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RWE hebt Prognosen - mit steigenden Gewinnen auf Ökokurs

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Wien/Schwechat, 14. Nov. 2019

Der lange unter den Folgen von Atomausstieg und Energiewende ächzende deutsche Stromkonzern RWE strotzt nach dem Deal mit seinem ehemaligen Konkurrenten E.ON vor Zuversicht. Der Versorger hat am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Ergebnisprognose angehoben. Den Umbau zu einem führenden Ökostromerzeuger kann RWE mit steigenden Gewinnen vorantreiben.

"Wir haben eine finanzielle Basis, die wieder Wachstum ermöglicht", sagte Finanzvorstand Markus Krebber bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Die Verschuldung habe sich seit Ende 2017 nahezu halbiert, die Eigenkapitalquote sei kräftig gestiegen.

RWE hatte im Zuge eines umfassenden Tauschs von Geschäftsaktivitäten die erneuerbaren Energien von E.ON übernommen. Im nächsten Jahr kommt noch die Ökostromerzeugung der einstigen RWE-Tochter Innogy hinzu. RWE wird damit nach eigenen Angaben weltweit Nummer 2 bei der Windkraft auf See und europaweit Nummer 3 bei den regenerativen Energien insgesamt.

Noch profitiert RWE aber von seinem Stammgeschäft, die Ökostromaktivitäten sind erst zu einem kleinen Teil in den Quartalszahlen enthalten. Der Konzern erwartet für das gesamte Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,8 bis 2,1 Mrd. Euro. Im Sommer hatte RWE die Prognose auf 1,4 bis 1,7 Mrd. Euro erhöht. Die Dividende will das Unternehmen aber nicht über die angekündigten 80 Cent je Aktie anheben.

Neben dem weiter brummenden Energiehandel trägt eine Entscheidung der EU-Kommission zu dem Anstieg bei. Brüssel hatte Großbritannien die Wiederaufnahme des Kapazitätsmarkts erlaubt, auf dem Stromerzeuger für das Bereithalten von Kraftwerken bezahlt werden. RWE rechnet deshalb mit einer Nachzahlung von 230 Mio. Euro.

Immer weniger Strom produziert RWE aus Braunkohle. In den ersten neun Monaten des Jahres waren es noch gut 35 Milliarden Kilowattstunden, fast ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gestiegene Großhandelspreise hätten aber den unter anderem durch den Rodungsstopp im Tagebau Hambach verursachten Rückgang ausgeglichen, sagte Finanzchef Krebber. Die Gespräche mit der Bundesregierung über die Stilllegung von Braunkohlekraftwerken im Zuge des Kohleausstiegs hätten inzwischen "Fahrt aufgenommen". Bei den Beschäftigten im rheinischen Braunkohlerevier herrsche aber wegen der ungeklärten Situation große Verunsicherung.

Im RWE-Aufsichtsrat sitzt der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). Innogy ist in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt.

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Schulze blockiert Altmaiers Windenergie-Plan in Deutschland

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Berlin, 14. Nov. 2019

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze lehnt den Gesetzesplan von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit neuen Regelungen für den Windenergie-Ausbau ab. "Wir sind mit dem Vorschlag nicht einverstanden", sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Berlin und kündigte damit Widerstand in der laufenden Abstimmung unter den Ressorts an. "Wir können das in dieser Form nicht machen."

Die SPD stehe dafür, dass 2030 rund 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien komme. Das sei ohne den Ausbau der Windkraft an Land nicht möglich. Damit ist es unwahrscheinlich, dass das Kabinett den Altmaier-Entwurf wie geplant am Montag im Kabinett beschließt.

Altmaier hatte im Rahmen seines Kohle-Ausstiegsgesetzes auch Regeln für den Windkraftausbau in seinem Entwurf festgeschrieben und Koalitionsbeschlüsse erweitert. Demnach sollen Windräder deutschlandweit grundsätzlich nur noch genehmigt werden, wenn sie in einem Abstand von mindestens 1.000 Metern zu einer Ansammlung von mindestens fünf Wohngebäuden stehen. Dies hatte bereits zu einem Brandbrief von Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und Industrieverbänden wie dem BDI an Altmaier geführt, in dem die Pläne kritisiert wurden. Der Ausbau ist wegen des Widerstandes von Bürgerinitiativen ohnehin eingebrochen, tausende Arbeitsplätze werden in der Branche gestrichen.

Obwohl im Entwurf auch verankert ist, dass Länder und Kommunen vom Mindestabstand abweichen können, erwartet die Branche, dass dies bei einer Grundsatzregel von 1.000 Metern vor Ort nicht durchsetzbar sein wird. Da die Windenergie-Regeln im Kohleausstiegsgesetz eingegliedert sind, steht der Zeitplan auch für dieses Vorhaben auf der Kippe. Denn auch gegen die zunächst rein auf Freiwilligkeit basierenden Abschaltungspläne regt sich in anderen Ministerien Widerstand.

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SNAM mit Gewinnplus in drei Quartalen 2019

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Rom/Mailand, 14. Nov. 2019

Der italienische Gasnetz-Betreiber SNAM, der 2016 mit der deutschen Allianz Capital Partners einen 49-Prozent-Anteil an der OMV-Pipelinetochter Gas Connect Austria (GCA) übernommen hat, hat in den ersten drei Quartalen 2019 seinen Gewinn um 9,3 Prozent auf 857 Mio. Euro gesteigert. Der Umsatz kletterte um 4,3 Prozent auf 1,954 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wuchs um 3,2 Prozent auf 1,125 Milliarden Euro. Die Investitionen im technischen Bereich betrugen 650 Mio. Euro, teilte der Konzern in einer Presseaussendung am Mittwoch mit. Laut dem Entwicklungsplan bis 2022, der Investitionen in Höhe von 5,7 Mrd. Euro vorsieht, will der Konzern seinen Nettogewinn jährlich um vier Prozent steigern.

SNAM hatte zusammen mit der Allianz Capital Partners das 49-prozentige GCA-Paket für 601 Mio. Euro erworben. Die Gas Connect Austria betreibt ein mehr als 900 Kilometer langes Erdgas-Hochdruckleitungsnetz in Österreich. SNAM ist in Österreich mit 84,47 Prozent Mehrheitseigentümer der Trans Austria Gasleitung GmbH (TAG), 15,53 Prozent gehören der Gas Connect Austria. Die TAG ist eine der wichtigsten Transportleitungen für die Erdgas-Versorgung Österreichs, Italiens, Sloweniens und Kroatiens.

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Umwelt-Pionier hofft auf Geldgeber für eigene Entwicklung

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Salzburg, 14. Nov. 2019

Seine Referenzliste ist beachtlich, der große Durchbruch blieb aber aus. Der Salzburger Produktentwickler Heinz Eggert geht seit Jahrzehnten mit seiner Entdeckung der beheizten Altbau-Innendämmung hausieren, groß auf dem Markt eingeschlagen hat sie nicht. "Es fehlt ein Investor, der das groß aufzieht", sagt er im Gespräch mit APA. Etwa jedes fünfte Gebäude könnte damit Energie sparen.

Der Tüftler baute bereits vor 40 Jahren ein Haus mit Wandheizung, das heute als Niedrigenergiehaus gilt. Die kupfernen Heizungsrohre sind im Innenputz verlegt, betrieben wird das System - wie bei einer Fußbodenheizung - mit Niedertemperatur. Unter der Marke SERA brachte Eggert das System in kleiner Serie auf den Markt, es dürfte die erste standardisierte Wandheizung überhaupt gewesen sein. Inzwischen haben diese Heizungen ihren festen Platz im Bauwesen, zumeist allerdings mit Kunststoffrohren.

Etwa zehn Jahre später entwickelte der Salzburger seine Wandheizung weiter und löste damit ein Problem der Wärmedämmung. Bei vielen Gebäuden ist nämlich außen keine Dämmung möglich, etwa aus Denkmalschutzgründen. Bringt man die Dämmung an der Innenwand auf, kann sich aber in der Mauer Kondenswasser bilden. "Die beheizte Raumluft ist feucht, die kalte Luft draußen trocken, die Feuchtigkeit zieht nach außen", erklärt Eggert. Und durch das Kondenswasser droht hinter der Dämmung der Schimmel. Seine Lösung: "Beheizter Putz auf der Innendämmung kehrt die Richtung des Wasserdampfs um."

Damit steigere man die Energieeffizienz - Stichwort Klimawandel - und den Wärmekomfort. Gerade für denkmalgeschützte Gebäude gebe es zahlreiche weitere Vorteile: Die Heizkörper verschwinden, der Heizbetrieb laufe mit Niedertemperatur und Zentralheizungen seien fast ohne Stemmarbeiten nachrüstbar. Inzwischen - nach rund 30 Jahren - hat dieses System laut dem Entwickler den "Elchtest" längst bestanden. "Es hat bisher keine einzige Reklamation gegeben."

Als eines der ersten Projekte auf Eggerts Referenzliste findet sich der Saal von Schloss Trautenfels in Stainach-Pürgg (1991), auch die Villa Liechtenstein in Altaussee, die Haselburg in Bozen, Gutshäuser in Italien oder Fachwerkbauten in Deutschland zählen dazu. Im Salzburger Seeham etwa wurde ein Bauernhaus aus dem Biedermeier statt dem drohenden Abriss revitalisiert, heute ist es Sitz des Gemeindeamtes. "Die Mitarbeiter sind höchst zufrieden: im Sommer kühl, im Winter warm."

Rund 20 Prozent aller Gebäude mit Heizbedarf in Europa vertragen laut Eggert aus verschiedenen Gründen keine Außendämmung. Dennoch kam er nie über die Phase von Einzelanfragen hinaus. Ein Problem sei, dass die Lösung spartenübergreifend ist: "Zum einen die Baubranche, zum anderen die Heizungstechniker, und man wird von einem zum anderen geschickt." Wichtig wäre ein Unternehmen für alles mit einem angemessenen Marktauftritt wie Außendienstmitarbeiter, aber das ist für mich alleine ein paar Nummern zu groß." Immerhin: Mit dem Verkauf seiner Kupfer-Wandheizung konnte er zumindest die Projekte bei der Wärmesanierung finanzieren.

www.energiewendepionier-eggert.eu

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Neues Material verwandelt Temperaturunterschiede in Strom

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Wien, 14. Nov. 2019

Der deutsche Physiker Thomas Johann Seebeck (1770-1831) entdeckte 1821 den nach ihm benannten thermoelektrischen Effekt. Der ist dafür verantwortlich, dass bestimmte Stoffe Temperaturunterschiede direkt in elektrische Energie umwandeln können. Wiener Physiker berichten nun im Fachjournal "Nature" über ein Material, das mit bisher unerreichter Leistungsfähigkeit Wärme in Elektrizität verwandelt.

Ein gutes thermoelektrisches Material zeichnet sich nicht nur durch einen großen Seebeck-Effekt aus. Es muss auch zwei nur schwer miteinander vereinbare Anforderungen erfüllen: "Einerseits soll es elektrischen Strom möglichst gut leiten, andererseits soll aber Wärme möglichst schlecht transportiert werden", erklärte Ernst Bauer vom Institut für Festkörperphysik der Technischen Universität (TU) Wien in einer Aussendung.

Die Leistung eines thermoelektrischen Materials wird mit der sogenannten thermoelektrischen Gütezahl (ZT) ausgedrückt - je höher der Wert, desto besser seine thermoelektrischen Eigenschaften. Die besten Thermoelektrika kamen laut TU Wien bisher auf ZT-Werte von 2,5 bis 2,8. Die Forscher um Bauer, der seit 2013 auch das Christian Doppler-Labor für Thermoelektrizität leitet, gelang es in mehrjähriger Arbeit, ein neues Material mit einem ZT-Wert von 5 bis 6 zu entwickeln - also einer doppelt so hohen Leistungsfähigkeit als bisher.

In dem Material werden Eisen, Vanadium, Wolfram und Aluminium kombiniert. Diese Mischung wird als dünne Schicht auf Silizium aufgetragen. Dadurch ändert sich die Struktur des Materials radikal, mit der Konsequenz eines sehr geringen elektrischen Widerstands und einer geringen Wärmeleitfähigkeit - also ideale Eigenschaften eines thermoelektrischen Materials.

Beste Leistungsfähigkeit bei 100 Grad Celsius

Die beste Leistungsfähigkeit erzielt das Material bei einer Temperatur von rund 100 Grad Celsius, erklärte Bauer gegenüber der APA. Für diesen Temperaturbereich gab es zwar schon seit den 1960er Jahren Thermoelektrika basierend auf Bismuttellurid. Sie enthalten also Tellur, das sehr selten und auch giftig ist.

Den Forschern ist bewusst, dass eine so dünne Schicht keine großen Energiemengen generieren können, "aber dafür ist sie extrem kompakt und anpassungsfähig", so Bauer. Genutzt werden könnte das Material künftig etwa, um Sensoren oder kleine elektronische Anwendungen ohne aufwändige Verkabelung mit Strom zu versorgen.

Konkret haben die Wissenschafter gemeinsam mit dem Unternehmenspartner des CD-Labors, der AVL List in Graz, mit dem Material als Energiequelle neue drahtlose Messtechnik entwickelt, die etwa in Motorenprüfständen eingesetzt wird. Das Material soll dabei auf der heißen Motorenoberfläche Elektrizität liefern, um Sensoren mit Datenverarbeitung und Funkkommunikation zu betreiben, die die Messergebnisse drahtlos an einen Computer senden. Dafür wurden bereits zwei Patente eingereicht. Auch beim "Internet of Things", wo eine Vielzahl an Anwendungen, Sensoren und Geräte miteinander verknüpft sind und ihr Verhalten aufeinander abstimmen, sind solche Lösungen gefragt.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41586-019-1751-9

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Stauseen statt Gletscher: Wasserkraftpotenzial berechnet

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Zürich, 14. Nov. 2019

Wo Gletscher wegschmelzen, könnten künftig Stauseen entstehen. Sie könnten die schwindende Speicherfunktion der Eismassen teils kompensieren und darüber hinaus Energie erzeugen. Schweizer Forscher von ETH und WSL haben das weltweite Potenzial dafür berechnet.

Bis Ende des Jahrhunderts werden viele Gletscher Geschichte sein. Wenn das Eis zurückweicht, entstehen neue, unberührte Landschaften. Sollte man sie unter Schutz stellen? Oder könnten dort neue Stauseen entstehen, die dringend benötigte nicht-fossile Energie liefern?

Zu dieser Debatte trägt ein Forschungsteam der ETH Zürich und der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) nun Zahlen bei. Das Team um Daniel Farinotti berechnete das weltweite Speicher- und Wasserkraftpotenzial, das in Stauseen bei weggeschmolzenen Gletschern steckt.

Die Glaziologen verwendeten ein globales Gletscherinventar und fokussierten auf Gletschergebiete, die durch den Klimawandel bis Ende des Jahrhunderts mehr oder weniger eisfrei sein werden. Dort platzierten sie virtuell eine Staumauer am heutigen Ende jedes Gletschers. Dabei wählten sie die Standorte so, dass nicht nur der wirtschaftliche Ertrag am größten war, sondern auch negative Auswirkungen auf die Landschaft möglichst gering ausfielen, wie die ETH und die WSL in einer gemeinsamen Mitteilung festhielten.

Maximales Wasserkraftpotenzial berechnet

Für die gewählten 185.000 Standorte berechneten die Forscher ein maximales, theoretisches Wasserkraftpotenzial von 1.350 Terawattstunden pro Jahr - etwa ein Drittel der heutigen weltweiten Wasserkraftproduktion. Nach einer zusätzlichen Eignungsprüfung der Standorte reduzierte sich dieser Wert auf eine konservativere Schätzung von 533 Terawattstunden pro Jahr: Dies bedeutet, dass sich die heutige Energiegewinnung aus Wasserkraft um 13 Prozent steigern ließe.

Die Stauseen würden allerdings nicht nur der Stromproduktion dienen, sondern auch die schwindende Funktion der Gletscher als Wasserspeicher zumindest teilweise kompensieren. Wenn ohne Gletscher die Flüsse in den Sommermonaten weniger Wasser führen, hat das in vielen Weltregionen einschneidende Konsequenzen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Stauseen könnten helfen, dies abzufedern.

Das Speicher- und Wasserkraftpotenzial sei in manchen Ländern größer als in anderen, betonte Farinotti. In Tadschikistan beispielsweise könnten solche neuen Stauseen rund 80 Prozent des aktuellen Strombedarfs decken, in Chile 40 Prozent und in Pakistan 35 Prozent. Für die Schweiz berechnete das Team ein Potenzial von 10 Prozent.

Zusätzlicher Blickwinkel auf Gletscherschmelze

"Wir wollen keinen Goldrausch generieren angesichts des neuen Wasserkraftpotenzials, das durch schmelzende Gletscher entsteht", so Farinotti. Die Studie solle nur Fakten liefern, keine Wertung, ob es gut oder schlecht wäre, eisfreie Gletschergebiete für Stauseen zu nutzen.

"Uns als Glaziologen wäre es lieber, dass die Gletscher noch lange existieren. Aber wir wollen mit dieser Studie einen anderen Blickwinkel auf die Gletscherschmelze werfen als Wasserknappheit und steigende Meeresspiegel." Der Klimawandel lasse dort neue Landschaften entstehen, und damit ergebe sich die Frage, was damit geschehen solle.

Der Klimawandel steht derzeit im gesellschaftlichen Fokus. Um CO2-Emissionen zu senken und das Klima zu schützen, ist die Abkehr von fossilen Energieträgern unumgänglich. Wasserkraft könnte einen Beitrag leisten. "Ob Strom aus dieser erneuerbaren Quelle oder intakte Landschaften wichtiger sind, ist eine Diskussion, die die Gesellschaft führen muss", so Farinotti. Auf Bundesebene gilt die Energieversorgung als nationales Interesse und wird damit gleich gewichtet wie der Schutz der Landschaft.

Service: Fachartikelnummer - DOI: 10.1038/s41586-019-1740-z

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Deutsches Parlament hat Weg für Nord Stream 2 frei gemacht

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Moskau/Berlin, 14. Nov. 2019

Der deutsche Bundestag hat die mit der EU ausgehandelten Regelungen für die umstrittene Gas-Pipeline Nord Sream 2 gebilligt und das deutsche Energiewirtschaftsgesetz geändert. Unter den Financiers dieser Pipeline ist auch die österreichische OMV.

Das deutsche Parlament beschloss am Mittwochabend mit den Stimmen der Koalition die Umsetzung eines Kompromisses, der im Februar innerhalb der EU gefunden wurde.

Die im April verabschiedete Änderung der EU-Gasrichtlinie sieht vor, dass künftig EU-Energieregeln auch für Pipelines gelten, die aus Drittstaaten in die Europäische Union führen. Demnach dürfen die Produktion von Erdgas und der Betrieb der Leitung nicht in einer Hand liegen - anders als bisher bei Nord Stream 2 vorgesehen.

Das heißt auch, dass die deutsch-russische Ostsee-Pipeline zumindest im Teil der deutschen Küstengewässer europäischen Regeln unterworfen wird, wonach die Leitung grundsätzlich auch anderen Nutzern als dem russischen Eigner Gazprom offen steht.

Umgesetzt werden könnte dies auch, indem der Teil der Leitung einen anderen Besitzer kommt. Eine konkrete Lösung kann dem EU-Kompromiss zufolge Deutschland direkt mit Russland aushandeln.

Die deutschen Grünen warfen der Koalition in Berlin vor, die EU-Gasrichtlinie aufgeweicht zu haben. Damit konterkariere die Koalition die Entflechtung von Produktion und Betrieb, sagte die Grünen-Politikerin Julia Verlinden. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte, der zugesagte weitere Gastransit durch die Ukraine sei nach wie vor nicht geregelt. Deutsche Koalitionspolitiker dagegen verteidigten die Pipeline.

Die deutsch-russische Direktverbindung ist hoch umstritten, da durch sie Transitländer wie Polen oder auch die Ukraine umgangen wird. Gerade die Ukraine ist auf Gebühren angewiesen und hat bei Verbindungen über ihr Territorium zudem ein Druckmittel gegen Russland in der Hand. Die USA sind strikt gegen die Verbindung und haben bereits mit Sanktionen gegen Beteiligte gedroht.

Während Deutschland und Russland das Vorhaben ohne EU-Einfluss umsetzen wollten, hatte die Kommission auf den europäischen Energie-Regeln bestanden, die die Öffnung der Leitungen auch für andere Anbieter vorsehen. Die jetzt vom Bundestag beschlossene Gesetzes-Änderung setzt den im Februar gefundenen Kompromiss um.

Die 1.200 Kilometer lange Leitung ist weitgehend fertig und soll im nächsten Jahr den Betrieb aufnehmen. Der russische Staatskonzern Gazprom und Eigner der Pipeline hat die Hälfte der Gesamtkosten von rund 9,5 Milliarden Euro übernommen. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen - Wintershall Dea, OMV, Uniper, Royal Dutch Shell und die französische Engie.

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Altmaier will Umsetzung EU-Gasrichtlinie bis Ende 2019

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Berlin, 14. Nov. 2019

Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier hofft, dass die neue EU-Gasmarktrichtlinie Ende des Jahres in Kraft tritt. Damit wäre die deutsche Bundesnetzagentur zuständig für die Zulassung der Nord-Stream-2-Gaspipeline, die russisches Gas ab 2020 durch die Ostsee über Deutschland nach Westeuropa bringen soll. An dem Projekt ist auch die österreichische OMV finanziell beteiligt.

"Auch hier gelten künftig die Vorgaben zu Eigentumsentflechtung, Drittzugang, Entgeltregulierung und Transparenz, soweit die Gasleitungen auf dem Hoheitsgebiet und in den Küstengewässern der Mitgliedstaaten verlaufen", teilte Altmaier am Donnerstag mit.

Der deutsche Bundestag hatte am Mittwoch dem Gesetz zugestimmt. Der Bundesrat soll den Beschluss am 29. November bestätigen. Weil die Nord-Stream 2-Pipeline in Deutschland endet, wäre die Bundesnetzagentur zuständig für die Prüfung, ob das Unternehmen die EU-Vorgaben erfüllt oder nicht.

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Cyberangriff auf Pemex - Lösegeld gefordert

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Mexiko-Stadt, 14. Nov. 2019

Nach einem Cyberangriff auf den mexikanischen Erdölkonzern Pemex sieht sich das Unternehmen einem Erpressungsversuch ausgesetzt. Pemex sei ein seriöser Konzern und werde daher nicht zahlen, sagte Mexikos Energieministerin Rocío Nahle am Mittwoch vor Reportern in Veracruz.

Nach Medienberichten hatte ein Hacker Lösegeld in Höhe von 565 Bitcoin (rund 4,5 Millionen Euro) verlangt, um Daten, die beim Cyberangriff vom vergangenen Sonntag verschlüsselt wurden, wieder zu entschlüsseln.

Pemex hatte mitgeteilt, dass versuchte Cyberangriffe "neutralisiert" worden seien. Das Funktionieren von mindestens fünf Prozent der Computer des Unternehmens sei betroffen. Der Betrieb laufe aber normal weiter und der Benzinbestand sei gesichert, hieß es.

Pemex ist einer der am stärksten verschuldeten Energiekonzerne der Welt. Die Verbindlichkeiten belaufen sich trotz Hilfen der mexikanischen Regierung derzeit auf knapp 100 Milliarden US-Dollar.

Cyberattacken mit Erpressungs-Trojanern hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. So gab es im Mai und im Juni 2017 zwei große Angriffswellen, bei denen unter anderem der Nivea-Hersteller Beiersdorf, die dänische Reederei Maersk, der Autobauer Renault, Krankenhäuser in Großbritannien und die Deutsche Bahn betroffen waren.

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Formel 1: Hundert Prozent Bio-Sprit das Ziel

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Sao Paulo, 14. Nov. 2019

Die Formel 1 will bei ihrem Umweltprogramm auch zu einem Anführer in Sachen Bio-Treibstoff werden. Derzeit muss der Sprit der Rennwagen laut Reglement mindestens 5,75 Prozent biologische Komponenten enthalten. "Wir wollen auf hundert Prozent - das ist das Ziel", sagte Formel-1-Technikchef Pat Symonds vor dem Großen Preis von Brasilien.

2021 soll der Bio-Anteil auf zehn Prozent steigen und weiter stetig zunehmen. Im Gegensatz zu ersten Generation an Bio-Treibstoffen soll in Zukunft verstärkt Nahrungsabfall wie Getreidehülsen oder Biomasse zur Herstellung verwendet werden. Eine dritte Generation von Bio-Treibstoffen gebe es auch noch. Diese würden als E-Treibstoffe oder synthetische Treibstoffe bezeichnet, erklärte Symonds, und seien am weitesten fortgeschritten.

Die Formel-1-Verantwortlichen sowie der Internationale Automobilverband (FIA) sind bereits in Gesprächen mit Herstellern und Benzin-Lieferanten. "Wir sind noch am Anfang", betonte Symonds. In den kommenden Monaten soll konkretisiert werden, wie der Weg zu nachhaltigem Kraftstoff aussehen könnte.

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Luftfahrtbranche weit entfernt von CO2-neutralem Fliegen

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Wien/Schwechat, 14. Nov. 2019

Die Airlines stehen vor einem Dilemma: Durch Klimademos wie "Fridays for Future" steigt auch auf sie der Druck, sich am Kampf gegen die Klimakrise zu beteiligen, gleichzeitig sind fossile Brennstoffe in kaum einer anderen Branche so alternativlos wie in der Luftfahrt. Davon, die Emissionen auf netto null zu senken, sprach in einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend keiner der Branchenvertreter.

"Beim Fliegen gibt es keine Alternative zum Verbrennungsmotor", sagte Austrian-Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg selbst habe "eindrucksvoll bewiesen, dass Segeln über den Atlantik keine Alternative ist". "Es wäre zu einfach zu sagen, nicht mehr zu fliegen. Das lässt sich niemand mehr verbieten", meinte Flughafen-Wien-Vorstand Günther Ofner.

Über 80 Prozent der auf der Welt lebenden Menschen seien noch nie in einem Flugzeug gesessen - das dürfte sich ändern, so Ofner, der in diesem Zusammenhang auf Prognosen des internationalen Airlineverbands IATA verwies, wonach sich die jährlichen Passagierzahlen bis 2050 vervierfachen. Gleichzeitig sollen bis dahin - so das Ziel der Branche - die weltweiten Treibhausgas-Emissionen der Luftfahrt gegenüber 2005 absolut um 50 Prozent reduziert werden, erinnerte Ofner.

Dieses Ziel steht nicht im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen, zu dessen Einhaltung sich auch Österreich verpflichtet hat. Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, dass die globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 auf (netto) null gesenkt werden sollen, um die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die Luftfahrt ist - wie auch die Schifffahrt in internationalen Gewässern - ausgeklammert, weil ihre Emissionen keinem Land zuzuordnen sind.

AUA-Chef Hoensbroech sieht die Lösung im technologischen Fortschritt: Erst durch synthetische Treibstoffe, die aus regenerativer Energie gewonnen werden, werde klimaneutrales Fliegen möglich. Hoensbroech plädierte dafür, alle Einnahmen aus Umweltsteuern in die Entwicklung solcher E-Fuels zu investieren. Denn noch sei CO2-neutrales Kerosin, so auch Ofner, viel zu teuer. Ticketpreise von 19,99 Euro wiederum viel zu günstig, Hoensbroech bezeichnete sie als "unverantwortlich".

Eine Mehrwertsteuer auf Flugtickets war in der Diskussion kein Thema, auch die derzeit diskutierte CO2-Bepreisung wurde nur gestreift. So forderte Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger, dass, sollte in Europa eine CO2-Steuer eingeführt werden, zumindest die Langstrecke ausgenommen werden sollte. Eine Kerosinsteuer sei wegen des Chicagoer Abkommen aus dem Jahr 1944 ohnehin rechtlich kaum möglich. Jäger meinte aber, es wäre schon jetzt möglich, den CO2-Ausstoß eines Fluges über eine freiwilligen Spende an Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Für den Flug Wien-Barcelona seien es etwa sieben Euro. "Es liegt an jedem selbst", so Jäger.

Die Branchendiskussion namens "The Future of Air Travel" fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Austrian Roadmap 2050" statt, die von PR-Agentur Kobza Media Group organisiert wird. Ebenfalls daran teilgenommen haben Austro-Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl, die darauf verwies, dass der Flugverkehr nur für 2,7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sei, sowie Robert Machtlinger, Vorstandschef des Luftfahrtzulieferers FACC. Machtlinger betonte, dass die moderne Luftfahrt bereits um ein Vielfaches effizienter sei, allein durch die gebogenen Flügelspitzen seien 40 Mrd. Liter Treibstoff eingespart worden.

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Wifo nennt mögliche Eckpunkte zur CO2-Bepreisung

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Wien, 13. Nov. 2019

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) präsentiert in einem neuen Papier zur Bepreisung von Treibhausgasemissionen auch Empfehlungen an die Politik. Das Institut führt aus, wie ein Paket zur Bepreisung von CO2-Emissionen gestaltet werden könnte und stellt eine CO2-Bepreisung in einen breiteren Kontext.

Mit einem solchen Reformprogramm sollen mehrere Ziele verfolgt werden, heißt es in dem Arbeitspapier. Eines ist laut den Unterlagen eine Reduktion von Treibhausgasemissionen, speziell von CO2. Gleichzeitig soll auch ein produktiverer Umgang mit anderen sensiblen Ressourcen wie Boden und sensiblen Rohstoffen angeregt werden. Ein weiteres Ziel ist es laut Wifo, Anreize für Innovationen zu schaffen. Drittens soll ein Politik-Paket zur CO2-Bepreisung kompensierende Maßnahmen als Ziel haben, die einerseits unerwünschte Verteilungswirkungen abfangen und andererseits Anreize für strukturelle Änderungen ermöglichen.

Den auch im Wahlkampf oft genannten Öko-Bonus müsste man laut Wifo noch differenzierter betrachten, etwa im Hinblick auf Anreizwirkungen für Verhaltensänderungen oder Investitionen. Demzufolge gebe es "wirksamere Ausgestaltungen für eine CO2-Bepreisung", die das Institut in vier Kategorien zusammenfasst. Genannt wird etwa ein Mobilitäts-Bonus mit Anreizen für ein verschränktes Mobilitäts-Verhalten durch eine Sachleistung für den Bezug von Tickets für den öffentlichen Verkehr. Weiters thematisiert das Wifo einen Wohn-Bonus als soziale Kompensation von erhöhten Energiekosten für Raumwärme und Warmwasser vor allem bei unteren Einkommen und eventuell als Unterstützung für Investitionen zur effizienteren Energieverwendung.

Auch einen Innovations-Bonus schlägt das Wifo vor, damit könne man innovative Technologien und klimarelevante Infrastruktur implementieren. Viertens bedürfe es einer Umschichtung im Abgabensystem zur Reduktion von Abgaben auf Arbeit durch Ressourcensteuern, wie etwa eine CO2-Bepreisung, schreiben die Experten in ihrem Papier.

Außerdem halten die beiden Umweltökonomen Angela Köppl und Stefan Schleicher sowie die Steuerexpertin Margit Schratzenstaller eine CO2-Bepreisung in mehreren angekündigten Schritten für sinnvoll. So gebe man Unternehmen und Haushalten ausreichend Zeit für die Anpassung ihrer Entscheidungen und stelle eine langfristige Planungssicherheit her.

Die Bemessungsgrundlage könnte in einer ersten Phase nur Treibstoffe umfassen, weil damit schnell wirkende Effekte verbunden sind, vor allem bei der Reduktion von Treibstoffexporten im Fahrzeugtank. In einer zweiten Phase könnten auch Heizstoffe in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden, schlagen die Wifo-Experten vor. Offen lässt das Wirtschaftsforschungsinstitut, ob in einer weiteren Phase auch die bereits vom EU-Emissionshandelssystem betroffenen Emissionen einbezogen werden sollen.

Einen konkreter Vorschlag zur schrittweisen Einführung der CO2-Abgabe nennt das Wifo auch: Eine CO2-Abgabe sollte in angekündigten Stufen eingeführt werden, beispielsweise beginnend mit 50 Euro pro Tonne CO2 und ansteigend in weiteren Stufen, heißt es in dem Papier. Der Einstiegs-Abgabensatz sollte ausreichend sein, um die Anreize für grenzüberschreitendes Tanken von Treibstoffen deutlich zu reduzieren.

Das erwartete Aufkommen aus einer CO2-Abgabe hängt von der gewählten Bemessungsgrundlage und vom festgelegten CO2-Preis sowie von den zu erwartenden Reaktionen ab, schreibt das Wifo. Beispielsweise könnten ohne Berücksichtigung von Verhaltensänderungen die Einnahmen in mehreren Schritten eine, zwei, vier und acht Milliarden Euro pro Jahr erreichen.

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Für Erreichung der Klimaziele muss Energieverbrauch sinken

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Paris/Wien, 13. Nov. 2019

Die derzeit geplanten Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen werden bei weitem nicht ausreichen, um die im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegten Ziele zu erreichen. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten "World Energy Outlook". Im Gegenteil: Der Energieverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen dürften sogar deutlich zunehmen.

Der "World Energy Outlook" sei keine Prognose, sondern entwerfe drei mögliche Szenarien, die abhängig von der umgesetzten Energie- und Klimapolitik unterschiedliche Entwicklungspfade in den nächsten Jahrzehnten beschreiben, sagen die IEA-Experten. Dabei wird ein Anstieg der Weltbevölkerung auf knapp über 9 Milliarden Menschen bis 2040 angenommen und ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent pro Jahr.

In ihrem "Current Policies Scenario" zeigt die IEA-Studie auf, was passiert, wenn die Welt so weitermacht wie bisher: Der Energiebedarf steigt dann jährlich um 1,3 Prozent, das bedeutet bis 2040 eine Zunahme um rund 30 Prozent. Gleichzeitig würden auch die energiebezogenen Emissionen ungebremst zunehmen.

Das "Stated Policies Scenario" geht hingegen davon aus, dass die bisher angekündigten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs umgesetzt werden und beschreibt die Auswirkungen dieser Maßnahmen: In diesem Szenario würde der Energieverbrauch bis 2040 um ein Viertel zunehmen, also um etwa 1 Prozent pro Jahr. Mehr als die Hälfte dieses zusätzlichen Energiebedarfs könnte durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik gedeckt werden, ein weiteres Drittel durch Erdgas. Die Ölnachfrage würde in den 2030er Jahren abflachen und der Kohleverbrauch sogar zurückgehen.

Was nötig wäre, um die im Pariser Abkommen vorgesehene Eindämmung des globalen Temperaturanstiegs "deutlich unter 2 Grad Celsius" zu erreichen, wird im "Sustainable Development Scenario" beschrieben. Dafür müsste vor allem die Energieeffizienz so weit verbessert werden, dass der Energieverbrauch im Jahr 2040 geringer wäre als heute. Der Verbrauch von Erdgas würde in diesem Szenario bis 2030 steigen, danach aber wieder zurückgehen, gleichzeitig müsste der Anteil der Erneuerbaren Energiequellen steigen und der Verbrauch von Kohle drastisch reduziert werden. Der Ölverbrauch müsste im Jahr 2040 mit 65 Millionen Fass pro Tag wieder auf das Niveau der früheren 1990er Jahre sinken.

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Deutsche Energiebranche läuft Sturm gegen Abstandsregel

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Berlin, 13. Nov. 2019

Im Streit um den Mindestabstand bei Windkraftanlagen in Deutschland hat sich die Energiebranche gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit deutlicher Kritik an die Regierung gewandt. Ihnen sei "unerklärlich, dass an einer Regelung zu bundeseinheitlichen Mindestabständen festgehalten wird", obwohl damit das Ausbauziel der Erneuerbaren nicht gehalten werden könne, heißt es im Schreiben.

Unterzeichnet wurde es außer vom DGB auch von den Branchenverbänden BDEW und BWE, außerdem vom Maschinenbau, dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Adressiert wurde das Schreiben an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Die deutsche Regierungskoalition plant in ihrem Klimapaket, für Windkraftanlagen in der Regel einen Abstand von einem Kilometer zur nächsten Wohnbebauung festzuschreiben. Die Abstandsregelung werde "alle weiteren Bemühungen zur Stärkung des Windenergieausbaus zunichtemachen und die Windenergie an Land dramatisch schwächen", warnen die Verbände. Je nach Definition würden durch die Regel 20 bis 50 Prozent der Flächen der Windenergie entzogen.

Die Verbände sind deshalb nach eigenen Angaben "der festen Überzeugung", dass mit den aktuell diskutierten Vorschlägen der Ausbau von Windenergie an Land "auf lange Zeit massiv erschwert, unter Umständen sogar zum Erliegen kommen wird". Der Ausbau der Windenergie an Land in allen deutschen Bundesländern sei allerdings nötig, schrieben die Verbände mit Verweis auf die Versorgungssicherheit, Netzstabilität und bezahlbare Strompreise.

Eine Sprecherin des deutschen Wirtschaftsministeriums sagte dazu in Berlin, die 1.000 Meter würden "nicht als starre Regelung" ausgestaltet, sondern als Optout. "Das heißt, Länder und Kommunen können davon abweichen." Es gebe zahlreiche besorgte Bürger vor Ort, daher müsse ein Interessenausgleich gefunden werden.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte Union und SPD dazu auf, auf das "Alarmsignal aus Energiewirtschaft, Industrie, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft" zu hören und die Pläne von bundeseinheitlichen Sperrzonen für Windräder zu beerdigen. Andernfalls würden "tausende Jobs, der Klimaschutz und die Versorgungssicherheit beim Strom mutwillig aufs Spiel gesetzt".

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Nordex rutschte nach neun Monaten tiefer in die roten Zahlen

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Rostock, 13. Nov. 2019

Der deutsche Windkraftanlagen-Hersteller Nordex ist in den ersten neun Monaten tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust stieg von 51,8 Millionen auf 76,5 Mio. Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebitda) sank um fast 16 Prozent auf 60,2 Mio. Euro.

Nach neun Monaten beträgt der Umsatz rund 1,9 (Vorjahr: 1,77) Mrd. Euro. Die Auftragsbücher sind voll, der Auftragsbestand lag Ende September bei 8,1 Mrd. Euro, nach 5,3 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Großteil der neuen Aufträge kam in den ersten neun Monaten vor allem aus Europa und Nordamerika.

Die Geschäftsentwicklung verlaufe entsprechend den Erwartungen, erklärte Konzernchef Jose Luis Blanco. Weiterhin sehr gut sei die Nachfrage nach der neuen Produktserie Delta 400, eine Turbine für Schwachwindgebiete. In den ersten drei Quartalen installierte der Konzern 476 Windenergieanlagen in 16 Ländern.

Im vierten Quartal geht das Unternehmen von einer weiter ansteigenden Geschäftsentwicklung aus und bestätigt deshalb seine Prognose für das Gesamtjahr. Die Nachfrage sei gut, das Unternehmen baue seine Fertigungskapazitäten aus.

Nach einer schwachen ersten Jahreshälfte hatte der Konzern bereits für das zweite Halbjahr eine Steigerung der Erlöse erwartet. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Management weiter einen Konzernumsatz von 3,2 bis 3,5 Mrd. Euro.

Die Windkraftbranche leidet derzeit unter hohem Wettbewerb und einem entsprechenden Preisdruck. Erst vor wenigen Tagen hatte Enercon, einer der größten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen, eine umfassende Neuausrichtung angekündigt, mit der auch rund 3.000 Jobs wegfallen sollen. Und im April meldete der Hamburger Anbieter Senvion Insolvenz an. Der Verkauf von Unternehmensteilen an den deutsch-spanischen Konkurrenten Siemens Gamesa ist inzwischen perfekt.

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Enercon hält nach Krisentreffen an Stellenabbau fest

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Hannover, 13. Nov. 2019

Der deutsche Windanlagenbauer Enercon hält auch nach einem Krisentreffen mit Politikern aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am angekündigten Abbau von bis zu 3.000 Stellen fest. "Letztendlich müssen wir jetzt für uns ganz klar festhalten, dass an dem Schritt, den wir am Freitag angekündigt haben, kein Weg vorbeigeht", sagte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig in der Staatskanzlei in Hannover.

Ein wesentlicher Grund sei, dass in Deutschland in letzter Zeit kaum noch neue Windkraftanlagen errichtet worden seien. "Es bricht etwas weg, was wir nicht auffangen können."

Mögliche Schritte der deutschen Regierung zur Wiederbelebung der Windenergie könnten den Jobabbau nicht mehr verhindern. "Die Maßnahmen, die wohlwissend jetzt angepackt werden können und die kurz- und mittelfristiger Natur sind, kommen jetzt zu spät", sagte Kettwig. "Die Messe ist gelesen." Die Verlagerung der Produktion von Rotorblättern ins Ausland, mit der der Jobabbau zusammenhängt, sei alternativlos.

Um den Ausbau der Windenergie wieder in Schwung zu bringen, forderte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vom Bund eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für neue Windräder. Insbesondere an Standorten, wo ausgediente Windanlagen durch neue ersetzt werden, müssten die Planungshürden gesenkt werden, ansonsten drohe faktisch ein Rückbau der Windenergie. Die von der Flugsicherung als nötig empfundene Blockade großer Flächen für neue Windräder müsse auf der Basis neuer Studien kritisch geprüft werden.

Zugleich kündigte Weil ein Abrücken Niedersachsens von der deutschlandweit geplanten Abstandsregelung von 1.000 Metern zwischen neuen Windrädern und Wohnsiedlungen an. "Innerhalb der niedersächsischen Landesregierung sind wir uns einig, dass wir diese Abstandsregelung nicht für richtig halten. Wir wissen genau, dass das noch einmal zu einer drastischen Reduzierung der verfügbaren Flächen führen würde", sagte Weil. "Und deswegen werden wir uns das im Rahmen der vorgesehenen Öffnungsklausel nicht zu eigen machen."

Der Entwurf des Bundesgesetzes ermöglicht Ländern und Kommunen ein Abrücken von der Regelung. "Wir prüfen gerade sehr genau anhand unserer Potenziale, wie eine richtige Regelung für Niedersachsen ausschauen würde", meinte Weil. Die 1.000-Meter-Regelung solle für Niedersachsen jedenfalls nicht übernommen werden.

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Enel steigerte Nettogewinn in ersten drei Quartalen 2019

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Rom, 13. Nov. 2019

Der italienische Energieversorger Enel hat die ersten drei Quartale 2019 mit einem Wachstum des Nettogewinns von 14,1 Prozent auf 3,29 Mrd. Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 abgeschlossen. Der Umsatz kletterte um 3,4 Prozent auf 57,12 Mrd. Euro, teilte der italienische Konzern am Dienstag in einer Presseaussendung mit.

Das EBITDA (Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern) wuchs um 8,9 Prozent auf 13,2 Mrd. Euro. Die Verschuldung des Konzerns erhöhte sich gegenüber Ende 2018 um 13,2 Prozent auf 46,5 Mrd. Euro. Die Investitionen betrugen sechs Mrd. Euro, 84 Prozent entfielen auf den Bereich erneuerbare Energien.

Enel sehe sich auf dem Weg zu seinen Jahreszielen, sagte CEO Francesco Starace. Die geografische Diversifizierung, die Vereinfachung der Gesellschaftsstruktur und die Wachstumsinvestitionen würden sich auszahlen. Enel werde weiterhin unter anderem im Bereich in erneuerbaren Energien investieren.

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IEA: Geplante Klimaschutzmaßnahmen reichen bei weitem nicht

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Paris/Wien, 13. Nov. 2019

Die derzeit geplanten Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen werden bei weitem nicht ausreichen, um die im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegten Ziele zu erreichen. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten "World Energy Outlook". Im Gegenteil: Der Energieverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen dürften sogar deutlich zunehmen.

Der "World Energy Outlook" sei keine Prognose, sondern entwerfe drei mögliche Szenarien, die abhängig von der umgesetzten Energie- und Klimapolitik unterschiedliche Entwicklungspfade in den nächsten Jahrzehnten beschreiben, sagen die IEA-Experten. Dabei wird ein Anstieg der Weltbevölkerung auf knapp über 9 Milliarden Menschen bis 2040 angenommen und ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent pro Jahr.

In ihrem "Current Policies Scenario" zeigt die IEA-Studie auf, was passiert, wenn die Welt so weitermacht wie bisher: Der Energiebedarf steigt dann jährlich um 1,3 Prozent, das bedeutet bis 2040 eine Zunahme um rund 30 Prozent. Gleichzeitig würden auch die energiebezogenen Emissionen ungebremst zunehmen.

Das "Stated Policies Scenario" geht hingegen davon aus, dass die bisher angekündigten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs umgesetzt werden und beschreibt die Auswirkungen dieser Maßnahmen: In diesem Szenario würde der Energieverbrauch bis 2040 um ein Viertel zunehmen, also um etwa 1 Prozent pro Jahr. Mehr als die Hälfte dieses zusätzlichen Energiebedarfs könnte durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik gedeckt werden, ein weiteres Drittel durch Erdgas. Die Ölnachfrage würde in den 2030-er Jahren abflachen und der Kohleverbrauch sogar zurückgehen.

Was nötig wäre, um die im Pariser Abkommen vorgesehene Eindämmung des globalen Temperaturanstiegs "deutlich unter 2 Grad Celsisus" zu erreichen, wird im "Sustainable Development Scenario" beschrieben. Dafür müsste vor allem die Energieeffizienz so weit verbessert werden, dass der Energieverbrauch im Jahr 2040 geringer wäre als heute. Der Verbrauch von Erdgas würde in diesem Szenario bis 2030 steigen, danach aber wieder zurückgehen, gleichzeitig müsste der Anteil der Erneuerbaren Energiequellen steigen und der Verbrauch von Kohle drastisch reduziert werden. Der Ölverbrauch müsste im Jahr 2040 mit 65 Millionen Fass pro Tag wieder auf das Niveau der früheren 1990-er Jahre sinken.

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Neues Online-Verzeichnis zeigt Stromtankstellen für E-Autos

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Wien, 13. Nov. 2019

Auf Österreichs Straßen sollen immer mehr Elektro-Autos fahren. Damit wird auch der Bedarf an öffentlich zugänglichen Stromtankstellen steigen. Die Energieregulierungsbehörde E-Control hat nun ein Online-Ladestellenverzeichnis (www.ladestellen.at) entwickelt, das Autofahrern den nächsten öffentlichen Standort, die Ladeleistung und die Stecker-Art für das Laden ihres E-Autos zeigt.

Nach Eingabe des aktuellen Standortes findet das Tool zunächst die zehn nächstgelegenen Ladestellen. Diese werden sowohl auf einer Karte angezeigt als auch in einer Liste. Ein Preisvergleich unter den Stromtankstellen sei derzeit ebenso noch nicht möglich wie die Klärung der Frage, ob eine Ladestation gerade belegt ist oder frei, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Mittwoch bei der Vorstellung des Verzeichnisses. Private Anbieter wie Verkehrsclubs könnten das Tool künftig auch als App anbieten.

In Summe gab es hierzulande bis zum Ende des dritten Quartals rund 3.700 Normalladepunkte (bis 22kW) und etwa 530 Schnellladepunkte (ab 22kW). Im Online-Verzeichnis sind momentan rund 1.780 Ladestellen abgebildet. Zur Erklärung: Eine Ladestelle kann gleich mehrere Ladepunkte enthalten - vergleichbar mit einer Tankstelle, die mehrere Zapfsäulen hat.

"E-Mobilität ist ein wesentlicher Baustein zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen", sagte Umweltministerin Maria Patek. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 36 Prozent gegenüber 2005 auf 15,7 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden - freilich aber nicht nur über E-Autos.

Für die Jahre 2019 und 2020 hat die Regierung 93 Mio. Euro für Elektro-Mobilität vorgesehen. Der Staat fördert etwa Heimladestationen mit 400 Euro und den Ankauf eines E-Autos mit 3.000 Euro, statt davor mit 4.000 Euro. Laut austriatech-Daten gab es per September in Österreich fast 35.000 E-Fahrzeuge (Elektro, Plug-In Hybrid und Wasserstoff). Reine Elektro-Autos waren es 27.888. Im zehn Mal größeren Deutschland würden derzeit nur 85.000 bis 90.000 E-Autos fahren, so Verkehrsminister Andreas Reichhardt. Die deutsche Regierung spricht hingegen von 220.000 E-Autos.

Die deutsche Regierung und Autobauer haben erst kürzlich Milliardenhilfen beschlossen, um Elektro-Mobilität einen Schub zu verpassen. Reichhardt will Österreich nicht mit Deutschland vergleichen, zumal es hierzulande steuerliche Erleichterungen gebe, die es in Deutschland nicht gebe. Auch zeigten die Zulassungszahlen in Österreich, dass "wir nicht so schlecht liegen".

Die Forderung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), der einen Rechtsanspruch auf Strom-Ladestationen in Wohnhausanlagen verlangt, findet Reichhardt nachvollziehbar und das gehöre in die Strategie aufgenommen. Allerdings sei es nicht so einfach und liege nicht in Bundeskompetenz, so der Minister auf Nachfrage. Will etwa ein einzelner Wohnungseigentümer auf seine Kosten eine Ladestation in der Garage einer Wohnhausanlage installieren, ist die Zustimmung aller Miteigentümerinnen und Miteigentümer nötig. Ähnlich ist es bei Miet- und Genossenschaftswohnungen.

Eine Möglichkeit für neue Ladestationen biete der Handel, verweist Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, in einer Aussendung. Allein der Lebensmitteleinzelhandel habe mit 3.500 Betrieben in ganz Österreich zahlreiche Parkflächen, die mit Ladesäulen ausgerüstet werden könnten.

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OECD empfiehlt Österreich Reformen bei Klimapolitik

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Wien, 13. Nov. 2019

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am Mittwoch ihren Länderbericht für Österreich mit einer Reihe von Reformvorschlägen vorgelegt. Allen voran empfahl OECD-Länderdirektor Alvaro Pereira eine klimagerechte Steuerpolitik und eine Pensionsreform. Sorgen bereitet der Organisation die geringe wirtschaftliche Dynamik.

Grundsätzlich beurteilt die OECD die Situation Österreichs positiv: Hohe Einkommen, eine hohe Lebensqualität, und ein - wenn auch zuletzt abgeflautes - Wirtschaftswachstum knapp über dem Durchschnitt der anderen Industriestaaten. Dazu kommen sinkende Arbeitslosigkeit, ein ausgeglichenes Budget und sinkende - wenn auch noch relativ hohe - Staatsschulden.

"Der Wirtschaft geht es gut und die öffentlichen Finanzen sind gut organisiert", sagte Pereira. Sorgen bereiten der OECD aber die hohen Steuern und Abgaben auf Arbeitseinkommen sowie die geringe wirtschaftliche Dynamik - also die geringe Zahl von Unternehmensgründungen und das in Österreich traditionell unterentwickelte Risikokapital.

Der nächsten Regierung empfiehlt Pereira daher eine Senkung der Steuern auf Arbeit, insbesondere für niedrige Einkommen. Gegenfinanzieren könnte man das aus Sicht der OECD durch höhere Umwelt- und Vermögensteuern (konkret genannt wird eine Erbschaftsteuer) sowie durch die Reduzierung der Mehrwertsteuer-Ausnahmen. Im Blick hat die OECD hier allerdings nicht den reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Nahrungsmittel, sondern die Begünstigung des Tourismus, wie Pereira sagte. Die türkis-blaue Regierung hat ja erst vor einem Jahr die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtung von 13 auf zehn Prozent reduziert. Ganz grundsätzlich empfiehlt Pereira eine umweltfreundliche Politik (im Bericht werden auch höhere CO2-Preise vorgeschlagen), denn: "Grün zu sein ist gut fürs Geschäft."

Ebenfalls auf der Reformagenda steht der Dauerbrenner Pensionen. Hier empfiehlt die OECD einmal mehr die Koppelung des Antrittsalters an die Lebenserwartung. Dies deshalb, weil das Pensionsalter in den vergangenen zehn Jahren zwar um fünf Jahre gestiegen ist (von 58 auf 63 Jahre bei Männern und von 57 auf 61 bei Frauen von 2008 bis 2017). Im internationalen Vergleich ist es der Organisation aber immer noch zu niedrig - im OECD-Schnitt gehen Männer mit über 65 und Frauen mit über 63 Jahren in Rente.

Eine weitere Baustelle sieht die Industriestaatenorganisation in der Migration: Österreich zieht nämlich zwar viele Migranten an - mehr als ein Fünftel der Arbeitskräfte sind Ausländer. Allerdings sind viele Zuwanderer (38 Prozent) für ihre Jobs überqualifiziert. Die OECD macht dafür unter anderem die restriktive Anerkennung von ausländischen Berufs- und Studienabschlüssen verantwortlich und empfiehlt eine Lockerung. Außerdem rät Pereira dazu, mehr in Sprachförderung zu investieren und Zuwanderer verstärkt nach Qualifikationen auszuwählen. Denn auch in der Digitalisierung habe Österreich Nachholbedarf.

Forderungen

Die Wirtschaftskammer drängt angesichts des OECD-Länderberichts für Österreich auf eine Senkung der Körperschaftsteuer (KöSt) auf Unternehmensgewinne. "Wir brauchen eine Senkung des KöSt-Satzes sowie der Lohn-und Einkommenssteuer, denn das schafft auch im internationalen Standortwettbewerb mehr Fairness und stärkt die heimischen Betriebe", so Generalsekretär Karlheinz Kopf in einer Aussendung.

Die NEOS sehen sich durch den Bericht in ihrer Forderung nach einer Pensionsreform bestätigt. "Eine Pensionsreform, die ihren Namen auch verdient, muss in Angriff genommen werden", so Parteichefin Beate Meinl-Reisinger. Dadurch entstehe der Spielraum für Investitionen in Bildung - vom Kindergarten bis hin zur Erwachsenenbildung (Stichwort: Digitalisierung). Außerdem brauche es eine Entlastung der Steuerzahler: "Diese notwendigen Maßnahmen sind allen bekannt. Jetzt braucht es noch den Mut und die Entschlossenheit, diese Reformen in Angriff zu nehmen."

Wirtschaftsministerin Elisabeth Udolf-Strobl sieht eine besondere Herausforderung in der Integration von niedrigqualifizierten Zuwanderern sowie im Fachkräftemangel. Daher müsse man die Lehre attraktiv gestalten und verstärkt Hochqualifizierte aus dem Ausland rekrutieren.

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Wissenschaft und NGOs beklagen "Klimaschutzlähmung"

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Wien, 12. Nov. 2019

Wissenschaft und Umweltschutz-NGOs haben bei einer Pressekonferenz die "Klimaschutzlähmung" in Österreich beklagt. Besonders in der Kritik stand die Vorlage des nationalen Klimaplans (NKEP). Hier sei eine "rote Linie der politischen Verantwortung überschritten worden", sagte Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Institutes. Der Plan müsse dringend nachgebessert werden.

Die Bundesregierung hat nach der Präsentation des vorläufigen NKEP scharfe Kritik der Umweltschutzorganisationen auf sich gezogen. Eigentlich sollte der NKEP beschreiben, wie eine Reduktion der CO2-Emissionen gegenüber 2005 um 36 Prozent bis 2030 gelingen kann, aber genau solche konkreten Maßnahmen würden fehlen. Diese seien aber dringend nötig. Kirchengast kritisierte, dass ersten Berechnungen zufolge in Österreich 2019 wieder über 80 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert werden - und die Bilanz somit sogar wieder steige.

Für Global 2000 ist der aktuelle NKEP kein Weg, die entscheidenden Weichen für den Klimaschutz zu stellen. Vor allem im Verkehrs- und im Gebäudebereich klaffe eine große Lücke zwischen den gesteckten Zielen und den dargestellten Maßnahmen. "Wenn nicht nachgebessert wird, drohen Österreich bis zu 8,7 Mrd. Euro an Strafzahlungen", so die erneute Kritik von Klimasprecher Johannes Wahlmüller. Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich, urgierte, dass die künftige Bundesregierung "den Klimaschutz zur absoluten Priorität machen" müsse. "Das absolut Teuerste wäre es, jetzt nichts zu tun."

Johannes Stangl von FridaysForFuture war ein wenig ratlos: Bei Gesprächen mit Politikern hätten diese immer betont, dass Druck von der Gesellschaft notwendig sei, um Klimagesetze durchzusetzen. Inzwischen hat es Stangl zufolge 47 Schulstreiks junger Leute gegeben, 700 Gemeinden haben sich an Klimaaktionen beteiligt und beim letzten "Earth-Strike" waren 150.000 Demonstranten unterwegs. "Man soll uns einfach eine Zahl sagen, wir bringen die dann auf die Straße", sagte Stangl. Eine Gelegenheit dafür ist der nächste Klimastreik am 29. November.

Zu zivilem Engagement rief auch Katharina Rogenhofer auf, Sprecherin des Klimavolksbegehrens. Der NKEP sei jedenfalls "ein Schlag ins Gesicht" der Klimabewegung gewesen. "Das Klimavolksbegehren gibt uns die Möglichkeit, uns öffentlich für mutigen Klimaschutz auszusprechen", sagte Rogenhofer. Von der Politik forderte sie, dass Klimaschutz nicht länger eine Verhandlungssache, sondern zentraler Schwerpunkt sein sollte.

Sowohl die Wissenschaft als auch die NGOs wollten die derzeitige Regierung nicht aus ihrer Pflicht entlassen. Der "lückenhafte Energieplan" müsse vollständig repariert werden. Wenn die Regierung dazu nicht in der Lage sei, sollte der Nationalrat aktiv werden. "Österreich hat es trotz all unserer Bemühungen verabsäumt, den NKEP noch vor der Übermittelung bis 31. Dezember an Brüssel erfolgsfähig zu machen", kritisierte Kirchengast.

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Energie-Landesräte fordern -Strafzölle für klimaschädlich produzierte Waren

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12. Nov. 2019

Sonnenenergie. An dem Tag, an dem der neue Klimaschutzplan der Übergangsregierung vorgelegt worden ist, tagten in der AKW-Ruine in Zwentendorf die Energiereferenten der Bundesländer. Gemeinsam mit der derzeitigen Umweltministerin Maria Patek. Dort erlebte die Ministerin forschere Ansagen als jene Klimapunkte, die in dem Plan der Regierung zu finden sind. 

Den Vorsitz führte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). Er sprach auch die Frage von -Zöllen an, die derzeit auf europäischer Ebene diskutiert werden. Pernkopf: " Wir sind uns einig, dass es Waffengleichheit für die Stromerzeugung beziehungsweise beim Verbrauch von Energie geben muss. Also eine europaweite Besteuerung von Schiffsdiesel und Flugbenzin. Und die Einführung von europaweiten Klimazöllen. Denn wenn Waren in anderen Erdteilen klimaschädlich hergestellt und dann zu uns importiert werden, soll es einen Umwelt-Ausgleich geben." Das helfe dem Klima und der heimischen Wirtschaft. 
Energie-Manifest Hauptthema bei dem Treffen war die erneuerbare Energie als Gegenpol zum Atomstrom. Die Vorgabe von Ministerin Patek: "Bis zum Jahr 2030 soll der gesamte Strombedarf Österreichs aus Erneuerbarer Energie gedeckt werden können." Im Moment liege man bundesweit bei 75 Prozent. Für Pernkopf ist das AKW in Zwentendorf Symbol für die Forderung nach einem "klaren europäischen Bekenntnis zum Atomausstieg", so Pernkopf. 

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Sonnenenergie. Deswegen wurde der Fokus auf den Ausbau von Fotovoltaik-Anlagen gelegt. Dazu gab es sogar ein eigenes Manifest, in dem unter anderem festgelegt worden ist, dass Genehmigungen für solche Anlagen erleichtert und Anlagen auf Hallen, Dächern und Fassaden gegenüber jenen auf wertvollem Ackerland bevorzugt werden sollen. 

Burgenlands Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ): "Wir haben auch beschlossen, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen und möglichst viele Landes- und Bundesgebäude mit PV ausstatten werden. Allein im Burgenland haben wir dafür Dachflächen im Ausmaß von fast 20.000 Quadratmetern lokalisiert." Für Salzburgs Landeshauptmannstellvertreter Heinrich Schellhorn (Grüne) ist wichtig, dass es in diesem Bereich keine bürokratischen Hürden gibt. 
 


 

Kurier am 05.11.2019, S. 17
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Block im tschechischen AKW Temelin nach Panne wieder am Netz

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Temelin, 12. Nov. 2019

Nach einer Panne im grenznahen Atomkraftwerk Temelin in Tschechien ist der betroffene Reaktorblock 1 wieder ans Netz gegangen. Er werde derzeit mit 70 Prozent seiner Leistung betrieben, teilte Kraftwerkssprecher Marek Svitak mit. An einer Turbine waren Sonntagfrüh erhöhte Vibrationen festgestellt worden, über die der Betreiber CEZ einen Tag später die Öffentlichkeit informiert hatte.

Daraufhin war der Reaktor unplanmäßig auf ein Drittel seiner Leistung heruntergefahren worden. Vor dem Wiederhochfahren hätten Experten des Herstellers die Turbine mit einer speziellen Messapparatur untersucht, hieß es. Teile der Anlage zur Stromerzeugung aus Turbine und Generator seien neu ausbalanciert worden. "Wir werden die Betriebsparameter sorgfältig beobachten, denn die Sicherheit der Anlage, die wir für weitere Jahrzehnte betreiben wollen, hat für uns selbstverständlich Priorität", sagte AKW-Chef Jan Kruml.

In der Vergangenheit war es im AKW Temelin wiederholt zu ähnlichen Problemen gekommen. "Vibrationen und Abschaltungen der Turbinen gehörten zum Kolorit der ersten 15 Betriebsjahre und für eine Weile schien es, als hätten die Techniker dies mittlerweile unter Kontrolle", kritisierte Pavel Vlcek von der Bürgerinitiative OIZP aus Budweis (Ceske Budejovice). Nach Einschätzung der Atomaufsichtsbehörde SUJB in Prag hatte der Vorfall indes keine Auswirkungen auf die nukleare Sicherheit der Anlage.

Das AKW Temelin in Südböhmen ist nur 60 Kilometer von den Grenzen zu Ober- bzw. Niederösterreich und Bayern entfernt. Umweltschützer kritisieren die Anlage seit Jahren als besonders störanfällig.

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VCÖ für Rechtsanspruch auf E-Ladestationen in Wohnhäusern

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Wien, 12. Nov. 2019

Einen Rechtsanspruch auf Strom-Ladestationen für E-Autos in Wohnhausanlagen verlangt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Derzeit sei der Ausbau dort rechtlich behindert, das gelte für Miet- und Genossenschaftshäuser, aber auch für gemischte Miet- und Eigentumsbauten. Es müsse ein praktikables "Right to Plug" geben. Auch die E-Mobilitäts-Lobby Austrian Mobile Power hatte dies schon gefordert.

Frankreich und Spanien zum Beispiel hätten schon ein "Right to Plug"-Prinzip verankert - also ein Anrecht nach definierten Kriterien, in Wohngebäuden eine Lademöglichkeit nachrüsten zu dürfen, so der VCÖ in einer Aussendung. Dahin gehend sollte das österreichische Wohnrecht reformiert werden. Denn die Klimaziele seien nur erreichbar, wenn die Energiewende im Verkehr beschleunigt werde.

Mit 45,7 öffentlichen E-Ladestationen pro 100.000 Einwohnern liegt Österreich im Europa-Vergleich an achter und in der EU an sechster Stelle, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Europas Spitzenreiter sind hier die Niederlande und Norwegen mit 252,8 bzw. 232,8 E-Ladestationen pro 100.000 Personen.

In Österreich ist die öffentliche E-Ladestruktur deutlich besser als der EU-Schnitt (33,6). Vor Österreich liegen auch Luxemburg (154,5), Schweden (80,8), die Schweiz (67,0), Belgien (50,7) und sehr knapp Dänemark (45,8). EU-Schlusslicht ist Griechenland mit nur 0,5 E-Stationen pro 100.000 Einwohner.

Die gesamte EU weist fast 173.000 öffentliche E-Ladestationen auf, davon 4.064 in Österreich, aber 43.730 in den Niederlanden. In Deutschland sind es 32.704 Stationen bzw. 39,4 pro 100.000 Menschen.

Derzeit gibt es in Österreich mehr als 28.000 E-Pkw, für das Jahr 2020 ist laut VCÖ mit rund 50.000 E-Pkw zu rechnen. Mit der Zunahme der Elektrofahrzeuge sei auch die Ladeinfrastruktur auszubauen. Da E-Pkw hauptsächlich zu Hause geladen würden, gebe es bei den Wohnhausanlagen durch das Wohnrecht einen großen Mangel an Ladeinfrastruktur. Wolle ein einzelner Wohnungseigentümer auf seine Kosten eine sogenannte Wallbox in der Garage einer Wohnhausanlage installieren, sei die Zustimmung aller Miteigentümerinnen und Miteigentümer nötig - ähnlich sei es bei Miet- und Genossenschaftswohnungen.

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Geringere Produktionsmengen belasteten Ergebnis bei Uniper

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Düsseldorf, 12. Nov. 2019

Der deutsche Energiekonzern Uniper hat in den ersten neun Monaten wegen des Wegfalls positiver Einmaleffekte und geringerer Produktionsmengen weniger verdient als im Vorjahr. Der bereinigte operative Gewinn (EBIT) ging um fast 50 Prozent auf 203 Mio. Euro zurück. Das teilte der Konzern in Düsseldorf mit.

Auch der britische Kapazitätsmarkt wirkte sich negativ aus, heißt es in der Mitteilung. Der Umsatz des MDax-Konzerns ging leicht um ein Prozent auf 52,8 Mrd. Euro zurück. Nun erwartet Uniper allerdings ein starkes viertes Quartal.

Bereits am Montagabend hatte der Konzern die Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr erhöht und eine höhere Dividende in Aussicht gestellt. Hintergrund ist eine bessere Lage des britischen Geschäfts. Das Unternehmen, bei dem der finnische Konzern Fortum die Mehrheit anstrebt, rechnet im laufenden Jahr jetzt mit einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwischen 750 und 950 (2018: 865) Mio. Euro.

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Deutschland verzichtet auf Zwang zu Kohlemeiler-Abschaltung

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Berlin, 12. Nov. 2019

Die deutsche Regierung will beim Kohle-Ausstieg nun doch auf Zwang für die Kraftwerksbetreiber verzichten. In dem neuen Gesetzesentwurf des Wirtschaftsministeriums, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, sind entsprechende frühere Passagen gestrichen. Bis 2026 sollen Steinkohle-Kraftwerke allein über Ausschreibungen vom Netz gehen.

Dabei gibt der Staat ab 2020 eine Prämie vor, die Betreiber im Gegenzug für das Aus kassieren können. Kommen nicht genügend Angebote vonseiten der Betreiber zusammen, soll es jetzt keine zwangsweise Abschaltung der ältesten Anlagen mehr geben. Daher gilt als sicher, dass die staatlichen Prämien höher als zunächst geplant ausfallen müssen, um den Ausstieg wie von der Kohlekommission der Regierung vorgesehen umzusetzen. Das Gesetz soll am 18. November im Kabinett beschlossen werden.

Das Tempo der Abschaltungen über die nächsten Jahre soll sich zudem an dem Aus für Braunkohle-Kraftwerke orientieren, die in gesonderten Verhandlungen mit den Betreibern vom Netz gehen sollen. Ferner will die Regierung stark steigende Strompreise verhindern und notfalls Abschaltungen verzögern: "Bei Bedarf werden geeignete Maßnahmen ergriffen und gegebenenfalls die Ausschreibungen ausgesetzt, um eine preisgünstige Versorgung weiterhin zu gewährleisten." Ab 2023 sieht der Entwurf zudem Entlastungen bei den Gebühren vor, die Verbraucher bei der Nutzung der Stromnetze zahlen. "Zusätzlich wird eine weitere Maßnahme vorgesehen, um energieintensive Stromverbraucher weiter zu entlasten."

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Iran verkündet Entdeckung von riesigem Erdölfeld

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Teheran, 11. Nov. 2019

Im Iran ist nach Regierungsangaben ein riesiges Erdölfeld entdeckt worden. Das mehr als 2000 Quadratkilometer große Gebiet im Südwesten des Landes verfüge über 53 Milliarden Barrel Öl, sagte Präsident Hassan Rouhani am Sonntag in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede. Sollten sich die Angaben bestätigen, würde sich das Erdölvorkommen im Iran um ein Drittel erhöhen.

Das Ölfeld liege in der Provinz Chusestan nahe der Grenze zum Irak und dehne sich fast 200 Kilometer bis zur Stadt Omidiyeh aus, sagte Rouhani. "Dies ist ein kleines Geschenk der Regierung an die Iraner", sagte der Präsident weiter.

Der Energiekonzern BP schätzt das Rohölvorkommen im Iran bisher auf 155,6 Milliarden Barrel. Die Islamische Republik stand damit bereits an vierter Stelle der größten Ölnationen der Welt. Bei den Gasreserven steht das Land sogar an zweiter Stelle weltweit. Seine Ölexporte sind allerdings wegen der von den USA verhängten Sanktionen nach ihrem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran eingebrochen.

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Preischaos an den Ladesäulen für E-Autos

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11. Nov. 2019

Eine Strompreisstudie der Wiener Arbeiterkammer kritisiert die Intransparenz an öffentlichen Ladesäulen: Die Abrechnung muss rasch von Zeiteinheiten auf Leistungsbezug umgestellt werden.

Auch wenn das Fahren mit dem Elektroauto von den Energiekosten her im Durchschnitt etwas billiger kommt als mit Benzin oder Diesel, die Frage, wie viel es wirklich kostet, ist im Vorhinein kaum zu ermitteln. Das erkennt man sofort, wenn man die Tarifmodelle der Betreiber von gewerblichen öffentlich zugänglichen Ladesäulen ansieht. Die Arbeiterkammer (AK) hat deshalb 2018 eine Studie zu Preissituation und Abrechnungsmethoden veröffentlicht und diese nun noch einmal aktualisiert. 
Einfache Schlussfolgerung daraus: Es hat sich nichts gebessert. Es ist höchst an der Zeit, dass der Gesetzgeber europäisches Recht umsetzt, also die EU-Richtlinie zur Festlegung einheitlicher Standards beim Infrastrukturaufbau für alternative Kraftstoffe 2014/94 EU befolgt, welche die Möglichkeit eines einfachen und eindeutigen Preisvergleichs einfordert. 

Zur gelebten Praxis: In der Regel ist die günstigste Variante, ein E-Auto zu betreiben, überwiegend zu Hause an der eigenen Ladeeinrichtung (Wallbox) oder am Arbeitsplatz zu laden. Dort bezahlt man den Haushaltstarif. In Österreich so über den Daumen 20 Cent pro Kilowattstunde. Jedenfalls lassen sich die exakten Kosten für den Strombezug unter Rücksprache mit Netzbetreiber und Stromlieferanten klar vorhersagen. 

Intransparent wird es aber sofort, sobald man unterwegs lädt. Die Stromanbieter haben sich nämlich flugs die Tarifmodelle der Handybranche abgeschaut. Da Energieversorger aber nicht nur lauwarme Gesprächsluft transportieren, sondern handfest Energie verteilen, erscheinen diese Geschäftspraktiken ganz besonders fragwürdig. 

Die Arbeiterkammer kritisiert, dass es keine einheitliche Abrechnungseinheit gibt, etwa nach dem Energieinhalt in Kilowattstunden. Die Preisunterschiede zwischen den Tarifmodellen der Anbieter klaffen laut Arbeiterkammer noch weiter auseinander als vor einem Jahr. Die Differenz zwischen Mindest- und Maximalpreisen liegt bei Tarifverträgen bei 186 Prozent (+1 Prozentpunkt), bei Pauschalen bei 109 Prozent (+26 Prozentpunkte) und beim Direct-Payment bei 161 Prozent (+73 Prozentpunkte). Die Durchschnittspreise haben sich bei Tarifverträgen um 2,3 Prozent erhöht, bei Direct Payment rund 10,8, nur bei Pauschalverträgen sind die Preise gesunken (–9,1 Prozent). 

Undurchsichtig 

Trotz der gewaltigen Preisunterschiede durch undurchsichtige Tarifmodelle kommt Stromtanken im Schnitt immer noch billiger als Tanken fossiler Kraftstoffe. So hat die AK 41 Tarife von 18 Anbietern beobachtet und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: „Die Kosten für 100 km mit dem E-Auto liegen im Durchschnitt bei einem Vertragstarif bei 4,995 Euro, was deutlich günstiger ist als Fahrten mit Benzin (€ 9,096) oder Diesel (€ 8,345).“ Trotzdem: Angesichts der deutlich höheren Tarife bei Bezahlung via Direct Payment (Kreditkarte) kann man mit seinem Elektroauto schon in die Nähe der Energiekosten eines Dieselfahrzeugs kommen. 

Aber Durchschnittswerte spiegeln nicht das wahre Leben im Einzelfall wider. Da kann es zu bösen Überraschungen bei der Abrechnung kommen. Die weitverbreitete Abrechnung in Minuten Ladezeit lässt nämlich keinen Schluss auf die tatsächlich abgegebene Strommenge zu. Die Anzeigen in Kilowattstunden, falls überhaupt vorhanden, sind großteils nicht geeicht. 

Der wahre Energietransfer ist unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar: Unterschiedliche Fahrzeuge nehmen aufgrund unterschiedlicher Ladetechnik im Auto auch höchst unterschiedliche Mengen an Strom auf, sowohl vom Maximalwert her als auch über die Ladezeit verteilt. 

Dabei wäre die Lösung ganz einfach: geeichte Anzeigen und Abrechnung in Kilowattstunden. Neben der Forderung nach mehr Preistransparenz und einer verpflichtenden Abrechnung in kWh fordert die AK auch die „Einführung eines Preismonitorings, vergleichbar zum Spritpreismonitor, etwa angesiedelt in der E-Control, welche derzeit bereits das Ladepunkteregister führt“. 

Eine Abrechnung nach Ladezeit ist aus Konsumentensicht so ziemlich das Unfairste, das man sich vorstellen kann. Bei den Angaben etwa 3,7 kW, 11 kW, 22 kW beim Wechselstromladen oder 50, 150 kW oder gar 350 kW beim Gleichstromladen handelt es sich um maximale Ladeleistungen von Ladesäule oder Fahrzeug, aber nur ganz selten um die tatsächliche Leistung, mit der Strom übertragen wird. Die liegt nämlich weit darunter. Hohe Ladeleistungen werden nur anfangs erreicht, dann gehen sie zurück, um die beim Laden wärmer werdende Batterie zu schonen. 

Tatsächlich ist es so, dass das Messen exakter Energiemengen vor allem beim Gleichstromladen von Technikern immer wieder als schwierig, zumindest kostspielig dargestellt wird. Das erscheint nicht ganz nachvollziehbar, zumal im gleichen Atemzug von Smart Grids, also intelligenten Netzen, und bidirektionalem Laden und vom Auto als Pufferspeicher für das ganze Stromnetz gesprochen wird. 
 

von Rudolf Skarics 


 

Der Standard, 09.11.2019, S. 21
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Der Kernfusionsreaktor Iter wird immer teurer und verzögert sich weiter

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11. Nov. 2019

Forschung Angesichts des Ausbaus erneuerbarer Energien zweifeln Experten am Sinn des Projekts. 
Angesichts der Klimakrise ist es die Verheissung schlechthin: die Fusion von Atomkernen, wie dies auf der Sonne geschieht: eine enorme Energiequelle, unabhängig von Öl und Gas, Sonne oder Wind. Und eine, die kein Kohlendioxid ausstossen würde. Seit die USA 1952 die Wasserstoffbombe gezündet haben, die nach dem Prinzip der Kernfusion arbeitet, versuchen Forscher, diese Energie zu bändigen. 

Das bekannteste und aufwendigste Projekt ist der International Thermonuclear Experimental Reactor, kurz Iter, in Südfrankreich. Sieben Partner, die USA, China, Russland, Indien, Japan, Südkorea und die EU, sind an dem Projekt beteiligt. Seit 2007 bauen sie an dem Reaktor. 

Doch seit Jahren steht Iter in der Kritik: Immer wieder wurden Ziele nach hinten verschoben. Schon 2018 sollte ursprünglich Wasserstoffplasma erzeugt werden, das wird jedoch erst frühestens Ende 2025 der Fall sein. Es ist die Voraussetzung, dass die weiteren Experimente anlaufen können. Erst nach 2035 sollen die Experimente mit dem Deuterium-Tritium-Gemisch anlaufen. Ihre Kernfusion sollletztlich Energie erzeugen. Der Meilensteinwar ursprünglich zehn Jahre früher vorgesehen. 

20 Milliarden Euro 

Über die Jahre stiegen auch die Kosten von Iter immer weiter, von geplanten 5 auf bisher knapp 20 Milliarden Euro. Die Verzögerungen und die hohen Kosten waren jedoch lange kein Grund, das Projekt grundsätzlich infrage zu stellen. Dafür war die Verheissung nahezu grenzenloser, treibhausgasneutraler Energie einfach zu gross. Und das bis ins Jahr 2050. 

Jetzt ist klar: Iter wird dieses Ziel nicht erreichen. Es wurde von Generaldirektor Bernard Bigot kassiert. Frühestens 2055 könne es so weit sein, dass ein neuer, grösserer Demonstrationsreaktor Strom liefere, kommerziell erst zehn Jahre später, schätzen Wissenschaftler. Nach Auffassung des Schweizer Kernforschers Michael Dittmar hat das Fusionsprojekt damit seinen Sinn verfehlt. Diesen Schluss zieht er in einem Gutachten, das dieser Zeitung vorliegt. 

Fusionsforscher wollen aber an dem Projekt festhalten, so auch Sibylle Günter, Wissenschaftliche Direktorin am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, das ebenfalls an der Kernfusionsanlage arbeitet. Sieversteht nicht, warum sich alle auf das Jahr 2050 versteifen. "Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird unser Energieproblem noch nichtgelöst sein, im Gegenteil. Da kann Kernfusionsenergie ein entscheidender Faktor sein." 

Am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie sieht man das anders. Schliesslich drohten "nicht mehr beherrschbare Veränderungen des Erdsystems", wenn das Pariser Klimaabkommen nicht erfüllt werde. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Instituts, sagt: "Die globalen Probleme müssen bis 2050 gelöst werden, dafür kommt Iter zu spät." Ohnehin könnte die Stromversorgung bis 2050 durch erneuerbare Energien abgedeckt sein, schätzt Fischedick. Dann würden auch die Stromkosten stark sinken. "Vor diesem Hintergrund erübrigt sich die Frage nach Iter", sagt er. 

Doch das deutsche Forschungsministerium hält trotz der Verzögerung und der Mehrkosten an dem Prestigeprojekt fest. Denn Iter könnte eine "langfristige Option" sein für die Energieversorgung. Deshalb beteilige sich Deutschland über die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) weiter an Iter, heisst es aus dem Ministerium. Euratom ist eine der EU gleichrangige Institution, die sich mit ihr alle Organe teilt und das Ziel hat, Atomkraft und Kernfusion zu fördern. 

Euratom kann als "gastgebende Partei" nicht aus dem Iter-Projekt aussteigen, das regelt das gemeinsame Übereinkommen. Wenn Deutschland allein aussteigen wollte, ginge das nur, wenn es Euratom verliesse. Ob das möglich ist, ohne damit auch die EU zu verlassen, ist fraglich.

Zu wenig radioaktives Gas 

Mit 45 Prozent trägt Euratom den Grossanteil der Kosten. Im Finanzrahmen der EU für 2014 bis 2020 sind für Iter fast 3 Milliarden Euro veranschlagt. Das Budget soll aber verdoppelt werden: Mehr als 6 Milliarden Euro will die EU von 2021 bis 2027 in die Anlage stecken. 

Für die Gegner von Iter ist das ein Skandal. Die Technik sei überschätzt worden und habe zu höheren Kosten geführt, gibt Sibylle Günter zu. Aber Iter sei eben auch ein sehr komplexes Projekt. Und die Kosten könnten noch steigen: Kernforscher Michael Dittmar geht von mehreren Milliarden Euro aus, die allein die Forschung mit Tritium kosten werde. Das radioaktive Gas wird für die Fusionsreaktion benötigt und soll innerhalb des Reaktors entstehen, so die Hoffnung. Die weltweite Versorgung mit Tritium reiche nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken, heisst es bei Iter. 

Frühestens 2065 dürfte Iter kommerziell Strom liefern: Blick in den im Bau befindlichen Reaktor in Südfrankreich. Foto: Jean-Paul Pelissier

 


 

Tagesanzeiger, 12.11.2019, S. 12
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Der lange Weg zum grünen Stahl

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Linz, 11. Nov. 2019

Wasserstoff: Pilotanlage der voestalpine ist ein erster Schritt Richtung Stahlerzeugung fast ohne Kohlendioxid-Emission Von Dietmar Mascher 

Am Montag haben die Projektpartner voestalpine, Siemens und Verbund ihre Wasser-Elektrolyse-Anlage in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um die weltweit größte derartige Pilotanlage. 18 Millionen Euro wurden dafür investiert, davon trägt zwei Drittel die EU. 

?Warum betreibt die voestalpine mit ihren Partnern diese Wasserstoff-Pilotanlage? 

Die Stahlindustrie ist einer der größten Emittenten von Kohlendioxid (CO2), muss demnach auch einen enormen Beitrag leisten, wenn es darum geht, die Klimaschutzziele (minus 80 Prozent CO2 bis 2050) zu erreichen. Schon jetzt ist die voestalpine jener Konzern, der zu den saubersten Stahlproduzenten der Welt gehört. Langfristiges Ziel ist es, Koks und Kohle bei der Stahlproduktion durch grünen Wasserstoff zu ersetzen. Die Pilotanlage von Siemens könnte bis 2023 laufen. Der Verbund liefert den Strom aus Wasserkraft. 

?Was passiert in dieser Pilotanlage? 

Mit Hilfe von erneuerbarer Energie wird Wasser in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird zunächst ins Gasnetz der voestalpine eingespeist. "Der Wasserstoff könnte nicht nur Bestandteil der Stahlproduktion sein, die Elektrolyse könnte auch dazu dienen, Überschussenergie aus dem Netz zu nehmen und das Netz auf diese Art und Weise zu stabilisieren", sagt Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun. 

?Wie soll sich der Weg zur CO2-armen Stahlproduktion gestalten? 

Vor allem muss es letztlich gelingen, eine "grüne Stahlproduktion" auch wirtschaftlich darzustellen. Die Pilotanlage soll eine Technologietransformation einleiten. Die voestalpine prüft derzeit die Umsetzung einer Hybridtechnologie, die die bestehenden Hochöfen (mit Koks und Kohle) mit Elektrolichtbogenöfen unter Einsatz von Wasserstoff ersetzt. Mit dieser Technologie, die nach derzeitigem Stand zwischen 2030 und 2035 starten könnte, könnte man die CO2-Emissionen um 30 Prozent senken, sagt voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner. Langfristig müsse es aber das Ziel sein, die Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zu reduzieren. 

?Was sind die größten Herausforderungen dabei? 

"Die erneuerbare Energie muss in ausreichender Menge und zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen zur Verfügung stehen", sagt Eibensteiner. Die neue Technologie würde einen Mehrenergiebedarf von rund drei Terawattstunden bedeuten, das entspricht vier Prozent des derzeitigen Verbrauchs in ganz Österreich. Der Verbund, der mit seinen Wasserkraftwerken für rund 30 Terawattstunden verantwortlich zeichnet, könne liefern, sagt Generaldirektor Wolfgang Anzengruber. Es ist jedoch nicht der Strom selbst, der Kopfzerbrechen macht, es sind vielmehr die Leitungen. Es braucht ein 220-kV-Netz, über das die voestalpine in Linz mit ausreichend Strom beliefert werden müsste. Dafür würden die Vorbereitungen laufen, es brauche auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Bis 2026 könnte das Projekt stehen, sagt Eibensteiner. Gefordert sind dabei auch Stadt und Land. Schon bei seinem ersten Medienauftritt im September hat Eibensteiner darauf hingewiesen, dass die Lage für den Standort Linz "problematisch" sein könnte, wenn hier nichts gelingt. 

?Muss die öffentliche Hand helfen? 

Derzeit rechnet sich noch keines der neuen Projekte. Die EU fördert daher erfolgversprechende Anlagen und wird das auch weiterhin tun. Bei den Umstellkosten muss die öffentliche Hand Geld beisteuern. 
 


 

Oberösterreichische Nachrichten, 12.11.2019, S. 7