betont Moidl. Auch bei der Diskussionsrunde der Windkrafthersteller herrschte Konsens, dass die Branche stabile Rahmenbedingungen braucht. „Besonders wenn es um die Sektorkopplung geht, die wir für die Klimaneutralität 2040 dringend benötigen“, bemerkt Bernhard Fürnsinn von der IG Windkraft. 

Warum ist der Weg der Politik von den Zielen zu den Maßnahmen so lang
Neben technischen Fragestellungen der Windenergie waren aber auch die politischen Rahmenbedingungen ganz oben auf der Themenliste des Symposiums. Sowohl bei der Diskussionsrunde der Energie- und Umweltsprecher der Parteien, aber auch bei jenen von hochkarätigen Fachpersonen aus Europa und Übersee wurde besonders deutlich, dass die politisch gesetzten Ziele nun endlich mit konkreten Maßnahmen umgesetzt werden müssen. "Weg von den Ankündigungen und hin zum Tun" forderte auch Sigrid Stagl, Professorin der Wirtschaftsuniversität Wien und setzt fort: „Es müssen sich alle Sektoren und alle Akteure am Riemen reißen und jetzt handeln.“ Dem stimmt auch Gernot Wagner, Umweltökonom von der New York University zu: „Ohne Politik geht bei Covid-19 wenig und ohne Politik geht auch beim Klimaschutz nichts.“ Österreich hat sich das Ziel gesetzt bis 2030 eine Stromversorgung mi t 100 Prozent erneuerbarer Energien zu erreichen und bis 2040 zur Gänze klimaneutral zu sein. 

Bundesländer und Gemeinden müssen beim Klimaschutz eingebunden werden
Die Europäische Union ist gerade dabei seine Klimaschutzziele anzuheben. Österreich hat mit dem Ziel bis 2040 klimaneutral zu sein, die Verschärfung der Ziele schon vorweggenommen. Damit die Ziele aber auch erreicht werden können, sind die Bundesländer und Gemeinden gefordert, jetzt aktiv zu werden und ebenfalls Konzepte für ein klimaneutrales Bundesland, oder eine klimaneutrale Gemeinde, zu entwickeln. „Für eine naturverträgliche Energiewende brauchen wir ein gemeinsames Voranschreiten der Gemeinden, Bundesländer und des Bundes“, fordert auch Karl Schellmann, Klima-und Energiesprecher vom WWF. „Dies betrifft auch klare Ausbaupläne für die erneuerbaren Energien, damit die Ziele erreicht werden können“, ergänzt Hans Winkelmeier vom Energiewerkstatt Verein und Hans-Dieter Kettwig, Geschäftsführer von ENERCON setzt fort: „Ob man die nationalen Ausbauziele nimmt oder deren Summe auf EU-Ebene oder die globalen Klimaziele aus dem Pariser Abkommen – stets wird klar: Ohne einen substanziellen Ausbau der Onshore Windenergie sind alle Energiewendepläne und mithin alle Klimaschutzziele Makulatur.“ 

EAG als Nagelprobe der österreichischen Klimapolitik
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) soll Anfang nächsten Jahres im Parlament beschlossen werden. „Das EAG muss für die erneuerbaren Branche endlich stabile Bedingungen zur Verfügung stellen, und das nicht für ein Jahr, sondern für die nächsten zehn Jahre“, fordert Moidl: „Dabei sollten wir nicht dieselben Fehler machen, die in den letzten Jahren in Deutschland passiert sind.“ Heiko Messerschmidt, von der IG Metall Bezirk Küste aus Deutschland ergänzt: „Unsere Sorge ist, dass die rund 30.000 Arbeitsplätze, die wir in der Windbranche verloren haben, nicht wiederkommen. Das kann man nicht aus und wieder anschalten. Es braucht hier eine Kontinuität, die wir derzeit nicht haben.“ Auch Daniela Kletzan-Slamanig vom WIFO stößt in dasselbe Horn: „Eine Stop-And-Go Politik bringt nicht nur Arbeitsplatzverluste, sondern auch die Abwanderung von Know How. Klimaschutz ist kein Add-On, sondern muss endlich umfassend gedacht und umgesetzt werden.“ Stefan Moidl hofft in diesem Zusammenhang auf ein EAG, das die nötigen Rahmenbedingungen für die dringend nötige Energiewende schafft. 

Wir danken allen Unterstützern des Windenergie Symposiums AWES 2020
Hauptsponsor: ENERCON 
Mitveranstalter & Aussteller: Bank Austria UniCredit, ECOwind, Energiewerkstatt Verein und Technisches Büro, EWS Consulting, Nordex Energy, Vestas Österreich, Aero Enterprise, GE Wind Energy, Peikko Austria, smart inspection, TÜV AUSTRIA, Ventus Engineering, Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien mit 3 Start- Up- Unternehmen (Kleinkraft, SpeedPox, OurPower), Polytec - FOS4X, Kooi Camera Surveyance 

Sponsoren: Bachmann electronic, BDO Niederösterreich, Energie Burgenland, Energie Steiermark, EVN, WEB Unterstützer&Kooperationspartner: Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Klima- und Energiefonds, Stadt Wien – Energieplanung, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg
Hauptmedienpartner: DerStandard 
Medienpartner: biologisch.at, DieOption, Erneuerbare Energien- Das Magazin, Ökonews 


Rückfragehinweis
Mag. Martin Jaksch-Fliegenschnee Mobil: +43 660 20 50 755 m.fliegenschnee@igwindkraft.at


 

IG Windkraft
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Ausgerechnet die Ladestation von Tesla fehlt

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27. Nov. 2020

Staat fördert privaten Einbau mit 900 Euro 

Seit Dienstag fördert der Staat die Installation von privaten Ladestationen für Elektroautos. 900 Euro Zuschuss kann von der staatlichen KfW-Bank erhalten, wer in der eigenen Garage oder am eigenen Stellplatz eine sogenannte Wallbox installiert. Allerdings erfüllen längst nicht alle Ladestationen die Bedingungen für die Förderung. So finden sich auf einer Liste der KfW zwar Modelle von fast hundert Herstellern, doch ausgerechnet einige der namhaften Autobauer fehlen, obwohl sie neben Elektrofahrzeugen auch eigene Ladestationen für Privathaushalte anbieten. 

Weder Elektropionier Tesla noch die deutschen Oberklasse-Hersteller Mercedes und BMW tauchen mit ihren Stationen derzeit in der Förderliste auf. Mercedes empfiehlt im Internet statt der eigenen Wallbox zwei Modelle von Innogy, wenn man die Förderung beantragen möchte. Als einziger deutscher Autobauer hat es bislang Volkswagen auf die Liste der KfW geschafft. 

Grundsätzlich müssen die Gesamtkosten der Ladestationen über 900 Euro liegen, um den Zuschuss vom Staat beantragen zu können. Tatsächlich sind die Boxen von Tesla mit einem Preis von 517 Euro deutlich günstiger. Allerdings gelten nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Installation durch einen Elektriker wird gefördert, so dass der Gesamtpreis in der Regel über den geforderten 900 Euro liegen dürfte. Der Preis allein kann daher nicht der Ausschlussgrund sein. 

Allerdings hat die Fördergrenze schon dazu geführt, dass einige Anbieter ihre Preise daran ausrichten. So bietet E.on beispielsweise eine Wallbox für 901 Euro an und wirbt damit, dass die Anschaffung der Ladestation dann nur einen Euro kostet, wenn man die staatliche Förderung abzieht. Allerdings ist im Preis noch nicht die Installation enthalten, damit gehört die E.on-Box im Vergleich beispielsweise mit dem Tesla-Modell sogar zu den teuren Exemplaren. Doch es muss nicht nur der Preis über 900 Euro liegen, damit der Staat den Einbau fördert. Vorgeschrieben sind auch eine intelligente Steuerung der Ladestation, eine Normalladeleistung mit elf Kilowatt und der Betrieb mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Das kann sowohl Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage sein als auch Ökostrom eines Versorgers. 
Dass Tesla, BMW und Mercedes nicht auf der Förderliste auftauchen, muss nicht so bleiben. Die KfW teilt auf WELT-Anfrage mit, dass alle Hersteller, die aufgenommen werden wollen, ihre Modelle von der staatlichen NOW GmbH prüfen lassen müssen. Bei den Ladestationen der genannten Hersteller sei diese Prüfung noch nicht erfolgt.  

  

Die Welt, von Philipp Vetter
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Sonne, Wind, Wasserkraft: die „grüne“ Energiezukunft

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27. Nov. 2020

Der Energiewirtschaft steht einiges bevor: sie muss „nachhaltig“ werden – in der Jahresbilanz bis 2030 und überhaupt klimaneutral bis 2040. Klingt gut, ist aber eine Herkulesaufgabe. Denn so „grün“ die neuen Energien auch sind, so schwer sind sie doch zu fassen. Und vor allem zu speichern; für dann, wenn man sie braucht... 

Fotovoltaik funktioniert gut; als kleines Kraftwerk oder am Privathaus. Doch es gibt Nebel – und die Nacht...
Windenergie ist etwa so beliebt wie Staumauern (links). Im Zuge der Energiewende sind beide unverzichtbar. 

Europa will weg von den alten Energieformen, von kalorischen Kraftwerken, die Gas verfeuern, aber halt so praktisch sind, weil sie auf Knopfdruck funktionieren. „Grüne“ Energien sind das gar nicht. 
Etwa der Wind: wer weiß schon, wann er bläst. Am Beispiel Burgenland sieht man das bizarr: Bewegt ein Lüfterl die Räder der Windkraftanlagen, dann produziert das Bundesland schnell fünfmal soviel Energie wie es selber verbraucht. Doch bei Flaute ist der Strom weg. 

Oder die Fotovoltaik: sie bringt Gratis-Strom von der Sonne – wenn die scheint. So wie jetzt im in den Tälern nebelverhangenen November ist gleich einmal Schluss mit der Leistung. 
Das Problem ist also die Speicherung der Energie und deren Verteilung. Bläst etwa im Burgenland der Wind, muss der Strom weit transportiert werden, um genutzt werden zu können, was teure – und unbeliebte – Leitungen nötig macht. 

Halbwegs effizient speichern kann man Energie nur in Anlagen wie etwa der Kraftwerksgruppe Fragant, wo mit Überschuss-Strom Wasser in Hochgebirgsspeicher gepumpt wird, um bei Energiemangel wiederum Strom erzeugen zu können. 
„Wir haben nicht viele Möglichkeiten, die Energiezukunft zu gestalten“, sagt Manfred Freitag, Vorstand der Kelag: „Mit Wasserkraft, die weitgehend ausgereizt ist, mit Fotovoltaik, mit Wind, durch Effizienzsteigerung und Biomasse.“ 

Und dabei sei die Stabilität das Hauptproblem. Volatil, heißt das Wort, das beschreibt, dass die „grüne“ Energie nicht auf Knopfdruck bereit steht. Und Zukunftsthemen wie Wasserstoff, der mit grünem Strom produziert und dann später genutzt werden könnte, sind noch nicht ausgereift. Auch Batteriespeicher sind nur kurzfristige Lösungen. 
Apropos Batterien: die zunehmende Elektromobilität ist eine weitere Herausforderung. „Kärnten Netz“-Chef Reinhard Draxler: „Da müssen wir die nötige Energie bereitstellen, sie transportieren und Systeme entwickeln, dass etwa nicht alle Autos gleichzeitig laden.“ 

Dass alles gleichzeitig kommen muss, ist zusätzlich verschärfend: Noch immer wird fast die Hälfte des Kärntner Gesamtbedarfs mit fossiler Energie gedeckt; wobei es da um Straßenverkehr, Heizungen und dergleichen geht. Auch hiezu gibt es Vorgaben zur Reduktion vor allem des CO2. 
Was es insgesamt auch braucht, sind neue Modelle wie zum Beispiel Energiegemeinschaften. Da tun sich etwa in Nachbarschaften Haushalte oder ganze Dörfer zusammen, produzieren selber Strom und verbrauchen ihn auch selber wieder. „Eine interessante Idee“, so Manfred Freitag. Aber ohne stabile Abstützung von außen geht auch das nicht . 

„Unsere Gesellschaft ist total stromabhängig; wir sind es gewohnt, dass diese Energie immer da ist“, sagt Draxler. Dabei würde Europa schon heute immer wieder an gefürchteten „Blackouts“, wie Netzzusammenbrüche genannt werden, vorbeischrammen. 
„Wir haben viel zu tun“, resümiert Manfred Freitag: „Und ersuchen um Grundvertrauen, dass wir unseren Job machen“. 

Kronen Zeitung
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Solarbranche fürchtet Folgen der EEG-Novelle

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27. Nov. 2020

Das neue Gesetz könnte für die Abschaltung von einem Drittel aller Anlagen sorgen. 

Die Solarbranche war in den vergangenen Monaten eine der wenigen Industrien, die trotz Coronakrise Rekordzahlen verkünden konnten. Dafür versetzt nun ein anderes Thema die Unternehmen in helle Aufregung: die geplante Erneuerung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). In dieser Woche werden die Änderungen im Parlament besprochen. 

Anstatt den Ausbau zu beschleunigen, bremse das EEG die Installation neuer Anlagen massiv, heißt es in der Branche. In einem gemeinsamen Brief wenden sich über 1500 Energieunternehmen an Bund und Länder und warnen, dass mit der EEG-Novelle sogar "eine Verfehlung der Klimaziele und eine Stromerzeugungslücke im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Atom- und Kohleausstieg" drohe. 
Mit den vorgeschlagenen Neuerungen des EEG, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, wollte die Regierung die Energiewende eigentlich weiter vorantreiben. Stattdessen wird die Kritik vor allem aus der Solarbranche seit Wochen immer lauter. 

Obwohl die Richtung stimme, sagte Gunter Erfurt, Chef des Solarkonzerns Meyer Burger, gebe es ein paar wesentliche Regelungen, die letztendlich dazu führen könnten, dass es am Ende nicht mehr, sondern weniger Solarenergie in Deutschland gibt. "In der Energiewelt der Zukunft ist jeder Verbraucher mit einer Solaranlage auch ein Energieerzeuger und sollte die Möglichkeit haben, seine Energie zu verkaufen", sagte Erfurt. Genau das werde von dem neuen EEG nicht gefördert.
 
Im Kern geht es den Firmen um drei kritische Punkte aus dem umfangreichen Gesetzesentwurf: Erstens soll der Betreiber jeder noch so kleinen Anlage verpflichtet werden, einen sogenannten Smart Meter Gateway, also ein intelligentes Messgerät, einzubauen. Das soll die Digitalisierung der Netze vorantreiben. 
Zweitens sollen Altanlagen, die ab 2021 aus der staatlichen Förderung fallen, keine EEG-Förderung mehr erhalten, wenn sie ihren Solarstrom selbst verbrauchen, dafür aber die staatliche Abgabe auf den erzeugten Strompreis weiterhin zahlen. Einen Teil selbst zu nutzen und den anderen ins Netz einzuspeisen wäre dann nicht möglich. Auch für kleine Aufdachanlagen soll die EEG-Umlage in reduzierter Form bei Eigenverbrauch weiter fällig werden. 

Jetzt fürchtet die Branche vor allem gravierende Folgen für Altanlagen, die schon ab dem vergangenen Jahr aus der EEG-Förderung fallen. "Der Weiterbetrieb rechnet sich dann nicht mehr", so Martin Ammon vom Marktforscher EuPD Research. 

In einem Gutachten hat EuPD ausgerechnet, dass mit dem neuen Gesetz deshalb insgesamt 447.000 Solaranlagen deutschlandweit in den kommenden zehn Jahren vorzeitig vom Netz genommen werden könnten. Und das, obwohl der technische Weiterbetrieb noch für mindestens zehn Jahre möglich wäre, so Ammon. Laut Bundesverband der Solarwirtschaft fallen schon 2021 gut 10.000 bis 15.000 Photovoltaikanlagen aus der gesetzlichen Vermarktung über das EEG. Bis 2030 könnte es gute eine halbe Million sein und damit immerhin ein Drittel aller Anlagen in Deutschland.

Handelsblatt, von Kathrin Witsch
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E-Auto-Förderung geht 2021 mit insgesamt 46 Mio. Euro weiter

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Wien, 27. Nov. 2020

Die Förderung für den Kauf von Elektroautos wird verlängert. Auch 2021 wird jeder private Kauf eines E-Autos mit 5.000 Euro gefördert, teilte Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit. Insgesamt stehen 46 Mio. Euro für die Förderung zur Verfügung. Die im Sommer erhöhte Förderung hat laut Gewessler für einen "Boom" bei E-Autos gesorgt.

Denn im September seien rund 9 Prozent der Neuzulassungen auf elektrische Fahrzeuge entfallen und seit Juli habe es mehr als 11.000 Anträge gegeben. "Die Förderung wird sehr gut angenommen und sie wirkt", so die Ministerin. Die Unterstützung kann über umweltfoerderung.at beantragt werden.

Neben der Ankaufsförderung für E-Autos wird auch die Förderung von Nutzfahrzeugen, Ladestationen und E-Motorrädern verlängert. Ladestationen werden zudem im kommenden Jahr unabhängig von der Anschaffung eines E-Autos gefördert. Das bringe neben der geplanten Erleichterung im Wohnrecht weitere Verbesserungen für Ladeinfrastruktur.

Die Förderung für Betriebe sinkt im kommenden Jahr bei E-Pkw allerdings auf 4.000 Euro. Unternehmen könnten aber weiterhin von der erhöhten Investitionsprämie profitieren, so Gewessler.

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Spanischer Ölkonzern Repsol setzt stärker auf erneuerbare Energien

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Madrid, 26. Nov. 2020

Der spanische Ölkonzern Repsol will im Bemühen um weniger CO2-Ausstoß seine Suche nach Ölvorkommen zurückfahren und die Kapazitäten bei erneuerbaren Energien im nächsten Jahrzehnt verfünffachen. Dazu wollen die Spanier bis 2025 mit 5,5 Mrd. Euro rund 30 Prozent ihrer Investitionen in Geschäfte mit niedrigen Kohlendioxidemissionen stecken, wie der Konzern am Donnerstag in Madrid mitteilte.

2025 sollen dann 7,5 Gigawatt Leistung etwa aus Solar- und Windkraft bezogen werden, 2030 rund 15 Gigawatt. Vergangenes Jahr waren es nur rund 3 Gigawatt an CO2-armen Energien.

Repsol will bis 2025 sein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von zuletzt 7,2 Milliarden (2019) auf mehr als 8,2 Mrd. Euro steigern. Bis 2022 soll die Dividende mit 0,60 Euro je Aktie stabil bleiben bei einem angenommenen Ölpreis von 40 Dollar je Barrel (159 Liter). Bis 2025 soll sie dann auf 75 Cent anziehen, inklusive Aktienrückkäufen soll die Gesamtausschüttung dann bei über einem Euro je Papier liegen.

Repsol hatte sich bereits vergangenes Jahr als erster großer Ölmulti zum Ziel gesetzt, klimaschädliche CO2-Emissionen bis 2050 auf netto null runterzufahren. Hintergrund ist, dass die Europäische Union sich im Rahmen des Pariser Klimaabkommens härtere Ziele bei der Bekämpfung des Klimawandels gesetzt hat - vermehrt üben daher auch große Investoren Druck auf Konzerne aus, ihre Geschäftsmodelle zu ändern, um möglichen Strafzahlungen zu entgehen.

Ende vergangenen Jahres hatte Repsol auf seine Öl- und Gasgeschäfte Milliarden abgeschrieben, weil die Preise in den kommenden Jahren mit Blick auf die Pariser Klimaziele niedriger als gedacht ausfallen dürften. Auch im bisherigen Jahresverlauf sorgte der Ölpreisabsturz infolge der Coronakrise für massive Belastungen. Nach neun Monaten steht unter dem Strich ein Nettoverlust von 2,6 Mrd. Euro im Vergleich zu 1,5 Mrd. Euro Gewinn ein Jahr zuvor.

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APG investiert bis 2030 rund 3,1 Mrd. Euro in Netz-Ausbau

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Wien, 26. Nov. 2020

Der Stromnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid) wird bis 2030 rund 3,1 Mrd. Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes investieren. Das sind rund 16 Prozent der insgesamt 18 Mrd. Euro, die die E-Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren in den Netzausbau investieren wird. Den entsprechenden Netzentwicklungsplan (NEP 2020) der APG, in dem alle geplanten und in Bau befindlichen Projekte enthalten sind, hat die E-Control vor wenigen Tagen genehmigt.

Der aktuelle Netzentwicklungsplan sieht Aus- und Neubauprojekte bei Leitungen und Umspannwerken in ganz Österreich vor. "Hauptreiber dabei sind die stark wachsenden Produktionskapazitäten im Bereich der Erneuerbaren sowie der steigende Bedarf an grünem Strom von Wirtschaft und Industrie", sagte der technische Vorstand der APG, Gerhard Christiner, am Donnerstag laut Mitteilung. "Für deren optimale Integration in das Stromnetz werden die Übertragungskapazitäten sukzessive erhöht und neue Umspannwerke errichtet."

"Nicht zuletzt das Ziel, Österreich bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent mit Erneuerbaren Energieträgern zu versorgen, macht den Ausbau der Übertragungsinfrastruktur notwendig", sagte E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer.

Im NEP 2020 - der Netzentwicklungsplan wird jährlich erstellt und vom Energieregulator per Bescheid genehmigt - seien die aktuellen Entwicklungen rund um die Beschlussfassung des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG) noch nicht vollständig berücksichtigt, betonten die APG-Vorstände. Der NEP gilt immer für zehn Jahre, wobei die Projekte der nächsten drei Jahre verpflichtend umzusetzen sind.

Der NEP 2020 (www.apg.at/de/Stromnetz/Netzentwicklung) der APG umfasst insgesamt 36 Netzausbauprojekte. Im Vergleich zum NEP 2019 wurden drei Projekte bereits in Betrieb genommen und zwei neue Projekte in den NEP aufgenommen.

Zu den wichtigsten und größten APG-Projekten zählen die Errichtung der Salzburgleitung, die Weinviertelleitung, das Projekt Zentralraum Oberösterreich, die Deutschlandleitung (Ausbau der Übertragungskapazität zwischen Deutschland und Österreich), das Reschenpass-Projekt (Ausbau der Übertragungskapazität zwischen Österreich und Italien) sowie etliche Ausbauten und Neuerrichtungen von Umspannwerken (z.B. Villach Süd, Klaus, Matrei, Mürztal, Wien Ost, Innkreis, Prottes).

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SBO nach drei Quartalen mit 21,3 Mio. Euro Nettoverlust

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Wien/Ternitz, 26. Nov. 2020

Für den Ölfeldausrüster Schoeller Bleckmann ist das dritte Quartal 2020 "noch einen Zacken schlechter" gelaufen als das Vorquartal, "die Auftragseingänge sind niedriger als die Umsätze", so CEO Gerald Grohmann am Donnerstag zur APA. Nach drei Quartalen war der Umsatz um fast ein Drittel niedriger als vor einem Jahr, unterm Strich steht ein Verlust von 21,3 Mio. Euro. Mit einer nachhaltigen Erholung rechnet Grohmann ab Mitte 2021, verweist aber auf einen dicken Geldpolster.

"Wir erleben einen Lockdown, den Welt noch nie so gesehen hat", sagte Grohmann, "wir haben den größten Einbruch in der Nachfrage nach Öl seit dem zweiten Weltkrieg." Während das erste Quartal heuer noch normal verlaufen sei und man im zweiten Jahresviertel noch Aufträge abgearbeitet habe, sei das dritte Quartal "noch einmal einen Zacken schlechter geworden".

Bis Ende September hat die Wiener Leitindex ATX börsennotierte Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment heuer 236,4 Mio. Euro Umsatz gemacht, um gut 30 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Ergebnis nach Steuern drehte auf -21,3 Mio. Euro in die Verlustzone, nachdem im gleichen Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 26,6 Mio. Euro ausgewiesen worden.

Zum 30. Juni nahm die Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment Wertabschreibungen bei den Tochtergesellschaften in Nordamerika in Höhe von 20,5 Mio. Euro vor, die zwar nicht cash-wirksam sind, aber das Ergebnis drücken. Das Betriebsergebnis (EBIT) vor Einmaleffekten blieb mit 1,1 Mio. Euro positiv. Das EBIT nach Einmaleffekten belief sich auf minus 19,8 Mio. Euro.

"Dass diese Zahlen nicht brüllend erfreulich sind, ist klar", räumte Grohmann ein, dennoch "steht das Unternehmen saugut da. In dieser Krise haben wir es geschafft, dass wir immerhin 322 Millionen auf der hohen Kante haben. Wir haben es geschafft, dass wir keine Verschuldung haben, sondern im Gegenteil, wir haben mehr Liquidität als Schulden." Deshalb habe man die "hundertprozentige Sicherheit", gut durch die Krise zu kommen und würde auch einen möglichen dritten Lockdown durchstehen, so Grohmann.

SBO generierte in den ersten neun Monaten 2020 einen operativen Cashflow von 81,3 Mio. Euro und konnte dadurch eine Nettoliquidität von 10,5 Mio. Euro ausweisen. Das Gearing (Verschuldungsgrad) verbesserte sich auf minus 3,5 Prozent. Der Bestand an liquiden Mitteln stieg auf 322,0 Mio. Euro (31. Dezember 2019: 265,2 Mio. Euro).

Nach der abrupten Talfahrt in der ersten Jahreshälfte hätten sich die Ölmärkte zwar stabilisiert, für eine nachhaltige Erholung sei die Rohöl-Nachfrage aber noch zu gering, meint der SBO-Chef. "Es ist fair anzunehmen, dass wir diese Situation, in der wir jetzt sind, noch ein paar Quartale haben werden." Etwa zur Jahresmitte 2021 dürfte es wieder deutlich aufwärts gehen, so genau könne das aber niemand sagen.

Den größten Teil des Personalabbaus habe man bereits im zweiten Quartal vor allem in Nordamerika vorgenommen, in den letzten drei Monaten habe man dort noch einmal rund 80 Stellen abgebaut, berichtete Grohmann. "Wir sind jetzt im Bereich der Kernmannschaft, es wird jetzt nur mehr da oder dort Adaptionen geben." Die Investitionen habe man auf die Erhaltungsinvestitionen zurückgefahren, "es hat ja keinen Sinn, da ins Blaue zu investieren", und angesichts der Auftragslage verfüge man über ausreichend Kapazitäten.

Grohmanns Freude über das 2016 erworbene und erfolgreiche Ölfeld-Serviceunternehmen Downhole Technology in den USA wird derzeit durch einen Gerichtsstreit getrübt. Mit dem Firmengründer und Geschäftsführer sei eine weitere Zahlung von 140 Mio. Dollar (rund 118 Mio. Euro) für dessen verbliebene Minderheitsanteile vereinbart gewesen, man habe den Mann aber später gekündigt und die Kündigung danach in eine fristlose Entlassung umgewandelt, weil man ihm durch einen Whistleblower aus dem Unternehmen auf Malversationen draufgekommen sei, erzählte Grohmann. Die SBO will den Erben des inzwischen tödlich verunglückten früheren Eigentümers der Downhole Technology deswegen nur einen Bruchteil der ursprünglich vereinbarten Summe bezahlen - hat aber die erste Runde in dem Rechtsstreit vor Gericht verloren. "Klar ist, dass wir in die Berufung gehen", sagte Grohmann.

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voestalpine-Elektroband sorgt für Windstrom im Burgenland

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Linz, 26. Nov. 2020

Elektroband aus Linz hilft künftig sauberen Strom im Burgenland zu erzeugen. Die voestalpine liefert rund 1.000 Tonnen des Werkstoffs, der über spezielle magnetische Eigenschaften verfügt, an den deutschen Windenergieanlagen-Hersteller Enercon. Bei diesem hat der Energieversorger Burgenland den Bau von 51 neuen Windrädern in insgesamt sieben Windparks in Auftrag gegeben.

Im Sommer wurde mit den Arbeiten an den Windparks begonnen. U.a. geht es um den Bau der Anlage Zurndorf II, die Erweiterung der Windparks Nickelsdorf und Andau, sowie die Erneuerung jener in Parndorf, Gols, Potzneusiedl und Neudorf. Insgesamt entspricht das einem Gesamtumfang von zusätzlichen 212 Megawatt.

Elektroband ist ein kaltgewalztes Stahlband aus Eisen-Silizium-Legierungen und kommt dank seiner besonderen magnetischen, mechanischen und physikalischen Eigenschaften überall dort zum Einsatz, wo elektrische Energie in eine andere Form von Energie umgewandelt wird. Im Fall eines Windrades heißt das: Der Wind treibt die Rotorblätter an und diese mechanische Rotationsenergie wird durch einen Generator in elektrischen Strom umgewandelt. Das Elektroband fungiert dabei als Magnetkern. Je effizienter das Elektroband ist, umso effizienter arbeiten die Generatoren.

Elektroband wird nicht nur in Windrädern eingesetzt, sondern auch in Hydrogeneratoren für Wasserkraftwerke oder diversen Motoren - vom Antriebsmotor eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs bis hin zu Kleinmotoren für Fensterheber, von Industriemotoren bis hin zu Haushaltsgeräten. "Mit unserem Premium-Elektroband aus Linz setzen wir insbesondere beim Einsatz im Bereich der erneuerbaren Energien laufend neue Maßstäbe in puncto Leistungsstärke und Nachhaltigkeit", betont Hubert Zajicek, Vorstandsmitglied der voestalpine AG und Leiter der Steel Division - nach eigenen Angaben europäischer Marktführer bei nicht kornorientierten Elektrobändern.

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AMAG baut 55.000 m2 Photovoltaikanlage auf neuem Werk

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Wien/Ranshofen, 26. Nov. 2020

Der Alu-Konzern AMAG baut auf den Dächern des neuen Werks eine 55.000 m2 große Photovoltaikanlage. Sie soll jährlich rund 6 GWh Strom erzeugen, das entspricht dem Verbrauch von rund 1.700 Haushalten. Dazu kommt eine Freiflächenanlage im Umfang von 2.600 m2. Die beiden neuen Anlagen zusammen sollen eine Leistungsspitze von 6,9 MW haben. Der Betrieb soll in der zweiten Jahreshälfte 2021 starten.

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EU billigte Ausschreibungen zur Stilllegung von Kohlewerken

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Düsseldorf, 26. Nov. 2020

Die EU-Kommission hat am Mittwoch grünes Licht für einen wichtigen Teil des beschlossenen Kohleausstiegs in Deutschland gegeben. Dabei wurden die geplanten Entschädigungen für Stilllegungen von Steinkohlekraftwerke genehmigt. "Diese Entscheidung ist ein wichtiges Signal und schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten", teilte die deutsche Regierung mit. Bei der Braunkohle wollen die Brüsseler Wettbewerbshüter die Entschädigungen an die Betreiber allerdings weiter prüfen.

Nach Angaben der deutschen Regierung ist aber nicht mit einer Verzögerung des Kohleausstiegs zu rechnen. In der Steinkohle werden Entschädigungen über ein Auktionssystem ermittelt. Die EU-Kommission entschied, dass diese Regelung mit Ausschreibungen zur Stilllegung von Kraftwerken nicht zu übermäßigen Wettbewerbsverzerrungen führt. Sie könnte dazu beitragen, dass Deutschland die Klimaziele der EU erreiche.

Die Bundesnetzagentur will die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde am 1. Dezember bekannt geben, wie die Behörde twitterte. Damit sollen Kraftwerkskapazitäten im Umfang von vier Gigawatt noch dieses Jahr stillgelegt werden. Zu den Betreibern von Steinkohlekraftwerken gehören unter anderem die Versorger Vattenfall, Uniper und EnBW. Sie können sich in jährlichen Ausschreibungen um Entschädigungen bei Abschaltung bewerben. Die letzte Runde sollte 2027 stattfinden, danach kann entschädigungslos stillgelegt werden. Nach dem Willen der EU-Kommission soll die letzte Runde 2027 allerdings entfallen. Das dürfte zu einem stärkeren Wettbewerb in den vorherigen Runden führen.

Im Braunkohlebereich ist der Wettbewerb mit nur zwei großen Anbietern deutlich geringer, weswegen hier Ausschreibungen auch weniger Sinn machen. Hier sind Entschädigungen von 4,35 Mrd. Euro vorgesehen - 2,6 Milliarden für RWE und 1,75 Milliarden für die ostdeutsche LEAG. Es müsse geklärt werden, ob dies angemessen sei, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Zu Recht, denn es kann nicht sein, dass etwa LEAG Milliarden zugesteckt werden soll, ohne dass dafür Braunkohlemeiler früher vom Netz gehen." Die Bundesregierung betonte, die Prüfung habe keinen Einfluss auf die Stilllegung von Braunkohlekraftwerkskapazitäten.

RWE teilte mit, das Prüfverfahren zur Braunkohle überrasche nicht. "Das ist ein normales Prozedere." Es könne am Ende zu mehr Rechtssicherheit führen. "Ungeachtet dessen ist das Kohleausstiegsgesetz in Kraft getreten und wir gehen davon aus, dass die Stilllegungen am Ende diesen Jahres beginnen. Bundesregierung und Betreiber streben an, auch den öffentlich-rechtlichen Vertrag noch in diesem Jahr zu unterzeichnen."

Die Kohleverstromung soll in Deutschland bis 2038 beendet werden. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, mit den Ausschreibungen in der Steinkohle könne sichergestellt werden, dass Entschädigungen auf ein Minimum begrenzt würden. Damit werde eine übermäßige Wettbewerbsverzerrung auf dem europäischen Binnenmarkt vermieden.

Nach dem Kohleausstiegsgesetz soll jedes Jahr ab 2020 eine bestimmte Menge an Steinkohle-Leistung zur Abschaltung ausgeschrieben werden. Wer die geringsten Entschädigungen verlangt, erhält den Zuschlag. Die Ausschreibungen werden über die Bundesnetzagentur organisiert. Vattenfall will etwa sein Großkraftwerk in Hamburg-Moorburg stilllegen. Der Düsseldorfer Versorger Uniper will in mehreren Schritten bis 2025 aus der Kohleverstromung in Deutschland aussteigen - mit Ausnahme des erst vor wenigen Monaten in Betrieb gegangenen Kraftwerks Datteln 4.

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Ausbau des AKW Dukovany verkompliziert sich

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Prag, 26. Nov. 2020

Der Ausbau des südmährischen AKWs Dukovany verkompliziert sich wieder. Der zu 70 Prozent staatliche Tschechische Energiekonzern CEZ soll laut Plan die Ausschreibung für den Bau eines fünften Blocks bis Ende des Jahres starten, allerdings zieht Ministerpräsident Andrej Babis plötzlich die Bremse. Die Ausschreibung sei "noch nicht vorbereitet" und "die Regierung sollte über "eine so wichtige Sache nicht zehn Monate vor den Parlamentswahlen entscheiden", sagte Babis.

Der tschechische Premier verwies laut Medienberichten am Donnerstag darauf, dass immer noch die entsprechenden Verhandlungen mit der EU-Kommission liefen, die alles genehmigen müsse. Dies werde 1,5 Jahre dauern, so der Ministerpräsident. Am vergangenen Montag hätte sich der sogenannte Sicherheitsrat mit dem Thema befassen sollen. Die Tagung wurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Laut Medien könnten die Verzögerungen auf Streitigkeiten zurückzuführen sein, ob die Bewerber aus Russland und China zu der Ausschreibung zugelassen werden sollten. Die tschechischen Geheimdienste sowie die liberal-konservative Opposition warnen aus Sicherheitsgründen davor. Demgegenüber wollen CEZ, Industrieministerium sowie Staatspräsident Milos Zeman keine Bewerber im Voraus von der Ausschreibung ausschließen, hieß es.

An dem lukrativen Auftrag, dessen Wert vorläufig auf 162 Mrd. Kronen (6,19 Mrd. Euro) geschätzt wird, sind auch Firmen aus den USA, Frankreich und Südkorea interessiert. Die Entscheidung über den Lieferanten der Technologie ist im bisherigen Plan für 2022, der Baubeginn für 2029 und die Inbetriebnahme des neuen Blocks für 2036 vorgesehen.

Die Finanzierung des Ausbaus von Dukovany will der Staat zu 70 Prozent übernehmen. Die restlichen 30 Prozent und etwaige Zusatzkosten soll die CEZ tragen.

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SSE und Equinor bauen Offshore-Anlage auf der Doggerbank

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Oslo/Stavanger, 26. Nov. 2020

In der Nordsee zwischen Großbritannien und Dänemark soll die weltweit größte Offshore-Windparkanlage mit einer Kapazität von 2,4 Gigawatt (GW) entstehen. In das sogenannte Doggerbank-Projekt wollen der britische Versorger SSE und der norwegische Öl- und Gaskonzern Equinor 6,7 Mrd. Euro investieren, wie SSE am Donnerstag mitteilte. 1,2 GW sollen 2023 ans Netz gehen, die weiteren 1,2 GW ein Jahr später.

Durch das Projekt würde eine umweltfreundliche Erholung vorangetrieben, Arbeitsplätze geschaffen und die lokale Wirtschaft angekurbelt. Zusammengenommen seien die ersten beiden Bauphasen die bisher größte Offshore-Windprojektfinanzierung weltweit. Daran beteiligt sei eine Gruppe von 29 Banken und drei Exportkreditagenturen.

Die Doggerbank ist zwischen 300 und 350 Kilometer lang und teilweise als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Diverse Öl- und Energiekonzerne wie BP oder Royal Dutch Shell setzen zunehmend auf saubere Energien. So kündigte etwa Total zuletzt ebenfalls den Bau von Windparkanlagen auf hoher See an.

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Russland will Wasserstoff nach Deutschland liefern

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Moskau/Berlin, 26. Nov. 2020

Russland will zu einem Hauptlieferanten für klimaschonenden Wasserstoff nach Deutschland werden. "Wir sind in engem Kontakt mit deutschen Unternehmen, um bei Wasserstoff auf allen Ebenen zusammenzuarbeiten", sagte Russlands stellvertretender Energieminister Pawel Sorokin beim Branchenforum der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau. "Bei der Herstellung, beim Transport und beim Verbrauch von Wasserstoff."

Deutsche und russische Firmen wollen sich laut AHK für gemeinsame Pilotprojekte zu nachhaltiger Energie stark machen. "Russland ist bereits einer der größten Erdgasexporteure, hat daher die Infrastruktur, um ein Akteur auf dem Gebiet der Wasserstoffenergie zu sein", sagte Markus Schöffel vom Industriekonzern Thyssenkrupp. Die Möglichkeiten, in Russland erneuerbare Energien zu erzeugen, seien ebenfalls "gigantisch". Armin Schnettler von Siemens erklärte, man sei "bereits in Gesprächen über Großprojekte".

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IATA will Subventionen für nachhaltigen Treibstoff

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Genf, 26. Nov. 2020

Der Dachverband der Fluggesellschaften (IATA) fordert von Staaten weltweit Investitionen in nachhaltige Flugkraftstoffe. Das sei ein entscheidender Schritt, um die Ziele der Flugbranche zur Verringerung klimaschädlicher Treibstoffgase bis 2050 zu erreichen, teilte der Verband am Mittwoch in Genf mit.

Alternative Brennstoffe, die etwa aus Speiseöl und Biokraftstoffen hergestellt würden, kosteten derzeit zwei bis vier mal so viel wie fossile Brennstoffe wie Kerosin. Mit staatlichen Anreizen könne die Produktion von rund 100 Millionen Liter auf bis zu 7 Milliarden Liter im Jahr gesteigert werden - eine Menge, ab der die Treibstoffe im Preis wettbewerbsfähig würden.

"Wir wissen schon lange, dass eine Energiewende zu nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF) der Gamechanger ist. Aber Energiewenden brauchen Regierungsunterstützung", teilte IATA-Chef Alexandre de Juniac mit. Mit Investitionen und Anreizen für Hersteller könnten Staaten zugleich Arbeitsplätze schaffen und den Klimawandel bekämpfen.

Dem Verband gehören nach IATA-Angaben 290 Fluggesellschaften an, die zusammen 82 Prozent des Luftverkehrs abdecken.

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"KlimaKonkret" will überhitzte Regionen klima-fit machen

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Wien, 25. Nov. 2020

30.000 Faltpläne werden in den kommenden Tagen in Österreichs Städten und Gemeinden landen - und hoffentlich entfaltet werden, geht es nach dem Absender: der Initiative "KlimaKonkret", die mit Support von Andre Heller realisiert wurde. Trotz Coronakrise und Lockdown, die gerade alle "Gedanken und Zustände" versiegeln würden, wolle man das Projekt jetzt vorstellen, sagte Heller. Konkret geht es um regionale Klimaanpassung, die aufgrund zunehmender Hitze dringen notwendig sei.

"Es gibt Milliarden Menschen in der Zukunft, die darauf angewiesen sind, das wir jetzt kluge Taten setzen", sagte Heller . "KlimaKonkret" soll Gemeinden, Städten und Kommunen Unterstützung bieten, ihre Probleme mit dem Klimawandel in den Griff zu bekommen. Anlaufstelle ist dabei entweder das Climate Change Centre Austria (CCCA) bzw. der Klima- und Energiefonds. "Es ist deutlich geworden: Die Klimakrise macht den Menschen zu schaffen, Siedlungskerne müssen daher umgerüstet werden, denn auch in den kleinen Städten - und nicht nur in den Megacitys spürt man das. Es ist eine schreckliche Entwicklung", beschrieb Theresia Vogel, die Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, die Herausforderung.

Bei einer virtuellen Pressekonferenz am Mittwoch präsentierten Sabine Naderer-Jelinek (SPÖ), seit dem Vorjahr die neue Bürgermeisterin von Leonding in Oberösterreich, und Peter Eisenschenk (ÖVP), Bürgermeister der niederösterreichischen Bezirkshauptstadt Tulln, ihre Projekte, wie auf den zunehmenden Handlungsbedarf reagiert werden kann - und muss. "Wir haben in den vergangenen Jahre drei Aktionsfelder etabliert", erläuterte Eisenschenk. "Ein zentrales Ziel ist es, Hitzeinseln durch noch mehr Stadtgrün zu reduzieren". Konkret geht es um die problematische Zone Donaulände in Tulln, die in einen klimafitten Platz umgewandelt werden soll: "Es muss noch vieles geklärt werden, aber am 9. Dezember soll das im Gemeinderat beschlossen werden". Zudem will man bis 2025 CO2-neutral sein, die ganze Gemeinde dann 2040 - und in Sachen Mobilität will man eine Stadt "der kurzen Wege" werden.

Die Faltpläne sollen nun für alle Gemeinden Österreichs die Initialzündung für ähnliche Maßnahmen werden, erläutert Heller, "dieser Plan enthält die Informationen, was man bei Bauvorhaben tun kann und wohin sich die 2.100 Gemeinden hinbewegen können". Dabei solle man nicht davon ausgehen, dass die Gemeinden bisher passiv geblieben werden, betonte Naderer-Jelinek: "Ich kenne viele Bürgermeister und Bürgermeisterinnen die gern tätig werden würden" - daher sei die Initiative so wichtig, weil es mit ihr nun eine konkrete Ansprechstelle gebe, bei der angefangen von Möglichkeiten bezüglich Förderungen bis hin zur konkreten Umsetzung von Projekten alle Informationen bereit stehen.

In "ihrer" Stadt Leonding zeige der Klimawandel seine Wirkung auf Deutlichste, führte Naderer-Jelinek aus: Zwar konnte man trotz Wachstums eine Stadt mit zwei Drittel Grünflächen bleiben, nicht zuletzt wegen dem Kürnbergwald: "Der war bis vor ein paar Jahren ein funktionierendes Ökosystem, dann begann der Kahlschlag - Borkenkäfer, Trockenheit und Hitze erledigen den Rest. Was überbleibt ist Beton, der dazu führe, dass der Stadtplatz im Sommer aufgrund der Hitze nicht mehr nutzbar sei, bei Kindereinrichtungen musste man mit Beschattungssystemen reagieren, viele Gärten wären im Sommer für die Kinder nicht mehr nutzbar. Um dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen, erstellte die Stadt einen Naderer-Jelinek ein 100 Punkteprogramm für den Klimaschutz.

"Wir stehen vor dem gemeinsamen Problem, die schnell verlaufenden Entwicklungen lösen zu müssen", sagte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, die auch als Vertreterin des CCCA an der Pressekonferenz teilnahm. "Die Gemeinden müssen rascher agieren - und sie können das", lautete ihre Antwort, auf die Frage, welche Ergebnisse sie sich von "KlimaKonkret" erwarten würde. Ihr falle auf, dass der Fokus sehr auf der Einsparung von CO2 liegen würde, "aber selbst wenn wir Paris einhalten, bedeutet das ein halbes Grad mehr - und noch mehr für Österreich - und das ist der Temperaturunterschied zwischen Hungersnot und eine florierenden Landwirtschaft", erinnerte sie an die Folgen der Kleinen Eiszeit Anfang des 15. Jahrhunderts. Daher müsse auf jeden Fall eine Anpassung an den Klimawandel stattfinden, denn Höchstwerte von über 40 Grad Celsius seien noch nicht das Ende.

(S E R V I C E - www.klimakonkret.at, info@klimakonkret.at oder: +43 664 8565148 (Dienstag bis Donners tag, 9 bis 16 Uhr))

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EU-Klimaziele: Von der Leyen fordert Rückhalt der EU-Staaten

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EU-weit/Brüssel, 25. Nov. 2020

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat die EU-Staaten aufgefordert, sich geschlossen hinter ein drastisch verschärftes Klimaziel für 2030 zu stellen. Mit der anvisierten Senkung der Treibhausgase um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 sei die EU auf dem richtigen Weg, sagte von der Leyen am Mittwoch im Europaparlament.

Bisher gilt eine Zielmarke von 40 Prozent. Die Verschärfung soll der EU helfen, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten und bis 2050 "klimaneutral" zu werden, also keine zusätzlichen Treibhausgase mehr auszustoßen. Österreich trägt dies mit, einige EU-Staaten haben jedoch Bedenken. Die Entscheidung soll möglichst beim EU-Gipfel am 10. und 11. Dezember fallen. Ein hoher EU-Vertreter hatte jedoch zuletzt gesagt, es nicht klar, ob bis dahin alle Vorbehalte auszuräumen seien.

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Andritz AG liefert Entschwefelungsanlage nach Indien

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Graz, 25. Nov. 2020

Der Grazer Anlagenbauer Andritz AG hat einen Millionen-Auftrag in Indien an Land gezogen: Die Steirer liefern für das thermische Kraftwerk Mundra eine auf Seewasser basierende Rauchgasentschwefelungsanlage (REA). Über den genauen Auftragswert wurde Stillschweigen vereinbart, doch vergleichbare Aufträge bewegen sich zwischen 20 und 25 Mio. Euro. Die Fertigstellung ist im 3. Quartal 2023 geplant, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Andritz.

Auftraggeber ist die Tata Projects Limited. Das Kraftwerk mit einer Leistung von fünfmal 830 MW wird von Coastal Gujarat Power Limited, einer Tochtergesellschaft von Tata Power, betrieben. Der Lieferumfang umfasse das "komplette Basis- und Detailengineering für die Absorbereinbauten sowie weitere wesentliche Lieferungen", hieß es in der Aussendung. Die REA-Technologie verwendet das Kühlwasser des Kraftwerks - es handelt sich um eine offene Durchlaufkühlung mit Seewasser - zur Abscheidung von allen sauren Bestandteilen. Abscheidungsgrade von bis zu 95 Prozent seien möglich. "Durch die integrierte Oxidation des Seewassers wird es vollständig aufbereitet wieder in den offenen Kühlwasserkreislauf zurückgeführt", hieß es vonseiten des Unternehmens.

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Kreise - OPEC+ neigt weiter zu Verlängerung der Ölförderbremse

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Moskau/London, 25. Nov. 2020

Die großen Erdöl-Exporteure neigen Insidern zufolge weiter zu einer Verlängerung der aktuellen Förderbeschränkungen. Daran ändere auch der jüngste Preisanstieg nichts, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Mittwoch. "Es sieht so aus, dass eine Verlängerung notwendig ist", sagte eine von ihnen. Grund seien mögliche Preisrückschläge und Nachfrage-Rückgänge infolge der aktuellen Coronavirus-Beschränkungen.

Ursprünglich wollte die Ländergruppe OPEC+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, die Fördermengen ab Jänner um zwei Millionen Barrel pro Tag erhöhen.

Dank Erfolgen bei der Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs haben sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee und die US-Sorte WTI in den vergangenen Wochen um jeweils knapp 30 Prozent verteuert. Mit 48,75 Dollar (41,09 Euro) beziehungsweise 45,72 Dollar je Barrel waren die beiden Terminkontrakte so teuer wie zuletzt vor neun Monaten. Analysten erwarten daher, dass einige Mitglieder des Kartells gegen eine Verlängerung der Förderbeschränkungen aufbegehren könnten.

Für 30. November ist ein OPEC-Ölministertreffen geplant, für den Folgetag (1. Dezember) ein OPEC+-Treffen.

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SNAM plant Investitionen von 7,4 Mrd. Euro

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Mailand, 25. Nov. 2020

Der italienische Gasnetzbetreiber SNAM, der 2016 mit der deutschen Allianz Capital Partners einen 49-Prozent-Anteil an der OMV-Pipelinetochter Gas Connect Austria (GCA) übernommen hat, hat am Mittwoch seinen Entwicklungsplan bis 2024 vorgestellt. Dieser sieht Investitionen in der Größenordnung von 7,4 Mrd. Euro vor, eine Milliarde mehr als im letzten Entwicklungsplan.

6,7 Mrd. Euro dienen der Modernisierung der Infrastrukturen, der Digitalisierung und dem Übergang zu Wasserstoff, teilte SNAM-Chef Marco Alvera in einer Presseaussendung mit. Für die Digitalisierung sind Investitionen in Höhe von 500 Mio. Euro vorgesehen. Damit will SNAM zur weltweit fortgeschrittensten Gasversorgungsgesellschaft der Welt avancieren. Auch Satelliten und Drohnen sollen zur Kontrolle der Gasnetze eingesetzt werden.

Der börsennotierte SNAM-Konzern rechnet im kommenden Jahr mit einem Wachstum des Nettogewinns von 3 Prozent. Bis 2022 soll die Dividende pro Aktie um 5 Prozent wachsen.

SNAM hatte zusammen mit der Allianz Capital Partners das 49-prozentige GCA-Paket um 601 Mio. Euro erworben. Die Gas Connect Austria betreibt ein mehr als 900 Kilometer langes Erdgas-Hochdruckleitungsnetz in Österreich. SNAM ist in Österreich mit 84,47 Prozent Mehrheitseigentümer der Trans Austria Gasleitung GmbH (TAG), 15,53 Prozent gehören der Gas Connect Austria. Die TAG ist eine der wichtigsten Transportleitungen für die Erdgasversorgung Österreichs, Italiens, Sloweniens und Kroatiens.

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Bestnote von Global 2000 und WWF nur für fünf Stromanbieter

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Wien, 25. Nov. 2020

Nur fünf von insgesamt 148 Stromanbietern am heimischen Strommarkt haben von den Umweltschutzorganisationen Global 2000 und WWF die Bestnote "Treiber der Stromzukunft" erhalten, und lediglich elf schafften es in die zweitbeste Kategorie "Solide Grünstromanbieter". Bei den restlichen Anbietern sehen die Umweltorganisationen noch einen "massiven Verbesserungsbedarf", wie sie am Mittwoch erklärten.

Zwar bestehe derzeit die Wahl zwischen 131 deklarierten "Grünstromanbietern", doch seien Eigentümerstruktur und Geschäftsgebaren für Laien oft schwer zu durchschauen. Bewertet haben Global 2000 und WWF beim "Stromanbieter-Check 2020" neben den gesetzlichen Stromkennzeichnungs-Mindestregeln auch die Unternehmensstrategie, den Ausbau von Erneuerbaren, die Naturverträglichkeit der Kraftwerke sowie Energiespar-Anstrengungen.

Dieser Check erhöhe die Transparenz deutlich, ob nicht etwa doch versteckt Kohle- oder Atomanlagen mitfinanziert würden, so Global-2000-Energiesprecher Reinhard Uhrig und WWF-Energiesprecher Karl Schellmann. Um in Österreich bis 2030 den Strombedarf, bilanziell übers Jahr gesehen, zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken, sei ein klarer Rahmen zur Naturverträglichkeit und eine unmissverständliche Stromherkunftsdeklaration nötig. Global 2000 und WWF raten, zu einem engagierten Anbieter zu wechseln, um ein Zeichen für die Nachfrage nach naturverträglichem und erneuerbaren Strom zu setzen.

Die am besten benoteten "Treiber der Stromzukunft" stellen aktuell freilich lediglich 0,4 Prozent des Strommarktes, die zweitbeste Kategorie "Solide Grünstromanbieter" auch nur 2,2 Prozent. Von den weiteren 23 der 39 aktiv von sich aus teilnehmenden Stromanbietern - die auch die gestellten Fragen beantwortet haben - wurden zwölf als "Stromanbieter im Wandel" klassifiziert, die 22 Prozent des Strommarktes stellen.

Sieben Akteure erhielten die Einstufung "Stromanbieter mit großen Herausforderungen und wenig Transparenz" und vier das Etikett "Nachzügler und Intransparente". Die 39 aktiv am Check beteiligten Anbieter decken 57 Prozent des österreichischen Endverbrauchs an Strom ab. Die übrigen, "intransparenten" Unternehmen habe man nur mit einigen öffentlich verfügbaren Daten bewerten können, hieß es am Mittwoch.

Zum Sieger des Rankings wurden die "Stadtwerke Murau" gekürt, gefolgt von AAE, KWG, W.E.B. und Alpenenergie, die ebenfalls die Bestnote "Treiber der Stromzukunft" erhielten - eine Gruppe, die die Energiewende aktiv und in großen Schritten vorantreibe. In die zweitbeste Gruppe "Solide Grünstromanbieter", die laut Check noch in einzelnen Aspekten Verbesserungs- bzw. Nachholbedarf habe, kamen eFriends, E-Werk Redlmühle, Karlstrom, Polsterer Kerres Ruttin, die oekostrom AG, Energie Burgenland, EVG Mitheis, E-Werk Schattwald, Stadtwerke Wörgl, Kraftwerk Haim und MeinAlpenStrom. Der "Stromanbieter-Check 2020" ist der bereits dritte von Global 2000 und WWF, den ersten gab es 2017.