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IEA senkte Prognose für Rohöl-Nachfrage

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Paris, 11. Oct. 2019

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat wegen der Flaute in der Weltwirtschaft ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Nachfrage nach Rohöl gesenkt. Für heuer und das kommende Jahr werde die Prognose um jeweils 100.000 Barrel pro Tag nach unten geschraubt, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht der IEA hervorgeht.

Demnach gehen die Experten des Interessenverbandes der Industriestaaten davon aus, dass die tägliche Nachfrage 2019 nur noch um 1,0 Millionen Barrel und 2020 um 1,2 Millionen Barrel steigen werde.

Zwar habe der Angriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien zu einem beispiellosen Ausfall der Ölproduktion geführt, hieß es in dem Bericht. Allerdings habe die Angebotssorge am Markt nicht lange angehalten. Die Sorge vor einer globalen Rezession sei wieder zum bestimmenden Faktor am Ölmarkt geworden.

Neben der Sorge vor einer geringeren Nachfrage nach Rohöl durch die flaue Weltwirtschaft erklärten die IEA-Experten ihre geringere Nachfrageprognose aber auch mit der Aussicht auf eine höhere Fördermenge. Sie sprachen von einer "Welle neuer Ölproduktion" und bezogen sich dabei unter anderem auf die steigende Ölförderung in den USA. Hier wird seit Jahren auch durch die umstrittene Fracking-Technik die Ölproduktion nach oben getrieben.

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Das Klima retten wir nur global

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11. Oct. 2019

Die Klimapolitik der Bundesregierung verheddert sich in einem ebenso mutlosen wie engstirnigen Klein-Klein. Wohlstandsfördernden Umweltschutz gibt es dagegen nur mit Innovation und internationaler Kooperation. 

Die Begrenzung der Erderwärmung ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Sie ist aber nicht die einzige Herausforderung. Politische Trittbrettfahrer nutzen die Sorge über den Klimawandel, um Marktwirtschaft und Wachstum generell infrage zu stellen. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir unser Klima nur schützen können, wenn wir zwei Dinge tun: einen klaren CO2 - Deckel gemäß der Pariser Ziele per Emissionshandel festschreiben und die Innovationskraft des Marktes nutzen. 

Erneuerbare Energien sind die Basis für eine klimaneutrale Energieversorgung. Es wird aber nicht allein reichen, Strom aus Wind und Sonne zu produzieren und weite Teile unserer Energieversorgung - vom Verkehr bis hin zu Wärmerzeugung - zu elektrifizieren. Hier stoßen wir an praktische Grenzen. Das merken wir schon jetzt - zum Beispiel beim Ladenetz für Elektroautos. Deshalb werden wir unseren Energiebedarf zunehmend auch aus CO2 - neutralen Kraft- und Brennstoffen decken müssen. 

Hier bieten sich große Chancen für einen echten und internationalen Quantensprung beim Klimaschutz. Warum denken wir klein und verzetteln uns in nationale Debatten über Flugscham, Tempolimits und SUVs? Warum denken wir nicht größer und globaler? Warum investieren wir nicht in riesige Solarparks dort, wo sie wirklich das ganze Jahr über Strom produzieren, zum Beispiel in Afrika? Die Vorstellung, Deutschland könne sich autark versorgen, ist ohnehin gestrig. Eine funktionierende internationale Arbeitsteilung schafft Wohlstandsgewinne auf allen Seiten. 

Deutschland importiert heute rund drei Viertel seines Energieaufkommens. Betrachtet man zudem den Energieverbrauch über alle Sektoren, liegt der Erneuerbaren-Anteil bei nur rund 15 Prozent. Deren Ausbau wird sich nicht endlos fortsetzen lassen. Auch der Verkehrs- und Gebäudesektor wird nicht allein durch eine Elektrifizierung auf Basis von deutschem Ökostrom klimaneutral werden können. Wir bleiben angewiesen auf Importe. 

Hier kommen grüner Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe ins Spiel. Sie binden bei der Herstellung so viel CO2, wie sie bei der Verbrennung ausstoßen. Gasförmige oder flüssige Energieträger sind leichter zu speichern als der volatil anfallende Strom aus Erneuerbaren. Sie können in der vorhandenen Infrastruktur, zum Beispiel über Tankstellen und Gasnetze, genutzt werden. Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer könnten schon heute die notwendige Technologie für die Herstellung liefern. Hier kann Deutschland als Ingenieurnation ganz vorne mitspielen. 

Für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe benötigt man große Mengen sauberen Strom. Das macht sie derzeit noch teuer im Vergleich zu herkömmlichem Diesel oder Benzin. In sonnenreichen Regionen könnte man den Strom aber zu niedrigen Kosten in riesigen Fotovoltaikanlagen gewinnen. Vor einigen Jahren scheiterte das Desertec-Projekt, das Solarstrom aus der Sahara über Gleichstromleitungen nach Europa bringen wollte. Wir sollten diese Idee neu beleben und weiterentwickeln. Statt den Strom nach Europa zu schicken, kann er in Anlagen vor Ort zur Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen genutzt werden. 

Aber auch Waldschutz und Aufforstungen bieten weltweit ein enormes und vergleichsweise kostengünstiges Potenzial, um CO2 zu speichern. Am effizientesten sind Aufforstungen in den tropischen Regenwaldgebieten. Wir sollten international darauf hinwirken, dass der Erhalt von Regenwald sich künftig wirtschaftlich lohnt - zum Beispiel, indem jede dort gebundene Tonne CO2 mit Emissionszertifikaten belohnt wird. 

Um eine CO2 - Kreislaufwirtschaft in den notwendigen industriellen Größenordnungen zu realisieren, müssen wir marktwirtschaftliche Anreize setzen. Ein verlässlicher Emissionshandel kann das auf den Weg bringen. Der Marktpreis für Emissionen macht die Verbrennung von fossilen Energieträgern unattraktiv und die CO2 - Kreislaufwirtschaft zum Geschäftsmodell. Je umfassender der Emissionshandel und je mehr Länder sich an ihm beteiligen, umso größer sind die Anreize. Deshalb muss es uns gelingen, einen internationalen Durchbruch für dieses Instrument zu erreichen. 

Eine stärker global ausgerichtete Klimapolitik ist die eine Seite. Mindestens genauso wichtig ist es, für den richtigen Resonanzboden zu sorgen. Schlechte Rahmenbedingungen bei Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftlicher Freiheit und Infrastruktur sind noch immer die Hauptgründe, warum Investitionen in afrikanischen Staaten oft als zu riskant bewertet werden. Hier muss der Bund seine Bemühungen verstärken. Mit mehr Handel und Investitionen kann eine nachhaltige Entwicklung Afrikas ebenfalls vorangetrieben werden. Positiver Nebeneffekt wäre die Bekämpfung von Fluchtursachen. War das 20. Jahrhundert für die Staaten am Persischen Golf ein goldenes Ölzeitalter, so könnte sich im 21. Jahrhundert etwas Ähnliches in sonnenreichen Staaten wiederholen. 

Für uns steht außer Frage: Wirtschaftliche Entwicklung und freiheitliche Lebensweise lassen sich mit Klimaschutz verbinden, sie müssen es sogar. Wir gewinnen nichts, wenn wir dem Kampf gegen den Klimawandel unseren Wohlstand opfern. Im Gegenteil: Intelligenter Klimaschutz gibt aufstrebenden Nationen eine Chance auf Entwicklung. Und wir haben das technische Potenzial, das zu ermöglichen - für Wohlstand und Klimaschutz. 

Christian Lindner, 40, ist Parteichef der FDP und Vorsitzender der liberalen Bundestagsfraktion. 
Gastkommentar Christian Lindner 
 


 

Wirtschaftswoche am 11.10.2019, S. 010
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Investition in Technik für Stromnetze in der Zukunft

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Rohrau, 11. Oct. 2019

Die Finanzierungsgesellschaft des Landes NÖ, tecnet equity und eQventure investieren gemeinsam in Greenwood-Power, den Hersteller von Strom- und Spannungssensoren für intelligente Stromnetze. Das von Norbert Juschicz und Willibald Bacher 2017 gegründete Unternehmen Greenwood Power (GWP), mit Sitz in Rohrau im Bezirk Bruck an der Leitha, ist ein Start-up,welches sich auf die Entwicklung, Produktion und den Verkauf von neuartigen Strom- und Spannungssensoren für gas- beziehungsweise luftisolierte Energie-Ortsnetzstationen spezialisiert hat. Die Sensoren werden zur Umstellung von konventionellen Energie-Leitungsnetzen auf intelligente Netze eingesetzt. Für das Unternehmen entsteht in den nächsten Jahren ein weltweiter Milliardenmarkt, da im Schnitt pro 100 Einwohner eine nachzurüstende Ortsnetzstation vorhanden ist. 

 

Kurier am 11.10.2019, S. 5
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Studie zeigt hervorragende Treibhausgasbilanz für Erdgas-Pkw

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11. Oct. 2019

Erdgasautos haben derzeit die beste Klimabilanz aller gängigen Antriebsarten. Alle relevanten Energieaufwendungen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zusammengerechnet, schneiden sie klar besser ab als Benziner, Diesel und sogar als Elektroautos, wenn diese nicht mit Ökostrom betrieben werden.

Erst mit Nutzung von regenerativem Strom weist das Elektrofahrzeug eine deutlich bessere Bilanz auf als alle anderen Antriebsarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Lebenszyklus-Analyse der Forschungsgesellschaft Joanneum Research.

Für die Untersuchung wurden Fahrzeuge in der so genannten "Golfklasse" herangezogen, deren jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer und deren Gesamtlebensdauer 15 Jahren beträgt.
Die Grazer Forscher haben für den deutschen Markt den Vergleich gezogen zwischen einem Benziner-Pkw, einem Diesel-Pkw und einem Elektroauto, das mit dem deutschen Strommix betrieben wird (die Ergebnisse gelten also vor allem für den bundesdeutschen Markt, sind aber auch für Österreich nicht uninteressant).

Die Forscher fanden heraus, dass in diesem Fall das Elektroauto derzeit seine Vorteile erst nach 127.500 Kilometern oder 8,5 Betriebsjahren geltend machen kann. Noch schlechter fällt der Vergleich zum Diesel aus: Erst bei 219.000 Kilometern oder 14,6 Jahren ist das E-Auto in puncto Klimafreundlichkeit besser. Besonders ins Gewicht fällt bei der Bilanz des Elektroautos die aufwändige und treibhausgasintensive Produktion der Batterien. Hier sollte es in den nächsten Jahren noch deutlich Verbesserungen bei den Batterien geben, doch aktuell ist das noch ein Schwachpunkt bei E-Autos.

Am besten abgeschnitten hat beim Vergleich von Joanneum Research das Erdgasauto. Würde sich der Anteil von Biomethan aus Abfallund Reststoffen weiter erhöhen, könnte das Ergebnis noch besser ausfallen, resümiert man beim deutschen Automobilclub ADAC. Das exzellente Abschneiden des Erdgasautos zeige, wie gut konventionelle Antriebe in der Treibhausgas-Bilanz sein können.
 


 

Tiroler Tageszeitung am 11.10.2019, S. 3
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Elektroautos drehen langsam auf

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11. Oct. 2019

Sechs mietbare Elektroautos gibt es in Klagenfurt und den Landgemeinden. Nun will man das System weiter ausbauen. 

Vor mehr als zwei Jahren drehte Ferlachs Bürgermeister Ingo Appé seine erste Runde in einem Elektroauto. Seither ist er bekennender Fan – und hat mittlerweile selbst ein Elektroauto vor der Rathaustüre stehen. Allerdings nicht als sein Auto, sondern als „feMobil“ – als Teil eines neuen Mobilitätskonzepts für die Gemeinde. 

Denn wie in so vielen Kärntner Landgemeinden hat man auch in Ferlach mit zu wenigen öffentlichen Verbindungen zu kämpfen. Ein Standortfaktor, dem man in Ferlach mit einem Mobilitätskonzept begegnet, bei dem das „feMobil“ ein zentraler Punkt ist. Ein Elektroauto, das von jedermann einfach gemietet werden kann. „Wir möchten mit dem E-Carsharing-System vor allem Familien und Unternehmen helfen, ihre Mobilitätskosten zu senken. Familien ersparen sich ein Zweitauto und Unternehmen können so leichter ihren Mobilitätsbedarf abdecken“, sagt Siegfried Rutter von der Stadtgemeinde Ferlach und führt darüber hinaus einen weiteren Vorteil an: „Ein Elektroauto verursacht weniger CO2-Emissionen und ist somit klimafreundlicher.“ 

Während man in Ferlach – wie etwa auch in St. Veit – auf das Caruso-System setzt, steht in Krumpendorf ein Elektroauto der „Family of Power“, einem der größten e-Carsharing-Betreiber Österreichs. „Unser Konzept funktioniert in Kooperation mit vielen Partnern, Gemeinden, Tourismus, Unternehmen und Universitäten, welche mit ihrer Werbepartnerschaft die günstigen und ökosozialen Tarife ermöglichen“, sagt Maria Aichberger. Auch Fördertöpfe der EU werden angezapft, um in strukturschwachen Regionen – etwa im Unteren Drautal, wo man sechs Autos zur Verfügung stellt – leistbare Tarife ermöglichen zu können. Weitere Car-sharing-Standorte der „Family of Power“ sind die Alpen-Adria-Universität, Minimundus, die Lindwurmgarage und die Wurzelgasse. „Demnächst kommt ein weiterer in Harbach hinzu“, sagt Aichberger. 

Geladen werden die Autos laut Firma ausschließlich mit Ökostrom. Ein Punkt, in dem man in Ferlach nachrüsten muss: Das Ökostromzertifikat bei der Kelag wurde schon beantragt. 
Übrigens: So begeistert die Bürgermeister von den Autos sind – wirklich der Renner sind sie noch nicht. Die insgesamt 18 Autos der „Family of Power“, die es in Kärnten gibt, wurden im August in Summe 351 Mal gebucht, im Schnitt war jedes Auto also gerade einmal 19 Mal unterwegs. 
 


 

Kleine Zeitung am 11.10.2019, S. 30-32
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Bessere Luftwerte, mehr CO2

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Wien, 11. Oct. 2019

Ein Langzeitvergleich zeigt: In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Schadstoffbelastung in Österreichs Luft stark verringert. Beim Klimaschutz allerdings ist bisher zu wenig passiert. 

Die Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen verringerten sich im Zeitraum von 1995 bis 2017, also in 22 Jahren, zum Teil deutlich. Das zeigen die aktuellen Daten der sogenannten Luftemissionsrechnung, die die Statistik Austria am Donnerstag veröffentlichte. Den Berechnungen wiederum liegen Daten des Umweltbundesamts zugrunde. 

Demnach sank die Belastung mit Schwefeldioxid (SO2 ) seit Mitte der Neunzigerjahre um 70 Prozent, konkret von gut 55.000 Tonnen im Jahr auf rund 13.500 Tonnen. Schwefeldioxid war für die Wälder eine Bedrohung durch den sogenannten sauren Regen. Der Löwenanteil des SO2 -Ausstoßes entfällt auf die Wirtschaft, auch hier gab es eine Reduktion um 55 Prozent. Im Privatsektor betrug der Rückgang sogar mehr als 93 Prozent. 

Starke Rückgänge gab es auch bei flüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan, sie haben sich im Zeitraum seit Österreichs EU-Beitritt etwa halbiert – auf 227.448 Tonnen. Auch bei Methan (–31 Prozent), Kohlenmonoxid (–41 Prozent), Feinstaub (–25 bzw. –33 Prozent je nach Teilchengröße) gab es deutliche Verbesserungen. 

Anders sieht die Entwicklung allerdings bei den CO2 -Emissionen aus, die sich auf das Klima auf der Erde auswirken. Hier zeigt sich insgesamt ein Anstieg um 4,5 Prozent. Dieser wurde jedoch dadurch abgefedert, dass vermehrt erneuerbare Energien wie Wasser, Wind und Sonne genutzt werden. In diesem Sektor haben sich die Emissionen fast verdoppelt, aber sie wirken sich nicht auf das Klima aus. 
Die CO2 -Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energie sanken in mehr als 20 Jahren um nur zwei Prozent – auf 49 Millionen Tonnen im Jahr 2017. Im Privatsektor sanken sie um 16 Prozent, in der Wirtschaft stiegen sie um mehr als fünf Prozent. Den größten Anstieg mit mehr als 34 Prozent gab es beim CO2 aus sonstigen Quellen – das sind zum Beispiel die Eisen- und Stahlerzeugung oder die Zementherstellung. 

Der jüngste Klimaschutzbericht des Umweltbundesamtes Österreich, der sich ebenfalls auf den Zeitraum bis 2017 (aktuellste Daten) bezieht, lässt keinen Zweifel daran, dass Österreich beim Klimaschutz noch viel Nachholbedarf hat. Die Treibhausgasemissionen 2017 betrugen insgesamt 82,3 Millionen Tonnen, das war zwar „nur“ 4,6 Prozent mehr als 1990, doch vom angepeilten Ziel für 2020 von unter 48 Millionen Tonnen sind wir meilenweit entfernt. Das Umweltbundesamt stellt dazu trocken fest: „In Österreich konnte somit gegenüber 1990 keine Emissionsreduktion realisiert werden, wenngleich nach 2005 ein Abwärtstrend zu registrieren war.“ 

Für 2018 gibt es erst eine Schätzung der staatlichen Umweltexperten vom Juli: Prognostiziert wurde ein Sinken der Emissionen um 3,8 Prozent oder gut drei Millionen Tonnen. 
 

von Gerald Stoiber
 

Salzburger Nachrichten am 11.10.2019, S. 16
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Mit Atomkraft das Klima retten

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11. Oct. 2019

Christian Ortner am Freitag 

In Finnland entsteht derzeit, einen halben Kilometer unter der Erdoberfläche, das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Brennstäbe von Atomkraftwerken. Gleichzeitig baut das nordische Land an einem weiteren Kernkraftwerk, das zu den leistungsstärksten dieses Planeten gehören wird. Das Argument der Finnen für dieses Projekt: Ohne Nutzung der Atomenergie ist das Ziel des Klimaschutzes nicht erreichbar, und außerdem will das Land in seiner Energieproduktion autark werden, anstatt von Lieferungen aus dem Ausland abhängig zu sein. 

Interessant daran ist, dass die finnische Bevölkerung diese Politik quer über die Parteigrenzen hinweg befürwortet; rund zwei Drittel der Bevölkerung sind pro Atomkraft. Und, weltweit vermutlich einmalig: Sogar die finnischen Grünen sind – mittlerweile, das war nicht immer so – für die Nutzung der Atomkraft, wie kürzlich eine Reportage des österreichischen Medienprojekts „addendum“ zeigte. Nicht zuletzt eben aus klimapolitischen Gründen. 

Eine in Österreich – einem in vieler Hinsicht mit Finnland vergleichbaren Land – völlig unvorstellbare Situation. Hierzulande ist man sich in der Ablehnung der Atomkraft so einig wie in Finnland in der Befürwortung dieser Energiequelle. 

Da stellt sich natürlich die Frage: Wer hat da eigentlich recht, die Österreicher in ihrer Skepsis oder die Finnen in ihrer Zustimmung? Es ist eine bisher zugegeben eher akademische Frage, die sich in der Praxis so nicht stellt (was sie nicht weniger interessant macht). 

Je mehr freilich die Klimapolitik, ob zu Recht oder zu Unrecht, in die Mitte des politischen Diskurses rückt – indem etwa der Herr Bundespräsident dem mit der Regierungsbildung beauftragten ÖVP-Chef Sebastian Kurz dies ausdrücklich in die Agenda schreibt –, umso notwendiger erscheint es, die Frage der Nutzung der Kernenergie einer Neubewertung zu unterziehen. Nicht unbedingt und primär in Österreich (das Atomstrom etwas halbseiden einfach importiert, und das nicht zu knapp), sondern auf der europäischen Ebene. 

Dabei geht es weniger um Gesetze und Regulierungen als darum, die europäische Öffentlichkeit einmal auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen, zumal neue Generationen von Kernkraftwerken, die etwa in Russland oder China entstehen, wesentlich sicherer sind als traditionelle Konzepte. Und weil die Finnen gerade vorzeigen, dass die Endlagerung technisch durchaus machbar ist. Wer den Klimaschutz für ein prioritäres Anliegen hält, wird daher früher oder später nicht um die Frage herumkommen, ob Kernenergie nicht doch in Ergänzung zu erneuerbaren Energieträgern auch in Zukunft Teil eines europäischen Energiemixes sein sollte, der den CO 2 -Ausstoß minimiert. 

Man kann daraus natürlich, wie in Deutschland und Österreich üblich, eine Glaubensfrage machen, an der zu kratzen den Tatbestand der Ketzerei darstellt. Man könnte aber auch alle Fakten auf den Tisch legen, Risiken und Vorzüge unterschiedlicher Arten der Energieproduktion neu gewichten und dann eine faktenbasierte politische Entscheidung treffen. gastkommentar@wienerzeitung.at 
Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ortner 
 

von Christian Ortner 

Wiener Zeitung am 11.10.2019, S. 2
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Erfolgreich in die Grüne Welle investieren

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Wien, 11. Oct. 2019

Medianet sprach mit PV-Invest-Gründer und Geschäftsführer Günter Grabner über Investments in erneuerbare Energien.

Der Geschäftsführer der Kärntner PV-Invest, Günter Grabner, sprach mit medianet über aktuelle Veranlagungsmöglichkeiten.

Medianet: Ihr Unternehmen wird ein neues Papier emittieren - worum geht es dabei?
Günter Grabner: Die PV-Invest steht seit ihrer Gründung für nachhaltige und ertragreiche Investments in Photovoltaik und Kleinwasserkraftwerke. Die Begebung des Green Bonds ermöglicht die Realisierung unseres Unternehmensleitbilds: Die Errichtung und den Erwerb von neuen Kraftwerken, die nachhaltig Strom erzeugen -dank der Kraft der Natur.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das enorme Potenzial der erneuerbaren Energien zu nutzen. Durch unsere nachhaltige und gezielte Wachstumsstrategie sind wir in der Lage, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Medianet: Was sind die Besonderheiten?

Grabner: Anleger haben die Möglichkeit, zwischen zwei verschiedenen Zinssätzen und Laufzeiten, einer siebenjährigen Laufzeit mit einer jährlichen Verzinsung von 4.15% p.a. oder einer zehnjährigen Laufzeit mit einem Zinssatz in Höhe von 4,5% p.a. zu wählen.
Im September 2019 wurde das Unternehmen erstmals von der österreichischen Ratingagentur rfu bewertet und erreichte im Nachhaltigkeitsrating den Status 'rfu Qualified' mit einem hervorragenden Ratingergebnis von 'ab'.

Seit 1.1.2017 sind nach §14 EstG Unternehmensanleihen (und damit auch der PV-Invest Green Bond) wieder als Investition für den österreichischen Gewinnfreibetrag geeignet. Als betriebliche Überschussrechner und Bilanzierer können Selbstständige einen Gewinnfreibetrag in Höhe von bis zu 13 Prozent ihres Gewinnes beanspruchen.

Anlegern, die über kein eigenes Wertpapierdepot verfügen, bietet die PV-Invest die Abwicklung über ein treuhänderisch verwaltetes Sammeldepot an.

Medianet: Ihre Zielgruppe?

Grabner: Mit einer Stückelung von 1.000 €sind die Green Bonds sowohl für den Privatanleger als auch für institutionelle Investoren konzipiert. Das verfügbare Gesamtvolumen liegt bei 15 Mio. €, wodurch auch die Nachfrage von größeren Investoren und Fonds bedient werden kann.

Medianet: Wie ist PV-Invest aufgestellt?

Grabner: Das Wachstum der PV-Invest beruht auf einer ausgeglichenen Portfoliopolitik und der langjährigen Branchenerfahrung des Teams. Neben dem Ausbau des Bestandsportfolios in den wesentlichen Kernmärkten stärkt das Unternehmen auch den Geschäftszweig 'EPC (Engineering -Procurement &Construction) und Projektierung' in Form von schlüsselfertigen Kraftwerken für institutionelle Investoren und EVUs.

Wir legen großen Wert auf ein geografisch diversifiziertes Portfolio an Bestandsobjekten und sind derzeit in neun Ländern mit eigenen Kraftwerken vertreten. Das stetig wachsende Portfolio umfasst mittlerweile 40 Photovoltaik-sowie drei Kleinwasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 33,7 MW. Der Baubeginn für weitere 3,2 MW hat im Jahr 2019 bereits stattgefunden. Zudem befindet sich eine Vielzahl weitere Projekte bereits in der Entwicklung.

Medianet: Was wird es noch von PV-Invest in Zukunft geben?  Grabner: Die Photovoltaik ist bereits so kostengünstig, dass auch Kraftwerke ohne Einspeisetarife attraktive Renditen bieten können. Im Süden Italiens werden von PV-Invest aktuell neue PV-Kraftwerke als Grid-Parity-Projekte entwickelt. Die Markteintritte in Serbien und Griechenland werden sowohl im Bereich Kleinwasserkraft als auch Photovoltaik vorbereitet.
 


 

Medianet am 11.10.2019, S. 64
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Stahlkraft fürs Depot

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11. Oct. 2019

Deutschland steigt aus, doch andernorts wird massiv in den Ausbau der weitgehend CO2 - freien Kernenergie investiert. Damit steigt der Bedarf an Uran, dem wichtigsten Brennstoff für Reaktoren. Anleger können von dem erwarteten Boom profitieren. 

Atomenergie sei "ein kleiner Teil einer sehr großen, neuen kohlenstofffreien Energielösung", postete Greta Thunberg im vergangenen März - und sorgte damit für Aufsehen. Kurz darauf relativierte die schwedische Klimaaktivistin: Sie habe nur den Weltklimarat zitiert, persönlich sei sie gegen Kernenergie. 

Tatsache bleibt trotzdem: Kernenergie leistet einen wichtigen Beitrag zur kohlenstofffreien Stromerzeugung. Ohne sie wäre der weltweite CO2 - Ausstoß in den vergangenen 50 Jahren um 55 Milliarden Tonnen höher ausgefallen, sagt die Internationale Energieagentur (IEA). Die Menge entspricht etwa den durch die Energieerzeugung verursachten CO2 - Emissionen von zwei Jahren. Doch trotz des raschen Ausbaus erneuerbarer Energien erreichten die energiebezogenen CO2 - Emissionen 2018 ein Rekordhoch. Grund: Die weltweite Stromnachfrage wächst schneller als der Ausbau CO2 - armer Energien. Deshalb forcieren vor allem große Schwellenländer den Ausbau der Kernenergie - und sorgen so für eine steigende Nachfrage nach Uran, dem wichtigsten Brennstoff für den Betrieb von Atomkraftwerken. 
In den Industrieländern sind die Reaktoren im Durchschnitt 35 Jahre alt, viele nähern sich dem Ende ihrer geplanten Lebensdauer. Bis 2025 dürfte geschätzt ein Viertel abgeschaltet werden. Ohne Verlängerung der Laufzeiten und den Bau neuer Reaktoren drohe ein zusätzlicher CO2 - Ausstoß von vier Milliarden Tonnen, so die IEA. Zum Nulltarif gibt es auch Atomenergie nicht. Zum einen ist die sichere Endlagerung des Atommülls nicht gelöst. Zum anderen kostet die Verlängerung von einem Gigawatt Leistung um zehn Jahre, je nach Zustand der Anlage, zwischen einer halben und gut einer Milliarde Dollar. Ohne Atomenergie werde die Umstellung auf saubere Energie aber noch teurer, so die IEA. 

DIE WELT BAUT, DEUTSCHLAND LEGT STILL 

Die Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 hat das Vertrauen in die Sicherheit der Kernenergie in weiten Teilen der Bevölkerung erschüttert, vor allem im dicht besiedelten Europa. Sie war letztlich Auslöser für den panikartigen Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie. Das letzte deutsche Kernkraftwerk soll 2022 abgeschaltet werden. Damit verabschiedet sich eine der führenden Industrienationen von der einzigen kohlenstofffreien, skalierbaren Energiequelle, die rund um die Uhr verfügbar ist. Schon heute werden Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland mit den weltweit zweithöchsten Stromkosten belastet. 

Andernorts auf der Welt wird dagegen kräftig in den Ausbau der Kernenergie investiert. Gut elf Gigawatt neue Atomkapazität ging 2018 ans Netz - der höchste Zuwachs seit 1990. Die IEA schätzt, dass bis 2040 rund 1100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Atomenergie investiert werden. Das führe zu einer Steigerung der weltweiten Kernenergieproduktion um rund 46 Prozent. Wachstum konzentriert sich auf zwei Länder: China und Indien. Gut 90 Prozent der erwarteten Netto-Produktionssteigerung entfallen auf die beiden Staaten. 

Die Logik dahinter ist klar: Die Wirtschaft ist in beiden Ländern stark gewachsen - und mit ihr die Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger. Und weil die Stromerzeugung immer noch stark auf Kohle basiert - etwa 30 Prozent der weltweit geförderten Kohle gehen nach China und Indien - , ist die Umweltbelastung zu einem ernsten Problem geworden. 

Weltweit sind 444 Reaktoren im Betrieb. Sie decken gut zehn Prozent der weltweiten Stromversorgung ab. Für ihren Betrieb werden pro Jahr rund 170 Millionen Pound (lb) Uranoxid (U 3 O 8 ) benötigt. Ein lb entspricht rund 454 Gramm. Die Minenproduktion deckt 83 Prozent dieser Bedarfsmenge ab. Die Angebotslücke weitet sich seit 2015 wieder aus. Noch kann sie aus Lagerbeständen und Quellen wie ausgedienten Atomsprengköpfen gedeckt werden. Allerdings werden Lagerbestände oft auch als strategische Reserve gehalten. Sie werden den Markt nicht fluten, wenn die Preise steigen. Uran trägt zudem eine geostrategische Komponente. Die USA etwa produzieren nur etwa fünf Prozent ihres Bedarfs im eigenen Land, der Rest wird importiert. Aus Gründen der nationalen Sicherheit zieht die US-Regierung unter Donald Trump daher die Wiederbelebung der heimischen Uranproduktion in Erwägung. 

Die Preisschwankungen von Uran sind enorm: Im vergangenen Zyklus stieg der Preis für ein Pound U 3 O 8 am Spotmarkt, wo Uran mit Lieferzeiten von wenigen Monaten gehandelt wird, zwischen 2001 und Juni 2007 von sieben auf fast 136 Dollar. In der Endphase trieben Hedgefonds den kurzfristigen Preis weit über die langfristigen Preise, die Versorger mit den Förderern aushandeln. Die Spekulationsblase platzte, bis Ende 2016 ist der Preis auf 17,50 Dollar abgestürzt. 

Katalysator des Preisverfalls war der Verkauf von Uran aus Lagerbeständen japanischer Atomkraftwerke, die nach Fukushima dauerhaft vom Netz genommen wurden. Kraftwerksbetreiber wiederum hatten sich ihren Bedarf langfristig gesichert und saßen auf gut gefüllten Lagerbeständen. Viele dieser langfristigen Lieferverträge liefen aber Ende 2020 aus und seien teilweise noch nicht ersetzt, sagt Christian Schärer, Partner der Liechtensteiner Investmentboutique Incrementum. "Etwa 75 Prozent des zu erwartenden Reaktorbedarfs bis 2025 sind noch nicht vertraglich abgesichert", schätzt er. Schärer steuert einen auf Uranaktien spezialisierten Investmentfonds. 

KAPAZITÄTEN WERDEN KNAPP 

Ein steigender Uranpreis ist für die Atomwirtschaft ein vergleichsweise geringes Problem. Von den Gesamtkosten eines Kraftwerks entfallen nur etwa fünf Prozent auf den Brennstoff. Wichtig ist aber, dass sie überhaupt Nachschub bekommen. Weil sich das radioaktive Metall zu den aktuell noch niedrigen Preisen kaum profitabel abbauen lässt, haben große Produzenten ihre Aktivitäten zurückgefahren, etwa der weltgrößte Uranproduzent Kazatomprom aus Kasachstan und die Nummer drei Cameco aus Kanada. Auf die beiden Unternehmen entfällt fast ein Drittel der weltweiten Minenproduktion. Die Kanadier kündigten unlängst an, möglicherweise weiter zu kürzen. Bemerkenswert auch: Cameco kauft Uran jetzt am Spotmarkt, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Das ist billiger, als es aus dem Boden zu holen. 
"Mit ihrem Verhalten verknappen die Produzenten das Angebot und bereiten so den Boden für eine mittelfristige Preiswende am Uranmarkt", sagt Schärer. Sinkende Minenproduktion und fallende Lagerbestände bei gleichzeitig steigender Nachfrage vergrößern die Angebotslücke. Schließen lässt sich diese nur über steigende Preise, um den notwendigen Ausbau der Produktionskapazitäten anzuregen. Tatsächlich scheint der Uranpreis einen Boden gefunden zu haben. Seit Ende 2016 läuft er in einem Preisband zwischen 20 und 30 Dollar pro Pound, zuletzt mit leicht steigender Tendenz. 

Anleger, die nur auf die Preiswende setzen wollen, sind gut aufgehoben mit der Aktie von Uranium Participation. Die kanadische Investmentgesellschaft kauft seit 2005 physisch Uran auf und lagert das Material ein. Wer es heißer mag, setzt auf die Aktien von Uranproduzenten und Explorationsunternehmen. Als Einzelinvestment bietet sich Cameco an. Dank eigener Lager können die Kanadier Lieferverpflichtungen einhalten und konnten bis zuletzt freie Mittelzuflüsse erzielen. Der Konzern ist zudem gering verschuldet. Das verleiht einen langen Atem. Um das Risiko zu streuen, bietet sich auch der Kauf eines Korbs aus mehreren Uranaktien an, etwa des von Schärer gesteuerten Uranaktienfonds. 

 

von Frank Doll 
 

 

Wirtschaftswoche am 11.10.2019, S. 096
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Lautlos liefern lassen

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11. Oct. 2019

Supersauber. Wo Elektromobilität zurzeit am besten aufgehoben ist

Einmal im Jahr dreht sich im heimischen Motorsport-Mekka Spielberg alles rund um das Thema Elektromobilität. Das sorgte anfangs für ungewohnte Stille auf und abseits der Formel-1-Piste, heute ist es nur noch auf der Piste still ? einfach deswegen, weil man die unzähligen Fahrzeuge immer noch nicht hört. Abseits der Piste wird es hingegen jedes Jahr lauter, ist es der lokalen Red Bull-Mannschaft doch gelungen, aus einem ziemlich übersichtlichen Fachevent das größte Elektromobilitätsfest des Landes zu machen. 

Gefragt Wie es sich für ein gutes Fest gehört, folgten auch heuer viele Aussteller und noch viel mehr interessierte Gäste der Einladung. Viele Aussteller hatten dabei nicht nur neue Modelle, sondern auch den einen oder anderen Rennwagen im Gepäck, die Zahl der Prototypen erreichte ebenfalls einen neuen Höchststand. Beflügelt durch soviel Elektropower, verzichtete man bei nahezu allen Ständen darauf, die Elektromobilität als völlig abgasfrei und als alleinige Antriebsform der Zukunft zu verkaufen. Mag sein, dass diese Vorstellung der einen oder anderen Marke, die sich bereits ausschließlich dieser Antriebsform verschrieben hat, den kalten Schweiß auf den Rücken zaubert. Fakt ist aber auch, dass wir die von vorauseilendem Gehorsam und jeder Menge Geiz bei der Weiterentwicklung klassischer Verbrennungsmotoren geprägten Marken nicht vermissen werden. Eher im Gegenteil, helfen sie doch den unverändert mehrgleisig agierenden Mitbewerbern dauerhaft zu überleben. Während die Zahl an elektrischen Klein-, Mittel- und Oberklasse-Pkw völlig in Ordnung ging und bei den Zweirädern ein kaum noch für möglich gehaltener Zuwachs zu erleben war, zeigte sich das Angebot an Lieferwagen und LKWs abgesehen von den bekannten Größen wie Renault, Nissan, Mercedes-Benz (erstmals mit dem neuen Vito) oder MAN (TGE) erneut ziemlich überschaubar. Positiv zu überraschen gelang hier nur dem Logistikkonzern Logwin der den Besuchern verriet, dass auch auf Basis eines nicht mehr ganz neuen Fahrzeuges ein effizienter Elektro Lkw entstehen kann. Realisiert hat das der der deutsche Spezialbetrieb Paul Nutzfahrzeuge gemeinsam mit dem Achshersteller BPW auf Basis eines Mercedes-Benz Vario. Eingesetzt wird der Elektro Truck ausschließlich im innerstädtischen Lieferverkehr. 

Basismodelle Mit dem Nötigsten ausgestattete Elektro-Transporter werden von nahezu allen politischen Parteien gefordert, sind sie doch ein erster wichtiger Schritt hin zur Verbannung der Benzin- und Dieselmotoren aus den immer volleren Stadtzentren. Relevant für diese Fahrzeugklasse ist aber auch der flüsterleise Auftritt, der neue Zeitfenster für die Belieferung des Handels öffnet. Würde man jetzt noch einen Schritt weiter gehen und Ladezonen durchgängig mit Schnellladern ausstatten, der Wechsel hin zu einer lokal emissionsfreien Transportermobilität würde noch viel schneller verlaufen. In Zahlen ausgedrückt, waren es knapp 36.000 Besucher, die es laut Veranstalterangaben auf den Red Bull-Ring in die Steiermark gezogen hat. Ihnen standen 80 neue Fahrzeuge zur Verfügung, die für insgesamt rund 6000 Probefahrten (mehr sind auch zeitlich kaum möglich) genutzt wurden. 
 


 

Kurier am 11.10.2019, S. 2
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Jetzt kommen die "Future Liquids" als Klima-Alternative

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11. Oct. 2019

Die meisten Tiroler heizen mit Öl. Müssen sie ihre Erdölbrennkessel bald wegwerfen, um die Klimaziele nicht zu gefährden? Nein, sagt die Mineralölwirtschaft. Denn derzeit wird intensiv an umweltfreundlichen flüssigen Brennstoffen geforscht. Diese hätten langfristig eine klimaneutrale Perspektive, sagt die Branche.

Die Brennstoffe der Zukunft werden mit bestehenden Ölfeuerungs-Anlagen und Versorgungswegen kompatibel sein, aber sie werden zugleich auch sehr umweltfreundlich sein. Aufwändige Umrüstungen oder Umstellungen bleiben dabei den Ölheizungsbesitzern somit erspart.

Wer seine installierte Ölheizung nicht wegwerfen will, könnte aber schon jetzt einen Umweltschritt setzen und eine Hybridheizung einbauen. Sie ist eine Möglichkeit, das eigene erprobte Heizsystem mit erneuerbaren zukunftsweisenden Energieträgern zu kombinieren und somit einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Eine Hybridheizung ist die Kombination einer Ölheizung mit erneuerbaren Energien-wie z. B. Solarenergie. Das Grundprinzip dabei ist ganz einfach: Die erneuerbare Energie wird genutzt, wann immer diese verfügbar ist. Ist diese nicht verfügbar, weil etwa die Sonne nicht scheint, springt die zuverlässige Ölheizung ein.

Auch in Zukunft würden flüssige Brennstoffe daher eine große Rolle in der Energieversorgung und Energiewende spielen, sagt die österreichische Mineralölwirtschaft, die sich zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens bekennt. Die europäischen Klimaziele seien überhaupt nur mit flüssigen Energieträgern erreichbar: "Gehen Sie mit Ihrem bestehenden Ölkessel den Schritt in die Zukunft und nutzen Sie auch noch in Jahrzehnten Ihre Heizungsanlage mit flüssigen Energieträgern",rät Martin Reichard, Geschäftsführer der Heizen mit Öl GmbH.

Auch die Modernisierung des alten Heizkessels durch ein modernes Öl-Brennwertgerät ist eine kostengünstige Sanierungsmaßnahme mit großem Nutzen auch für die Umwelt. Der Umstieg bringt Heizöl-Einsparungen von bis zu 40 Prozent. Ein neues Gerät verbrennt Heizöl praktisch feinstaubfrei, ist hocheffizient und wartungsarm.

Das sind die Brennstoffe der Zukunft

Klimafreundliche Future Liquids können künftig auf mehrfache Weise hergestellt werden:
bTL-brennstoffe (Biomass-to-Liquid):flüssiger Brennstoff, der aus Biomasse wie Algen, Restholz oder Stroh, z. B. HVO (Hydrotreated Vegetable Oils),gewonnen wird, PTL-brennstoffe (Power-to-Liquid):flüssiger Brennstoff, der mithilfe von elektrischer Energie -vorzugsweise aus erneuerbaren Quellen-erzeugt wird, WTL-brennstoffe (Waste-to-Liquid):flüssiger Brennstoff, der mithilfe von Abfällen aus Haushalten und der Industrie etc. erzeugt wird, XTL-brennstoffe (X-to-Liquid): synthetische Flüssig-Brennstoffe aus den oben erwähnten Herstellungsverfahren.
 


 

Tiroler Tageszeitung am 11.10.2019, S. 4
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"Alle zwei Tage ein neues Windrad"

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11. Oct. 2019

Klimaziel. Um Österreichs Stromerzeugung komplett "grün" zu machen, ist enormer Neubau von Kraftwerken nötig

Im Jahr 2030 soll die österreichische Stromerzeugung zur Gänze -frei sein: Also nur noch Wasserkraft, Wind, Sonne oder Biomasse kommen als Energiequellen infrage. "Das heißt: Wir müssen gut zehn Jahre lang jeden zweiten Tag ein neues Windrad, alle drei Minuten eine Solaranlage (je 5 Kilowatt) und alle zwei Jahre ein Wasserkraftwerk in der Größe des Kraftwerks Freudenau errichten", beschreibt Barabara Schmidt, Generalsekretärin des E-Wirtschaftsverbands, Österreichs Energie, die Lage drastisch. 

Nur so käme man auf die rund 30 Terawattstunden zusätzlicher Stromerzeugung, die laut Prognose der Energieversorger bis 2030 benötigt werden. 

Derzeit kommen rund drei Viertel des gesamten heimischen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Die Fakten sind für die Energiebranche also klar. Die Umsetzung aber ist das große Problem. Und zwar nicht, weil das Geld dafür fehlt, sondern weil es an der Akzeptanz für neue Kraftwerke in der Bevölkerung mangle. 

Ende der Romantik Günter Brauner, Energiewissenschafter und ehemaliger Professor an der TU Wien, betont denn auch, dass zunächst die Menschen von der Wichtigkeit der Energiewende überzeugt werden müssen. "Die Romantik des Ökostroms ist vorbei. Wir müssen zur Umsetzung kommen", sagt er. Und die E-Wirtschaft müsse einsehen, dass der Bau neuer Kraftwerke nicht von politischen Genehmigungsverfahren abhänge, sondern von Bürgerinitiativen. 

Da fehlt es offenbar an Aufklärungsarbeit. So sei das errechnete Potenzial für neue Windenergieanlagen in Österreich mit 10 bis 13 Terawattstunden nur dann nutzbar, wenn Windräder nahe an Siedlungen gebaut werden dürften. "Ein vorgeschriebener Abstand von 1.000 Metern würde das Ausbaupotenzial um 60 Prozent verringern, bei 2.000 Metern Abstand, wie es in Bayern der Fall sei, gar um 97 Prozent. 

Extrem skeptisch zeigte sich Brauner auch in puncto Wasserstoff. Die Euphorie einiger Experten, wonach Wasserstoff die wahre Zukunft der Energiebranche sei, findet der Wissenschafter übertrieben. Grund: Bei der Erzeugung von Wasserstoff in der Elektrolyse geht viel Energie verloren. Und der Prozess ist derzeit noch viel zu teuer. 

Vorsicht bei E-Autos Der Umstieg auf E-Fahrzeuge ist aus Klimasicht zwar vorteilhaft, Brauner warnt aber davor, die sozialen Auswirkungen zu unterschätzen. So würden in Deutschland schon bei einem E-Auto-Anteil von 25 Prozent mehr als ein Drittel der Autoindustrie-Jobs wegfallen. "Diesen Umstieg muss man daher vorsichtig angehen", betont Brauner.

Gravierende Auswirkungen wird die Energiewende auch auf die Stromnetze haben. Weil immer mehr Haushalte mit Fotovoltaikanlagen selbst Strom erzeugen und ins Netz einspeisen, müssen die Leitungen verstärkt werden. 18 Milliarden Euro an Investitionen bis 2030 seien dafür nötig, schätzt Franz Strempfl, Chef der Netze Steiermark. Das bedeute Zusatzkosten für die Stromkunden. 

 

Kurier am 11.10.2019, S. 11
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Grünes Fliegen - geht das?

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11. Oct. 2019

Unternehmen weltweit arbeiten an klimafreundlichen Flugzeugen. Eines davon soll schon in zehn Jahren elektrisch von London nach Amsterdam fliegen.  

Das Image des Flugzeugs ist gelinde gesagt angeschlagen: Galt es bis vor kurzem noch als Symbol eines kosmopolitischen Lebensstils, greift heute die „Flugscham“ um sich, und Rufe werden lauter, die die Fliegerei in die Schranken weisen wollen. Aus Angst, dass Fliegen das neue Rauchen werden könnte, versuchen Airlines gegenzusteuern. Die niederländische Fluglinie KLM wirbt mit dem Slogan „Fly Responsibly“, der stark an den Aufdruck auf Schnapsflaschen in den USA erinnert. Auf seiner Website empfiehlt KLM sogar, für kurze Strecken den Zug zu nehmen – oder einfach seltener zu fliegen. 

Ganz aufs Fliegen verzichten werden wir aber wohl nie können. Weltweit arbeiten tausende Forscher und Unternehmer deshalb daran, Flugzeuge nachhaltiger zu machen. Einer von ihnen ist Jeff Engler. In Los Angeles bastelt sein Start-up Wright Electric am Tesla der Lüfte, noch dieses Jahr soll ein vollelektrischer Prototyp eines Neunsitzers abheben. In einigen Jahren sollen Flugzeuge von Wright Electric Kurzstrecken innerhalb Europas fliegen, dafür kooperiert Engler mit der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet. Das Ziel: null Emissionen für Kurzstreckenflüge in 20 Jahren. 

Als aussichtsreiche Route für den Einsatz von E-Flugzeugen sieht Wright Electric die Verbindung Amsterdam–London, europaweit die zweithäufigst beflogene Strecke. Man erwartet einen signifikanten Rückgang von Kohlendioxidemissionen und auch Lärm: Denn die E-Jets sollen nur noch halb so laut und günstiger im Betrieb sein. 

Der Flaschenhals des elektrischen Fliegens ist, wie bei E-Autos, die Akkutechnologie. Die Batterien von heute sind nicht leistungsfähig genug, um die enormen Energiemengen zu liefern, die Flugzeuge brauchen. Mit der nächsten Akku-Generation seien aber vielleicht Flüge mit einer Dauer von einer Stunde möglich, so Engler. 

Potenzial für die Langstrecke 

Und Langstreckenflüge? „Dafür brauchte man Batterien, die den heutigen etwa fünf Generationen voraus sind“, sagt Jeff Engler. Das sei aber kein Grund, es nicht zu versuchen. Er halte es wie der Eishockeyspieler Wayne Gretzky: „I skate where the puck’s going, not where it’s been.“ Hybridjets, die mit Batterien und Kerosintanks ausgestattet sind, könnten auch auf Langstrecken mittelfristig Realität werden und 40 Prozent CO2 einsparen. 

Der zweite große Bereich, in dem weltweit geforscht wird, ist die sogenannte Power-to-Liquid-Technologie. Dabei wird aus (idealerweise nachhaltigem) Strom Sprit. Per Elektrolyse wird aus Wasser Wasserstoff gewonnen, der mit dem CO2 aus Luft zu Kohlenwasserstoffen verbunden wird. Der synthetische Treibstoff ist dem heutigen Kerosin aus Erdöl sehr ähnlich und kann in normalen Flugzeugen eingesetzt werden. Momentan ist der Wirkungsgrad aber noch gering. 

Auch ohne Technologien von morgen könnte Fliegen ein bisschen grüner werden, etwa durch optimierte Flugrouten. Damit könnte die Wolkenbildung, die noch mehr als CO2 zur klimaschädlichen Wirkung des Flugverkehrs beiträgt, vermindert werden oder die Erde sogar kühlen. Das kostet allerdings mehr Kerosin. Damit die optimierten Flugrouten für Airlines attraktiver werden, müsste die Wolkenbildung in den Emissionshandel einbezogen werden, sagen Experten. 
 

von Philip Pramer


 

Der Standard am 11.10.2019, S. 17
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Biomasse für die Energieversorgung

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11. Oct. 2019

Eine verstärkte Nutzung von Holz ist das Gebot der Stunde 

Etwa 42 Prozent der Fläche Oberösterreichs ist mit Wald bedeckt, Tendenz steigend. Grund genug, der Ressource Holz eine zentrale Rolle in der Energieversorgung beizumessen. Ein weiteres Argument für Biomasse ist der Klimawandel. 

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Industriestandort Oberösterreich weltweit zum Technologieführer bei Biomasse-Feuerungen aufgeschwungen. Auch die Nutzung von Biomasse, sei es in Form von Pellets, Hackgut, Scheitholz oder Fernwärme, kann sich sehen lassen: Mehr als 130.000 Haushalte, das sind etwa 20 Prozent, haben eine Biomasse-Zentralheizung installiert. Dazu kommen etwa 330 Biomasse-Heizwerke, die Tausende Kunden mit Wärme aus Biomasse versorgen. 

Doch im Energieträger Holz steckt mehr als nur Wärme. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugen auch Strom aus Biomasse. Solche Anlagen in Kombination mit Heizwerken oder gewerblichen Wärmeverbrauchern leisten bereits jetzt einen wesentlichen Beitrag zum Ziel, Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen herzustellen. Und wieder haben oberösterreichische Anlagenhersteller technisch die Nase vorn. In naher Zukunft könnten auch Erdgas und Diesel aus Holz gewonnen werden. 
Bei der Biomasse-Nutzung profitieren der Standort Oberösterreich und die Wärmeverbraucher von der gesamten Wertschöpfungskette. Vom Wald bis zum geheizten Haus und vom Blech bis zur fertigen Heizanlage. 
 


 

Oberösterreichische Nachrichten am11.10.2019, S. L12
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"Österreich klimafit regieren"

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11. Oct. 2019

Umweltschutzorganisationen und Klimavolksbegehren fordern von der künftigen Regierung konkrete Maßnahmen. 

Der Klimaschutz soll in der Verfassung festgeschrieben werden, damit dieser in der Gesetzgebung mitgedacht werden muss. Österreich braucht eine ökosoziale Steuerreform, eine jährliche Klimaschutz-Milliarde, ein großes Energiesparprogramm inklusive Ausstieg aus Öl und Gas sowie eine „echte“ Mobilitätswende: Das sind nur einige der 15 Maßnahmen, die die Umweltschutzorganisationen WWF und Global 2000, der Verkehrsclub Österreich sowie die Initiatoren des Klimavolksbegehrens am Donnerstag präsentierten. Die neue Regierung solle zudem umweltschädliche Subventionen wie die steuerliche Begünstigung von Diesel abbauen und eine Klimaprämie für alle Haushalte ermöglichen, hieß es weiter. 
Die Sondierungsgespräche von ÖVP-Chef Sebastian Kurz für mögliche Koalitionsverhandlungen haben diese Woche zwar erst begonnen, die NGOs haben dennoch bereits ihre „Handlungsanleitung für die künftige Bundesregierung“ vorgelegt, „um Österreich klimafit zu regieren“. Nicht zuletzt deshalb, weil von der aktuellen Regierung noch ein neuer Klimafahrplan vorgelegt werden muss. 

Die NGOs wiesen erneut darauf hin, dass Österreich beim Verfehlen der Klimaziele Strafzahlungen von bis zu neun Milliarden Euro bis 2030 drohen. Die geforderte jährliche Klimaschutz-Milliarde sollte stattdessen zusätzlich im Bundesbudget bereitgestellt werden, forderte Johannes Wahlmüller von Global 2000. „Damit können wir in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und erneuerbarer Energien investieren oder Haushalte bei der Umrüstung alter Ölkessel unterstützen.“ Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens, unterstrich die Notwendigkeit eines Klimaplans, der den Pfad zur Klimaneutralität 2040 vorgibt, „diesen verbindlich macht und mit Maßnahmen sowie einem Budget unterfüttert“. 

Aktuell 52.000 Unterschriften für das Klimavolksbegehren 

Die vier konkreten Ziele, dass Klimaschutz in den Verfassungsrang gehoben werden soll, dass klimaschädliche Treibhausgase gestoppt, Klimaschutz belohnt und Verkehr und Energie nachhaltig werden sollen, sind im Klimavolksbegehren formuliert. Dessen Unterstützungserklärungsphase ist Ende August gestartet. Dahinter stehen Organisationen der Zivilgesellschaft wie Umweltschutzorganisationen, die Arbeiterkammer und die katholische Kirche. Die Initiative muss 8401 Unterschriften sammeln, damit es offiziell eingereicht werden kann. Man kann auf jedem Gemeindeamt oder online unterschreiben

Für das Volksbegehren sind mindestens 100.000 Unterschriften notwendig, damit es zwingend im Parlament behandelt wird – die Unterschriften, die während der Unterstützungserklärungsphase abgegeben wurden, werden dazugerechnet. 

Im Moment habe man rund 52.000 Unterschriften gesammelt, sagt Mitinitiator René Röbl auf Nachfrage. Somit kann es eingereicht werden, die dafür notwendige Anzahl an Unterschriften ist weit überschritten. Man habe sogar bereits die „juristische Halbzeit erreicht“, so Röbl zur „Wiener Zeitung“. 

Just ebenfalls am Donnerstag präsentierte die Statistik Austria die aktuell ausgewerteten Zahlen zu den Treibhausgas-Emissionen 2017, wonach diese seit 1995 deutlich zurückgegangen sind – allerdings in ihrer Gesamtheit. Blickt man ins Detail, so sind die CO 2 -Emissionen gestiegen, und zwar um 4,5 Prozent gegenüber 1995. „Gerade CO 2 ist eines der klimawirksamsten Treibhausgase“, sagt dazu Rogenhofer. Zudem bleibe es lange in der Atmosphäre hängen. Jene Treibhausgase, deren Emissionen gesunken sind, seien nicht klimawirksam. 

Dennoch sei der Anstieg der CO 2 -Emissionen durch die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien aus biogenen Quellen um 93 Prozent abgefedert worden, so die Statistik Austria. Innerhalb der CO 2 -Emissionen waren sogar jene aus der Verbrennung fossiler Energieträger leicht rückläufig (minus 2,1 Prozent), dieser Entwicklung stand jedoch ein Anstieg von CO 2 aus sonstigen Quellen um 34,2 Prozent gegenüber. 

Klimawandel in Kombination mit dem Bodenverbrauch gefährdet offenbar auch Österreichs Ernährungssouveränität. Die Hagelversicherung präsentierte am Donnerstag eine Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, wonach bis 2080 ein durchschnittlicher Temperaturanstieg um bis zu sechs Grad zu erwarten sei. Dieser Anstieg führt der Hagelversicherung zufolge „naturgemäß auch zu einer Verschiebung der Regenmenge, worunter vor allem der Osten Österreichs zu leiden haben wird“. Die damit einhergehende Konsequenz werde eine teils deutliche Unterversorgung bei fast allen landwirtschaftlichen Kulturen sein. 
 

 


 

Wiener Zeitung am 11.10.2019, S. 8
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Anzeige gegen Klagenfurter Stromerzeuger

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11. Oct. 2019

Abwertung. Team Kärnten Klagenfurt erstattete Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft

Die Stadtwerke Klagenfurt haben ihre 100-Prozent-Tochter Energie Klagenfurt GmbH stark abgewertet. Der Buchwert des Unternehmens sank von 142 auf knapp 75 Millionen Euro. Die Stadtwerke begründeten die Abwertung mit stark gestiegenen Preisen auf dem Strommarkt. 

"Im Rahmen der Bilanzierung wurde der Beteiligungsansatz an der EKG Energie Klagenfurt GmbH neu bewertet und in Höhe von 67 Millionen Euro abgewertet", hieß es im Amtsblatt der "Wiener Zeitung", wo die Stadtwerke Klagenfurt ihre Jahresbilanz 2018 veröffentlichte. Der Klagenfurter Gemeinderat Klaus-Jürgen Jandl von Team Kärnten Klagenfurt (TKK) bezeichnete diese Abwertung als "unternehmerisch nicht nachvollziehbar." Er führt ins Treffen, dass die EGK seit Jahren steigende Umsätze und Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe hatte. Diese machten mehr als 10 Prozent des Umsatzes und des bisher angesetzten Unternehmenswertes aus. 

Fehlende Experten Außerdem bemängelte Jandl die Besetzung des Aufsichtsgremiums. Es fehle laut ihm der im Aktienrecht vorgesehene Finanzexperte. Die Abwertung werde noch deutlicher, wenn man die Bilanz 2017 betrachte. "Da lag die Bilanzsumme bei 288 Millionen Euro. Mit den vorgenommenen Abschreibungen wurde also annähernd ein Viertel des Konzernwertes abgeschrieben," so Jandl. Das TKK erstattete daher Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. 

Der Markt hat Schnupfen Stadtwerke-Vorstand Erwin Smole erklärte im Gespräch mit dem KURIER die Abwertung wie folgt: "Der Markt hat Schnupfen und aufgrund dessen haben wir Kopfweh. Wenn auf dem internationalen Markt die Preise steigen, müssen wir darauf reagieren." Die Höhe der Abwertung zeige, wie groß der Bereich Strom bei den Stadtwerken sei. Die Klagenfurter Stadtwerke würden 97 Prozent ihres Stroms zukaufen. 

Höhere Einkaufspreise Bereits im Jahr 2015 soll auf Anraten eines Wirtschaftsprüfers eine Rücklage für eine drohende Abwertung auf Konzernebene berücksichtigt worden sein. Aufgrund der letzten Entwicklungen am Energiesektor, allen voran nachhaltig höhere Einkaufspreise und volatile gesetzliche Rahmenbedingungen, wurde die Abwertung ebenfalls auf Anraten des Wirtschaftsprüfers korrekterweise in der Bilanz 2018 vorgenommen, hieß es von Unternehmensseite. 
 


 

Kurier am 11.10.2019, S. 27
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Noch zwei Bieter für EWE-Minderheitsanteil

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Frankfurt, 11. Oct. 2019

Im Rennen um eine Minderheitsbeteiligung an dem norddeutschen Energieunternehmen EWE sind Insidern zufolge noch zwei Bieter übriggeblieben. Dabei handle es sich um ein Konsortium aus dem australischen Infrastrukturinvestor Macquarie und der Allianz auf der einen Seite und dem französischen Investor Ardian auf der anderen, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstagabend.

Der Anteil in Höhe von 26 Prozent könne 1,2 bis 1,4 Mrd. Euro einbringen. Ende September sei die Frist für Angebote abgelaufen, sagten die Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Aus dem Bieterkreis ausgeschieden seien der Fondsmanager DWS, der niederländische Pensionsfonds PGGM und der Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life. Eine Entscheidung werde in den kommenden Wochen erwartet.

EWE mit Sitz in Oldenburg gehört zu den größten deutschen Versorgern und hatte 2018 einen Umsatz von 5,7 Mrd. Euro und ein Konzernergebnis von 167 Mio. Euro erzielt.

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E.ON-Vorstandsmitglied Birnbaum wird Chef von Innogy

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Düsseldorf/Essen, 11. Oct. 2019

Das E.ON-Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum ist zum Vorstandschef des Energieunternehmens Innogy berufen worden. Das teilte Innogy am Donnerstagabend in Essen nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Birnbaum löst Uwe Tigges ab, dessen Bestellung in beiderseitigem Einvernehmen beendet worden sei. Birnbaum behält auch seine Funktion bei E.ON, in der er die Integration von Innogy verwirklichen soll.

Die beiden Energieriesen E.ON und RWE hatten die RWE-Tochter Innogy unter sich aufgeteilt. E.ON behält das Netz- und das Endkundengeschäft und reicht die eigene Erneuerbare-Energien-Sparte und die von Innogy an RWE weiter. Die Wettbewerbshüter der EU hatten den Deal mit einem Gesamtwert von mehr als 40 Mrd. Euro vor kurzem genehmigt.

Zum neuen Aufsichtsratschef von Innogy wurde der E.ON-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen gewählt. Er löst Erhard Schipporeit ab, der nach der Übernahme von Innogy durch E.ON sein Mandat niedergelegt hatte. Innogy ist in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt.

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Mehr als 90 Prozent neuer Firmenautos sind Verbrenner

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Wien, 11. Oct. 2019

Neue Autos werden vielfach von Unternehmen gekauft: Der Firmenauto-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen liegt laut VCÖ seit 2013 bei 60 Prozent oder höher. Alternative Antriebe spielen eine relativ geringe Rolle, heuer bis September waren 93 Prozent der neuen Firmenwagen Benziner oder Diesel. Der VCÖ fordert im Hinblick auf die Klimaziele Änderungen von Steuerbegünstigungen bei Privatnutzung.

Der Sachbezug für Firmenautos mit Verbrennungsmotor soll erhöht werden, fordert der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Zudem sollten SUV und Pick-ups von der Liste der steuerbegünstigten "Fiskal-Lkw" gestrichen werden. "Der hohe Anteil von Firmenwagen ist eine Chance, die für das Erreichen der Klimaziele nötige Energiewende im Pkw-Bereich zu beschleunigen", so VCÖ-Experte Markus Gansterer am Freitag in einer Pressemitteilung.

In den ersten neun Monaten des heurigen Jahres entfielen 62 Prozent der Pkw-Neuzulassungen auf Firmen oder andere juristische Personen. Fast die Hälfte (49,6 Prozent) der neuen Firmenautos waren mit rund 80.000 Stück Benzin-Pkw, gut 43 Prozent Diesel. Hybrid-Autos kamen auf 3,7 Prozent. Der Elektroauto-Anteil lag bei 3,3 Prozent, das waren 5.271 Stück. Insgesamt wurden heuer bis September laut Statistik Austria 7.383 neue E-Autos zugelassen, das war ein Anteil von 2,9 Prozent an den allen Neuzulassungen.

Die private Nutzung von Firmenautos ist steuerlich begünstigt. Emissionsfreie Pkw sind gänzlich vom Sachbezug - dem zu versteuernden Zuschlag - befreit. Bei allen anderem hängt der Sachbezug von den angegebenen CO2-Emissionen ab. So beträgt er bei weniger als 122 Gramm CO2 pro Kilometer 1,5 Prozent der Anschaffungskosten, gedeckelt aber mit 720 Euro pro Monat. Für darüberliegende CO2-Werte sind es 2 Prozent, maximal aber 960 Euro. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sparten sich Einkommensteuer und Sozialabgaben, wenn Mitarbeiter einen Firmenwagen statt eines höheren Gehalts bekommen, so der VCÖ. "Diese Regelung ist in Zeiten der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß." Gefordert werden eine Erhöhung des Sachbezugs für Pkw mit Verbrennungsmotor auf 2,5 Prozent des Anschaffungspreise sowie eine Abschaffung der Deckelung.

Bei "Fiskal-Lkw", die für Unternehmer von der Umsatzsteuer befreit sind, befänden sich auch große SUV und Pick-ups auf der Liste. Diese sollten von der Liste der Fiskal-Lkw gestrichen werden, fordert der VCÖ.

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Treibhausgas-Emissionen seit 1995 deutlich zurückgegangen

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Wien, 10. Oct. 2019

Die Emissionen von Luftschadstoffen und der meisten Treibhausgase haben sich zwischen 1995 und 2017 zum Teil deutlich verringert, wie die aktuellen Daten der Luftemissionsrechnung von Statistik Austria zeigen. "Anstiege gab es allerdings beim klimawirksamen CO2 und bei Ammoniak", hieß es in einer Aussendung.

Die höchsten Rückgänge wurden mit minus 70,2 Prozent bei Schwefeldioxid, bei den flüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan (minus 48,3 Prozent) sowie bei Kohlenmonoxid (minus 41,1 Prozent) erzielt. Deutlich reduziert wurden auch die Emissionen von Methan (minus 30,7 Prozent), Stickoxiden (minus 22,7 Prozente), Lachgas (minus 19,0 Prozent) sowie die Feinstaubarten PM2,5 (minus 33,2 Prozent) und PM10 (minus 25,0 Prozent).

Anstiege gab es jedoch bei den klimawirksamen CO2-Emissionen um 4,5 Prozent sowie bei Ammoniak um 3,5 Prozent. Der Anstieg der CO2-Emissionen wurde aber durch die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien aus biogenen Quellen um 93 Prozent abgefedert, so die Statistik Austria.

Innerhalb der klimawirksamen CO2-Emissionen waren zwar die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger leicht rückläufig (minus 2,1 Prozent), dieser Entwicklung stand allerdings ein Anstieg von CO2 aus sonstigen Quellen um 34,2 Prozent gegenüber.

Sowohl die privaten Haushalte als auch die Wirtschaft trugen zur Verbesserung der Luftqualität bei. Die privaten Haushalte senkten den Ausstoß aller beobachteten Luftschadstoffe und Treibhausgase mit Ausnahme von CO2 aus sonstigen Quellen (plus 14,2 Prozent). Der Wirtschaft gelang dies im Jahr 2017 bei acht Emissionen. Sie lag nur bei Ammoniak (plus 5,6 Prozent) sowie beim klimawirksamen CO2 (plus 12,9 Prozent) über den Werten des Jahres 1995. "Für diesen Anstieg waren vor allem die CO2-Emissionen aus sonstigen Quellen (plus 34,4 Prozent) ausschlaggebend. Allerdings setzte die Wirtschaft auch vermehrt auf erneuerbare Energieträger, deren Emissionen zwischen 1995 und 2017 um 207,2 Prozent zunahmen", hieß es in der Aussendung.

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Was treibt Putin zum Klimaschutz

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Moskau, Wien, 10. Oct. 2019

Ökologie. Moskau ist kürzlich überraschend dem Pariser Klimaschutzabkommen beigetreten. Auf den ersten Blick sieht es nach politischem Kalkül aus. Aber eigentlich geht es Putin um viel mehr. 

Der weltweite Applaus kam umgehend. Vor allem in Europa fiel er frenetisch aus, nachdem Russland Ende September dem Pariser Klimaschutzabkommen beigetreten war. 

In gewisser Weise erinnert der Schritt an Russlands Entschluss 2012, nach 18 Jahren Verhandlungen als 154. Staat der Welthandelsorganisation WTO beizutreten. Auch damals ging ein Aufatmen durch die Welt, weil ihr flächengrößter Staat sich zu einer Kooperation durchgerungen hatte. Im Fall des Pariser Klimaabkommens, das von 186 Staaten angenommen wurde, stimmte Moskau schneller zu. Politische Beobachter denken daher, Kremlchef Wladimir Putin nütze die Gelegenheit, guten Willen und sich gerade gegenüber Europa als Land zu zeigen, das auch in der Ökologie kooperationsbereiter ist als die USA, die ja 2017 aus dem Abkommen ausgetreten sind. 

Ölförderung im tauenden Eis 

Alles also nur ein politischer Schachzug? Nicht unbedingt. Auch der World Wide Fund (WWF) begrüßt den Schritt. "Es ist eine wichtige Geste, die zeigt, dass wir das wachsende Problem der Klimaveränderung und seinen anthropogenen Charakter verstehen", so Alexej Kokorin vom russischen WWF: Auch wenn die Geste vorerst im Prinzip für das Land nichts ändere. 

Eigentlich tut Russland sich schwer mit einer Linie. Zum einen hält sich das seltsame Paradigma, der Klimawandel sei sogar vorteilhaft, da er Anbauflächen in Sibirien schaffe. Zum anderen wissen die Entscheidungsträger sehr wohl, dass die Dinge im Argen liegen. Beim Ausstoß von Treibhausgasen liegt das Land nach China, den USA und Indien auf Platz vier. 

Das Problem sei für Russland richtig handfest, legt die Agentur Bloomberg dar, die sich auf das internationale "Arctic Monitoring and Assessment Programme" bezieht. Dort heißt es, dass die Tragfähigkeit des arktischen Bodens im Bereich des ewigen Eises binnen 30 Jahren bis 2010 um 20 Prozent gesunken sei und etwa auf der rohstoffreichen Halbinsel Jamal zwischen 2015 und 2025 um 25 bis 50 Prozent abnehmen werde. Das Schmelzen des Eises gibt nicht nur dort gespeicherte Treibhausgase frei. Es werde auch zum Problem für die Ölförderung - deshalb sei Moskau dem Pariser Klimaabkommen beigetreten, so Bloomberg. 

Ökonomische Gefährdung 

In der Tat ist die Frage für Russland nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche. Das Wirtschaftsministerium warnt, dass Waren und Dienstleistungen in Staaten mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck zusätzliche Wettbewerbsvorteile erhalten werden. Der Übergang zu erneuerbaren Energien und zum Energiesparen werde überdies die Rohstoffexporte aus Russland beschränken. Russland weiß, dass es als Öl- und Gasproduzent zu den ökonomisch gefährdeten Ländern gehört. Die Teilnahme am Pariser Abkommen gebe Moskau immerhin die Möglichkeit, dass globale Klimaschutzmaßnahmen unter "maximaler Berücksichtigung unserer nationalen Interessen formuliert werden", so Vizepremier Alexej Gordejew. Und das Abkommen sei flexibler als das vorherige Kioto-Protokoll, weil es jedem Land die Auswahl seines Beitrags zur Emissionsreduktion freistelle, so Premier Dmitrij Medwedjew.

Der Wald erledigt viel 

Einen gewissen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase hat Russland all die postkommunistischen Jahre über sehr wohl geleistet. Allein, die erzielten Fortschritte verdanken sich in erster Linie der Stilllegung alter sowjetischer Industrieanlagen und der industriellen Flaute in den 1990er-Jahren. Auf diese Weise wurde der Ausstoß von Treibhausgasen von 1990 bis 2017 um ganze 49 Prozent verringert. 

Was Russland in dieser Emissionsbilanz außerdem hilft, sind die riesigen Waldflächen. Sie absorbieren etwa 25 Prozent der Emissionen von Treibhausgas, zeigen die Daten des WWF. 2018 hat die Regierung eine Strategie zur Entwicklung des Waldes angenommen. Bei vernünftiger Waldbewirtschaftung könne das Land seine Emissionsbilanz langfristig um 50 bis 70 Prozent zum Niveau von 1990 senken, meint Kokorin. 
Der Wald allein wird es freilich nicht richten. Es braucht auch einen "substanziellen Umbau" der Wirtschaft, sagte Putin im August. An Programmen fehlt es nicht - das Wirtschaftsministerium hat 2017 einen entsprechenden Gesetzesentwurf ausgearbeitet und ihn nun aktualisiert. Um wie vorgesehen den Ausstoß der Treibhausgase bis 2030 um 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 zu senken, will man gerade auch die Unternehmen unter Androhung von Strafen in die Pflicht nehmen. Es gibt viel zu tun, denkt man etwa daran, dass immer noch Unmengen an sogenanntem Begleitgas bei der Ölförderung einfach abgefackelt werden. 

Während der russischen Regierung also im Westen applaudiert wird, folgte der Aufschrei der Unternehmer gegen die Ministeriumspläne auf dem Fuß. 
 

von Eduard Steiner 


 

Die Presse am 10.10.2019, S. 22
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"Es kracht bei den Stadtwerken"

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10. Oct. 2019

Die Stadtwerke müssen ihre Energie-Tochter um 70 Millionen abwerten. Schlechtes Marktumfeld ist der Grund. 

Als die Stadtwerke Klagenfurt Ende Juni ihre Bilanz präsentierten, geschah dies zurückhaltend und still. Statt sich in einer Pressekonferenz zu erklären, wurde lediglich eine knappe Aussendung verschickt. Mit ein Grund dafür: Die erst im März angetretenen Vorstände Harald Tschurnig und Erwin Smole hätten die Zahlen ihrer Vorgänger Sabrina Schütz-Oberländer und Clemens Aigner präsentieren müssen, ein Vorgang, der im Wirtschaftsleben per se abgelehnt wird. Mittlerweile wird aber noch ein weiterer Grund für die damalige Zurückhaltung klar: Die Stadtwerke haben eine massive Abschreibung in den Finanzanlagen vorgenommen. Die 100-Prozent-Tochter Energie Klagenfurt wurde bis zur Bilanz 2017 in den Büchern mit einem Aktiva-Wert von 141 Millionen Euro geführt. In der Bilanz 2018 – sie wurde bisweilen im Firmenbuch noch nicht veröffentlicht – ist sie jedoch nur mehr mit 75 Millionen Euro angeführt. Ein Experte für Konzernbilanzen bringt es gegenüber der Kleinen Zeitung auf den Punkt: „Das ist eine massive Abwertung, da muss eine mittlere Katastrophe eingetreten sein.“ 

Die Dimension dieser Abwertung wird noch deutlicher, wenn man sich die Bilanzsumme der Stadtwerke Klagenfurt anschaut: Laut Bilanz 2017 lag sie bei 288 Millionen Euro. Mit der nun vorgenommenen Abschreibung wurde also gut ein Viertel des Konzernwerts abgeschrieben. 

Erwin Smole, Vorstand der Stadtwerke Klagenfurt, nimmt zur Causa Stellung: „Die Stadtwerke haben drei Prozent Strom-Eigenerzeugung und 97 Prozent am Fremdmarkt zugekauft. Durch die Trennung der Strompreiszone zwischen Österreich und Deutschland wird dieser Zukauf nun behindert. Zudem stiegen die Strompreise, was unsere Marge senkt. Da musste man nun reagieren.“ Wurde zu lange mit dieser Abwertung zugewartet? „Das darf man so nicht sagen. Man hat beobachtet, wie sich der Strommarkt in Polen mit den Kohlekraftwerken entwickelt, was Deutschland mit seinen Transportleitungen für Ökostrom macht und keiner wusste, wie der Strompreis im kommenden Jahr ist. Aber irgendwann war nun eben der Zeitpunkt da, dass wir reagieren mussten.“ Formal wurde bereits 2015 eine zweckgebundene Rücklage von 67 Millionen Euro für eine etwaige Wertberichtigung eingestellt und immer wieder valorisiert. 

Dennoch: Im Lagebericht, der dem Jahresabschluss 2017 beiliegt, findet man kein Wort von einer schlechten Ertragsaussicht in der Energie-Sparte. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Jahresberichts war jedoch die Strompreiszonentrennung zwischen Deutschland und Österreich zum 1. Oktober 2018 – die nun mit ein Grund für die Probleme in der EKG ist – längst bekannt. Der Klagenfurter Gemeinderat Klaus Jürgen Jandl (Team Kärnten) kündigte am Mittwoch in einer Pressekonferenz an, dass er unter anderem wegen der Abwertung der Energie Klagenfurt GmbH eine Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien machen wird. Es handle sich um „Vernichtung von Eigenkapital ohne objektiven Grund“. „Es kracht bei den Stadtwerken wie bei einer Kaisersemmel“, sagt Jandl. Darüber hinaus sei zu hinterfragen, ob der Aufsichtsrat korrekt besetzt ist. Denn es fehle der im Aktienrecht vorgesehene Finanzexperte. Es sei zu befürchten, dass „die Abwertung dem Zweck dienen soll, Energie-Klagenfurt-Anteile zu einem möglichst niedrigen Preis an einen regionalen Mitbewerber abzutreten“. Das verneint Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ). Die Eigentümervertreterin und Aufsichtsratsvorsitzende nennt wie Smole „sinkende Margen am Strommarkt“ als Grund für die Abwertung. Diese sei nicht zu spät erfolgt, sondern zu dem von einem externen Wirtschaftsprüfer empfohlenen Zeitpunkt. 

Auch die Besetzung des Aufsichtsrats – seit dem Vorjahr besteht er aus den Stadtsenatsmitgliedern und dem Magistratsdirektor – wird von Mathiaschitz verteidigt. „Ein externes Gutachten weist Magistratsdirektor Peter Jost als Finanzexperten aus.“ 
 


 

Kleine Zeitung am 10.10.2019, S. 26-27
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AGCS - 17 Jahre im Dienste des Österreichischen Gasmarktes

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Wien, 10. Oct. 2019

Im Zuge der Liberalisierung des österreichischen Gasmarktes wurde der AGCS Gas Clearing and Settlement AG (AGCS) im Oktober 2002 die Konzession vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus erteilt.

AGCS operiert seit nunmehr 17 Jahren als neutrale Verrechnungsstelle für Ausgleichenergie und bietet seitdem den österreichischen Marktteilnehmern unabhängigen und vertrauensvollen Servicesdurch die organisatorische und abrechnungstechnische Verwaltung der Bilanzgruppen. Seit Betriebsstart 2002 ist AGCS somit als Bilanzgruppenkoordinator tätig und nimmt die Berechnung der für die einzelnen Marktteilnehmer und Netzbetreiber anfallende Ausgleichsenergie, aufgrund der von Netzbetreibern und Marktteilnehmern zur Verfügung gestellten Einspeise- und Ausspeisedaten, vor. Seit 17 Jahren wurde fundiertes Knowhow über den österreichischen und europäischen Gasmarkt aufgebaut.  

AGCS ist mit mehreren Projekten gut aufgestellt und betreibt auch die Wechselplattform, den Energy Link. 

Mit der Novelle des Ökostromgesetzes im Jahr 2011 übernahm die AGCS als Bilanzgruppenkoordinator die Zuständigkeit für die Zertifizierung von Einspeisungen von Biomethan entlang des österreichischen Gasnetzes, welche als Grundlage für die Auszahlung von Einspeisetarifen durch OeMAG Abwicklungsstelle für Ökostrom AG für verstromtes Biomethan gelten. 

Der Betrieb des AGCS Biomethan Register Austria seit 2012 war die Grundlage für die Sammlung von großem Knowhow im Bereich „greening the gas“, welches AGCS in mehreren europaweiten Projekten anwendet.

AGCS war Teilnehmer des von der EU-Kommission geförderten Horizon 2020 Projektes BIOSURF (2015 – 2017; BIOmethane as SUstainable and Renewable Fuel), welches sich mit der Überwindung organisatorischer und administrativer Hürden zur Einführung von Biomethan als Treibstoff beschäftigte. AGCS übernahm bereits 2016 eine Vorreiterrolle im europäischen erneuerbaren Gasmarkt, als mit dem
Biogasregister Deutschland, betrieben von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), ein Kooperationsvertrag zum Austausch von Biomethanzertifikaten zwischen Österreich und Deutschland abgeschlossen wurde. Durch die gute Zusammenarbeit mit Registern anderer europäischer Länder wurde ein Europäisches Erneuerbares Gas Register, ERGaR (the European Renewable Gas Registry), gegründet, in welchem AGCS als Gründungs- und Vorstandsmitglied maßgeblich an der Entwicklung des europäischen erneuerbaren Gasmarktes mitwirkt. Im Juni 2019 wurde ein weiteres von der EU-Kommission gefördertes Horizon 2020 Projekt unter dem Titel REGATRACE (REnewable GAs TRAde Centre in Europe) gestartet, welches ein effizientes Handelssystem für erneuerbare Gase aufgrund von Registersystemen entwickeln wird.  

Die Richtlinie  (EU) 2018/2001 zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (Renewable Energy Directive II - RED II), welche bis Mitte 2021 durch österreichische Gesetzgebung umgesetzt werden muss, bringt für den österreichischen Gasmarkt einige Aufgaben in Bezug auf die Integration erneuerbarer Gase. AGCS bereitet bereits aktiv die entsprechenden Marktteilnehmer und sich selbst auf die bevorstehenden Veränderungen vor. Die kürzlich veröffentlichte  Gaskennzeichnungsverordnung (GKen-V) verlangt die Ausstellung von Herkunftsnachweisen (Guarantees of Origin, GoO) durch den österreichischen Regulator, E-Control, für welchen die AGCS als Bilanzgruppenkoordinator als Datenlieferant agieren wird. Die bereits bestehende Schnittstelle zwischen Biomethan Register Austria und dem österreichischen Register für Biotreibstoffe, betrieben durch das Umweltbundesamt, wird für die zu erwartenden höheren Biomethanmengen im Verkehrssektor ausgebaut. 

AGCS hat nunmehr über 17 Jahre bewiesen, dass mit laufender Innovation und technologischer Weiterentwicklung eine kostengünstige und sichere Abrechnung von Ausgleichsenergie möglich ist und dies zeigt auch, dass AGCS perfekt aufgestellt ist, um die Herausforderungen der Zukunft professionell zu meistern.

AGCS Austrian Gas Clearing and Settlement AG
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Klimapolitische Wundertüte

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Berlin, 10. Oct. 2019

Das zentrale Förderinstrument der Regierung gilt bisher als nicht sehr effizient 

Diese Abkürzung muss man sich wohl merken: EKF. Die drei Buchstaben stehen für den "Energie- und Klimafonds" der Bundesregierung. Er ist das "zentrale Finanzierungsinstrument für Energiewende und Klimaschutz in Deutschland", wie es in dem Maßnahmenpapier steht, das vom Bundeskabinett am Mittwoch zusammen mit dem Klimaschutzgesetz beschlossen worden ist. Das Ziel: Der Ausstoß von CO2 soll bis 2030 massiv sinken. Dazu dient die schrittweise Verteuerung von Sprit und Heizöl über einen Emissionshandel, der wiederum ab 2021 eine jährlich steigende Milliardensumme einbringen soll - die dann dem EKF zufließen, um Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren. Bis 2023 sind schon einmal 18,8 Milliarden Euro eingeplant. 

Der EKF wird damit die klimapolitische Wundertüte der Regierung. Bisher war er das eher nicht. Denn neu ist der Fonds keineswegs. Er wurde schon 2011 als Sondervermögen des Bundes eingerichtet, wird also neben dem eigentlichen Haushalt geführt. Der vielfältige Zweck: Förderung erneuerbarer Energien und Investitionen ins Energiesparen, vor allem bei der Gebäudesanierung, das Voranbringen von Umweltschutzprojekten, das Anstoßen der Elektromobilität samt Batteriezellenproduktion, Subventionen für besonders stromintensive Unternehmen. Gespeist wird der EKF seither aus den Erlösen des CO2-Zertifikatehandels und Geld aus dem Bundesetat. Anfangs waren es 780 Millionen Euro, im laufenden Jahr kommen schon vier Milliarden Euro zusammen. Und mit der neuen Klimaoffensive wird nun der Turbo eingebaut: Schon 2020 soll der EKF nach dem Regierungsplan auf 9,5 Milliarden Euro wachsen, 2023 würde er sogar mit fast zwölf Milliarden Euro gefüllt. 

Ob das viele Geld auch wirksam verteilt werden kann, ist allerdings offen. Die Erfahrung mit dem EKF lässt jedenfalls Zweifel aufkommen, dass es gelingt, die von der Regierung versprochenen Milliarden auch tatsächlich in vollem Umfang auszugeben. Denn der EKF mit seinen vielen Programmen ist bisher nicht übermäßig effizient. Die Rücklage, die er in den acht Jahren seiner Existenz aufgebaut hat, ist deutlich größer als die jährliche Ausgabe. Und der EKF ist im Rahmen der jüngsten Koalitionsbeschlüsse keineswegs neu aufgestellt worden. Die Regierung stockt die vorhandenen Programme vorerst einfach nur auf. Dabei zeigt der EKF-Bericht des Finanzministeriums vom April 2019, dass es bei einigen dieser Vorhaben hapert. Zwar gab es einige Erfolgsprogramme im Jahr 2018 (auf das sich der Bericht bezieht): So flossen die Mittel in dem schon seit 2006 laufenden Gebäudesanierungsprogramm zu hundert Prozent ab, insgesamt gut 1,3 Milliarden Euro. Dagegen lag der Mittelabfluss bei Großprogrammen wie der Forschungsförderung zur Energieeffizienz, zur Weiterentwicklung der Elektromobilität oder zum Ersatz alter Heizungen, bei denen zusammen mehr als 600 Millionen Euro zur Verfügung standen, bei nur zwei Dritteln. Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative brachte das Umweltministerium nur die Hälfte der veranschlagten 264 Millionen Euro bei Antragstellern unter. Noch schwächer liefen Förderprogramme zur sparsamen Energieverwendung im Rahmen des Energieeffizienzfonds und zum Kauf von Elektrofahrzeugen: Von den zusammen fast 930 Millionen Euro landeten drei Viertel in die Rücklage. Ein richtiger Flop war das Programm zur Heizungspumpenoptimierung: Von 470 Millionen Euro flossen nur sieben Prozent ab. Die Bilanz des EKF im Jahr 2018: Von den Gesamtmitteln in Höhe von 4,4 Milliarden Euro für insgesamt 21 Programme mit vielen Unterprogrammen wurden nur 57 Prozent abgerufen. 
Die Gründe für den schwachen Mittelabfluss sind vielfältig: Anlaufschwierigkeiten bei neuen Programmen, zu geringe Fördersätze, um Anreize zu setzen, zu bürokratische Antragsformalitäten und Verwendungsnachweise. Im Fall von Kommunalprogrammen dürfte auch eine zu hohe Kofinanzierungsquote bisweilen abschrecken. Schon für das Jahr 2016 hatte der Bundesrechnungshof einen kritischen Bericht zum EKF erstellt. Das Urteil: Die Auslagerung von Haushaltsmitteln in den Nebenhaushalt habe nicht zu einer besseren Aufgabenerfüllung und einer effizienteren Bewirtschaftung geführt. 

In der Bundestags-Opposition herrscht denn auch Skepsis angesichts dieses "Vehikels" für die Klimawende. Für die FDP-Haushaltspolitikerin Ulla Ihnen ist der EKF "alles andere als eine Erfolgsgeschichte". Dennoch setze die Regierung "das System aus kleinteiligen Einzelmaßnahmen, das bisher nicht zum Erfolg geführt hat, mit noch mehr Geld des Steuerzahlers einfach fort", sagte Ihnen dem Tagesspiegel. Sven-Christian Kindler von den Grünen nennt den EKF "eine Spardose für die Bundesregierung". Er habe nicht funktioniert, weil der Bundesfinanzminister und die Ministerien wenig Interesse daran gehabt hätten, dass besonders viel Geld abfließe. Dementsprechend seien die Programme auch gestrickt gewesen: "Hohe Hürden bei der Beantragung, wenig Werbung für die Programme oder undurchsichtige Verfahren". Daher müsse sich im EKF einiges ändern, damit er als wirksames Klimaschutzinstrument tauge, fordert Kindler. "Entscheidend ist aber auch eine bessere Mittelausstattung. Fakt ist, dass das Klimapaket im EKF deutlich kleiner ist als von der Bundesregierung behauptet." Albert Funk 

Nachhaltiges Projekt. Mit dem Geld des EKF-Fonds soll auch die Elektromobilität gefördert werden - doch der Erfolg hielt sich bisher in Grenzen. Foto: p-a/Jan Woitas/dpa 
 

Tagesspiegel am 10.10.2019, S. 4
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Umwelt: Die Richung stimmt

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Wien, 10. Oct. 2019

Kontrollbericht. Ministerin Maria Patek sieht im neuen Bericht des Umweltbundesamts positive Signale und den österreichischen Weg bestätigt. NGOs kritisieren das klar. 

"Der Bodenverbrauch und die Bodenversiegelung sinken, Feinstaub- und Stickoxidbelastung gehen zurück, Klimawandelanpassung ist in den Regionen angekommen", so fasst Umweltministerin Maria Patek einige Ergebnisse des neuen Umweltkontrollberichts zusammen: "Die Analyse bestätigt den österreichischen Kurs." 

In diesem Papier analysiert das Umweltbundesamt (UBA) alle drei Jahre die Situation Österreichs. Der Kurs wird bestätigt, also stimmt die Richtung? Nein, heißt es von Umweltschutz-NGOs. "Zu sagen, die Richtung stimme, wäre fatal", sagt Johannes Wahlmüller, der Klimasprecher von Global 2000, auch Greenpeace kritisiert die positive Auslegung durch das Ministerium. 

Negative Bilanz bei Emissionen 

Negativ fällt etwa die Bilanz bei den Treibhausgasen aus, die seit 2015 gestiegen sind. Im Nicht-Emissionshandelsbereich wurde 2017 bei Treibhausgasen erstmals die nationale Emissionshöchstmenge um rund 2,1 Mio. Tonnen überschritten, so der Bericht. Die Sektoren Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und F-Gase (fluorierte Treibhausgase) sowie Anlagen aus den Sektoren Energie und Industrie, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, haben damit 2017 rund 51,7 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent emittiert. Hauptverantwortlich für das Plus war der Sektor Verkehr. Das Ministerium weist in einem Statement zum Bericht allerdings auf den leichten Rückgang 2018 (dieses Jahr ist im Bericht nicht erfasst) hin. 

Greenpeace kritisiert das: Patek fokussiere ihre Kommunikation auf 2018, um von den "katastrophalen Daten" von 2017 abzulenken. Der Anstieg 2017 folge dem Trend seit 2015 und sei auch im Report so dargestellt, so Jasmin Duregger von Greenpeace. Der Rückgang 2018 liege lediglich an einem milden Winter und dem Wartungsstillstand eines Voest-Ofens, darauf weist auch Global 2000 hin. Das bedeute keine Trendwende. "Langfristig zeigt sich, dass die Emissionen seit 1990 nicht gesunken, sondern stabil geblieben sind", sagt Johannes Wahlmüller. Werde dieser Weg beibehalten, verfehle Österreich seine Ziele, es drohten Strafzahlungen in Milliardenhöhe. 

"Österreich ist bei den Klimazielen absolut nicht auf Kurs, Österreich wird mit den bestehenden Maßnahmen bis 2050 nur eine 15-prozentige Senkung der Emissionen gegenüber 1990 bewirken können. Das ist weit abseits von einer 1,5-Grad-konformen Politik, laut derer Österreich bis 2040 klimaneutral sein sollte", so Jasmin Duregger. Ministerin Maria Patek spricht in ihrem Statement zum Bericht von einer "notwendigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft", schließlich sei das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen groß wie nie. Und sie weist auf einige Parameter hin, bei denen sich Österreich positiv entwickelt habe: Flächen, Biodiversität, Gewässerschutz etwa. So lag die tägliche Flächeninanspruchnahme im Berichtszeitraum bei 11,8 Hektar pro Tag, davon wurden 41,2 Prozent wasser- und luftundurchlässig versiegelt. Das ist ein kleiner Rückgang - aber ein Vielfaches des Reduktionsziels von 2,5 Hektar/Tag. 

Mehr Abfall, weniger Feinstaub 

Positiv hält das Ministerium auch fest, dass Grundwasser und Badegewässer eine sehr gute Wasserqualität aufweisen. Auch wurden beim Feinstaub die Grenzwerte in den drei Jahren des Berichtszeitraumes in allen größeren Städten seltener überschritten als zuvor. 

Positiv sei auch die Entwicklung im Bereich nachhaltige Produktion und Kreislaufwirtschaft: "Österreich ist bei Abfallvermeidung und -verwertung unter den Besten Europas", so Umweltbundesamt-Geschäftsführerin, Monika Mörth. Der Bericht zeigt aber einen Anstieg: Das Primärabfallaufkommen ist von 2014 bis 2017 um 13 Prozent auf 61 Mio. Tonnen gestiegen, das liege vor allem an Abfällen aus dem Bauwesen - aber auch die Siedlungsabfälle (statistisch 490 Kilo pro Einwohner und Jahr) sind leicht gestiegen. 
 

von Christine Imlinger 


 

Die Presse am 10.10.2019, S. 11
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"Fossile Industrien werden wertlos"

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10. Oct. 2019

Der Ökonom und Aktivist JEREMY RIFKIN fordert einen globalen "Green New Deal", um die Wirtschaft umzustellen. Die Tage der fossilen Industrien seien gezählt. Dafür sollen Millionen neuer Jobs entstehen.

TREND: Junge Vertreter der Demokratischen Partei haben in den USA einen "Green New Deal" vorgeschlagen. Ihr Programm, die Wirtschaft grün zu gestalten und gleichzeitig Arbeitsplätze und sozialen Ausgleich zu schaffen, hat gerade einmal 14 Seiten. War das der Grund, warum Sie gleich ein ganzes Buch zum Thema vorlegten?

JEREMY RIFKIN: Nein, Schuld daran ist meine Frau. Ich arbeitete schon fünf Jahre lang an einem Buch über das Zeitalter der Resilienz, in dem wir uns befinden, denn das Zeitalter des Fortschritts halte ich für vorbei. Dann kamen die Demokraten mit ihrem "Green New Deal", und dann forderte auch die US-Bürgermeisterkonferenz einen solchen ein. Da sagte meine Frau: Schreib dazu ein Buch. Ich hatte ja schon einmal eines dazu gemacht. Der "Green New Deal" hat eine lange Geschichte, die übrigens Anfang des neuen Jahrtausends in Europa begann.

Wo nun Ursula von der Leyen, die neue Präsidentin der EU-Kommission, das Thema zur Priorität macht. Wie glaubwürdig ist das, nachdem offenbar lange zu wenig geschah?

Die EU-Kommission sagt zu Recht, dass die größte Transformation der europäischen Wirtschaft bevorstehe. Und Europas Jugend ist heute auf den Straßen, um das einzufordern. Es hat sich einiges bewegt. Vor allem aber am Markt.

Inwiefern am Markt?

Auf Lebensdauer gerechnet sind Wind-und Solarenergie nun günstiger als alle anderen Energieformen. Ihre Kosten haben sich binnen kürzester Zeit massiv reduziert, und das gilt auch ohne Subventionen. Selbst Erdgas ist nun teurer, das lange als "grünere" Übergangsenergie galt, jetzt aber zunehmend überflüssig wird. Denn Solar-und Windenergie werden noch billiger werden. Das heißt: Große Teile der Assets der Fossilindustrie sind nichts mehr wert, sie werden früher oder später abgeschrieben werden. Die Citigroup schätzt, dass es hier um 100 Billionen US-Dollar "gestrandeter Vermögenswerte" geht, die Intelligence Unit des "Economist" rechnet mit 40 Billionen Dollar.

Die Veränderung kommt also ganz von selbst?

Sie ist jedenfalls schon im Gang. Das Erstaunliche ist, dass große Teile der Wirtschaft nicht verstanden haben, dass diese Entwicklung eine gewaltige Disruption bedeutet, weil sich nicht einfach nur die Energiequelle ändert. Es entsteht ein Internet der Energie, wo jede Familie selbst Strom erzeugen und ihn in das Netz einspeisen kann. Das ist die nächste industrielle Revolution, und Unternehmen müssen komplett umdenken.

Macht das etwa die deutsche Energiewirtschaft, die Sie auch beraten?

Die großen vier in Deutschland - EnBW, RWE, E.On und Vattenfall - produzieren gerade einmal fünf Prozent des grünen Stroms in Deutschland, den Rest übernehmen andere Anbieter, viele davon lokale Genossenschaften und öffentliche Unternehmen. Das Umdenken setzt ein, aber reichlich spät. Die Konzerne haben hunderte Milliarden Euro an Wert verloren. Jetzt geht es zum Beispiel darum, in Zukunft neue Dienstleistungen anzubieten, weil Energie deutlich anders, viel dezentraler erzeugt wird als heute. Aber das ist längst nicht alles.

Sondern?

Wir müssen verstehen, dass wir es hier mit einer wirklichen Revolution zu tun haben. Der Marktanteil eines Unternehmens spielt keine Rolle mehr, wenn das große, schnelle Wachstum in anderen Sektoren stattfindet. Sobald die Herausforderer eindeutig schneller zulegen, denken die Investoren um. Windund Solarenergie machen weltweit momentan nur rund 7,5 Prozent des erzeugten Stroms aus, aber das Wachstum ist massiv. 2023 wird dieser Anteil Schätzungen zufolge schon 14 Prozent ausmachen.
Und bei den Elektroautos ist es ganz ähnlich: Noch macht ihr Anteil bei Neuzulassungen jährlich weltweit nur rund 2,5 Prozent aus, aber schon 2028 wird er bei 20 Prozent stehen. Das wird der Punkt sein, an dem sich das Fossile nicht mehr rechnet. Es ist kein Wunder, dass nun auch Daimler und VW wirklich gewaltige Investitionen in Elektrofahrzeuge ankündigten. VW stellt ab 2026 die Entwicklung am Verbrennungsmotor ein.

Jetzt geht's wirklich so schnell?

Laut den Prognosen vor zehn Jahren wären wir heute schon deutlich "elektrischer". Der Durchbruch gelang, als Batterien für Elektrofahrzeuge endlich billiger wurden, ihr Preis ist in den vergangenen Jahren um 75 Prozent gefallen. Elektroautos sollten ab 2023 preislich mit Verbrennern mithalten können -und zwar ohne Subventionen. Der Markt drängt alles Fossile hinaus. Es wird sich nicht mehr rechnen. Ich arbeite mit vielen der größten Unternehmen der Welt, mit "Fortune 500"-Firmen, und sie alle wissen, dass dieser Kollaps des Wirtschaftssystems kommt. Die Gefahr ist nun, dass wir den Übergang zur grünen Wirtschaft nicht schnell genug hinbekommen, weil uns die Infrastruktur fehlt und somit die Möglichkeit, gute Ideen zu skalieren. Wenn das passiert, stecken wir in einem wirtschaftlichen Vakuum fest. Das ist gefährlich.

Und deshalb brauchen wir einen "Green New Deal", also ein Programm, um die Infrastruktur voranzutreiben, Menschen und Industrien umzuschulen, Innovationen zu fördern?

Wir haben in der Geschichte gesehen, dass jede wirtschaftliche Revolution, von der Dampfmaschine bis zum Auto, eine vollkommen andere Infrastruktur braucht. Wir sehen, dass sich drei große Sektoren bereits von der zweiten industriellen Revolution entkoppeln. Durch die Digitalisierung haben wir gänzlich neue Formen der Kommunikation entwickelt. Jetzt ändert sich der Energiesektor und parallel dazu durch Automatisierung, Big Data und Elektroautos die Mobilität. Das erfordert eine völlig neue Infrastruktur, von mit Sensoren ausgestatteten Straßen und Häusern bis hin zu smarten Netzen, die große Regionen verbinden.

Die es noch nicht gibt?

Die große Frage ist, wie Regierungen es schaffen, wirklich große Infrastrukturprojekte auf die Beine zu stellen. Bisher ist es ja so, dass regional wahnsinnig viel passiert, unzählige Städte und Regionen haben sogenannte Pilotprojekte gestartet. Manche haben ihre Busflotte elektrifiziert, andere ihre Häuser gedämmt. Aber es gibt keine Skalierung dieser Projekte. Sie sind klein, und das macht sie für Investoren uninteressant. Dabei gäbe es genug Geld dafür.

Es gäbe genug Geld?

Dass der Markt sich bewegt, liegt auch an den großen Pensionsfonds. Sie haben in den vergangenen Jahren elf Billionen US-Dollar aus Investments in fossilen Sektoren abgezogen, weil ihnen die Verlustrisiken zu hoch wurden. Sie suchen nach Investitionsmöglichkeiten, aber es fehlen Möglichkeiten in einer gewissen Größenordnung. Sie wollen auch raus aus dem massiv überbewerteten Aktienmarkt, sie wollen geringere Erträge, diese dafür aber verlässlich.

Wie werden grüne Projekte groß genug?

In der EU wird die Kommission für einheitliche Standards und Regulierungen sorgen müssen. Sie sind die Voraussetzung, dass europaweite Infrastrukturprojekte entstehen. Die EU und die Nationalstaaten müssen auch die richtigen Anreize für grüne Investitionen setzen, zu denen ich auch eine CO2-Steuer zähle. Sie kann neben anderen Quellen -aus dem fossilen Bereich umgelenkte Investitionen, weniger Militärausgaben - auch einen Teil des "Green New Deals" finanzieren. Die konkreten Pläne müssen aber die Regionen machen. Sie sind es, die traditionell für Infrastruktur zuständig sind. Sie werden grüne Banken brauchen und Green Bonds auflegen, um die Projekte zu finanzieren. Die Pensionsfonds werden diese Green Bonds kaufen.

Das klingt einfach. Ist es aber nicht, oder?

Der Klimawandel ist real, wir alle spüren ihn und seine Folgen. Die Vereinten Nationen sagen, wir haben zwölf Jahre, um den Temperaturanstieg zumindest zu begrenzen. Aber all das erfordert ein gewaltiges Umdenken, auch darin, Infrastruktur nicht mehr als etwas zu sehen, das man zentral planen und ausrollen kann,sondern das regional entsteht und smart zusammengeführt werden muss. Theoretisch kann jedes Elektroauto den Strom seiner Batterie auch wieder in ein smartes Netz einspeisen, wenn es ihn gerade nicht braucht, um nur ein Beispiel zu nennen. Es geht um verteilende Plattformen. Ich gehe davon aus, dass auch die Shared Economy sich nochmals ändern wird.

Inwiefern?

Die erste Generation von Internetunternehmen hatte die Tendenz, wie Facebook und Amazon Monopole zu bilden. In der Shared Economy ist es ähnlich. Aber es wird noch einfacher werden, Dinge gemeinsam zu nutzen. Wir werden lernen, dass solche Netzwerke nur dann wirklich effizient ist, wenn es eben keinen Monopolisten wie etwa Uber gibt, sondern wirklich viele Anbieter jederzeit ihre Leistungen bereitstellen. Die nächste Generation an Unternehmen wird smarter, viel kollaborativer und transparenter agieren. Das gilt übrigens auch für Regierungen. Wo aber überall jederzeit alles verfügbar ist, ändert das den Markt. Das sind keine klassischen Transaktionen mehr, sie verlaufen sehr viel schneller als bisher.

Über neue Technologien wie Blockchain zum Beispiel?

Ja, aber es muss allen klar sein, dass das auf eine neue Form von Kapitalismus hinausläuft, in dem Grenzkostenerträge keine große Rolle mehr spielen, weil sie gegen null tendieren. Die Preise werden durch die digitalen Technologien so weit fallen, bis Produkte fast keinen Gewinn mehr bringen. Daraus kann eine Art kollaborativer Kapitalismus entstehen. Statt um Eigentum wird es dann um Zugang gehen, wie wir es jetzt schon von Streamingdiensten kennen, statt um Käufer und Verkäufer um Provider und Nutzer, statt um das BIP um einen Index der Lebensqualität.

Und darin gibt es unzählige Geschäftsmöglichkeiten und Arbeitsplätze, wie Sie in Ihrem Buch darlegen?

Ja, wobei Millionen Arbeitsplätze zunächst allein durch die Umstellung der Infrastruktur entstehen und neue Fähigkeiten gefragt sein werden. Es gibt unzählige Möglichkeiten, in so dezentralen Systemen Geld zu verdienen, allerdings eben anders als bisher. Wir arbeiten gerade mit Siemens, E.On, Daimler und vielen anderen Unternehmen daran, wie sie etwa mit smarten Dienstleistungen Geld verdienen können. Es gibt die Businessmodelle bereits, aber die Wirtschaftsunis kennen sie offenbar noch nicht, und viele Managerkurse beschäftigen sich auch noch damit, gemeinsam am Strand oder im Wald die Natur zu erfahren und Teamwork zu erlernen. Das ist Blödsinn.

Sie beraten auch China. Wie sieht es dort mit dem "Green New Deal" aus?

China handelt extrem schnell. Es ist gerade dabei, seine Regionalnetze mit einem landesweiten Supernetz zu verbinden, um grünen Strom weit transportieren zu können. Deutschland geht das endlich auch an. Dass dort nun auch der Ausstieg aus der Kohle feststeht und mit sozialen Maßnahmen unterstützt wird, ist ein großer, wichtiger Schritt, selbst wenn das neue deutsche Klimapaket bescheiden ausgefallen ist. Europa und China führen die Wende klar an, es ist fraglich, ob die USA das aufholen können, auch wenn es in Kalifornien und Texas starke Initiativen gibt. Wir haben die Technologien, um Klimaziele zu erreichen, wir haben theoretisch auch das Geld, und Unternehmen haben die Geschäftsmodelle. Jetzt müssen wir Region für Region handeln. Denn für eine globale Lösung fehlt die Zeit.

ZUR PERSON. Jeremy Rifkin, 74, hat mit zahlreichen Büchern und Veröffentlichungen öffentliche Debatten angestoßen. Er berät Regierungen, Regionen und Unternehmen wie Siemens, E.On und Daimler.
 


 

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Agrana setzt auf Bioethanol und weitet Betriebe aus

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Wien, 10. Oct. 2019

Der Stärke-, Frucht- und Zuckerhersteller Agrana kämpft mit Verlusten im Segment Zucker. Der Ausbau der Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf soll die Bioethanolproduktion im wachsenden Stärkesegment fördern. Auch ein neues Betain-Werk soll im nächsten Jahr in Betrieb gehen, erklärte Teile des Agrana-Vorstands am Donnerstag vor Journalisten.

Im Segment Zucker setzen die niedrigen Zuckerpreise und geringen Absatzmengen dem Unternehmen weiterhin zu. Der operative Verlust vervielfachte sich 4,1 auf 18,7 Mio. Euro. Die aktuellen Herausforderungen am Weltzuckermarkt führte Vorstandsmitglied Fritz Gattermayer auch am Beispiel Indiens an. Die hohen Absatzmengen durch massive Subventionierung der Landwirtschaft würden sich nicht mehr im legalen Rahmen bewegen. "Wenn die europäische Union eine ähnliche Zuckerpolitik machen würde, dann würde es ein WTO-Verfahren mit einem Schuldspruch geben", so Gattermayer.

Die Marktentwicklungen im Segment Frucht blieben hinter den Erwartungen, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel hier im ersten Halbjahr ebenfalls um 23 Prozent auf 36 Mio. Euro. Durch die Zolldiskussionen zwischen den USA und China konnten laut Gattermayer zumindest der US-amerikanische Markt bei Fruchtsaftkonzentraten "mit höheren Preisen stärker bedient werden". Neben den USA soll auch Japan verstärkt in den Fokus dieses Segments rücken.

Das Segment Stärke wuchs mit einem Umsatzplus von 10 Prozent auf 408 Mio. Euro und einer Steigerung des Ebit um 69 Prozent auf 34,3 Mio. Euro an. Hier profitiert die Agrana unter anderem von einem hohen Ethanolpreis. Die Agrana produziert in ihrer Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf (NÖ) jährlich 535.000 Tonnen Bioethanol. Insgesamt verarbeitet das Werk 835.000 Tonnen an Rohstoffen. Der Ausbau der Anlage soll Ende November in Betrieb gehen und die Produktionsmenge auf 1.190.000 Tonnen erhöhen.

Bei der Erzeugung von Bioethanol, setzt Agrana auf die vollständige Verwertung von Futtergetreide-Überschüssen. "Wir verfolgen mit Nachdruck eine nachhaltige Verwertung unserer Rohstoffe", so Konzernchef Johann Marihart. Der Agrana-Chef betonte die umweltschonenden Vorteile einer 10-prozentigen Beimischung in Benzinkraftstoffe. Derzeit werden nur 5 Prozent beigemischt. Die Agrana exportiert 60 Prozent ihrer Bioethanol-Produktion und könnte nach eigenen Angaben eine erhöhte Nachfrage in Österreich abdecken.

Die Fertigstellung eines neuen Betain-Werks in Tulln soll im Frühsommer 2020 erfolgen. Investiert wurden rund 40 Mio. Euro. Dort sollen jährlich 8.500 Tonnen kristallines Betain produziert werden. Das entspricht einem Drittel des weltweiten Marktvolumens. Natürliches Betain wird aus Zuckerrübenmelasse gewonnen und dient der Erzeugung von Futtermitteln, Kosmetik und Nahrungsergänzungsmitteln.

Keine Neuigkeiten gibt es bezüglich möglicher Zukäufe von Zuckerfabriken in Serbien. Durch die angespannte Lage am Zuckermarkt wurden Gespräche mit den Verkäufern "nicht abgebrochen, aber vorerst ausgesetzt", so Konzernchef Marihart.

Das erwartete Investitionsvolumen für das Halbjahr 2019/20 liegt mit 68,1 Mio. Euro deutlich unter den 82,7 Mio. Euro des Vergleichszeitraumes im Vorjahr. Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2019/20 erwartet sich die Agrana einen "deutlichen Anstieg des Ebit" und einen moderaten Zuwachs beim Konzernumsatz. Das Investitionsvolumen in allen drei Segmenten soll dann bei 140 Mio. Euro liegen.

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Ölpreise gaben leicht nach - US-Lagerdaten gestiegen

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Singapur, 10. Oct. 2019

Die Ölpreise sind am Donnerstag leicht gesunken. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete in der Früh 58,23 US-Dollar (53,03 Euro). Das waren um 9 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 5 Cent auf 52,54 Dollar. Marktbeobachter erklärten den leichten Preisdruck mit einem unerwartet starken Zuwachs der Ölreserven in den USA.

In der vergangenen Woche waren die Lagerbestände an Rohöl nach Angaben der US-Regierung vom Vortag überraschend deutlich gestiegen. Steigende Ölreserven belasten in der Regel die Ölpreise, weil sie ein Hinweis auf eine geringere Nachfrage oder ein zu hohes Angebot sein können.

Im weiteren Handelsverlauf rücken anstehende Handelsgespräche zwischen den USA und China stärker in den Fokus am Ölmarkt. Trotz jüngster Spannungen streben die beiden größten Volkswirtschaften der Welt offenbar weiterhin ein Abkommen an, mit dem der Handelskonflikt entschärft werden kann.

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ABB und APG schließen Vertrag für Stromnetzausbau

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09. Oct. 2019

Die ABB hat mit dem österreichischen Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) einen Rahmenvertrag über die Lieferung von gasisolierten Schaltanlagen geschlossen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren und umfasst einen potenziellen Gesamtbetrag von mehr als 90 Millionen Euro. Die Schaltanlagen werden im Rahmen des bislang größten Ausbaus des Stromnetzes in Österreich gebraucht. Dieser Ausbau ist notwendig, um die Netze fit für den Umstieg auf erneuerbare Energien zu machen.

 


 

Die Presse am 09.10.2019, S. 14
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Viel Wind um einen nie gebauten Windpark

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09. Oct. 2019

Landesgericht. Der OGH hat im Bewag-Prozess das Bestechungskapitel ans Erstgericht retourniert

Immer wieder konnte man am Dienstag im großen Saal des Landesgerichts Eisenstadt Sätze wie diesen hören: "Wie soll ich mich daran erinnern, das ist 15 Jahre her". 

Das Verfahren um ein ab 2003 geplantes, aber nie errichtetes Windparkprojekt der Bewag im ungarischen Bogyoszlò ist in die Jahre gekommen. Nachdem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft erst jahrelang ermittelt und das Landesgericht Eisenstadt 2017 vier Schuld- und fünf Freisprüche gefällt hatte, mussten gestern drei der ursprünglich Angeklagten - Ex-Bewag-Vorstand Hans Lukits, ein früherer Bewag-Manager und der Ex-Chef einer Hochegger-Firma - noch einmal vor Gericht. 

Der Oberste Gerichtshof hatte im heurigen Februar den Untreue-Vorwurf gegen Lukits & Co verworfen, einen anderen Teil des Verfahrens aber ans Landesgericht zurückverwiesen. 

Der Schöffensenat unter dem neuen Vorsitz von Daniela Berger muss sich noch einmal mit folgender Frage befassen: Dienten Bewag-Zahlungen an Hochegger u.a. über 180.000 und eine Million Euro dazu, Beamte des Netzbetreibers E.ON und der ungarischen Energieagentur "zu schmieren", wie Oberstaatsanwalt Günter Gößler meint, oder standen den vertraglich vereinbarten Zahlungen an Hochegger Leistungen für die Bewag gegenüber, wie Lukits versichert: Die Direkteinspeisung des Windstroms ins E.ON-Netz und eine Einspeis-Lizenz. Unterstützung erhielt Lukits vom Ex-Hochegger-Mann, einem gebürtigen Ungarn: "Man hätte ganze Gremien bestechen müssen, wie stellen Sie sich das vor", fragte er den Ankläger entgeistert. Fortsetzung am 18. Oktober.

 

von Thomas Orovits 
 


 

Kurier am 09.10.2019, S. 16