Filtern nach
Ihr Suche ergab leider kein Ergebnis! Bitte versuchen Sie es mit einem anderen Begriff.
0
0
162232560007
701622325600

Partner RWE, Vorbild Tesla

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Mit eigenen Wind- und Solarkraftwerken will VW den nötigen Grünstrom für Millionen von Elektroautos produzieren.

Der Weg hin zur Elektromobilität sorgt für die nächste Veränderung bei Volkswagen: Der Wolfsburger Konzern nimmt eigenes Geld in die Hand, um damit den Bau von Solar- und Windparks zu fördern. "Als erster Automobilhersteller fördert Volkswagen im industriellen Maßstab Investitionen in die Erzeugung erneuerbarer Energien", kündigte am Donnerstag Ralf Brandstätter an, Vorstandsvorsitzender der Pkw-Marke Volkswagen.

Volkswagen will bis zum Jahr 2025 insgesamt 40 Millionen Euro in den Bau neuer Solar- und Windparks in Europa investieren. Der Autokonzern wird dabei in aller Regel mit Energiekonzernen kooperieren, den Betreibern solcher Solar- und Windkraftwerke.

Was die VW-Elektroautos künftig an Strom verbrauchen und "was nicht bereits durch Kunden grün geladen wird, soll durch Förderung des Ausbaus von europäischen Wind- und Solarkraftwerken aufgefüllt werden", sagte VW-Markenchef Brandstätter.

Der Autohersteller wolle damit einen Beitrag leisten, den zusätzlichen Bedarf an erneuerbarer Energie zu decken, der durch Millionen neuer Elektroautos entstehen wird. In der Zeit von 2021 bis 2025 sollen alle von Volkswagen geförderten Energieprojekte pro Jahr insgesamt etwa sieben Terawattstunden an grünem, umweltfreundlichem Strom erzeugen. Das würde ungefähr der Kapazität von gut 300 neuen Windrädern entsprechen.

Damit kann der jährliche Strombedarf von mehr als 600.000 Haushalten gedeckt werden. Oder anders gerechnet: Gut zwei Millionen E-Autos aus der Mittelklasse können mit dieser Strommenge ein ganzes Jahr lang einmal in der Woche voll geladen werden.

Kooperation mit Energiekonzern

Brandstätter kündigte zudem an, dass sein Unternehmen beim Bau der neuen Solar- und Windparks regional agieren wolle. "Wir konzentrieren uns darauf, die Ressourcen dort in Europa aufzubauen, wo sie auch verbraucht werden", betonte er. Volkswagen werde vor allem dort Projekte fördern, wo VW auch viele Elektroautos verkaufe.

Die Verträge für die ersten Förderprojekte sind nach Angaben von Volkswagen bereits abgeschlossen. Kooperationspartner in Deutschland ist der Essener Energiekonzern RWE. Volkswagen unterstützt den Aufbau einer Solaranlage mit einer Gesamtkapazität von 170 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.
Das Kraftwerk entsteht bis Ende dieses Jahres im mecklenburgischen Tramm-Göthen und wird vollständig ohne staatliche Subventionen gebaut. Mit knapp 420.000 Solarmodulen ist die südöstlich von Schwerin gelegene Anlage das größte unabhängige Solarprojekt in Deutschland. Der dort künftig produzierte Strom würde für 50.000 Haushalte reichen.

Die Förderung von Solar- und Windkraftwerken ist Teil der Konzernstrategie von Volkswagen, mit der sich der Autohersteller bis zum Jahr 2050 zum komplett klimaneutralen Unternehmen wandeln und überhaupt kein Kohlendioxid mehr in die Atmosphäre abgeben will. Als Zwischenziel will allein die Marke VW die CO2 - Emissionen ihrer Fahrzeuge bis zum Jahr 2030 in Europa um durchschnittlich 40 Prozent senken (Basisjahr: 2018). Jeder verkaufte VW soll etwa 17 Tonnen Kohlendioxid weniger emittieren.

"Volkswagen steht für nachhaltige E-Mobilität für alle. Wir stellen die Umwelt konsequent in den Mittelpunkt unseres Handelns", ergänzte der VW-Markenchef. Der Verkaufsstart der ersten Elektromodelle sei nur ein Anfang gewesen. Volkswagen verstehe Dekarbonisierung, also den Weg zur CO2 - Neutralität, als eine ganzheitliche Aufgabe: von der Herstellung des Autos über dessen Nutzung bis hin zum Recycling.

Inzwischen beziehen alle europäischen Fahrzeugwerke der Marke Volkswagen ihren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Vorreiter war die E-Auto-Fabrik im sächsischen Zwickau, in der die elektrische ID-Familie vom Band läuft. Von 2030 an sollen weltweit alle Werke außerhalb Chinas regenerativ erzeugten Strom beziehen und damit ihre Produktion betreiben.

Auch die Zusammenarbeit mit den Zulieferern soll immer stärker dem Ziel der Klimaneutralität untergeordnet werden. Deshalb will Volkswagen künftig in der Lieferkette starke CO2 - Treiber identifizieren und reduzieren. Als Vorbild dient die Batteriezellfertigung der ersten ID-Modelle, die schon heute vollständig mit Grünstrom abläuft und die die CO2 - Bilanz wesentlich verbessert hat.

Potenzial im Batterierecycling

Über das Batterierecycling, mit dem in Zukunft mehr als 90 Prozent der Rohstoffe wiederverwertet werden könnten, sollen weitere CO2 - Einsparungen erreicht werden. Das Ziel ist ein geschlossener Kreislauf für die Batterie und ihre Rohstoffe. In Salzgitter betreibt Volkswagen bereits eine erste Recyclinganlage.

Im Zentrum der VW-Strategie steht der beschleunigte Hochlauf der E-Offensive bei den Autos. Ziel ist die vollständige Elektrifizierung der Neuwagenflotte. Bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent des Volkswagen-Absatzes in Europa reine E-Autos sein. Das wären jährlich mehr als eine Million Fahrzeuge. In Nordamerika und China soll der E-Auto-Anteil mindestens 50 Prozent betragen. Dazu bringt Volkswagen mindestens ein neues E-Auto pro Jahr auf den Markt.

Unter Markt- und Branchenbeobachtern findet Volkswagen mit seinem Kurs immer mehr Anhänger. "Spätestens 2025 wird VW der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen sein", glaubt Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS. Mit seinem Modellfeuerwerk bei Elektromodellen habe der Wolfsburger Konzern gute Aussichten, den US-Konkurrenten Tesla dauerhaft zu überrunden.

Auch Tesla erzeugt den Ökostrom für die eigenen Ladesäulen ("Supercharger") und seine Fabriken zumindest zum Teil in eigenen Kraftwerken und bietet darüber hinaus auch Solardächer und Stromspeicher für Privatkunden an.

 

von Stefan Menzel
 

 

Handelsblatt, 30.04.2021, S. 051
1
0
162232560007
701622325600

Watt ihr Volt -ab 330 Kwh

Weiter zum Artikel
Wien/Haag, 30. May. 2021

Serienreife Lösung für Wasserstoffspeicher ist da.

Stromspeicher für den Massenmarkt zur Verfügung zu stellen, ist ein entscheidender Faktor, um die Energiewende hin zu 100% Ökostrom zu schaffen.

Nun brachte Cleen Energy die erste serienfähige Lösung für Wasserstoffspeicher in Österreich auf den Markt: Cleen zeero - ein Wasserstoffspeicher für Gewerbe, Industrie und Private ab 330 kWh, bei welchem überschüssiger, nachhaltig produzierter Strom mittels Elektrolyse zur Wasserstofferzeugung genutzt wird. Bei Bedarf wird der gespeicherte Wasserstoff anschließend mittels Brennstoffzellen zur Stromgewinnung eingesetzt. Gleichzeitig macht der Cleen zeero die bei der Elektrolyse und Verbrennung erzeugte Prozesswärme als Wärme zur Heizung nutzbar.

 

 

Medianet, 30.04.2021, S. 74
2
0
162232560007
701622325600

Die Klimapolitik und das Prinzip Hoffnung

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Neue Energie. Den ehrgeizigen politischen Klimazielen fehlen oft realistische Detailpläne für die konkrete Umsetzung. Eine Vollgasfahrt in die Nebelwand.

Die Dekarbonisierung des täglichen Lebens wird uns viel Geld kosten, so viel steht fest: höhere Steuern, höhere Energiepreise, höhere Abgaben. Wer immer jetzt noch mit dem "No new taxes"-Schmäh vor die Wählerschaft tritt, lügt also bewusst.

Und sie wird uns, sagen Experten, auch zu Verhaltensänderungen zwingen: Zu den größten Verursachern des menschengemachten Treibhausgasausstoßes zählen ja noch immer der Verkehr (Reisen) und die Landwirtschaft (Viehzucht, Kunstdünger).

Das wird aber zumindest in liberalen Demokratien nicht so glatt funktionieren, wie man sich das in den Elfenbeintürmen einer neuen Öko-Flagellanten-Religion vorstellt. Spätestens ab dann nicht, wenn sich herausstellt, dass eine 20-prozentige CO2-Reduktion durch Verzicht auf Fleisch, Urlaubsreisen und warme Stuben im Winter in Europa - woanders denkt man ja nicht im Traum daran - global gesehen gerade einmal den Zuwachs des Treibhausgasausstoßes Asiens in ein bis zwei Jahren kompensiert.

Das sieht nach einer lausigen Kosten-Nutzen-Relation aus. Der absolute Schwerpunkt beim Umstieg wird also in Technik und Innovation liegen. In der Forcierung von erneuerbaren Energieträgern etwa und in der kommerziellen Nutzbarmachung von Speichertechnologien wie Power to Gas oder Großbatteriespeichern, um diese Öko-Energie auch dann zur Verfügung zu haben, wenn man sie braucht.

Das erfordert aber ein hohes Maß an realistischer, vorausschauender Planung. Und genau das scheint bei den ehrgeizigen politischen Zielen ein wenig unterzugehen: Man dekretiert beispielsweise 100 Prozent Ökostrom bis 2030 und Klimaneutralität durch weitgehenden Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2050, kümmert sich aber wenig darum, wie das im Detail aussehen soll.

Beginnen wir mit "bilanziell" 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen, erreichbar durch einen enormen Ausbau der Fotovoltaik- und Windkapazitäten. Und sagen wir dazu, was "bilanziell" heißt.
Ein Beispiel, das nicht auf einer Studie mit Dutzenden freundlichen Annahmen, sondern auf in der Praxis gemessenen echten Werten beruht: Typische Einfamilienhaus-PV-Anlage mit fünf KWp und Hausbatterie zwecks Optimierung des Eigenverbrauchs. Produktion 2020: 5130 Kilowattstunden. Verbrauch: 3906 Kilowattstunden. Macht bilanziell einen Haushalt-Eigenversorgungsgrad mit Ökostrom von rund 131 Prozent.
Großartig, nicht? Der Haken ist nur, dass trotzdem ein Drittel des benötigten Stroms - ohne teuren Speicher wären es zwei Drittel - aus dem Netz zugekauft werden muss, weil die Sonne verlässlich dann nicht scheint, wenn der Strombedarf am größten ist.

Im großen Maßstab nennt sich das "Winterstromlücke". Und die führt dazu, dass Österreich, wiewohl in der Stromversorgung "bilanziell" beinahe autark, von November bis März bis zu einem Drittel seines Strombedarfs importieren muss. In sehr hohem Maß Atom- und Kohlestrom aus Tschechien, übrigens.

Diese Stromlücke wird in den nächsten Jahren stark steigen, weil Dekarbonisierung weitgehende Elektrifizierung der Bereiche Verkehr und Raumwärme bedeutet und das zusammen mit dem erhöhten Industriebedarf den Stromverbrauch bis 2050 um 60 bis 100 Prozent hochtreiben wird. Allein der Ersatz von fossilen Heizungen durch Wärmepumpen kann den Strombedarf eines Haushalts schnell fast verdoppeln.
Wie schließen wir diese Lücke emissionsfrei? Mit dem sehr starken Ausbau von Fotovoltaik und Windkraft? Das vergrößert ebenso stark die Winterstromlücke und destabilisiert zudem das Stromnetz. Um das in den Griff zu bekommen, müsste man entweder hohe konventionelle Kraftwerkskapazitäten vorhalten oder die aktuelle Stromspeicherkapazität zumindest verdreifachen. Bei Pumpspeichern geht aber gar nichts mehr. Bleiben Power to X und Großbatteriespeicher. Ersteres wäre theoretisch, Zweiteres praktisch schon großtechnisch möglich - aber weit von jeglicher Wirtschaftlichkeit entfernt.

Wird es das bis 2030 sein? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Beruhigender wäre es, einigermaßen gesichert zu wissen, worauf man sich einlässt. Vorsichtige werden wohl überlegen, ihre PV-Anlage als Insellösung zu konzipieren, um die absehbaren Blackouts besser zu überstehen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Ausstieg aus Erdgas, der bis 2040 abgeschlossen sein soll. Derzeit heizen eine Million Österreicher mit Gas. Fragt man, auf welche Heizungsart sie umsteigen sollen, heißt es: Fernwärme, Biomasse (die auf kurze Sicht übrigens keineswegs klimaneutral ist) und Wärmepumpen. Gute Idee im Neubau und im Einfamilienhausbereich, man muss es sich nur leisten können.

Aber: Der Großteil der Gasheizungen befindet sich in Form von Etagenheizungen in Stadtwohnungen. Was machen man da? Das Kabinett zum Pelletslagerraum umfunktionieren? Laute Wärmepumpe vor jedem Wohnungsfenster? Daunenjacke und Schal?

Es gibt für alles Lösungen. Aber die sollten schon bei der Festlegung konkret benannt werden. Samt Plan für die Realisierung. Sonst regiert nämlich das Prinzip Hoffnung. Das entspricht der Vollgasfahrt in eine Nebelwand und ist - vor allem bei den riesigen Kosten, die uns die notwendige Energiewende so oder so verursachen wird - ein bisschen fahrlässig. Und nicht rational.

Aber Rationalität scheint der europäischen Politik ja schon länger abhanden gekommen zu sein: So gut wie alle EU-Länder haben den Ausstieg aus dem Erdgas innerhalb der nächsten 20 Jahre beschlossen. Und trotzdem bauen einige unverdrossen an einer milliardenteuren Gaspipeline durch die Ostsee weiter - um noch mehr russisches Gas importieren zu können.

 

 

Die Presse, 30.04.2021, S. 15
3
0
162232560007
701622325600

CO₂-Steuern allein reichen nicht

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Österreich will bis 2040 klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es rasch eine ökosoziale Steuerreform. Und es muss auch eine effektivere Bepreisung der Emissionen von Flug- und Schiffsverkehr geben.

Steuerautomatismus“ ist das neue politische Reizwort, spätestens seit im Vorfeld der letztwöchigen ORF-Pressestunde mit Umweltministerin Leonore Gewessler erste Pläne für ein Klimaschutzgesetz an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dabei lohnt es sich, einen gesamthaften Blick auf die Ausgestaltungsmöglichkeiten einer ökosozialen Steuerreform mit einer CO₂-Bepreisung als Kernstück zu machen.

Schließlich hat die EU ihr Klimaziel auf 55 Prozent Emissionsreduktion bis 2030 erhöht. Österreich will die Klimaneutralität bis 2040 erreichen. Das Vorhaben zur Umsetzung einer ökosozialen Steuerreform bekräftigte die Bundesregierung zudem jüngst bei der Vorstellung ihres Comeback-Plans sowie der Projekte, die bei der Europäischen Kommission zur Finanzierung aus dem europäischen Aufbaufonds eingereicht werden.

Leistung und Wirkung

Die Bepreisung negativer externer Effekte ist seit langem eine der zentralen Säulen der Umweltökonomie. Dabei ist die „optimale“ Bepreisung im Kontext des Klimawandels mit Unsicherheiten konfrontiert, die mit der Komplexität des Klimasystems zusammenhängen. Auch wegen der Bedeutung der Wechselwirkungen zwischen Energiebedarf und den zugrundeliegenden Kapitalstöcken – zum Beispiel Gebäude, Verkehrsinfrastruktur – des zeitlichen Auseinanderklaffens der Steuerleistung und der Wirkungen im Klimasystem oder von Marktbarrieren braucht es eine Erweiterung der Perspektive auf CO₂-Steuern.

Um den Übergang zur Klimaneutralität spürbar unterstützen zu können, müssen CO₂-Steuern in einen breiteren Instrumentenmix eingebettet werden, der preisbasierte Instrumente, Subventionen, Regulierungen sowie öffentliche und private Investitionen integriert. Als alleinige Maßnahme sind CO₂-Steuern unzureichend, darauf deuten mehrere aktuelle Studien hin. Um etwa die Emissionen im Verkehr deutlich zu senken, braucht es neben einer CO₂-Steuer auch Investitionen in eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur, Förderungen für E-Mobilität und eine entsprechende Raumordnung.

Eine zunehmende Anzahl von Evaluierungen von tatsächlich eingeführten CO₂-Steuern – sowohl Länderstudien als auch länderübergreifende Analysen – zeigt, dass diese die CO₂-Emissionen bis zu einem bestimmten Ausmaß effektiv reduzieren oder zumindest ihr Wachstum dämpfen können, ohne Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu beeinträchtigen. Die ermittelten Schätzungen der emissionsmindernden Effekte liegen in einem recht breiten Bereich und sind oft eher moderat. Die Höhe des CO₂-Steuersatzes ist ein entscheidender Faktor für seine Wirksamkeit: Nur ein hoher Steuersatz ist in der Lage, CO₂-Emissionen effektiv zu reduzieren. Nur zur Verdeutlichung der Größenordnungen: Ein Steuersatz von 50 Euro pro Tonne CO₂-Emissionen würde etwa einen Liter Benzin um zwölf Cent pro Liter und Diesel um 14 Cent pro Liter verteuern, eine Größenordnung, die nicht über die üblichen Schwankungen der Treibstoffpreise hinausgeht.

Ökonomischer Nutzen

Der Schlüssel zur Erreichung einer doppelten Dividende in Form von ökologischer Wirksamkeit und einem ökonomischen Nutzen ist die Verwendung der Einnahmen: Die Rückgabe der Einnahmen über die Senkung von Sozialversicherungsbeiträgen und die Senkung von Steuern auf Arbeitseinkommen sind im Gegensatz zu pauschalen Transfers meist mit einer doppelten Dividende verbunden. Zudem beeinträchtigen CO₂-Steuern die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, wenn überhaupt, nur in geringem Maße. Bisher fehlen jedoch überzeugende empirische Belege dafür, dass eine Bepreisung von CO₂, etwa über CO₂-Steuern, den technologischen Wandel herbeiführen kann, der für eine vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft erforderlich ist.

Es besteht auch ein empirischer Konsens darüber, dass Umweltsteuern differenzierte Verteilungseffekte haben: Generell wirkt die Besteuerung von Kraftstoffen in vielen Ländern progressiv, während Steuern auf Heizstoffe leicht regressiv und Steuern auf Strom deutlich regressiv wirken. Pauschale Transfers sind besser geeignet, die regressiven Effekte für niedrigere Einkommen abzumildern, während höhere Einkommen stärker von einer Reduktion der Abgaben auf Arbeit profitieren.

Schließlich hängt die öffentliche Akzeptanz von CO₂-Steuern von einer Reihe von Faktoren ab und kann durch öffentliche Information, die Vermeidung negativer Verteilungseffekte und die Zweckbindung eines Teils der Einnahmen für „Umweltprojekte“ erhöht werden. „Paketlösungen“, die mehrere klimapolitische Maßnahmen kombinieren, können effektiver sein als Einzelmaßnahmen. Schließlich muss jede konkrete politische Reform sowohl die Systemgrenzen als auch den spezifischen politischen Kontext und die allgemeinen sozioökonomischen Bedingungen und Politikstile im jeweiligen Land berücksichtigen. Darüber hinaus deutet die einschlägige Literatur auf zusätzliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile einer internationalen oder zumindest EU-weiten Koordinierung der Politik hin.

Klimawandel im Fokus

Österreich sollte sich daher vor allem auf der EU-Ebene bei den anstehenden Reformvorhaben, die im Rahmen des Europäischen Green Deals derzeit auf der Agenda stehen, aktiv einbringen: insbesondere in das Fit-for-55-Paket, das für Juni angekündigt ist und unter anderem die Einführung eines CO₂-Grenzausgleichsmechanismus und Reformen im EU-Emissionshandelssystem einschließlich der effektiveren Bepreisung der Emissionen von Flug- und Schiffsverkehr sowie der Energiesteuerrichtlinie enthält.
Die Covid-19-Pandemie hat die politische Energie nun schon seit über einem Jahr gebunden. Mit einer zunehmenden Durchimpfung sollte sich der Fokus möglichst rasch wieder auf den Klimawandel richten. Je früher eine konkrete ökosoziale Steuerreform auf den Tisch kommt, desto besser.

Angela Köppl und Margit Schratzenstaller sind Ökonominnen am Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo).
 

von Angela Köppl und Margit Schratzenstaller

 

 

Der Standard, 30.04.2021, S. 46
4
0
162232560007
701622325600

Generation Wasserstoff

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Das leichte Gas feuert den Erfindergeist an: Flugzeuge, Rennautos, Modellregionen und sogar autarke Häuser entstehen.

Das große Gezeter ist noch lange nicht vorbei - jenes nämlich um den Energieträger und Treibstoff der Zukunft. Da schenken sich Strom in Batterien, alternative, vor allem synthetische Treibstoffe und Wasserstoff nichts, wenn es darum geht, wer uns schadstoffarm oder -frei antreiben und voranbringen wird.
Während der Batteriestrom das Rennen in den Pkws in unseren Breiten für sich entscheiden dürfte, kommt man bei schwierigeren Aufgaben an E-Fuels kaum vorbei - denken wir an die große Schifffahrt, Langstreckenflieger oder schwere Arbeitsmaschinen. Wasserstoff hingegen ist der Allrounder schlechthin. Er treibt schon jetzt Autos, Busse, Lkws und Züge an. Mit ihm will man aber auch ganze Städte umweltfreundlich machen. Und sogar als Treibstoff für Fluggeräte hält er gut her - rund 80 Jahre nach der Katastrophe mit der Hindenburg.

2016 kam das deutsche Unternehmen H2Fly mit dem HY4 heraus, einem viersitzigen Flieger in ungewöhnlicher Optik und mit einem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb.

1500 Kilometer Reichweite

Die beiden Kabinen, in denen jeweils zwei Personen sitzen können, sind auf den Flügeln mit einer Spannweite von über 21 Metern montiert, der Antrieb befindet sich in der Mitte. Der HY4 wiegt 1500 Kilogramm, ist bis zu 165 km/h schnell und schafft Distanzen bis zu 1500 Kilometer. Inzwischen existiert bereits die sechste Generation des Fliegers, und weitere Fluggeräte hat das Unternehmen in Planung. Flugtaxis etwa, die emissionslos Kunden aus dem Stadtzentrum zum Flughafen bringen sollen. Oder auch eine Propellermaschine für 40 Personen, die mit einer Reisegeschwindigkeit von 520 km/h unterwegs sein soll. Ab 2030 dann.

Mit Brennstoffzellen im Auto haben vor allem die Japaner und Koreaner Erfahrung, und sie haben auch die Fahrzeuge am Markt. Umso ungewöhnlicher ist es, dass nun Toyota, als einer der Pioniere, ankündigt, einen Rennwagen mit Wasserstoff betreiben zu wollen. Allerdings nicht mit einer Brennstoffzelle, sondern mit einem 1,6 Liter großen Dreizylindermotor, der Wasserstoff verbrennt. Eingesetzt wird das Triebwerk erstmals im Mai beim 24-Stunden-Rennen in Fuji, Japan.

Toyota baut zudem gerade an einer Wasserstoff-Modellstadt, der Woven City, in welcher der Wasserstoff den Hauptenergieträger darstellen wird.

Modellregionen schießen übrigens wie Schwammerln aus dem Boden. Im Juni 2019 sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz, er wolle Österreich zur Wasserstoffnation Nummer eins machen. Bis 2025 sollte es laut diesem Plan in Österreich flächendeckend Wasserstofftankstellen geben. Derzeit betreibt die OMV fünf -in Wien, Asten, Innsbruck, Graz und Wiener Neustadt.

Das Ziel der nationalen Wasserstoffstrategie der deutschen Bundesregierung lautet ähnlich. Man will weltweit führender Ausrüster für moderne Wasserstofftechnologie werden. Und Sachsen-Anhalt sieht sich als Vorreiter, wenn es um den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft geht.

Grüner Wasserstoff wird aus regenerativen Quellen gewonnen, also etwa durch Elektrolyse mit Solaroder Windstrom -während die OMV derzeit Wasserstoff noch vorwiegend aus Erdgas gewinnt.
"In der Wasserstoffmodellregion Mitteldeutschland entsteht eine komplette Wertschöpfungskette, die unter Verwendung erneuerbarer Energien grünen Wasserstoff herstellt, ihn speichert und transportiert", heißt es aus Sachsen-Anhalt. In Leuna wird die "mit über 100 Megawatt bislang weltweit größte Elektrolyseanlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff" errichtet. Der erzeugte Wasserstoff soll zur Herstellung von nachhaltigen Grundchemikalien und Kraftstoffen genutzt werden.

Wasserstoff wird in umgerüsteten Erdgasleitungen auch nach Bad Lauchstädt transportiert, wo 3800 Tonnen davon in einem unterirdischen Salzstock gespeichert werden sollen. Eine Menge, die in etwa dem Energieverbrauch von 40.000 Zwei-Personen-Haushalten entspricht.

Wasserstoffspeicher

Ein ähnliches Projekt geht ADX Energy in Zistersdorf im Bezirk Gänserndorf an. Sie werden aus dem Ölfeld dort noch zehn bis 15 Jahre Erdöl und -gas fördern und wollen danach, in der Lagerstätte, bei 50 Bar Druck, 15 Millionen Kubikmeter Wasserstoff speichern. Das entspräche der Energie von 80.000 heimischen Haushalten.

Wem es reicht, seinen eigenen Haushalt mit Energie aus Wasserstoff zu versorgen, der kann sich inzwischen eine Kleinanlage ins Haus oder die Wohnanlage stellen.

Johann ist eine Energiezelle der steirischen Energy Elements GmbH mit einer Speichergröße von fünf bis 1500 kWh. Vorzugsweise aus Photovoltaikstrom wird Wasserstoff erzeugt, gespeichert und bei Bedarf wieder oxidiert. Damit kann man Spitzen abfangen, einen Nachtspeicher betreiben oder Energieautarkie anstreben. Ganz billig ist das aber nicht. Für ein Einfamilienhaus muss man mit PV-Anlage schon mit einer Investition von rund 50.000 Euro rechnen.
 

 

 

Der Standard, 30.04.2021, S. 11
5
0
162232560007
701622325600

Erneuerbare Energie

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Wenn die ÖVP noch lange so weitermacht, könnten die Grünen schon bald zu einem ähnlichen Höhenflug wie in Deutschland ansetzen.

Erstaunliche 32,5 Prozent des Führungspersonals in der deutschen Wirtschaft würden die grüne Annalena Baerbock in einer Direktwahl zur deutschen Kanzlerin küren. Das vermeldete das Magazin "WirtschaftsWoche" auf Basis einer Umfrage. Die 40-Jährige aus Hannover, die erst 2018 die bundespolitische Bühne betreten hat, liegt damit weit vor dem CDU-Frontmann Armin Laschet. Sie hat es gemeinsam mit ihrem Co-Vorsitzenden Robert Habeck offensichtlich geschafft, die Grünen als Partei der Mitte zu positionieren, die nicht mehr vorrangig Öko-Freaks anzieht, sondern in zunehmendem Maße auch für Menschen mit Entscheidungsverantwortung in Unternehmen attraktiv ist.

Schon seit zehn Jahren regiert das grüne Aushängeschild Winfried Kretschmann ausgerechnet das Autoland Baden-Württemberg, wo u. a. Daimler- Benz und Porsche den Ton angeben. Der 72-Jährige schafft den diffizilen Interessenausgleich mit einiger Bravour und ging aus Umfragen immer wieder als Deutschlands beliebtester Politiker hervor, weil er glaubwürdig verkörpert, dass es ihm um einen guten Job geht, nicht um sein Ego.

Der Höhenflug der Grünen bei unseren Nachbarn liegt nicht daran, dass die Deutschen plötzlich keine Autos mehr fahren wollen und sich die halbe Wirtschaft dringend höhere Umweltauflagen wünscht, sondern am beklagenswerten Zustand von CDU und SPD. Die beiden alten Volksparteien schmoren im eigenen Saft, man traut ihnen keine Innovation mehr zu. Baerbock, Habeck oder Kretschmann sind schlicht und einfach authentischere Politikertypen, denen das Bekenntnis zu echter Erneuerung, zu gesellschaftlichen Werten und nachhaltigerem Denken, das in der Pandemie an Stellenwert gewonnen hat, eher abgenommen wird. Das zählt mehr als alte Links-rechts-Schemata.

Im Jahr 2017 hat Sebastian Kurz in Österreich - wenn auch mit völlig anderen Vorzeichen - ein ähnliches Momentum genutzt. Er setzte einen Gegenpol zum quälenden Stillstand in der damaligen rot-schwarzen Koalition: neu, jung, anders. Das reichte. Ein inhaltliches Programm war gar nicht mehr groß nötig. Durch den Wechsel zu den Grünen konnte er 2019 den Anschein von Dynamik und Veränderung erfolgreich wahren.

Viel davon ist inzwischen nicht mehr übrig. Den Offenbarungseid legte der Bundeskanzler kürzlich selbst ab. In einem Dutzend Interviews verteidigte er die Affäre um Chats unter den Türkisen damit, dass manche "auf einem Auge blind" seien, weil frühere Postenbesetzungen durch die SPÖ wohlwollender bewertet werden als die des bürgerlichen oder rechten Lagers. Kein Wort mehr von einem neuen Zugang zu Politik. "Wir machen es anders" ist bei der ÖVP längst nicht mehr, sondern:"Wir machen, was die anderen auch gemacht haben."

Sebastian Kurz hat immer noch gute Umfragewerte, aber langsam beginnt der Lack zu bröckeln. Die wenig ausgeprägte inhaltliche Substanz, die der Kampf gegen Corona etwas überdeckt hat, wird bald noch deutlicher auffallen. Sie drückt sich zum Beispiel in der Qualität der Regierungsriege der ÖVP aus, die -mit Ausnahme der beiden parteilosen Experten Martin Kocher und Heinz Faßmann -auf der Beliebtheitsskala bereits weit hinten rangiert. Nur eine coolere Verpackung und jüngeres Personal für die alten politischen Muster werden nicht reichen. Vor allem, wenn alles inszeniert ist und genau nichts echt bzw. authentisch wirkt.

Die SPÖ befindet sich (außer in Wien) in einer ähnlichen Lage wie die deutschen Sozialdemokraten. Bei der ÖVP hat der Populist Kurz den Abwärtstrend vorerst unterbrochen. Er ist mit seiner türkisen Truppe aber genauso wenig gewillt, den auf reinen Machterhalt getrimmten Stil der 75 Jahre lang dominierenden Parteien, die sich in allen Winkeln der Gesellschaft eingenistet haben, zu überwinden. Das wird früher, als der ÖVP lieb ist, auch hierzulande anderen Parteien wieder mehr Raum bieten.

Einerseits für Rechte vom Schlag eines Herbert Kickl, die sich über die Abgrenzung vom Fremden definieren. Aber auch für frischere politische Kräfte, die nicht nur Zeitgeist spielen, sondern ausdrücken. Die Neos haben als liberale Partei in Österreich einen schweren Stand. Die Grünen sind bei uns noch nicht so gut aufgestellt wie in Deutschland, haben aber sicher die besten Chancen auf eine Aufwärtsentwicklung. Wenn sie sich noch weiter von ihrem Fundi- Flügel emanzipieren und beim Personal in Richtung von Typen wie Alma Zadic´ oder Wolfgang Mückstein (soweit sich das schon sagen lässt) aufrüsten, dann werden sie in der großen Transformation, die gerade im Gange ist, zu einer ernsthaften Alternative.

Das deutsche Beispiel zeigt, wie rasch das auch in Wirtschaftskreisen ankommen kann.
 

 

 

trend, 30.04.2021, S. 16
6
0
162232560007
701622325600

Fuhrparks machen Ernst mit Elektroautos

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Lange waren E-AUTOS für Firmen reine PR-Sache. Das ändert sich jetzt. Fuhrparkmanager erzählen von den Gründen für den Strategieschwenk und wie sie Probleme mit Reichweite und Ladeinfrastruktur bewältigen.

Die große Umstellung hat Markus Novosel, Flottenchef des Schweizer Aufzugherstellers Schindler mit österreichischer Niederlassung, noch vor sich. Bis 2023 soll der CO2-Ausstoß des Unternehmens laut Konzernvorgaben um rund 25 Prozent sinken. An den Standorten in Österzreich müssen bis dahin rund 30 konventionell betriebene Fahrzeuge neuen Elektroautos weichen.

Vor ähnlichen Aufgaben stehen derzeit etliche Fuhrparkmanager. Das gestiegene Umweltbewusstsein und rigide EU-Vorschriften beschleunigen aktuell den Umbau vieler Dienstwagenfuhrparks hin zur Elektromobilität.
NO-GO PLUG-IN-HYBRID. "Viele Betriebe haben in letzter Zeit strengere CO2-Ziele formuliert", weiß Brigitte Bichler, Commercial Director bei Arval Austria (siehe Interview übernächste Seite) und ergänzt: "Flottenmanager sind mehr denn je gefordert, ihren Fuhrpark kosteneffizient und umweltfreundlich zu managen. Der Einsatz alternativer Technologien könnte eine Antwort auf beides sein." Im Fokus steht die Anschaffung reiner Elektroautos, speziell bei größeren Unternehmen. "Plug-in-Hybride sind mittlerweile ein No-Go. Der Verbrauch ist so hoch wie bei einem Benziner", so die Erfahrung von Norbert Linninger, Logistikchef der Energie Steiermark.

Auch finanziell kann sich der Schwenk lohnen, wenn staatliche Förderungen wie zuletzt die erhöhte Investitionsprämie für Ersparnisse beim Kauf sorgen.

SPRUNGHAFTER ANSTIEG. Lange spielten Fahrzeuge mit E-Antrieb in Firmenfuhrparks kaum eine Rolle. Bichler: "Jetzt kommt Bewegung in die Sache." Laut dem Fleet-Barometer des Arval Mobility Observatory, für das in Österreich 251 Flottenmanager befragt wurden, planen österreichische Unternehmen mit einer Größe zwischen zehn und 99 Mitarbeitern, den Anteil der Elektroautos in drei Jahren von derzeit 45 Prozent auf 75 Prozent zu erhöhen. Bei Firmen ab 250 Mitarbeitern ist der geplante Anteil ähnlich hoch (siehe Grafik oben).

PRAXISTAUGLICH. Vorbei sind die Zeiten, in denen Unternehmer, die sich eine E-Auto-Flotte zulegten, für heillose Idealisten ohne Sinn für Zahlen und Fakten gehalten wurden. Zu teuer, zu wenige Ladepunkte, nicht alltagstauglich, lautete die Kritik. Doch mit den neuen Modellen mit ihren höheren Reichweiten schwinden auch die Bedenken der Flottenmanager: "Reichweiten und Ladezeiten der neuen Modelle sind bereits wirklich gut. Die Fahrzeuge sind echt praxistauglich", befindet der Energie-Steiermark-Fuhrparkmanager.

Im Schnitt schaffen E-Autos laut einer Studie des Managementberaters Horváth &Partners mit einer Ladung rund 375 Kilometer. Schon 2025 wird eine Reichweite von durchschnittlich 784 Kilometern prognostiziert.
Das Einsatzgebiet ist in den Firmen dennoch klar eingegrenzt: "Nur unsere Monteure, die in größeren Städten wie Wien Kunden betreuen, bekommen Elektroautos", so Novosel. Ähnlich klein hält man den Aktionsradius auch bei der Energie Steiermark.

EIGENE LADESTATIONEN.

Das meiste Kopfzerbrechen bereitet den Fuhrparkmanagern aber das Tanken. "Die größte Hürde ist die geringe öffentliche Ladeinfrastruktur", kritisiert Bichler. 60 Prozent der von Arval befragten Manager wollen deshalb ihre Mitarbeiter unterstützen, private Wallboxen zu installieren. Rund 40 Prozent der 251 befragten Flottenmanager überlegen, am Firmenstandort Ladepunkte zu installieren. Eine kostspielige Angelegenheit. So investiert Schindler für sieben Ladepunkte 105.000 Euro.

Vor allem die zwei 75-kW-Gleichstromtankstellen gehen ins Geld. "Damit können die Fahrzeuge in rund 20 Minuten zur Hälfte beladen werden. Sie kosten zwar zehnmal so viel wie eine Wechselstromanlage, für diese benötigt man allerdings auch drei, vier Stunden für dasselbe Ergebnis", so Novosel.

Ob sich Elektroautos rechnen, hängt vor allem vom Anschaffungspreis ab. "Das ist der Knackpunkt", so der Flottenprofi. Rudi Lins, Geschäftsführer der Vorarlberger Baufirma Tomaselli Gabriel Bau, der bereits 30 E-Autos im Fuhrpark hat, hält die Investition auch wirtschaftlich für sinnvoll, "liegen die Kosten für den Strom doch nicht einmal bei der Hälfte der Dieselkosten für herkömmliche Autos". Der Ökostrom kommt aus der hauseigenen Schnellladestation und aus zehn sogenannten Wallboxen, die auf dem Firmengelände aufgestellt wurden. Das Unternehmen hat seinen Fuhrpark bereits vor fünf Jahren mit den ersten 15 Elektroautos bestückt.

LIQUIDITÄT SCHONEN.

Um die Kosten der Elektroautoflotte im Blick behalten zu können, greift man bei Schindler auf Operating Leasing zurück. "Das macht die laufenden Kosten genau kalkulierbar", so der Flottenchef. Vereinbart wird dabei eine feste monatliche Leasingrate, die während der gesamten Laufzeit gleich bleibt. Die Anschaffungskosten übernimmt die Leasingfirma, Marktwert- und Verwertungsrisiko tangieren Leasingnehmer damit nicht. Laut dem Flottenbarometer steigt das Interesse am Operating Leasing in den nächsten Jahren merklich.

TRENDSETTER.

68 Prozent der Befragten planen, Operating Leasing zur Finanzierung ihres Firmenfuhrparks einzuführen oder verstärkt zu nutzen. Bei der vergangenen Umfrage lag der Vergleichswert erst bei 41 Prozent. Bei Firmen über 250 Beschäftigten wird Operating Leasing sogar zur Finanzierungsmethode Nummer eins. Größere Firmen gelten hier oft als Trendsetter.

Insgesamt achten Firmen mehr denn je darauf, ihre Liquidität zu schonen und dabei auch noch ökologisch korrekt zu ihren Kunden zu gelangen.
 

 

 

trend, 30.04.2021, S. 164-165
7
0
162232560007
701622325600

Ihre Zukunft zählt

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Karlsruhe verpflichtet den Bund zu Nachbesserungen beim Klimaschutz. Welche Tragweite hat das Urteil?

Die Karlsruher Entscheidung ist von großer Tragweite. Im Grunde sagt das Bundesverfassungsgericht: Das Leben auf Kosten zukünftiger Generationen muss aufhören. Das Gericht argumentiert mit dem Schutz der Freiheit: Wer seine Grundrechte ausübt, stößt CO2 aus - er shoppt, fliegt und fährt, surft im Internet. Damit nimmt er einerseits Freiheit in Anspruch, die das Grundgesetz garantiert. Andererseits führt das dazu, dass nachfolgende Generationen weniger CO2 ausstoßen und somit auch weniger Freiheiten ausleben dürfen. Denn: "Vorschriften, die jetzt CO2-Emissionen zulassen, begründen eine unumkehrbar angelegte rechtliche Gefährdung künftiger Freiheit, weil sich mit jeder CO2-Emissionsmenge, die heute zugelassen wird, die in Einklang mit Artikel 20a GG verbleibenden Emissionsmöglichkeiten verringern", so das Gericht.

Die Nachricht aus Karlsruhe ist ein großer Erfolg der Fridays-for-Future-Bewegung, der auch den Bundestagswahlkampf beeinflussen wird. Und die Politik danach. Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser, der auf vielen Klimagipfeln dabei war, nennt das Urteil "sensationell". "Maßnahmen dürfen nicht länger aufgeschoben werden, denn das gefährdet die Freiheitsrechte künftiger Generationen."

Was hat Karlsruhe beschlossen?

Das oberste deutsche Gericht hat über sechs Verfahren entschieden. Das bekannteste davon führte eine Kanzlei für "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer und acht weitere Personen. Die 144 Seiten lange Antragsschrift stützte sich auf "gesetzgeberisches Unterlassen". Die neun jungen Menschen wollten festgestellt wissen, dass das Klimaschutzgesetz ihre Grundrechte verletzt, indem es bis 2030 eine Minderung des Treibhausgasausstoßes um nur 55 Prozent vorsieht, da es dann nach 2030 absehbar zu starken Freiheitsbeschränkungen kommen müsse. Anders seien die in Paris im Jahr 2015 vereinbarten Klimaziele nicht zu erreichen. Das Unterlassen liegt darin, dass das Gesetz nicht weit genug geht.

Das Gericht gab ihnen im Hinblick auf Artikel 20a GG teilweise Recht. Er enthält den "Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen" als Staatsziel und wurde 1994 in die Verfassung eingefügt - damals regierte Helmut Kohl (CDU). Den Richtern zufolge ist "Art. 20a GG eine justiziable Rechtsnorm, die den politischen Prozess zugunsten ökologischer Belange auch mit Blick auf die besonders betroffenen künftigen Generationen binden soll." Auf 110 Seiten wägen die Richter ab und kommen zu dem Schluss: Die aktuell geltenden Regelungen des Klimaschutzgesetzes sind nicht zu beanstanden. Wohl aber die für später - genauer ab 203o, weil ab dann kein Minderungsfahrplan bisher gibt.

Wie reagiert die Politik?

Zu oft hat die Klimapolitik in Deutschland Probleme nicht gelöst, sondern nach dem Sankt-Florians-Prinzip hinter fernen Zielen verpackt. Das Urteil ist der Beweis, dass vor allem Union und SPD keine gerichtsfeste Klimapolitik gemacht haben. Das Urteil ist auch eine Klatsche für die einstige Klimakanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Bild im roten Anorak vor grönländischen Eisbergen ist eines der am häufigsten veröffentlichen Motive ihrer Amtszeit - nun attestieren ihr die Verfassungsrichter, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ambitioniert genug sind.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bringt einen überparteilichen Konsens ins Spiel - auch um den Grünen ihr Mobilisierungsthema zu nehmen. Um dem Urteil gerecht zu werden, müssten die Klimaziele bis 2040 und 2050 vereinbart und für jedes Jahr von 2022 bis 2050 heruntergerechnet werden, wie viel Treibhausgasemissionen jedes Jahr noch ausgestoßen werden dürfen, um das Ziel der Klimaneutralität 2050 so zu schaffen, dass Lasten gleichmäßig verteilt werden.

Ist das noch vor der Wahl möglich?

Ende Juni ist die letzte Sitzungswoche des Bundestags vor der Wahl am 26. September - ob bis dahin eine finale Einigung über ein reformiertes Klimaschutzgesetz möglich ist, scheint fraglich. Das Bundesverfassungsgericht lässt Zeit bis 2022, so dass die Umsetzung des Beschlusses die Koalitionsverhandlungen stark prägen dürfte. Ein klarer Weg hätte auch Vorteile für die Wirtschaft: mehr Planungssicherheit. Die Stahlindustrie verursacht rund sieben Prozent der CO2-Emissionen - in großen Werken wie im brandenburgischen Eisenhüttenstadt laufen längst Überlegungen, auf grünen Wasserstoff zu setzen. Wenn klar wäre, dass neue politische Vorgaben erwartbar sind, können diese bei den Millioneninvestitionen in neue Hochöfen berücksichtigt werden.

Bei der E-Mobilität ist aufgrund hoher Kaufprämien und forciert von Tesla der Durchbruch gelungen. Der Zwang, mehr zu tun, wird auch die Debatte um ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen befeuern - gegen das die Union sich bisher sperrt. Die FDP setzt auf einen technologieoffenen Ansatz statt auf Verbote. Zum Beispiel durch Förderung synthetischer Kraftstoffe, die dem Verbrennungsmotor eine Zukunft ermöglichen würden. Der FDP-Klimapolitiker Lukas Köhler fordert ein gleichmäßig und verlässlich bis zur Klimaneutralität 2050 sinkendes CO2-Limit - das könnte auch höhere CO2-Preise bedeuten, wenn die Jahresziele nicht geschafft werden sollten.

Das führt zum Dilemma: Wie können sozial schwächere Bürger davor geschützt werden, dass Klimaschutz für sie unbezahlbar wird? Sie sind es, die oft in schlecht gedämmten Wohnungen mit alten Heizungen wohnen, auf das Auto angewiesen sind und auch beim Tanken auf jeden Euro achten müssen. Das führte bei den Verhandlungen über ein Klimapaket zunächst zu einem CO2-Preis von zehn Euro, was scharfen Protest der Klimaschützer hervorrief. Gerade die AfD nutzt das Thema als Angstthema und es wird den Wahlkampf prägen.

Durch das Wort aus Karlsruhe werden nun aber alle gezwungen, politisches Handeln anzupassen. Zumal Karlsruhe einem zentralen Argument der Kritiker den Boden entzieht. Der Staat dürfe sich seiner Verantwortung nicht durch den Hinweis auf die Treibhausgasemissionen in anderen Staaten entziehen. Es gebe vielmehr die "verfassungsrechtliche Notwendigkeit, eigene Maßnahmen zum Klimaschutz tatsächlich zu ergreifen und für andere Staaten keine Anreize zu setzen, das erforderliche Zusammenwirken zu unterlaufen", heißt es. Damit wird die Argumentation "andere tun weniger" obsolet.

Wie kann das Urteil umgesetzt werden?

Zwar hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil kein festes CO2-Budget genannt. Trotzdem steht fest: Will sich Deutschland an das vom Weltklimarat errechnete Treibhausgasbudget halten, muss das Klimagesetz von 2019 spürbar verschärft werden. In der Theorie ist das relativ einfach, denn das erlaubte CO2-Restbudget lässt sich rechnerisch auf die Jahre 2022 bis 2050 aufteilen. In der Praxis gibt es dafür zwei Hebel im Gesetz: Zum einen müssten wohl die Ziele für die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Wärme und Landwirtschaft verschärft und neue Ziele über das Jahr 2030 hinaus gesetzt werden. Ursprünglich war das auch in früheren Entwürfen des Klimagesetzes vorgesehen. Doch ein Zwischenziel für 2040 war auf Drängen der Union wieder herausgestrichen worden, wie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Donnerstag in Erinnerung rief. Genau dieses "Wegducken vor der Zukunft" habe das Bundesverfassungsgericht jetzt kritisiert. "Ein bisschen peinlich" sei das, befindet ihr Staatssekretär Jochen Flasbarth. Zum anderen könnte die Regierung auf die Macht des Marktes setzen und den CO2-Preis, der seit Jahresanfang für alle Heiz- und Kraftstoffe gilt, anheben.

Macht ein höherer CO2-Preisdas Autofahren und Heizen teurer?

Bislang sieht das Klimagesetz bis 2026 einen Fixpreis auf jede ausgestoßene Tonne CO2 vor. Dieser liegt derzeit bei 25 Euro und steigt jährlich bis 2026. Ab dem Folgejahr soll dann eine Versteigerung der Emissions-Zertifikate erfolgen, allerdings nur in einem vorgegebenen Korridor zwischen 35 und 60 Euro. Unabhängig vom CO2-Preis, der auf EU-Ebene gilt - und der höchstwahrscheinlich in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird - könnte die Regierung also schon bis zum Jahr 2026 das CO2 verteuern und für die Folgejahre einen höheren Mindestpreis setzen, damit die Sektoren insgesamt weniger Treibhausgase ausstoßen.

Konkret würde das für Autofahrer und Besitzer von Ölheizungen in den kommenden Jahren höhere Kosten bedeuten. Noch ist der CO2-Preis mit knapp acht Cent mehr für einen Liter Diesel oder Heizöl moderat, bei einer Preisverdoppelung bis 2026 wäre der Effekt spürbarer. Am unmittelbarsten davon betroffen wären allerdings die Kohlekraftwerke. Dass der letzte Kohlemeiler bei steigendem CO2-Preis vermutlich schon mehrere Jahre vor dem geplanten Kohleausstieg 2038 abgeschaltet werden wird, davon geht inzwischen sogar Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aus. Eine Neuauflage des Kohleausstiegsgesetzes wäre dann gar nicht nötig. Der Markt könnte diesen Ausstieg schon bis spätestens 2030 forcieren, schätzen Experten.

Wo liegen weitere Möglichkeiten?

Mit einem schnelleren Kohleausstieg gilt es auch, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Politisch keine leichte Aufgabe. Seit Dezember stagnierten die Verhandlungen zu diesem Thema zwischen Union und SPD, erst diese Woche passierte der mühsam errungene Minimalkompromiss das Bundeskabinett. Das Ziel ist bisher ein Erneuerbare-Energien-Anteil von 65 Prozent bis zum Jahr 2030, zudem könnte es mehr Importe von Ökostrom geben. Besonders der Solarausbau und der von Windkraft auf See könnte noch beschleunigt werden. Zugleich aber soll die im Strompreis enthaltene Ökostrom-Umlage nicht weiter steigen. Sicher ist, dass die seit Jahren die Klimapolitik bremsenden Zielkonflikte nun gelöst werden müssen. Sie können nicht mehr nach dem Sankt-Florians-Prinzip auf die nächsten Bundesregierungen und Generationen vertagt werden.
 

von Georg Ismar, Fatina Keilani und Florence Schulz

 

 

Tagesspiegel, 30.04.2021, S. 2
8
0
162232560007
701622325600

Tiwag startete im Kühtai ihr Milliarden-Projekt

Weiter zum Artikel
Kühtai, 30. May. 2021

Mit dem Anstich zum 25,5 Kilometer langen Beileitungsstollen haben am Donnerstag die Hauptarbeiten für das Kraftwerk Kühtai 2 begonnen.

Im Kühtai wurde am Donnerstagnachmittag ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung des Kraftwerkes Kühtai 2 erreicht, denn mit dem Tunnelanstich für die unterirdischen Stollenanlagen wurden beim neuen Speicher Kühtai die Hauptbauarbeiten zur Erweiterung der Kraftwerksgruppe offiziell begonnen. Bis Ende 2026 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, der Landesenergieversorger Tiwag investiert rund eine Milliarde Euro. Die Intention seitens der Tiwag: "Die Energiewende vorantreiben, die Versorgung sichern und dabei mit Bedacht vorgehen, notwendige Eingriffe minimieren und Ausgleich schaffen."

"Der heutige Tag ist ein wichtiges Signal für den Aufbruch und die Zukunft unseres Landes", erklärte Landeshauptmann und Tiwag-Eigentümervertreter Günther Platter anlässlich der Zeremonie, die Coronabedingt nur im kleinen Rahmen mit den Tunnelpatinnen stattfinden konnte. Dieses Infrastrukturprojekt sei nicht nur ein wichtiger Konjunkturmotor für die heimische Wirtschaft, "sondern essenziell für die langfristige Versorgungssicherheit und Energieautonomie Tirols".

2020 hatte es nach elfjährigem Verfahren grünes Licht für das Projekt gegeben: Der Ausbau der Kraftwerksanlagen sieht einen zusätzlichen Speichersee im Längental mit 31 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen sowie ein unterirdisches Pumpspeicherwerk als zweite Oberstufe vor. Die Speicherkapazität könne mit diesem Stausee Kühtai um rund 50 Prozent erhöht und mit dem zusätzlichen Wasser 216 Millionen Kilowattstunden pro Jahr mehr Strom erzeugt werden.

Durch die Verdoppelung der Speicherleistung im Kühtai könne der Energieversorger "zukünftig noch agiler und flexibler auf die Anforderungen einer sicheren Stromversorgung reagieren", betonte Tiwag-Vorstandsvorsitzender Erich Entstrasser: "Der notwendige Umbau der Energiesysteme wird mittelfristig zu erheblichen Unsicherheiten und Schwankungen führen. Mit dem Ausbau der Eigenanlagen können wir die regionale Unabhängigkeit weiter erhöhen, Wertschöpfung für Tirol schaffen und leisten einen wichtigen Beitrag für mehr Stabilität im europäischen Stromnetz."

Nach den vorbereitenden Arbeiten zur Baustelleneinrichtung, die bereits im vergangenen Jahr begonnen hatten, soll es jetzt Schlag auf Schlag gehen: Gleichzeitig mit den Untertagebauarbeiten für das neue Kraftwerk wird auch eine Betonmischanlage vor Ort aufgebaut und die Aufbereitungsanlage für das Schüttmaterial des neuen Staudamms installiert.

Mit Jahresende werde die Tunnelbohrmaschine für den Beileitungsstollen einsatzbereit sein. 25,5 Kilometer werden dafür durch den Berg getrieben, um das Wasser aus sechs Wasserfassungen "in ökologisch vertretbaren Mengen" zum Speicher Kühtai zu bringen. Der Einbau der Turbinen und Generatoren ist für 2024 und 2025 vorgesehen.

Zuletzt wurden dafür die Aufträge vergeben. Die Durchführung der Hauptbauarbeiten liegt bei der heimischen Arbeitsgemeinschaft Swietelsky - Swietelsky Tunnelbau - Jäger - Bodner.

Weitere aktuelle Informationen zum Projekt und Einblicke in das Baugeschehen gibt es auch unter www.erneuerbareplus.at im Internet. (TT)
Der heutige Tag ist ein wichtiges Signal für den Aufbruch und die Zukunft unseres Landes."
Günther Platter (Landeshauptmann)
Mit dem Ausbau der Eigenanlagen können wir die regionale Unabhängigkeit weiter erhöhen."
Erich Entstrasser (Tiwag-Vorstandsvorsitzender)
 

 

 

Tiroler Tageszeitung, 30.04.2021, S. 23
9
0
162232560007
701622325600

Dünger für die Energiewende

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Aus Ammoniak wird bisher vor allem Dünger hergestellt. Nun könnte das Gas als grüner Treibstoff für Schiffe und Kraftwerke dienen - und erstmals einen globalen Handel mit Ökoenergie möglich machen.

Auf der Halbinsel Heroya, 100 Kilometer südwestlich von Norwegens Hauptstadt Oslo, erhebt sich direkt an der Nordseeküste eine der größten Düngerfabriken der Welt: Pro Jahr stellt der Konzern Yara hier 3,6 Millionen Tonnen Stickstoffdünger her - genug, um 70 Prozent der Äcker in Deutschland fruchtbar zu halten. In großen Lagerhallen nahe des Schiffsanlegers der Fabrik stapeln sich Abertausende weiße Säcke auf Paletten, bereit für den Seetransport in alle Welt. Das unschöne Nebenprodukt des Geschäfts aber strömt nebenan unsichtbar aus den Schloten: Kohlendioxid (CO2 ), das bei der Herstellung von Ammoniak entsteht, der Vorstufe des Düngers. 800 000 Tonnen des Gases stößt das Werk pro Jahr aus - so viel wie 300 000 Autos im Jahr.

Damit soll nun Schluss sein. Das Werk soll eines der ersten werden, in dem Ammoniak CO2 - neutral hergestellt wird. "Wir beginnen nächstes Jahr, die Produktion umzustellen", sagt Magnus Krogh Ankarstrand, Leiter der neuen Abteilung für grünes Ammoniak bei Yara. Wenn das gelingt, wäre das ein durchaus wichtiger Schritt zur Eindämmung des globalen Klimawandels: Weltweit entfallen 1,8 Prozent der Klimagasemissionen auf die Ammoniakproduktion.

Im sogenannten Haber-Bosch-Verfahren wird das Gas bei hohem Druck und hohen Temperaturen aus Stickstoff und Wasserstoff hergestellt. Ein Katalysator hilft, den chemischen Prozess zu beschleunigen. Bisher stammt der nötige Wasserstoff aus klimaschädlichem fossilem Erdgas - nun will Yara ihn mithilfe von Ökostrom produzieren. "An dem Tag, an dem wir allen Wasserstoff grün erzeugen, wird auch die gesamte Düngerfabrik grün", sagt Ankarstrand.

FLÜSSIG LEICHTER ZU TRANSPORTIEREN

Yara möchte damit nicht nur die eigene Produktion klimafreundlich machen, sondern auch ein gigantisches globales Energiegeschäft anstoßen: Gewinnen lässt sich erneuerbare Energie nämlich vor allem dort, wo die Sonne scheint oder der Wind weht: In Nordafrika, Australien, den Wüsten Chiles. Benötigt aber wird die Energie in den Industriegebieten Europas, Amerikas und Chinas.

Ammoniak könnte als Transportmedium erstmals einen weltweiten Handel mit grüner Energie ermöglichen. Während zum Transport von purem Wasserstoff neuartige Schiffe und Hafenterminals mit enormen Kühltanks gebaut werden müssten, die den Stoff bei minus 253 Grad Celsius flüssig halten, lässt sich Ammoniak leichter von einem Ort an den anderen bringen: Schon bei minus 33 Grad Celsius kann man es verflüssigen und in große Tanks pumpen. Pro Schiff lassen sich etwa 50 Prozent mehr Energie transportieren als in Wasserstofftankern.

Aus dem Klimasünder Ammoniak könnte so ein Kernelement der Energiewende werden, hoffen die Vorreiter der Technik. Bis zum Jahr 2050, so eine Schätzung der britischen Energiemarktforschungsagentur Argus Media, könnte die weltweite Ammoniakproduktion von heute 180 Millionen Tonnen auf eine Milliarde Tonne steigen.

Dafür aber sind immense Investitionen notwendig, auch das wird auf Herøya deutlich: Um in seinem Werk auf keinerlei fossile Energien mehr angewiesen zu sein, will Yara bis 2026 einen Komplex aus Elektrolyseanlagen von Spezialanbietern bauen lassen, die insgesamt 450 Megawatt Wasserstoff erzeugen. Zum Vergleich: Aktuell schätzen Marktbeobachter die jährliche Fertigungskapazität aller Hersteller von Elektrolyseuren weltweit auf zwei bis drei Gigawatt, also gerade mal das Fünf- bis Siebenfache.

Damit also Yara auch anderswo Nachahmer findet, müssen die Hersteller von Elektrolyseuren ihre Produktion in den nächsten Jahren massiv erhöhen. Und auch deutlich billiger machen. Gasbasiertes Ammoniak kostet heute nur 100 bis 200 Dollar pro Tonne, hergestellt aus grünem Wasserstoff läge der Preis bei etwa 650 Dollar, schätzen die Marktforscher von Argus Media. Mit der Massenproduktion von Elektrolyseuren und sinkenden Preisen für Ökostrom könnten die Kosten bis zum Jahr 2040 aber auf 245 Dollar pro Tonne sinken, erwarten die Experten. Stiegen parallel auch die CO2 - Abgaben, könne grün erzeugtes Ammoniak konkurrenzfähig werden.

Yara will sich früh eine führende Position auf dem Markt für grünes Ammoniak sichern. Auch die Energiebranche zeigt Interesse. Sonnen- und windreiche Länder planen in großem Stil grüne Ammoniakproduktionen für den Export: Australien will im Projekt Asian Renewable Energy Hub mit Solaranlagen und Windrädern das größer Kraftwerk der Welt bauen - und dort Ammoniak herstellen. Saudi-Arabien wiederum plant bei seiner Zukunftsstadt Neom in der Wüste für fünf Milliarden Dollar eine Fabrik mit 1,2 Millionen Tonnen Ammoniak Jahresleistung. Im Süden Chiles entwickelt ein Konsortium ein ähnliches Projekt - inklusive eines neuen Hafens zum Abtransport des Ammoniaks.

Am anderen Ende der Welt könnten solche Projekte massenhaft sauberen Wasserstoff verfügbar machen. Der wiederum dazu dienen soll, besonders energieintensive Prozesse etwa in der Stahl- oder Chemieindustrie klimaneutral zu betreiben. Der Energiekonzern Uniper plant in Wilhelmshaven bereits ein Importterminal für grünes Ammoniak, in dem das Gas in Wasserstoff für die deutsche Industrie aufgespalten werden soll. Energieimporteure wie Japan und Südkorea wollen Ammoniak zudem direkt in Stromkraftwerken verfeuern. Der Hersteller Mitsubishi Power entwickelt bereits eine entsprechende Turbine. Japan will im Jahr 2030 drei Millionen Tonnen Ammoniak importieren, 2050 dann 30 Millionen.

ÖL IST NOCH ZU BILLIG

Und dann ist da noch die Schifffahrtsbranche. Die sucht bislang vergebens nach Alternativen zum schmutzigen Schweröl. Dabei sollen laut Beschluss der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation auch hier die globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 um die Hälfte sinken. Immer öfter fällt zuletzt das Stichwort Ammoniak, wenn es um Wege aus der fossilen Sackgasse geht. Schiffe könnten das grüne Ammoniak in neuartigen Verbrennungsmotoren direkt verfeuern, wobei keine Klimagase entstehen würden. Hersteller wie MAN Energy Solutions aus Deutschland oder Wärtsila aus Finnland entwickeln solche Motoren bereits.

Sollten alle Containerschiffe und Frachter auf das grüne Gas umgestellt werden, wären die nötigen Investitionen gigantisch: Eine Billionen Dollar bis zum Jahr 2050, so eine Studie des Thinktanks Global Maritime Forum. Politischer Druck dürfte die Branche bald dazu zwingen - so drängt das EU-Parlament darauf, den Seeverkehr in den EU-Emissionshandel aufzunehmen. Der Betrieb jedes einzelnen Schiffes dürfte dadurch zwar um sieben Millionen Dollar pro Jahr teurer werden, so eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, weil Schweröl immer noch spottbillig ist. Berechnet auf den Transport einer 60-Dollar-Jeans um die halbe Welt, wären die Mehrkosten aber überschaubar: Sie lägen nur bei 13 Cent.

Für die Düngerhersteller in Norwegen wäre das grüne Ammoniak indes ein Déjà-vu: "Vor 100 Jahren haben wir erneuerbare Wasserkraft in Elektrolyseuren genutzt, um Wasserstoff und Ammoniak herzustellen", erzählt Ankarstrand. Dann wurde Erdgas billiger. Nun wendet sich das Blatt wieder.

von Andreas Menn

ZITATE FAKTEN MEINUNGEN

"Weltweit gibt es schon die nötige Infrastruktur, um Ammoniak zu speichern, zu transportieren und zu verarbeiten" Magnus Krogh Ankarstrand Manager für grünes Ammoniak bei Yara.
 

 

 

Wirtschaftswoche, 30.04.2021, S. 068
10
0
162232560007
701622325600

„Es wird nicht ohne grünen Wasserstoff gehen“

Weiter zum Artikel
Wien, 30. May. 2021

Der Einsatz von Wasserstoff sei für eine Senkung der CO₂ -Emissionen unverzichtbar, sind sich Experten einig.

Dort, wo viel Energie verbraucht wird, fallen auch viele Emissionen an: Bei der Stahlherstellung, im Schwerlastverkehr oder etwa in Raffinerien. Wasserstoff kann Abhilfe schaffen. Das Gas kann – sofern es aus erneuerbaren Energien gewonnen wird – den Ausstoß von CO₂ -Emissionen verringern. Ohne diesen sogenannten grünen Wasserstoff, da sind sich Experten bei einer Fachtagung der E-Control einig, lassen sich die ambitionierten Klimaziele nicht umsetzen.

Noch sind viele Fragen zu klären. Wo wird Wasserstoff hergestellt? Wie wird das Gas transportiert? Wie soll es gekennzeichnet werden? Und wo soll Wasserstoff letztendlich eingesetzt werden? Fest steht, dass der Bedarf an dem Gas kräftig steigen wird. Aktuell werden in der EU 340 Terrawattstunden (TWh) Wasserstoff benötigt, bis 2050 rechnet E-Control-Vorstand Alfons Haber mit einer Verdreifachung des Bedarfs auf 1200 TWh.

Derzeit kommt hauptsächlich sogenannter grauer Wasserstoff zum Einsatz. Er wird aus Erdgas gewonnen: Pro Tonne Wasserstoff, die gewonnen wird, entstehen zehn Tonnen CO₂ . Grüner Wasserstoff aus Wind-, Sonne- und Wasserkraft macht gerade mal zwei Prozent weltweit aus.

Die EU, Deutschland und einige andere Staaten haben bereits eigene Wasserstoff-Strategien aufs Papier gebracht. Österreich hinkt nach, die Wasserstoff-Strategie sei in finaler Abstimmung, wie Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Interview mit der „Wiener Zeitung“ kürzlich gesagt hat.

Klimaneutrale Stadtbusse

Wie Wasserstoff in einer Großstadt wie Wien eingesetzt werden kann, hat die Wiener Wasserstoff GmbH skizziert. Wien will bis 2030 klimaneutral sein, die Emissionen allein im Verkehrssektor sollen um 50 Prozent sinken. „Die Dekarbonisierung Wiens wird nur möglich sein, wenn wir einen erheblichen Anteil von grünen Gasen in das Energiesystem hineinbekommen“, ist Gudrun Senk, Geschäftsführerin der Wiener Wasserstoff GmbH, überzeugt. Sie rechnet damit, dass im Großraum Wien 30 Prozent des Endenergiebedarfs durch grüne Gase gedeckt werden müssen.

Deshalb hat die Tochtergesellschaft von Wiener Netze und Wien Energie im Vorjahr eine Strategie entwickelt, wie Wasserstoff zum Einsatz kommen könnte. Geplant ist, dass Elektrolyseure und Speicher gebaut werden, um den Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen zu produzieren und speichern zu können. Über das Gasnetz wird der Wasserstoff eingespeist und transportiert, etwa auch zu Dampf- und Gaskraftwerken, wo das Gas als zusätzlicher Brennstoff zum Einsatz kommen kann.

Grüner Wasserstoff kann aber auch für die klimafreundliche Mobilität genutzt werden. Die Wiener Linien testeten im vergangenen Jahr erfolgreich einen Brennstoffzellenbus. Noch im Oktober 2021 soll er dann regelmäßig in Wien verkehren. Ebenfalls heuer geplant ist der Bau einer fixen Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur in Wien-Leopoldau, wo sich eine große Busgarage befindet. 2022/23 soll in Wien-Simmering eine weitere Wasserstoff-Tankstelle errichtet werden.

Wiener Wasserstoff will für die Elektrolyseure und Tankstellen mindestens 25 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren investieren. „Die Busse der Wiener Linien sind dabei noch gar nicht mitgerechnet. Sie kosten derzeit noch das Drei- bis Vierfache eines normalen Stadtbusses“, sagt Senk. Außerdem sei der grüne Wasserstoff derzeit noch „Mangelware“ und müsse von Partnerunternehmen zugekauft werden. Bald soll er aber in Wien erzeugt werden. Senk fordert aber geeignete Rahmenbedingungen. Die Wasserstofferzeugung müsse von Abgaben und Steuern befreit sein, die Infrastruktur gehöre gefördert. Und schließlich müsse grüner Wasserstoff auch einen entsprechenden Herkunftsnachweis bekommen.
 

von Michael Ortner

 

 

Wiener Zeitung, 30.04.2021, S. 12
11
0
162232560007
701622325600

Sind wir bereit für das neue Wirtschaftswunder ?

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Selbst die erfolgreichsten Kapitalisten unserer Zeit, wie Jeff Bezos und Elon Musk, sind sich einig: Die Zukunft der globalen Wirtschaft ist nachhaltig. Auch in Deutschland könnte die grüne Technologie Hunderttausende Arbeitsplätze schaffen

 

Das NordLink-Seekabel führt unter dem Schutzdeich hindurch
Büsum
Die Hafenstadt liegt direkt an der Nordsee und ist seit dem 19. Jahrhundert ein Seebad
Starkstrom
Das Kabel hat eine Kapazität von bis zu 1,4 Gigawatt, genug für 3,6 Millionen Haushalte

Austausch von Ökostrom

Überschüssiger Strom aus deutscher Windenergie wird über ein Kabel zu norwegischen Wasserkraftwerken transportiert und dort gespeichert. Bei Bedarf fließt die ganze Energie einfach wieder zurück in die hiesige Versorgung. Der Stromnetzbetreiber TenneT realisierte das Projekt gemeinsam mit dem norwegischen Energiekonzern Statnett und der deutschen Bank KfW.

Es ist 623 Kilometer lang, wiegt bis zu 70 Kilogramm pro Meter und kann bis zu 3,6 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Das NordLink-Kabel transportiert nun nicht genutzten Strom aus regenerativen Energiequellen von Deutschland nach Norwegen, wo er in Wasserkraftwerken gespeichert wird. Wenn er in Deutschland wieder gebraucht wird, weil kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint, fließt er zurück. Überall auf dem Kontinent sollen weitere solcher Stromtrassen entstehen. Europa arbeitet zusammen, um die Energiewende zu beschleunigen. Länder, Unternehmen, Regierungen.

Die Welt, insbesondere die Wirtschaft, ist inzwischen an einem historischen Wendepunkt angekommen. Niemand, der noch ernst genommen werden will, verschließt mehr die Augen vor den dramatischen Konsequenzen des Klimawandels. Selbst Dax- Konzerne und die härtesten Kapitalisten der Welt, etwa Amazon-Chef Jeff Bezos, erkennen im Kampf um die Zukunft des Planeten inzwischen ihre neue Aufgabe. Denn das Engagement birgt auch Potenzial für ihre Branchen und verheißt hohen Gewinn. Sogar Larry Fink, Chef des weltgrößten Finanzverwalters Blackrock, setzt auf die grüne Wende: "Da Nachhaltigkeit die Anlagerenditen immer stärker beeinflusst, glauben wir, dass nachhaltiges Investieren das beste Fundament für die Portfolios unserer Kunden ist."

"Min- destens zehn Prozent der Arbeits- plätze in Deutschland hängen an Greentech"

Ralph Büchele, Experte für Wirtschaft, Energie und Infrastruktur bei Roland Berger
Gerade für hiesige Unternehmen bietet Umwelttechnologie, neudeutsch Greentech, beste Chancen, am Wandel zu verdienen. Greentech ist weit mehr als nur erneuerbare Energie, Müllentsorgung und Abwasserreinigung. Hier geht es um echtes Wachstum.

Der Greentech-Atlas 2021, den das Bundesumweltministerium gerade erst präsentierte, zeigt: 15 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes wurden im vergangenen Jahr von grüner Technologie erwirtschaftet. Bis 2030 erwarten die Unternehmen ein durchschnittliches Wachstum von rund acht Prozent pro Jahr. Die Branche entwickelt sich zur tragenden Säule für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. "Ich gehe davon aus, dass mindestens zehn Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland mit Greentech zusammenhängen", sagt Ralph Büchele, Berater bei Roland Berger, der die Entwicklung seit vielen Jahren beobachtet.
Klimaretter Angela Merkel verfolgt auf dem virtuellen Klimagipfel, wie US-Präsident Joe Biden seine Ziele verkündet

Auch international ist grüne Technik aus Deutschland gefragt. 14 Prozent des weltweiten Greentech-Markts tragen hiesige Unternehmen bei. Das liegt weit über dem deutschen Anteil an der globalen Wirtschaft von drei Prozent. Und die weiteren Aussichten sind exzellent: Vergangenes Jahr wurden weltweit 4,6 Billionen Euro mit Umwelttechnologie umgesetzt. In den kommenden zehn Jahren wird sich der Markt voraussichtlich etwa verdoppeln.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren davon, heißt es im Greentech-Atlas. Die aktuelle Mittelstandsstudie der Commerzbank bestätigt das. Rund jedes sechste befragte Unternehmen hat bereits neue Geschäftsmodelle in diesem Bereich aufgebaut, rund jedes vierte sucht danach.

Auch gegen die Corona-Krise waren die Ökounternehmer besser gewappnet, wie eine Roland-Berger-Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigt. 37 Prozent der Umweltfirmen bezeichneten die Krise als eine sehr geringe oder geringe Herausforderung. Das sieht der Rest der deutschen Wirtschaft wohl ganz anders.
Für diese Widerstandsfähigkeit gibt es zwei wichtige Gründe, sagt Roland Kube, Economist für Energie- und Klimapolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln: "Nachhaltig orientierte Unternehmen haben oft ein besseres Management als solche, die sich mit solchen Themen schwertun. Und:Viele Aktienindizes setzen ver-stärkt auf nachhaltige Investments." Es steht ihnen also grundsätzlich mehr Geld zur Verfügung als traditionellen Unternehmen.

Der Anstoß kommt auch aus der Politik. Der im vergangenen Jahr von der EU vorgestellte Green Deal sieht insgesamt etwa eine Billion Euro für den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft vor. Ein Großteil der Investitionen dürfte in den Klimaschutz fließen. Nur so kann es gelingen, die Emission der Treibhausgase in der EU bis 2050 auf null zu reduzieren. "Der europäische Green Deal ist unsere neue Wachstumsstrategie. Er wird es uns ermöglichen, die Emissionen zu senken und gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen, sagt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ein Jahrhundertprojekt.

Auch die USA und China investieren massiv in die Entwicklung nachhaltiger Technologien. Auf dem virtuellen Klimagipfel vergangene Woche stellte US-Präsident Joe Biden seine ehrgeizigen Ziele vor. Das von ihm angekündigte zwei Billionen Dollar umfassende Konjunkturprogramm soll nicht nur die marode Infrastruktur des Landes sanieren, sondern auch Hunderttausende neue US-Jobs bringen. Nachdem sein Vorgänger im Weißen Haus vier Jahre lang den Klimawandel geleugnet und sich aus internationalen Abkommen verabschiedet hatte, präsentiert sich Biden als das wohl grünste Staatsoberhaupt der amerikanischen Geschichte.

Die Industrie ist skeptisch

Die Welt rückt im Angesicht des gemeinsamen Schicksals zusammen. Corona führte vielen vor Augen, was für die Menschheit auf dem Spiel steht, wenn sie nicht aufhört, die Natur auszubeuten. Der Wille zur Veränderung war wahrscheinlich auch in der deutschen Bevölkerung nie größer. Die Grünen freuen sich inzwischen sogar über bessere Umfragewerte als die Union. Die Wahl im Herbst dürfte spannend werden.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey wünschen sich sogar die deutschen Wirtschaftsbosse Annalena Baerbock als Kanzlerin. 26,5 Prozent der Unternehmensführer würden sich bei einer Direktwahl für die grüne Kandidatin entscheiden. Armin Laschet käme gerade einmal auf 14,3 Prozent. Allein dieses Ergebnis wirkt wie ein grünes deutsches Wunder. Die konservativen Deutschen denken um.
Tatsächlich würde eine grüne Regierungsbeteiligung den Greentech¬Markt wohl weiter beflügeln. Keine schlechte Perspektive.

"Der europäische Green Deal ist unsere neue Wachs- tums-strategie"

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Nur die deutsche Grundstoffindustrie tut sich noch schwer mit einer allzu grünen Politik. "Die Technologie liegt vor, aber wenn deutsche Stahl¬ oder Zementhersteller sie umsetzen, können sie mit dem Weltmarkt nicht mehr mithalten", sagt Energieexperte Roland Kube. Dazu brauche es staatliche Anreize, etwa durch entsprechende Ausschreibungen bei öffentlichen Bauvorhaben. Generell fehle es in einigen Bereichen an konkreten Strategien.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will den Green Deal und den technologischen Wandel deshalb noch nicht so recht bejubeln: "Wir brauchen verlässliche Vorgaben und auch finanzielle Unterstützung", sagt Carsten Rolle, Abteilungsleiter für Energie¬ und Klimapolitik des BDI. Ohne umfassende Zuschüsse ließe sich beispielsweise die Stahlproduktion nicht von Kohle auf Wasserstoff umstellen.
Der Programmentwurf der Grünen bereitet dem Verband entsprechend Sorge. Er sei durchzogen von Misstrauen gegen marktwirtschaftliche Mechanismen und Wirtschaftslenker, deren Handeln durch einen steuernden Staat eingeschränkt werden soll. Das klingt nach den alten Konfliktlinien zwischen Ökologie und Ökonomie, die längst überholt zu sein schienen.

Doch woher kommt die Kritik?

"Der BDI fährt derzeit einen Kurs, bei dem er zwar mitunter anerkennt, dass eine Transformation notwendig ist, gleichzeitig aber niemandem im Mitgliederkreis auf die Füße treten möchte", sagt Walter Kahlenborn, Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Adelphi. "Damit wird die Transformation verschleppt und unnötig teuer."

Dadurch schadet sich die Industrie selbst. So sieht es der US¬Ökonom Jeremy Rifkin, der gerne erklärt: Wer sich noch auf die Energiegewinnung der vergangenen industriellen Revolution verlässt, wer jetzt noch an eine alte Infrastruktur angeschlossen bleibt, der wird mit ihr untergehen.
 

 

Focus, 30.04.2021, S. 44
12
0
162232560007
701622325600

Greenwashing per Gesetz

Weiter zum Artikel
30. May. 2021

Stromversorger rechnen Ökostromanteil schön

Stromerzeuger bieten davon oft sehr viel weniger an, als sie Verbraucher glauben machen.
Deutschlands Stromversorger liefern ihren Kundinnen und Kunden erheblich weniger Ökostrom, als sie offiziell ausweisen. Das geht aus einem Gutachten des Hamburg Instituts im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick hervor. Der Energiekonzern E.on weist auf Unternehmensebene einen Ökostromanteil von 56 Prozent aus, obwohl erneuerbare Energien nur 7 Prozent seines Strommixes ausmachen. Der Versorger EnBW steigert seinen Ökostromanteil auf dem Papier von 13 auf 65 Prozent, das Unternehmen Vattenfall von 15 auf 66 Prozent. Ursache dieses groß angelegten Greenwashings ist die gesetzliche Stromkennzeichnung. Danach weisen Versorger nicht den realen Anteil erneuerbarer Energien an ihrem Strommix aus, sondern dürfen dazurechnen, was ihren Kunden an EEG-Umlage auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird. Über diese Umlage wird der Bau neuer Solaranlagen, Windräder und Biogasanlagen mitfinanziert. Als es in Deutschland noch wenige solcher Anlagen gab, sollte die Stromkennzeichnung Verbraucherinnen und Verbrauchern vor Augen führen, wie sie die Energiewende mitfinanzieren. Heute verzerrt sie den Wettbewerb: Versorger, deren Strom größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt, wirken auf dem Papier fast so klimafreundlich wie echte Ökostromanbieter. Die Regierung will das veraltete Gesetz nun reformieren. Ein entsprechender Entwurf soll im Mai durch den Bundestag. Offenbar soll die alte, irreführende Regelung aber nur zum Teil abgeschafft werden. Unternehmen müssen demnach zwar insgesamt ihren realen Strommix ausweisen - nicht aber bei einzelnen Stromtarifen.
 

 

 

Der Spiegel, 30.04.2021, S. 10
13
0
162223920007
701622239200

RWE verteidigt Kohleausstiegsplan

Weiter zum Artikel
Düsseldorf, 29. May. 2021

Der Abschied von Rolf Martin Schmitz von der großen Energiebühne war leise - aber nicht ohne Rechtfertigungen: Auf der virtuellen Hauptversammlung von RWE verteidigte der in wenigen Tagen abtretende CEO den eingeschlagenen Pfad zum Kohleausstieg bis spätestens 2038. Der Energiekonzern nehme durch konsequenten Abschied von der Kohle einen historischen Einschnitt hin, sagte Schmitz zum Vorwurf von Aktionären, die Energiewende nicht entschlossen genug voranzutreiben. "In den ersten Jahren trägt RWE den Löwenanteil des deutschen Braunkohleausstiegs ganz allein", betonte Schmitz anlässlich der geplanten Stilllegung von zwei Dritteln der Braunkohlekapazität bis 2030. Die übrigen Kraftwerke in dem Bereich würden anschließend voraussichtlich kaum mehr laufen.

Mit Abschluss des Tauschgeschäfts mit dem Lokalrivalen Eon rund um Innogy 2020 wurde RWE zum international gewichtigen Player auf dem Feld der Erneuerbaren. Einen Verkauf der Beteiligung von 15 % an Eon in Zukunft bezeichnete der designierte CFO Michael Müller am Mittwoch zumindest als denkbar, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Pläne für eine neue Kapitalerhöhung wie im August hat RWE zwar nicht - ließ aber vorsorglich die Ermächtigung dazu erneuern.

Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr hob RWE wie geplant auf 0,85 Euro. Die Aktionäre billigten außerdem Änderungen in der variablen Vorstandsvergütung: Das System soll sich nun zumindest in Form von Zielvorgaben für die CO2-Intensität des Portfolios am großen Konzernziel der Klimaneutralität bis 2040 orientieren. Mehrere Aktionäre kritisierten gleichwohl den nach wie vor üppigen CO2-Fußabdruck des Energieriesen und forderten einen deutlich schnelleren Kohleausstieg. RWE sei noch kein nachhaltiges Unternehmen, könne aber schon deutlich vor 2040 "vom Saulus zum Paulus der Energiebranche" werden, resümierte Union Investment. "Lassen Sie sich nicht zur Nachhaltigkeit treiben, sondern übernehmen Sie die Führung", forderte die Investmentgesellschaft dafür vom Finanzvorstand und kommenden CEO Markus Krebber.

Kritik im Vorfeld hatten Neuwahlen zum Aufsichtsrat geerntet. Am Ende kamen die drei neuen Kapitalvertreter Hans Bünting, Hauke Stars und Helle Valentin aber ungefährdet ins Gremium. Ebenso wie Hans-Peter Keitel wurde der wegen seiner Eon-Vergangenheit nicht unumstrittene Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Erhard Schipporeit, trotz geknackter Altersgrenze von 72 Jahren für drei Jahre wiedergewählt. Der ebenfalls wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende Werner Brandt hatte dafür plädiert, Schipporeit wegen seiner Finanzkompetenz noch zu halten. Die Fondsgesellschaft DWS hatte bei Schipporeit und Brandt sowie weiteren AR-Mitgliedern eine Ämterhäufung bemängelt.

 

 

Börsen Zeitung, 29.04.2021
14
0
162206640007
701622066400

Chancen der Transformation im Auge behalten

Weiter zum Artikel
27. May. 2021

Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers

Die Finanzierung der für die Energiewende nötigen Infrastruktur geht nicht ohne privates Kapital. Gleichzeitig suchen Investoren zunehmend alternative Investmentlösungen für ihre Portfolios. Die Beteiligung an Projekten der Energiewende eröffnet Renditechancen über die nächsten Jahrzehnte, erfordert allerdings langjährige Erfahrung.

Der Kampf gegen den Klimawandel steht weltweit ganz oben auf der politischen Prioritätenliste. Europa und jetzt auch die USA wollen bis 2050 klimaneutral sein. Auch China hat ehrgeizige Pläne. Obwohl die Energiewende zweifellos die gesamte Wirtschaft betrifft, stehen Nutzung und Ausbau der erneuerbaren Energien derzeit im Vordergrund. Es ist also kein Wunder, dass entsprechende Infrastrukturprojekte gegenwärtig zu dem am schnellsten wachsenden Segment bei den privaten Beteiligungen zählen. Und das Wachstum wird anhalten. Denn gegenwärtig machen erneuerbare Energien gerade einmal 20 % des Gesamtenergieverbrauchs in Europa aus. Bis 2030 soll dieser Anteil allerdings auf 32 % steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind in den nächsten zehn Jahren Investitionen in Höhe von 1,7 Bill. Euro erforderlich - vermutlich sogar mehr. Denn vor dem Hintergrund des Ziels der CO2-Neutralität bis 2050 dürfte der Investitionsbedarf tatsächlich deutlich höher sein.

Investments in erneuerbare Ener¬gien sind nichts Neues. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Markt allerdings kontinuierlich weiterentwickelt. Waren erneuerbare Energien zunächst vor allem ein stark subventionierter Sektor, so ist die Branche heute aus sich selbst heraus profitabel. Je nach Risikobereitschaft finden Anleger inzwischen ein diversifiziertes Spektrum an Anlagemöglichkeiten mit unterschiedlichen Beteiligungsformen und Projektstrukturen. Darüber hinaus wächst das Investmentuniversum im Bereich der Energiewende beständig weiter. Neben etwa Wind- und Solarenergie, Wasserkraft oder Biothermie rücken nun verstärkt die kohlenstoffarme Mobilität, die Nutzung von Wasserstoff, das Thema Energieeffizienz und in diesem Zusammenhang auch die Erneuerung der Fernwärmenetze in den Vordergrund. Die Frage der (dezentralen) Speicherungsmöglichkeiten von sauberer Energie wird ebenfalls immer wichtiger.

Auch in geografischer Hinsicht erweitert sich das Investmentspektrum. Waren bisher vor allem Westeuropa und die USA die wichtigsten Treiber für erneuerbare Energien, rücken nun auch andere Länder in den Fokus. In Polen zum Beispiel besteht ein enormer Bedarf, von Kohle auf saubere Energie umzusteigen. 2019 produzierte das Land 74 % seiner Energie mit Kohle, nur 15 % des Stroms kamen aus erneuerbaren Energiequellen. China und Südostasien haben ebenfalls einen kohlenstoffintensiven Energiemix. Mit zunehmender Dringlichkeit der Klimakrise wächst also weltweit der Bedarf an Kapital, das benötigt wird, um möglichst alle Regionen auf ihrem Weg zu einer sauberen, grüneren Wirtschaft zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Energiewende genau im Blick zu behalten, um attraktive Zukunftsprojekte für Investoren zu identifizieren und rechtzeitig dabei zu sein. Das setzt neben fundierter und langjähriger Erfahrung auch die Bereitschaft voraus, bereits in einem sehr frühen Stadium mit Investitionen aktiv zu werden und innovative "Greenfield"-Projekte zu unterstützen. Hier erscheint gegenwärtig die Entwicklung von grünem Wasserstoff besonders interessant. Bei dieser besonders umweltfreundlichen Energiegewinnung wird Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energien gewonnen. In Deutschland hat die Bundesregierung gerade eine nationale Wasserstoffstrategie beschlossen.

Sie soll grünen Wasserstoff marktfähig machen und seine industrielle Produktion, Transportfähigkeit und Nutzbarkeit ermöglichen. Wir beobachten diesen Bereich bereits seit einiger Zeit sehr genau und sind dort auch mit unserem Investment Manager Mirova investiert. Aus unserer Sicht könnte die Verbreitung von grünem Wasserstoff den Übergang zu einer nachhaltigen Mobilität in erheblichem Maße unterstützen. Er ist aber nur ein Bereich von vielen, den Investmentmanager bei der Energiewende im Auge behalten sollten. Denn angesichts der Dringlichkeit, schnell Lösungen für die Herausforderung des Klimawandels zu finden, ist davon auszugehen, dass die Dynamik der Innovation auf dem Feld der Energiewende auch in Zukunft sehr hoch sein wird.

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld haben Alternative Investments, also Investments in nicht traditionelle Anlageklassen, sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Kapitalanlage insbesondere bei institutionellen Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen oder Versorgungswerken entwickelt. Für Anleger ist das Wertpotenzial, das am Markt für erneuerbare Energie schlummert, enorm. Es bietet breit diversifizierte Chancen auf einen Mehrertrag mit einer vergleichsweise geringen Volatilität. In Zeiten, in denen die Risiken für die Weltwirtschaft steigen, bieten Investments in erneuerbare Energien zudem ein gewisses Maß an Stabilität. Denn, der stärkere Fokus der Entscheidungsträger auf grüne Energien bedeutet, dass der Sektor selbst dann weiterwachsen wird, wenn die Energienachfrage aufgrund der volatilen Konjunktur schwanken sollte. Vor diesem Hintergrund erscheinen erneuerbare Energien zudem interessant als Absicherung gegen die Risiken eines Engagements in sogenannte Stranded Assets. Sie können ein Gegengewicht zu Unternehmen stellen, deren Geschäftsmodelle durch die Veränderungen am Energiemarkt gegebenenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden.
 

von Sebastian Römer

 

 

Börsen Zeitung, 27.04.2021
15
0
162077040004
401620804540

USA setzten nach Hackerangriff Benzin-Umweltvorgaben aus

Weiter zum Artikel
Washington, 12. May. 2021

Nach dem Hackerangriff auf die größte Pipeline der USA haben die Behörden Umweltvorgaben für Benzin vorübergehend aufgehoben. Damit solle einer drohenden Treibstoffknappheit in den Bundesstaaten Maryland, Pennsylvania und Virginia sowie in der Hauptstadt Washington entgegengewirkt werden, erklärte der Chef der Umweltbehörde EPA, Michael Regan, am Dienstag.

Mit dem Notfall-Erlass werden Vorgaben zum Verkauf von Benzin mit Zusatzstoffen ausgesetzt, die den Treibstoff weniger umweltschädlich machen.

"Der außergewöhnliche Pipeline-Shutdown hat sich auf die Versorgung mit Benzin ausgewirkt", erklärte EPA-Chef Regan. Deswegen seien Schritte notwendig, "um eine Unterbrechung eines angemessenen Angebots von Benzin für Konsumenten zu minimieren oder zu verhindern." Die Ausnahmegenehmigung gilt zunächst bis zum 18. Mai.

Der Pipeline-Betreiber Colonial Pipeline war vergangene Woche Ziel eines Hackerangriffs mit einem Erpressungstrojaner geworden. Die vom Volumen her größte Pipeline der USA, die von Texas bis in den Großraum New York führt, wurde deswegen vorübergehend stillgelegt. Das Unternehmen hat zwar angekündigt, bis zum Ende der Woche den Betrieb wieder aufnehmen zu wollen, es wird aber schon eine Benzinknappheit befürchtet.

Experten zufolge geht in einigen Tankstellen im Osten der USA das Benzin aus. Die Treibstoffpreise steigen an.

Die USA haben inzwischen die Hackergruppe Darkside für den Cyberangriff auf Colonial Pipeline verantwortlich gemacht. Die mysteriöse Gruppierung setzt sogenannte Ransomware ein. Mit einem solchen Schadprogramm versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen.

16
0
162077040004
401620804480

Kälte-Katastrophe in Texas verhagelte RWE das Quartal

Weiter zum Artikel
Essen, 12. May. 2021

Der deutsche Energiekonzern RWE hat im ersten Quartal wegen der hohen Belastungen aus der Kälte-Katastrophe in Texas deutlich weniger verdient. Das bereinigte Ebitda sei von 1,324 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 883 Millionen Euro geschrumpft, teilte der Versorger am Mittwoch mit.

RWE betreibt in den USA Windkraftanlagen, darunter in Texas. Dort war es im Februar zu einem Kälteeinbruch und Stromausfällen gekommen. Um seinen Lieferverträgen gerecht zu werden, hatte RWE nach eigenen Angaben Strom zu extrem hohen Preisen einkaufen müssen. Die Verluste beliefen sich auf rund 400 Mio. Euro.

RWE betrachtet den Vorfall als Jahrhundertereignis und hält an seinem Ökostrom-Kurs fest. "Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien kommen wir gut voran und festigen unsere Position als einer der führenden Anbieter weltweit", sagte Finanzchef Michael Müller. "Unsere hohen Investitionen zeigen, dass wir das Tempo unserer Transformation beschleunigen."

In der Sparte Onshore Wind/Solar musste RWE einen Verlust von 119 Mio. Euro hinnehmen. Die Kohle- und Kernkraftwerke konnten hingegen zulegen. RWE bestätigte die Prognosen und das Dividendenziel für 2021. Das bereinigte Ebitda soll im Konzern zwischen 2,65 und 3,05 Mrd. Euro liegen und die Dividende bei 90 Cent je Aktie.


17
0
162077040004
401620804780

Verbund-Gewinnrückgang durch schlechtere Wasserführung im Q1

Weiter zum Artikel
Wien, 12. May. 2021

Eine schlechtere Wasserführung hat dem Verbund-Stromkonzern im ersten Quartal einen Gewinnrückgang beschert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank im Jahresabstand um 8,6 Prozent auf 302,7 Mio. Euro und der Nettogewinn um 7,6 Prozent auf 144,7 Mio. Euro. Der starke Rückgang beim Umsatz, fast eine Halbierung, resultierte hauptsächlich aus Bewertungseffekten. Das Closing für den Erwerb der Gas-Connect-Mehrheit wird noch im zweiten Quartal erwartet.

Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke betrug im Zeitraum Jänner bis März wie von Analysten erwartet 0,99 und lag damit um 1 Prozentpunkt unter dem langjährigen Schnitt und 10 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert des Vorjahres (1,09), erklärte der Konzern am Mittwoch. Auch bei den Neuen Erneuerbaren verschlechterte sich der Erzeugungskoeffizient, von 1,07 auf 0,86.

Die Umsatzerlöse verringerten sich um 46,4 Prozent von 1,257 Mrd. auf 674,1 Mio. Euro. Dabei sanken die Stromerlöse binnen Jahresfrist um 563,6 Mio. auf 496,5 Mio. Euro. Deutlich negativ auf die Stromerlöse wirkte laut Verbund die erfolgswirksam erfasste Bewertung der Stromderivate von diesmal -136,5 Mio. Euro (nach +316,2 Mio. Euro im ersten Quartal 2020). Dieser Effekt resultierte im Wesentlichen aus dem Anstieg der Strompreise für die der Bewertung zugrunde liegenden, noch nicht gelieferten Verkaufskontrakte im ersten Quartal und hatte zur Folge, dass negative (erlösmindernde) Bewertungsergebnisse erfasst wurden.

Zusätzlich sei der Stromabsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 2.098 Gigawattstunden (GWh) bzw. um 13,8 Prozent auf 13.078 GWh gesunken, wurde vom Verbund im Quartalsbericht erläutert. Der im Schnitt erzielte Absatzpreis der Eigenerzeugung aus Wasserkraft stieg um 1,7 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 47,6 Euro/MWh. Das Plus resultierte aus den deutlich gestiegenen Spotmarktpreisen am Großhandelsmarkt für Strom. Die Terminmarktpreise waren im relevanten Betrachtungszeitraum dagegen rückläufig gewesen.

Vor allem beim Stromabsatz an Händler gab es mit -26,4 Prozent auf 3.539 GWh einen starken Rückgang, bei der Abgabe an Weiterverteiler betrug das Minus 12,0 Prozent auf 6.025 GWh. Gegenüber Endkunden blieb der Stromabsatz mit 3.515 GWh (-0,2 Prozent) fast gleich, per Ende März hatte man rund 517.000 Strom- und Gaskunden. Nach Ländern sank der Stromabsatz am stärksten in Deutschland (-18,5 Prozent), wohin etwa ein Drittel verkauft wird (4.748 GWh); in Österreich betrug das Minus 12,7 Prozent auf 7.053 GWh.

Bei der Stromerzeugung verzeichnete der Verbund-Konzern bei der Wasserkraft einen Rückgang um 11,2 Prozent auf 6.015 GWh, während die gesamte Eigenerzeugung um 16,5 Prozent auf 6.400 GWh zurückging. Strom aus Windkraft gab es mit 253 GWh um 19,7 Prozent weniger, aus Wärmekraft wurden mit 131 GWh um 77,2 Prozent (oder um 444 GWh) weniger erzeugt. Das Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach bei Graz produzierte wegen eines deutlich geringeren Einsatzes für das Engpassmanagement um 113 GWh weniger Strom, und das Fernheizwerk Mellach kam gar nicht zum Einsatz, wodurch die Produktion im Vergleich um 332 GWh sank. Die gesamte Stromaufbringung (samt Fremdbezug) schrumpfte um 14,5 Prozent auf 13.917 GWh.

Die Netzerlöse sanken um 3,6 Mio. auf 139,1 Mio. Euro, die sonstigen Erlöse um 16,0 Mio. auf 38,5 Mio. Euro, u.a. fehlten Fernwärmeerlöse durch das Aus der langjährigen Lieferungen an die Stadt Graz Mitte 2020. Die Aufwendungen für Strom-, Netz-, Gas- und Zertifikatebezug sanken um 532,2 Mio. auf 226,9 Mio. Euro. Deutlich aufwandsmindernd wirkte die erfolgswirksam erfasste Bewertung der Stromderivate von +136,7 Mio. Euro (nach -321,8 Mio. Euro), praktisch die Kehrseite der Bewertungseffekte bei den Stromerlösen.

Den Ergebnisausblick für das Gesamtjahr 2021 hat der Stromkonzern etwas nach oben hin eingeengt. Das EBITDA wird nun auf Basis einer durchschnittlichen Wasser- und Windkraft-Erzeugung sowie Chancen- und Risikolage zwischen 1,13 und 1,30 Mrd. Euro erwartet - zuletzt lautete die Prognose 1,08 Mrd. bis 1,30 Mrd. -, beim Konzernergebnis sind es nun zwischen 480 und 590 Mio. Euro (bisher 450 bis 590 Mio. Euro).

Das Closing für den Erwerb der 51-Prozent-Mehrheit am Gasübertragungsnetzbetreiber Gas Connect Austria (GCA) von der OMV erwartet der Verbund-Konzern noch für das zweite Quartal. Die kartellrechtliche Genehmigung sei schon eingeholt worden. Ausständig sei noch die Zertifizierung der Gas Connect Austria als Independent Transmission Operator (ITO). Finanzielle Auswirkungen aus dem geplanten Erwerb des 51-Prozent-Anteils seien in der Jahres-Ergebnisprognose nicht berücksichtigt.

Der Verbund-Personalstand lag mit im Schnitt 2.949 (2.819) um 4,6 Prozent höher als ein Jahr davor.

18
0
162077040004
401620804660

Fortum steigerte Gewinn stärker als erwartet

Weiter zum Artikel
Espoo, 12. May. 2021

Der finnische Uniper-Mutterkonzern Fortum hat im ersten Quartal dank höherer Strompreise mehr verdient. Das Betriebsergebnis stieg von 393 Mio. Euro auf 1,17 Mrd. Euro, wie Fortum mitteilte. Analysten hatten mit einem Gewinn von 1,1 Mrd. Euro gerechnet. Alle Segmente hätten zu dem Gewinnwachstum beigetragen, erklärte Vorstandschef Markus Rauramo.

19
0
162077040004
401620819960

Deutschland beschließt verschärftes Klimagesetz

Weiter zum Artikel
Berlin, 12. May. 2021

Die deutsche Regierung hat auf Druck des Verfassungsgerichts und angesichts neuer EU-Vorgaben schärfere Klimaziele beschlossen. Sie sehen bis 2030 eine Kürzung des Treibhausgas-Ausstoßes um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990 vor, wie das am Mittwoch vom Kabinett gebilligte Klimaschutzgesetz festlegt. Bisher betrug die Vorgabe 55 Prozent. Außerdem muss Deutschland schon 2045 statt 2050 klimaneutral sein, also praktisch überhaupt kein CO2 mehr in die Atmosphäre blasen.

Den größten Teil der neuen Einsparungen bis 2030 soll der Energiesektor bringen. Es gilt damit als sicher, dass die Kohlemeiler deutlich früher abgeschaltet werden müssen als 2038, was die Regierung bisher als spätestes Datum festgelegt hatte.

Entlastungen für Mieter, ein beschleunigter Einsatz von Wasserstoff oder eine strengere Ausrichtung der Kfz-Steuer am CO2-Ausstoß gehören zu dem "Klimapakt Deutschland", den die deutsche Regierung am Mittwoch zusammen mit dem Klimagesetz beschloss. So sollen Vermieter die Hälfte der zusätzlichen Heizkosten wegen der CO2-Abgabe auf Öl und Gas tragen. Zudem ist eine Sanierungsoffensive für Gebäude mit weiterer Förderung etwa für den Einsatz erneuerbarer Energien ebenso vorgesehen wie höhere Neubaustandards. Die Eckpunkte sollen in ein Sofortprogramm münden, das in den nächsten Wochen vorgelegt werden soll.

Weiter werden in den Eckpunkten ein stärkerer Ausbau von Bus- und Bahnverbindungen sowie eine Reform der Kfz-Steuer genannt. Sie könnte noch stärker am CO2-Ausstoß ausgerichtet werden. Auch der Umbau der Industrie wird dem Konzept zufolge stärker unterstützt: Es sieht weitere Hilfen für die Industrie zur klimafreundlichen Produktion vor. Unter anderem sind auch Quoten für klimafreundliche Produkte geplant. Dafür ist ein eigenes Konzept geplant. Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft soll zudem noch einmal beschleunigt werden. Er gilt besonders für die Stahl- oder Zementbranche auf dem Weg zu klimafreundlicher Produktion als entscheidend.

"Mit diesem Gesetz schaffen wir mehr Generationengerechtigkeit, mehr Planungssicherheit und einen entschlossenen Klimaschutz, der die Wirtschaft nicht abwürgt, sondern umbaut und modernisiert", sagte die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Mittwoch.

Die Europäische Union hatte das Klimaziel bis 2030 für die Gemeinschaft auf 55 Prozent von 40 Prozent angehoben. Daher hätte Deutschland seine Vorgaben ohnehin anpassen müssen. Zudem hatte das deutsche Bundesverfassungsgericht vor kurzem geurteilt, dass das alte Klimagesetz von 2019 die jüngere Generation benachteilige. Bis 2030 sehe dieses Gesetz zuwenig Einsparungen vor, so dass danach umso mehr geleistet werden müsse, damit Deutschland seine internationalen Verpflichtungen einhalten könne. Dies sei unfair, da die Hauptlast so auf eine spätere Generation verlagert werde.

20
0
162077040004
401620820440

Iberdrola verdiente operativ mehr

Weiter zum Artikel
Bilbao, 12. May. 2021

Der spanische Energiekonzern Iberdrola hat im ersten Quartal operativ mehr verdient. Besonders gut lief es im Bereich Erneuerbare Energien, aber auch das Netzgeschäft konnte zulegen. Negativ beeinflusst hat die Quartalszahlen das Erzeugungs- und Versorgungsgeschäft, teilte der Energiekonzern am Mittwoch in Bilbao mit.

Hier war die Produktion zum Teil rückläufig, dazu kamen höhere Beschaffungspreise bei Energiezukäufen. Unter anderem wirkte sich der Wintersturm Filomena dabei negativ aus.

Dennoch stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Unterm Strich blieb Iberdrola allerdings mit etwas mehr als einer Milliarde Euro rund ein Fünftel weniger Gewinn. Hintergrund ist der deutlich höhere Gewinn vor einem Jahr infolge des Verkaufs der Beteiligungen an Siemens Gamesa. Diesen Sondereffekt herausgerechnet stieg der Nettogewinn im ersten Quartal.

Die Prognose für 2021 bestätigte Iberdrola am Mittwoch. Demnach rechnen die Spanier weiterhin mit einem steigenden Nettogewinn in Höhe von 3,7 bis 3,8 Mrd. Euro im laufenden Geschäftsjahr. Auch an seiner Dividendenpolitik hält der Konzern fest: Die Aktionäre sollen für 2020 eine Dividende in Höhe von 42 Cent je Anteilsschein erhalten und damit 2 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Für das laufende Jahr peilt Iberdrola eine weitere Steigerung auf 44 Cent an. Die im EuroStoxx 50 notierte Aktie pendelte in der ersten Handelsstunde um ihren Vortagsschluss.

21
0
162077040004
401620820620

RWE skeptisch zu früherem Kohleausstieg

Weiter zum Artikel
Essen, 12. May. 2021

RWE hat sich zurückhaltend über Rufe nach einem schnelleren Kohleausstieg geäußert. Ob der Energiekonzern wegen des am Mittwoch vom deutschen Bundeskabinett (Ministerrat) gebilligten schärferen Klimaschutzgesetzes früher aus dem Kohlegeschäft aussteige, sei reine Spekulation, sagte RWE-Finanzchef Michael Müller am Mittwoch auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Voraussetzung dafür sei unter anderem ein schnellerer Ausbau des Ökostroms.

Da Wind und Solaranlagen nicht immer lieferten, müssten zur Absicherung Kraftwerke bereitstehen. Dies müsste aber vergütet werden. Mit wenigen Einsätzen könne kein Kraftwerk profitabel betrieben werden.

Die deutsche Regierung hat auf Druck des Verfassungsgerichts und angesichts neuer EU-Vorgaben schärfere Klimaziele beschlossen. Sie sehen bis 2030 eine Kürzung des Treibhausgas-Ausstoßes um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990 vor. Bisher betrug die Vorgabe 55 Prozent. Dadurch dürfte sich der Druck auf die Versorger erhöhen. Nach dem beschlossenen Kohleausstieg endet diese klimaschädliche Verstromung in Deutschland spätestens 2038. Ohne einen früheren Kohleausstieg sind manchen Experten zufolge ehrgeizigere Klimaschutzziele nicht zu erreichen.

22
0
162077040004
401620820620

Luxemburg muss von Engie Steuern nachfordern

Weiter zum Artikel
Luxemburg, 12. May. 2021

Luxemburg muss von dem französischen Energiekonzern Engie nach einem Urteil des EU-Gerichts Steuern in Höhe von rund 120 Millionen Euro nachfordern. Das Gericht wies am Mittwoch einen Einspruch gegen eine entsprechende Anordnung der EU-Kommission zurück. Luxemburg wurde von den Wettbewerbshütern der Behörde demnach zu Recht eine unzulässige selektive steuerliche Behandlung von Engie vorgeworfen.

Die EU-Kommission war 2018 nach einer Prüfung zu der Auffassung gelangt, dass die steuerliche Belastung von Engie in Luxemburg durch zwei von Luxemburg ausgestellte Steuervorbescheide rund zehn Jahre lang ohne triftigen Grund künstlich verringert wurde. Die Steuervorbescheide bewirkten demnach, dass Engie auf 99 Prozent der von Engie LNG Supply und Engie Treasury Management erwirtschafteten Gewinne in Luxemburg keine Steuern zahlen musste.

Engie und Luxemburg können gegen die Entscheidung des EU-Gerichts noch Einspruch beim Europäischen Gerichtshof einlegen. Sie haben dafür zwei Monate und zehn Tage Zeit.

23
0
162077040004
401620820500

Milliarden-Bau-Sanierungsprogramm für Umwelt und Konjunktur

Weiter zum Artikel
Wien, 12. May. 2021

Ein riesiges Sanierungsprogramm für Klimaschutz und Konjunktur-Ankurbelung nach Corona haben am Mittwoch Spitzenvertreter von Baugewerkschaft, Bauindustrie und Global 2000 gefordert. Es sollte auf zwei Jahrzehnte gerechnet 140 Mrd. Euro schwer sein, also 6 bis 7 Mrd. Euro im Jahr. Die Mittel sollten der thermischen Sanierung der 60.000 öffentlichen Gebäude sowie der Sanierung von Wohngebäuden und der hausbezogenen Infrastruktur dienen.

Rund je zur Hälfte sollten die Mittel von öffentlichen und privaten Geldern kommen. Neben einer Milliarde pro Jahr aus der Wohnbauförderung (WBF) könnte fünf Jahre lang der EU-Aufbauplan je 300 Mio. Euro beisteuern (von insgesamt 1,5 Mrd. Euro), weitere eineinhalb Milliarden pro Jahr könnten auf Mittel der Europäischen Investitionsbank (EIB) entfallen, rechnete Robert Schmid, Obmann im Fachverband Stein- und keramische Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) namens der Nachhaltigkeitsinitiative "Umwelt+Bauen" in einem Online-Pressegespräch vor.

Weitere zweieinhalb Milliarden Euro im Jahr sollten an privaten Mitteln mobilisiert werden - dafür sollte man die Hauseigentümer direkt ansprechen, da sie wohl ein Interesse hätten, ihr Eigentum durch Sanierungen aufzuwerten, sagte Schmid. Privates Kapital sei genug vorhanden, die Sparquote sei in der Krise stark gestiegen. Die öffentlichen Gelder sollten die zweite Hälfte, das private Geld, mobilisieren.

Bezüglich der Verteilung von europäischen Aufbaumitteln sowie EIB-Geldern sei man "in sehr guten Gesprächen", sagte Baugewerkschaftschef Josef Muchitsch, ebenfalls als Vertreter von "Umwelt+Bauen". Zwei Gespräche mit dem Finanzministerium habe es bereits gegeben. Die Bundesländer mit ins Boot zu nehmen sei eine Aufgabe des Bundes. Es sei aber klar, dass nur im Zuge von Finanzausgleichsverhandlungen alle Länder ins Boot kommen könnten. Die würden wohl interessiert sein, da auch ihre Gemeinden und Städte von einem solchen Programm profitieren würden. Jede Milliarde Euro für die Sanierung könne bis zu 100.000 Jobs schaffen und sichern, davon allein 17.000 in der Bauwirtschaft.

Nötig für das Funktionieren des Sanierungsprogramms sei "eine klare Koordination", so Schmid: "Das ist so wie bei der Impfung. Jeder macht ein bisschen mit, aber es fehlt die Gesamtverantwortung." Man brauche "eine ganz klare Koordinierungsstelle", egal ob im Wirtschaftsministerium oder woanders. Zur Zeit würde der Bausektor ein solches Paket gar nicht brauchen, verwies er auf die Hochkonjunktur am Bau und den Baustoffmangel. "Aber wir reden über zwanzig Jahre, wir schauen weit, weit in die Zukunft."

60.000 öffentliche Gebäude müssten fit gemacht werden, mehr als 1,9 Millionen Wohnungen seien "noch weit davon entfernt, klimafit zu sein", meinte der WKÖ-Vertreter und erwähnte auch die nach wie vor hohe Zahl von Öl- und Gasheizungen. Ehe man aus Öl- oder Gaskesseln aussteige, sollten bauliche Maßnahmen für eine thermische Sanierung ermöglicht werden: "Vorher muss der energetische Bedarf des Gebäudes optimiert werden." Bei den 1,9 Mio. Wohnungen und 60.000 öffentlichen Gebäuden werde das im Schnitt wohl 1.400 Euro pro Quadratmeter kosten, deshalb spreche man in Summe von 140 Mrd. Euro für 20 Jahre oder 6 bis 7 Mrd. Euro pro Jahr.

Johannes Wahlmüller von Global 2000 nannte es positiv, dass die Bundesregierung die Mittel für die thermische Sanierung ausgeweitet habe. In klimafite Gebäude zu investieren sei besser als bis zu 9 Mrd. Euro an Strafgeldern zu zahlen, vor denen der Rechnungshof (RH) Österreich gewarnt habe. Da seien die jüngst nachgeschärften EU-Klimaziele noch gar nicht enthalten. Allein der Gebäudesektor in Österreich müsse in den nächsten zehn Jahren 4 Mrd. t CO2 einsparen. 40 Prozent der Gebäude in Österreich gehörten energetisch verbessert, in den besonders schlecht sanierten Gebäuden ließen sich 60 bis 70 Prozent der Emissionen und damit der Energiekosten einsparen, sagte Wahlmüller. Selbst bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gehöre die Hälfte der Gebäude den drei schlechtesten Klassen an. Die Sanierungsquote von 1,4 Prozent gehöre verdoppelt.

24
0
162077040004
401620821640

Mobiles Arbeiten könnte CO2 geringfügig reduzieren

Weiter zum Artikel
Wien, 12. May. 2021

Mobiles Arbeiten könnte geringfügig zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen. 2025 hätte Homeoffice ein Einsparungspotenzial von 0,1 Mio. t CO2, E-Learning von weiteren 0,2 Mio. t. Online-Shopping und digitale Gesundheitsdienste hätten nur "geringe Auswirkungen", ergab eine Berechnung von Eco Austria und dem Fraunhofer Institut. Deutlich mehr Sparpotenzial hätten Logistik und Verkehrssteuerung (1,8 Mio. t), "Intelligente" Stromnetze und Smart-Home-Nutzung (je 0,3 Mio. t).

Die Studie zeige, wie auch frühere empirische Untersuchungen, dass durch die Digitalisierung "CO2 senkende Effekte die CO2 erhöhenden Effekte im Durchschnitt zu überwiegen scheinen", schreibt die Studienautorin und EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna.

Breitbanddienste etwa hätten von 2002 bis 2019 dazu beigetragen, dass 7,09 Millionen Tonnen CO2 eingespart wurden. Mobiles Breitband hat laut Studie in der Vergangenheit im Gesamteffekt zu keinen systematisch höheren CO2-Ausstößen geführt.

Für Telekom-Austria-Chef Thomas Arnoldner bestätigen die Ergebnisse der Studie, "dass wir mit unserer digitalen Infrastruktur ein zentraler Wegbereiter für eine grüne und digitale Transformation sind".

Dass der Effekt am Ende des Tages wirklich positiv ist, hängt aber an vielen Faktoren, nicht zuletzt dem Verhalten der Menschen. Die Studie belege "erhebliche Potenziale für eine nachhaltigere Gesellschaft", auch wenn sich kurzfristig direkte Effekte negativ auf den CO2 -Ausstoß auswirken können. Es "können" dank Videokonferenzen und Cloud-Lösungen Dienstreisen und lange Anfahrten ins Büro, die Schule oder zu Gesundheitseinrichtungen reduziert werden. Struktur- und Verhaltensänderungen können sich dann aber positiv wie auch negativ auf die Umwelt auswirken. So könnten die neuen Mobilitätskonzepte zu weniger Individualverkehr führen - oder auch dazu, dass die Menschen ins Grüne ziehen und der Weg zum Büro länger wird, wodurch das Verkehrsaufkommen wieder steigen könnte.

25
0
162077040004
401620834900

Slowakei will Sputnik V ab Juni ohne EU-Zulassung einsetzen

Weiter zum Artikel
Bratislava, 12. May. 2021

Der von der EU nicht zugelassene Corona-Impfstoff Sputnik V soll in der Slowakei ab Anfang Juni zum Einsatz kommen. Dafür seien nur noch einige organisatorische Vorbereitungen notwendig, erklärte der slowakische Gesundheitsminister Vladimir Lengvarsky am Mittwoch in Bratislava.

Schon Anfang März hatte die Slowakei aus Russland 200.000 Dosen des Impfstoffs erhalten, setzte ihn aber nicht ein. Die staatliche slowakische Arzneimittelbehörde SUKL brachte Bedenken vor, wonach der an die Slowakei gelieferte Sputnik-Impfstoff nicht in allen Details identisch mit dem zuvor in der renommierten Fachzeitschrift "Lancet" beschriebenen sei.

Der frühere slowakische Gesundheitsminister Marek Krajci hatte eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Sputnik V ohne Zulassung durch die europäische Arzneimittel-Agentur EMA erteilt, zugleich aber SUKL mit einer vorherigen Überprüfung beauftragt. Sein Nachfolger Lengvarsky betonte wiederholt, er werde nur Impfstoffe zulassen, die von der EMA oder einer anderen "standardisierten" Kontrollinstanz positiv beurteilt wurden.

26
0
162068400008
801620720480

Stromerzeugung aus Wind und Sonne 2020 sprunghaft gestiegen

Weiter zum Artikel
Wien/Paris, 11. May. 2021

Die weltweite Kapazität für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen ist 2020 sprunghaft angestiegen und auch 2021 und 2022 dürfte es weiter ein sehr starkes Wachstum geben, erwartet die Internationale Energieagentur IEA. Erneuerbare Energieträger dürften in dieser Zeit 90 Prozent des Kapazitätszuwachses für die Energieerzeugung beisteuern. Der Zuwachs dürfte bei Photovoltaik stärker ausfallen als bei Windkraft.

Alleine 2020 kamen 280 Gigawatt (GW) an neuen Kapazitäten für Strom aus erneuerbaren Quellen weltweit dazu, heißt es in dem IEA-Bericht (Renewable Energy Market Update). Davon entfielen 135 GW auf Solarstrom und 114 GW auf Windkraft, der Rest auf Wasserkraft und Bio-Kraftwerke.

2021 und 2022 wird die Kapazität der Erneuerbaren in der gleichen Größenordnung von rund 280 GW jährlich ausgebaut werden. Dabei dürfte es aber eine Verschiebung geben, weg von Windkraft und hin zur Photovoltaik. Letztere dürfte mit heuer plus 145 GW und 2022 plus 162 GW mehr als die Hälfte der neuen Installationen ausmachen. Dazu tragen sinkende Preise und weitere Förderungen bei. Auch dürfte der Anteil von Großanlagen an der neuen Kapazität von derzeit 55 Prozent bis 2022 auf 70 Prozent zulegen.

Neue Windkraftanlagen dürften in den beiden Jahren um rund 80 GW zulegen. Hier sind Großprojekte in China die treibende Kraft.

Regional lässt das Wachstum in China nach, steigt aber in anderen Regionen. In China entstand 2020 die Hälfte der weltweiten neuen Kapazitäten für Strom aus erneuerbaren Quellen, da mit Jahresende Förderungen ausliefen und es noch einen Boom bei Installationen gab. Das neue Förderschema ist noch nicht veröffentlicht worden, daher lässt sich das weitere Wachstum nicht abschätzen. Auch wie es in den USA weitergeht wird von den Details des Infrastrukturplans von US-Präsident Joe Biden abhängen. In Europa rechnet die IEA mit einem weiteren Anstieg der neuen Kapazitäten auf 44 GW heuer und 49 GW 2022.

27
0
162068400007
701620684000

Strompreis steigt bis 2030 um 50 Prozent

Weiter zum Artikel
11. May. 2021

Steigende CO2 - und Erdgaspreise sorgen für Anstieg im Großhandel.

Die Preise im Stromgroßhandel werden einer Prognos-Studie zufolge bis 2030 um rund 50 Prozent steigen, und zwar von derzeit etwa vier auf sechs Cent je Kilowattstunde. Treiber des Anstiegs sind steigende CO2 - und Erdgaspreise. In Auftrag gegeben hat die Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW).

Der Stromgroßhandelspreis macht nur einen kleinen Teil des Endkundenpreises aus. Der Strompreis für private Haushalte liegt hierzulande bei rund 30 Cent je Kilowattstunde; der größte Teil dieser 30 Cent ist auf Abgaben, Steuern und Umlagen zurückzuführen.

Für Großverbraucher aus der Industrie gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Entlastungen. Dennoch ist das Stromeisniveau auch für die Industrie in Deutschland im weltweiten und im europäischen Vergleich hoch. Ein Beispiel: Schwedische Industriekunden mit einem jährlichen Stromverbrauch zwischen 20.000 bis 70.000 Megawattstunden zahlten im vergangenen Jahr rund 4,62 Cent pro Kilowattstunde Strom. Bei derselben Menge betrug der Preis für deutsche Industriekunden inklusive der Abgaben und Umlagen 12,06 Cent.

Der VBW warnt vor gravierenden Folgen eines Strompreisanstiegs. "Wenn in Deutschland nicht gegengesteuert wird, drohen zwangsläufig Betriebsschließungen und Standortverlagerungen", sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt dem Handelsblatt. Dauerhaft niedrige Industriestrompreise seien die Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Standort und für die Transformation zu einer CO2 - neutralen Industrie.

Zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist aus Sicht des VBW ein Industriestrompreis von unter vier Cent erforderlich. Um das Strompreisniveau zu dämpfen, sei ein ambitionierter Ausbau der erneuerbaren Energien erforderlich. "Wir brauchen die Erneuerbaren für niedrige Strompreise. Industrieinteressen und Klimaschutz wachsen zusammen", sagte Brossardt.

Die Prognos-Experten haben in ihrer Prognose das neue EU-Klimaziel berücksichtigt. Prognos geht davon aus, dass die Steigerung des Zielniveaus die Stromnachfrage erhöht. Treiber sind die Elektromobilität, der Einsatz elektrischer Wärmepumpen und die Produktion von grünem Wasserstoff, der in der Industrie eingesetzt wird.

Zusätzlich steigt der Wasserstoffbedarf, weil die gesicherte Leistung von Kraftwerken, die mit Erdgas und Kohle betrieben werden, schrittweise wegfällt; dafür kommen mehr und mehr Kraftwerke zum Einsatz, die mit klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden. Für eine Übergangsphase bis Ende des Jahrzehnts dürften aber Kraftwerke, die mit Erdgas betrieben werden, zunächst eine wachsende Bedeutung bekommen. Das liegt daran, dass klimaneutraler Wasserstoff auf mittlere Sicht noch nicht in größeren Mengen verfügbar ist.

 

von Klaus Stratmann

 

 

Handelsblatt, 11.05.2021, S. 011
28
0
162068400004
401620720420

Gehackte US-Pipeline soll am Wochenende wieder pumpen

Weiter zum Artikel
Washington/Baltimore (Maryland), 11. May. 2021

Die größte Benzin-Pipeline in den USA soll nach einem Cyberangriff schrittweise wieder in den Dienst genommen und bis Ende der Woche weitgehend normal im Einsatz sein. Das erklärte der Betreiber Colonial Pipeline.

Die Bundespolizei FBI teilte mit, bei dem Angriff sei die Erpressungssoftware Darkside eingesetzt worden. Eine ranghohe Vertreterin des Weißen Hauses, Elizabeth Sherwood-Randall, erklärte, Präsident Joe Biden werde regelmäßig über den Zwischenfall unterrichtet. Bisher sei kein Schaden bekanntgeworden und es gebe keinen Benzinmangel.

Colonial hatte mitgeteilt, die Firma habe bestimmte Systeme nach einer Cyberattacke vom Netz genommen, um die Bedrohung einzudämmen. In der Folge sei der Betrieb der Pipeline komplett zum Erliegen gekommen. Die Betreiber schalteten am Freitag die Behörden und eine externe IT-Sicherheitsfirma ein.

"Böse Buben sind sehr geschickt darin, neue Wege für Angriffe auf die Infrastruktur zu finden", sagte Andrew Lipow, Chef der Beratungsfirma Lipow Oil. "Diese hat nicht die notwendigen Verteidigungsmöglichkeiten, um alle Wege, über die ein System infiziert werden kann, zu versperren."

Die Pipeline, die sich zum Großteil unterirdisch auf 5.500 Meilen (rund 8.850 Kilometer) erstreckt, verbindet hauptsächlich an der Küste am Golf von Mexiko liegende Raffinerien mit dem Süden und Osten der USA. Transportiert werden unter anderem Benzin, Dieselkraftstoff und Heizöl - pro Tag um die 2,5 Millionen Barrel (je 159 Liter). Colonial mit Sitz im Bundesstaat Georgia ist der größte Pipeline-Betreiber in den USA.

Das Unternehmen transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe und beliefert mehr als 50 Millionen Amerikaner. Zu den Abnehmern gehören auch die US-Streitkräfte.

Bei sogenannten Ransomware-Attacken werden Daten auf Computern verschlüsselt - und die Angreifer verlangen meist Lösegeld für die Freigabe. Eine stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin Anne Neuberger erklärte im Weißen Haus, die Regierung habe keine Informationen dazu, ob der Pipeline-Betreiber den Erpressern ein Lösegeld gezahlt habe. Momentan sei von einem "kriminellen Akt" auszugehen, es würden aber alle Hinweise geprüft, auch mit Blick auf eine mögliche Verwicklung staatlicher Akteure. Bei der Attacke mit der Software Darkside würden die Profite meist zwischen den Programmentwicklern und Angreifern geteilt.

Nach dem Hackerangriff hatte die Regierung in Washington am Sonntag sogar den regionalen Notstand ausgerufen. Dieser Schritt gehe auf die dringende Notwendigkeit ein, "den sofortigen Transport von Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten" sicherzustellen, erklärte das US-Transportministerium. Notstand ausgerufen. Dieser Schritt gehe auf die dringende Notwendigkeit ein, "den sofortigen Transport von Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten" sicherzustellen, erklärte das US-Transportministerium.

Durch die regionale Notstandserklärung kann Treibstoff über die Straße in die betroffenen Bundesstaaten transportiert werden, darunter Florida, Texas, New York, Washington und Pennsylvania. Denn auch zwei Tage nach dem Cyberangriff konnte Colonial bisher nur einige kleinere Versorgungsleitungen wieder öffnen, das Hauptsystem war weiter außer Betrieb. Die verstärkte Verteilung von Treibstoff per Tanklaster könne die weggefallenen Pipeline-Kapazitäten nicht wettmachen, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Die Preise für Erdölprodukte stiegen in den USA an. Stimmen wurden laut, wonach dies bei einem längeren Ausfall sogar in Europa der Fall sein könnte.

29
0
162068400004
401620720360

Entwurf zu deutschem Klimagesetz ohne Detailziele nach 2030

Weiter zum Artikel
Berlin, 11. May. 2021

In Deutschland sollen bei der geplanten Reform des Klimaschutzgesetzes zunächst keine detaillierten Vorgaben für die Zeit nach 2030 gemacht werden. Erst im Jahr 2028 solle dies angesichts möglicher neuer EU-Vorgaben und der Entwicklung eines Preissystems für den CO2-Ausstoß noch einmal geprüft werden, heißt es in einem neuen Gesetzentwurf der deutschen Bundesregierung, der Reuters vorlag.

Im zunächst vorgelegten Entwurf hatte das federführende deutsche Umweltministerium nicht nur für die Jahre bis 2030, sondern auch für 2035 und 2040 für jeden Sektor Höchstgrenzen zum CO2-Ausstoß festgelegt - also für die Bereiche Energie, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr oder Gebäude.

Kleine Änderungen gibt es im neuen Entwurf auch an einzelnen Zielen bis 2030: Der deutsche Energiesektor muss weiter den größten Beitrag zu den insgesamt verschärften Vorgaben liefern und gut ein Drittel mehr einsparen als im bisherigen Gesetz vorgesehen. Dagegen wird der Landwirtschaft etwas mehr CO2-Ausstoß bis 2030 erlaubt, der Industrie leicht weniger. Da die EU voraussichtlich 2022 neue Regelungen zur Aufteilung von Vorgaben zwischen den Sektoren beschließen wird, stellt die Regierung auch diese Zahlen wie schon im ersten Gesetzentwurf unter einen Vorbehalt.

Das Klimagesetz soll am Mittwoch im deutschen Bundeskabinett in Berlin beschlossen werden. Das 2030-Ziel für Deutschland wird insgesamt auf eine Einsparung von 65 Prozent gegenüber 1990 angehoben. Bis 2045 statt wie bisher 2050 soll nahezu völlig auf den Ausstoß von Klimagasen verzichtet werden.