Filtern nach
Ihr Suche ergab leider kein Ergebnis! Bitte versuchen Sie es mit einem anderen Begriff.
0
0
156132720007
701561327200

EU-Kommission kritisiert Österreichs Klimapolitik

Weiter zum Artikel
Brüssel, 24. Jun. 2019

Pariser Ziele. Die Politik der Kurz-Regierung sei mangelhaft gewesen und ließe konkrete Maßnahmen vermissen. 

Die erste Bewertung der 28 nationalen Pläne zur Erreichung der Pariser Klimaziele durch die Europäische Kommission fällt für Österreich schlecht aus. Die Klimaschutzpolitik der türkis-blauen Bundesregierung unter Kanzler Sebastian Kurz sei mangelhaft gewesen, in wesentlichen Fragen wie der erneuerbaren Energie und der Energieeffizienz hatte die Regierung gar keine spezifischen Angaben gemacht, wie sie bis zum Zieljahr 2030 Fortschritte zu erzielen gedenkt. 
Wo die vom Nationalrat jüngst abgesetzte Regierung konkrete Ziele nannte, allen voran bei der allgemeinen Senkung der Treibhausgasemissionen, hat sie keine Abschätzung der Folgen ihrer beabsichtigten Politiken erstellt und auch nicht beziffert, welche staatlichen und privaten Investitionen dafür notwendig wären. Sie hat nicht ausgeführt, wie sie die sozialen Folgen der Energiewende gerecht abzudämpfen gedenkt. Auf eine Liste der Subventionen für fossile Treibstoffe und etwaige Maßnahmen, um sie auslaufen zu lassen, hat die österreichische Regierung ganz verzichtet. 

40 Prozent weniger Emissionen 
Die Union hat sich im Rahmen ihrer Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verbindliche Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 gesteckt. Um 40 Prozent weniger Kohlendioxid und andere Verursacher des Klimawandels will die EU bis dann ausstoßen (im Vergleich zum Jahr 1990), zu welchem Zweck die Energieeffizienz um zumindest 32,5 Prozent steigen und der Anteil erneuerbarer Energiequellen mindestens 32 Prozent betragen soll. 
Um diese Ziele zu erreichen, haben alle Mitgliedstaaten bis Jahresende Pläne für die Jahre 2021 bis 2030 vorzulegen. Die Kommission hat nun erstmals die Entwürfe dieser klimapolitischen Programme analysiert. Österreich bewertet sie sehr kritisch. 
So würde Österreich sein Ziel, die Treibhausgasemissionen außerhalb von Energiegewinnung und Industrie um 36 Prozent senken zu wollen, "mit gegenwärtigen Maßnahmen um 20 Prozentpunkte verpassen". Bei dieser Kategorie von Emissionen geht es in erster Linie um den Verkehr und Gebäude; sie nehmen schließlich nicht am Handelssystem mit Emissionszertifikaten teil. 

Keine soziale Dämpfung der Reformen 
Der österreichische Klimaplan lasse es weiters an konkreten Maßnahmen mangeln, mittels derer das "sehr ehrgeizige" Ziel, bis 2030 sämtliche Elektrizität aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, zu erreichen wäre. Beim Thema Energieeffizienz hat die für die Redaktion des Klimaplanes damals zuständige Ministerin, Elisabeth Köstinger, nicht nur ein konkretes Ziel vermissen lassen. Schlüsselfragen wie jene, wie der Bausektor zu geringerer Verschwendung von Energie (im Wege der Gebäudesanierung) beitragen kann, wurden ebenfalls nicht beantwortet. 
"Unvollständig" ist der österreichische Klimaplan auch in der Frage, wie die Energiewende gerecht gestaltet werden kann. Das ist keine triviale Frage: Die Entscheidung der französischen Regierung, zur Schaffung von Kostenwahrheit die Steuer auf Treibstoffe zu erhöhen, hat vergangenen Herbst die zunehmend gewalttätige Revolte der Gelbwesten verursacht. Die Verteuerung des Autofahrens ist vor allem in ländlichen Regionen ohne leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr ein heißes Eisen. 

Emissionsfreie Union bis 2050 
Das Datum 2030 ist nur eine Etappe auf dem Weg zu einem noch ehrgeizigeren Ziel, über das derzeit in Brüssel und zwischen den Regierungskanzleien der EU-Mitglieder verhandelt wird: nämlich jenem, dass die Union im Jahr 2050 unterm Strich, also unter Verwendung von Technologien, die Kohlendioxid speichern, keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre ausstoßen soll. Hier scheint es im größten Mitgliedstaat, Deutschland, einen wesentlichen Meinungsumschwung gegeben zu haben. Denn laut Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wird Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Europäischen Ratstreffen am Donnerstag und Freitag nun doch die "Arbeit an den Bedingungen, Anreizen und dem Rahmen" unterstützen, "um den fairen Wandel zu einer klimaneutralen EU im Jahr 2050 zu unterstützen". 

Die Presse, von Oliver Grimm
1
0
156132720007
701561327200

Gut 630 € sparen bei Energie

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Der Strompreis ist österreichweit zuletzt gestiegen. Wer hingegen zum jeweils billigsten Anbieter bei Strom sowie Gas wechselt, erspart sich viel Geld . 

„Eine vierköpfige Familie kann sich derzeit im Schnitt insgesamt gut 630 € im Jahr einsparen. Das ist noch um 30 € mehr als zu Jahresbeginn. Wir raten deshalb jetzt im Sommer zum Anbieterwechsel“, betont Marc Schuler, Österreich-Chef des Vergleichsportals compera.at. Exklusiv für die „Krone“ hat er die mögliche Ersparnis je nach Größe des Haushalts sowie pro Bundesland ermittelt. Im Raum Linz sind demnach bis zu 830 € im Jahr drin, wenn man zum billigsten Anbieter für Strom sowie Gas geht, in Vorarlberg immerhin 457 €. 

Kronen Zeitung
2
0
156132720007
701561327200

Windkraft-Bekenntnis des Landes gefordert

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Abstimmung. Nach dem Nein im Lungau rückt ein Projekt in Saalbach in den Fokus

Ein Gutes hat die klare Abstimmungsniederlage im Lungau auch für Windkraft-Befürworter. Das Thema ist wieder auf der politischen Agenda. Deutlich - mit 124 zu 39 Stimmen - haben die Gemeindevertreter des Bezirks am Samstag einen Windpark im Lungau zu den derzeitigen Rahmenbedingungen abgelehnt. Allerdings haben sie mehrheitlich ein Moratorium verabschiedet, das die Türe für Windkraft offenlässt. 
Die Gemeinden nehmen nun die Landesregierung in die Pflicht. Im Beschluss heißt es: "Die Salzburger Landesregierung wird aufgefordert, ein bundeslandweites, ausgewogenes Energiekonzept (…) insbesondere auch für Windkraftanlagen, zu entwickeln." 

Robert Gruber sieht ebenfalls das Land am Zug. Er ist Geschäftsführer der Lungauwind, deren Projekt in Weißpriach erst zur Abstimmung geführt hatte. Aufgrund des öffentlichen Gegenwindes legte Gruber den Windpark am Fanningberg im vergangenen Herbst aber auf Eis. "Wenn sich der Lungau darauf einigen kann, dass er Windkraft will, machen wir weiter", sagt er. 

"Ich denke, dass das Land etwas machen muss. Die Regierung muss sich einfach bekennen", erklärt Gruber. Weder Nein noch Ja zu sagen funktioniere nicht. "Es ist schön, wenn es kantige Politiker gibt", meint der Lungauer Unternehmer. Die Gemeinden fordern in ihrem Beschluss, "dass die dazu notwendigen Energieanlagen auf alle Landesteile aufgeteilt werden". Mögliche Projekte gibt es bereits. 
Leitungsbau rückt näher So führen die Hinterglemmer Bergbahnen im hinteren Glemmtal aktuell Messungen für ein mögliches Windkraftprojekt durch. 
Projektpartner dafür ist die Salzburg AG. Bei diesem Projekt sind fünf Windräder mit einer Nabenhöhe von 120 Metern geplant, also durchaus imposante Bauwerke. Das Ergebnis der Windmessungen und damit die Entscheidungsgrundlage soll bis Ende des Jahres vorliegen. 

Er könnte der Windkraft durchaus etwas abgewinnen, sagt Alois Hasenauer, Bürgermeister von Saalbach-Hinterglemm. "Wir zählen uns zur Freizeitindustrie, die ein großer Energieverbraucher ist, so ehrlich müssen wir sein. Da wäre es schon etwas, wenn so ein großer Ort wie wir sagen könnte, dass wir uns zu 100 Prozent selbst mit Energie versorgen können", sagt Hasenauer zum 
KURIER. Natürlich könne so ein Projekt aber nur im Einklang mit der Bevölkerung umgesetzt werden. 
Dieses Ziel wurde bei der 380-KV-Leitung, einem anderen wichtigen energiepolitischen Projekt in Salzburg, nicht erreicht. Dabei gab es am Montag einen Rückschlag für die Gegner. Der Verfassungsgerichtshof sieht keine Grundrechtsverletzungen, das Höchstgericht verwies die Leitungsgegner an den Verwaltungsgerichtshof. Ihr Anwalt Wolfgang List hatte gerade in die Beschwerde vor dem VfGH große Hoffnungen gesetzt. M. Nagl 

3
0
156132720007
701561327200

Alle wollen das Kabel

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Die 600-Kilometer lange Leitung, durch die erneuerbarer Strom zwischen Deutschland und Norwegen fließen soll, ist bei Büsum am Deich angekommen. Es gibt kaum Proteste 

Als das Kabel in das Rohr gezogen wird, herrscht Stille. Nur das Knarren der Seilwinde und das Klicken der Fotoapparate ist zu hören, dazwischen das irritierte Bliep-Bliep der schwarz-weiß gefiederten Austernfischer, die über dem Verlegeschiff kreisen. Das Schiff liegt vor dem Nordseedeich bei Büsum auf dem grau-braunen Schlick, der armdicke Nordlink rollt zentimeterweise über gebogene Gestelle ab in das Rohr, das durch den Seedeich führt. 
Das alles ist lange geplant, "aber man fiebert doch auf diesen Moment hin", sagt Gunnar Spengel, Nordlink-Projektleiter bei der Firma Tennet, die mit dem norwegischen staatlichen Netzbetreiber Statnett das Kabel verlegt. Um die Zwei-Milliarden-Euro-Investition zu stemmen, ist auf deutscher Seite die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beteiligt. 

Der Deich-Durchstich ist noch nicht das Ende des Projekts. Es fehlen noch rund 54 Kilometer Erdkabel bis zum Umspannwerk bei Wilster. Aber der größte Teil der Strecke ist geschafft, inklusive schwieriger Transporte von 400-Tonnen-Trafos über norwegische Serpentinenstraßen und Verlegung des Seekabels bei Sturm und Wellengang. Es wird von Spezialschiffen auf dem Meeresgrund ausgelegt und später mit Sand zugeschüttet. Aber nicht nur technisch sei Nordlink eine "Pioniertat", sagt Tennet-Sprecher Mathias Fischer, sondern "wichtig für ganz Europa, um die Energiewende zu schaffen". 

Über das Doppelkabel - zwei Stränge verlaufen parallel - kann Strom aus deutschen Windrädern nach Norwegen und Energie aus den norwegischen Wasserkraftwerken nach Deutschland geleitet werden, um stetigen Zufluss erneuerbarer Energie zu garantieren. Das verhindert, dass Windräder abgeschaltet werden, wenn die Netze überlastet sind, oder dass bei Flaute nichts aus der Steckdose kommt. 
Knapp zwei Stunden nachdem das Kabel auf See im Rohr verschwunden ist, rollt es jenseits des Deiches ans Licht. Ab hier beginnt die Verlegung als Erdkabel - in einem rund fünf Meter breiten Graben, in dem beide Kabelstränge liegen. Ist der Graben wieder zugeschüttet, sei bald nichts mehr von den Arbeiten zu sehen, sagt Fischer. 

Was fehlt, ist der Protest gegen die Kabelverlegung oder Menschen, die sich über die Nutzung der Nordsee als Kabelschacht aufregen - im Gegenteil, es herrscht eher Begeisterung, allen voran in der Landespolitik. Der Grüne Robert Habeck, bei Baubeginn Umwelt- und Energiewendeminister in Schleswig-Holstein, nannte die Seetrasse einen "Zukunftsbaustein" und freute sich über die Zusammenarbeit mit Norwegen: "Die Energiewende wird europäisch." 
Diese Haltung sei bei der heutigen Jamaika-Regierung geblieben, berichtet Tennet-Sprecher Fischer. Zwar gab es vor Baubeginn Proteste von AnwohnerInnen des Hardanger-Fjords in Norwegen, berichteten damals Medien. Und dass Bayern keine Lust auf Kabel für Windstrom hat, ist bekannt. In Schleswig-Holstein dagegen, wo an viele Gemeinden Bürgerwindparks angeschlossen sind, scheint der Nordlink willkommen. 

Das Kabel wird durch das empfindliche Wattenmeer geführt, aber auch die Umweltschutzverbände haben "keine grundsätzlichen Bedenken", so der BUND Schleswig-Holstein auf taz-Anfrage. Ja, das Kabel sei ein "starker Eingriff", aber "eine Energiewende ohne Eingriffe in Natur und Landschaft ist leider nicht möglich". Der Nabu verweist auf technische Fortschritte seit den ersten unterseeischen Stromkabeln, und der Nationalpark Wattenmeer erinnert daran, dass auch für die Offshore-Seeparks Leitungen gebaut werden müssen: "Um die negativen ökologischen Effekte zu minimieren, werden alle Kabel auf einer Trasse durch den Nationalpark gebündelt" - der Nordlink ist Teil dieses Pakets. 
Ingrid Austen, freiberufliche Wattführerin, sieht es pragmatisch: "Der Eingriff ist nur temporär, und es gibt strenge Auflagen. Und schließlich wollen wir alle weiter Energie nutzen." 

Nordlink in Zahlen 
Die Gesamtlänge beträgt 623 Kilometer, davon 516 auf See. 
Übertragen wird Hochspannungs-Gleichstrom, der in den Umspannwerken Wilster und Tonstad in Wechselstrom umgewandelt werden kann. 
Die Übertragungs-Kapazität von 1400 Megawatt entspricht dem Bedarf von 3,6 Millionen Haushalten. 
Geplanter Start ist Ende 2020. 
So kommt das Kabel an Land: Nordlink verbindet Norwegen und Norddeutschland 

 

taz.die tageszeitung, von Esther Geißlinger
4
0
156132720007
701561327200

Der Blackout in Südamerika muss auch uns eine Mahnung sein. Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit, meint Jürgen Flauger.

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Knapp 50 Millionen Bürger in Südamerika haben am Wochenende gespürt, wie abhängig ihr Leben inzwischen von Elektrizität ist.

In weiten Teilen Argentiniens und Uruguays, aber auch in einigen Nachbarländern legte ein Blackout die Stromversorgung für viele Stunden lahm. Kühlschränke, Elektroheizungen oder Computer waren plötzlich nicht mehr zu gebrauchen. 

Südamerika ist zwar Tausende Kilometer entfernt, und die Stromversorgung dort mag nicht mit der in Europa zu vergleichen sein. Der Vorfall muss aber auch uns Deutschen eine Mahnung sein: Die Sicherheit der Stromversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Vor allem aber ist sie ein hohes Gut, das bestmöglich geschützt werden muss. 

Aktuell steht die Debatte über den Klimaschutz im Vordergrund. Die "Fridays for Future"-Bewegung hat der Diskussion noch einmal eine neue Dynamik gegeben. Das ist richtig und wichtig. Beim globalen Klimaschutz drängt die Zeit. Es ist auch richtig, dass Deutschland sich entschieden hat, die Energiewende zu forcieren - und nach der Kernenergie nun auch aus der Kohleförderung und - verstromung auszusteigen. 

Dabei darf aber die Sicherheit der Stromversorgung nicht aufs Spiel gesetzt werden. Deutschland hat nach wie vor eines der verlässlichsten Stromnetze der Welt. Im Schnitt müssen die Deutschen pro Jahr rund 15 Minuten auf Strom verzichten. Das ist im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. Selbst der Atomausstieg wurde bisher gut bewältigt. 
Wir dürfen uns aber nicht blenden lassen. Schon jetzt leisten die Stromnetzbetreiber Schwerstarbeit, um Stromausfälle zu vermeiden. Mit dem Boom der erneuerbaren Energien, die unregelmäßig Strom produzieren, wird es immer schwieriger, Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Die Netzbetreiber müssen fast täglich eingreifen. Sie nehmen Windräder vom Netz, wenn das Angebot zu hoch ist, oder lassen Gaskraftwerke hochfahren, wenn es zu wenig Strom gibt. 

Panikmache ist dabei fehl am Platz. Deutschland wird den Kohleausstieg bewältigen. Er darf aber nicht zulasten der Versorgungssicherheit gehen - und die aufrechtzuerhalten ist nicht trivial. Angebot und Nachfrage müssen stets im Gleichgewicht sein. Der Ausbau der Netze muss mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt halten - und dem Abschalten von Kernkraftwerken und Kohleanlagen. 
Deutschland, seine Bürger und seine Wirtschaft sind von einer sicheren Stromversorgung stark abhängig. Einen flächendeckenden Stromausfall gilt es auch in Zukunft zu vermeiden. In Südamerika haben Millionen Menschen erlebt, wie hilflos man ohne Strom ist. 

Der Autor ist stellvertretender Ressortleiter Unternehmen. Sie erreichen ihn unter: flauger@handelsblatt.com 
ZITATE FAKTEN MEINUNGEN 
Schon jetzt leisten die Netzbetreiber Schwerstarbeit, um Stromausfälle zu vermeiden. 

Handelsblatt, von Ernste Gefahr
5
0
156132720007
701561327200

Saubere Energie wächst langsam

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Noch immer steigen Subventionen für fossile Brennstoffe 

Erneuerbare Energien haben im Jahr 2018 mehr als 26 Prozent zur globalen Stromproduktion beigetragen. Damit setzt sich das Wachstum der klimafreundlichen Energien zwar fort, doch noch immer verläuft der Übergang zu sauberer Energie nicht schnell genug, um mit dem Paris-Abkommen in Einklang zu sein. Den Grund dafür sieht ein aktueller Bericht des Erneuerbaren-Netzwerks Ren21 vor allem in falschen politischen Rahmenbedingungen und den immer noch enormen Subventionen für fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas. 
An der Ren21-Initiative, die im Jahr 2004 aus einer internationalen Erneuerbaren-Konferenz hervorgegangen ist und unter anderem vom UN-Umweltprogramm Unep unterstützt wird, sind zahlreiche Experten beteiligt. Koordiniert wird sie von einem Komitee aus 50 Vertretern von Industrie, NGOs, Regierungen und Wissenschaft. Einmal jährlich veröffentlicht das Netzwerk einen Bericht zum globalen Status erneuerbarer Energien. 

In diesem Jahr ist das Fazit dieses Reports gemischt. "Es sind gute Neuigkeiten, aber es ist nicht perfekt", sagt Rana Adib, Generalsekretärin von Ren21. Auf der positiven Seite sieht sie etwa die weiterhin robusten Investitionen in saubere Energien: Auch wenn die investierte Summe von 326Milliarden US-Dollar auf 289 Milliarden zurückging, wurde das vierte Jahr in Folge bei erneuerbaren Energien deutlich mehr Stromerzeugungs-Kapazität installiert als bei Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken. Die gesamte Erneuerbaren-Kapazität legte um fast ein Zehntel zu. 

Allein die zusätzlich installierten Solarzellen würden demnach reichen, um ein Viertel des Strombedarfs von Frankreich zu decken. "Erneuerbare sind in der Stromerzeugung oft die billigste Option, sie sind hier, um zu bleiben", sagt Adib. Positiv bewertet sie auch, dass das Wachstum der Öko-Energien nicht mehr nur an einigen wenigen Ländern hängt: Obwohl in China nach jahrelangen Zuwächsen die staatliche Förderung angepasst wurde und deshalb die Investitionen deutlich zurückgingen, legte die Installation weltweit weiter zu. Inzwischen tragen die Öko-Energien zu mehr als einem Viertel zur Stromproduktion bei. 
Auch die Befürchtung, dass schwankende Größen wie Wind und Sonne sich nicht ins Netz integrieren lassen, ist eindeutig entkräftet: Seit dem Jahr 2000 hat sich die Stromerzeugung aus solchen variablen Quellen verzehnfacht. Neun Staaten, darunter Deutschland, Uruguay und Irland, decken mehr als ein Fünftel ihrer Stromerzeugung aus Wind und Sonne; in Dänemark beträgt der Anteil sogar mehr als die Hälfte. 

Doch der Bericht enthält auch ein großes Aber: Auf den Strombereich, in dem die Erneuerbaren einigermaßen stetig - wenn auch nicht schnell - zulegen, entfallen nur rund 17 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Viel mehr, nämlich rund die Hälfte der verbrauchten Energie, geht für Heizen und Kühlen drauf. Das verbleibende Drittel entfällt auf den Transportsektor. Und in diesen beiden großen Bereichen passiert noch immer nahezu nichts. 

"Das ist sehr besorgniserregend, wenn man bedenkt, wie wenig Zeit übrig ist", sagt Adib - etwa mit Blick auf das im Paris-Abkommen festgelegte Zwei-Grad-Ziel, für das die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas eigentlich binnen weniger Jahrzehnte aufhören müsste. Zwar sieht sie im Verkehrsbereich durchaus ein Umdenken, immerhin werde der nötige Umbau diskutiert. Aber ähnlich wie in Deutschland, wo trotz aller Debatten der CO-Ausstoß des Verkehrs seit 1990 nicht zurückgegangen ist, haben sich die Überlegungen bislang nicht in messbaren Erfolgen niedergeschlagen. Lediglich ein Dreißigstel des Energiebedarfs im Verkehr wird mit den - ohnehin umstrittenen - Bio-Treibstoffen oder mit Ökostrom gedeckt. 
Beim Heizen und Kühlen sieht es auf den ersten Blick besser aus, aber das täuscht: Zwar stammt knapp ein Viertel der verbrauchten Energie aus prinzipiell erneuerbaren Quellen, aber mehr als die Hälfte davon entfällt auf traditionelle Holz- oder Dungfeuer, die in Entwicklungsländern genutzt werden. Längst nicht überall wächst im gleichen Maße Wald nach. Nur etwa ein Zehntel der Wärme- und Kälteerzeugung stammt aus modernen erneuerbaren Quellen wie der Geothermie. 

Als Grund für die Stagnation sehen die Autoren Versäumnisse in der Politik. So ergriffen 135 Länder Maßnahmen zur Förderung von Solar-, Wind- oder Wasserstrom, aber nur 70 Staaten fördern Erneuerbare im Verkehr. Und mit 20 Ländern ist nur eine Minderheit auf die Idee gekommen, den Einsatz von Erneuerbaren dort zu fördern, wo am meisten verbraucht wird - beim Heizen und Kühlen. 
Hinzu kommt: Im Jahr 2017 flossen 300Milliarden US-Dollar in Subventionen für fossile Brennstoffe, etwa für verbilligtes Benzin. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr und ungefähr doppelt so viel wie die Summe, mit der erneuerbare Stromerzeugung gefördert wird. Dabei sind diese Subventionen nur ein kleiner Teil der realen Kosten: Mindestens 5,2 Billionen US-Dollar kommen Schätzungen zufolge zusammen, wenn man auch die externen Kosten der fossilen Brennstoffe einrechnet - also etwa Kosten durch Luftverschmutzung. Sie werden nicht den Verursachern, sondern der Allgemeinheit aufgebürdet. 

Süddeutsche Zeitung
6
0
156132720007
701561327200

Glemmtaler sind offen für Windräder

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Die Bergbahnen Hinterglemm können sich drei Windräder in ihrem Skigebiet vorstellen.

Die Gemeindevertretung sieht sich demnächst eine Anlage in der Steiermark an. STEFAN VEIGL 
SAALBACH-HINTERGLEMM. Nach dem vorläufigen Nein aus dem Lungau für Windräder hat sich LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne) weitere Anstrengungen für erneuerbare Energie gewünscht – auch von der Salzburg AG. Er hob aber als positiv hervor, dass der Energieversorger derzeit Windkraftmessungen im Glemmtal durchführt. 

Konkret geht es dabei um zwei Standorte, die den Hinterglemmer Bergbahnen gehören; der dritte Standort gehört ihnen gemeinsam mit einem Landwirt, wie Bergbahnen-Geschäftsführer Manfred Bachmann bestätigt: „Wir messen seit September 2018 im Umfeld der Bergstation der Hochalmbahn die Windstärke. Da wären drei Windkraftanlagen im Umkreis von 300 bis 400 Metern geplant – wenn die Messungen das hergeben.“ Diese würden noch bis Herbst 2020 laufen: „Die ersten Auswertungen der Windmessungen sind positiv. Gleichzeitig wird auch eine Machbarkeitsstudie von der Salzburg AG erstellt.“ Genaueres lasse sich aber erst nach diesem Sommer bzw. 2020 sagen, meint er. Für ein konkretes Projekt sei es aber noch zu früh: „Zuerst müssen wir schauen, ob der Wind stark genug ist, damit so ein Projekt wirtschaftlich ist.“ 

Aber wie schnell ließe sich eine Windkraftanlage realisieren – vorausgesetzt, die Messwerte stimmen? Bachmann ist auch hier optimistisch: „Die Stimmung seitens der Gemeindevertretung und des Bürgermeisters ist positiv.“ Er betont aber, dass es für die Bewilligung zunächst ein Widmungs- und ein Bauverfahren sowie auch eine naturschutzrechtliche Verhandlung brauche: „Wir wollen aber schnell loslegen, wenn die Wind-Werte stimmen.“ Die Investitionssumme für so eine Anlage stehe noch nicht fest; in puncto Betreiber sagt Bachmann aber klar: „Wenn, dann würden wir gemeinsam mit der Salzburg AG investieren. Das wurde uns auch so zugesagt.“ An eine finanzielle Beteiligung der Gemeindebürger sei „eher nicht“ gedacht. 

Als die Messungen im Herbst 2018 erstmals bekannt wurden, gab es aber auch Kritik: Denn der Geschäftsführer des Tourismusverbands, Wolfgang Breitfuß, meinte, dass eine Windkraftanlage „mit 200 Meter hohen Masten auf dem Bergkamm die Landschaft verschandeln“ würde. Aktuell wolle er zur Causa Wind aber „lieber nichts mehr sagen“. Der seit Herbst 2018 amtierende Tourismusverbandsobmann, Hotelier Heinz Fuchs, sagt, er wolle zuerst die Messergebnisse abwarten und sich erst dann detailliert mit dem Thema beschäftigen: „Noch gibt es von meiner Seite kein Ja und kein Nein zu Windrädern.“ Klar sei aber, „dass Saalbach aufgrund seiner touristischen Kapazitäten auch einen hohen Energieverbrauch vorweist und wir natürlich bestrebt sind, nachhaltige Maßnahmen zu setzen.“ 

Auch Bachmann ist dieser Meinung: „Wir sollen dort Energie erzeugen, wo sie auch verbraucht wird. Denn wir als Bergbahnen sind ein großer Energieverbraucher“ – durch die Beschneiungsanlagen für die 270 Pistenkilometer und die 70 Liftanlagen. In Summe seien die fünf Liftgesellschaften des Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn „sicher einer der größten Stromverbraucher in der Region. Und ich denke schon, dass unsere Kunden auch sehen, dass so eine Windanlage von Vorteil wäre. Das würden die Gäste schon akzeptieren – Panorama hin oder her.“ Denn auch wenn die Windräder nicht schön anzuschauen seien, solle man sich auch mit alternativen Möglichkeiten der Stromerzeugung befassen, sagt Bachmann: „Das erfordern auch die Klimaziele des Landes. Irgendwann wird Windkraft auch in Salzburg ankommen. Warum sollen wir nicht in Hinterglemm die Ersten sein?“ 

Auch der Saalbacher Bgm. Hasenauer (ÖVP) zeigt sich offen: „Ich will über die Windkraft eine offene Diskussion, basierend auf ordentlichen Grundlagen“, dazu seien die Messergebnisse nötig. „Aber ich persönlich sage, dass wir gegenüber den erneuerbaren Energieformen aufgeschlossen sein müssen. Da darf man sich auch gegenüber Windrädern nicht verschließen. Denn wir sind in der Freizeitindustrie tätig, der ist ein großer Energiefresser.“ Um sich einen Eindruck zu verschaffen, wird die Gemeindevertretung noch im Juni auf Einladung der Bergbahnen einen Windpark in Oberzeiring (Steiermark) besuchen: „Denn von uns hat noch keiner ein Windrad aus der Nähe gesehen.“ Hasenauer betont, dass es am Ende eine Entscheidung der Gemeindevertretung für so ein Projekt brauche: „Wenn eine Mehrheit dafür ist, werde ich der Letzte sein, der dagegen ist. Auch unsere Gäste wissen, dass Skifahren viel Strom verbraucht und auch der Sommerbetrieb der Bergbahnen.“ Der Bürgermeister glaubt, dass die Gäste generell sogar positiv auf die Windräder auf der Skipiste reagieren würden: „Denn das gibt es in Salzburg noch nicht, dass sich ein Skigebiet über solche Energieform Gedanken macht.“ 

Hasenauer ergänzt, dass aus seiner Sicht Windräder für die laufende Bewerbung für die Ski-WM 2025 sogar ein positiver Faktor wären: „Bei der Vergabe sportlicher Großereignisse spielt das ökologische und das Energiekonzept eine Rolle. Mir ist es lieber, wir nutzen alternative Energie, als dass wir Dieselaggregate auf der Wiese stehen haben.“ 

Salzburg-AG-Vorstandssprecher Leonhard Schitter sagt, dass sein Unternehmen nur „technischer Partner bei den Windmessungen“ sei. Deren Ergebnisse wolle man zunächst abwarten: „Wir hoffen, dass wir bis Jahresende belastbare Daten haben.“ 

LH-Stv. Schellhorn (Grüne) ist angesichts der Rückmeldungen aus Saalbach zuversichtlich: „Wir freuen uns, da im Glemmtal anscheinend eine offene Tür vorzufinden“, heißt es aus seinem Büro. Und: „Der Landesrat hat immer betont, dass in Fragen des Klimaschutzes die Ästhetik nicht die oberste Priorität haben darf. Denn man muss auch sehen, dass Skilifte und Wasserkraftwerke keine optischen Highlights sind.

    

Salzburger Nachrichten
7
0
156132720007
701561327200

Siemens spart für die Börse

Weiter zum Artikel
MÜNCHEN, 24. Jun. 2019

Neue Strukturen, noch weniger Stellen in der Energietechnik: Der Münchner Konzern spürt die Folgen der Energiewende schmerzlich. Er rechnet sein Streich- und Sparkonzept aber geschickt klein.

Die Gelassenheit von Joe Kaeser ist Anfang Mai doch recht betont gewesen, als der Vorstandsvorsitzende von Siemens über den Zustand der problembehafteten Energietechnik gesprochen hatte. "Gas and Power könnten wir ein paar Jahre so weiterführen", sagte er auf der Quartalspressekonferenz, als er den Börsengang dieser Sparte für spätestens September 2020 angekündigt hatte. Gleichzeitig ließ er nebenbei wissen, dass dafür die Umstrukturierungen verschärft werden müssen. Statt der ursprünglich geplanten 500 Millionen Euro würden nun eine Milliarde Euro eingespart. 

Die Börse jedenfalls reagierte positiv auf den am vergangenen späten Dienstagnachmittag bekanntgegebenen zusätzlichen Abbau von 2700 Arbeitsplätzen in der Energietechnik (F.A.Z. vom 19. Juni). Seit Dienstag ist der Aktienkurs von Siemens um rund fünf Prozent gestiegen. Die Maßnahme wird als offensives Vorgehen interpretiert, die angeschlagene, ertragsschwache Sparte für den geplanten Börsengang unter dem Projektnamen "Siemens Powerhouse" zu trimmen und für Anleger attraktiv zu machen. Dabei wird das entstehende Schwergewicht am Aktienmarkt mit 27 Milliarden Euro Umsatz und 88 000 Mitarbeitern im ersten Schritt nicht dem breiten Publikum angeboten, sondern den Siemens-Aktionären per Abspaltung (Spin-off) ins Depot gelegt. Siemens wird gleich in die Minderheitsposition gehen und weniger als 50 Prozent halten. 

Im Inland sollen mehr Stellen abgebaut werden als im Ausland; insgesamt sollen 1400 Arbeitsplätze in den nächsten zwei bis drei Jahren wegfallen. Besonders hart betroffen sind voraussichtlich die Standorte Berlin (rund 470 Stellen) sowie Erlangen und Nürnberg (etwa 750 Stellen). Erst im Herbst vergangenen Jahres besiegelte Siemens mit der Belegschaftsseite in der ersten Etappe das Einsparen von 6000 Arbeitsplätzen, davon 2900 in Deutschland, bis spätestens zum Jahr 2023. Es ist zu hören, dass die Umsetzung beider Maßnahmen mit Blick auf den bevorstehenden Börsengang beschleunigt werden soll und damit wesentlich früher erfolgen dürfte. 

Mit dem neuen Programm zeigt sich, dass die Folgen der Energiewende immer breitere Auswirkungen haben. Der Einsatz von konventionellen Kohle-, Gas- oder Öl-Kraftwerken sinkt auf der ganzen Welt deutlich, während erneuerbare Energien zunehmen. Bezogen sich die Maßnahmen im ersten Programm auf das Kraftwerksgeschäft vor allem mit dem Verkauf von Gasturbinen-Anlagen, nimmt sich Siemens nun dem Großprojekt-Geschäft an, in dem es nicht um einzelne Kraftwerke geht, sondern um mehrere Bauten; wie einst der Großauftrag aus Ägypten 2015 zum Bau von zahlreichen Kraftwerken und Windparks. Auch in diesem Geschäft werden die Aufträge, die die Sparte über einen langen Zeitraum über Wasser halten können, immer rarer. Es leidet genauso unter erheblichem Wettbewerbs-, Preis- und Kostendruck. Ein einst erhoffter Riesenauftrag aus dem Irak über schätzungsweise 12 Milliarden Euro wird nicht nur in kleinen Scheiben über Jahre vergeben. Siemens muss sich das Volumen auch mit dem amerikanischen Konkurrenten General Electric teilen, der ebenso bitter unter der schwachen Marktlage leidet. 

Mehr noch: Auch die Stromübertragung und -verteilung ist betroffen, obwohl sie eigentlich auch von der steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien profitieren sollte. Nun leiden die Märkte für Transformatoren und Schalttechnik genauso unter einem Überangebot, teilte Siemens mit. Zudem ist geplant, dass die internen Abläufe und die internationale Vertriebsorganisation als Vorbereitung für die Börsenpremiere verschlankt werden. So sollen die Kosten durch Kapazitätskürzungen um zusätzliche 200 Millionen Euro gesenkt werden; rund 100 Millionen Euro kommen durch die Umstellung in Service- und Vertriebsfunktionen in den Regionen hinzu, weitere 200 Millionen Euro durch Eingriffe in übergeordnete Unterstützungsfunktionen. 

In Sachen Stellenabbau ging der Fokus auf die Sparte "Gas and Power" Anfang Mai etwas verloren. Denn Siemens schaffte es, das bis 2023 geplante Streich- und Sparkonzert im gesamten Konzern (inklusive Energietechnik und Verwaltung) mit beabsichtigten neu zu schaffenden Arbeitsplätzen gegen- und damit kleinzurechnen. In Summe will Siemens rund 2,2 Milliarden Euro sparen, 10 400 Arbeitsplätze streichen, aber zugleich 20 500 neue Stellen schaffen. Damit bliebe - so die Kommunikationsstrategie von Siemens - netto immerhin ein Ausbau der Belegschaft von 10 000 Mitarbeitern; allerdings eben nicht immer dort, wo Stellen abgebaut werden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung
8
0
156132720007
701561327200

Energieforschung boomt

Weiter zum Artikel
Wien, 24. Jun. 2019

Das ÖVP-FPÖ-Aus verzögert das Gesetz zum Ausbau von Solar-,Wasserund Windenergie. Verbund-Chef Anzengruber fürchtet Untätigkeit.

Die neuesten Zahlen zur Energieforschung und zur Marktentwicklung erneuerbarer Energietechnologien sind positiv: Demnach haben Bund und Länder im vergangenen Jahr 144,1 Mio. Euro in Energieforschung investiert. Das sei eine Steigerung um 4,7 Mio. Euro bzw. 3,4 Prozent gegenüber 2017, teilte das Technologieministerium mit.

An erster Stelle lag-wie in den Jahren zuvor-der Bereich "Energieeffizienz" mit 66,9 Mio. Euro, mit großem Abstand gefolgt von den Bereichen "Übertragung, Speicher und andere" sowie "Erneuerbare Energie" (also Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft sowie Windenergie) mit jeweils 22,4 Mio. Euro. Knapp dahinter liegen die so genannten "Querschnittsthemen" mit 21,9 Mio. Euro, in denen auch zahlreiche große Sektoren übergreifende Projekte der "Vorzeigeregion Energie" des Klima-und Energiefonds erfasst wurden.
Der Ausbau der erneuerbaren Energietechnologien braucht aber noch mehr Investitionen-und zwar rasch,mahnt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber im einem Interview mit dem Standard. Denn durch das Auseinanderbrechen der ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung hat sich das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) deutlich verzögert, demnach werde auch das Ziel, Strom ab dem Jahr 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, noch schwerer zu erreichen sein. "Es geht um 25 bis 30 Terawattstunden (TWh) Strom, die wir zusätzlich benötigen-bei rund 70 TWh, die wir derzeit in Österreich pro Jahr verbrauchen",sagte Anzengruber. Man erwarte sich zusätzlich 6 bis 8 TWh aus Wasserkraft und noch um einiges mehr aus Wind und Photovoltaik. Allerdings rechne sich trotz des gestiegenen Strompreises derzeit keine der Technologien, so der Verbund-Chef.

Anzengruber ist für eine flexible Marktprämie: "Steigt der Strompreis, soll die Prämie sinken, fällt er, soll es entsprechend mehr Zuschuss geben." Er gehe jedoch nicht von einem fallenden Strompreis aus. "Zudem soll jede Technologie einen eigenen Topf bekommen, weil es einen Unterschied macht, ob der Strom aus Wasserkraft, Photovoltaik oder Wind kommt."

In Deutschland gehörten die Energieträger Wind und Sonne wegen der günstigen Witterung im ersten Quartal zu den größten Gewinnern, sie legten um 26 und 15 Prozent zu. Der Verbrauch von Steinund Braunkohle nahm um 15 beziehungsweise 16 Prozent ab, weil viel Strom aus Anlagen erneuerbarer Energieformen kam. 

Tiroler Tageszeitung
9
0
156132720007
701561327200

Smart Meter kommen - aber noch viele Fragen offen

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Bis 2020 sollen 80 Prozent der Haushalte auf Smart Meter umgestellt werden. 

Das sorgt für Diskussion. Das Mantra von Politik und E-Wirtschaft hat einst gelautet: Smart Meter werden nur auf freiwilliger Basis verwendet. Sie werden den Haushalten helfen Strom zu sparen. Das war, bevor der Einsatz der Smart Meter beschlossen wurde. Die digitalen Stromzähler können den Stromverbrauch permanent messen und das Ergebnis an den Stromlieferanten übermitteln. 

Mittlerweile ist von Feiwilligkeit keine Rede mehr. Laut EU-Verordnung sollen 80 Prozent der Haushalte bis 2020 mit intelligenten Stromzählern ausgestattet sein. Sowohl die E-Wirtschaft als auch die Aufsichtsbehörde E-Control wollen ein Geschäftsmodell umsetzen, bei dem die Verbrauchsspitzen die Grundlage für die Berechnung der Netzgebühren sein soll. Derzeit werden die Netzgebühren allein nach der Menge des verbrauchten Stroms berechnet. Ein höherer Verbrauch bedeutet höhere Gebühren. Dafür ist kein Smart Meter notwendig. 

Neues Modell Laut Wunsch der E-Control und der E-Wirtschaft soll die Netzgebühr nach der maximalen Stromverbrauchsspitze berechnet werden, die durch den Smart Meter bestimmt wird. Nach dem Modell kann es sein, dass ein Haushalt mit höherem Stromverbrauch weniger fürs Stromnetz zahlt als ein Haushalt mit niedrigerem Verbrauch. Voraussetzung ist, dass der erste Haushalt niedrigere Verbrauchsspitzen hat. Die Netzkosten machen derzeit rund ein Drittel der gesamten Stromrechnung aus. Ein weiteres Drittel sind Steuern, das letzte Drittel entfällt auf die Energiekosten. 

Laut Branchenverband "Österreichs Energie" werden bis 2030 rund 18 Mrd. Euro in den Netzausbau investiert. Um wie viel die Netzkosten für die Haushalte dadurch steigen werden, ist angeblich nicht bekannt. Die Generalsekretärin der Österreichs Energie, Barbara Schmidt, zur Frage, wie sich die Investition von 18 Mrd. Euro auf die Netzkosten für die Haushalte auswirken werden: "Das weiß nicht einmal die E-Control." Überhaupt sind Fragen nach den Kosten der Energiewende für die Haushalte nicht sehr beliebt. Laut Österreichs Energie müsste zur Erreichung des Ziels "100 Prozent erneuerbare Energieträger bis 2030" diese kräftig ausgebaut werden: Wasserkraft plus 15 Prozent, Windenergie plus 220 Prozent und Fotovoltaik plus 1.100 Prozent. Es fehlen aber Zahlen über die Kosten für die Konsumenten. Immerhin hat der Präsident von Österreichs Energie, Leonard Schitter, bestätigt, was mehr als offensichtlich ist: Die Strompreise werden steigen. 

Kurier, von Andreas Anzenberger Energiewende
10
0
156132720007
701561327200

Verbund und BIG füllen die Kassen der Öbag

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Die neue Staatsholding unter der Führung von Thomas Schmid profitiert stark von ihren beiden Neuzugängen.

In Hinkunft will die Republik bei "ihren" Unternehmen wieder stärker mitreden. 
Wien. Seit zehn Wochen gibt es die Staatsholding Öbag in neuer Form - und in den zehn Wochen ist viel passiert: Öbag-Chef Thomas Schmid sitzt mittlerweile in den Aufsichtsräten von fast allen Unternehmen mit staatlicher Beteiligung: in der OMV, der Telekom Austria, der Casinos-Tochter Lotterien sowie im Stromkonzern Verbund, wo er den Vorsitz des Kontrollgremiums übernommen hat. Kommende Woche wird er auch die Funktion des Aufsichtsratspräsidenten in der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) übernehmen. 

Das ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zur bisherigen Staatsholding Öbib: Die Öbag will in Hinkunft aktiv bei den Staatsbeteiligungen mitgestalten - und hat nunmehr (in der Person von Thomas Schmid) Sitz und Stimme in den Aufsichtsräten der jeweiligen teilstaatlichen Unternehmen. Es gehe um die Erhaltung und die Steigerung des Wertes der Beteiligungen, heißt es. "Eine schlagkräftige Standort-Holding", nennt Schmid die Öbag. 

Die Öbag soll auch ein stabiler Dividendenbringer für die Republik Österreich sein. In der gestrigen Hauptversammlung wurde die Tilgung der Verbindlichkeiten für das Geschäftsjahr 2018 und eine Dividendenausschüttung in Höhe von 370 Mio. Euro abgesegnet. "Eine schuldenfreie Öbag ist ein wichtiger Schritt für eine langfristig positive Performance und ein Beitrag zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Kern. Dividendenbringer zu sein wird der Öbag auch in Zukunft nicht schwerfallen: Gab es im vergangenen Jahr noch Dividenden der Staatsunternehmen in Höhe von insgesamt 278 Mio. Euro, kommen jetzt auch jene der neuen Beteiligungen BIG und Verbund, für die die Öbag nun auch zuständig ist, dazu. 

Spitzenreiter dabei ist die BIG mit einer Ausschüttung von 200 Mio. Euro, gefolgt von der OMV mit rund 180 Millionen. (siehe Grafik). Der ebenfalls neu zur Öbag-Verantwortung dazukommende Verbund hat für das vergangene Jahr 74,4 Mio. Euro an Dividenden bezahlt. 

Verbund und BIG erhöhen auch den Portfoliowert der Staatsholding enorm. Der liegt jetzt bei 22,4 Mrd. Euro. Davon entfallen sieben Mrd. auf die BIG und 7,6 Mrd. auf den Stromkonzern. (kor.) 

11
0
156132720007
701561327200

Axpo-Chef Walo hat genug

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Der zeit seines Lebens in der Energiewirtschaft tätige Andrew Walo nimmt sich eine Auszeit.

Der 56-jährige schweizerisch-britische Doppelbürger hat sich entschieden, nach gut fünf Jahren an der Spitze der grössten Schweizer Energiegruppe das Unternehmen zu verlassen. Der Verwaltungsrat des im Besitz der Nordostschweizer Kantone und Kantonswerke befindlichen Versorgers hat mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. Der Wechsel an der operativen Spitze sollte geschmeidig über die Bühne gehen. Er wolle sich weiterhin voll engagieren, bis ein Nachfolger gefunden sei, sagte Walo an einer Telefonkonferenz. Doch spätestens Ende Jahr will er das Amt abgeben. 

Nach einer kurzen Pause beabsichtigt er, in einem anderen Unternehmen eine operative Führungsaufgabe zu übernehmen. Er geht davon aus, dass er ein neues Mandat noch weitere fünf bis sieben Jahre ausüben kann. Dies bei einer anderen Schweizer Energiefirma zu tun, schliesst er jedoch aus. Walo wollte sich auch nicht festlegen, ob er der Energiebranche überhaupt treu bleibt. Dass er seines Amts überdrüssig geworden wäre, stellte er in Abrede. Er verlasse Axpo, die fit für die Zukunft sei und die Trendwende geschafft habe, «mit Genugtuung». 

Unter Walos Uhr durchlief der Axpo-Konzern eine anforderungsreiche Phase. Die tiefen Grosshandelspreise in Europa für Strom verursachten in den vergangenen Jahren Wertberichtigungen und Abschreibungen in Milliardenhöhe und nagten an der Substanz des Unternehmens. Mittlerweile erzielt das Unternehmen wenigstens rein operativ wieder erfreuliche Zahlen. Nur die zu Tiefpreisen abgesicherte Eigenproduktion lastet noch einige Zeit auf den Ergebnissen. Im laufenden Geschäftsjahr wird sie die Rechnung mit rund 150 Mio. Fr. belasten. 

Strategisch wurde unter Walos Führung mit der Akquisition des deutschen Windkraftanlagen-Betreibers Volkswind und des französischen Photovoltaikanlagen-Betreibers Urbasolar das Geschäft mit neuen erneuerbaren Energien ausgebaut. Die Ertragsstütze blieb das internationale Energiehandelsgeschäft. Mit ihm konnten teilweise die Ertragsausfälle in der Schweiz kompensiert werden. Mittlerweile verkauft Axpo rund vier Mal mehr Strom im Ausland als in der Schweiz. 

Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber zeigte sich erfreut, dass sich der abtretende Konzernchef noch zur Verfügung stellt, bis sein Nachfolger an Bord ist. Die Tatsache, dass die Suche nach einem Nachfolger erst jetzt begonnen hat, deutet darauf hin, dass Walo nicht entlassen worden ist. An der Unternehmensstrategie und der Eignerstrategie, deren Umsetzung im Gange ist, werde sich nichts ändern, versicherte Sieber. Sie habe auch nichts mit dem Wechsel an der operativen Spitze zu tun. Walos Nachfolger werde sich daran zu halten haben, meinte er. 
 

Neue Zürcher Zeitung
12
0
156132720007
701561327200

Die USA haben das russische Stromnetz im Visier

Weiter zum Artikel
Washington , 24. Jun. 2019

Medienbericht über vorsorgliche Platzierung von Schadsoftware zur Abschreckung 

Die USA haben gemäss einem Medienbericht ihre verdeckten Cyber-Operationen gegen das russische Stromnetz verstärkt, um dem Kreml-Chef Wladimir Putin klarzumachen, dass Cyber-Angriffe auf amerikanische Einrichtungen nicht unbeantwortet bleiben würden. Die «New York Times» berichtete am Wochenende unter Berufung auf frühere und gegenwärtige Regierungsmitarbeiter, die Amerikaner hätten Schadsoftware in das Elektrizitätsnetz eingeschleust, die bei Bedarf aktiviert werden könnte. 
Im vergangenen Sommer hatte die Regierung von Präsident Donald Trump die Regeln für offensive Cyber-Operationen gelockert. Dabei wurde dem Verteidigungsminister in einem Zusatz zum Militärbudget die Befugnis gegeben, eigenhändig über die Lancierung von geheimen Massnahmen zu befinden, mit denen Cyber-Angriffe gegen die Vereinigten Staaten verhindert, eingedämmt oder abgewehrt werden können. 
Während die Umstände, die Details und die Tiefe des Eindringens der Amerikaner in die russischen Verteilnetze von Regierungsvertretern nicht kommentiert wurden, unterstreicht die «Times», dass hinsichtlich der Veröffentlichung ihres Berichts keine Bedenken über eine allfällige Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit geäussert wurden. Das deutet darauf hin, dass die USA ihr aggressiveres Verhalten nicht verstecken wollen – im Gegenteil. 

Wie aus dem Bericht hervorgeht, soll allfälligen Angreifern unmissverständlich bedeutet werden, dass sie für Attacken auf die USA einen hohen Preis zahlen müssen. Die Aktion gegen das russische Verteilnetz soll im Zusammenhang mit der Abwehr von Manipulationsversuchen im Umfeld der Zwischenwahlen für den Kongress vom letzten November stehen. 

Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass Washington bereit sein will, um eine Attacke auf die Präsidentenwahl von 2020 beantworten – oder noch besser: mit Abschreckung verhindern – zu können. Es ist bekannt, dass sich russische Hacker seit längerem im amerikanischen Stromnetz tummeln und Schwachstellen identifizieren. Da sich das amerikanische Abstimmungssystem zum grössten Teil auf elektronische Wahlmaschinen stützt, könnten gezielte Unterbrüche der Stromversorgung am Wahltag zu einem unvorstellbaren Chaos und zu verbreiteten Zweifeln an den Resultaten führen. 

Der abschreckenden Wirkung stehen allerdings auch Risiken gegenüber. Zum einen droht immer die Gefahr, dass die eingesetzten Mittel dem Gegner verraten werden. «Lose Zungen könnten Schiffe versenken» («loose lips might sink ships»), hatte das amerikanische Kriegsministerium im Zweiten Weltkrieg als Warnung verbreitet. In der Ära Trump befindet sich die lose Zunge gelegentlich im Oval Office, wie die Affäre um ein Treffen Trumps mit dem russischen Aussenminister Lawrow und dem Botschafter Kisljak vor zwei Jahren zeigte. Trump verriet den Russen eine streng vertrauliche Information über Pläne von Terror gegen den zivilen Luftverkehr. Weil diese potenziell erlaubten, die Quelle zu identifizieren, reagierten die Nachrichtendienste entsetzt – vor allem derjenige eines verbündeten Staats, der die Informationen zum Schutz der Quelle unter grösster Geheimhaltung geliefert hatte. 

Ein weiteres Risiko ist, dass die Schadsoftware von Amerikas Gegnern entdeckt, kopiert und für eigene Aktionen eingesetzt wird. So geschehen mit einem Spionage-Instrument des Abhördiensts National Security Agency (NSA) namens Eternal Blue. Es soll die Basis für einige der bisher verheerendsten Cyber-Attacken mit Schad- und Erpressersoftware (ransomware) gebildet haben. 

Neue Zürcher Zeitung, Peter Winkler
13
0
156132720007
701561327200

Leerer Ölkesseltausch-Topf

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Förderung 

schwarzach Gebietskörperschaften, die ihre Bürger in eine erwünschte Richtung lenken möchten, arbeiten mit Förderungen. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern gilt zum Beispiel allgemein als hehres Ziel. Kein Wunder also, dass zahlreiche Gemeinden einen Umbau fördern. Auch das Land Vorarlberg überweist Geld an jene, die ihren Ölkessel verschrotten. Die Bundesregierung lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, etwas zu tun. Genauer gesagt: Sie ließ es sich nicht nehmen. Am 1. März begonnen, ist die Förderung mit dem Titel „Raus aus dem Öl“ seit Dienstag  Geschichte. Das Geld ist aufgebraucht, was für Kritik sorgt. 

42 Millionen waren zu wenig 
Anfang des Jahres gab die damalige ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger bekannt: Der Sanierungsscheck enthält den „Raus aus dem Öl“-Bonus, der 2018 ein Erfolgsmodell gewesen sei. Deshalb werde die Förderung wieder aufgelegt, 42 Millionen Euro waren reserviert. Nun zeigt sich: Das war viel zu wenig. Seit 18. Juni ist das Geld aufgebraucht. Vorarlbergs Landesrat Christian Gantner, zuständig für die Energieautonomie, ärgert sich: „So kann kein Ausstieg aus den fossilen Heizungssystemen gelingen, wenn der Bund so wenig Geld zur Verfügung stellt, dass es schon nach kurzer Zeit verbraucht ist.“ Umweltlandesrat Johannes Rauch fährt fort: „Es kann nicht sein, dass alles, auch die finanzielle Verantwortung, den Ländern umgehängt wird. Der Bund hat den Ausstieg von Ölheizungen zu unterstützen, damit das Ziel erreicht werden kann.“ 

Der Bund bezahlte 5000 Euro an Hausbewohner, die ihren Ölkessel gegen eine Heizung mit erneuerbaren Energiequellen austauschten. Noch einmal 1000 Euro gab es, wenn das im Rahmen einer Haussanierung geschah. Laut Landesrat Gantner haben 182 Vorarlberger diese Förderung beantragt, insgesamt wurde rund eine Million Euro ausgezahlt. Österreichweite Zahlen gibt es nicht, die Bundesstelle möchte sie noch nicht veröffentlichen. Sie lassen sich allerdings berechnen: Rund drei Prozent aller Förderanträge sind aus Vorarlberg eingegangen, erläutert Gantner. Bei 182 Anträgen ergibt das bundesweit rund 6000 Anträge, für die circa 33 Millionen Euro bezahlt wurden. 

Auch Josef Burtscher, Geschäftsführer des Vorarlberger Energieinstituts, ist nicht erfreut: „Diese Windhundförderungen sind schrecklich. Wer schnell ist, bekommt etwas, und den Letzten beißen die Hunde.“ Er fordert eine dauerhafte Förderung. So wie in Vorarlberg. Wer seine alte Heizung im Einfamilien- oder Doppelhaus aufgibt und stattdessen mit Nahwärme, Pellets oder einer Wärmepumpe heizt, erhält 1500 Euro. Geschieht das im Rahmen einer thermischen Sanierung, kommen weitere 2000 Euro dazu. Seit 2018 zahlt das Land zusätzlich 2500 Euro an jene, die zuvor mit Öl heizten. Das ergibt zusammen 6000 Euro. 594 Anträge sind im Vorjahr eingegangen. Inklusive der Bundesförderung konnte man also bis zu 12.000 Euro abholen. Dem nicht genug: Viele Gemeinden fördern den Umstieg ebenfalls.
 
Wallner vorsichtiger 
Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) gibt sich weniger kämpferisch als seine Regierungskollegen. Aus seinem Büro heißt es: Man sei vorsichtig mit Forderungen an die Übergangsregierung. Aber er befürworte jeden Schritt in diese Richtung. 

Auch private Institutionen versuchen, Menschen mit Förderungen in eine Richtung zu lenken. Ein Institut namens „Heizen mit Öl“ fördert den Umstieg von alten auf neue moderne Ölkessel mit 2500 Euro, ab sechs Wohneinheiten mit 5000 Euro. Eigentümer des Instituts sind der Fachverband der Mineralölindustrie und der Fachverband Energiehandel in der Wirtschaftskammer. Die Förderung gibt‘s das ganze Jahr über. 
182 Vorarlberger haben um die Bundesförderung „Raus aus dem Öl“ angesucht. Das waren drei Prozent aller bundesweiten Anträge. 1 Million Euro wurde an die 182 Vorarlberger ausbezahlt. Die Förderung wurde vom 1. März bis zum 18. Juni ausbezahlt. Nun ist das Geld aufgebraucht. 6000 Euro bezahlt das Land maximal für jene, die ihre Heizung im Rahmen einer Sanierung austauschen. 
 

Vorarlberger Nachrichten
14
0
156132720007
701561327200

Ökostrom vor allem in Großstädten beliebt

Weiter zum Artikel
HEIDELBERG, 24. Jun. 2019

Ökostrom ist in Deutschland vor allem bei Haushalten in den Großstädten gefragt.

Verbraucher in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen entschieden sich bei einem Wechsel des Lieferanten überdurchschnittlich häufig für grünen Strom, hat das Vergleichsportal Verivox anhand seiner Daten ermittelt. In Berlin und Hamburg sind demnach 44 Prozent der Haushalte, die zwischen April 2017 und März 2019 einen neuen Stromvertrag abgeschlossen haben, in einen Ökotarif gewechselt. Der bundesdeutsche Durchschnitt liege bei lediglich 34 Prozent. Schlusslicht unter den Bundesländern ist das Saarland mit einem Anteil der Ökostromwechsler von 30 Prozent.

Berliner Zeitung
15
0
156132720007
701561327200

Wenn plötzlich die Dunkelheit regiert

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Der folgenschwere Stromausfall in weiten Teilen Südamerikas wirft die Frage auf: Ist so ein Blackout auch bei uns möglich? So rüsten sich Versorger und Gemeinden für den Ernstfall. 

Letztlich hat es fast 15 Stunden gedauert, bis die Versorgung wieder halbwegs hergestellt war. Um 7.07 Ortszeit gingen am Sonntag in Argentinien und Uruguay die Lichter aus. Und nicht nur die. Es war ein kapitaler Stromausfall, ein fast flächendeckendes Blackout, von dem knapp 50 Millionen Menschen betroffen waren (siehe links). 
Auch wenn Südamerika weit weg ist, das Thema Blackout ist auch in unseren Breiten ein präsentes und auch ernst zu nehmendes Krisenszenario. Die Frage, die seit Sonntag daher häufig zu hören ist: Kann so etwas auch in Europa, auch in Österreich passieren? 

Erst Mitte Mai wurde mit „Helios“ in Österreich die bis dato größte Blackout-Übung der Geschichte abgehalten. Teilgenommen haben alle Ministerien, Bundesländer, Einsatzorganisationen, Energieversorgungsunternehmen, der Regulator E-Control und der Verbund. „Eine Übung in diesem Ausmaß hat es in Österreich zuvor nicht gegeben“, sagt Robert Stocker, Leiter des Krisen- und Katastrophenmanagements des Innenministeriums. Bei der Übung ging es darum, dass „alle in dieselbe Richtung ziehen. Wir wollen herausfinden, in welchen Bereichen es Verbesserungsbedarf gibt.“ 
Denn unmöglich ist ein Blackout auch in Österreich nicht, wie E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer erklärt. Dennoch: Das letzte Blackout liegt Jahrzehnte zurück, das liege auch am umfassenden Sicherheitssystem in Europa. „Wenn eine Hauptkomponente im Stromnetz ausfällt, müssen die anderen Systeme den Ausfall abfangen können“, so Eigenbauer. Störungen im Netz seien nämlich auch in Österreich normal. Im Winter hatte etwa eine Lawine in Tirol eine Hochspannungsleitung umgeworfen. „Problematisch wird es, wenn zwei Hauptsysteme zugleich ausfallen und sich dann eine Kaskade bildet.“ 
2003 passierte genau das in Italien. 57 Millionen Menschen waren fast zwölf Stunden ohne Strom. Eine Lernerfahrung aus diesem Blackout: „Das Netz lässt sich schneller wieder aktivieren, wenn es von zwei Seiten aufgebaut wird“, sagt Eigenbauer. Das wäre auch der Plan für Österreich. „Welche Einrichtungen, welche Haushalte nimmt man zur Stabilisierung vom Strom, welche Folgen hat das? Hier müssen wir noch dazulernen“, sagt Eigenbauer. Genau deshalb seien regelmäßige Übungen auch so wichtig. „Es ist wie bei der Feuerwehr: Man braucht Übung, um in der Krise schnell zu reagieren.“ 

Das sagt auch Robert Schmaranz, Leiter der Netzführung bei der Kelag-Tochter Kärnten Netz. „Wir haben zweimal pro Jahr eine Übung, in der wir genau diese Szenarien simulieren.“ Nächste Woche, vom 25. bis 27. Juni, findet in Kärnten wieder eine Übung statt, intern ‚Combined Success‘ genannt“. Konkret wird diesmal in den Bezirken Spittal, Hermagor, Villach und Feldkirchen das Vorgehen bei einem Blackout geprobt. Die Führung hat der Landeskatastrophenschutz. Die letzte Übung im Herbst habe laut Schmaranz gezeigt: „Wir sind für den Ernstfall gut gerüstet. Nach derzeitiger Abschätzung bräuchten wir nicht länger als einen Tag, um den Großteil Kärntens wieder versorgen zu können. Im Idealfall sogar kürzer.“ 
Dafür gibt es für Österreich im Gesamten sowie für Kärnten speziell einen sogenannten „Netz-Wiederaufbauplan“, für den wiederum der Kelag-Kraftwerkspark auf der Fragant, gelegen in einem Seitental des Mölltals, eine entscheidende Rolle spielt. 

Die Fragant ist es sogenanntes „schwarzstartfähiges“ Kraftwerk, das heißt, es kann unabhängig vom Stromnetz vom abgeschalteten Zustand aus anfahren, ohne von außen Energie zu bekommen. 
Die Schwarzstartfähigkeit ist bei einem flächendeckenden Stromausfall von Bedeutung, um das Energienetz wieder in Betrieb zu nehmen. „So kann man auf der Fragant eine sogenannte Insel hochfahren. Zug um Zug werden dann andere Teile dazugeschaltet“, erklärt Schmaranz, der mit seinem Team auch zweimal im Jahr in Duisburg trainiert: Dort steht ein Großstörungssimulator. Auch Funkübungen gehören dazu: „Die Kommunikation ist extrem wichtig“, sagt Schmaranz. 
Rechnen müsse man mit allem: Kärnten ist in das europaweite Stromnetz eingebunden. Gäbe es zum Beispiel in Norddeutschland eine Störung, könnte sie auch uns treffen. 

Kleine Zeitung
16
0
156132720007
701561327200

Besorgt wegen Atomausstieg

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Energie Der Atomstrom in den Industrieländern verliert an Bedeutung.

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht deshalb die Ziele im Klimaschutz in Gefahr - schliesst aber auch nicht aus, dass es ohne Atomstrom geht. 
Der Direktor der Internationalen Energieagentur Fatih Birol hat wohl manchem FDP-Delegierten aus dem Herzen gesprochen. "Ohne den wichtigen Beitrag des Atomstroms wird die globale Energiewende viel schwieriger", sagte Birol kürzlich anlässlich einer neuen IEA-Studie zur Rolle der Nuklearenergie für den weltweiten Klimaschutz. Die IEA ist besorgt über die zunehmenden Pläne in den Industrieländern, aus der Atomkraft auszusteigen. 

Auch die Schweiz hat sich dafür entschieden, allerdings ohne Fälligkeitsdatum. Das will eine Mehrheit der FDP-Basisgemäss einer Umfrage nun ändern. Morgen befinden die FDP-Delegierten über das neue Positionspapier zur Klima- und Umweltpolitik. Dabei entscheiden sie, ob der Bau neuer Atomkraftwerke wieder zugelassen werden soll. 

Ein positiver Entscheid wäre gegenläufig zur allgemeinen Entwicklung, die eher auf einen kontinuierlichen Ausstieg zielt. Deutschland will bis 2022 aus der Kernenergie aussteigen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" kam nach dem Atomunfall in Fukushima zum Ergebnis, dass es risikoärmere Energiequellen gibt, die wirtschaftlich und sozial verträglich sind. Auch Spanien will zwischen 2028 und 2035 alle Atomkraftwerke schliessen. Selbst Frankreich, dessen elektrischer Strom zu gut 70 Prozent aus Kernkraftwerken stammt, will den Anteil im Strommix bis 2035 auf 50 Prozent senken. 

Stromangebot nimmt ab 
Die ältesten Kraftwerkpärke sind in der EU und in den USA: Die Reaktoren sind im Durchschnitt 35 Jahre alt. In den meisten Fällen ist laut IEA die Betriebszeit auf 40 Jahre ausgelegt. Nimmt man diesen Massstab, so wird die nukleare Leistung für die Energieversorgung in den Industrieländern bis 2025 um ein Viertel reduziert. Für die Autoren der Studie hängt das Schicksal der restlichen Reaktoren davon ab, ob die Betriebszeiten in den kommenden Jahren verlängert werden. In den USA erhielten 90 Reaktoren eine Lizenz für eine 60-jährige Betriebszeit. 
Die Atomenergie ist mit einem Anteil von 18 Prozent an der Stromproduktion die grösste CO2-arme Stromquelle in den Industrieländern. Allerdings nahm der Beitrag am Stromangebot in den letzten Jahren stetig ab. Es gibt mehrere Gründe für diese Entwicklung: Die Reaktoren kommen allmählich ins Alter, zusätzliche neue Kapazitäten gibt es nur wenig, und einige Kraftwerke, gebaut in den 1970er- und 1980er-Jahren, sind altershalber bereits vom Stromnetz genommen worden. Es wird immer schwieriger, Investoren für die Atomkraft zu finden. Nur sieben von den derzeit 54 im Bau befindlichen Kraftwerken sind privat finanziert. Das Risiko ist zu gross geworden. Zwei Kraftwerkprojekte des Typs EPR in Finnland und Frankreich haben sich um Jahre verzögert, und die Milliarden-Kosten haben sich inzwischen vervielfacht. In den USA wurde der Bau von zwei AP-1000-Reaktoren abgebrochen. 

Wende nicht unmöglich 
Hinzu kommt, dass die Kosten zum Beispiel für Fotovoltaik in den letzten sechs Jahren um 65 Prozent gesunken sind. Die IEA geht davon aus, dass in den nächsten zwanzig Jahren der Preis um weitere 50 Prozent sinken wird. Die IEA fordert deshalb politische Massnahmen, damit die Atomenergie wieder auf dem Markt konkurrenzfähig wird. Sonst seien die Klimaziele des Pariser Abkommens schwierig zu erreichen. 
Ohne Atomstrom würden die globalen CO2-Emissionen von 1971 bis 2018 um 20 Prozent höher liegen, heisst es in der Studie. Die Energiewende ins postfossile Zeitalter sei allerdings nicht unmöglich. Doch brauche es weltweit in den nächsten 20 Jahren fünfmal so viel an erneuerbarer Energie, wie in den letzten 20 Jahren zugebaut wurde, um den geplanten Atomausstieg zu kompensieren. 
Anteil Atomstrom an der inländischen Stromproduktion 2018 
Anteil der Energiequellen an der globalen Stromproduktion 
Noch in Betrieb: Kühlturm des AKW Leibstadt. 

Duell um die beste Lösung für das Klima 
Was ist klimapolitisch sinnvoller: Atomkraft oder Fotovoltaik? Diese Frage hat an Brisanz gewonnen, seit der Klimaschutz auf der politischen Agenda nach oben gerückt ist. 
Eine Studie des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) aus dem Jahr 2017 weist für 
die Atomkraft eine sehr gute Bilanz aus. Über die ganze Produktionskette 
betrachtet, fallen pro Kilowattstunde 15 Gramm CO2 an, klar weniger als 
bei einem Braunkohlekraftwerk oder einem Gaskombikraftwerk. Auch im 
Vergleich mit Fotovoltaik schneidet Atomkraft besser ab. Der 
AKW-Branchenverband Swissnuclear begrüsst, dass sich das PSI in seiner 
Studie faktenbasiert mit der Atomenergie auseinandersetze und dieser eine 
sehr gute Klimabilanz ausweise. 
Allerdings zeigt die Studie auch: Die Bilanz der Atomkraft verschlechtert 
sich bis 2050, da der Abbau von Uran zunehmend in tiefer gelegenen 
Erdschichten erfolgen, also tendenziell mehr Ressourcen und Energie 
verschlingen wird. Philippe Renault, Geschäftsführer von Swissnuclear, 
weist indes darauf hin, dass nicht nur Uran, sondern auch andere Rohstoffe 
und damit auch Silizium mit fortschreitendem Abbau in tiefer gelegenen 
Schichten erschlossen werden müssten. 

Wichtiger Faktor Zeit 
Die Studie geht bei der Fotovoltaik, die auf Silizium angewiesen ist, 
gleichwohl von künftig besseren CO2-Werten aus, weil die Produktion 
laufend optimiert und der dafür eingesetzte Strom tendenziell ökologischer 
werde. Freilich, selbst unter dieser Annahme schneidet im Jahr 2050 die 
Fotovoltaik noch immer schlechter ab als die Atomkraft. 
Atomkritische Kreise überzeugt das klimapolitische Argument gleichwohl 
nicht. Nils Epprecht von der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) sagt, 
zwei Faktoren in der PSI-Prognose seien aus heutiger Sicht extrem unsicher 
und könnten die Prognose auch umkehren: Wie entwickelt sich die 
Fotovoltaik-Forschung? "Weitere Durchbrüche sind wahrscheinlich, auch was 
die CO2-Bilanz der Produktion anbelangt", sagt Epprecht. Und: Wie viele 
Emissionen fallen im Bereich Rückbau und Entsorgung bei den AKW an? Dazu 
hat man laut Epprecht "noch sehr geringe Erfahrungswerte". 
Unter dem Strich sieht die Energie-Stiftung klare Vorteile bei der 
Fotovoltaik. Das zeigt sie in ihrer Kurzstudie "Klimawandel und 
Atomkraftwerke", die heute publiziert wird. Die Vorteile liegen laut 
Studie nicht nur am Risiko eines Atomunfalls und an den hohen Kosten, die 
für den Bau sowie Stilllegung und Entsorgung anfallen. Auch der Faktor 
Zeit spricht gegen die Atomkraft, wie aus der Studie weiter hervorgeht. 
"Um die gesetzten CO2-Ziele zu erreichen, muss die Schweiz ihre CO2-arme 
Energieproduktion schnell ausbauen", sagt Epprecht. Doch dauere der Bau 
eines AKW mit mindestens 21 Jahren dreimal länger als der Aufbau derselben 
Produktion mit Fotovoltaik - dies, weil der politische Prozess von der 
Aufhebung des Neubauverbots bis zur Betriebsbewilligung deutlich 
hürdenreicher ist. 

Klumpenrisiko AKW? 
Hinzu kommt: Der Ausbau der Fotovoltaik wird nicht mit ein oder zwei 
Grossprojekten erfolgen, wie dies wohl bei der Atomkraft der Fall wäre. 
Ein Klumpenrisiko mit entsprechenden Folgen bei einem Scheitern besteht 
also für die dezentrale Energieversorgung mit Fotovoltaik nicht. "Die 
Klimaziele", sagt Epprecht, "liessen sich mit Fotovoltaik viel schneller 
erreichen." 
Der AKW-Branchenverband Swissnuclear relativiert Epprechts Aussagen: Es 
sei nicht nachvollziehbar, welche zusätzlichen signifikanten Emissionen 
beim Rückbau und Abbau der KKW entstehen sollten. Mit Blick auf den Faktor 
Zeit gelte zudem, dass auch Projekte im Solarbereich Bewilligungspflichten 
unterlägen. Geschäftsführer Renault weist auf den Platzbedarf hin: Um wie 
die Schweizer AKW 25 Terawattstunden Strom pro Jahr zu erzeugen, seien 220 
Quadratkilometer Solarpanels nötig; das entspreche etwa der Fläche des 
Kantons Neuenburg. Zur Studie der Energie-Stiftung äussert sich der 
Verband nicht, da er das Papier noch nicht kenne. 
So stark wird das Klima belastet 

Tagesanzeiger
17
0
156132720007
701561327200

Mit Wind und Wasserstoff in ein neues Industriezeitalter

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

"Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern."

Diese Zeilen schrieb Jules Verne im Jahr 1874 - ein weitsichtiger Mann! Und Niedersachsen - so möchte man heute fast 150 Jahre später ergänzen - als Windenergieland Nr. 1 wird so zum Vorreiter für eine nachhaltige Industriegesellschaft, der es gelingen kann, mit sauberem, "grünen" Wasserstoff erneuerbare Energien zu speichern und industrielle Prozesse, Wärme und Mobilität zu dekarbonisieren. 


In der Tat: Wenn man Strom durch Wasser leitet, wird Wasserstoff als Gas freigesetzt. Für eine solche Elektrolyse benötigt man jedoch jede Menge Energie. Deswegen kommt der Wind ins Spiel, der in Niedersachsen fast immer stark weht. Unsere On- und Offshore-Windanlagen produzieren mehr Wind, als das Stromnetz aufnehmen kann. Die großen Stromtrassen in den Süden müssen erst noch gebaut werden. Die Kosten für das Abregeln und Vergüten von überschüssiger Windenergie belaufen sich auf 1,4 Mrd. Euro jährlich. Die schwankende erneuerbare Energie kann jedoch als Wasserstoff gespeichert und auf unterschiedliche Weisen eingesetzt werden - Power to Gas! 

Langer Speicherzeitraum 
Fügt man dem so gewonnenen Wasserstoff CO2 hinzu, erhält man synthetisches Erdgas, das überall dort zum Einsatz kommen kann, wo bislang fossiles Erdgas verwendet wird. Bringt man in einer Brennstoffzelle den Wasserstoff mit Sauerstoff in Kontakt und führt Zündenergie hinzu, wird ein Großteil der Energie, die vorher zur Spaltung des Wassers aufgebracht werden musste, wieder abgegeben und in elektrische Energie umgewandelt. Wasserstoff ermöglicht es so, große Energiemengen über einen langen Zeitraum hinweg zu speichern. 

Norddeutschland ist für eine erfolgreiche Wasserstoffwirtschaft prädestiniert. Die On- und Offshore-Windanlagen in Niedersachsen haben enorme Ausbau- beziehungsweise Ertüchtigungspotenziale. Erste Produktionskapazitäten für Wasserstoff sind bereits vorhanden. Unterirdische Gasspeicher können auch Wasserstoff speichern, die vorhandene Erdgasnetzinfrastruktur kann genutzt werden, um Wasserstoff zu transportieren oder zwischenzuspeichern. Es gibt zudem eine Vielzahl niedersächsischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich intensiv mit Wasserstoff in verschiedensten Facetten beschäftigen. 
Im Nordwesten Niedersachsens planen TenneT, Gasunie und Thyssengas eine 100 Megawatt starke Anlage zur Umwandlung von Windenergie in grünen Wasserstoff. Eine vergleichbare Power-to-Gas-Anlage wollen Amprion und Open Grid Europe (OGE) in der Region Lingen errichten. 
Dow Chemical in Stade arbeitet intensiv an der Dekarbonisierung industrieller Prozesse mithilfe von Wasserstoff. Und der Ersatz von emissionsreicher Kokskohle durch die Nutzung von Wasserstoff als Reduktionsmittel ist das zentrale Element von SALCOS - Salzgitter Low CO2 Steelmaking für die geplante CO2-arme Stahlproduktion. Auch bei Raffinerieprozessen wie bei BP in Lingen kann regenerativ erzeugter "grüner Wasserstoff" zur Dekarbonisierung der Kraftstoffproduktion eingesetzt werden. 

Beitrag zu sauberem Verkehr 
Wasserstoff leistet schon heute einen wichtigen Beitrag zu saubererem Verkehr. Der von Alstom in Salzgitter gebaute iLint-Zug wird mit Brennstoffzellen angetrieben, die Wasserstoff und Sauerstoff in Strom umwandeln und so den Schadstoffausstoß im täglichen Betrieb auf null reduzieren. Was für ein Potenzial für die Vielzahl der nichtelektrifizierten Bahnstrecken in Deutschland! 

Mit einem zeitnahen Einsatz von Wasserstoff und Brennstoffzellen ist auch im Schwerlastverkehr und in der Schifffahrt zu rechnen. Allerdings: Die Energiewende in Deutschland war bislang vor allem eine Stromwende. Nicht nur im Stromsektor, sondern auch im Wärme- und im Kältesektor, in der Industrie und im Verkehr müssen fossile Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Wir müssen endlich die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen verbessern, um erneuerbare Energien auch in den anderen Sektoren sehr viel breiter einsetzen zu können. 

Um die zusätzlichen Strombedarfe einer umfassenden Sektorenkopplung decken zu können, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien - insbesondere aus On- und Offshore-Windkraft - deutlich vorangetrieben werden. 2030 muss der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bei 65 % liegen. Die vorhandenen Stromnetzkapazitäten müssen entsprechend schnell ausgebaut werden. Alle Flexibilitätsoptionen müssen zum Einsatz kommen. Wir benötigen einen konkreten und verlässlichen Fahrplan, der Planungssicherheit schafft und Investitionen anreizt. 

Niedersachsen steht bereit, um das volle Potenzial grünen Wasserstoffs auszuschöpfen. Hier existiert bereits die notwendige Infrastruktur für Speicherung, Transport und Verteilung großer Mengen von Wasserstoff. Hier können neue Wertschöpfungsketten entstehen. Eine grüne Wasserstoffwirtschaft wäre ein enormer industriepolitischer Standortvorteil, der eine Erfolgsstory verspricht. Dekarbonisierte industrielle Prozesse können gleichermaßen zu Wertschöpfung, Sicherung von Arbeitsplätzen, Ressourcenschonung und Klimaschutz beitragen. 

Noch Herausforderungen 
Noch gibt es jedoch einige Herausforderungen: Die Produktionskosten von strombasiertem Wasserstoff sind noch zu hoch. Power-to-Gas-Anlagen müssen alle Stromnebenkosten, also Steuern, Umlagen und Abgaben, in vollem Umfang tragen. Damit aber sind Investitionen in die Wasserstoffproduktion noch wenig attraktiv, und die Nachfrage nach Anlagen und Anlagenkomponenten ist gering. Dies wiederum führt zu nach wie vor hohen Stückkosten. Wasserstoff aus erneuerbarem Strom ist bislang im Vergleich zu konventionell hergestelltem Wasserstoff und zu anderen Energieträgern im Mobilitäts-, Wärme- und Industriesektor noch nicht wettbewerbsfähig. 

Die Niedersächsische Landesregierung wird zusammen mit den anderen norddeutschen Ländern alles daransetzen, diese Hemmnisse zu überwinden. Dazu haben wir bereits Eckpunkte für eine Norddeutsche Wasserstoffstrategie vorgelegt. So muss zukünftig der Einsatz erneuerbarer Energie konsequent belohnt werden, etwa durch Anrechenbarkeit auf bestehende Klima- oder Umweltziele. Die Nutzung erneuerbarer Energien muss im Vergleich zu fossiler Energie deutlich günstiger werden. Dazu müssen vor allem die Steuern, Abgaben und Umlagen reduziert werden und sich am spezifischen CO2-Gehalt des Energieträgers ausrichten. So könnten die Kosten für die Herstellung grünen Wasserstoffs deutlich reduziert werden. 
Notwendig sind auch faire Marktzutrittschancen für Technologien, die dabei helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren. Hilfreich wäre zudem eine Experimentierklausel, um bessere Rahmenbedingungen in der Sektorenkopplung zu testen. Zudem sollten die Mittel für die geplanten "Reallabore" deutlich erhöht und verstetigt werden. 

Die Jugendlichen der "Fridays for Future"-Bewegung mahnen uns allwöchentlich zu mehr Klimaschutz und zu hohem Engagement und größerer Konsequenz in der Energiewende. Sie haben Recht. Wir müssen umsteuern im Bund und auf EU-Ebene hin zu einer echten sektorenübergreifenden Energiewende. Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel: Erneuerbare Energien können und sollen mithilfe der Wasserstofftechnologie zukünftig der Grundlastträger der Energieversorgung sein. 
Niedersachsen kann und will Vorreiter für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft sein. Die Menschen in Niedersachsen neigen in der Regel nicht zu Revolutionen, aber für die auf Wasserstoff basierende fünfte industrielle Revolution sind wir bereit. Jules Verne würde sich freuen. 
---- 
Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen 
 

Börsen Zeitung
18
0
156132720007
701561327200

US-Behörde ebnet Weg für Kohlestrom

Weiter zum Artikel
Washington , 24. Jun. 2019

Obama-Regulierungen gekippt – Mehrere Kraftwerke könnten wieder ans Netz gehen 

Die US-Umweltbehörde EPA hat Regulierungen für Kohlekraftwerke aus der Regierungszeit von Präsident Barack Obama zurückgenommen. Der von US-Präsident Donald Trump eingesetzte EPA-Chef Andrew Wheeler – ein früherer Lobbyist für die Kohlebranche – erwartet, dass nun nach zahlreichen Schließungen in den vergangenen Jahren wieder mehr Kohlekraftwerke ans Netz gehen werden. 
„Wir fördern und nutzen unsere Kohle in den Vereinigten Staaten sauberer als unsere internationalen Wettbewerber“, sagte Wheeler. Mit der neuen Regelung muss die US-Energiewirtschaft ihre Kohlendioxidemissionen bis 2030 im Vergleich zum Niveau von 2005 nur noch um 35 Prozent senken. Das ist einem Bericht der Washington Post zufolge weniger als die Hälfte dessen, was Experten als notwendig ansehen, um eine katastrophale Erderwärmung zu vermeiden. 

Dem Bericht zufolge mindert die Branche derzeit ihren Ausstoß ohnehin stärker, als selbst die Obama-Regelungen vorsehen – vor allem wegen einer Abkehr von der Kohle hin zu Gaskraftwerken. Durch neue Fördermethoden ist US-Gas extrem billig geworden und für Investoren in der Energiebranche damit attraktiv. 

Kohlestrom ist weltweit auf dem Rückzug und wird von Investoren zunehmend gemieden – aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen. Wheeler verwies am Mittwoch darauf, dass unter anderem der Ausstoß von Schwefel und Quecksilber in Kohlekraftwerken in den vergangen 30 Jahren deutlich zurückgegangen sei. Auch beim Feinstaubausstoß lägen die USA deutlich unter Konkurrenten wie China oder auch Deutschland. Chinesischer Kohle dürfe nicht das Feld überlassen werden, so Wheeler. 
Die Opposition und Umweltschützer schlugen dagegen Alarm. In einigen Staaten sind Klagen gegen die Neuregelungen in Vorbereitung. Präsident Trump hat die Neuerung als Teil seines wirtschaftsfreundlichen Deregulierungskurses gepriesen. 

Der Standard
19
0
156132720007
701561327200

Vorsorge für die Dunkelheit

Weiter zum Artikel
Wien, 24. Jun. 2019

Auch Österreich ist nicht vor Blackouts sicher. Grund dafür sind meistens unvorhersehbare Naturereignisse. 

Ampeln fallen aus. Glühbirnen und Straßenlaternen lassen sich nicht einschalten. Die U-Bahn fährt nicht. Krankenhäuser und Schulen haben keinen Strom. Dunkel, überall. Am Wochenende hat Südamerika einen solchen flächendeckenden Blackout erlebt. 47 Millionen Menschen hatten bis zu 15 Stunden lang keinen Strom, vor allem in Argentinien und Uruguay. 
Vor gut einem Monat wurde in Österreich unter dem damaligen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) der Blackout-Fall geübt. An der Krisenübung „Helios“ nahmen 100 Vertreter von Ministerien, Ländern, Einsatzorganisationen und Infrastruktureinrichtungen teil. Fazit der damaligen Übung: Hie und da bedarf es einer Nachschärfung. Und auch Familien sollten sich für den Krisenfall wappnen. Also mit Vorräten wie Kerzen, Konserven und Batterien eindecken. 

30 Minuten Blackout 
In Österreich gibt es derzeit insgesamt 30 Minuten im Jahr ein solches Blackout. Das heißt, insgesamt 30 Minuten lang fällt der Strom großflächig aus, sodass etwa ein ganzes Wohnviertel temporär ohne Strom ist. „Der Hauptgrund für solche Blackouts sind Naturereignisse“, erklärt Ernst Brandstetter von Österreichs Energiewirtschaft. Meist sind es Bäume, die im Zuge eines Sturms eine Stromleitung beschädigen, Blitzeinschläge, Hochwasser oder Lawinenabgänge. Und manchmal sind es schlicht technische Probleme bei den Energieversorgern. 

Wie wahrscheinlich ein Total-Blackout zum Beispiel durch einen Cyberangriff für Österreich ist, lässt sich nur sehr schwer einschätzen. „Wenn sie (die Hacker, Anm.) es sehr gut machen und es besonders blöd hergeht, kann man ganz Österreich lahmlegen“, so Brandstetter. Verantwortlich für die Sicherheit der heimischen Stromversorgung ist die Austrian Power Grid (APG). An sie müssen heimische Energieerzeuger tägliche, sehr detaillierte Stromerzeugungs-, Verbrauchs- und Krisenpläne vorlegen. Und regelmäßig wird auch der Krisenfall geprobt. 

Laut Gerhard Christiner, Geschäftsführer der APG, scheint ein Blackout in Österreich zumindest weniger wahrscheinlich als in Südamerika, wie er im Ö1-„Mittagsjournal“ erklärte. Zum einen liegt das an der kleinteiligen Netzstruktur und an der Vielzahl an Energieversorgern hierzulande. Den einzigen, staatlichen Energiebetreiber gibt es nicht, und das macht die Netze weniger volatil. 
„Natürlich kann ein Hackangriff ein solches Blackout verursachen. Wir versuchen aber, alle sensiblen Systeme abseits des Internets zu betreiben“, erklärt Christiner. Und auch bei heimischen Energieversorgern wird seit einigen Jahren viel in die Cybersicherheit investiert. „Wir stimmen uns regelmäßig mit dem Cert (Computer Emergency Response Team Austria, Anm.) ab und proben auch unternehmensintern Krisenfälle“, sagt ein Sprecher des Verbunds auf Nachfrage. 

EU-weite Vernetzung 
Neben Naturkatastrophen und Cyberangriffen sind auch die erneuerbaren Energien derzeit noch ein Unsicherheitsfaktor in der Stromversorgung. Weil Sonnenschein und Wind nicht genau prognostizierbar sind, lassen sich Peaks, Überschüsse und Engpässe auch schwer planen und steuern. Das, so Branchenkenner, stellt die Netze derzeit vor größere Herausforderungen. 
Zudem ist die Stromversorgung EU-weit stark vernetzt. Die Infrastruktur ist länderübergreifend, und Vorfälle in anderen EU-Staaten können zu Stromausfällen in Österreich führen. So wie im November 2006 zum Beispiel. Teile von Deutschland, Belgien, Italien, Spanien, Österreich und sogar Marokko blieben bis zu zwei Stunden ohne Strom. Ausgelöst wurde das durch die Ausschiffung eines Kreuzfahrtschiffs im deutschen Papenburg und einer damit einhergehenden Panne bei der Abschaltung einer von E.ON betriebenen 380-kV-Hochspannungsleitung. 
Etwa 30 Minuten im Jahr fließt in Österreich kein Strom durch die Leitungen. 

Wiener Zeitung, von Marina Delcheva
20
0
156132720007
701561327200

Erdgas als grüne Hoffnung

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Fiat Chrysler Automobiles setzt auf Fahrzeuge mit Erdgas-Antrieb 

Die europäischen Autohersteller geben bei Gasmodellen ein starkes Lebenszeichen von sich: Sie bieten in Österreich derzeit so viele gasbetriebene Modelle an wie noch nie. Aktuell sind 52 gasbetriebene Pkw-, Lkw- und Busmodelle in Österreich erhältlich. Die Käufer sind damit sicher, sauber und sparsam unterwegs. Derzeit sind 23 unterschiedliche Pkw-Fabrikate zu haben. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme, berichtet, dass der Autohandel schon seit Monaten mehr Interesse an Erdgasmodellen bemerke, weil "Erdgas für viele Konsumenten der neue, saubere Diesel" sei. Neben Fiat und Opel gehören VW und die Konzerntöchter Audi, Seat und Skoda zu den führenden Herstellern bei der zukunftsweisenden Erdgas-Mobilität in Europa. Auch die Palette bei Fahrzeugen für wirtschaftliche Anwendungen ist größer geworden: Unternehmer können unter sieben Bus-Modellen sowie je elf Nutzfahrzeugen und Lkw-Modellen auswählen. 

Mehr Gasbusse unterwegs 
Immer mehr Städte Europas setzen auf saubere Erdgasbusse - nicht nur Salzburg, Österreichs Vorreiter im sauberen Busverkehr, sondern auch zum Beispiel Madrid, die drittgrößte Stadt Europas: Aufgrund der positiven Erfahrungen der Spanier mit Gasbussen sollen im kommenden Jahr die letzten Dieselbusse der mehr als 1.900 Fahrzeuge umfassenden Flotte ausgemustert werden. Die Madrider Verkehrsbetriebe (Empres Municipal des Transportes de Madrid) ersetzen diese etwa durch gasbetriebene Busse. Durch den Umstieg auf Erdgas seien die Luftschadstoffe im Vergleich zu Diesel um mehr als 80 Prozent verringert worden. 

Fiat hat über 20 Jahre Erfahrung mit Erdgas 
Im Bereich der erneuerbaren Energien ist Erdgas, auch bekannt als CNG für "Compressed Natural Gas", der Stoff mit dem geringsten Ausstoß von CO2 im Vergleich zur erzeugten Energiemenge. Als Folge kann Erdgas einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen darstellen. Erdgas erzeugt nahezu keine Partikel und deutlich weniger Stickoxide und Kohlenwasserstoffe als Benzin oder Diesel. Betrachtet man den gesamten Energiebedarf von der Gewinnung der Rohstoffe bis zu Produktion und langfristigem Betrieb des Fahrzeugs schneiden mit Biogas betriebene Pkw ähnlich gut ab wie Elektro-Fahrzeuge, die Strom aus erneuerbaren Energiequellen nutzen. Erdgas und Biogas können so schon heute eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Luftqualität spielen. 
Fiat Chrysler Automobiles kann im Bereich Erdgas auf mehr als 20 Jahre Erfahrung und auf mehr als 700.000 verkaufte Fahrzeuge verweisen. Als erstes in Massenproduktion hergestelltes Erdgas-Modell ist der Fiat Panda mit über 300.000 Einheiten das meistverkaufte Erdgas-Fahrzeug Europas. Auch in Österreich ist Fiat gemeinsam mit Fiat Professional mit einem überzeugenden Marktanteil von über 37 Prozent führend (Stand März 2018). 

Für die steigende Beliebtheit der Erdgas-Modelle sprechen nicht nur die überzeugenden Umweltaspekte, sondern auch ganz klare wirtschaftliche Vorteile. Dadurch, dass der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas ungefähr dem Gehalt von 1,5 Liter Benzin bzw. 1,3 Liter Diesel entspricht, können die Treibstoffkosten um bis zu 50 Prozent reduziert werden. 

Auch die bisher häufig genannten Gründe, warum ein Erdgas-Modell nicht die erste Wahl sein kann, verlieren seit einiger Zeit ihre Berechtigung. So bietet Österreich mit rund 160 Tankstellen ein flächendeckendes Netz, das jederzeit und überall für ein sicheres Weiterkommen sorgt. Auch in den Nachbarstaaten und den beliebten Urlaubsländern hat sich die Infrastruktur für Erdgas rasant weiter- entwickelt. Darüber hinaus ist man mit den bivalenten Modellen von Fiat selbst dann zuverlässig unterwegs, wenn tatsächlich einmal keine Erdgas-Tankstelle in der Nähe sein sollte. 

Informationen: 
www.fiatprofessional.com 
https://smex12-5-en-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=www.erdgasautos.at&umid=0c84a795-e0ba-4bed-b3d7-c9000c38d14a&auth=082cbc62930efe7a6117e021874a6e8ca3c3bf7d-b4155298f78a3ada07bdf5e76cf95f1865a1ca2a 
https://smex12-5-en-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=www.gaswaerme.at&umid=0c84a795-e0ba-4bed-b3d7-c9000c38d14a&auth=082cbc62930efe7a6117e021874a6e8ca3c3bf7d-067c3cdccccbc8a78a8c2ebeb1cf251f2b5ab42a 
nach oben 

Oberösterreichische Nachrichten
21
0
156132720007
701561327200

Niedrige Strompreise sind nicht in Sicht

Weiter zum Artikel
Wien, 24. Jun. 2019

Die Ausbaupläne der österreichischen E-Wirtschaft liegen auf Eis. Damit rückt das Erreichen der Klimaziele wieder in die Ferne. 

Die meisten Stromverbraucher in Österreich haben in den vergangenen zwölf Monaten teils kräftige Strompreiserhöhungen erlebt. Gründe gab es einige, wie die Branche wiederholt erklärt hat, von der Trennung des gemeinsamen Marktes mit Deutschland bis zur Kostenexplosion bei CO2 -Zertifikaten. 
Wer nun auf eine Umkehr des Trends gehofft hat, wird enttäuscht. „Im Allgemeinen ganz grundsätzlich“ würden die Strompreise in Österreich steigen, sagte Leo Schitter, Chef der Salzburg AG und amtierender Präsident des Branchenverbands Oesterreichs Energie, am Dienstag in Wien. 

Wie stark diese Erhöhungen über die Jahre ausfallen könnten, wagt derzeit niemand zu schätzen. Ebenso wenig wie die möglichen Auswirkungen von Strafzahlungen, sollte Österreich seine Klimaziele 2030 verfehlen. „Dazu ist jetzt keine seriöse Aussage möglich“, sagte Schitter. Wichtiger sei es auch, daran zu arbeiten, dass diese Zahlungen – die zwei bis schlimmstenfalls neun Milliarden betragen könnten – gar nicht schlagend werden. Dazu müssten der Verkehr und der Wärmesektor mehr für die Senkung der Treibhausgasemissionen tun. 

Die E-Wirtschaft drängt jedenfalls trotz der Absetzung der türkis-blauen Regierung auf die Verwirklichung des für sie besonders relevanten Punkts in der Klima- und Energiestrategie „Mission 2030“: Österreich bis 2030 zu 100 Prozent mit Strom aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse zu versorgen. Derzeit stammen rund 72 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie (56 Prozent Wasser, 16 Prozent Wind, Photovoltaik, Biomasse). 

Dazu müssen rund 30 Terawattstunden an Wasserkraftwerken, Windrädern, Photovoltaik- und Biomasseanlagen dazukommen – halb so viel, wie in Österreich derzeit an Strom verbraucht wird. Ein Drittel der zusätzlichen Kapazitäten existiert laut dem Branchenverband in Projektform, sei es im Bau (darunter 21 Wasserkraftwerke), in Planung oder als Konzept. „Wir brauchen nicht politischen Stillstand, sondern politische Entscheidungsfreude“, sagte Schitter. Österreich habe keine Zeit mehr, sonst seien die Ziele nicht erreichbar. 

Enorme Investitionen planen die Energieversorger in die Stromnetze. Zehn Mrd. Euro sind bei den Stromkonzernen für neue oder verbesserte Stromleitungen vorgesehen. Weitere acht Mrd. wären für die Umsetzung der Klimapläne nötig. 

Um diese Zusatzkosten zu finanzieren, sollen die Netztarife künftig stärker auf Stromspitzen und nicht nur Kilowattstunden abstellen, verweist Schitter auf Pläne der E-Control. Damit würden Betreiber von PV-Anlagen oder E-Ladestationen stärker belastet. Für Normalhaushalte sollte sich nichts ändern. 
Österreich lag im zweiten Halbjahr 2018 mit einem Strompreis (Energie und Netz) von 12,65 Cent pro Kilowattstunde bzw. 20,12 Cent (inkl. Steuern und Abgaben) leicht unter dem EU-Durchschnitt. Spitzenreiter waren Dänemark (31,23 Cent) und Deutschland (30,00). mg 
 

Salzburger Nachrichten
22
0
156132720007
701561327200

„Nichts zu tun ist viel teurer“

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber hält nichts von einer CO2-Steuer für die Industrie, kann sich aber einen Mindestpreis für Zertifikate vorstellen und hält Fridays for Future für einen erfrischenden Zugang der Jugend. 

Monika Graf Österreichs Stromwirtschaft sieht sich heute beim Klimaschutz als Vorreiter, allen voran der Verbund, sagt dessen Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber. 
Südamerika hat soeben einen riesigen Stromausfall erlebt. Kann das in Europa auch passieren? Anzengruber: Die Wahrscheinlichkeit ist geringer, weil die Struktur hier anders ist und es nicht so große Einheiten gibt. Solche Dominoeffekte sollten grundsätzlich ausgeschlossen sein, aber die totale Gewissheit kann keiner geben. Die E-Wirtschaft hat jahrelang vor Blackouts gewarnt. Die Branche wollte so den Ausbau von Wind- und Sonnenstrom bremsen. Passiert ist nichts. Hat man übertrieben? Man darf nicht den Fehler machen, mit Panik etwas zu erzwingen. Die Anforderungen an die Stromnetze sind – wegen des richtigen Ziels, Wind- und Sonnenenergie auszubauen – aber heute anders als früher und nicht überall erfüllt. Die Sicherheitsreserven sind weniger geworden, einige Reservekraftwerke, fallen demnächst aus Altersgründen weg. Das hat das Eis, auf dem wir gehen, dünner gemacht. Daher braucht es mittelfristig einen Plan. 

Diese Warnung bzw. Forderung ist auch nicht neu. Mit viel Einsatz und Kooperation ist die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Und mit Investitionen, die wir nur tätigen können, wenn sie wirtschaftlich sind. Hier hinken wir nach. Die Anforderungen sind da und je langsamer wir sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann etwas passiert. 
Früher ging es beim Verbund nur um Wasser. Neuerdings betonten Sie die Bedeutung von Wind und Sonne. Wandelt sich der Saulus zum Paulus? Es hat sich was verändert. Wasserkraft bleibt für Österreich die elementare Technologie – historisch und geografisch. Aber Windkraft und Photovoltaik sind mittlerweile wirtschaftlich interessante Technologien. Und: Früher haben wir die Stromversorgung sichergestellt. Jetzt ist es Staatsziel, die Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Ich unterstütze das und daher müssen wir alle Ressourcen nützen. 

Sie verlangen, dass auch Wasserkraft künftig gefördert wird. Ist das notwendig? Wir müssen die Förderungen den Marktmechanismen anpassen, um diese zusätzlichen Strommengen zu erzeugen. Es geht heute um mittelgroße Wasserkraftwerke, verbunden mit vielen ökologischen Maßnahmen. Diese Investitionen sind höher. Die Wissenschaft sagt auch, dass es für 100 Prozent erneuerbare Elektrizität Zwischenspeicher braucht, nicht nur Pumpspeicher. Dafür gibt es aber noch keine wirtschaftlichen Modelle. Daher braucht es in nächster Zeit noch Unterstützung dafür. 

Glauben Sie, dass die Klima- und Energiestrategie und das 100-Prozent-Ökostrom-Ziel trotz Neuwahlen erreichbar sind? Unter optimalen Bedingungen ja. Weil optimale Bedingungen aber nicht da sind, wird es eng. Ich rechne bei den Energiegesetzen realistischerweise mit Verzögerungen, denn es sind Verfassungsmaterien. Meine Angst ist, dass jetzt wieder der Streit zwischen Versorgungssicherheit und Ausbau der Erneuerbaren ausbricht. Es sind aber beide gleich wichtig. Mein Rat wäre: Die Ziele haben wir, jetzt sollten Taten folgen mit einer breiten Phalanx aus Kunden, Industrie und Politik. Es wird ohnehin sehr schwierig. 

Die Klimadebatte hat durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg eine völlig andere Dynamik bekommen. Wie schätzen Sie das ein? Ich unterschreibe vieles von dem, was die Fridays-for-Future-Demonstranten wollen. Das sind keine Schulschwänzer, sie bilden die Befindlichkeit der Menschen ab und das Gefühl täuscht nicht. Wir sollten nicht die Generation sein, die gewusst hat, was zu tun wäre und nicht gehandelt hat. Es ist erstaunlich, was Greta Thunberg auf ihre Weise auslösen kann. 
Was, glauben Sie, wird konkret passieren? Mehr als wortreiche Erklärungen, so wie Donnerstag und Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel? Viele Politiker werden sich dieses Themas annehmen, auch im heimischen Wahlkampf. Vielleicht sollten wir es auch nicht pessimistisch sehen als Luxus- und Wohlstandsverlust, sondern als erfrischenden Zugang der Jugend. Motto: Wir wollen, wir können, also bitte tut es. Ich glaube, dass durchaus ein riesiger Qualitätsgewinn möglich wäre. 

Aber sind die Forderungen ohne harte Einschnitte in das moderne Leben umsetzbar? Ich halte radikale Veränderungen immer für gefährlich. Aber noch schlimmer ist Untätigkeit. Notwendig sind Bewusstseinsbildung und Anreizsysteme. Der Mensch ist ein Schmerzverweigerer. Wir ändern uns nur, wenn das Beibehalten eines Zustands schmerzhaft wird oder Veränderung Spaß macht. Es braucht ein Maßnahmenbündel. 
Ein Vorschlag, der stets kommt, ist eine CO2-Steuer. Was halten Sie davon? Wir sind grundsätzlich gegen Steuern, möglich wäre aber ein Mindestpreis. Laut Wissenschaft ist die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre so hoch wie zuletzt vor drei Millionen Jahren. Damals gab es uns aber noch nicht. Also wird man CO2 einen Preis geben müssen, den zu vermeiden attraktiv ist. 

Wie hoch müsste der sein? Nicht 800 Euro, wie das Fridays for Future verlangt. Das ist eine Illusion. Mittelfristig wäre eine schrittweise Verdoppelung von derzeit 25 Euro pro Tonne vorstellbar. Die Differenz zum Marktpreis sollte abgeschöpft und der Industrie zur Verfügung gestellt werden. 
Das alles wird das Energiesystem massiv verteuern. Drehen wir es um und fragen: Was kostet es, es nicht zu tun. Das ist auch die Motivation der Fridays-for-Future-Kids. Die werden es zahlen. Das ist genau die Schwierigkeit: Gelingt es uns, diese Mehrkosten, die eklatant sind, von der Zukunft in die Gegenwart zu verlagern. 

Rechnen Sie mit Widerstand? Es hängt von der Kommunikation ab. Schocks sind immer schlecht. Wenn ich aber eine Perspektive sehe, kann ich mein Verhalten in diese Richtung verändern. 
Wird diesmal auch Österreich wirklich etwas tun? Es ist wahrscheinlicher geworden, auch wegen Fridays for Future. Übrigens ist das Wort Umweltschutz falsch. Die Erde wird sich wieder erholen. Es geht um uns. 

Salzburger Nachrichten
23
0
156132720007
701561327200

Klimaschutz: Merkel will aufholen

Weiter zum Artikel
Brüssel, 24. Jun. 2019

Deutschland schließt sich der Macron-Initiative an. 

Kurz vor dem EU-Gipfel Ende der Woche in Brüssel stellt sich auch Deutschland hinter das Ziel einer klimaneutralen EU bis 2050. Dies bestätigten EU-Diplomaten. Auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hatten sich kürzlich beim Gipfel in Rumänien neben Frankreich und den Benelux-Staaten auch Dänemark, Schweden, Spanien und Portugal zu diesem Ziel bekannt, das deutlich strenger ist als bisher. Mittlerweile ist diese Gruppe angeblich auf 18 der 28-EU-Staaten angewachsen. 
„Klimaneutral“ bedeutet nicht, dass überhaupt keine Treibhausgase mehr ausgestoßen werden dürfen. Die verbleibenden Emissionen müssen allerdings kompensiert werden, etwa durch Aufforstungen oder Speichertechnologien.
 
Sowohl EU-Kommission als auch Parlament treten für die Klimaneutralität 2050 ein. Widerstand kam von den Mitgliedsländern. Bislang beschlossen sind nur Emissionsziele bis 2030. Sie sehen unter anderem eine Verringerung von 40 Prozent (im Vergleich zu 1990) vor. Das ist bei Weitem nicht ausreichend, um die Erderwärmung zu bekämpfen. Die EU ist nach China und den USA der drittgrößte Klimakiller. 
Die deutsche Bundesregierung kündigte an, bis Mitte September ein Gesetzespaket zum Klimaschutz vorzulegen. Auch Frankreich schreitet voran. Premierminister Édouard Philippe betonte am Montag, zwei wegweisende Gesetz zu Mobilität und Klimaschutz würden noch im Sommer beschlossen. Erst vergangene Woche hatte Großbritannien, einer der Vorreiter beim Klimaschutz, erklärt, bis 2050 klimaneutral zu werden. 

Zurückhaltung gibt es bislang von den östlichen EU-Ländern und auch aus Österreich. 
Das Thema wird den EU-Gipfel am Donnerstag beherrschen. Die Festlegung einer EU-weiten konkreten Frist wäre ein gewaltiger Schritt. Er würde den Umstieg von Öl, Kohle und Gas auf erneuerbare Energien sowie eine extrem sparsame Nutzung von Energie bedeuten, etwa in optimal gedämmten Häusern. Nötig sind Milliardeninvestitionen. Aus Sicht von Wissenschaftern ist rasche Klimaneutralität der einzige Weg, die Erwärmung bei durchschnittlich 1,5 Grad zu stoppen, wie es der Pariser UNO-Klimagipfel 2015 beschlossen hat. Derzeit steigen die Emissionen Jahr um Jahr.-strick, dpa 
 

Salzburger Nachrichten
24
0
156132720007
701561327200

Modell Ebay gegen Kohlestrom

Weiter zum Artikel
24. Jun. 2019

Das Gesetz zum Kohleausstieg lässt zwar noch auf sich warten.

Doch es gilt als sicher, dass Deutschland die Stromproduktion mit dem klimaschädlichen Energieträger bis spätestens 2038 auslaufen lässt. Das Datum steht in der Ausstiegs-Blaupause, die die Kohlekommission im Januar vorgelegt hat. Denkbar ist sogar, dass der Termin vorgezogen wird. Denn der Druck auf die Bundesregierung ist durch Schülerstreiks und Europawahl-Absturz von Union und SPD enorm gewachsen, beim Klimaschutz mehr zu tun als bisher. 
Doch damit der Ausstieg, ob wie geplant oder schneller, auch wirklich bringt, was er verspricht, muss er fiskalisch flankiert werden - am besten mit einem Mindestpreis auf CO2. Geschieht das nicht, droht ein groteskes Ergebnis: Der Treibhausgas-Ausstoß aus dem Kohlesektor könnte trotz der sukzessiven Abschaltung der Kohlemeiler sogar ansteigen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die Experten des renommierten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) vorgelegt haben. 

Der Kohleausstieg hat danach zwei Effekte. Erstens sinkt das Stromangebot im deutschen Markt, dadurch steigt der Strompreis, und die noch vorhandenen Kohlemeiler können häufiger kostendeckend produzieren. Folge: Die Emissionen steigen. Angeheizt werden könnte das besonders, wenn künftig viel zusätzlicher Strom für E-Autos und Wärmepumpen zur Hausheizung gebraucht wird. Zweitens vermindert sich durch das sukzessive Abschalten der Meiler in Deutschland die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten im EU-weit organisierten Emissionshandel. Das verbilligt diese "Verschmutzungslizenzen". Strom- oder Industriekonzerne im Ausland, zum Beispiel im Kohleland Polen, können sich günstiger damit eindecken und ihre Meiler und Produktionsanlagen höher auslasten. Ergebnis auch hier: Der CO2-Ausstoß nimmt zu. Zwar nicht in Deutschland, aber zum Beispiel in den Nachbarländern. Ein ärgerliches Nullsummenspiel für das Weltklima. 

Die PIK-Forscher kritisieren, dass diese Risiken in der politischen Debatte über den Kohleausstieg bislang unterschätzt werden. Kurz nach der Einigung in der Kohlekommission hatte allerdings schon das Münchner Info-Institut moniert, dass der hiesige Kohleausstieg teils durch Importe von Kohle- und Atomstrom aus Osteuropa ausgeglichen werden könnte. Die PIK-Forscher machen nun aber auch Vorschläge, wie das Problem behoben werden kann. 

Die Potsdamer Experten plädieren dafür, am besten für den gesamten EU-Emissionshandel einen Mindestpreis für die Tonne CO2 festzulegen - "analog zu einem Mindestgebotspreis bei Ebay". Das könnte Kohlestrom so stark verteuern, dass sich das zusätzliche Anwerfen von Kohlekapazitäten im Ausland nicht lohnen würde. Derzeit liegt der CO2-Preis dafür zu niedrig, nämlich nur bei 25 Euro pro Tonne. Initiativen für einen ansteigenden Mindestpreis mit Start bei 30 Euro hat es ja bereits gegeben, so von Frankreichs Präsident Macron. Realistischer ist allerdings, dass eine "Pioniergruppe" von Ländern wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden mit dem Mindestpreis voranginge. Als weitere Möglichkeit sehen die PIK-Forscher eine Löschung der durch den Kohleausstieg überzählig werdenden CO2-Zertifikate. Das aber würde Deutschland rund 19 Milliarden Euro kosten. Da wäre der Mindestpreis, wie das PIK meint, in der Tat deutlich "eleganter". 

Frankfurter Rundschau, von Joachim Wille
25
0
156080880007
701560808800

Trump droht wegen Nord Stream 2

Weiter zum Artikel
Washington, 18. Jun. 2019

US-Präsident Donald Trump hat erneut Sanktionen wegen Nord Stream 2, der neuen Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, angedroht.


"Wir schützen Deutschland vor Russland, und Russland bekommt Milliarden und Abermilliarden Dollar Geld von Deutschland", sagte Trump bei einem Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda im Weißen Haus. Er denke daher über Sanktionen nach, um das Projekt doch noch zu stoppen. Die US-Senatoren Ted Cruz und Jeanne Shaheen hatten im Mai einen parteiübergreifenden Gesetzesentwurf in den Senat eingebracht, der Sanktionen gegen die Betreiber jener Schiffe vorsieht, mit denen die Gas-Pipeline im Meer verlegt wird. Trump sagte nun allerdings nicht, gegen wen er Sanktionen verhängen will. Er will sich beim Gipfel der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer in Japan Ende des Monats mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. 
 

Börsen Zeitung
26
0
156080880007
701560808800

OÖ forciert Erforschung des Wasserstoffs

Weiter zum Artikel
18. Jun. 2019

Kann Wasserstoff zu einer tauglichen Energiealternative nach dem Ausstieg aus den fossilen Energieträgern werden?
Diese Frage beschäftigte Experten zuletzt bei einer Fachtagung des Cleantech-Clusters in Linz. Energie-Landesrat Markus Achleitner (Bild) sieht dahingehend große Erwartungen und Hoffnungen der Wirtschaft, betont jedoch: „Wir meinen es mit der Transformation des Energiesystems in Oberösterreich wirklich ernst. Heißt auch: Für die Zukunft ist die Erzeugung des Wasserstoffs aus erneuerbaren Energieträgern eine wesentliche Voraussetzung für den künftigen Einsatz als Energieträger!“ Daher will OÖ nun die Forschung vorantreiben, betont Achleitner, und so „den energiepolitischen Wandel entscheidend und aktiv mitgestalten.“ 

Oberösterreichisches Volksblatt
27
0
156080880007
701560808800

„Der Kuchen ist groß genug“

Weiter zum Artikel
18. Jun. 2019

ZITAT DES TAGES „Wir werden in den nächsten Jahrzehnten so viel mehr Strom brauchen, dass auch Platz für Neueinsteiger ist. Der Kuchen ist groß genug.“ 

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber fürchtet weder Shell, die verstärkt in erneuerbare Energien gehen, noch Regen, schließlich sei Wasser für die Stromproduktion essenziell. Einige Dinge bereiten ihm dennoch Sorgen.INTERVIEW: Günther Strobl 
Es ist ungewöhnlich heiß dieser Tage. Selbst im Büro von Vorstandschefs Wolfgang Anzengruber im dritten Stock der Verbund-Zentrale in der Wiener Innenstadt steht die Luft. Ohne Sakko spricht es sich leichter. 

Standard: Der heurige Mai war der kälteste seit 1991 – für den Verbund ein Grund zur Freude? 
Anzengruber: Der Mai war nässer als im Vorjahr. Jetzt kommt noch Schmelzwasser von den Bergen. Was die Wasserführung betrifft, war das Jahr bisher gut. 

Standard: Sehr viel Wasser, das Sie gratis zur Verfügung haben, um Strom zu produzieren? 
Anzengruber: Wir liegen momentan etwa zehn Prozent über Durchschnitt. Wie es in den verbleibenden Monaten wird, wissen wir nicht. Es ist aber eine gute Basis. 

Standard: Weil es nass und kalt war, hielten sich viele Menschen mehr drinnen als draußen auf. Das führt in der Regel zu höherem Stromverbrauch. War das so? 
Anzengruber: Der Mai war diesbezüglich nicht so spektakulär. Was wir aber jetzt an heißen Tagen merken, ist der Effekt der Klimaanlagen. 

Standard: Signifikant? 
Anzengruber: Es werden immer mehr, auch beim Heizen geht es verstärkt in Richtung Wärmepumpe. Insgesamt nimmt der Stromverbrauch zu, aber nicht so stark. Signifikant mehr Nachfrage merken wir immer dann, wenn es der Industrie gutgeht. 

Standard: Geht es ihr gut? 
Anzengruber: Ich sehe eine stabil gute Situation, auch wenn sich das Wachstum zuletzt etwas abgeflacht hat. 

Standard: Im Mai hat sich die FPÖ mit dem Ibiza-Video aus der Koalition gesprengt, die Regierung Kurz ist dann über ein Misstrauensvotum gestürzt. Inwieweit berührt das den Verbund? 
Anzengruber: Unmittelbar nicht, mittelbar schon, weil Gesetzesvorhaben, die auf der Agenda waren, jetzt wohl länger brauchen. Das Ministerium hat beispielsweise an dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) gearbeitet. Das wird sich nun verzögern, und das ist schlecht, weil das Zieldatum 2030 näher und näher rückt. 

Standard: Andererseits hat Österreich eine Beamtenschaft, die sich auf das Machen von Gesetzen versteht. Wo ist das Problem? 
Anzengruber: Die Beamten arbeiten gut, die bleiben auch. Aber es sind politische Initiativen, die umgesetzt werden müssen. Das Problem ist, dass es mangels ausreichender Fördermittel lange Warteschlangen an baureifen Projekten gibt und für größere Wasserkraftprojekte zudem die Fördersätze derzeit nicht ausreichen, damit sich Investitionen rechnen. 

Standard: Vor Weihnachten wird die neue Regierung kaum stehen. Ist da auf die Schnelle noch etwas möglich? 
Anzengruber: Man wird sehen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass man das zeitgerecht hinbekommt. 

Standard: Die Marschrichtung ist auf europäischer Ebene vorgegeben, Österreich hat den schrittweisen Ausstieg aus fossilen und den forcierten Ausbau erneuerbarer Energien mittels marktnaher Mechanismen mitbeschlossen. Es gibt also Orientierung? 
Anzengruber: Aber der Rahmen, wie diese Ziele erreicht werden sollen, fehlt. Es heißt 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030, bilanziell, also übers Jahr gesehen. Wir werden alles, was wir zusammenkratzen können, brauchen, um dieses Ziel zu erreichen – ein schwieriges Unterfangen. 

Standard: Wie groß ist die Lücke? 
Anzengruber: Es geht um 25 bis 30 Terawattstunden (TWh) Strom, die wir zusätzlich benötigen – bei rund 70 TWh, die wir derzeit in Österreich pro Jahr verbrauchen. Man erwartet sich zusätzlich sechs bis acht TWh aus der Wasserkraft, von Wind und Fotovoltaik noch um einiges mehr, und das schon in zehn Jahren. 

Standard: Worin liegt das Risiko? 
Anzengruber: Eine Investition, ganz gleich in welche Technologie, kann nur dann stattfinden, wenn sie auch wirtschaftlich ist. Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich entweder aus dem Markt oder über Förderungen. Wir können Windkraft, Fotovoltaik- oder Wasserkraftwerke nur bauen, wenn die Kapitalkosten gedeckt oder überdeckt sind. 

Standard: Der Strompreis steigt, auch die CO2-Zertifikate sind teurer geworden – das kommt Ihnen doch entgegen? 
Anzengruber: Aber es reicht nicht. Der Strompreis ist zwar gestiegen, entwickelt sich seit einem halben Jahr aber eher seitwärts. Der CO2-Preis ist auf 25 Euro die Tonne gestiegen, plätschert jetzt aber zwischen 22 und 25 Euro dahin. Wenn man die Förderungen wegdenkt, rechnet sich derzeit keine der Technologien. 

Standard: Eine Marktprämie, wie sie im Gespräch ist, würde helfen? 
Anzengruber: Schon. Deshalb wäre das EAG auch so wichtig, weil darin festzulegen ist, wie die Prämie ausgestaltet sein soll. Wir treten für eine flexible Prämie ein. Steigt der Strompreis, soll die Prämie sinken, fällt er, soll es entsprechend mehr Zuschuss geben. Wobei ich nicht davon ausgehe, dass der Strompreis fallen wird. Zudem soll jede Technologie einen eigenen Topf bekommen, weil es einen Unterschied macht, ob der Strom aus Wasserkraft, Fotovoltaik oder Wind kommt. Bei Wasserkraft gibt es einen viel höheren Anteil an gesicherter Leistung als bei den anderen. 

Standard: Aber Wettbewerb innerhalb der Töpfe soll es geben? 
Anzengruber: Ja, die besten Projekte sollen zuerst drankommen. 

Standard: Wie viel kostet das? 
Anzengruber: Bisher liegt die Ökostromförderung bei einer Größenordnung von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Will man das beibehalten, wird man einen Teil für die Restförderung bestehender Anlagen brauchen, einen Teil für Private, wenn sie sich Fotovoltaik auf das Dach installieren lassen, einen Teil wird man brauchen für die Biomasse, und den letzten Teil müsste man aufteilen für die Fördertöpfe Wind, Sonne, Wasser. 

Standard: Hatten Sie schon Gelegenheit, mit Eduard Müller, dem neuen Finanzminister, zu sprechen? 
Anzengruber: Noch nicht. Der Ball liegt derzeit bei Ministerin Patek. Sie ist zuständig für das EAG. 

Standard: Hatten Sie mit ihr schon einen Termin? 
Anzengruber: Noch nicht, aber demnächst. 

Standard: Nun erwächst Ihnen auch noch Konkurrenz durch Unternehmen wie Shell. Europas größer Öl- und Gaskonzern will zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr in erneuerbare Energien investieren. Lässt Sie das kalt? 
Anzengruber: Die sehen mittlerweile auch, was eine wachsende Technologie ist und was eine eher schrumpfende. Was immer stärker kommt, sind Power-to-Gas-Geschichten. Da gibt es Synergien zwischen Mineralöl- bzw. Gasfirmen und Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren. Wasserstoff wird heute noch ausschließlich aus Gas gemacht. Wir plädieren stark für grünen Wasserstoff, bei dem Strom aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz kommt. 

Standard: Shell-Chef Ben van Beurden ist überzeugt, dass sein Konzern als Neueinsteiger profitabler arbeiten kann als traditionelle Stromversorger. Was halten Sie dem entgegen? 
Anzengruber: Das ist eine Ansage. Die sind auch gut und können skalieren. Wo werden die hingehen? Tendenziell in Offshore-Wind, denn im Offshore-Bereich haben sie dank ihrer Bohraktivitäten große Erfahrung. Wettbewerbsseitig mache ich mir keine Sorgen. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten so viel mehr Strom brauchen, dass auch Platz für Neueinsteiger ist. Der Kuchen ist groß genug. 
Das Ministerium hat beispielsweise an dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz gearbeitet. Das wird sich nun verzögern, und das ist schlecht. 

Bild: Umweltfreundlich produzierter Strom spiele in Zeiten des Klimawandels eine zunehmend größere Rolle, sagt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Umfangreiche Investitionen seien dafür notwendig. 
 

Der Standard
28
0
156080880007
701560808800

Erste Gemeinde Österreichs ruft den Klimanotstand aus

Weiter zum Artikel
18. Jun. 2019

Die obersteirische 1150-Seelen-Gemeinde Michaelerberg-Pruggern hat Donnerstagabend als erste Gemeinde Österreichs den „Klimanotstand“ ausgerufen.

Der einstimmige Gemeinderatsbeschluss soll Signalwirkung haben, bestätigte Bürgermeister Hannes Huber einen Bericht der „Kleinen Zeitung“. Die Gemeinde folgt damit dem Beispiel der HLBLA St. Florian (OÖ), die kurz zuvor als erste Schule den Klimanotstand ausgerufen hatte. Sie will künftig auf Ökostrom umsteigen und den Individualverkehr von Schülern sowie Lehrern reduzieren. 
 

Kronen Zeitung
29
0
156080880007
701560808800

Nach Lungauer Windkraft-Absage: Nun steht das Glemmtal im Fokus

Weiter zum Artikel
18. Jun. 2019

Mit einer klaren Mehrheit von 16 zu drei bei den Bürgermeister-Stimmen bzw. von 124 zu 39 bei den Gemeindevertretern stimmte die Lungauer Politik am Samstag gegen den Bau von Windrädern im Bezirk.

Es wurde aber auch ein Moratorium verabschiedet: Es sieht eine zehnjährige Vorbereitungs- und Evaluierungsphase vor, befürwortet Windkraft aber. 

Die Abstimmung lässt sich auch als Niederlage für die Landesregierung interpretieren: Deren Energie-Masterplan 2020 sieht vor, dass bis dahin ein Viertel des Energiemix aus Wind und Geothermie stammt. Beide Energieformen existieren aber bisher nicht. LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne) wertet die Abstimmung dennoch als „positiv“: „Wer den Beschluss genau liest, sieht: Die Tür für Windkraft ist offen. Im Rahmen des neuen Energie-Masterplans für 2030 werden wir alle Bezirke miteinbeziehen.“ Und man werde geografisch konkretisieren, wo Windräder möglich seien. „Ich verstehe das Moratorium nicht so, dass man die nächsten zehn Jahre kein Windrad im Lungau bauen kann.“ Er freut sich, dass das Land eines seiner beiden Energieziele – den Anteil von 50 Prozent erneuerbaren Energien am Gesamt-Energiemix – erreichen werde. „Auch ohne die bis 2020 geplanten 20 Windräder.“ Er räumt aber ein, dass das zweite Ziel – 30 Prozent weniger CO2 -Emissionen im Vergleich zu 2005 – „höchstwahrscheinlich nicht erreicht wird“. Tatsächlich wurden, Stand Sommer 2016 statt der geplanten 234.000 Tonnen CO2 erst 67.500 Tonnen oder 29 Prozent eingespart. Schellhorn: „Bei der Windkraft muss auch die Salzburg AG mehr einbringen. Sie machen derzeit Windmessungen ganz hinten im Glemmtal. Da gibt es ein Skigebiet; damit würde das Landschaftsschutz-Argument wegfallen.“ 

Dieses Argument ist auch das erste, dass der Obmann des Lungauer Regionalverbands, Bgm. Manfred Sampl (ÖVP), als Ursache für das Votum nennt – neben touristischen Bedenken: „Wir fordern vom Land einen Plan, welcher Bezirk wie viel erneuerbare Energie in welcher Form – Wind, Photovoltaik oder Wasserkraft – leisten kann. Wenn das nicht funktionierten sollte, muss das Land die Möglichkeit haben, Sanktionen zu setzen.“ Es sei durchaus im Interesse der Lungauer Gemeinden, künftig so ein Projekt mit den Bürgern zu entwickeln: „Da braucht es Beteiligungsmöglichkeit – auch finanziell. Vielleicht kann eine Gemeinde als Mitbetreiber fungieren. Dann würde man die Windräder anders gestalten: Man wird andere Höhen und landschaftsverträglichere Standorte wählen – und sie nicht nur so machen, dass sie den größten Gewinn abwerfen.“ Denn es sei ein Unterschied, ob ein Privater, der davon leben müsse, oder die öffentliche Hand ein Projekt vorantreibe: „Die Gemeinde hat die touristischen Grundlagen im Blick und denkt die Versorgungssicherheit bei einem Blackout mit.“stv 

Ohne regionalen Rückenwind geht’s nicht 
Gemeinden müssen aktiv werden und mehrheitsfähige Standorte vorschlagen. 
Die Lungauer Politik steht unter Druck: Bis zu zwei Drittel aller Wind-Gunstlagen in Salzburg liegen dort. Die Ortschefs und Mandatare mussten daher ihre Absage an Windräder sehr gut begründen; wissend, dass es so für das Land noch schwieriger wird, seine Klimaziele zu erreichen. Dieses Votum kann aber auch eine Chance für eine ehrliche Debatte werden: Das Land muss konkrete Vorschläge machen, welche Gemeinde bei erneuerbaren Energien was und wie viel leisten kann. Die Gemeinden sind gefordert, Vorschläge für mehrheitsfähige Standorte zu machen; gerade für Windräder und Photovoltaik. Denn wenn Ort- und Regionalpolitik dahinterstehen, wird es leichter, auch die Bürger ins Boot zu holen. Und auch die Bürger müssen abwägen, wo ihr persönlicher Beitrag für den Klimaschutz ist. Denn die Zeit drängt. 

Salzburger Nachrichten