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Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 kommt zügig voran

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Lubmin, 16.11.2018

Ungeachtet der internationalen politischen Querelen geht der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 zügig voran. Inzwischen sind laut Unternehmenssprecher Steffen Ebert alleine im deutschen Teil der Ostsee rund 100 Kilometer der 1.230 Kilometer langen Pipeline verlegt worden. Die Verlegearbeit erfolgt an mehreren Stellen gleichzeitig, rund 30 Schiffe beteiligen sich an den Bauarbeiten in der Ostsee.

Von Ende 2019 an soll russisches Gas bis ins vorpommersche Lubmin gepumpt werden. Durch Nord Stream 1 fließt bereits seit 2011 Gas nach Deutschland. Das 9,5-Milliarden-Euro-Projekt, das vom russischen Energiekonzern Gazprom geleitet wird, wird in Teilen Europas und den USA kritisiert. So fürchtet die Ukraine um ihre einträgliche Rolle als Transitland für den Gastransport nach Westeuropa. Polen und die baltischen Staaten warnen vor einer wachsenden Abhängigkeit vom russischen Gas. Auch US-Präsident Donald Trump kritisiert eine zu enge Verflechtung von Deutschland und Russland und droht mit Sanktionen.

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Aus für den billigen Strom aus Deutschland

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16.11.2018
Strommarkt. Mit der kürzlich in Kraft getretenen Strompreiszonentrennung ist der gemeinsame Strommarkt von Deutschland und Österreich Geschichte. Erste Analysen der Auswirkungen bestätigen eine moderate Verteuerung.

Am 1. Oktober wurde eine bis dahin offene Grenze zwischen Deutschland und Österreich geschlossen: Die sogenannte Strompreiszonentrennung hob die gemeinsame Preiszone auf. Bis dahin konnte Strom über die Grenzen hinweg uneingeschränkt gehandelt werden. Das bescherte Großverbrauchern in Österreich günstige Einkaufsmöglichkeiten, da auf größeren Märkten die Preise in der Regel niedriger sind. Jetzt muss teurerer heimischer Strom die günstigen Importe aus Deutschland ersetzen.

Aufgrund des virtuellen Grenzbalkens im Stromnetz rechnen Experten für in Österreich verkaufter MWh - der im Schnitt ja nur geringen Anteil aus Deutschland beinhaltet - mit Preissteigerungen von rund 35 Cent. Für Haushaltskunden dürfte sich das mit Beträgen von einigen Euro im Jahr auswirken. Wesentlich spürbarerer wird die Strompreiszonentrennung für die heimische Industrie, die bislang von den günstigen Preisen auf dem deutschen Markt stark profitiert hat.

Um erste Größenordnungen bei der Preisentwicklung abzuschätzen, hat die Österreichische Energieagentur den Spotmarkt nach dem Ende des gemeinsamen Strommarkts analysiert. Im Mittel bewegte sich der Preis in Österreich bei 60,48 Euro pro MWh, in Deutschland lag er mit 53,57 Euro um elf Prozent darunter. Je nach Berechnungsart zeige sich aufgrund der Preiszonentrennung in Österreich ein Plus von fünf bis zehn Prozent, rund fünf Euro pro MWh, meint Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise bei der Energieagentur.

Sie warnt allerdings davor, die ersten Zahlen als exakte Prognose anzusehen: "Die Unsicherheiten auf dem Markt sind derzeit noch sehr groß, das lässt sich auch anhand der recht volatilen Ergebnisse auf dem Terminmarkt beziehungsweise Markt für Grenzkapazitäten beobachten." Diese zeigten je nach Tageszeit starke Schwankungen, die aber weitgehend parallel verliefen. Der Höchstpreis seit Anfang Oktober belief sich auf 112,66 Euro/MWh und war sowohl in Deutschland als auch in Österreich gleich. Der niedrigste Preis in Österreich wurde mit 5,20 Euro erreicht, in Deutschland gab es sogar negative Preise von bis zu minus 4,97 Euro.

Fehlende Leitungskapazitäten

Grund für die Trennung der beiden Märkte seien zu geringe Leitungskapazitäten in Deutschland gewesen, erklärt Ernst Brandstetter, Pressesprecher von Österreichs Energie: "Gab es im Norden Deutschlands aus den Windkraftwerken viel Strom, musste zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität Elektrizität über Polen und Tschechien in den Süden geleitet werden." Dort hatte man mit den großen Strommengen im Netz ebenfalls wenig Freude und drängte zusammen mit Deutschland bei den europäischen Regulatoren auf die Trennung der Märkte. Österreich wehrte sich lang und letztlich erfolglos dagegen. Die Übertragungskapazität für Monats- und Jahresauktionen an der Grenze wurde schließlich per 1. Oktober auf 4,9 GW beschränkt.

Begeistert von Strompreiszonentrennung ist niemand in Österreich. "Aber wir haben in den Verhandlungen das Maximum erreicht", meint Wolfgang Urbantschitsch, Vorstandsmitglied der E-Control. Österreichs Standpunkt in den Gesprächen war, dass die Probleme nicht an Übertragungskapazitäten an der Grenze, sondern innerhalb von Deutschland ihre Ursache haben. Die Strompreiszonentrennung hätte also eigentlich nördlich von Bayern erfolgen müssen. "Das Gegenargument, dass zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität in Deutschland letztlich gewisse Einschränkungen notwendig sind, gab aber den Ausschlag", erläutert Urbantschitsch.

Wirkliche Vorteile bringt die Strompreiszonentrennung auch für Deutschland nicht, meint Marc Philipp Wochnik von Next Kraftwerke in Köln: "Im Herbst produzieren die Windanlagen in Deutschland viel zu viel Strom, der nun nicht mehr einfach nach Österreich verschoben werden kann. Umgekehrt kommt in Zeiten der Dunkelflaute österreichische Wasser- und Windkraft nicht mehr so einfach nach Deutschland." Langfristig würden die Netze in Europa weiter zusammenwachsen, ist Wochnik überzeugt. Es gäbe eine Reihe europäischer Projekte. Ein Netz ohne Grenzen werden im Mittel sinkende Großhandelspreise bringen, glaubt Wochnik.

Energie wird generell teurer

Dass die Österreicher jetzt mehr für Strom bezahlen werden, habe allerdings nur wenig mit der Strompreiszonentrennung zu tun, betont E-Control-Vorstand Urbantschitsch: "Die Großhandelspreise für Strom sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, das ist aber auf Verteuerungen bei den Energieträgern Kohle und Gas sowie bei CO2-Zertifikaten zurückzuführen." Auch die Analyse der Energieagentur bestätigt, dass der große Sprung bei den Strompreisen primär andere Ursachen hat: Ein MWh-Baseload (Grundlast) mit Lieferzeitraum Dezember kostete etwa am 8. November in Deutschland 53 bis 54 Euro, in Österreich aufgrund der Marktrennung fast 60 Euro. Vor einem Jahr kostete diese Strommenge auf dem damals gemeinsamen Markt in beiden Ländern nur 40 Euro.
 
von Wolfgang Pozsogar
 
Die Presse am 16.11.2018, S. 34
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Aufstand der Ökostrombetreiber

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16.11.2018
Bis 2030 will die Regierung 100 PROZENT ÖKOSTROM. Nun streiten kleine Kraftwerksbetreiber und große Energieversorger um das neue Milliardengeschäft.
 
Das Ziel ist ambitioniert, klagt die Branche. Doch die politische Vorgabe, Österreich bis 2030 ganz auf Ökostrom umzustellen (derzeit 76 Prozent), öffnet auch einen neuen Absatzmarkt für Energieversorger. Bis Weihnachten soll das sogenannte Erneuerbaren-Ausbau- Gesetz (EAG) eine Aufteilung auf verschiedene Technologien festlegen und eine neue Fördersystematik einführen.

Was prompt zu Spannungen zwischen kleinen und großen Energieversorgern führt. Geht es doch um zusätzlich 30 grüne Terrawattstunden (TWh) im Börsenwert von jährlich über einer Milliarde Euro (siehe auch Graphik). Alle wollen ein möglichst großes Stück vom Kuchen.

STÜCK VOM KUCHEN. Konkreter Streitpunkt ist etwa die Aufteilung, wie sie sich "Österreichs Energie", der Branchenverband der großen, teils staatlichen Energiekonzerne des Landes, vorstellt. Sie wollen ihre Tochtergesellschaften für das zusätzliche Geschäft in Stellung bringen, elf bis 13 TWh sollen jeweils aus Windkraft-und Photovoltaikanlagen kommen, sechs bis acht TWh aus neuen Wasserkraftwerken.
Verbandspräsident Leopold Schitter: "Das ist der bestmögliche Kompromiss innerhalb jener Grenzen, die sich durch die EU-Richtlinie für die Ökostromförderung und die Mittelverfügbarkeit in Österreich ergeben."
Kaum war dieser Plan an das Umweltministerium übermittelt, hagelte es Kritik aus den Reihen der kleinen unabhängigen Ökostrombetreiber. Sie sind in dem Verband "Erneuerbare Energie Österreich" organisiert und haben ganz andere Zahlen im Kopf. "Es ist ja durchaus erfreulich, dass Ökoenergie endlich ernst genommen wird", heißt es etwa von Peter Püspök, Präsident aller kleinen privaten Wind-,Sonnen-,Wasserkraft-und Biomassebetreiber, "aber das, was da vorgelegt wurde, ist eher ein Brems-als ein Beschleunigungsmodell."

Die Windkraftbetreiber etwa halten bis zu 22,5 TWh aus ihrem Bereich für unbedingt notwendig, um das 2030-Ziel zu erreichen. Die Photovoltaikbranche wiederum verweist auf Studien des Umweltbundesamtes, das 14,7 TWh für ihren Bereich errechnet hatte. Biomasse wiederum kommt im Ausbauplan von Österreichs Energie nicht vor, obwohl größte erneuerbare Technologie Österreichs. Über zu viel Wasserkraft klagt umgekehrt die Naturschutz-NGO WWF. Maximal zwei TWh seien ausbaufähig, ohne Flussjuwele zu zerstören.

NEUES FÖRDERSYSTEM. Mehr noch als die Aufteilung der Anteile auf die einzelnen Sparten erzürnt die Ökos aber, dass die großen Energieversorger ihrer Ansicht nach auch das geplante neue Fördersystem zu eigenen Gunsten mitgestalten wollen. Zukünftig sollen nämlich variable Marktprämien die Produktion von teurem Ökostrom abgelten. Spezielle Auktionsverfahren wiederum filtern die billigsten Anbieter für neue Ökostromkraftwerke heraus, so sinken die Marktprämien. Das wäre neu in Österreich mit seinen bislang fixen Einspeisetarifen für alle, zumindest solange, bis die Förderkontingente aufgebraucht sind.
Bei Auktionen allerdings hätten staatliche Energieversorger einen Startvorteil, argwöhnt Püspök. Deren Kreditrating sei besser, das würde zu billigeren Finanzierungen von neuen Kraftwerken und konkurrenzlosen Angeboten führen. Außerdem hätten die Landesenergieversorger über Gewinne aus den Stromnetzen eine stärkere Finanzkraft als private Windstrombetreiber oder Sonnenstromproduzenten. Püspök, selbst einer der größten privaten Ökostrombetreiber: "Das Beispiel Deutschland und Frankreich hat gezeigt, dass Auktionen die Kosten für Ökostrom eher erhöhen. Im Extremfall gibt es gar nicht genug Projektanbieter."

Letztlich muss das Umweltministerium von Ministerin Elisabeth Köstinger entscheiden. Ihr Generalsekretär Josef Plank lässt sich noch nicht in die Karten schauen. Auf das umstrittene Auktionsmodell dürfte er allerdings nicht wirklich verzichten. Immerhin soll sich der Förderbetrag für Ökostrom von insgesamt derzeit rund 900 Millionen Euro trotz einer Verdreifachung der geförderten Menge im Jahr 2030 nicht erhöhen - er wird ja auch von den Stromkunden via Stromrechnung finanziert. Das geht nur, wenn jeweils die billigsten Ökostromanbieter zum Zug kommen. Plank versucht, die Gemüter zu beruhigen: "Wir werden dafür Sorge tragen, dass uns die negativen Erfahrungen aus Deutschland zu einem besseren Modell verhelfen."

Wie umstritten das Auktionsmechanismus ist, zeigt aber auch, dass sich die großen Energiekonzerne selbst im Lobbying mit dem Ministerium intern schon um eine Ausnahmeregelung für ihre großen Wasserkraftwerke bemühen. Ein geleaktes Positionspapier des Branchenverbands "Österreichs Energie" zeigt, wie Wasserkraftwerke über 10 MW Produktionskapazität schon vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes gefördert werden sollen. Allerdings noch nach der alten Methode mit behördlich festgelegten Einspeisetarifen. Ganz ohne Wettbewerbsdruck in Ausschreibungen.
 
trend am 16.11.2018, S. 8-9
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Biogas: Klimaschutz relativiert Kosten

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16.11.2018
 
Ökoenergie. Trotz hoher Produktionskosten könnte eine ernsthafte Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens Gas aus biogenen Rohstoffen auch kommerziell wieder interessant machen.

Für viele ist das Thema Biogas in Österreich Geschichte. Neue Anlagen werden keine gebaut. Aber die Biogasverfechter haben eine neue Hoffnung: Green Gas, das die alte Idee der Gasgewinnung aus biogenen Materialien zu neuer Blüte bringen soll.

Die Grundidee ist faszinierend: Aus biogenen Reststoffen wird Gas gewonnen, das quasi CO2-neutral ist, da die klimaschädlichen Gase beim Verrotten der Abfälle ohnehin in die Atmosphäre gelangen würden. Der Haken des umweltfreundlichen Energieträgers sind die Produktionskosten, die deutlich - bis zum Vierfachen - über den Erdgaspreisen liegen. Für Horst Steinmüller vom Energieinstitut der Linzer Johannes-Kepler-Universität sind diese Mehrkosten langfristig keineswegs ein großes Thema. Vor allem, wenn in Zukunft auf Dekarbonisierung gesetzt und damit auf fossile Brennstoffe verzichtet wird: "Nehmen wir das Pariser Klimaabkommen ernst, werden wir alle Quellen nützen müssen, und Biogas bietet hier ganz große Chancen", so Steinmüller.

Mit der Produktion von Biogas ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Verfahren sei laut Steinmüller ideal, um aus einer Vielzahl von biogenen Abfällen Energie zu gewinnen.

Bestehende Infrastruktur

Zugleich könnte man nach der Dekarbonisierung die bestehende Infrastruktur für Erdgas von den Speichern über das flächendeckende Leitungsnetz bis zu den Turbinen und Heizungsanlagen in Industrie und Haushalten weiter nutzen, argumentiert der Wissenschaftler. Das erspare viele Investitionen. Werde entsprechend dem Pariser Abkommen die Dekarbonisierung tatsächlich realisiert, "dann spielen alle Technologien auch von den Kosten her mehr oder weniger in derselben Liga", lautet die Schlussfolgerung von Steinmüller.

Dass Methangas unter dem Aspekt der vorwiegenden oder ausschließlichen Nutzung CO2-neutraler Energieträger im Vergleich zu Alternativen durchaus gute Chancen hat, meint man auch beim Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen, der ebenfalls Lobbyarbeit für das grüne Gas betreibt. Christina Fürnkranz weist wie Steinmüller auf die bestehende Infrastruktur hin und erläutert, dass in einer unterirdischen Gaspipeline mit 90 Zentimeter Durchmesser so viel Energie transportiert werden könne wie über fünf Hochspannungsleitungen. "Dekarbonisierung allein auf dem All-Electric-Weg wäre, das zeigen Studien, aufgrund der notwendigen großen Investitionen praktisch nicht finanzierbar", meint Fürnkranz. Das sehe man auch auf EU-Ebene so, wo derzeit viel passiere, um Biogas langfristig zu forcieren.

Über solche Worte freut sich Bernhard Stürmer, Geschäftsführer des Kompost & Biogas Verbandes. Als eine Ursache für die derzeitige Skepsis gegenüber Biogas ortet er den Preisanstieg bei agrarischen Produkten vor etwa einem Jahrzehnt: "Damit hat niemand gerechnet, und das hat die Wirtschaftlichkeit in Mitleidenschaft gezogen." Die Umwandlung von Reststoffen der Industrie zu Biogas dagegen funktioniere heute schon sehr gut. "Nahrungs-, Futtermittel- und Getränkehersteller sind hier erfolgreich unterwegs." Pommes-Hersteller Elfer in Vorarlberg verwandelt beispielsweise biogene Abfälle in Biomethan und betankt damit eigene Lkw und jene von Zulieferern.

Um die Nutzung von Biogas - das alle Gaslieferanten mit nicht allzu großem Erfolg anbieten - bereits heute anzukurbeln, schwebt Stürmer das Schweizer Modell vor. Dort ist, ähnlich wie hierzulande beim Biodiesel, ein gewisser Anteil von grünem Gas im Erdgas vorgeschrieben. Die österreichische Biogaswirtschaft könnte 750 Millionen Kubikmeter Biogas pro Jahr zur Verfügung stellen. Nach Berechnungen der JFK-Universität gäbe es langfristig sogar die Möglichkeit, zwei bis 2,5 Milliarden Kubikmeter im Inland zu produzieren. Das wäre mehr als ein Viertel des derzeitigen Erdgasverbrauchs. Es müssen nur die höheren Kosten getragen und die Technik weiter optimiert werden.
 
 
von Wolfgang Pozsogar
Die Presse am 16.11.2018, S. 33
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"Die alten Clans zur Kontrolle des Ölmarkts sind passé"

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16.11.2018
Der Chef der Internationalen Energieagentur prognostiziert einen Bedeutungsverlust des Opec-Kartells und den USA als größtem Ölförderland weiteres Wachstum.

Für Fatih Birol ist die Technische Universität in Wien nicht irgendein Ort. An der Hochschule hat der heute 60-Jährige promoviert und auf dem nahen "Naschmarkt" sein erstes Geld verdient. Im Dachgeschoss der TU Wien nimmt sich der türkische Energiewissenschaftler Zeit für ein Gespräch.

Herr Birol, Saudi-Arabien lässt gerade von einer Denkfabrik die Frage überprüfen, was im Ölmarkt ohne die Opec passieren würde. Ist eine Welt ohne das Kartell wichtiger Ölnationen vorstellbar?

Die Opec ist eine wichtige Institution im internationalen Energiemarkt. Aber die Märkte verändern sich, vor allem durch die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Die Produktion von Schieferöl in den USA nimmt sehr stark zu. In den nächsten sieben bis acht Jahren werden die Amerikaner mehr als die Hälfte der Weltproduktion sowohl von Öl als auch Gas liefern.

Bedeutet der Aufstieg der USA zum weltgrößten Öl- und Gasproduzenten im Gegenzug den Niedergang der Opec und der Opec+ - dem Bündnis mit Russland und anderen Nicht-Opec-Ländern?

Der Ölmarkt gleicht einem Kuchen. Wenn die USA als zweifellos weltgrößter Ölproduzent ein größeres Stück herausschneiden, geht das zulasten der anderen Marktteilnehmer. In den vergangenen sieben Jahren sahen wir in den Vereinigten Staaten den größten Produktionszuwachs in der Geschichte. Derzeit beobachten wir in den USA zwar ein vorübergehendes Problem aufgrund der Pipeline-Kapazitäten. Dort gibt es ein Flaschenhalsproblem. Wenn die neuen Pipelines fertiggestellt werden, wird der Ölexport der Amerikaner weiter zunehmen.

Die Ölmärkte spielen verrückt. Werden wir mit größeren Preisschwankungen rechnen müssen?

Ein oder zwei Länder werden nicht mehr in der Lage sein, den globalen Ölmarkt zu managen. Mit neuen und starken Marktteilnehmern wie den USA hat sich die Marktsituation grundlegend verändert. Die alten Clans zur Kontrolle des Ölmarkts sind passé. Ich beobachte zudem eine wachsende Unsicherheit an den Ölmärkten durch die Geopolitik. Die Lage wird immer komplizierter. Was wird die Entwicklung in Ländern wie Venezuela, Libyen oder Nigeria sein? Vor diesem Hintergrund erwarten wir eine häufigere Volatilität und größere Preissprünge. Volatilität ist ein Schlüsselwort für den Zustand des Ölmarkts geworden.

Die IEA prognostiziert einen weiter steigenden Energiehunger. Muss die Ölproduktion steigen?

Wir erwarten einen weiteren Anstieg der Ölproduktion, vor allem durch eine höhere Förderung in den USA, unterstützt von einer Reihe wichtiger anderer Produzenten. In den vergangenen Jahren haben wir historisch niedrige Investitionen in neue Ölfelder und Projekte gesehen. Ich bezweifele deshalb, dass die USA alleine die wachsende globale Nachfrage nach Öl befriedigen können. Wir brauchen mehr Investitionen im gesamten Ölsektor.

Welche Rolle wird Öl im Energiemix spielen?

Der Anteil von Öl im globalen Energiemix wird leicht zurückgehen, weil andere Energiequellen wichtiger werden. Doch Öl wird die wichtigste strategische Energiequelle für viele Jahre bleiben, weil unsere Mobilität und unsere Petrochemie darauf beruhen. Öl wird von den meisten Menschen im Zusammenhang mit Autos gesehen. Diese Wahrnehmung ist falsch. Nur ein Fünftel der Ölproduktion wird für Pkw gebraucht. 80 Prozent werden für Lastwagen, Schiffe, Flugzeuge und die Petrochemie gebraucht. Und dort sehen wir eine wachsende Nachfrage nach Öl.

Gilt das auch für Gas als weiteren Energieträger?

Gas ist die am schnellsten wachsende Energiequelle. Vor allem China besitzt einen riesigen Bedarf. China ist heute bereits der Gasgigant.

Und wie könnte sich die Gasproduktion entwickeln?

Die USA werden zunehmend zum unbestrittenen Marktführer bei der Gasproduktion und beim weltweiten Export von Flüssiggas, in der Branche LNG genannt. In den nächsten fünf Jahren werden 75 Prozent aller LNG-Exporte aus den Vereinigten Staaten kommen.

In Europa bekämpfen die USA die neue Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland. Ist das Projekt notwendig?

Nord Stream 2 ist ein privatwirtschaftliches Projekt von Gazprom und anderen Konzernen. Das möchte ich daher nicht ausdrücklich kommentieren.

Doch Sie haben eine Meinung, oder?

Europas Gasproduktion geht zurück. Das kann man beispielsweise in den Niederlanden oder in Norwegen beobachten. Es gibt verschiedene Lösungen, um die Versorgungssicherheit in Europa zu garantieren. Eine neue Pipeline, aber auch der Import von Flüssiggas sind Möglichkeiten. Für eine Entscheidung müssen drei Kriterien geklärt sein: die Wirtschaftlichkeit des Gases, die Versorgungssicherheit und die geopolitischen Konsequenzen langfristiger Gaslieferverträge.

Ist in Europa Platz für das Gas aus Russland und Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten?

Wir werden mehr und mehr amerikanische Flüssiggasexporte nach Europa sehen. Eine Reihe von Staaten kauft bereits mehr oder wird künftig LNG erwerben.
Die Fragen stellte Hans-Peter Siebenhaar .

 
 
Handelsblatt am 16.11.2018, S. 031
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Gnadenfrist für alte Kraftwerke bis 2022

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16.11.2018

Das Gremium empfiehlt, Abschaltungen nur im Konsens mit den Betreibern vorzunehmen. Ein CO2 - Preis soll eingeführt werden.

Die Arbeit der Kohlekommission geht in die entscheidende Phase. Nachdem das von der Bundesregierung eingesetzte Gremium kürzlich seine Empfehlungen für den Strukturwandel in den von einem Kohleausstieg am stärksten betroffenen Regionen abgegeben hat, geht es nun um das zweite große Thema, den konkreten Ausstiegsfahrplan.

Dabei rät die Kommission davon ab, Abschaltungen bis 2020 zu erzwingen. "Um ein rechtssicheres Vorgehen" zu gewährleisten, "empfiehlt die Kommission bis 2022 im Ergebnis Stilllegungen, die im Einvernehmen mit den jeweiligen Kraftwerksbetreibern erfolgen", heißt es im jüngsten Entwurf des Berichts der Kohlekommission. Er spiegelt den Debattenstand der Kommission vom Donnerstag wider und liegt dem Handelsblatt vor. Erstellt wurde er von einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe, die alle Strömungen der Kommission repräsentiert.

Die Kommission habe die verschiedenen möglichen Instrumente zur kurzfristigen Stilllegung von Kraftwerksblöcken umfassend diskutiert sowie ausführlich über ihre jeweiligen Vor- und Nachteile beraten, heißt es in dem Papier. Die Kommission empfehle zur Umsetzung von Abschaltungen "eine einvernehmliche Vereinbarung möglichst auf vertraglicher Grundlage mit den Betreibern", die sowohl eine "Einigung über mögliche Entschädigungsleistungen für die Betreiber als auch Regelungen über die sozialverträgliche Gestaltung des Ausstiegs enthalten" solle. Dies beziehe sich sowohl auf im Betrieb als auch im Bau befindliche Kraftwerke. Der Hinweis auf im Bau befindliche Kraftwerke ist nach Angaben aus Branchenkreisen auf das noch nicht fertiggestellte Steinkohlekraftwerk Datteln von Uniper gemünzt.

Die Zahl der Beschäftigten sollte berücksichtigt werden Ausdrücklich wird in dem Papier betont, bei Stilllegungen müssten die strukturellen Unterschiede zwischen Braun- und Steinkohlekraftwerken bezüglich der CO2 - Emissionen, der Betreiberstruktur, der Verzahnung mit dem Bergbaubetrieb und der damit verbundenen Anzahl der betroffenen Beschäftigten berücksichtigt werden. Übersetzt heißt das: Die Stilllegung von Braunkohlekraftwerken wird wegen der verbundenen Tagebaue teurer als die Stilllegung von Steinkohlekraftwerken. Insider deuten das als Hinweis der Kommission an die Politik, sich stärker auf Steinkohlekraftwerke zu konzentrieren, obwohl diese weniger CO2 je produzierter Kilowattstunde Strom emittieren als Braunkohlekraftwerke. Wegen der befürchteten strukturellen Verwerfungen insbesondere in den ostdeutschen Revieren gilt die Stilllegung von Braunkohlekraftwerken als äußerst heikel. Ausdrücklich heißt es in dem Bericht, die Stilllegungen könnten "grundsätzlich auch Kohlekraftwerke betreffen, die in relevantem Umfang zur Erzeugung von Wärme genutzt werden". Die sichere Versorgung mit Wärme müsse allerdings gewährleistet bleiben.

Für die Finanzierung der Entschädigungen "sind die notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen". Von einer Umlage auf den Strompreis raten die Kommissionsmitglieder dagegen ab.
Dass die Mitglieder der Kommission sich darauf verständigt haben, die ersten Abschaltungen bis 2022 zeitlich zu strecken, kommt einer kleinen Sensation gleich. Die in der Kommission vertretenen Umwelt- und Klimaschutzorganisationen hatten in den vergangenen Wochen und Monaten darauf gedrungen, bereits bis 2020 Stilllegungen von Kraftwerken in erheblichem Umfang durchzusetzen.

Abschaltungen bis 2020 haben für Klimaschutzorganisationen, aber auch für Grünen-Politiker, große symbolische Bedeutung. Sie argumentieren, nur so könne Deutschland der Erreichung seiner Klimaschutzziele für 2020 noch ein nennenswertes Stück näher kommen. Nach derzeitigen Berechnungen wird Deutschland seine Treibhausgasemissionen bis 2020 nur um 32 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Ursprüngliches Ziel war es, einen Wert von 40 Prozent zu erreichen. Die amtierende Bundesregierung hat sich von diesem Wert aber bereits verabschiedet.

Gegner rascher Kraftwerksabschaltungen halten den Argumenten der Klimaschützer entgegen, verordnete Abschaltungen bis 2020 stellten massive Eingriffe in die Eigentumsrechte der Kraftwerksbetreiber dar und würden unweigerlich zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen führen. Verschiedene Rechtsgutachten stützen diese Position. Indem die Kommission nun Stilllegungen "bis 2022" empfiehlt, die im Einvernehmen mit den Betreibern erfolgen sollen, sind Abschaltungen bis 2020 zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sie erscheinen aber de facto unwahrscheinlich.

Die Frage, in welchem Umfang installierte Kraftwerksleistung bis 2022 vom Netz gehen soll, lässt die Kommission in ihrem Papier vom Donnerstag noch unbeantwortet. Die entsprechenden Gigawatt-Werte sind im aktuellen Entwurf mit "xx" gekennzeichnet. Bereits am Freitag wird die Kommission erneut zusammentreffen. In Kommissionskreisen hieß es am Donnerstag, möglicherweise komme man schneller als zuletzt erwartet zu Endergebnissen. Weiter hieß es, Ronald Pofalla, einer der Kommissionsvorsitzenden, spiele bei den inhaltlichen Abstimmungen derzeit eine Schlüsselrolle. Ihm sei es gelungen, die widerstreitenden Interessen zusammenzuführen.

Kommission fordert, Emissionszertifikate zu löschen Die Kommission rät der Politik, im Umfang der Abschaltungen Emissionszertifikate aus dem nationalen Versteigerungsbudget zu löschen. Damit will sie den Vorwurf entkräften, die Stilllegungen von Kraftwerkskapazitäten führten zu Verlagerungseffekten, aber nicht zu Emissionsreduktionen.

Außerdem plädiert die Kommission für die "Einführung einer C0 2 - Bepreisung mit Lenkungswirkung" auch in den Sektoren, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, also in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft. Damit einhergehen müsse "eine Überarbeitung des Entgelte- und Umlagensystems im gesamten Energiebereich".

Damit stützen die Kommissionsmitglieder die Position von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die seit Monaten für eine CO2 - Bepreisung über sämtliche Sektoren trommelt. Bislang allerdings ohne Erfolg. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat bereits mehrfach betont, das Thema sei nicht Gegenstand des Koalitionsvertrags und gehöre damit auch nicht auf die Tagesordnung. In der vergangenen Woche hatte sich auch ein Sprecher von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ablehnend geäußert.

ZITATE FAKTEN MEINUNGEN
Die Kommission empfiehlt bis 2022 Stilllegungen, die im Einvernehmen mit den jeweiligen Kraftwerksbetreibern erfolgen.
Entwurf des Berichts der Kohlekommission

 
Handelsblatt am 16.11.2018, S. 012
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Linz ist Vorreiter bei E-mobilität

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16.11.2018
Busse, Müllautos, Feuerwehrfahrzeuge: Die LINZ AG ist im Bereich E-Mobilität europäischer Vorreiter. Doch noch eine andere neue Technologie steht in den Startlöchern, sagt Generaldirektor Erich Haider.
 
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da fuhren erstmals zwei Linienbusse durch Linz, die - auch ohne Verbindung mit einer Oberleitung - mit elektrischem Strom betrieben werden. Heuer im Juli wurde der dritte vollelektrische 24-Meter-Doppelgelenksbus aus Belgien geliefert, mittlerweile stehen den Linzerinnen und Linzern elf dieser Fahrzeuge als öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung. Die Entwicklung veranschaulicht: E-Mobilität ist bei den LINZ AG LINIEN das große Zukunftsthema.

Dabei habe man deren Bedeutung zunächst fast unterschätzt, räumt LINZAG-Generaldirektor Erich Haider ein: "Ich habe mich immer für die Wasserstoff-Technologie eingesetzt." Kundenbefragungen gaben aber die Richtung vor: "Ob Wohnungsgenossenschaften oder Gemeinden -überall hieß es: Wir wollen mehr E-Mobilität", sagt Haider. Also setzt der Linzer Energiedienstleister seit geraumer Zeit mit voller Kraft auf dieses Thema.

Innovationskultur

Das hat auch damit zu tun, dass Innovation tief in der Konzernstruktur verankert ist. "Wir arbeiten intensiv an der Innovationskultur, dezentral in den einzelnen GmbHs", erklärt Haider. "Wir diskutieren regelmäßig darüber: Was würde die Umsetzung der Innovation kosten, was würde sie dem Kunden bringen? Das ist ein regelmäßiger Prozess."

Hervorgebracht hat dieser Prozess eben den genannten Bus - es ist der erste seiner Art in Europa, sagt Haider nicht ohne Stolz: "Der 24-Meter-Doppelgelenks-Obus ist schon neu. Aber dass er mit einer Batterie fährt und keinen Dieselmotor als Ersatzantrieb hat, das ist komplett neu." Kürzere Strecken überbrückt der Bus ohne Oberleitung -mit Strom aus einer Batterie.

Doch der Bus ist nicht die einzige Innovation der LINZ AG LINIEN im Bereich der E-Mobilität. Das mit 113 Millionen Fahrgästen drittgrößte Verkehrsunternehmen Österreichs hat gemeinsam mit Kapsch und Bombardier eine "intelligente" Straßenbahn entwickelt, bei der man laut Haider den Stromverbrauch um 15 Prozent reduzieren konnte. "Eine Straßenbahn hat 1.000 PS, wenn die wegfährt, geht ordentlich Strom aus dem Netz", erläutert er die Ausgangssituation. Um zu verhindern, dass beim Wegfahren und Bremsen die Räder durchgehen, wird nun automatisch Sand auf die Geleise gestreut. So wird die Beschleunigung mit einer Obergrenze versehen, sodass die Räder nicht durchgehen. Gemeinsam mit Kreisel, M-U-T und Scania hat die LINZ AG das erste teilelektrische Müllauto entwickelt. Damit spare man 4.000 Liter Diesel pro Lkw und Jahr -und sehr viel Lärm.

Vollelektrisches Feuerwehrauto

Der absolute Renner aus Sicht des Energieversorgers ist das erste vollelektrische Feuerwehrauto Europas, das in Zusammenarbeit mit Rosenbauer und Kreisel Electric entstanden ist. Das heuer im April präsentierte Fahrzeug ist als Ausstellungsstück bei Messen weltweit dermaßen begehrt, dass laut Haider zum Löschen immer noch das alte Feuerwehrauto ausrücken muss.

Um E-Mobilität alltagstauglich zu machen, muss freilich auch die entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Die LINZ AG hat daher in den vergangenen Jahren kräftig investiert: "Wir haben die Ladesäulen, die Technologie, die Ladekarte", führt Haider aus. Und die Beratung: Die LINZ AG hat alle E-Autos getestet und die Ergebnisse in einer Datenbank gespeichert. So kann man als Kunde oder Interessent abfragen, wie weit ein E-Auto einer bestimmten Marke tatsächlich fährt, wie lange die Batterie hält oder wie viel Geld man sich beim Kauf eines E-Autos sparen kann.

Bei allem Hype um die E-Mobilität hält Haider aber an einem fest: "Die Wasserstoff-Technologie gehört endlich ausgebaut." Vorhanden sei sie ja schon lange: "Im Jahr 2000 ist in Hannover schon der BMW 7 mit Wasserstoff gefahren." Dennoch heißt es für diesen Antrieb bis heute: Bitte warten.
 
 
News am 16.11.2018, S. 14-15
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CO2-Zertifikate via Blockchain?

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16.11.2018
Transaktionen. Auch wenn die Kryptowährungs-Euphorie abgeebbt ist, am Potenzial der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie bestehen unter Experten kaum Zweifel.
 
Blockchain, jene Technologie, die bei Kryptowährungen wie Bitcoin zum Einsatz kommt, erlaubt sichere, nachvollziehbare Transaktionen ohne zentrale Aufsicht. Laut einer Studie von Capgemini ist auch der Handel mit CO2-Zertifikaten eine aussichtsreiche Anwendung. Letzterer wurde bekanntlich eingeführt, um den Emissionszielen des Kyoto-Protokolls nachzukommen. "Über die Blockchain könnte der Handel mit CO2-Zertifikaten sicher, in Echtzeit und ohne Börse von Verbraucher zu Verbraucher abgewickelt werden", sagt Harald Proidl, Leiter Ökoenergie und Energieeffizienz bei der E-Control. Erste Anstrengungen gibt es bereits. IBM und das Start-up Veridium etwa entwickeln Handelsplattformen, mit denen CO2-Zertifikate über die Stellar-Blockchain gehandelt werden können. Der Start soll noch heuer erfolgen. Die Blockchain-Technologie biete die perfekte Basis für einen transparenten und liquiden Marktplatz, so Veridium-Geschäftsführer Jim Procanik im MIT-"Technology Review".

"Die Blockchain bietet sich überall an, wo es keine zentrale Stelle gibt, aber Sicherheit, Qualität und Transparenz wichtig sind", erklärt Torben Schuster, Leiter Energiehandel bei Capgemini Invent. Auch im Handel mit CO2-Zertifikaten würde die Technologie zweifellos funktionieren. Die konkrete Ausgestaltung sei aber noch unklar. Die Frage, die sich für den Experten stellt, ist, wieso bei einer Nutzung der Blockchain die politische Akzeptanz für die Vorgaben des Kyoto-Protokolls plötzlich gegeben sein sollte. Bislang sei das bekanntlich nicht der Fall.

"Bei einer Implementierung müsste der Prozess End-to-End gedacht werden, was bedeutet, dass CO2-reduzierende Maßnahmen in Entwicklungsgebieten vergütet und von Industrieunternehmen in Anspruch genommen werden könnten", sagt Schuster. Die Frage sei, wer die Transaktion anstößt und in welchen Zeitabständen kontrolliert wird, ob die Reduktion eingehalten wird. Welche Blockchain-Technologie sich durchsetzt, werde sich erst herausstellen. Bisherige Anwendungsfälle hätten gezeigt, dass die Nutzung nur im kleinen Rahmen funktioniert.

Beispiele für Blockchain in der Energiewirtschaft wären für Proidl der Handel von Strom und von Herkunftsnachweisen. "Beides könnte direkt von Kunde zu Kunde gehandelt werden." Die Blockchain liefere eine betrugssichere Echtzeitabwicklung. Die gesetzlichen Grundlagen und das Strommarktmodell würden dies aber nur eingeschränkt zulassen. "Marktakteure wie Stromlieferanten, -händler, Bilanzgruppe oder Netzbetreiber können damit nicht umgangen werden."

Erste Projekte gestartet

Beispiele für Unternehmen aus dem Energiesektor, die das Potenzial der Blockchain ausloten, gibt es einige. So hat etwa der Batteriehersteller Sonnen im Herbst ein Pilotprojekt mit dem Netzbetreiber Tennet gestartet, das vernetzte Heimspeicher und die Blockchain-Technologie zur Stabilisierung des Stromnetzes nutzt. Zudem hat sich das Unternehmen im Frühjahr am EU-Projekt Nemogrid beteiligt, das die wirtschaftlichen und technischen Auswirkungen des Stromhandels zwischen privaten Haushalten in einer Region untersucht. Laut Jean-Baptiste Cornefert, Geschäftsführer Sonnen eServices, stabilisiert dieser Handel im Idealfall gleichzeitig die lokalen Netze, sodass teure Netzeingriffe vermieden werden. Die Blockchain sei die richtige dezentrale Technologie, um so ein sich selbst ausgleichendes System in Echtzeit zu steuern. Mit der Flex-Plattform hat Sonnen einen Ansatz vorgestellt, bei dem regionaler Ökostrom in vernetzten Haushalten gespeichert wird. Der Herkunftsnachweis erfolgt per Blockchain.

Aber auch große Unternehmen setzen auf die Technologie. So hat Wien Energie im Vorjahr den weltweit ersten Gashandel mit Blockchain - konkret über die Plattform Enerchain - durchgeführt. Derzeit testet der Versorger im Wiener Viertel Zwei, wie die unternehmenseigene Hardware - Solarkraftwerke, Batteriespeicher, E-Ladestation - blockchainfähig gemacht werden kann. Unmittelbar vor dem Start steht das Blockchain-Projekt Enerchain, für den dezentralen Handel von Strom und Gas, an dem neben Wien Energie, OMV und Verbund insgesamt 45 Unternehmen beteiligt sind. 
 
 
Die Presse am 16.11.2018, S. 35
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Hohe Dieselpreise aufgrund von "Logistikkrise"

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Wien, 16.11.2018

Die gestiegenen Preise bei Benzin, Diesel und Heizöl sind Folge eines Engpasses in Europa. "Wir haben ein bisschen eine Logistikkrise", sagte Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbands Mineralölindustrie in der Wirtschaftskammer, am Freitag zur APA. Die Lage sei aber unter Kontrolle. Der Versorgungsmangel erklärt auch, warum die Tankstellenpreise nicht sinken, obwohl der Ölpreis zurückgeht.

Es sind mehrere Probleme zusammengekommen: Zuerst die Trockenheit im Sommer und die daraus resultierenden niedrigen Pegelstände am Rhein und auf der Donau. Dazu kam im September ein Brand in der bayerischen Raffinerie Vohburg, der die für die Versorgung Österreichs wichtige Anlage lahmlegte.

Also müssen die Treibstoffe von weiter weg nach Österreich transportiert werden. Allerdings: "Die dadurch erforderlichen zusätzlichen Transportkapazitäten können nicht vollständig durch die Eisenbahn erfüllt werden, weil es einen Lokführermangel bei allen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen gibt", heißt es seitens des Fachverbands. Hinzu kommt eine generell hohe Nachfrage nach Diesel durch die gute Wirtschaftslage.

Wann sich eine Entspannung der Situation abzeichnet, sei nach wie vor schwer abzuschätzen. In Deutschland hat das Verkehrsministerium die dafür zuständigen Bundesländer schon gebeten, dass Sonntagsfahrverbot für Lkw für den Kraftstoff-Transport aufzuheben.

5,4 Milliarden Liter der in Österreich verbrauchten 8,3 Milliarden Liter Diesel werden hauptsächlich von Bayernoil importiert. Der Import ist derzeit nur eingeschränkt möglich, weil die Pegelstände der Donau sehr niedrig sind und deshalb Dieselschiffe nicht voll beladen werden können. Die Tanklager in den Häfen Linz und auch Korneuburg können nur beschränkt angefahren werden, berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) am Donnerstag.

Es gebe bereits eine klare Minderversorgung, sagte der Geschäftsführer des Welser Tankstellenbetreibers Doppler, Bernd Zierhut, der Zeitung. Der Treibstoff müsse "das erste Mal in meiner Geschichte als Mineralölhändler" vom Mittelmeer mit Tankwagen nach Oberösterreich gebracht werden, so Zierhut. Das erhöht die Transportkosten.

Zierhut geht davon aus, dass diese Mangelversorgung - die auch Heizöl betrifft - und somit höhere Preise in den nächsten Monaten Geschichte sein wird. Heizölkäufern rät er, mit dem Kauf noch zuzuwarten.

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ABB verhandelt über Verkauf der Stromnetz-Sparte

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Zürich/Frankfurt/Hongkong, 16.11.2018

ABB verhandelt über einen Verkauf der Stromnetz-Sparte oder auch nur Teilen davon mit Hitachi und Mitsubishi Electric aus Japan. Das sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. Ein Eingeweihter erklärte, ABB-Chef Ulrich Spiesshofer habe zudem bei einer China-Reise diese Woche mit der Führung von State Grid of China gesprochen.

Gegen die Chinesen spreche allerdings, dass US-Regulatoren wie der US-Ausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS) einem Deal Steine in den Weg legen könnten. Analysten messen Power Grids einen Wert von rund 11 Mrd. Dollar (9,7 Mrd. Euro) zu.

Einem Insider zufolge hofft ABB, bereits Ende kommender Woche einen Abschluss verkünden zu können. Andere mit der Sache vertraute Personen rechnen damit, dass eine Einigung mehr Zeit in Anspruch nehmen dürfte und möglicherweise auch erst im neuen Jahr über die Bühne gehe. Die gegenwärtig bevorzugte Option sei der Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung. Über die Zeit könnte sich ABB dann auch von den restlichen Anteilen trennen.

ABB und Hitachi lehnten eine Stellungnahme ab. Eine Mitsubishi-Sprecherin erklärte, ihre Firma sei nicht von ABB kontaktiert worden. State Grid konnte vorerst nicht erreicht werden.

Angesichts eines über Jahre schleppenden Wachstums und der Kritik des aktivistischen Investors Cevian steht Konzernchef Ulrich Spiesshofer zunehmend unter Druck, bei ABB Veränderungen vorzunehmen. Cevian, mit einem Anteil von rund fünf Prozent der zweitgrößte ABB-Eigner, trommelt bereits seit Jahren für die Abspaltung der Stromnetzsparte. Die Division stellt Produkte wie Transformatoren her, mit deren Hilfe Strom von Kraftwerken verteilt werden kann. Power Grids kam 2017 mit rund 36.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 10,4 Mrd. Dollar, hinkt den anderen Sparten aber bei der Profitabilität hinterher. 2016 kam ABB nach einer einjährigen Prüfung zum Schluss, die Stromnetz-Division zu behalten, weil sie Synergien zum Rest des Geschäfts aufweise. Doch im Juli deutete Spiesshofer erstmals ein Umdenken an: "Unser Portfolio ist nicht in Stein gemeißelt". Zum Umschwung hatte beigetragen, dass ABB wohl einen höheren Preis für das Geschäft erlösen könnte, als vorher.

Im ABB-Verwaltungsrat habe sich die Meinung herausgebildet, dass ein Verkauf der Stromnetz-Sparte Sinn mache, erklärte eine mit der Sache vertraute Person. Für die Vertreter des größten Aktionärs, der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Investor der Familie Wallenberg, sei wichtig, dass ein Käufer gefunden werde, der die langfristige Zukunft des zu einem guten Teil in Schweden angesiedelten Geschäfts sicherstelle.

ABB stellt auch Elektrifizierungsprodukte wie Auto-Stromladesäulen oder Lichtschalter sowie Fabrik-Steuerungssysteme und Roboter her. Weite Teile der Branche befindet sich zur Zeit im Umbruch. Sowohl GE als auch der deutsche Rivale Siemens bauen ihr Geschäft um.

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WWF pocht bei Ökostrom-Ausbau auf Naturverträglichkeit

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Wien, 16.11.2018

Auch der WWF Österreich ist für einen Ausbau Erneuerbarer Energien in Österreich, wie ihn im Sinne der Klima- und Energiestrategie die heimischen Stromerzeuger planen. Dafür verlangt die Umweltorganisation aber strenge Naturverträglichkeits-Checks, damit nicht wie bisher auch ineffiziente Vorhaben auf Kosten der Natur umgesetzt würden.

Die Energiewende müsse möglichst umfassend angelegt werden, indem der Ökostrom-Ausbau von einem Energiespar- und Effizienz-Programm begleitet werde. Die Klima- und Energieziele ließen sich nur mit einem geringeren Energieverbrauch erreichen, betont der WWF. Umweltschädliche Subventionen seien zu stoppen, das Steuer- und Abgabensystem müsse auf Klimaschutz und Energieeffizienz optimiert werden.

Die geplante Reform der Ökostromförderung biete "die einmalige Chance, die Ansprüche an Klimaschutz und Umweltschutz besser als bisher miteinander verbinden", erklärt der WWF Österreich zum Energiegesetz 2020, von dem Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erste Eckpfeiler noch heuer fertig haben will. Im Laufe des Jahres 2019 könnte das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) vom Parlament beschlossen werden.

Österreich brauche mehr sauberen Strom, der mit möglichst wenig Naturverbrauch produziert werde. Nur eine naturverträgliche Energiewende stelle sicher, dass es nicht zu unwiederbringlichen Verlusten bei Biodiversität, Lebensräumen, Bodenflächen und Wasserressourcen komme. Naturverträglich zu 100 Prozent aus Erneuerbaren gedeckt werden könne der Bedarf nur, wenn der Verbrauch bis 2050 halbiert werde - neben der Ökostrom-Förderung. Nur so ließen sich große Verluste an Biodiversität verhindern und die Klimaschutzziele erreichen.

Wasserkraftprojekte sollten nur gefördert werden, wenn der ökologische Gewässerzustand dadurch nicht schlechter wird, keine Schutzgebiete tangiert werden und der Beitrag zum Klimaschutz maßgeblich ist (Leistung über 10 MW). Windkraft sollte nur in ausgewiesenen Eignungszonen gefördert werden, und auch die energetische Nutzung von forstlicher Biomasse sollte einer Naturschutz-Prüfung unterliegen müssen. Vergeben werden sollten Ökostrom-Projekte nur nach dem Bestbieterprinzip, das sowohl die klimapolitische Wirksamkeit als auch ökologische Kriterien berücksichtigt.

Förderungen nach dem "Gießkannenprinzip" sieht der WWF jedenfalls kritisch. Damit würden teils auch ökologisch höchst bedenkliche Anlagen unterstützt. So zeige eine Analyse von 58 geplanten und förderfähigen Wasserkraftwerken, dass zwei Drittel davon in ökologisch wertvollen Gewässerstrecken liegen. Ein Großteil der geförderten Projekte im Wasserkraftbereich weise eine sehr geringe Klimaschutzwirksamkeit auf: Investitionen in Kleinkraftwerke brächten im Schnitt nur 50 kWh pro Euro, Investitionen in mittlere Anlagen dagegen 120 kWh pro Euro.

84 Prozent der Treibhausgasemissionen in Österreich hätten einen direkten Energiebezug - und zwei Drittel des gesamten Energiebedarfs würden immer noch mit klimaschädlicher Kohle, Erdgas und Erdöl gedeckt. Daher müsse eine Dekarbonisierung des Energiesystems auf allen Ebenen forciert werden. Denn laut Statistik Austria habe sich von 2002 bis 2017 die Nutzung fossiler Energieträger in absoluten Zahlen praktisch nicht verändert.

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Verbraucher überschätzen Energiekosten von Smartphones

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München, 15.11.2018

Viele Verbraucher können den Stromverbrauch einzelner Geräte nur schlecht einschätzen. So überschätzen die Deutschen laut einer am Donnerstag vorgestellten Umfrage des Energiekonzerns E.ON die Stromkosten ihres Handys im Schnitt um das 17-fache. Die rund 4.000 Befragten gaben im Durchschnitt an, dass 100 Ladevorgänge rund zehn Euro kosten würden.

Tatsächlich sind es je nach Handy laut E.ONs Berechnungen nur bis zu 60 Cent. Dabei lagen die handyaffinen 18- bis 29-Jährigen in der Umfrage deutlich weiter daneben als die Senioren zwischen 60 und 69. Doch auch von denen schätzten nur 14 Prozent die Ladekosten auf unter einen Euro. Smartphones seien demnach "viel effizienter als die Befragten denken", erklärte E.ON-Geschäftsführer Wolfgang Noetel.

Grundlage für E.ONs Berechnung ist ein Smartphone, das täglich aufgeladen wird und im Jahr 7,5 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht. Für den Strompreis nahm E.ON den Bundesschnitt von 29 Cent je kWh. Dementsprechend kostet das tägliche Laden nur 0,6 Cent. Die Online-Befragung von E.ON gemeinsam mit Statista fand im Herbst statt.

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European Energy Award für Stadt Dornbirn

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Dornbirn, 15.11.2018

Dornbirn hat erneut den „European Energy Award in Gold“ gewonnen. 54 Gemeinden aus ganz Europa wurden heuer mit dem Preis ausgezeichnet. Die Auszeichnung nahm Vizebürgermeister Martin Ruepp, der die Projektgruppe zum Umwelt- und Energieprogramm leitet, entgegen. Der European Energy Award winkt allen Städten und Gemeinden, die am e5- Programm teilnehmen. Die internationale Auszeichnung ist dabei an Vorgaben geknüpft: So müssen Gemeinden mehr als 50 Prozent aller möglichen Energieeffizienz-Maßnahmen umsetzen, die Versorgung mit erneuerbaren Energien gewährleisten sowie zum Klimaschutz beitragen. Werden mehr als 75 Prozent verwirklicht, erhalten Gemeinden den European Energy Award in Gold.

Vorarlberger Nachrichten am 15.11.2018, S. A7
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"Demokratieverträglicher Klimaschutz"

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Linz, 15.11.2018
Beim Forum Econogy an der Uni Linz wurden konkrete Lösungen diskutiert
 
"Wir dürfen keine Luftschlösser bauen, Klimaschutz muss demokratieverträglich sein", sagte der Linzer Ökonom Friedrich Schneider beim Forum Econogy des Energie-Instituts an der JKU Linz.
Dabei sind die Herausforderungen enorm. Die Weltwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel, bei dem das Energiesystem eine entscheidende Rolle spielen muss.

Der gestern, Mittwoch, präsentierte World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigt zwar, dass der Anteil der erneuerbaren Energiequellen steigt, gleichzeitig aber auch der Ausstoß von Treibhausgasen. Der Energiehunger der Welt ist einfach zu groß. Bis 2040 werde die Nachfrage nach Öl weiter steigen. Heuer erreichen auch die CO2-Emissionen einen neuen Höhepunkt. "Es wird immer schwieriger, Licht am Ende des Tunnels zu erkennen", sagte IEA-Generalsekretär Fatih Birol gestern bei Pressegespräch in Wien.

Vom Reden ins Tun kommen

Bei diesem Pressegespräch war auch Verbund-Aufsichtsratschef Gerhard Roiss dabei, der darauf verwies, dass man bei den technischen Innovationen zur Bekämpfung des Klimawandels schon recht weit sei, allerdings hinke man bei den politischen Rahmenbedingungen noch nach. "Die Lage ist sehr ernst. Es wird sehr viel geredet, aber wir müssen endlich ins Tun kommen", sagte der frühere OMV-Generaldirektor.
Was man tun könnte, zeigte Ökonom Schneider mit seinem Kollegen Sebastian Goers von der Abteilung Energiewirtschaft des Energie-Instituts. Die beiden Wissenschafter präsentierten ein Modell einer ökologischen Steuerreform: Eine Erhöhung der Mineralölsteuer und eine Einführung einer CO2-Steuer von 25 Euro pro Tonne. Die 1,4 Milliarden Euro, die diese brächte, würden aber wieder in Form einer Senkung der Lohnnebenkosten, Kompensationstransfers an einkommensschwache Haushalte und zusätzliche Innovationsförderung zur Gänze rückverteilt. 
 
Oberösterreichische Nachrichten am 15.11.2018, S. 9
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Aufgaben für das Gelingen der Energiewende

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15.11.2018
„Konferenz Erneuerbare Energie“: In Velden haben gestern auf Einladung der Kelag Experten über das Thema Energiewende und damit zusammenhängende Herausforderungen diskutiert.
 
Johanna Wögerbauer steht im Casineum in Velden an einem Riesentablet und fasst die wesentlichen Punkte der Vortragenden auf der Bühne grafisch zusammen. Graphic Recording nennt sich diese Form der Illustration, die gestern auch bei der „Konferenz Erneuerbare Energie Kärnten“ des Energieversorgers Kelag zum Einsatz gekommen ist, die von Ernst Sittinger, Mitglied der Chefredaktion der Kleinen Zeitung, moderiert wurde. Die Illustrationen von Wögerbauer finden sich auf der Homepage der Kelag. Thema der Energiekonferenz: „Woran die Energiewende scheitern wird und wie sie dennoch gelingt.“
Gelingen soll die Energiewende bis 2030. Die fossilen Bausteine sollen als CO2-Emittenten aus der Energieversorgung verbannt werden. Die Frage, die sich aber auch bei der Energiekonferenz gestellt hat, ist, inwieweit der großflächige Um- und Ausbau auch tatsächlich technisch umsetzbar ist. Denn schon beim Netz, so Gerhard Christiner, Vorstandsmitglied der Austrian Power Grid AG, würden sich „die Geister scheiden“. Das System sei im Wandel und erneuerbare Energien müssten ausgebaut werden. Das Produkt Strom sei derzeit aber noch nicht in der Dimension speicherbar, wie man es brauchen würde. Das Fehlen entsprechender Netzinfrastruktur koste 2018 130 Millionen Euro, rechnet Christiner vor. Bei zusätzlichem Strombedarf beispielsweise könnte günstiger Strom in Deutschland eingekauft werden, wo derzeit immer wieder Energieüberschüsse vorhanden seien. „Das können wir aber nicht, weil die Netzkapazitäten fehlen. Und um den Strombedarf trotzdem abdecken zu können, müssen wir die thermischen Kraftwerke hochfahren“, so Christiner.

Auch das Thema Versorgungssicherheit sei ein wesentliches, sagt Andreas Eigenbauer, Vorstandsmitglied bei der E-Control. „Es ist heute so, dass auch bei einem normalen Winter die Selbstversorgungsfähigkeit bei Energie nicht mehr gegeben ist“, so der Experte. Verschlimmern werde sich die Situation dann 2030, wenn die thermischen Kraftwerke wegfallen. „Die Kunden wollen jederzeit Strom beziehen, sich keine Gedanken über Reichweiten beim Autofahren machen, die Preise sollen niedrig und der Strom grün sein“, fasst Irene Knauber von der deutschen Energiedienst Holding AG.

Wind und Fotovoltaik – das sind die großen Themen der Zukunft. Und viele haben schon Fotovoltaikanlagen zu Hause und speisen bei überschüssigen Kontingenten Strom ins Netz ein. Überschüsse würden aber auch Probleme verursachen, so Christiner. Ein Problem im Rahmen der Energiewende sieht Manfred Freitag, Vorstand der Kelag, in der Dauer der Genehmigungsverfahren, die sich zum Teil über Jahre ziehen würden. „Wenn die Energiewende gelingen soll, wird es sehr viel Engagement und Commitment aller brauchen“, sagt Christiner.
 
 
von Astrid Jäger
 
Kleine Zeitung am 15.11.2018, S. 30-31
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Ernstfall-Test: Regierung evakuiert

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15.11.2018
Drei Tage lang übten 120 Einsatzkräfte in Kärnten für einen möglichen „Blackout“. Jetzt werden Notfallpläne angepasst.
 
Gestern ging das Licht im Amt der Kärntner Landesregierung in Klagenfurt aus, der Hausalarm schrillte und die Mitarbeiter mussten das Haus verlassen. Das Szenario war Teil der Katastrophenschutzübung „Combined Success 2018“, die von Dienstag bis einschließlich heute in Kärnten abgehalten wird.
Übungsannahme ist ein europaweiter, längerfristiger „Blackout“ – also ein Zusammenbruch der Stromversorgung im Krisenfall. Insgesamt nahmen fast 120 Personen in den Bezirken St. Veit, Wolfsberg und Klagenfurt-Land sowie in der Landeshauptstadt teil. „Wir wollen für einen Ernstfall so gut wie möglich vorbereitet und abgestimmt sein. Experten zufolge ist es nämlich nicht die Frage ob, sondern wann es in Europa zu einem größeren Blackout kommen wird“, sagte Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ). Neben Landesregierung, Bezirkshauptmannschaften und Magistrat waren Experten von Kelag/Kärnten Netz GmbH, Stadtwerke Klagenfurt, Energielenkungsbeirat, Kabeg, ÖBB Infrastruktur AG, Sozialhilfeverband Klagenfurt-Land, Apothekerkammer, Zivilschutzverband, Bundesheer, Polizei, Rotem Kreuz, Feuerwehr und auch der Lebensmittelhandel beteiligt.

Besonders wichtig sei, dass alle Organisationen gut zusammenspielen, so Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ): „Ich danke auch dem Landespressedienst und den Kärntner Medien, die im Rahmen dieser Übung ein Pilotprojekt zur Information der Bevölkerung gestartet haben.“ Hauptziel von „Combined Success“ ist es, die Alarm- und Notfallpläne zu überprüfen. Wie gut alles geklappt hat, wird daher heute evaluiert. Mit der Evakuierung der Landesregierung zeigten sich Sicherheitsbeauftragter Christian Perterer und Landesamtsdirektor Dieter Platzer auf jeden Fall bis auf ein paar technische Kleinigkeiten zufrieden: „Die Mitarbeiter haben ruhig das Gebäude verlassen.“ Auch die Notstromversorgung durch die Kärnten Netz GmbH habe funktioniert, sagte Kärntens Katastrophenschutzbeauftragter Markus Hudobnik. Im kommenden Jahr werde die Übung im Westen Kärntens fortgesetzt. Der Bevölkerung rät Hudobnik, Vorräte anzulegen (siehe Kasten rechts): „Und man sollte auch die Nachbarschaftshilfe nicht vergessen.“
 
 
von Karin Hautzenberger
 
Kleine Zeitung am 15.11.2018, S. 20-21
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"Ökostrom allein rettet Klima nicht"

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15.11.2018
Internationale Energieagentur.-Emissionen steigen auf Rekordniveau
 
Es sind alarmierende Daten, die die Internationale Energieagentur (IEA) am Mittwoch in Wien präsentierte: Trotz rasanten globalen Ausbaus der erneuerbaren Energien steigen die klimaschädlichen -Emissionen heuer auf ein Rekordniveau. Für das Erreichen der Pariser Klimaziele sieht Fatih Birol, Chef der IEA, schwarz.

"Ja, der Anteil des klimafreundlichen Ökostroms steigt Jahr für Jahr. Aber leider steigen auch die -Emissionen. Mit Wind und Sonne allein kann man das Klima nicht retten", betont er. Natürlich sei der Ausbau von Photovoltaik beeindruckend. Die Sonnenstromproduktion wachse weltweit vier Mal so stark wie die gesamte Stromnachfrage. Aber gleichzeitig würden eben auch Kohlekraftwerke gebaut. Birol sieht das Problem vor allem in Asien. Dort seien in den vergangenen elf Jahren enorm viele Kohleblöcke errichtet worden. Ihre Emissionen seien Gift für das Klima.

Was tun? "Am besten wäre, wir würden 25 Jahre lang gar keine neuen Kraftwerke und Industrien mehr bauen, also in eine Art ökonomischen Winterschlaf verfallen", meint Birol augenzwinkernd.
Realistisch wäre aber, den Asiaten zu helfen, ihre Kohlekraftwerke emissionsärmer zu machen. "Das brächte viel. Denn diese Kraftwerke sind im Gegensatz zu den europäischen Kohleblöcken noch jung und werden Jahrzehnte in Betrieb sein", betont Birol.

Der Energiehunger Asiens werde weltweit zu einer enormen Herausforderung für die Politik, aber auch für die Preise, die Versorgungssicherheit und die Umwelt.

Ansatzpunkt Nummer zwei sei die Steigerung der Energieeffizienz, sprich: Energiesparen. Das müsse vor allem von den Industriebetrieben verlangt werden. Sie zählten neben den Kraftwerken weltweit zu den großen Emittenten von . Würden all diese Bemühungen in die Tat umgesetzt, dürfte die globale Energienachfrage bis 2040 noch immer um ein Viertel zunehmen. Dazu tragen die asiatischen Volkswirtschaften kräftig bei. Für Indien etwa prognostiziert die IEA eine Verdoppelung des Energieverbrauchs bis 2040.

Erdöl bleibt wichtig Auch wenn China in jüngster Zeit massiv in Wind- und Sonnenenergie investiert, werde der Ölbedarf der Welt weiter wachsen, ist Birol überzeugt. Daran würde sogar ein Verhundertfachen der E-Autos auf der Welt nichts ändern. "Lkw, Flugzeuge, Schiffe und Petrochemie treiben den Ölbedarf an", sagt Birol.
 
Der globale Ölmarkt aber wandle sich grundlegend. Die USA seien mit dem Schieferöl zu einer Erdöl-Weltmacht aufgestiegen. Das verschiebe das regionale Ölangebot massiv. Für die Ölpreise sagt Birol anhaltende Schwankungen voraus. Der Ölmarkt werde viel enger als zuletzt an politischen Entwicklungen hängen und mit ihm würden die Preise kräftig schwanken.

Europa aber rücke weg vom Öl. Vieles, was am Öl hänge, werde durch Strom ersetzt. Die IEA erwartet daher für die nächsten Jahre eine deutliche Zunahme des Stromverbrauchs. Der Anteil des Stroms am globalen Gesamtenergieverbrauch beträgt nur ein Fünftel. I. kischko
 
 
Kurier am 15.11.2018, S. 10
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Tempo 140 - Hofer sucht weitere Teststrecken

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Wien, 15.11.2018

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) und die Asfinag haben am Donnerstag eine aus ihrer Sicht positive Zwischenbilanz über den Tempo-140-Test auf der Westautobahn (A1) gezogen und wollen weitere Probestrecken definieren. Das Durchschnittstempo legte je nach Witterung und Tageszeit um bis zu vier km/h zu. Auch der Anstieg der Emissionen sei daher "gering", sagte Asfinag-Geschäftsführer Josef Fiala.

Für die Erhebungen wurden externe Gutachter beauftragt, erläuterte Fiala bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Ergebnisse zeigen nach dreieinhalb Monaten Probelauf, dass das seit 1. August im Mittel gefahrene Tempo zwischen Melk und Oed in Niederösterreich um zwei bis vier km/h und zwischen Haid und Sattledt in Oberösterreich um drei bis vier km/h zugenommen hat. "Das heißt die faktische Geschwindigkeitsänderung ist gering", betonte der Asfinag-Geschäftsführer. "Weiters ist es so, dass auch nach Verordnung des 140ers auf dem dritten Fahrstreifen mehr als 95 Prozent weniger als 146 km/h fahren, auf dem zweiten Fahrstreifen 95 Prozent weniger als 137 km/h und 95 Prozent am ersten Fahrstreifen weniger als 135 km/h", erläuterte Fiala.

"Das, was wir gemacht haben, entspricht der Realität", sagte Hofer. "Wir bilden das ab, was die Leute tun. Die Geschwindigkeit ist bereits vorher etwas höher als 130 km/h gewesen", betonte der Minister. Kritiker hätten befürchtet, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit um zehn km/h steigen würde. "Es ist klar nachweisbar, dass dem nicht so ist." Es gebe auch nicht noch mehr Raser, hielt Hofer fest.

Der Schadstoffausstoß von Kohlendioxid (CO2) und Stickoxiden (NOx) legte bei Messungen am Auspuff von zehn auf die Teststrecken geschickten Fahrzeugen um ein bzw. zwei Prozent zu. "Hier ist es so, dass aufgrund der geringen Geschwindigkeitsänderung entsprechend gering die Änderungen bei den Emissionen sind", erläuterte Fiala. Bei den Messstationen an der Autobahn bei Amstetten und Allhaming sei auch beim Feinstaub "keine markante Änderung" festgestellt worden.

In Sachen Lärmauswirkungen durch Tempo 140 gibt es laut Fiala "noch gewisse Messunsicherheiten". Weitere Erhebungen seien notwendig. "Wir bewegen uns derzeit bei einem Messergebnis von 0,6 Dezibel mehr", gab der Asfinag-Geschäftsführer bekannt. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ging auf der Teststrecke in Niederösterreich verglichen mit den selben Zeiträumen der beiden Vorjahre von 17 auf sechs zurück, in Oberösterreich blieb sie in etwa gleich. Bei keinem der Unglücke wurde ein Zusammenhang mit der Geschwindigkeitserhöhung nachgewiesen, sagte Fiala.

Hofer kündigte die Suche nach weiteren Teststrecken für Tempo 140 in den kommenden Monaten an. Er wolle etwa wissen: "Wie sieht es auf einer zweispurigen und auf einer vierspurigen Strecke aus?" Konkret infrage kommende Regionen konnte Hofer noch nicht nennen.

Kritik kam vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). "Tempo 140 führt zu mehr Emissionen. Um das Klimaziel zu erreichen, braucht es aber das genaue Gegenteil davon, einen deutlichen Rückgang der Treibhausgase", betonte VCÖ-Experte Markus Gansterer in einer Aussendung. Die Zunahme um ein Prozent CO2 und zwei Prozent NOx sei angesichts der Tatsache, dass Österreich die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs um ein Drittel reduzieren muss, zu viel. Dass jeder 20. Lenker schneller als 146 km/h fährt, zeige außerdem, "dass es verstärkte Tempokontrollen auf den Autobahnen braucht".

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NGO-Allianz rief vor UN-Klimagipfel zu mutigen Schritten auf

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Wien/Katowice (Kattowitz), 15.11.2018

Bevor Anfang Dezember in Polen der UN-Klimagipfel beginnt, hat die österreichische Allianz für Klimagerechtigkeit, eine Plattform von 25 NGOs, die Verantwortlichen zu mutigen Schritten aufgerufen. Das "Rulebook" zur Ausgestaltung des Pariser Abkommens "werde die Zustimmung aller Staaten nur erhalten, wenn für ärmere Länder eine Planbarkeit besteht", sagte deren Sprecher Martin Krenn am Donnerstag.

Bei der von 3. bis 14. Dezember in Kattowitz stattfindenden Konferenz COP24 werde das Thema Finanzen ein Türöffner sein, führte Krenn bei einer Pressekonferenz in Wien aus. Pablo Solon, Direktor der bolivianischen NGO Fundacion Solon, betonte die Bedrohung Amazoniens, "der Lunge der Erde", und die Notwendigkeit eines raschen Handelns gegen die Klimaerwärmung: "Wir haben kaum mehr als eine Dekade Zeit, denn der Klimawandel wird nicht erst unsere Kinder und Enkel betreffen, sondern uns selbst", warnte er und wies auf neue rechtsgerichtete Regierungen hin, die die Vision von US-Präsident Donald Trump teilen würden. In Brasilien wurde Ende Oktober der Rechtspopulist Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten gewählt, der wie dieser den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag plant.

Für Solon reicht aber selbst das in Paris Beschlossene nicht aus, denn der Vertrag habe nicht die Mechanismen eingebaut, die dazu führen, dass die Anstrengungen verstärkt werden. Eine Haltung, die auch Global 2000 teilt: "Es ist klar, das nachgebessert werden muss", sagte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000. Was die geplante CO2-Reduktion der EU betrifft, so brauche es bis 2030 mindestens ein Minus von 60 Prozent und nicht die jetzt anvisierten 40. Aber wenn man sich den jetzigen Trend anschaue, dann stiegen die CO2-Emissionen in den nächsten Jahren sogar noch.

Der Bericht des Weltklimarats IPCC vom Oktober zur geplanten Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad sei Hoffnung und Warnung, sagte Wahlmüller weiter. Warnung deswegen, weil er zeige, was passiert, wenn man das Ziel nicht erreicht. Entwickelte Staaten wie jene der EU müssen seiner Meinung nach voran gehen und Österreich, das während der COP24 noch den EU-Vorsitz führt, habe eine besondere Verantwortung. "Es geht darum, was man in den nächsten zehn Jahren tut", so der Klimasprecher.

Ebenfalls an Österreich ging die Forderung von Barbara Busch vom Roten Kreuz, nämlich bezüglich des Einsatzes für eine Stärkung der Zahlungen für Klimaschutz- und Klimaanpassung an die Länder in den ärmsten Regionen der Welt. Österreich solle die Finanzierung erhöhen, um die in Paris ausverhandelten 100 Milliarden Dollar jährlich ab dem Jahr 2020 bis 2025 zu erreichen, und das Geld solle lokalen Akteuren zur Verfügung stehen. Diese Summe sei aber gegenwärtig nicht erreicht, ergänzte Allianz-Sprecher Krenn. Es brauche eine mehrjährige finanzielle Planbarkeit für die Entwicklungsländer, es solle nach 2025 ja noch eine Steigerung geben. "Die COP24 muss ein Regelwerk ergeben, es müssen sich alle Staaten bewegen. Wir erwarten von der EU und von Österreich, dass man dort mit Mut Schritte macht, wo andere zögern", schloss Krenn.

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Kohlekommission für Kraftwerks-Aus mit Entschädigungen

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Berlin, 15.11.2018

Die Kohlekommission der deutschen Regierung empfiehlt in einem ersten Entwurf eine Abschaltung erster Kohlekraftwerke in den nächsten vier Jahren im Konsens mit der Industrie.

"Um ein rechtssicheres Vorgehen und wirksame klimapolitische Auswirkungen zu gewährleisten, empfiehlt die Kommission bis 2022 im Ergebnis Stilllegungen, die im Einvernehmen mit den jeweiligen Kraftwerksbetreibern erfolgen", heißt es im Entwurf einer Arbeitsgruppe der Kommission, der der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag.

"Die Kommission empfiehlt zur Umsetzung eine einvernehmliche Vereinbarung möglichst auf vertraglicher Grundlage mit den Betreibern...", heißt es weiter. Die Vereinbarung solle auch Regelungen "über mögliche Entschädigungsleistungen für die Betreiber als auch Regelungen über die sozialverträgliche Gestaltung des Ausstiegs enthalten".

"Für die Finanzierung der empfohlenen Maßnahmen sind die notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen. Eine Umlage auf den Strompreis erfolgt nicht", heißt es weiter. Der Entwurf enthält noch keine Zahlen, wie viele Kraftwerke für den Klimaschutz in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2022 abgeschaltet werden sollen. Die gesamte Kommission will sich damit am Freitag befassen und den Entwurf diskutieren.

Die Arbeitsgruppe für das Papier bestand aus sechs Mitgliedern der Kommission, die sowohl Wirtschaft als auch Arbeitnehmervertreter und Umweltschützer einschloss. Die Kommission soll ihren Abschlussbericht inklusive eines Enddatums für den letzten Kohlemeiler bis Ende des Jahres vorlegen.

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Linde AG geht mit Rückenwind in die Fusion mit Praxair

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München, 15.11.2018

Der Münchner Industriegaskonzern Linde geht mit breiter Brust in die Fusion mit dem US-Rivalen Praxair. Umsatz und Gewinn lägen in diesem Jahr voraussichtlich am oberen Rand der Planungen, teilte das Unternehmen mit.

Der Umsatz würde damit - um Währungseffekte und die Folgen der neuen Bilanzierungsvorschriften bereinigt - 2018 um rund vier Prozent zulegen, das operative Konzernergebnis wechselkursbereinigt um bis zu fünf Prozent. Das gilt auch für die dominierende Gase-Sparte. Im Anlagenbau, den der US-Fusionspartner vorübergehend zur Disposition gestellt hatte, läuft es ebenfalls besser als gedacht: Der Umsatz soll 2,6 Mrd. Euro erreichen, die operative Umsatzrendite werde mit zehn Prozent höher ausfallen als bisher geplant.

Die Geschäftszahlen für das Gesamtjahr wird der fusionierte Konzern allerdings schon als Linde plc vorlegen. In der irischen Gesellschaft, die unter Führung des bisherigen Praxair-Vorstands aus den USA heraus geführt werden soll, sind zum 1. November die deutsche Linde AG und Praxair aufgegangen. Operativ müssen die Unternehmen aber noch so lange getrennt geführt werden, bis alle Auflagen der US-Kartellbehörde FTC erfüllt sind. Die Linde AG muss sich von fast ihrem gesamten Geschäft in den USA trennen. Weltweit dürften die Fusionspartner Firmenteile mit Umsätzen von insgesamt rund vier Milliarden Euro abgeben müssen.

In den ersten neun Monaten kam Linde allein auf einen Umsatz von 13,05 Mrd. Euro, währungsbereinigt war das ein Plus von fast fünf Prozent. In Euro lag der Umsatz aber zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis verbesserte sich, Währungseffekte herausgerechnet, um neun Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. Dazu habe auch das Sparprogramm "Lift" beigetragen, das Linde noch vor der Fusion aufgelegt hatte.

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"Brauchen viel mehr Speicher"

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14.11.2018

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber über Wassermangel und die Pläne für eine massiv steigende Stromproduktion.

INTERVIEW
Die Trockenheit im Osten Österreichs ist heuer extrem, der Verbund spürt das bereits bei der geringeren Stromerzeugung. Geht uns bald das Wasser aus?


WOLFGANG ANZENGRUBER: Diese Trockenheit ist nicht etwas, das wir noch nie gesehen hätten. Im Moment liegen wir bei der Gesamtwasserführung um vier Prozentpunkte unter dem langjährigen 30-Jahre-Schnitt, bei einer Schwankungsbreite von fünf Prozent ist das noch im Rahmen. Aber dass sich das Klima ändert, ist inzwischen jedem klar. Wir sehen seit Längerem eine ziemlich konstante Menge im Gesamtjahr bei einer viel stärkeren Saisonalität. Dieser Sommer ist klar am unteren Level unserer Aufzeichnungen.


Was sind die Konsequenzen?


Wir werden viel mehr Speicher brauchen und aufpassen müssen, dass es nicht zu höheren Wasserentnahmen durch die vom Klimawandel betroffene Landwirtschaft kommt.
Die Regierung muss ihre Klimastrategie 2030 in Kürze gegenüber der EU konkret mit Leben füllen. Noch heuer soll das Ausbaugesetz für erneuerbare Energien kommen. Was erwarten Sie?


Spannend ist das Thema Energiespeicherung in Form von Batterien oder Wasserstoff. Wird das ein freies Marktsystem oder reguliert? Ich bin immer für Markt, technologieneutral sollte der Rahmen auch sein.


Österreich wird künftig enorm viel mehr Strom produzieren müssen. Was bringt schnell die größten Effekte?


Wenn wir rund 30 zusätzliche Terawattstunden brauchen, müssen wir die Schlagzahl verdreifachen, in den vergangenen zwölf Jahren haben wir neun Terawattstunden plus geschafft. Wir werden also alles brauchen, was möglich ist. Zum Beispiel sollte kein neues Haus mehr ohne Fotovoltaikanlage gebaut werden. Erneuerbare Energie ist aber kein Selbstzweck. Wir sollten noch viel mehr von konsumiertem CO2 reden.

 

von Claudia Haase
 

 

 

 

Kleine Zeitung am 14.11.2018, S. 33
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Gas überholt Kohle 2030 im weltweiten Ranking

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London, 14.11.2018

Internationale Energieagentur sieht Energiehunger global um gut ein Viertel steigen

Die Energiebranche steht nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) vor dem dramatischsten Wandel ihrer Geschichte. Die globale Energienachfrage steigt weiter stark und ohne breitflächigen Einsatz energieeffizienter Technologien sogar noch deutlich mehr, vor allem in Asien. Und: Kohle verliert in absehbarer Zeit die über Jahrzehnte unverrückbar scheinende Position als weltweit zweitwichtigster Energieträger nach Öl. An ihre Stelle tritt zunehmend Erdgas.
Dies geht aus dem am Montag in London vorgestellten World Energy Outlook hervor, der oft auch als „die Bibel der Energiebranche“ bezeichnet wird. In dem 662 Seiten starken Bericht verweisen die IEA-Experten auf verstärkte Bemühungen der Staatengemeinschaft, die Luftverschmutzung zurückzudrängen. Das sei der Hauptgrund, warum Kohle an Bedeutung verliere. Beim Verbrennen emittiert sowohl Stein- als auch Braunkohle deutlich mehr klimaschädliches CO2 als andere Energieträger.


Die in Paris ansässige IEA sieht den Höhepunkt des weltweiten Kohleverbrauchs bereits 2014 erreicht. Selbst in China, dem Kohleland Nummer eins, sinke die Nachfrage nach dem fossilen Energieträger bis 2040 um 15 Prozent. Aber auch Europa (minus 65 Prozent) und die USA (minus 30 Prozent) arbeiteten auf eine Zukunft ohne Kohle hin.


Erdgas hingegen wird dank der deutlich niedrigeren Emissionswerte immer öfter alternativ zur Kohle eingesetzt und wird diese laut IEA längstens 2030 global als zweitwichtigste Energiequelle ablösen. Dagegen werde der Ölbedarf durch Elektromobilität und effiziente Treibstofftechnologie in den kommenden 20 Jahren stärker sinken als bisher erwartet. Bis 2040 rechnet die IEA mit rund 300 Millionen Elektroautos auf den Straßen.


Im Bereich erneuerbare Energien sind die Experten aus Paris deutlich optimistischer als einige ihrer Kollegen. 45 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs sollen ihnen zufolge 2040 schon durch erneuerbare Quellen gedeckt werden. Zum Vergleich: Die Experten des BP Energy Outlook rechnen im selben Zeitraum mit 25 Prozent grünem Anteil am Gesamtenergieverbrauch.
Insgesamt wird der Energiehunger nicht zuletzt aufgrund des Bevölkerungswachstums stark zulegen – um mehr als 25 Prozent bis 2040. Ohne Einsatz energieeffizienter Technologien könnte sich der Energiebedarf bis dorthin sogar verdoppeln.

Der Standard am 14.11.2018, S. 19
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Nächste Woche Kick-off für drei Energie-Vorzeigeregionen

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Wien, 14.11.2018

Kommende Woche erfolgt in Wien die Auftaktveranstaltung der drei heimischen Vorzeigeregionen für Energie, die im Rahmen einer Forschungs-, Technologie- und Innovationsoffensive zur Klima- und Energiestrategie definiert worden sind. Die FTI-Initiative soll mit innovativen Energietechnologien aus Österreich Musterlösungen für zukunftsweisende Energie- und Verkehrssysteme entwickeln.

Die Kick-off-Veranstaltung ist für 21. November im Rahmen der diesjährigen SET-Plan-Konferenz ("Strategischer Energie Technologie Plan") in Wien vorgesehen, die schon am 20. November beginnt. Dort soll zwei Tage lang diskutiert werden, wie Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der Industrie sowie F&E die Energiewende in Europa vorantreiben können. Die bereits 11. SET-Plan-Konferenz findet im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes in der Messe Wien statt. Organisiert wird sie vom AIT Austrian Institute of Technology unter Schirmherrschaft der Ministerien für Nachhaltigkeit und Verkehr sowie der EU-Kommission. Der Klima- und Energiefonds (KliEn) investiert bis 2021 in diese FTI-Initiative 120 Mio. Euro, aus Mitteln des Infrastrukturministeriums.

Die drei Vorzeigeregionen sind: "Green Energy Lab" als Testgebiet für das künftige Energiesystem mit signifikant hohem Anteil an erneuerbaren Energien (Burgenland, NÖ, Steiermark, Wien); "New Energy for Industry" für eine 100-prozentig erneuerbare Energieversorgung von Industriestandorten als Innovationsverbund aus Wissenschaft, Technologieanbietern und Unternehmen (OÖ, Salzburg, Steiermark); sowie drittens die bundesweit angelegte "Wasserstoffinitiative Vorzeigeregion Austria Power & Gas" (WIVA P&G), die die Umstellung der Volkswirtschaft auf ein stark wasserstoffbasiertes Energiesystem demonstrieren soll.

In der Konferenz würden Theorie und Praxis zusammengeführt, denn ohne innovative Technologien ließen sich die ambitionierten Klima- und Energieziele für 2030 und eine endgültige Beendigung des fossilen Zeitalters nicht erreichen, erklärte die für Energie und Umwelt zuständige Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Mittwoch.

Saubere Energie- und Mobilitätstechnologien zählten global gesehen zu den größten Wachstumsmärkten des 21. Jahrhunderts - und nur eine starke Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft ermögliche es, diesen Weg erfolgreich zu gehen und die Strategie für 2030 umzusetzen, so Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) in einer Aussendung.

https://www.vorzeigeregion-energie.at/

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IEA-Chef: Wir sind noch nicht am Ende des Erdöl-Zeitalters

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Wien/Paris, 14.11.2018

Obwohl der Anteil der Erneuerbaren Energien steigt, ist es noch zu früh das Ende des Ölzeitalters auszurufen, sagt der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol. Der Ölverbrauch wird in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen und die weltweiten CO2-Emissionen erreichen heuer ein neues Rekordhoch. "Es wird immer schwieriger, Licht am Ende des Tunnels zu erkennen", sagt Birol.

"Wir sehen die Ölnachfrage kontinuierlich weiter wachsen", sagte Birol am Mittwoch bei der Präsentation des diesjährigen "World Energy Outlook" der IEA in Wien. "In vielen Ländern gibt es die irrige Annahme, dass die Zunahme der Elektroautos das Ende von Öl bedeutet. Das ist völlig falsch, weil die Zunahme der Ölnachfrage nicht von den Pkw stammt, sondern von Lastautos, Schiffen, Flugzeugen und vor allem von der Petrochemie-Industrie", erklärte Birol. Der Ölpreis werde in den nächsten Monaten sehr volatil sein, auch weil die Verflechtung der Energiemärkte mit der Geopolitik enger und komplexer werde.

Was die Erreichung der Pariser Klimaziele angeht, sieht der Energieexperte schwarz. "Ja, der Anteil der Erneuerbaren steigt jedes Jahr, aber das tun auch die CO2-Emissionen. Nur mit Wind- und Sonnenenergie kann man die Zunahme der Emissionen nicht stoppen." Die IEA hat für ihren aktuellen Bericht berechnet, wie viel CO2 alle bestehenden Kraftwerke, Fabriken, Gebäude und Fahrzeuge in den nächsten 25 Jahren ausstoßen werden. "Das Ergebnis ist sehr, sehr alarmierend. Die CO2-Emissionen werden in den nächsten 25 Jahren genau so hoch sein, wie es nach den Pariser Klimazielen zulässig ist. Das bedeutet, wir dürfen nichts Neues bauen. Das ist natürlich nicht realistisch."

Daher sei auch die Verbesserung der bestehenden Infrastruktur notwendig. "Die größten CO2-Emittenten sind heute die Kohlekraftwerke in Asien, mit einer Leistung von knapp 2.000 Gigawatt." Diese sollte man mit neuester Technik aufrüsten oder Anreize schaffen um sie vorzeitig stillzulegen. Allerdings werde ein Unternehmen, das Geld in so ein Kraftwerk investiert habe, es nicht wieder vom Netz nehmen, bevor das Geld zurückverdient sei, nur weil das in Brüssel, Paris oder Wien so gewünscht werde. "Und sie haben recht. Warum sollten die indischen oder indonesischen Verbraucher leiden?" Viel Spielraum für Effizienzsteigerungen gebe es auch in der Industrie, insbesondere in der Schwerindustrie.

Auch Atomenergie könne ein Teil der Lösung sein, sagte Birol. China bremse seine Emissionen auch durch den Einsatz von Atomenergie. "Natürlich müssen wir auch darauf achten, was die Bürger in den einzelnen Ländern wollen." So gebe es auf der Welt zwei völlig entgegengesetzte Trends: In den USA, Europa und in Japan würden keine neuen Atomkraftwerke gebaut, in China, Russland oder Indien hingegen eines nach dem anderen.

Darüber hinaus setze China auch stark auf den Einsatz von Erdgas statt Kohle, weshalb Gas heute der am stärksten wachsende Energieträger sei. "Das Motiv dort ist zwar nicht der Klimawandel, sondern die Luftverschmutzung in den Städten, dennoch trägt es zur Reduktion der Emissionen bei."

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber sieht im stärkeren Einsatz von Strom aus erneuerbaren Quellen "viel Substitutionskraft für fossile Energieträger". Dafür gebe es mehrere technologische Zugänge, vor allem Speicher. Hier befinde sich Österreich mit den Pumpspeichern in einer sehr guten Situation, aber man werde auch Batterien oder die Energiespeicherung in Form von Power to Gas brauchen. Helfen werde auch die Digitalisierung bei der Ausbalancierung von Erzeugung und Verbrauch. Aufholbedarf bestehe bei der Infrastruktur.

Nach Ansicht von Verbund-Aufsichtsratschef Gerhard Roiss ist man bei der technischen Innovation zur Bekämpfung des Klimawandels schon recht weit, auch wenn zwischen einer Idee und deren Umsetzung ein Jahrzehnt vergehen könne. Allerdings hinke man bei der "social innovation" noch nach, also bei den politischen Rahmenbedingungen. "Die Lage ist sehr ernst. Es wird sehr viel geredet, aber wir müssen endlich ins Tun kommen", sagte Roiss, ehemals OMV-Chef.

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Italien prüft Verkauf von Eni-Staatsanteilen

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Rom, 14.11.2018

Italiens Finanzministerium prüft Insidern zufolge den Verkauf von Staatsbeteiligungen an die staatliche Bank CDP. Dabei gehe es um 3,3 Prozent am Ölkonzern Eni sowie 53,3 Prozent an der Flugsicherung Enav, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch. Die Beteiligungen sind fast 3 Mrd. Euro wert. Finanzministerium und CDP waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Italiens Regierung hält in ihrem jüngsten Haushaltentwurf an dem von der EU-Kommission abgelehnten Defizitziel fest, will aber den Schuldenberg reduzieren. Dazu setzt sie auf Privatisierungen und will ein Prozent der Wirtschaftsleistung durch den Verkauf von Staatsbeteiligungen einnehmen.

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E.ON nach Zuwächsen optimistischer für das Gesamtjahr

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Düsseldorf, 14.11.2018

Der deutsche Energiekonzern E.ON blickt nach den ersten neun Monaten zuversichtlicher auf die Geschäftsentwicklung im Gesamtjahr. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei in den ersten neun Monaten um 11 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro gestiegen, teilte der Versorger am Mittwoch mit. Analysten hatten nur mit 2,24 Milliarden gerechnet.

E.ON erwarte für das Geschäftsjahr 2018 weiterhin ein bereinigtes Konzern-EBIT im Bereich von 2,8 bis 3,0 Mrd. Euro. Beim bereinigten Konzernüberschuss sollten es 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro sein. "Für beide Ergebnisgrößen erwartet E.ON nun einen Wert in der oberen Hälfte der jeweiligen Bandbreite."

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E.ONs Stärke beim Ökostrom weckt Vorfreude bei RWE

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Düsseldorf, 14.11.2018

Die deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE treiben mit unterschiedlichen Vorzeichen die Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy voran. Während E.ON in den ersten neun Monaten seinen Gewinn steigern konnte, musste RWE Einbußen hinnehmen.

E.ON hob am Mittwoch sogar den Ausblick für 2018 auf die obere Hälfte der Bandbreite an. Allerdings profitierte der Versorger dabei auch von höheren Gewinnen im Ökostromgeschäft - und das soll im Zuge der geplanten Innogy-Aufspaltung an RWE gehen. Im britischen Vertriebsgeschäft, das bei E.ON bleibt, läuft es hingegen nicht rund.

"Natürlich löst die Aussicht, dass die Erneuerbaren zu uns kommen und wir damit den Konzern deutlich umbauen bei uns Vorfreude aus", sagte RWE-Finanzchef Markus Krebber. Diese Freude sei aber schon vorher da gewesen und nicht abhängig von den nun vorgelegten Ergebnissen. Die Transaktion mit E.ON schreite gut voran. E.ON soll dabei das Vertriebs- und Netzgeschäft von Innogy übernehmen und RWE das Ökostromgeschäft der Tochter und das von E.ON. Außerdem erhält RWE ein Aktienpaket von knapp 17 Prozent.

Schon bei der Bekanntgabe der Pläne im März hatte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz frohlockt: "Sie glauben nicht, was ich mich schon jetzt über die Kurssteigerungen freue. Da leuchten bei mir jetzt schon die Dollar-Zeichen in den Augen." Der bisher stark kohlelastige RWE-Konzern will sich mit der Übernahme zum drittgrößten Ökostromerzeuger in Europa wandeln. Im bisherigen Geschäft schrumpfte in den ersten neun Monaten der operative Gewinn um 400 Mio. Euro auf 1,3 Mrd. Euro. Ursache hierfür waren unter anderem niedrigere Strom-Großhandelspreise und die Stilllegung des Atomkraftwerks Gundremmingen B. Die Zahlen waren jedoch im Rahmen der Erwartungen. Die Aktie legte zeitweise um mehr als zwei Prozent zu, bestätigte RWE doch auch die Prognosen für 2018 und die Zusage, die ordentliche Dividende auf 70 von zuletzt 50 Cent je Aktie anzuheben.

E.ON-Papiere kletterten sogar um fast vier Prozent. Der Versorger steigerte von Jänner bis Ende September den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 11 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro. Damit übertraf der Versorger die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten, die im Schnitt mit gut 2,2 Mrd. Euro gerechnet hatte. E.ON erwartet für das Geschäftsjahr 2018 weiterhin einen operativen Gewinn im Bereich von 2,8 bis 3,0 Mrd. Euro. Beim bereinigten Konzernüberschuss sollten es 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro sein, sagte Finanzchef Marc Spieker. "Für beide Ergebnisgrößen erwartet E.ON nun einen Wert in der oberen Hälfte der jeweiligen Bandbreite." Insgesamt profitierte E.ON auch von höheren Strompreisen in Schweden, der Inbetriebnahme neuer Windparks und Zuwächsen im türkischen Stromgeschäft.

E.ON bekräftigte, durch die Transaktion mit RWE ab 2022 Synergieeffekte von 600 bis 800 Millionen Euro einzufahren. "Wir sind weiter von dem Sinn der Pläne überzeugt", schrieben die Experten von Bryan Garnier. E.ON könne mit den Einnahmen in die lukrativen Netzgeschäfte investieren.

Finanzchef Spieker musste jedoch einräumen, dass das britische Stromvertriebsgeschäft nach Innogy auch für E.ON immer mehr zum Bremsklotz wird. Der Druck durch die Regulierung und durch den scharfen Wettbewerb nehme zu. Im Gesamtjahr werde E.ON wohl etwas weniger Kunden auf der Insel haben, sagte Spieker. 2019 könne das Geschäft in Großbritannien schwieriger werden als früher angenommen. Mittelfristig erwartet E.ON aber dort eine allmähliche Erholung. Für 2018 senkte E.ON jedoch den Ausblick im Bereich Kundenlösungen, zu dem der Vertrieb gehört. Das Ergebnis werde nicht nur unter dem des Vorjahres liegen, sondern sogar deutlich darunter. Im Gesamtkonzern könne der operative Gewinn auch wegen der Probleme in Großbritannien 2019 eher flach bleiben. Mittelfristig bleibe es aber bei dem Ziel eines durchschnittlichen jährlichen Wachstums von drei bis vier Prozent.

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RWE verdiente weniger

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Essen, 14.11.2018

Der deutsche Versorger RWE hat in den ersten neun Monaten erheblich weniger verdient als im Vorjahr. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sank von 1,7 Mrd. auf 1,3 Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Das entsprechende Nettoergebnis nahm von 930 auf 645 Mio. Euro ab.

Verantwortlich dafür waren schwächere Ergebnisse bei der Braunkohle und der Kernenergie. Die Jahresprognose und den Dividendenausblick bekräftigte RWE.

Wegen der bevorstehenden Übernahme von Innogy durch E.ON hat RWE seine Finanzberichterstattung zum zweiten Quartal umgestellt. Innogy als Ganzes wird dabei nicht mehr wie bisher voll konsolidiert. Diejenigen Teile von Innogy, die auf E.ON übergehen, weist der Konzern bis zum Verkauf als "nicht fortgeführtes Geschäft" aus. Im Wesentlichen ist dies das Netz- und Vertriebsgeschäft.

Der Konzern zielt daher wegen der begrenzten Aussagefähigkeit künftig auf die Kennzahlen von "RWE alleine" (Stand alone) ab. Sie enthalten die Bereiche Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie den Energiehandel. Dazu kommt die Innogy-Dividende.

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G20-Staaten hängen beim Klimaschutz hinterher

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Berlin, 14.11.2018

Umweltverbände und wissenschaftliche Institute in Deutschland sehen die G20-Staaten nicht auf Kurs, die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Insgesamt seien die CO2-Emissionen im Vorjahr nicht gesunken, sondern erneut gestiegen. Hauptschwächen in Deutschland sind Kohleverstromung und Verkehr, wie am Mittwoch die an dem "Brown to Green"-Report beteiligte Germanwatch mitteilte.

"Deutschland tut bisher deutlich zu wenig, um seine Klimaziele zu erreichen", erklärte der Germanwatch-Experte Jan Burck. Er verwies darauf, dass die Treibhausgasemissionen insgesamt derzeit leicht über dem Stand von 2009 liegen. Allein im Verkehrssektor seien sie in den vergangenen fünf Jahren um sieben Prozent gestiegen. Unumgänglich seien daher "eine tatsächliche Verkehrswende" und ein sozialverträglicher Kohleausstieg bis etwa 2030.

Allerdings nennt der Report für Deutschland auch positive Entwicklungen. Anerkannt wird das Vorhaben, wonach neue Gebäude weitgehend klimaneutral gebaut werden müssen. Auch seien 2017 immerhin 34 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen gekommen, deutlich mehr als der Durchschnittswert der G20-Staaten von 24 Prozent. Der hohe Wert sei jedoch vorwiegend das Ergebnis des Ausbaus in früheren Jahren, während es zuletzt gerade bei der Windkraft einen Einbruch gegeben habe, warnte Niklas Höhne vom Berliner New Climate Institute.

Auch in anderen Staaten ergibt sich ein geteiltes Bild. "Wenn sich alle Länder ähnlich schwache Ziele wie die bis jetzt unambitioniertesten G20-Länder Russland, Saudi-Arabien und Türkei gesetzt hätten, würde die Welt sogar auf einen Temperaturanstieg um vier bis fünf Grad zusteuern", wird in dem Report gewarnt. Auf der anderen Seite hätten Großbritannien und Frankreich Ziele zum Ausstieg aus der Kohle und aus dem Verbrennungsmotor vorgelegt. Indien habe immerhin Klimaziele beschlossen, die dem angemessenen Beitrag des Landes zur Begrenzung der Erwärmung auf unter zwei Grad nahe kämen.

Damit steht Indien im Vergleich zu anderen Staaten gut da, denn kein einziger G20-Staat hat dem Report zufolge bisher nationale Klimaziele vorgelegt, die geeignet wären, die Pariser Vorgabe einer Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber deutlich unter zwei Grad zu erreichen. Auch dürften selbst die wenig ehrgeizigen nationalen Ziele noch in zahlreichen G20-Staaten verfehlt werden.

Auf EU-Ebene würden daher allerdings zumindest zusätzliche Maßnahmen angestrebt, hieß es. Gar nicht so schlecht schneiden in dem Report die USA ab. Dies gehe allerdings nicht auf die Politik von Präsident Donald Trump zurück, sondern auf Anstrengungen von Bundesstaaten, Kommunen und anderen Akteuren.

Der "Brown to Green"-Report wird seit 2015 jährlich von der internationalen Initiative Climate Transparency veröffentlicht. Ihr gehören 14 Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen aus der Mehrheit der G20-Staaten an. In Deutschland beteiligen sich neben Germanwatch und dem New Climate Institute auch die Humboldt-Viadrina Governance Platform und die unter anderem in Berlin ansässige internationale Umweltforschungseinrichtung Climate Analytics. Die Untersuchung stützt sich auf die aktuellsten derzeit verfügbaren Daten.