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OMV und Schlumberger planen strategische Kooperation

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Wien/Houston (Texas), 15.10.2018

Die OMV und der Öl-Dienstleister Schlumberger haben eine Absichtserklärung für eine strategische Zusammenarbeit unterzeichnet, wie der österreichische Mineralölkonzern am Montag mitteilte. Die Absichtserklärung diene dazu, den Einsatz der digitalen OMV Roadmap mittels verfügbarer, neuer und durch Schlumberger in der Entwicklung befindlicher Technologie zu beschleunigen, hieß es von der OMV.

Der für die Öl- und Gasförderung zuständige OMV-Vorstand Johann Pleininger erklärte: "Die Zusammenarbeit würde uns in eine Vorreiter-Position in ausgewählten Gebieten bringen und der OMV einen frühzeitigen Zugang zu neuer digitaler Technologie ermöglichen."

Schlumberger gehört wie Halliburton zu den Branchenführern unter den Ölfeldausrüstern. Die Technik-Dienstleister der Ölbranche kommen ins Spiel, wenn nach Öl oder Gas gesucht wird und helfen mit, dieses dann an die Oberfläche zu bringen.

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Ölpreise gestiegen - Streit zwischen USA und Saudis stützt

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Singapur/Frankfurt, 15.10.2018

Die Ölpreise haben am Montag zugelegt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat ein Streit zwischen den USA und dem führenden OPEC-Land Saudi-Arabien den Notierungen in der Früh Auftrieb verliehen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete zuletzt 81,18 US-Dollar (70,14 Euro). Das waren 75 Cent mehr als am Freitag.

Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur November-Lieferung stieg um 52 Cent auf 71,86 Dollar. Am Wochenende war Saudi-Arabien im Streit um die mutmaßliche Ermordung eines Journalisten auf offene Konfrontation zu den Vereinigten Staaten gegangen.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Saudi-Arabien mit einer "schweren Bestrafung" gedroht, wenn der Journalist - der im Exil in den USA lebte - von einem saudischen Kommando in Istanbul getötet worden sein sollte. Die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtete am Sonntag unter Berufung auf nicht näher genannte offizielle Quellen, dass jede Handlung gegen das Land "mit einer größeren Handlung" beantwortet werde.

Vor dem Hintergrund des Streits hat es mehrere Absagen von führenden Vertretern der US-Wirtschaft für eine Konferenz in der saudischen Hauptstadt Riad gegeben. Bei dem für kommende Woche geplanten Wirtschaftsgipfel, auch "Wüsten-Davos" genannt, ist unter anderem der Chef der US-Großbank JPMorgan, Jamie Dimon, von einer früheren Zusage zurückgetreten und wird an dem Treffen nicht teilnehmen. Dagegen wird US-Finanzminister Steven Mnuchin weiterhin auf dem hochrangigen Treffen erwartet.

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Deutschland bei Solarstrom in Europa weit vorn

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Münster, 15.10.2018

Deutschland ist Europameister bei der Stromproduktion aus Sonnenenergie - mit weitem Abstand vor den Mittelmeer-Ländern Italien und Spanien. In diesem Jahr hätten deutsche Solaranlagen bereits 38,1 Mrd. Kilowattstunden Strom erzeugt, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) am Montag in Münster mit.

Im Länder-Ranking auf Platz zwei liege Italien mit 15,6 Mrd. Kilowattstunden vor Spanien mit 10,7 Mrd. Kilowattstunden. Der Bundesverband Solarwirtschaft hatte bereits im vergangenen Monat mitgeteilt, dass die Stromproduktion aus Sonnenenergie 2018 einen Rekordwert erreichen wird.

Europaweit seien bisher 100 Mrd. Kilowattstunden Solarstrom erzeugt worden. Bis zum Jahresende rechnet das IWR mit einer Gesamtproduktion von 113 Mrd. Kilowattstunden, 9 Milliarden mehr als 2017. Das IWR hat Daten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ausgewertet.

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Cepsa bläst milliardenschweren Börsengang ab

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Madrid, 15.10.2018

Der spanische Ölkonzern Cepsa hat wegen der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten seinen milliardenschweren Börsengang abgesagt. Die Bereitschaft der Investoren, Aktien zu zeichnen, habe im gegenwärtigen Marktumfeld erheblich abgenommen, begründete Cepsa am Montag die Entscheidung.

Der Staatsfonds Mubadala von Abu Dhabi, dem Cepsa gehört, hatte durch den Verkauf eines 25-prozentigen Anteils an dem Ölkonzern rund 2 Mrd. Euro einnehmen wollen. Es wäre der größte Börsengang eines Ölkonzerns seit 2008 gewesen.

Sorgen um die Weltkonjunktur, die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU-Kommission sowie die Furcht vor einem ungeregelten Brexit haben die weltweiten Finanzmärkte in den vergangenen Wochen auf Talfahrt geschickt. Der Madrider Leitindex IBEX notiert auf einem Zwei-Jahres-Tief.

Vor Cepsa hatten bereits mehrere Schwergewichte ihre Börsenpläne wegen der fallenden Aktienmärkte auf die lange Bank geschoben. Dazu gehörten etwa der chinesische Musikstreamingdienst Tencent Music und der niederländische Autoleasing-Anbieter und Flottenmanager Leaseplan. In Deutschland sagte der Stuttgarter Spezial-Anlagenbauer Exyte seinen milliardenschweren Börsengang ab, nachdem sich das Unternehmen nicht mit seinen Preisvorstellungen durchsetzen konnte.

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Deutsche Ökostrom-Umlage sinkt 2019 auf 6,405 Cent pro kWh

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Berlin, 15.10.2018

Die Umlage zur Förderung von Ökostrom in Deutschland sinkt. Die Abgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) beträgt im kommenden Jahr 6,405 Cent pro Kilowattstunde und ist damit um 5,7 Prozent niedriger als im Vorjahr. Das teilten die Betreiber der großen Stromnetze am Montag mit. Die EEG-Umlage ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises, sie macht ungefähr ein Viertel aus.

Dazu kommen neben den Netzentgelten aber auch noch Steuern, weitere Abgaben und Umlagen sowie die Produktionskosten. Trotz der Entlastung bei der Ökostrom-Umlage könnten die Strompreise für Privathaushalte im kommenden Jahr insgesamt nach Darstellung von Branchenexperten aber leicht steigen. Grund sind vor allem erwartete höhere Netzentgelte und Beschaffungskosten.

Zugleich gaben die großen Stromnetzbetreiber die sogenannte Offshore-Netzumlage für 2019 bekannt. Sie beträgt 0,416 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten für den Anschluss von Windkraftanlagen vor den Küsten an das Hauptstromnetz werden über diese Netzumlage von den Verbrauchern getragen.

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Angst um Jobabbau: RWE-Mitarbeiter blockierten Zufahrten

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Düsseldorf/Essen, 15.10.2018

Tausende Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE haben am Montag Zufahrten zu den Tagebauen und Kraftwerken im Rheinischen Revier blockiert. An verschiedenen Mahnwachen beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE etwa 4.000 Beschäftigte. "Die Kollegen haben Angst um ihre Zukunft und Arbeitsplätze", sagte Gewerkschaftssprecher Manuel Rendla.

Nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst droht bei RWE möglicherweise ein Stellenabbau. Am Braunkohle-Tagebau Hambach hängen nach Unternehmensangaben 4.600 Arbeitsplätze. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte Anfang Oktober die Rodung des Hambacher Forsts bis zu einem endgültigen Urteil untersagt. RWE kündigte danach an, die Förderung im Tagebau zu drosseln.

Die Aktionen Montag hatten nach Konzernangaben keine Auswirkungen auf die Stromproduktion. Diese sei durch eine Notbesetzung gesichert, sagte ein RWE-Sprecher.

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OMV-Chef gegen oberste Priorität fürs Klima

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Wien, 12.10.2018

Gegenüber Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sollte das Klima nach den Worten von OMV-Chef Rainer Seele nicht die Priorität haben. "Wenn wir in Österreich die sauberste Luft haben und alle sind arbeitslos, ist das auch ein Problem", so der Generaldirektor des Öl- und Gaskonzerns im Interview mit dem neuen "trend".

Nachhaltigkeit stehe nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit - aber das Klimathema könne die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit nicht ersetzen, betonte Seele. Die Klimastrategie der Regierung trage die OMV mit, nur in einigen Punkten habe man eine andere Meinung, etwa dass Erdgas am Wärmemarkt eine viel bessere Lösung sei als eine Holzpellet-Heizung. Aber: "Eine Klimastrategie, die aus fossilen Energieträgern ganz aussteigen will, würden wir als OMV nicht unterstützen."

Kein Häuslbauer setze mehr auf eine Ölheizung, meinte Seele zum Ausstieg der OMV aus der Initiative "Heizen mit Öl" per Ende 2019: "Uns ist bewusst, dass wir künftig weniger Heizöl, das unsere Raffinerie Schwechat produziert, verkaufen werden." Längerfristig werde man auch weniger Diesel und Benzin absetzen - dafür mehr Vorprodukte für den Kunststoffproduzenten Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält. "Das heißt, wir werden den Output zugunsten von Petrochemikalien und Flugturbinentreibstoff verschieben", sagte Seele.

Die Debatte um das Thema "stärkere Einmischung der Regierung bei ihren Beteiligungen" hält Seele "für stark übertrieben". Es sei doch selbstverständlich, dass sich die Regierung um eine Beteiligung wie die OMV kümmere: "Ein Aktionär mit 31,5 Prozent" wie die Republik Österreich "hat das Recht, stärker eingebunden und nicht bloß Beisitzer zu sein." Wie berichtet hat OMV-Aufsichtsratschef Peter Löscher Mitte September in einem Schreiben an Finanzminister Hartwig Löger dessen Pläne für eine stärkere direkte Staatskontrolle kritisiert und seinen Abgang mit der Hauptversammlung 2019 angekündigt.

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Österreichische Treibstoffpreise unter dem EU-Durchschnitt

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Wien/Brüssel, 12.10.2018

Laut neuem Treibstoffpreis-Monitor der EU-Kommission, den das Nachhaltigkeitsministerium am Freitag veröffentlicht hat, liegen die österreichischen Treibstoffpreise für Eurosuper 95 und Diesel unter dem EU-Schnitt.

Die durchschnittlichen Treibstoffpreise an der Tankstelle (inklusive Steuern) betrugen per 8. Oktober für Eurosuper 95 in Österreich 1,334 Euro pro Liter und im EU-Durchschnitt 1,494 Euro pro Liter. Der Preis lag damit in Österreich um 16 Cent pro Liter unter dem EU-Durchschnitt.

Die Dieselpreise waren in Österreich ebenfalls billiger als im EU-Durchschnitt. Die Bruttopreise für Dieselkraftstoff betrug in Österreich 1,308 Euro pro Liter und im EU-Durchschnitt 1,414 Euro pro Liter. Der Bruttopreis für Dieselkraftstoff lag demnach in Österreich um 10,6 Cent pro Liter unter dem EU-Durchschnitt.

Die durchschnittlichen Nettopreise (ohne Steuern und Abgaben) waren in Österreich hingegen leicht teurer als im EU-Durchschnitt. Eurosuper 95 lag mit 0,618 Euro pro Liter um 0,3 Cent und Diesel mit 0,68 Cent pro Liter um 1,1 Cent über dem EU-Durchschnitt.

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"Die OMV wird größer werden, deutlich größer"

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12.10.2018
OMV-Boss Rainer Seele über seine atemberaubende EINKAUFSTOUR, seinen WACHSTUMSFETISCHISMUS und seine eigene KLIMASTRATEGIE. Und über den von Wladimir Putin versprochenen FREUNDSCHAFTSORDEN.
 
TREND: Sie haben letzte Woche mit der russischen Gazprom eine neue Vereinbarung über den Einstieg in das große Gasfeld Urengoi getroffen. Aus dem geplanten Asset-Tausch wird nun endgültig ein Cash-Deal?
 
RAINER SEELE: Das ist mit wenigen Worten richtig zusammengefasst. Wir mussten 2016 wegen der hohen Verschuldung der OMV kreativ sein. Mittlerweile hat sich unsere finanzielle Lage dramatisch verbessert, sodass wir die Transaktion cash zahlen können. Ein kleiner Wermutstropfen ist dabei, weil wir mit der Gazprom gerne auch außerhalb Russlands was gemeinsam gemacht hätten und ihr darum eine Beteiligung an unserer Tochter in Norwegen angeboten haben. Der Vorteil ist, dass wir dort jetzt nichts hergeben müssen. Urengoi wird jetzt final bewertet, dann müssen umfangreiche Verträge aufgesetzt werden. Bis Sommer 2019 hoffe ich auf eine Finalisierung des Deals.

Das norwegische Geschäft wird die OMV behalten, weil Sie beim derzeit hohen Ölpreis dort gut verdienen? Wir verdienen überall gut Geld, das ist mir wichtig. In manchen Märkten verdienen wir viel, in anderen sehr viel. Das ist die glückliche Situation, in der wir uns derzeit befinden. Aber es war schon ein hartes Stück Arbeit. Als ich zur OMV gekommen bin, gab es noch einige Operations, die selbst beim jetzt hohen Ölpreis keinen Gewinn abgeworfen hätten, zum Beispiel Großbritannien. Natürlich erhöhen sich durch den Ölpreisanstieg auch die Kosten für Investitionen in die Förderung -in Russland wegen der Schwäche des Rubels allerdings weniger als anderswo. Das ist einer unserer Vorteile.

OMV und Gazprom haben auch einen weiterführenden Kooperationsvertrag bekannt gegeben. Was haben wir uns darunter vorzustellen? Es wurde damit bekräftigt, dass wir eine strategische Partnerschaft haben, die über eine rein wirtschaftliche hinausgeht. Wir stimmen bestimmte Strategien aufeinander ab und haben das jetzt durch die Gründung eines Koordinierungskomitees institutionalisiert. Dem sollen Vorstände beider Unternehmen angehören, die verschiedene Themenkreise leiten.
Welche Projekte sind denn gemeinsam geplant? Also ich bin zwar gerade erst aufgestanden, aber wach genug, dass ich Ihnen da jetzt nichts Konkretes verraten werde. Wir stehen erst am Anfang der Gespräche.

Wäre ein gemeinsamer Auftritt am Gas-Retail-Markt in Deutschland eine Möglichkeit? Das ist keine Überlegung. Meine Marke heißt OMV -und die ist die allerbeste. Im Downstream-Bereich gibt es bekanntlich ein anderes Projekt, an dem Gazprom und wir beteiligt sind: die Pipeline Nord Stream 2.
Infrage käme auch eine gemeinsame Bewirtschaftung von Gasspeichern? Ich glaube generell, dass die Speicher eine Renaissance erleben werden, weil der Gasbedarf in Europa in dem Maße steigen wird, in dem andere Energieträger zurückgedrängt werden. Denken Sie an die Diskussion um die Braunkohle in Deutschland! Oder an den Atomausstieg! Und Österreich verfügt über eine sehr hohe Speicherkapazität -als einziges Land in der EU für einen gesamten Jahresbedarf. Mit Gazprom ist das derzeit kein Thema. Ich schließe eine Kooperation aber nicht kategorisch aus.

Sie waren diese Woche mit Finanzminister Löger in Abu Dhabi. Was wurde mit dem zweiten Kernaktionär der OMV besprochen? Der Besuch hatte mehr eine politische Agenda, es war ein Eigentümertreffen. Aber ich freue mich natürlich, dass die österreichische Regierung uns unterstützt und ein weiteres Signal für eine stärkere Zusammenarbeit mit Abu Dhabi gesandt hat. Wenn sich die Eltern gut verstehen, dann fühlen sich die Kinder besonders wohl. Das wissen wir alle aus eigener Erfahrung. (Anm: Die nationale Investmentgesellschaft IPIC/Mubadala ist mit 24,9 Prozent an der OMV beteiligt und hat ihre Anteile mit den 31,5 Prozent des Staates Österreich syndiziert.)

Es war aber auch von Herausforderungen die Rede, was so klingt, als täte sich die OMV nicht so leicht, in Abu Dhabi Fuß zu fassen. Diese Interpretation ist nicht richtig. Es gibt viele Ansatzpunkte für gemeinsame Geschäfte mit der nationalen Ölgesellschaft Adnoc. Aber es wäre verfrüht, darüber zu kommunizieren, weil erst Einigungen erzielt werden müssen. Warten Sie ab, vielleicht kommt ja schon bald eine Überraschung.
Sicher wurde in Abu Dhabi auch über den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der OMV geredet, weil sich Peter Löscher im Frühjahr 2019 zurückziehen wird. Er hat das mit der Ankündigung der österreichischen Regierung begründet, sich bei ihren Beteiligungen wieder stärker einmischen zu wollen. Für einen börsennotierten Konzern wie die OMV eine alarmierende Aussage, oder? Ich halte diese Debatte für stark übertrieben. Es ist doch selbstverständlich, dass sich die Regierung um eine Beteiligung wie die OMV kümmert. Das Unternehmen wird streng nach dem Aktienrecht geführt -und ich kann jede Einmischung der Politik ins operative Geschäft absolut ausschließen. Punkt! Ein Aktionär mit 31,5 Prozent hat das Recht, stärker eingebunden und nicht bloß Beisitzer zu sein.

Speziell angloamerikanische Fonds sind sehr heikel, wenn es um staatlichen Einfluss geht. Müssen Sie bei Investorentreffen häufig diesbezügliche Fragen beantworten? Die häufigste Frage ist, ob der Erfolgskurs der OMV weitergehen wird und ob ein Wechsel im Aufsichtsrat eine Änderung in der Strategie zur Folge haben könnte. Da kann ich versichern, dass sich an unserer Strategie nichts ändern wird.
Steht die OMV unter dem Druck der Republik, eine möglichst hohe Dividende zu zahlen? Früher musste dafür sogar zuweilen ein Kredit aufgenommen werden Der Druck kommt von allen Aktionären, weil die OMV viel Geld verdient und einen entsprechenden Spielraum hat. Sie erwarten zu Recht, am Erfolg beteiligt zu werden. Aber auch in der Vergangenheit gab es nie einen Druck der Regierung, auf Pump Dividenden zu zahlen. Das war ein Problem des Cashflow-Managements im Unternehmen, das wir nicht mehr haben.

Was erzählen Sie Investoren auf die Frage, ob sich die Erfolgsgeschichte der OMV fortsetzen wird? Na, unbedingt geht die weiter. Schauen Sie mal die Zahlen an! Was wir kommunizieren, ist: Wir werden den Wert des Unternehmens steigern, die OMV wird größer werden, und zwar deutlich größer. Das passiert ja heute schon. Wir haben in diesem Jahr außerordentlich viele Projekte akquiriert. Ich weiß nicht, ob es das in der Geschichte der OMV schon einmal in diesem Ausmaß gegeben hat. Auch die Umsetzungsgeschwindigkeit der OMV ist für Investoren überzeugend. Wir haben im März die neue Asien-Strategie verkündet. Schon nach zwei Wochen kam Neuseeland, ein halbes Jahr später Malaysia. Wir haben angekündigt, die Produktion bis 2020 auf 500.000 Barrel pro Tag zu steigern, und werden dieses Ziel schon heuer erreichen -wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Die OMV fährt einen überzeugenden Wachstumskurs.

Sie gelten ja geradezu als Wachstumsfetischist Bin ich meinetwegen. Wir haben in Österreich fast 50 Prozent Marktanteil. Ich frage: Wieso haben wir nicht 70 Prozent? Niemand verbietet uns, in Österreich auf 70 Prozent zu kommen.

Ihre Strategie ist bislang zweifellos aufgegangen, im Aktienkurs spiegelt sich das aber noch nicht ganz wider? Ich glaube, dass die Aktionäre erst sehen wollen, wie sich die Zukäufe in den publizierten Zahlen auswirken. Darauf müssen wir nur noch kurz warten. Man wird im vierten Quartal aber schon vieles sehen.
Mit dem steigenden Ölpreis haben Sie allerdings auch Glück gehabt, Sie hatten für heuer mit 55 Dollar gerechnet, jetzt liegen wir bei 80 Dollar je Barrel. Finden Sie das vielleicht peinlich? Wenn der Preis wieder runtergeht, dann profitiere ich weniger. Die Entwicklung des Ölpreises liegt an geopolitischen und sanktionspolitischen Umständen, vor allem die Sanktionsmaßnahmen der Amerikaner haben das Gleichgewicht an den Märkten deutlich verschoben. Die Fundamentaldaten, die Basis unserer Planungen sind, haben sich nicht geändert.

Wird der Ölpreis mittelfristig auf einem hohen Niveau bleiben? Ich sehe keine Anzeichen für eine drastische Abwärtsbewegung für den Ölpreis. Wenn die Amerikaner morgen ihre Sanktionspolitik ändern, mache ich vielleicht eine vollkommen andere Aussage.

Themenwechsel: In Alpbach sagten Sie, für Sie kämen zuerst Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit und dann erst das Klima. Liegen Sie da im Clinch mit der Klimastrategie der Regierung? Ich habe gesagt, dass wir einen Dreiklang haben müssen und nicht das Klima priorisieren dürfen. Denn wenn wir in Österreich die sauberste Luft haben und alle sind arbeitslos, dann ist das auch ein Problem. Für mich steht Nachhaltigkeit nicht im Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit. Aber das Klimathema kann die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit nicht ersetzen.

Also können Sie mit der jetzt formulierten Klimastrategie der Bundesregierung leben oder nicht? Die OMV trägt sie mit. Wir haben nur in einigen Punkten eine andere Meinung, beispielsweise dass Erdgas am Wärmemarkt eine viel bessere Lösung ist als eine Heizung mit Holzpellets. Wir sollen nicht Wälder abholzen, sondern im Gegenteil neue Wälder pflanzen, weil sie viel CO2 absorbieren. Gas ist schlicht am effizientesten. Dass Wien neue Gasheizungen erschwert, halte ich zum Beispiel für absolut kontraproduktiv. Grundsätzlich unterstützen wir den Ausstieg aus der Kohle zur Stromerzeugung
Da tun Sie sich leicht, weil das berührt Ihr Geschäft nicht Aber wenn wir wirklich schnelle Lösungen für die Klimazukunft haben wollen, dann sind das nicht Solarpaneele oder Windräder, sondern eben der Ausstieg aus der Kohle. Was wir auch in die Klimastrategie eingebracht haben, ist eine gewisse Technologieneutralität, etwa in Richtung Wasserstoff, wo wir schon viele Investitionen getätigt haben. Eine Klimastrategie, die aus fossilen Energieträgern ganz aussteigen will, würden wir als OMV nicht unterstützen.

Sind Sie eigentlich auf Druck der Politik aus der Initiative "Heizen mit Öl" ausgestiegen? Nein, sondern weil auch die OMV die Zeichen der Zeit erkennt. Kein Häuslbauer setzt mehr auf eine Ölheizung. Uns ist bewusst, dass wir künftig weniger Heizöl, das unsere Raffinerie Schwechat produziert, verkaufen werden. Und die Klimastrategie betrifft uns im Mobilitätsbereich: Wir werden längerfristig auch weniger Diesel und Benzin absetzen.

Im Bereich der Mobilität könnten diese Auswirkungen schon sehr rasch spürbar werden. Was ist die Antwort der OMV? Wir stellen uns auf verschiedene Weisen darauf ein. Erstens haben wir gemeinsam mit dem Verbund und Siemens die Beteiligung an Smatrics, um Infrastruktur für Elektromobilität aufzubauen. Zweitens werden wir in unsere Raffinerien investieren, um das Produktspektrum zu verändern. Wir werden weniger Diesel und Benzin, dafür mehr Vorprodukte für den Kunststoffproduzenten Borealis herstellen. Das heißt, wir werden den Output zugunsten von Petrochemikalien und Flugturbinentreibstoff verschieben. Wir gehen davon aus, dass wir in diesen beiden Bereichen eine sehr starke Absatzentwicklung sehen werden.

Verdient die OMV dann weniger oder mehr an ihren Raffinerien? Bei Diesel und Benzin wird die Marge tatsächlich unter Druck kommen, aber nicht bei Kerosin oder Petrochemie. Und das führt mich gleich zum nächsten strategischen Kapitel der OMV: nämlich mehr Absatz außerhalb Europas. Wenn ich in Europa keine ordentliche Marge mehr bekommen kann, dann muss ich mit Diesel, Benzin oder Erdgas in andere Märkte gehen -wir werden zukünftig Asien stärker versorgen.

Werden Sie sich dort direkt an Raffinerien oder an Erdgas-und Treibstoffhändlern beteiligen? Da prüfen wir mehrere Möglichkeiten. Jedenfalls haben wir in ganz Asien großes Interesse an einer lokalen Zusammenarbeit. Die asiatischen Märkte werden gesünder sein als Europa. Der Anteil Europas an unserem Absatz wird durch das Wachstum relativ gesehen deutlich sinken.

Zum Schluss noch einmal zurück nach Russland. Welchen Platz bekommt bei Ihnen der Freundschaftsorden, den Ihnen der russische Präsident Wladimir Putin verleihen will? Den bekommt man ans Revers geheftet, glaube ich. Aber ich möchte diese Frage ernst beantworten. Die Auszeichnung ist für mich ein Signal der Anerkennung dafür, dass man sich in Österreich für die Annäherung an Russland einsetzt und in Freundschaft investiert. Noch deutlicher gesagt: Ich erkenne immer mehr Feindseligkeiten gegenüber Russland, auch bei einigen politischen Parteien in Europa. Es gibt aber eben auch mutige Leute, die sich für den gegenteiligen Weg entscheiden.

FACTS & FIGURES
 
OMV AG
Die Gewinne sprudeln munter
Der Umsatz wird 2018 aufgrund der rasanten Expansion von zuletzt 20,2 auf rund 26 Milliarden Euro steigen.
Das operative Ergebnis verbessert sich heuer laut Analystenschätzungen um 1,1 auf etwa 3,5 Milliarden Euro.
20.700 Mitarbeiter per Ende 2017.
Die Aktie hinkt dem Ölpreisanstieg noch hinterher, doch Analysten sehen das Kursziel 62 Euro.
Die große Shoppingtour
Wie CEO Rainer Seele die Öl-und Gasförderungen der OMV in nur zwei Jahren fast verdoppeln wird können.
 
ERDÖLFELDER kaufen statt selber suchen: Mit diesem Strategiewechsel wird OMV-Boss Rainer Seele in zwei Jahren das schaffen, was seine Vorgänger vergeblich versuchten: eine Verdopplung der Fördermenge auf bis zu 600.000 Barrel Erdöläquivalente pro Tag (boe/d). Der längere Zeit niedrige Ölpreis machte das vergleichsweise günstig, ein Effekt, der jetzt langsam verpufft. Im März etwa kaufte die OMV eine Erdgasproduktionseinheit in Neuseeland um 578 Millionen Dollar (bis zu 100 Millionen boe/d). Kurz darauf schnappte man sich Ölfeldanteile in Abu Dhabi um 1,6 Milliarden Dollar. Im September wurden Verhandlungen mit dem malaysischen Öl-und Gasförderer Sapura Upstream bekannt gegeben (rund 700 Millionen Dollar). Zuletzt fixierte Seele einen Vorvertrag mit der russischen Gazprom über 25 Prozent am sibirischen Erdgasfeld Achimov. Schon 2017 rückte die Gazprom eine Viertelbeteiligung am Gasfeld Yuzhno Russkoye raus. Weiters übernahm man die Gashandelstochter der heimischen Energieversorger zur Gänze (EconGas). Den nötigen finanziellen Spielraum verschaffte sich Seele unter anderem durch die Abgabe wenig profitabler Projekte, aktuell etwa der norwegischen Gaspipeline Polarled. Zuvor verkaufte er 30 Prozent am britischen Offshore-Projekt Rosebank, die türkische Tankstellentochter Petrol Ofisi, das dortige Gaskraftwerk Samsun sowie das Fördergeschäft in Pakistan. Auch der Verkauf von 49 Prozent der Tochter Gas Connect Austria brachte Spielkapital.
 
EAST PIATU. Ein malaysisches Öl-und Gasfeld von Sapura ist im Einkaufskorb der OMV.
 
 
trend am 12.10.2018, S. 18-21
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Erneuerbare Energie made in Austria

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12.10.2018
Die Marktentwicklung von Technologien zur Nutzung Erneuerbarer Energie in den Bereichen Biomasse, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen, Wind und Wasser zeigt ein gemischtes Erscheinungsbild. Im Jahr 2017 konnten Steigerungen im Bereich der Biomasse Brennstoffe (+7,7%), bei den Biomassekesseln (+7,0%), bei der Photovoltaik (+11,0%) und bei den Wärmepumpen (+9,1%) verbucht werden, während es bei den Biomasseöfen (-1,9%), der Solarthermie (-9,1%) und der Windkraft (-13,9%) im Vergleich zu 2016 zu Rückgängen bei den neu installierten Anlagen kam. Durch den Betrieb der genannten Technologien konnten in Österreich im Jahr 2017 netto 66,6 TWh erneuerbare Energie bereitgestellt werden, 13,5 Mio. Tonnen CO2äqu eingespart werden, 4,9 Mrd. € Umsatz erwirtschaftet und 32.600 Arbeitsplätze gesichert werden. Das geht aus der Marktstudie des Technologieministeriums (BMVIT) über innovative Energietechnologien 2017 hervor.
 
„Erneuerbare Energietechnologien sind eine verlässliche Säule für eine nachhaltige Energieversorgung und tragen wesentlich zum Erreichen der Energie- und Klimaziele in Österreich bei. Das BMVIT spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Erprobung neuer Technologien und Lösungen in diesem Bereich. Erfreulich ist, wenn diese Bemühungen zu konkreten, auch internationalen Markterfolgen umgesetzt werden können“ so Mag. Andreas Reichhardt, Generalsekretär im BMVIT.

Um die Marktentwicklung zu beschleunigen sind Forschung, Technologieentwicklung und Innovation essenziell. Das BMVIT investiert jährlich rund 100 Mio. Euro in die Energieforschung, rund ein Drittel davon in den Bereich Erneuerbare Energien. Der Fokus liegt dabei nicht nur in der Weiterentwicklung von Einzeltechnologien, sondern auch auf Systemintegration und Kopplung von Sektoren sowie das Erproben von Innovationen im Realmaßstab.

Nach Jahren des konstanten Wachstums zählt die Photovoltaik 2017 zu den Gewinnern. „Trotz schwieriger Umstände, noch unter dem alten Ökostromgesetz, ist es gelungen, den jährlichen Zubau um 11 Prozent zu steigern. Im vergangenen Jahr wurden Photovoltaik Anlagen mit einer Leistung von 172,9 Megawatt zugebaut, womit in Österreich 1,269 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert sind“, so DI Vera Immitzer, Generalsekretärin vom Bundesverband Photovoltaic Austria. Mittlerweile wird mehr als 2 % des österreichischen Stromverbrauchs durch Photovoltaik-Anlagen gedeckt.

Wärmepumpen2017 wurden neben 19.000 Heizungswärmepumpen knapp 6.000 Brauchwasserwärmepumpen abgesetzt. Damit ist jedes vierte in Österreich verkaufte Heizungssystem bereits eine Wärmepumpe. Zur Erreichung der Klima- und Energieziele ist es noch ein steiniger Weg, denn 600.000 Haushalte in Österreich heizen derzeit noch mit Öl und knapp 880.000 Haushalte mit Gas. Positiv ist der Ausbau von Ökostrom durch Photovoltaik und Windkraft, denn Wärmepumpen, die mit Ökostrom betrieben werden, sind zu 100 % CO2-frei.

WindenergieDerzeit erzeugen 1260 Windräder mit einer Leistung von 2844 MW 7 Milliarden Kilowattstunden Windstrom, soviel wie 11% des österreichischen Stromverbrauches. Schwierige gesetzliche Rahmenbedingungen haben den Windkraftausbau in den letzten Jahren kontinuierlich seit 2014 um 48% einbrechen lassen. „Mit der Klima- und Energiestrategie und dem Regierungsziel bis 2030 eine 100%-ige erneuerbare Stromversorgung zu erreichen, hofft die Branche nun auf eine Trendumkehr. Bis 2030 könnte die Windbranche ihre Stromerzeugung auf 22,5 Milliarden Kilowattstunden verdreifachen“, erklärt Mag. Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und ergänzt: „Die Windenergie sorgt nicht nur für sauberen Strom, sondern schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze. Diese Zukunftschance gilt es zu nutzen.“

„Das Marktgeschehen für Erneuerbare Energietechnologien wird wesentlich vom Ölpreis, der Witterung und der allgemeinen Wirtschaftslage beeinflusst. Wettbewerbe zwischen Photovoltaik und Solarthermie und auch seit kürzerem zwischen Biomasseheizsystemen und Wärmepumpen sind zu beobachten. Dies liegt an unterschiedlichen ökonomischen Lernkurven der Technologien, unterschiedlichen Förderungen und an äußeren Faktoren wie an der Ölpreisentwicklung“ erläutert Studienautor und Projektleiter DI Dr. Peter Biermayr von der TU Wien. Zur Erreichung der nationalen Energie- und Klimaziele 2030 und 2050 eine neue Dynamik der Entwicklungen erforderlich ist. Alle erneuerbaren Energietechnologien werden einen markanten Beitrag dazu leisten müssen.

WasserkraftWasserkraftwerke haben in Österreich den höchsten Anteil an der heimischen Kraftwerksleistung. Mit einem Anteil von 70 Prozent erneuerbarer Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt die heimische E-Wirtschaft unangefochten an der Spitze im EU-Vergleich. Im Durchschnitt der EU-28 Länder beträgt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung gerade einmal 28 Prozent. Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien, die Strom auf Basis von Wind, Fotovoltaik oder Geothermie erzeugen, legen dabei kontinuierlich zu. Wenn man aber überlegt, dass allein in Kärnten rund 300 stillgelegte oder veraltete Kleinwasserkraftwerke dahindümpeln und rund 100 davon durch eine simple Soft- und Hartwarelösung revitalisiert werden können, dann sieht man, welche Potenziale in Österreichs Regionen schlummern. Diese Potenziale zu nutzen, wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung, um die österreichischen Klimaziele zu erreichen. „Um das Ziel von 100 % Erneuerbaren Strom bis 2030 der Bundesregierung zu erreichen, kann die Kleinwasserkraft rund 3 Terrawattstunden Jahresproduktion zusätzlich beisteuern“, zeigt sich Geschäftsführer Paul Ablinger von Kleinwasserkraft Österreich überzeugt davon, dass dies jedenfalls ökologisch verträglich möglich ist. Selbstverständlich brauche dies aber auch entsprechende Rahmenbedingungen, so Ablinger.

Bioenergie„Mit der Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung, die wir ausdrücklich begrüßen, startet der Komplettumbau des Energiesystems. In 30 Jahren wird es damit praktisch keine fossilen Energieträger mehr geben. Bioenergie stellt bereits jetzt anteilsmäßig über die Hälfte der erneuerbaren Energie und kann aufgrund der nachhaltig verfügbaren Potenziale Erdöl mittelfristig als bedeutendste Energiequelle ablösen. Neben den bestehenden Anwendungen wird sie eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung der Gas- und Fernwärmenetze, der kalorischen Stromerzeugung und des Transportsektors spielen“, sieht Franz Titschenbacher vom Biomasseverband Bioenergie gut aufgestellt.
Vorhandene Ressourcen mobilisierenBioenergie ist ein integraler Bestandteil der nachhaltigen Bewirtschaftung unserer land- und forstwirtschaftlichen Flächen und der darauf basierenden Wertschöpfungskette. Die bei der Urproduktion und bei der Verarbeitung anfallenden Nebenprodukte stellen derzeit knapp 20% des österreichischen Primärenergiebedarfs. In Österreich werden etwa 48 Millionen Tonnen Biomasse zu Nahrungsmitteln und anderen Produkten verarbeitet, 17 Millionen werden in den Verarbeitungsbetrieben selbst, in anderen Branchen oder Haushalten energetisch genutzt. „Der Schlüssel zur Energiewende liegt in der Mobilisierung der nachhaltig verfügbaren Biomasse-Potenziale in der Land- und Forstwirtschaft, einer hohen Inlandsnachfrage nach heimischen Nahrungsmitteln und Holzprodukten und eine intelligente Nutzung der anfallenden Nebenprodukte und Abfallströme“, erklärt Titschenbacher. Für einen Kubikmeter Holz, der in einem Holzhaus verbaut wird, fallen etwa sechs Kubikmeter Nebenprodukte in Form von Rinde, Sägenebenprodukte, Waldhackgut, Brennholz und Sägemehl an, die für verschiedenste Anwendungen genutzt werden können. Bei der Produktion eines Liters Biodiesel sind es zwei Kilogramm Eiweißfuttermittel für die Lebensmittelproduktion und 1,5 Kilogramm Stroh, das zur Verbesserung des Bodens am Feld bleibt. „Auch wenn wir im Biomasse-Bereich noch über hohe Potenziale verfügen, kann die Energiewende nur gelingen, wenn wir den Energieverbrauch konsequent reduzieren und alle erneuerbaren Energien ausbauen. Ein weiterer bedeutender Schlüssel für die Mobilisierung von Rohstoffen und die Reduktion der Treibhausgase ist die Bioökonomie. Von Seiten des Biomasse-Verbandes werden wir uns daher auch in Zukunft für diese Themen konsequent einsetzen“, versichert Titschenbacher. 
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Alternative Heizsysteme im Fokus Wärmepumpen

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12.10.2018
Im Gegensatz zu fossilen Energiesystemen wie Öl und Gas greifen Interessenten immer mehr auf nachhaltige Energieträger wie Sonne, Umgebungswärme, Biomasse (Hackschnitzel/Pellets) zurück. Auch Infrarotheizungen gewinnen an Fahrt. Der Grund: Sich selber und der Umwelt etwas Gutes tun.
Sonne statt ÖlBei Solarsystemen wird grundsätzlich unterschieden bei Systemen, die rein der Warmwasseraufbereitung dienen und solchen, die zusätzlich auch zur Heizungsunterstützung herangezogen werden. Doch manches Mal gelingt auch eine Kombi mit einem konventionellen Energiesystem.

Ein Beispiel gefällig. Die Familie Samwald aus Steinbach in Österreich setzt seit 2014 auf Solarstrom und besitzt eine 4 kWp große PV-Anlage. Schwachpunkt in ihrer Öko-Bilanz war bis dato die 22 Jahre alte Ölheizung. Aus diesem Grund hat die Familie ihre Heizung umgestellt und produziert einen Teil der benötigten Energie im Haushalt selbst. Und dies nicht nur für Elektrizität, sondern auch für Wärme. Dabei griff die Familie auf den Fronius Ohmpilot zurück und installierte ihn nachträglich. Das heißt: Es wurde die überschüssige Energie aus der PV-Anlage der Familie Samwald für die Warmwasser-Zubereitung genutzt. Somit wird die bestehende Ölheizung über den Sommer deaktiviert, die Lebensdauer dadurch verlängert und Brennstoffkosten von 430 Liter Öl im Jahre 2017 eingespart. Wie das lief: Überschüssiger Solarstrom, der nicht für andere Verbraucher im Haushalt benötigt wird, wurde bisher ins Netz eingespeist. Nun leitet der Fronius Ohmpilot den verfügbaren Überschuss an den Heizstab im Boiler. Eine sinnvolle Ergänzung.
InfrarotheizungEinfache und saubere Installation sowie geringer Platzbedarf und Wartungskosten sprechen für Infrarotheizungen. Wenn sie obendrein mit erneuerbaren Energien gefüttert werden, dann ist die Energiewelt komplett in Ordnung. Dazu kommt, dass aufgrund der lokalen Wärmestrahlung die Heizung auch als Bad-Heizkörper eingesetzt werden kann. Des Weiteren verbreitet sich Strahlungswärme von Infrarotheizungen ähnlich wie der Wohlfühlfaktor eines Kachelofens. Die temporäre Nutzung der Heizung ist sicher ein großer Pluspunkt, genauso wie die Überbrückungswärme in den ersten Herbsttagen respektive beim Übergang vom Frühjahr zum Sommer. Die Funktionsweise der Heizung basiert auf elektromagnetische Wellen, Gesundheitsgefahr durch Elektrosmog ist ausgeschlossen. Betrieben und eingestellt wird das System über ein Funkthermostat. Im Prinzip können Infrarotstrahlen mit Sonnenstrahlen verglichen werden. Ihre volle Entfaltung erlebt diese Heizungsform bei guten gedämmten Häusern wie beispielsweise Passivhäuser. Auch bei Zweitwohnsitzen oder Ferienhäusern hat sich Infrarot bewährt, da die Heizung bequem von Zuhause aus gesteuert und darüber hinaus als Frostwächter eingesetzt werden kann. Auch der Wintergarten ist ein beliebter Ort für den Einsatz von Infrarotheizungen, außer der Wintergarten ist schlecht isoliert, dann ist der Betrieb zu teuer. Als Nachteil wird beim Heizen mit Infrarot sehr oft der hohe Stromverbrauch kritisiert, was bei Elektroheizungen generell ein Problem ist.
Mit Pellets stromautarkUm größtmögliche Energieunabhängigkeit zu ermöglichen, entwickelte der Mühlviertler Pelletsspezialist ÖkoFEN zusätzlich zu Pelletskesseln, die mit einem Stirlingmotor für die Stromerzeugung nachgerüstet werden können, ein System, das auch Stromspeicher und Photovoltaikanlagen einbindet. Damit ist man stromautark. Alle Daten von Wechselrichter, Batteriesystem und Heizung werden in der Regelung mit Online-Wetterdaten verknüpft, verarbeitet und visualisiert. Mit diesem System können sich Eigenheimbesitzer mit 100 Prozent ökologischer Wärme und selbst produziertem Sonnen- und Pelletsstrom versorgen. „Wir sind stolz, damit weltweit eine Möglichkeit anbieten zu können, das Haus völlig aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Mit dem einmaligen Tanken von Pellets muss das ganze restliche Jahr keine Energie mehr zugekauft werden“, so ÖkoFEN Geschäftsführer Stefan Ortner.

Das stromautarke Haus in der RealitätAusgestattet mit einem Stromspeicher und Wechselrichter versorgt sich die Strom erzeugende Pelletsheizung nicht nur völlig selbst, sondern liefert darüber hinaus noch elektrische Energie, die für weitere Verbraucher verwendet oder gespeichert werden kann. Im Falle eines Stromausfalls kommt das System durch die Stromerzeugung der Photovoltaikanlage, des Stirlingmotors und die Pufferfunktion des Stromspeichers ohne Netzversorgung aus und funktioniert somit autark.
EnergieunabhängigkeitModular aufgebaut kann der Verbraucher Schritt für Schritt zu 100 % ökologischer Wärme und selbst erzeugtem Strom umsteigen. Die frei kombinierbaren Module sind Pelletskessel mit e-ready-Paket, Photovoltaikanlage, Stromspeicher und als letzter Schritt die Stromerzeugung für den Pelletskessel.
Der „Sanierungsscheck neu“ fördert beispielsweise den Umstieg von Ölheizung auf eine biogene Heizform wie Pelletheizung. So gibt es einen Bonus von 5.000 € dafür. Bei einer umfassenden Sanierung gibt es sogar mehr: Bis zu 11.000 € werden dabei gefördert.

Dieses alternative System nutzt die Erdwärme oder die in der Luft gespeicherte Wärme, um im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen. Doch Vorsicht: Eine Kühlung über Fußbodenheizsysteme ist nicht zu empfehlen, da nicht mehr bleibt als kalte Füße, denn kalte Luft sinkt ab und höher gelagerte Luft bleibt warm. Zu empfehlen sind zu Kühlzwecken Deckenkühlsysteme, rät Fuchs Energietechnik.
 
Im Bereich der Wärmepumpen teilt das Unternehmen die Pumpen in drei Kategorien:
1.Luft/Wasser Wärmepumpe: Hierbei wird mittels eines Wärmetauschers die Energie der Umgebungsluft genutzt und diese an ein wasserbasiertes Heizsystem weitergeleitet. Dieses System ist allerdings instabil gegenüber extrem tiefen Lufttemperaturen, wie sie in unserer Klimazone durchaus vorkommen können.
2. Wasser/Wasser Wärmepumpe: Die Wasser/Wasser Wärmepumpe hat den höchsten Wirkungsgrad und nutzt üblicherweise den Energielevel des Grundwassers, um die Wärme einer Heizungsanlage zuzuführen.
3. Sole/Wasser Wärmepumpe: Hier wird auf die in der Erde gespeicherte Wärme zurückgegriffen, wobei wiederum drei verschiedene Prinzipien angewendet werden können:
Ø Thermische Bauteilaktivierung: Dieses auch unter dem Namen Betonkernaktivierung bekannte Prinzip nutzt die über den Sommer in der Baumasse gespeicherte Energie zur Wärmeregulierung.
Ø Tiefenbohrung: Diese Technik bietet sich vor allem dann an, wenn wenig Grundfläche zur Verfügung steht und somit ein Flächenkollektor nicht möglich ist. Mittels einer Erdwärme-Tiefensonde kann im Winter geheizt und im Sommer gekühlt werden.
Flächenkollektor: Hierbei wird über eine große Fläche durch Kollektoren die Erdwärme zur Klimaregulierung genutzt.
 
 
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"Der Klimawandel trifft uns massiv"

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12.10.2018
"Der Klimawandel (be)trifft uns alle": Das war Titel einer Diskussion der OÖNachrichten mit Agrarvertretern und dem Klimakämpfer und Hagelversicherungschef Kurt Weinberger.
 
Franz Reisecker, Präsident der OÖ Landwirtschaftskammer, Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, Kurt Weinberger, der Generaldirektor der Österreichischen Hagelversicherung, und die Bäuerin, Wirtschaftspädagogin und Landwirtschaftskammerrätin Daniela Burgstaller aus Taufkirchen an der Trattnach waren die Gesprächspartner am runden Tisch.

OÖN: Wie erleben Sie den Klimawandel?

Burgstaller: Auf unserem Betrieb ist er offensichtlich. Wir hatten zwar einerseits Glück, weil wir aufgrund unserer schweren Böden weniger unter der Trockenheit gelitten haben. Wir haben aber einen geschlossenen Schweinebetrieb und da spüren wir die Auswirkungen der Hitze auf die Tiere. Sie waren großem Stress ausgesetzt, haben weniger gefressen, haben Masse verloren. Bei den Sauen sank die Fruchtbarkeit. Auch in der Mast haben wir den Sommer viel stärker als sonst gespürt. Die Mastdauer war um zehn bis 14 Tage länger. Dazu kam der niedrigere Schweinepreis.

Weinberger: Zuerst eine Begriffsbestimmung: Klima beschreibt das durchschnittliche Wetter der vergangenen 30 Jahre. Hat sich etwas geändert, spricht man vom Klimawandel: höhere Temperaturen, Wasserbedarf, Unwetter... Ich habe mir 60 Jahre angeschaut. Es gibt einen ganz massiven Trend. Er geht Hand in Hand mit der CO2-Konzentration in der Luft. Das heißt: Der Beweis ist erbracht. Der Klimawandel ist ein Faktum. Es gibt aber auch hierzulande einige Donald Trumps. Wir beschäftigen uns seit Jahren damit, weil wir als Katastrophenversicherer sensibilisiert sind. Wir haben Zahlen und sehen: Da ist etwas im Gange. Die Summe der Entwicklungen führt dazu, dass es vielerorts massive Schäden gibt.

Reisecker: Wir Bauern sind massiv von Ertragsausfällen betroffen, aufgrund der häufigeren Unwetter, mit mehr Pflanzenkrankheiten, mehr Schädlingen, und zwar solchen, die bei uns früher kein Thema waren. Das ist eine riesige Herausforderung, auch für die Kammer als Beratungsunternehmen. Die extremen Wetterereignisse werden zunehmen, sie werden stärker ausfallen und lokal sehr unterschiedlich. Da brauchen wir Antworten. In den vergangenen zwei, drei Jahren hat es bei uns noch Bauern gegeben, die gemeint haben: Oberösterreich wird nicht so betroffen sein. Heuer hat es uns ganz schwer erwischt. Die Niederschlagsmengen waren so niedrig wie sonst im östlichsten Österreich. Die Betroffenheit ist sehr, sehr groß. Hinzu kommt der Borkenkäferbefall in den Wäldern. Sehr viele Bauern haben Sorge, dass es, wenn die Situation mehrere Jahre anhält, um die Existenz geht.

Hiegelsberger: In der Land- und Forstwirtschaft sind wir massivst vom Klimawandel betroffen. Die Schäden sind schwer, nicht nur im heurigen Jahr. Alleine zwischen 2002 und 2016 wurden 15.018 Anträge an Katastrophenfonds zwecks Elementarschäden an landwirtschaftlichen Kulturen gestellt. In diesem Jahr ist es die Dürre, 2017 waren es Spätfröste die im Obst- und Weinbau zum Teil zu regionalen Totalausfällen führten und auch die Jahre 2015 und 2013 waren ausgeprägte Trockenjahre. In der Landwirtschaft sind wir abhängig von der Witterung, dem Niederschlag und der Temperatur. Alleine die vergangenen Jahre zeigen die vielfältigen Ausprägungen des Klimawandels, mittlerweile sind alle Sparten betroffen. Es zeigt sich mit den Ertragseinbußen heuer auch für die Öffentlichkeit und für die Volkswirtschaft, dass uns Lebensmittelsouveränität etwas wert sein muss.

OÖN: Was sollte getan werden gegen diese Klimaveränderungen und ihre Folgen?

Burgstaller: Mir fehlt in der Politik offenes Denken. Außerdem gäbe es praktische Dinge, die getan werden könnten. Trotz des dürrebedingten Futtermangels sind die ökologischen Vorrangflächen viel zu spät für die Futterbeschaffung freigegeben worden. Die Grünlandbauern haben durch ganz Österreich mit Futter fahren müssen. Auf der Konsumentenseite fehlt mir: Auf der Packung muss der CO2-Verbrauch eines Lebensmittels ersichtlich sein. Es hat niemand die Chance, klimafreundlich einzukaufen, wenn draufsteht: Produziert für diese und jene Handelskette ... Wir reden immer von der Eiweißstrategie, dem heimischen Anbau von Eiweißpflanzen statt der Sojaimporte aus Amerika. Der CO2-Ausstoß dieser Importe wird uns zu Recht vorgeworfen. Wir brauchen Flächen für die Produktion von Lebensmitteln, Futtermitteln und erneuerbarer Energie. Ein Problem wird, dass die Erträge sinken werden und wir deshalb mehr Anbauflächen bräuchten.

OÖN: Zu wenig Agrarflächen - das kritisieren Sie, Herr Generaldirektor, seit Jahren.
 
Weinberger: Ja, Österreich ist Europameister beim Verbauen von Land. Wir haben einen exzessiven Bodenverbrauch. Wir haben in 50 Jahren 350.000 Hektar verbaut und versiegelt, das entspricht der gesamten Ackerfläche Oberösterreichs. Pro Jahr verbauen wir 0,5 Prozent unserer Agrarfläche. Wenn das so weitergeht, haben wir in 200 Jahren keine Äcker und Wiesen mehr. Der Boden speichert CO2. Wenn er zubetoniert wird, wird nichts mehr gespeichert. Wir gehen mit dieser Lebensgrundlage grob fahrlässig um. Wir haben das dichteste Straßennetz Europas - nach Straßenfläche pro Einwohner - und das dichteste Netz an Supermärkten. Das haben wir national zugelassen. Jeder von uns braucht 3000 Quadratmeter Agrarfläche für seinen Lebensstil. Es gibt aber nur noch 1600. Den Rest importieren wir. Das ist totale Doppelbödigkeit. Wir beanspruchen 200.000 Hektar Grund in Südamerika, noch dazu für gentechnisch verändertes Soja. Gleichzeitig sind wir gegen Gentechnik.

OÖN: Was kann die Landwirtschaftskammer tun, Herr Präsident?

Reisecker: Wir müssen die Bauern mit Beratung unterstützen. Es wird sehr intensiv nachgedacht über eine Umstellung bei den Pflanzen. Luzerne hat sich gegen Trockenheit sehr gut bewährt. Das ist für Oberösterreich als Futtergrundlage im Grünland sehr wichtig. Ein Drittel der österreichischen Rinder wird in unserem Bundesland gehalten. Daher ist die Futtergrundlage ganz entscheidend. Wir brauchen weiter Dauergrünland. Wir müssen uns von der Bewirtschaftungsintensität auf die Begebenheiten einstellen. Wir müssen in der Pflanzenzüchtung mehr tun. Die Trockenresistenz von Pflanzen muss eine größere Rolle spielen. Die Landwirtschaft ist hauptbetroffener Berufszweig des Klimawandels. Sie kann zur Bewältigung einiges beitragen. Besonders wichtig ist die Produktion von erneuerbarer Energie. Das geht nicht auf Kosten der Lebensmittelproduktion. Wir haben so viele Rohstoffe, die nicht genutzt werden. Es muss allerdings Einspeisetarife für das Stromnetz geben. Ganz wichtig ist der Erhalt des Humus im Boden. Untersuchungen bestätigen uns, dass der Humusaufbau sehr gut ist, sowohl bei biologischer als auch konventioneller Bewirtschaftung. Dazu brauchen wir weiter die Förderungen im Umweltprogramm.
Hiegelsberger: Es gibt eine Ambivalenz in der Gesellschaft. Wir wünschen uns im Krankenhaus die besten Ärzte, die beste Medizin, die beste Technik. Nur bei der Ernährung sparen wir. Dasselbe ist in den Heimen. Alles darf teurer werden, das Grundlegendste, das Essen, nicht. In Oberösterreich haben wir das jetzt durchbrochen. 50 Prozent der Lebensmittel in diesen Einrichtungen sollen regional sein. Das soll in drei Jahren auf 65 Prozent steigen. In manchen Betrieben haben wir schon 80. Das höherwertige Essen darf auch mehr kosten.

Reisecker: Österreich wird das Weltklima nicht verändern, muss aber einen Beitrag leisten. Wenn wir uns in der Gesellschaft nicht das Bewusstsein schaffen, dass regionale Lebensmittel ganz positiv auf das Klima wirken, wird es nicht gelingen. Es ist erschreckend, wie im Konsum nach wie vor auf den Preis geschaut wird. Das Bewusstsein für Regionalität ist bei Weitem nicht so, dass wir einen wichtigen Beitrag leisten können für den Klimaschutz.

Hiegelsberger: Ein ganz ein anderer Bereich noch: Digitale Verfahren werden uns erkennen lassen, welche Bewirtschaftungsform auf welchem Boden die beste ist. Das Thema ist Ökoeffizienz. Drittens die Tierhaltung: Die Emissionen einer Kuh, die 10.000 Liter Milch im Jahr gibt, sind je Liter geringer als die einer 5000-Liter-Kuh. Auch das ist Ökoeffizienz - unter Berücksichtigung des Tierwohls. Wir brauchen dafür wissenschaftliche Grundlagen. Und schließlich wird das Thema Mobilität und Energie sehr wichtig. Im Regierungsprogramm ist enthalten, dass die Verpflichtungen im Pariser Klimavertrag bessere Förderungen bringen werden. Wir hoffen, dass Biomasse und Biogas forciert werden. Sie sind verlässliche Energieträger, während Sonne und Wind sehr schwanken.

OÖN: Herr Generaldirektor, was sind Ihre Vorschläge?

Weinberger: Was können wir national machen? Erstens den Bodenverbrauch reduzieren. Zweitens eine ökosoziale Steuerreform. Drittens ein klares Bekenntnis zu regionaler Produktion, von Lebensmitteln und Energie. Das alles sichert Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Man soll sich davon verabschieden, dass ökologisches Wirtschaften nur Nachteile bringt. Wir brauchen dringender denn je Steuern auf fossile Energie. Es wird auch zu wenig beim Energiesparen getan. Gegen den Bodenverbrauch sind alle Möglichkeiten in der Hand der Regionalpolitik. Sie muss hier einen Masterplan entwickeln. Ich erwarte mir ein Umdenken. Es gibt keinen Respekt mehr vor dem Boden. In Österreich stehen Immobilien mit einer Fläche von 40.000 Hektar leer. Wenn es keine Anreize gibt, etwa Abschreibmöglichkeiten, werden wir sie nicht auf den Markt bringen. Neubau auf der grünen Wiese ist zu billig. Aufgabe der Politik ist es, die Rahmenbedingungen zu verschärfen. 2050 werden wir, wenn es so weitergeht, nur noch 1000 Quadratmeter Agrarfläche pro Einwohner haben. Man muss begreifen, worum es geht.
Burgstaller: Es dürfen nicht die Förderungen für erneuerbare Energie eingeschränkt werden. Es muss als Futtermittel wieder tierisches Eiweiß erlaubt werden. Da könnten wir Insekten produzieren - für mich eine wichtige Perspektive. Wegen des Klimawandels werden mehr Schädlinge auftreten, doch es werden unsere Möglichkeiten beim Pflanzenschutz laufend eingeschränkt.

OÖN: Wie muss sich die Gemeinsame Agrarpolitik der EU verändern? Es stehen ja bald entscheidende Verhandlungen für die Finanzperiode nach 2020 an.

Reisecker: Es ist völlig unverständlich, dass EU-Kommissar Phil Hogan in seinem Plan ausgerechnet die zweite Fördersäule, wo die Umweltmaßnahmen enthalten sind, kürzen will. Genau der umgekehrte Weg muss gegangen werden. In der zweiten Säule brauchen die Mitgliedsländer mehr Maßnahmen. Wir werden alles daran setzen, dass es da noch zu Änderungen kommt. Die Direktzahlungen in der ersten Säule werden dagegen relativ moderat gekürzt. Es ist nicht zielführend, große Klimamaßnahmen bei diesen einheitlichen Direktzahlungen aufzuhängen. Die Bedingungen in der EU sind ganz unterschiedlich. Das Mitgliedsland muss die Chance haben, für seine Gegebenheiten die besten Maßnahmen zu setzen. Die Klimamaßnahmen können nicht für die ganze EU einheitlich sein. Sie müssen den größtmöglichen Effekt bringen. Wir werden das in der österreichischen Ratspräsidentschaft vorbringen. Wichtig wird auch das Eiweißthema. Es gibt Bauernvertretungen, die nichts ändern wollen. Die wollen das kostengünstigste Eiweiß und die besten Bedingungen sind in Brasilien. Die europäische Agrarpolitik hat hier eine Verantwortung, Anreize zu setzen für eine Produktion in Europa. Österreich ist hier Vorreiter.

OÖN: Es gibt also eine Strategie für das System. Wie sieht es mit den Maßnahmen für die einzelnen Betriebe aus?

Hiegelsberger: Langfristig müssen wir auf eine nachhaltige Risikoabdeckung setzen. Wir sind das einzige Land, wo relativ viel von Versicherungen abgedeckt ist. Da sieht man, was visionäre und gestaltende Politik bringen kann. Wir haben in den vergangenen Jahren die Prämienzuschüsse ausgebaut und im aktuellen Dürrehilfe-Paket der Bundesregierung ist eine Erhöhung des Prämienzuschusses durch Bund und Land von 50 auf 55 Prozent vorgesehen. Diese 55 Prozent gelten auch für die kommende Tierausfallsversicherung, übrigens ein oberösterreichischer Vorstoß. Die Minimierung des wirtschaftlichen Risikos ist also das Gebot der Stunde. Aber natürlich braucht und gibt es auch Sofortmaßnahmen und eine Direkthilfe für tierhaltende Betriebe, denen aufgrund von Vieh-Notverkäufen der Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage droht. Zusätzlich gibt es Unterstützung durch Kreditstundungen. In der Forstwirtschaft liegt der Schwerpunkt auf Maßnahmen zum Wiederaufbau und der Sicherung klimafitter Wälder. Der Fokus unserer Bemühungen liegt also in der nachhaltigen Zukunft unserer Betriebe. Unsere Bauern haben in der Agrarpolitik einen nachhaltigen und starken Partner.
 
Oberösterreichische Nachrichten am 12.10.2018, S. SPE6-SEP7
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Strom wird in Tirol 2019 kräftig teurer

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12.10.2018
Mit Jahreswechsel erhöhen Tiwag und IKB die Strompreise deutlich. Das könnte aber erst der Anfang weiterer Preisschübe sein.
 
Innsbruck -Die meisten großen österreichischen Energiegesellschaften haben die Strompreise erhöht bzw. Verteuerungen angekündigt. Gestern folgten der Tiroler Energie-Landesversorger Tiwag sowie der Innsbrucker Versorger IKB, der knapp zur Hälfte Tiwag und Stadt gehört. Mit 1. Jänner 2019 wird der Energiepreis-Anteil (macht neben Netzkosten und Steuern etwa ein Drittel der Rechnung aus) um gleich 14 %um 0,97 Cent je Kilowattstunde verteuert.

Die gesamte Stromrechnung (etwa 670 Euro im Jahr) für die etwa 200.000 Tiwag-Haushalts-und 80.000 IKB-Kunden verteuere sich damit um rund 5 Prozent oder knapp 3 Euro im Monat, teilten Tiwag-Vorstandschef Erich Entstrasser und IKB-Chef Helmuth Müller mit. Preise für Großkunden sind meist an die Preise der Strombörsen gekoppelt und werden laufend angepasst. An den Strombörsen hätten sich die Preise seit der letzten Tiwag-Preisveränderung im April 2016 mehr als verdoppelt, betont Entstrasser. Zudem habe die mit 1. Oktober erfolgte Trennung der deutsch-österreichischen Stromzone zum Kostensprung geführt. "Daher sind wir gezwungen, die Preise moderat anzupassen, wir sind aber neben den Vorarlbergern, die ebenso erhöhen, weiterhin der günstigste Landesversorger", sagte Entstrasser.
Von 2012 bis 2016 seien die Preise um kumuliert 17 %gesunken, jetzt geht es fast im selben Ausmaß in die Gegenrichtung. Offen ist für 2019 die Entwicklung der Netztarife und Ökostromzuschläge. Beides wird in Wien festgelegt. Auf Sicht dürften laut dem staatlichen Energie-Regulator E-Control alle drei Kostenfaktoren nach oben gehen. 
Tiroler Tageszeitung am 12.10.2018, S. 1
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Mobilität mit umweltfreundlicher Energie: Die Zukunft ist schon da

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12.10.2018
Die Elektromobilität, bisher gebremst durch geringe Reichweiten und lange Batterieladezeiten, kommt jetzt immer mehr in Schwung. Auch die weltweiten Anbieter von Erdgasautos geben sprichwörtlich Gas.
 
Am Vormarsch ist vor allem das Fahren mit elektrischem Strom: "Es ist nicht die Frage, ob die E-Mobilität kommt, sondern nur, wann, und unserer Ansicht nach ist sie jetzt schon da", sagt Martin Syllaba von der Smatrics GmbH &Co KG in Wien, ein Joint-venture der Verbundgesellschaft, der OMV und von Siemens.
Die aktuelle Entwicklung sei vergleichbar mit der Zeit, als die ersten Autos die Pferdekutschen zu überholen begannen, meint Marcus Hofer, Chef der Standortagentur Tirol. Beinahe jedes verkaufte Fahrrad in Österreich ist schon ein E-Bike, und die E-Mobilität zieht immer stärker ein bei Rollern, bei Mopeds, usw., sagt Rene Schader vom Verein Energie Tirol:
Das Kernelement dabei ist die Batterie: Und auf diesem Gebiet ändert sich jetzt vieles. Es sind jetzt nicht mehr nur die Pionierfirmen Nissan, Renault, BMW und Tesla, die sich in der E-Mobilität engagieren. So gut wie alle Autohersteller haben jetzt E-Modelle in ihrer Palette. Es gibt ein breites Angebot, von reinen E-Fahrzeugen bis zu Hybrid-Fahrzeugen, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor verbinden oder E-Fahrzeuge mit Brennstoffzelle.

Die E-Autos kosten aktuell im günstigsten Fall zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Tesla-Modelle sind wesentlich teurer. Die Batterie ist dabei der Hauptpreistreiber. Die meisten E-Autos haben eine Batteriekapazität von 30 bis 40 Kilowattstunden (Tesla 75 bis 100). Mit 30 bis 40 kWh kommt man in der Regel 245 bis 300 Kilometer weit.

Schader: In den nächsten Monaten kommen neue Fahrzeuge auf den Markt, mit einer Batteriekapazität von 60 bis 80 Kilowattstunden. Damit sind dann 400 Kilometer kein Problem mehr.

Tempo beschleunigt sich

"Die Zukunft der Elektromobilität wird in China entschieden, sagt der Hamburger Innovationscoach Oliver Puhe. China muss massiv gegen die Luftverschmutzung durch den Verkehr vorgehen und tut dies auch durch die deutliche Unterstützung der Elektromobilität. Heuer gehen die Zulassungszahlen in China regelrecht durch die Decke.

"Die Elektromobilität ist neben der Digitalisierung das zweite ganz große Thema für die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass im Jahr 2050 der Verkehr zu 100 Prozent mit E-Mobilität stattfinden wird", bereitet sich Alexander Jug, vom Verkehrsverbund Tirol schon jetzt auf die E-Zukunft vor.
Weltweit hat es 20 Jahre gedauert, bis eine Million Elektroautos verkauft waren. Es dauerte nur 18 Monate bis zur Zwei-Millionen-Marke, acht Monate für drei Millionen und sechs Monate für die vierte Million. So sehen unumkehrbare Trends aus. Standortagentur-Chef Hofer: "Mein nächstes Auto wird ein Elektroauto."
 
Auch Gas wird beliebter

Europaweit setzen Fahrzeughalter verstärkt aber auch auf Gas als alternativen Antrieb. Den höchsten prozentualen Zuwachs verzeichnet dabei der deutsche Markt. Darauf reagiert u. a. auch Volkswagen: Die künftigen Kompaktwagen werden über neue, leistungsstarke TGI-Motoren verfügen. Zudem stattet VW seine ErdgasFahrzeuge zukünftig mit drei statt zwei CNG-Flaschen aus, was die Reichweite mit Gas erheblich steigert.
Pionier bei Erdgasautos ist Fiat, betont man beim Autohandelsunternehmen Lüftner in Rum: Fiat habe seit 1997 schon mehr als 740.000 Erdgas-Autos ausgeliefert, Lüftner selbst habe schon 700 Erdgasautos verkauft.
 
Schon jetzt gibt es zahlreiche neue Praxisanwendungen. Das jüngste Beispiel ist die "AIDAnova" - das weltweit erste mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff. Auch der deutsche Lebensmitteldiscounter Aldi Süd sowie die Schweizer Unternehmen Lidl und Krummen Kerzers investieren in klimaschonende Logistik und transportieren Waren mit erdgasbetriebenen Lkw.

"Es ist dringend erforderlich, kurzfristig wirkende Maßnahmen für den Einsatz alternativer Kraftstoffe zu ergreifen", so Kristina Haverkamp, Geschäftsführerin der Deutschen Energie Agentur (dena). Fahrzeuge, die mit Flüssiggas (LNG) oder Compressed Natural Gas (CNG) betrieben werden, emittieren deutlich weniger Lärm, Feinstaub und Stickoxide. Gegenüber Diesel-Lkw können die CO 2-Emissionen um bis zu 22 Prozent reduziert werden. Mit reinem Biomethan oder erneuerbarem Methan aus dem Power-to-Gas-Prozess können Erdgasfahrzeuge sogar nahezu klimaneutral betrieben werden.

Auch die Luftschadstoffgrenzen der Euro-VI-Norm unterschreiten LNG-Lkw um gut 40 Prozent. Die Feinstaubemissionen liegen um bis zu 95 Prozent unter dem Grenzwert. Die Lärmbelastung kann halbiert werden.
 
 
Tiroler Tageszeitung am 12.10.2018, S. E1
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Ölpreise nach starken Vortagsrückgängen wieder gestiegen

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Singapur/Frankfurt, 12.10.2018

Die Ölpreise sind am Freitag nach den Rückgängen der vergangenen beiden Handelstage wieder gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete in der Früh 81,23 US-Dollar (70,18 Euro). Das waren 97 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur November-Lieferung stieg um 84 Cent auf 71,81 Dollar.

Marktbeobachter sprachen von einer Gegenbewegung zum Wochenschluss, nachdem die Ölpreise zuvor durch einen Kurseinbruch an den US-Börsen und durch einen überraschend starken Anstieg der US-Ölreserven belastet worden waren. Am Vortag hatte das US-Energieministerium gemeldet, dass die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 6 Millionen auf 410,0 Millionen Barrel gestiegen waren. Analysten hatten nur einen Zuwachs um 2,8 Millionen Barrel erwartet.

Trotz des aktuellen Anstiegs ist der für den europäischen Markt wichtige Preis für Öl der Nordseesorte Brent seit Mitte der Woche um mehr als vier Prozent gefallen. Eine weitere Ursache für den Rückgang der Ölpreise ist die Sorge der Anleger vor einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, der die gesamte Weltwirtschaft bremsen und die Nachfrage nach Öl dämpfen könnte. In der Früh war bekannt geworden, dass Chinas Handelsüberschuss mit den USA im September einen Rekord von 34 Mrd. US-Dollar (29 Mrd. Euro) erreicht hatte, was die Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt weiter verstärken könnte.

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Deutschland will Kohleausstieg mit 1,5 Mrd. Euro stützen

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Berlin, 12.10.2018

Die Kohlekommission der deutschen Regierung will den Ausstieg aus der Braunkohle mit mehr als 1,5 Milliarden Euro absichern und den betroffenen Regionen langfristig helfen. Schon in dieser Wahlperiode sollten die 1,5 Mrd. Euro für ein Sofortprogramm genutzt werden und den Revieren unmittelbar zur Verfügung stehen, heißt es in einem ersten Entwurf der Kommission.

"Daneben wird sich die Kommission dazu verständigen, welche zusätzlichen Mittel und für welchen Zeitraum erforderlich sind, um den Strukturwandelprozess auch über diese Wahlperiode hinaus zu begleiten." Erfolgreiche Strukturentwicklung setze ein eine langfristige Begleitung voraus. Für die Förderung der Regionen solle zudem eng mit der EU zusammengearbeitet werden. Betriebsbedingte Kündigungen müssten verhindert werden.

Der Bau von Schienen- und Straßen sowie Datennetzen solle in diesen Regionen "höher priorisiert" werden. Denkbar sei die Einführung eines "Revierbonus" unter dem Motto "Vorfahrt für die Strukturentwicklungsgebiete". Eine bessere Anbindung der Reviere durch bessere Taktzeiten im Nahverkehr und der Ausbau der Verbindungen in den Städten gehöre dazu. Der Bund wolle Behörden in diesen Regionen verstärkt ansiedeln.

Zentrale Aufgabe der Kommission ist es, für den Klimaschutz eine Enddatum für das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland festzulegen. Dies soll bis Ende des Jahres geschehen. Noch im Oktober will die Kommission sich aber in einem Zwischenbericht auf Hilfen für die betroffenen Regionen festlegen. Dafür dient dieser erste Entwurf, über den die Kommission an diesem Freitag beraten will.

Der deutsche Energiekonzern Uniper will nicht im Zuge der Beratungen über einen Kohleausstieg auf sein fast fertiggestelltes Kohlekraftwerk Datteln 4 verzichten. "Datteln 4 im Zuge eines möglichen Kohleausstiegs symbolisch opfern zu wollen, käme einem Schildbürgerstreich gleich: Anstatt mit Hilfe eines der hochmodernsten Kraftwerke Europas die Energiewende endlich zu einem Erfolgsmodell zu führen, würden alte und deutlich stärker CO2-ausstoßende Kraftwerke weiter betrieben", sagte Vorstandsmitglied Eckhardt Rümmler. "Mit Klimaschutz und Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschlands hätte ein solches Ansinnen aber auch rein gar nichts mehr zu tun."

Die "Rheinische Post" hatte berichtet, dass der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) laut Parlaments- und Branchenkreisen die kurzfristige Abschaltung von Braunkohle-Kraftwerks-Kapazitäten in Höhe von fünf Gigawatt ins Gespräch gebracht haben soll, zusätzlich könne auf einen Anschluss des Steinkohlekraftwerks in Datteln verzichtet werden. Ein Sprecher des deutschen Wirtschaftsministeriums sagte am Freitag, dass man sich zu Spekulationen nicht äußern wolle und die Frage des Kohleausstiegs Sache der dafür eingerichteten Kommission sei. Diese soll bis Ende des Jahres einen verbindlichen Fahrplan für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung vorlegen. Altmaier ist nicht Mitglied der Kommission.

Die Inbetriebnahme von Datteln 4 wird wegen Problemen mit dem Kessel nicht vor Mitte 2020 erwartet. Mit dem Bau war vor mehr als zehn Jahren begonnen worden, die Inbetriebnahme hatte sich wegen Rechtsstreitigkeiten immer wieder verzögert. In die Anlage sind bereits Investitionen von mehr als 1 Mrd. Euro geflossen. "Unser Kohlekraftwerk Datteln 4 wird nach seiner Inbetriebnahme in 2020 zu den modernsten und effizientesten Kohlekraftwerken in Europa zählen und zugleich wahrscheinlich das letzte sein, das in Deutschland ans Netz gehen wird", sagte Rümmler. Uniper sei bereit, gemeinsam mit der Politik kurzfristig den Weg in eine klimafreundlichere Stromerzeugung zu gehen, vorausgesetzt, dass er im Einvernehmen beschritten werde. "Gleiches gilt auch für die Festlegung eines Enddatums für die Kohleverstromung in Deutschland."

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Autofahren mit Kohlestrom ist "Wahnsinn"

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Wolfsburg, 11.10.2018

VW-Konzernchef Herbert Diess hat im Streit um schärfere Klimaschutzregeln für Autobauer den deutschen Energiemix angeprangert. Das E-Auto werde mit dem Diesel bei der CO2-Bilanz auf langen Strecken auf absehbare Zeit auch deshalb nicht mithalten können, warnte er in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag). "Denn die Wahrheit ist: Sie stellen nicht auf Elektro um, sondern auf Kohlebetrieb."

Bei der Produktion einer Batterie mit Kohlestrom entstünden fünf Tonnen Kohlendioxid (CO2). "Und wenn Sie dann noch mit Kohlestrom fahren, wird E-Mobilität wirklich zum Wahnsinn."

Die EU-Staaten hatten sich darauf verständigt, dass Neuwagen im Jahr 2030 im Schnitt 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen sollen als 2020. Die deutsche Regierung wollte ursprünglich nur 30 Prozent Minderung - was deutsche Autobauer als machbar erachteten. Andere Länder wollten eine Reduktion um 40 Prozent und mehr. Die Klimabilanz der ansonsten sauberen E-Autos wird maßgeblich dadurch beeinflusst, aus welchen Quellen der Strom für Batterien in Betrieb und Produktion stammt.

Um die CO2-Emissionen der Autoflotte bis 2030 um 30 Prozent zu senken, werde ein Drittel dieser Fahrzeuge vollelektrisch unterwegs sein müssen, erklärte Diess. Wäre sogar ein Rückgang um 40 Prozent angepeilt worden, müsste über die Hälfte der Autos rein elektrisch fahren. Ein Wandel in dem Tempo sei kaum zu managen, warnte er - binnen zehn Jahren müsse dann ein Viertel der Jobs bei VW entfallen. Aus seiner Sicht wird der Diesel auch in zehn Jahren noch gebraucht.

Auto-Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dagegen dem NDR, die neuen Klimavorgaben beschleunigten den Wandel. Diess' Warnung mit Blick auf die Arbeitsplätze wies er zurück: "Ich glaube, das Gegenteil wird der Fall sein. Wenn die Vorgaben zu lasch wären, dann hätten wir das Risiko, dass wir 200.000 Jobs verlieren." Die Trends E-Mobilität und Digitalisierung fordern die Hersteller stark. E-Autos sind aber noch weit davon entfernt, sich am Markt durchzusetzen.

Auch in der Energiebranche stieß der EU-Kompromiss auf Zustimmung. Der Verkehr sei nach der Energiewirtschaft zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasen und liege bei der Minderung "massiv im Rückstand", hieß es aus dem Verband BDEW. Bosch-Chef Volkmar Denner schrieb in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt", auch die Autobranche könne für den Klimaschutz mehr tun, als sie muss: "Wer für Klimaschutz ist, kommt auch um eine Kohlendioxid-Gesamtbilanz des Straßenverkehrs nicht herum." Für das Klima zähle nicht nur der Ausstoß des Autos, sondern auch derjenige aus der Kraftstoff- und Stromerzeugung.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte sich gegen neue Grenzwerte ausgesprochen. Nicht wenige Politiker verlangten minus 50 oder 75 Prozent bis 2030: "Wenn das im Europäischen Parlament so beschlossen wird, dann können wir das Autobauen in Deutschland vergessen."

Zum Streit über die - nun gestoppte - Rodung des Hambacher Forsts meinte Diess, es sei "völlig unverständlich", nur daran zu denken, ein Braunkohle-Abbaugebiet zu erweitern. "Was die Energiewirtschaft da machen will, führt unsere ganze Elektrifizierungsstrategie ad absurdum", sagte er. Es sei nicht sinnvoll, Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn der Strom für sie aus Kohle stamme: "Dann fahren wir mit Kohle statt Erdöl und produzieren mehr CO2 als heute."

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Ölpreise stark gefallen

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Singapur/Frankfurt, 11.10.2018

Die Ölpreise sind am Donnerstag kräftig gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete in der Früh 81,58 US-Dollar (70,94 Euro). Das waren 1,51 Dollar weniger als am Mittwoch. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur November-Lieferung fiel um 1,21 Dollar auf 71,96 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wurden die Notierungen unter anderem durch starke Kursverluste an den US-Aktienmärkten belastet. An den Finanzmärkten sind die Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China wieder stärker in den Fokus gerückt. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten sich bereits gegenseitig mit Strafzöllen belegt und es drohen weitere Schritte hin zu einem Handelskrieg. Vor diesem Hintergrund machten Anleger zuletzt einen Bogen um vergleichsweise riskante Anlagen, zu denen auch Rohöl zählt.

Außerdem wird auch der Hurrikan "Michael" als weiterer Grund für den Preisrückgang am Ölmarkt genannt. Der tropische Wirbelsturm der zweithöchsten Kategorie hatte zuletzt noch einmal an Kraft zugelegt. Am Ölmarkt wird befürchtet, dass es in den betroffenen Gebieten im Südosten der USA zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach Benzin kommen könnte.

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Deutscher Erneuerbaren-Verband erwartet weniger Umlage

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Berlin, 11.10.2018

In Deutschland wird die Umlage für Ökostrom im kommenden Jahr laut dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) sinken. Der BEE rechnet mit 6,51 Cent pro Kilowattstunde, wie er am Donnerstag mitteilte. Die Bandbreite betrage dabei 6,4 bis 6,6 Cent pro Kilowattstunde. In diesem Jahr beträgt die Umlage 6,792 Cent - sie war von 6,88 Cent im Jahr 2017 leicht gesunken.

Ein Grund für die Entwicklung sind zum einen die zuletzt stark gestiegenen Börsenpreise für Strom. Sie sind in Folge der höheren Preise für Öl, Steinkohle und Gas geklettert. Mit der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird die Differenz zwischen den Börsenpreisen und den festen Vergütungssätzen für Strom aus Wind, Sonne und Biomasse ausgeglichen. Steigt der Börsenpreis, sinkt die Umlage.

Ein weiterer Grund sind laut Verband die gestiegenen Preise im europäischen Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten: "Der Emissionshandel entfaltet in diesem Jahr eine Lenkungswirkung, verbessert die wirtschaftliche Vermarktung der Erneuerbaren Energien und honoriert so die saubere Energieerzeugung."

Die seit dem Jahr 2000 erhobene Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) finanziert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Übertragungsnetzbetreiber sind verpflichtet, angebotenen Strom aus erneuerbaren Energien nicht nur abzunehmen, sondern auch weitgehend zu festen Preisen zu vergüten. Die Netzbetreiber verkaufen den Strom dann an der Börse.

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Tiwag erhöht Strompreis mit Jahresbeginn

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Innsbruck, 11.10.2018

Der Tiroler Landesenergieversorger Tiwag wird mit Jahresbeginn den Strompreis erhöhen. Die Steigerung ab 1. Jänner für Standardhaushalte (mit 3.500 kWh Jahresverbrauch ) belaufe sich auf 0,97 Cent pro Kilowattstunde, erklärte Tiwag-Vorstandsvorsitzender Erich Entstrasser am Donnerstag vor Journalisten. Dies mache für einen Durchschnittshaushalt etwas weniger als 3 Euro pro Monat aus, hieß es.

Der Gesamtstrompreis, der sich zu je einem Drittel aus Energiepreis, Netztarif sowie Steuern und Abgaben zusammensetzt, werde somit um rund 5 Prozent steigen. "Die Erhöhung rein beim Energiepreis macht rund 14 Prozent aus", so Entstrasser. Betroffen seien in etwa 200.000 Kunden.

Als Gründe nannte der Tiwag-Chef die Entwicklung auf den internationalen Energiemärkten und die mit 1. Oktober vollzogene Trennung der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland. "Der Preis an der Strombörse hat sich seit Beginn 2016 mehr als verdoppelt", sagte Entstrasser. Und seit der Markttrennung seien die Preise extrem volatil. Seriös könne erst in ein zwei Monaten gesagt werden, wie sich die Trennung der Strompreiszone zwischen Österreich und Deutschland tatsächlich auswirken werde.

Die bisher letzte Erhöhung datiere aus dem Jahr 2011. Seitdem habe es insgesamt vier Strompreissenkungen gegeben, hob Entstrasser hervor. Der Strompreis liege somit "ein bisserl" unter dem Niveau von 2011. Gemeinsam mit der Vorarlberger Kraftwerke AG, die ihre Energiepreise ebenfalls erhöhe, zähle die Tiwag aber nach wie vor zu den günstigsten Landesenergieversorgern in Österreich, betonte der Tiwag-Chef. Im Osten Österreichs müssten Stromkunden einen bis zu 35 Prozent höheren Energiepreis berappen.

Nach der Tiwag-Ankündigung, die Strompreise mit Jahresbeginn zu erhöhen, sind auch die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) am Donnerstag nachgezogen. So wie bei der Tiwag werde der Strompreis für alle IKB-Tarifkunden ab 1. Jänner ebenfalls um 0,97 Cent pro Kilowattstunde (kWh) teurer, erklärte Vorstandsvorsitzender Helmuth Müller. Selbst nach dieser Anpassung zähle die IKB weiterhin zu den günstigsten Stadtwerken Österreichs, betonte Müller. Zudem seien die Tarife in der Vergangenheit mehrfach gesenkt worden, seit 2012 um insgesamt 17 Prozent.

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OPEC attackiert den Weltklimarat: "Öl ist nicht giftig"

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London, 11.10.2018

Die OPEC hat die Forderungen des Weltklimarats nach einem erheblich stärken Einsatz erneuerbarer Energien im Kampf gegen die Erderwärmung als fehlgeleitet kritisiert und von einem "Bombardement" durch Lobbyisten gesprochen. Die Vorstellung, dass Erneuerbare Energien die einzige Zukunft der Welt seien, sei fehl am Platz, sagte OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo am Donnerstag in London.

"Wir haben große Bedenken wegen einiger Schlussfolgerungen, gar nicht zu sprechen von den Vorschlägen für künftige Lösungen", so Barkindo. Es gehe nicht darum, eine Energiequelle gegenüber einer anderen zu bevorzugen, wie es Teile der Wissenschaft vorschlügen. Dass die Zukunft allein bei den Erneuerbaren Energien liege sei falsch.

"Öl ist nicht giftig, die Emissionen sind giftig", sagte der Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Staaten. Daher sei es nötig, Technologien in den Mittelpunkt zu rücken, die Emissionen fossiler Brennstoffe reduzieren und letztlich ganz eliminieren. Ein "Bombardement" von Verfechtern alternativer Energien beeinflusse aber Investitionen in fossile Energieträger mit möglicherweise gefährlichen Folgen für die Gesellschaft und die Weltwirtschaft.

Der UN-Klimarat IPCC hatte in einem Sonderbericht am Montag radikalere Maßnahmen gegen den Klimawandel gefordert. Um den Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis Mitte des Jahrhunderts von derzeit rund 25 auf 70 bis 85 Prozent steigen. Zudem sollte der Kohlendioxid-Ausstoß bis 2030 um rund 45 Prozent vom Niveau im Jahr 2010 gesenkt und bis 2050 unter dem Strich auf null gedrückt werden.

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An E-Autos führt kein Weg vorbei

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10.10.2018
Elektromobilität. Der Weltklimarat forderte am Montag rasche Maßnahmen zur Klimarettung. Ein wichtiger Schritt im Verkehrsbereich heißt E-Mobilität. Österreichs Industriebetriebe sind hier auf vielen Ebenen tätig.
 
Anfang des Jahrzehnts schwärmten Proponenten der umweltfreundlichen Fortbewegung von bis zu 250.000 E-Fahrzeugen, die im Jahr 2020 auf heimischen Straßen unterwegs sein sollten. 2017 zählte Statistik Austria gerade 14.618 E-Fahrzeuge. Klingt mager, aber das Plus gegenüber dem Vorjahr lag bei 60 Prozent, und wenn dieses Interesse an E-Fahrzeugen die nächsten Jahren anhält, könnten 2020 immerhin rund 60.000 strombetriebene Autos unterwegs sein.

Auf Prognosen wollen sich Experten aber heute nicht mehr einlassen. Anstatt Zahlen zu nennen, verweist Roland Ziegler, Sprecher des Bundesverbands Elektromobilität Österreich (BEÖ), auf die in den nächsten Jahren auf den Markt kommenden Mittelklassefahrzeuge, die mit günstigerem Preis und Reichweite von rund 500 Kilometern neue Zielgruppen ansprechen werden. Als Beispiel für die Entwicklung verweist Ziegler auf Norwegen, wo etwa in Oslo bereits die Hälfte der neu zugelassenen Autos mit Batterieantrieb unterwegs ist: "Bis sich das im absoluten Bestand auswirkt, dauert es natürlich noch eine Weile." Aber Ziegler ist überzeugt, dass der E-Mobilität die Zukunft gehört.

Daran glauben auch die im Automobilbereich tätigen österreichischen Industriebetriebe. Sie steigen aufs Strompedal wie zum Beispiel Magna: "Electrification ist ein Thema, mit dem wir uns intensiv beschäftigen", erzählt Magna-Pressesprecher Rej Husetovic. Neben Hybridfahrzeugen und mit Wasserstoff und Erdgas betriebenen Hybridvarianten steht der reine E-Motor im Fokus des Unternehmens. Und er ist mittlerweile bereits in der Produktion angelangt. Beim Konzern Magna in Graz - bei dem heuer rund 200.000 verschiedene Fahrzeuge für BMW, Jaguar und Mercedes produziert werden - läuft seit Kurzem auch ein ausschließlich mit Strom betriebenes Fahrzeug vom Band: der neue Jaguar i Pace.
"Damit sind wir der erste Auftragsfertiger, der ein vollelektrisches Fahrzeug in Serie fertigt", sagt Husetovic stolz. Der i Pace aus Österreich schlägt mit der Beschleunigung des E-Motors die meisten konventionellen sportlichen Fahrzeuge: Die Limousine bringt es in 4,8 Sekunden von null auf 100. Eine Batteriefüllung reicht bereits für knapp 500 Kilometer.

Eine wichtige Rolle spielt das Grazer Werk auch bei einer E-Mobil-Kooperation zwischen Magna und der Beijing Automotive Industry Holding Baic. Die Partner sind im Frühjahr übereingekommen, ein E-Fahrzeug der nächsten Generation für den chinesischen Markt zu entwickeln. Im Sommer hat Magna mit der Baic-Tochter Beijing Electric Vehicle (BJEV) zudem einen Vertrag über die Produktion dieses Fahrzeugs in China unterzeichnet. Sie soll bereits 2020 starten. "Mit den Joint Ventures mit BJEV erschließen wir China als neuen Markt für die Gesamtfahrzeugproduktion und stärken so langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit", erläutert Husetovic. Graz werde in globaler Zusammenarbeit mit mehreren anderen Magna-Werken in die Entwicklung miteingebunden sein und davon profitieren.

Österreichs größter Industriekonzern, Voestalpine, gibt ebenfalls Strom für den Zukunftsmarkt Elektromobilität. Erfolgreich will das Unternehmen laut Presseabteilung mit Leichtbaukomponenten für den Fahrzeugbau sein, die Gewicht sparen und damit indirekt die Reichweite einer Batterieladung verlängern. Aber auch im Hightechbereich will die Voestalpine mitspielen. Das Unternehmen fertigt qualitativ hochwertiges Elektroband, das für die Herstellung von Elektromotoren benötigt wird. Nun hat die Voestalpine ein Verfahren entwickelt, mit dem dieses Elektroband zu einem einbaufertigen Teil verklebt werden kann. Das Verfahren wurde in Linz entwickelt, wo das Band hergestellt wird. Die Weiterverarbeitung zum fertigen Bauteil erfolgt im Voestalpine-Werk in Baden-Württemberg.
Bosch forscht und fertig ebenfalls in Österreich für E-Mobilität. Der deutsche Konzern beschäftigt in Wien mehr als 1000 Mitarbeiter, davon rund 700 in Forschung und Entwicklung. Entwickelt werden hier unter anderem Motorsteuergeräte für Elektro- und Hybridmotoren in Pkw. "Unsere Strategie im Bereich der Elektromobilität geht deutlich über den Antriebsstrang hinaus, denn Bosch besitzt Kompetenz im ganzen Ökosystem der Elektromobilität - von serienerprobten Komponenten für elektrifizierte Anwendungen bis hin zur Vernetzung der Ladeinfrastruktur", erzählt Österreich-Chef Klaus Peter Fouquet.

Auch kleinere Betriebe aktiv

Auch abseits der großen Unternehmen setzen sich zahlreiche heimische Betriebe mit E-Mobilität auseinander. Es gibt findige Start-ups etwa für die vollautomatisierte Ladung des E-Fahrzeugs (Energie Steiermark und Easelink). AVL in Graz betreibt eines der modernsten Battery Labs Europas, um bessere Akkus zu entwickeln. Kreisel Electric bietet neue clevere Systemlösungen für E-Mobilität.
BEÖ-Sprecher Ziegler meint, dass es für die Zulieferindustrie, die derzeit noch Teile für den klassischen Verbrennungsmotor fertigt, mittelfristig unumgänglich sein wird, sich mit Elektromobilität auseinanderzusetzen: "Egal wird das Thema nur für Betriebe sein, die Sitzbezüge oder Ähnliches herstellen", meint er trocken.

von Wolfgang Pozsogar
 
Die Presse am 10.10.2018, S. 16
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Industrie fordert niedrigere Netzentgelte

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10.10.2018

Deutsche Betriebe haben deutlichen Vorteil
Massive Wettbewerbsnachteile gegenüber der deutschen Konkurrenz beklagt die heimische Industrie. Vor allem bei den Stromkosten sei man gegenüber den Betrieben im Nachbarland klar im Hintertreffen, betonte WKOÖ-Industriespartenobmann Günter Rübig im Rahmen eines Medienempfangs.

Höhere Stromkosten

Denn wie eine Studie des Energieinstituts der Wirtschaft zeige, habe ein deutscher Industriebetrieb einer energieintensiven Branche einen Kostenvorteil von 0,8 bis 4 Millionen Euro gegenüber einem österreichischen Betrieb, so Rübig. Die Gründe dafür würden in der Kompensation indirekter C02-Kosten im Rahmen des EU-Emmissionshandels sowie bei den Netzgebühren und den Ökostromkosten liegen, stellt er klar wo Änderungen nötig sind. Etwa bei den Netzgebühren würden Industriebetriebe in Deutschland entlastet, erklärt Rübig. So gibt es dort eine Sonderregelung, womit Firmen mit einer hohen und konstanten Stromabnahme Ersparnisse von bis zu 90 Prozent lukrieren können. Auch können anders als in Österreich im Nachbarland weitergegebene Kosten beim Emissionshandel im Bereich der Stromerzeugung zurückgefordert werden.
 

Oberösterreichisches Volksblatt am 10.10.2018, S. 20
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Alternativloser Klimaschutz

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10.10.2018
Österreich muss bis 2050 den Energieverbrauch halbieren. Eine vollständige Dekarbonisierung ist vereinbartes Ziel aller EU-Länder. Wir sind beim Mülltrennen Musterschüler – in puncto Alternativ-Energien aber Schlusslicht im Klimaschutz-Ranking. 2017 stammten in Österreich rund 26 Prozent der Stromproduktion aus fossilen Energien, 57 aus Wasserkraft, neun Prozent aus Windkraft, fünf aus Biomasse, zwei Prozent aus Photovoltaik und ein Prozent aus Biogas. Die Umrüstung der mehr als 600.000 Ölheizungen und eine Offensive für umfassende Gebäudesanierungen stehen auf der Agenda.
Als alternative Energiequellen gelten Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft und Wärmepumpen. Brennstoffzellen zählen zu erneuerbaren Energiequellen, welche Energie in Strom umwandeln und eine netzunabhängige Energieversorgung ermöglichen. Bei Häusern, die mit Wärme und Strom aus Brennstoffzellen versorgt werden, spricht man von einer Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung.

In Japan gibt es rund 200.000 Gebäude, die mit der Brennstoffzellen-Technologie ausgestattet sind. Brennstoffzellen können auch für Elektrogeräte genützt werden und für Kleinfahrzeuge wie Stapler, Traktoren oder Hubwagen. Bei Satelliten und Raumkapseln wurden sie bereits erfolgreich eingesetzt.
Photovoltaik nützt Sonnen-Energie zur Stromgewinnung, Solarthermie gewinnt mit Sonnenkollektoren Wärme. Vorteil der Sonnenenergie ist, dass sie auch gespeichert werden kann. Ihr Potenzial ist gewaltig – insgesamt liefert die Sonne pro Jahr die 10.000-fache Energiemenge des Weltenergiebedarfs. Die weltweit installierte Leistung an Sonnen- und Windenergie hat im ersten Halbjahr 2018 eine Billion Watt überschritten (1.000 Gigawatt). Dies entspricht dem 250-Fachen der in Österreich installierten Leistung von rund vier Gigawatt. Die Analysen der Branchenexperten von Bloomberg New Energy Finance zeigen, dass rund 90 Prozent dieser Leistung in den vergangenen zehn Jahren hinzugekommen sind. Weltweit sind Wind- und Sonnenenergie bereits heute günstiger als Energie aus neuen fossilen und nuklearen
Kraftwerken. Bloomberg rechnet damit, dass die nächste Billion bereits 2023 erreicht wird.

Knapp 40 Prozent der Wind- und rund 60 Prozent der Sonnenenergie sind in Asien installiert. „Im aktuellen Bericht zeigt Bloomberg New Energy Finance, dass wir die Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels schon in der Hand haben“, erklärt Florian Maringer, Geschäftsführer des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich, EEÖ. Energie aus neu errichteten fossilen und nuklearen Kraftwerken ist bereits heute teurer als viele erneuerbare Energien. Daher werden sie künftig den Löwenanteil neu installierter Erzeugungsleistung stemmen.

2017 wurde doppelt so viel in erneuerbare Stromerzeugung investiert als in die fossile. Aktuell sind 54 Prozent der weltweiten 1.013 Gigawatt installierter Leistung aus Wind- und 46 Prozent aus Sonnenenergie. 97 Prozent der Windenergie kommt vom Festland. Prognosen gehen davon aus, dass Solar und Wind 2023 die nächste Billion Watt erreichen und Sonnenenergie einen größeren Anteil haben wird. Europa hinkt der Entwicklung hinterher. Ein Großteil der Leistung ist in Asien installiert und somit auch ein Industrievorteil.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit

„Europa benötigt die Energiewende nicht nur wegen des Umweltschutzes, es geht um Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit. Die Industrie braucht ein Signal und europäische Partner, um die Energiewende voranzubringen“, so Maringer. „Deutschland oder Dänemark zeigen, wie es funktioniert. Natürlich bremsen und blockieren Vertreter der hochsubventionierten fossilen Wirtschaft.“

Die globale Wende zu erneuerbaren Energien bildet eine Chance für technologisch fortgeschrittene Länder wie Österreich. „Während der EU-Ratspräsidentschaft besteht die Möglichkeit diese zu nutzen. Österreich ist nicht nur verantwortlich für ein neues Design veralteter fossiler Strommärkte. Es sitzt auch am Tisch für ein langfristiges EU-Budget, Klima- und Energiepläne bis 2050 und muss Pläne und auch ein neues Energiegesetz vorlegen. Letzteres muss gewährleisten, dass das Ziel 100 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung bis 2030 erreicht wird und Österreich am globalen Trend teilnimmt.“

Kluge Planungen zeigen, dass Sonne, Wind und Speicherfähigkeit von Baumaterialien einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. In der Mühlgrundgasse in Wien errichtet der gemeinnützige Wohnbauträger „Neues Leben“ in Kooperation mit dem Immobilienentwickler „M2plus Immobilien GmbH“ eine Anlage mit 155 Wohnungen. Das Besondere daran: Hier wird erstmals Thermische Bauteilaktivierung zum Heizen und Kühlen mit Windenergie im sozialen Wohnbau eingesetzt. Die Technologie ist einfach: Der Beton wird über eingebaute Rohrsysteme aktiviert, in denen je nach Erfordernis Warm- oder Kaltwasser fließt.

„Die Wohnungen werden mit Erdwärme geheizt und im Sommer auch gekühlt, die Wärmepumpe wird mit Überschuss-Windstrom betrieben. Für eine 70 bis 80 Quadratmeter große Wohnung sollte die Jahresrechnung für Heizung, Kühlung und Warmwasser unter 300 Euro betragen, solche niedrigen Energiekosten unterstützen leistbares Wohnen. Dieses Projekt wird keinesfalls ein Einzelfall bleiben“, ist Johann Gruber, Obmann vom Bauträger „Neues Leben“, überzeugt.

Projektpartner und Projektentwickler Norbert Mayr, Geschäftsführer von „M2plus“, hatte die Idee, Überschuss-Windenergie im Beton zu speichern und den Kontakt mit Energieplaner Harald Kuster hergestellt. Kuster, kürzlich mit dem Energy Globe 2018 Salzburg für Leistungen betreffend die Bauteilaktivierung ausgezeichnet, ist mit seinem Unternehmen „FIN – Future is now“ für die Planung des Systems verantwortlich: „Das Projekt MGG22 trägt dazu bei, dass wir die notwendigen vorhandenen Betonbauteile eines Gebäudes mit einer einfachen Lösung sinnvoll als Speichermasse nutzen können. Hinzu kommt, dass wir erneuerbare Energie verwenden, wenn sie im ‚Überfluss‘ vorhanden ist.“ Musterbeispiele für Gebäude mit alternativen Energiequellen gibt es – wie das neue Gebäude der TU Wien am Getreidemarkt.
 
 
 
Wiener Zeitung am 10.10.2018, S. 28
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Industrie ärgert sich über teuren Strom und skurrile Bürokratie

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Linz, 10.10.2018
Industrie-Sprecher Rübig: Deutsche Industrie kauft Strom deutlich billiger ein als ihre Konkurrenten in Österreich
 
Faire und vergleichbare Rahmenbedingungen will Oberösterreichs Industrie. Was selbstverständlich klinge, sei es in der Praxis nicht, sagt der Spartenobmann in der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Günter Rübig, und verdeutlicht dies an der Strompreisentwicklung.

Ein Vergleich der Energiekosten für die Industrie in Deutschland habe ergeben, dass dort die Betriebe deutlich weniger Aufwendungen haben. Das reiche vom Emissionshandel über die Netzgebühren bis zu den Ökostromkosten. Ein energieintensiver Industriebetrieb zahle in diesem Vergleich in Österreich um 0,8 bis vier Millionen Euro mehr im Jahr. Rübig verweist einmal mehr auf skurrile Vorschriften, die den Betrieben das Leben schwer machen, und nennt als Beispiel ein Erlebnis aus der eigenen Praxis. Für eine Lichtkuppel in der Produktion müsse er eine Absturzsicherung bauen. "Das kostet uns wahrscheinlich um die 24.000 Euro, obwohl es sich um einen Bereich unserer Halle handelt, wo kein Mitarbeiter etwas verloren hat", kritisiert Rübig.

Eines der wichtigsten Ziele sei es, den Fachkräftemangel zu beseitigen, sagt Rübig. In Oberösterreich fehlen rund 30.000 Fachkräfte, knapp 80 Prozent der Betriebe leiden darunter und müssen zum Teil die Produktion drosseln. Die Zahl von 3760 Lehrlingen soll wieder gesteigert werden.
 
Oberösterreichische Nachrichten am 10.10.2018, S. 9
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Schutz vor der dunklen Bedrohung

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10.10.2018
Die Marktgemeinde Mooskirchen rüstet sich gegen einen großflächigen und länger andauernden Stromausfall – ein so genanntes Blackout – mit Fotovoltaik im gesamten Ort.
 
Eine Vorreiterrolle im Bezirk nimmt die Marktgemeinde Mooskirchen ein, die den örtlichen Katastrophenschutz mit erneuerbarer Energie gewährleisten will. So schnell wie möglich wird man sich dort für einen möglichen, großflächigen Stromausfall rüsten. Ein sogenanntes Blackout ist eine der Gefahren des technisierten Zeitalters. Dann würde nicht nur dem Handy der Saft ausgehen oder die Mattscheibe dunkel bleiben. Elektrische Heizungen würden ausfallen, medizinische Versorgung und Wasserversorgung würden zusammenbrechen. Auch Zapfsäulen an Tankstellen würden ihren Dienst versagen.

Auslöser für ein solches Blackout können Unwetterkatastrophen, Hackerangriffe oder der komplette Zusammenbruch des Stromnetzes durch den Ausfall kalorischer Kraftwerke, die Wärme in Strom umwandeln, sein. Um diese Gefahr einzudämmen, hat der Gemeinderat von Mooskirchen einstimmig beschlossen, für die Marktgemeinde einen neuen Katastrophenschutzplan samt Blackout-Vorsorge zu erstellen. „Katastrophenschutz mit erneuerbarer Energie“ lautet das Motto. „In der ersten Phase werden wir den Ist-Zustand erheben und mit allen Einrichtungen und Institutionen im Ort ermitteln, was notwendig wäre. Zum Glück ist da schon einiges an Vorarbeit geleistet worden“, betont Bürgermeister Engelbert Huber. Neben dem Feuerwehrhaus sind auch der Kindergarten und das Gemeindeamt für den Notfall abgesichert.

Besonderes Augenmerk wird etwa auf die Wasserversorgung gelegt, auch die Straßenbeleuchtung soll energieautark betrieben werden. Bewerkstelligt werden soll das mit Versorgungsinseln im gesamten Ort, die mit Fotovoltaikzellen Strom erzeugen, die alle lebenswichtigen, elektrischen Adern mit Sonnenstrom versorgen.
 
„Wir wollen und können nicht warten, bis der Ernstfall tatsächlich einmal eintritt. Da möchten wir auch ein Vorbild für die Bevölkerung und natürlich auch für andere Gemeinden sein“, betont Huber. Er stellt in Aussicht, dass einfache Maßnahmen rasch und möglicherweise schon während der Aufarbeitung des Ist-Standes umgesetzt werden.
 
 
von Rainer Brinskelle
 
Kleine Zeitung am 10.10.2018, S. 20-21
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Klimaneutrale Chemie wäre möglich

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10.10.2018
 
Fachverband präsentiert Studie und verweist auf Strombedarf und Kosten.

Die Dekarbonisierung der chemischen Industrie war Thema einer Studie des Instituts für industrielle Ökologie, die vom Österreichischen Fachverband der Chemischen Industrie beauftragt wurde. Ergebnis: Die heimische chemische Industrie könnte ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2050 eliminieren. Allerdings nur mit zwölffach höhrem Stromeinsatz, da etwa Wasserstoff mittels Elektrolyse gewonnen oder Dampf mit Strom erzeugt werden müsste, anstatt Rohöl und Erdgas einzusetzen. Der Mehrbedarf an Ökostrom entspräche der Kapazität von 60 Wasserkraftwerken vom Typ Freudenau - fast der Jahresbedarf Österreichs 2016.
 
Abgesehen vom zusätzlichen Strombedarf, der durch andere Entwicklungen wie die E-Mobilität noch verschärft wird, weist der Fachverband auf die notwendigen Investitionskosten von jährlich 580 Millionen Euro hin und betont den hohen Exportanteil und entsprechenden internationalen Konkurrenzdruck der Branche. Statt eines Alleingangs fordert der Verband eine globale Lösung. Zudem wird darauf verwiesen, dass die chemische Industrie etwa mit der Entwicklung von Leichtbauteilen für Fahrzeuge oder von Dämmstoffen bereits einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Die Presse am 10.10.2018, S. 14
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Streit um Zukunft der Murauer Energie

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10.10.2018
Interesse der Energie Steiermark am Murauer Markt sorgt für Wirbel. Fronten zwischen Bürgermeister und Stadtwerken verhärtet.
 
Kein anderes Thema wird in Murau derzeit heißer debattiert als der Einkauf der Energie Steiermark am lokalen Energiemarkt. Droht ein Ausverkauf der Stadtwerke, oder ist alles Panikmache? Darüber gehen die Meinungen denkbar weit auseinander.

Fakt ist: Im Juli kaufte die Energie Steiermark die Fernwärme Murau-St. Egidi, eine Gesellschaft im Besitz von Privatpersonen. Die Stadtwerke Murau als Lokalmatador legten kein Angebot. Und das, obwohl man laut Geschäftsführer Kurt Woitischek seit Jahren auf eine Übernahme hinarbeitete. Rund 1,5 Millionen Euro hätten die Stadtwerke, ein Gemeindebetrieb, als Vorleistungen erbracht, um in Zukunft die „Gesamtversorgung von Murau gewährleisten zu können“. So wurden sogar Leitungen verlegt. „Der Bürgermeister hat uns im April in einer Aufsichtsratsitzung mitgeteilt, dass wir kein Angebot legen werden“, so Woitischek. „Das ist ein großer Schaden für Murau, eine Katastrophe.“ Er fürchtet, „der Energie Steiermark sind für weitere Käufe Tür und Tor geöffnet“, in Folge den Verlust von Arbeitsplätzen, wirtschaftliche Schäden und das Ende der Energievision.

Dem widerspricht Muraus Bürgermeister Thomas Kalcher (ÖVP) deutlich. „Mit dem Verkauf der Fernwärme habe ich überhaupt nichts zu tun gehabt“, entsprechend auch „niemandem etwas verboten“. Allerdings „stellt uns Woitischek im Gemeinderat das Kraftwerk seit Jahren als überalteten Schrotthaufen hin, mir ist nicht klar, warum wir den plötzlich kaufen sollten“. Das sei laut Woitischek wiederum Taktik gewesen, „um den Preis zu drücken“.

Brisant ist nun, wie es für die Stadtwerke weitergeht. Kalcher hat eine interne und externe Bewertung der Stadtwerke beantragt. Die Ergebnisse sollen Basis für weitere Gespräche sein.
Vorerst ginge es nur um „personelle Synergien“, also den Zukauf von Serviceleistungen. Aber: „Freilich nehme ich mir als Bürgermeister heraus, auch mit anderen am Markt Gespräche zu führen. Das lasse ich mir auch von einem Geschäftsführer nicht verbieten“, findet Kalcher deutliche Worte in Richtung Woitischek. Ein Verkauf der Stadtwerke stünde nicht im Raum: „Das ist Panikmache.“ Interesse bestünde an einer Beteiligung der Energie Steiermark an den Stadtwerken, die externe Expertise würde laut Kalcher dem Unternehmen gut tun. Die Energie Steiermark will zu Spekulationen keine Stellung nehmen.
Auf Widerstand stößt das Vorgehen bei der SPÖ: „Schon eine Beteiligung hätte enorme Auswirkungen“, fürchtet Gemeinderat Siegfried Fritz Jobabbau und Preis-Kampf. „Für uns sind das Machtspielchen des Bürgermeisters.“ Die Diskussion hat auch eine politische Dimension: Insidern zufolge belastet der Streit zwischen den Parteikollegen Kalcher und Woitischek bereits die ÖVP.
 
von Sarah Ruckhofer
Kleine Zeitung am 10.10.2018, S. 20-21
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Beim Öko-Strom gibt es im Augenblick eine durchwachsene Bilanz

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10.10.2018
Das Regierungsziel ist bekannt: Laut Klima- und Energiestrategie „Mission2030“ soll der jährliche Strombedarf Österreichs ab 2030 bilanziell zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Ferner ist geplant, ab 2030 etwa 45 bis 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs mittels der „Erneuerbaren“ zu decken.
 
Expertenbericht

Wie das derzeit aussieht, haben Experten der Technischen Universität Wien in einem Bericht mit dem Titel „Innovative Energietechnologien in Österreich – Marktentwicklung 2017“ zusammengefasst. Dem zufolge wurde die Nutzung der erneuerbaren Energien „gleichsam von hemmenden und fördernden Faktoren beeinflusst“.

Nach wie vor niedrige Preise fossiler Energieträger wie Erdöl und Erdgas bremsten die „Erneuerbaren“ ebenso wie „geringe Sanierungsraten, verhaltene Signale aus dem Bereich der energiepolitischen Instrumente und der Wettbewerb unter den Technologien selbst“. Ausbaufördernd waren dem gegenüber insbesondere das allgemeine Wirtschaftswachstum sowie gestiegene Privatausgaben. Nach wie vor erfolgte der Zuwachs „jedoch vielerorts auf niedrigem Niveau und ist deshalb in Summe nicht ausreichend, um die gesteckten mittel- bis langfristigen nationalen Energie- und Klimaziele zu erreichen. Aus diesem Grund sind vermehrte Anstrengungen nötig, um die für eine Energiewende erforderliche Wachstumsdynamik auszulösen“

Im Einzelnen heißt das: Seit 2013 wurden jedes Jahr Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) mit 150 bis 150 Megawatt (MW) Gesamtleistung installiert. Im Jahr 2017 waren es insgesamt rund 172,9 MW, gegenüber 2016 ein Wachstum von 11,0 Prozent. Insgesamt verfügt Österreich somit über PV-Anlagen mit einer Leistung von etwa 1.270 MW. Sie können rund 1,2 Millarden Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen, was 1,8 Prozent des Jahresbedarfs an elektrischer Energie entspricht.

Nach wie vor im Sinken sind die durchschnittlichen Anlagenkosten: Sie fielen von 2016 auf 2017 von 1.645 Euro auf 1.621 Euro pro Kilowatt, um rund 1,5 Prozent. Im Bereich der Windkraft wurden 2017 österreichweit 63 neue Anlagen mit 196 MW Leistung errichtet. Die Gesamtleistung der heimischen Windparks lag damit bei rund 2.844 MW, die Gesamtzahl der Anlagen bei 1.260. Somit können rund 6,5 bis sieben Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden, um rund 19 Prozent mehr als 2016. Laut dem Bericht entspricht das etwa zehn bis elf Prozent des österreichischen Stromverbrauchs. Kaum Zuwächse gab es dagegen bei der Stromproduktion mit jenen Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK), die mit Biomasse befeuert werden. Dem Bericht zufolge stagnierte diese bei rund 1,9 Milliarden kWh, auch die Gesamtleistung der Anlagen blieb mit 310 MW in etwa konstant.

„Ausreißer“ Kleinwasserkraft

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die österreichische Energiemarkt-Regulierungsbehörde Energie-Control Austria (E-Control) in ihrem aktuellen Ökostrombericht 2017. Detailliert erfasst sind darin nicht sämtliche Anlagen, sondern nur jene, deren Betreiber Förderungen auf der Grundlage des Ökostromgesetzes erhalten. Folglich kommt die E-Control beispielsweise bei der Windkraft auf einen Erzeugungszuwachs von „lediglich“ 17 Prozent auf rund 5,7 Milliarden kWh. Ein Ausreißer war ihr zufolge die Kleinwasserkraft, die Anlagen mit einer Leistung von jeweils höchstens zehn MW umfasst: Deren Stromproduktion fiel von 2016 auf 2017 um rund acht Prozent auf 1,6 Milliarden kWh, obwohl sich die Gesamtleistung der Anlagen nicht änderte. Ausgelöst wurde dies durch die witterungsbedingt niedrige Wasserführung der österreichischen Flüsse und Bäche, die sich laut E-Control „sofort“ bemerkbar macht.

Was die im geltenden Ökostromgesetz festgelegten Ausbauziele für das Jahr 2020 betrifft, gibt sich die E-Control optimistisch. Sie geht davon aus, dass diese, insgesamt betrachtet, mit Sicherheit erreicht und voraussichtlich sogar deutlich übertroffen werden. Für die einzelnen Technologien ergibt sich dagegen ein differenzierteres Bild. Geplant ist laut dem Gesetz eine Erzeugungssteigerung der Windparks um 4,0 Milliarden kWh und jener der PV-Anlagen um 1,2 Milliarden kWh. Für die (Klein-)Wasserkraft sieht das Gesetz einen Zuwachs um 4,0 Milliarden kWh vor, für Biomasse- und Biogasanlagen ein Wachstum um 1,3 Milliarden kWh. Nach Einschätzung der E-Control dürfte das Ziel für die Windkraft um 1,8 bis 2,4 Milliarden kWh übertroffen werden, jenes für die Kleinwasserkraft um immerhin 600 bis 900 Millionen kWh. Bei der Photovoltaik ist dagegen eine Zielverfehlung zu befürchten, ebenso bei Biomasse und Biogas.

Handlungsbedarf besteht laut E-Control jedenfalls im Hinblick auf das Ziel der Bundesregierung, den österreichischen Strombedarf ab 2030 bilanziell vollständig mit erneuerbaren Energien zu decken. Ihre Berechnung: Um dieses Ziel zu erreichen, wäre eine Produktionssteigerung um rund 30 Milliarden kWh pro Jahr erforderlich. Unter Fortschreibung der derzeitigen Entwicklung ist jedoch bestenfalls mit einem Zuwachs um zehn Milliarden kWh zu rechnen.

Neue Gesetze nötig

Bekannt ist das Problem: Kürzlich kündigte die für Energiepolitik hauptverantwortliche Bundesinisterin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Elisabeth Köstinger, an, bis Jahresende die Eckpunkte eines „Erneuerbare-Ausbau-Gesetzes“ (EAG) vorzulegen. Ein Entwurf ist für Frühjahr 2019 avisiert, der Beschluss für Ende kommenden Jahres. Benötigt wird ein neues Gesetz zur Ökostromförderung noch aus einem anderen Grund: Das derzeitige Regime entspricht nicht mehr den Beihilfenrichtlinien der Europäischen Union und läuft daher 2022 aus.
 
 
Wiener Zeitung am 10.10.2018, S. 32
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"Mehr Tempo zur Energiewende ist kein Schaden"

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10.10.2018
„Wiener Zeitung“: Laut der Integrierten Klima- und Energiestrategie (Mission 2030) verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den jährlichen Strombedarf Österreichs ab 2030 bilanziell zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu decken. Somit würde nicht zuletzt die witterungsbedingt schwankende Stromerzeugung mit Windparks und Photovoltaik stark ansteigen. Was bedeutet das für die Versorgungssicherheit?
 
Barbara Schmidt: Nach den Berechnungen, die uns vorliegen, braucht Österreich im Jahr 2030 rund 88 Terawattstunden (TWh) Strom, die wir nach Möglichkeit im Inland mit erneuerbaren Energien bereitstellen wollen. Um das zu erreichen, fehlen uns im Vergleich zur aktuellen Stromaufbringung, die zu etwa zehn bis 15 Prozent mit Stromimporten erfolgt, rund 35 TWh aus inländischer Erzeugung. Die Klima- und Energiestrategie macht allerdings Einschränkungen, die sich aus tages- und jahreszeitlichen Schwankungen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ergeben, sowie aus dem Faktum, dass wir auf manche fossile Anlagen noch nicht verzichten können. An erster Stelle sind hier die Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK-Anlagen), die vor allem Ballungszentren mit Wärme und Strom versorgen und mit deren Hilfe wir gegenüber normalen Heizungen jährlich über drei Millionen Tonnen einsparen. Das Zweite sind Anlagen der Industrie, die zur Aufrechterhaltung der Produktion benötigt werden und in die industriellen Prozesse eingebunden sind. Drittens brauchen wir noch flexible Reserven, um die Schwankungen der Stromproduktion aus Wind und Photovoltaik (PV) auszugleichen. Das ist bis 2030 mindestens eine Gesamtleistung von 3.600 Megawatt (MW). Die Anlagen würden aber nur dann laufen, wenn sie zur Stabilität des Netzbetriebs gebraucht werden.

Ist das Ziel der Regierung realistisch? Laut neuester Einschätzung der E-Control müsste die Ökostrom-Ausbaurate verdreifacht werden, um es zu erreichen. Oesterreichs Energie selbst wies darauf hin, dass allein die Leistung der Photovoltaik ver-14-facht we rden müsste.

Darauf haben wir schon seit unserer Stromstrategie hingewiesen, die wir 2015 veröffentlichten und seither an aktuelle politischen Vorgaben anpassten. Prinzipiell ist es so, dass Potenziale für den benötigten Ökostromausbau in Österreich vorhanden sind. Das kann jeder Interessierte im Windatlas oder in der Roadmap Photovoltaik nachlesen. Bei der Wasserkraft haben wir im Sommer die Potenziale vom renommierten Planungs- und Projektmanagementunternehmen Pyöry neu errechnen lassen. Auch hier geht es sich aus. Beispiele zeigen, wie man es machen muss: Im Burgenland wurde kürzlich eine Ausbaustufe für Windenergie beschlossen, die das Land an seine Ziele heranführen wird und mit der auch die Bevölkerung einverstanden ist. Derartige Konzepte werden wir österreichweit für alle Technologiebereiche sowie für die Netze brauchen. Oesterreichs Energie hat Vorschläge präsentiert, wie es gehen kann. Jetzt liegt es an der Politik, den Rahmen für die Zukunft zu bauen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Maßnahmen, um die Versorgungssicherheit auch unter den Bedingungen des 100-Prozent-Ökostrom-Ziels im gewohnt hohen Ausmaß zu gewährleisten? Welche Rahmenbedingungen benötigt die E-Wirtschaft, um dies umzusetzen?

Wir haben das in unserem Fahrplan 2030 genau beschrieben, den wir kürzlich beim Kongress in Pamhagen präsentierten. Zuerst geht es beim Umbau der Energieversorgung darum, wichtigste Ziele gleichzeitig im Auge zu behalten: Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Leistbarkeit. Wir müssen ausreichende Kapazitäten sichern, den notwendigen Netzausbau rechtzeitig verwirklichen und die Kosten so niedrig wie möglich halten, um faire und konkurrenzfähige Preise für unsere Kunden sicherstellen zu können. Außerdem müssen alle Energiebereiche gleichermaßen reformiert werden. Überall, wo es darum geht, innovativ zu agieren, brauchen wir Forschung, Entwicklung und Demonstrationsprojekte. Das muss der Staat erleichtern und unterstützen. Schließlich muss ein neuer rechtlicher Rahmen geschaffen werden, in den sich die Maßnahmen einfügen können.

Kann die Sektorkopplung mögliche Herausforderungen für die Versorgungssicherheit durch den Ökostromausbau abfedern, etwa durch die Nutzung der Batterien von E-Autos als Kurzzeitspeicher, aber auch durch Technologien wie Power-to-Gas, mit denen sich Strom längerfristig speichern lässt?

Sektorkopplung wird eine ganz wichtige Sache. Sowohl in verfügbaren praktischen Anwendungen wie Wärmespeicher oder Power-to-heat, als auch in Zukunftsprojekten wie Power-to-Gas oder dem Einstieg in die wasserstoffgetriebene Mobilität. Was Batterien in den E-Mobilen betrifft, wird es vielleicht Möglichkeiten geben, aber bis dahin wird noch einiges Wasser die Donau hinabfließen.

Welche Rolle werden Pumpspeicher künftig für die Versorgungssicherheit spielen?

Wir werden viel mehr Speicher brauchen als heute, das ist klar. Heute erzeugen wir Strom angepasst an den Verbrauch, in Zukunft müssen wir den Stromverbrauch an die Erzeugung anpassen, soweit es geht. Pumpspeicher werden hier wichtiger denn je. Ich bin froh, dass wir in Österreich da gut aufgestellt sind. Aber wir werden auch alle anderen Speichermöglichkeiten brauchen, die sich am Markt anbieten. Je besser die europäischen Übertragungsnetze ausgebaut sind, desto besser können wir die installierten Ökostromanlagen nützen, denn über den ganzen Kontinent gesehen, schwankte ihre Gesamtleistung nicht so stark wie im kleinen Österreich.

Seitens Oesterreichs Energie hieß es mehrfach, zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit würden weiter flexible thermische Kraftwerke wie gasbefeuerte Kraft-Wärme-Kopplungen benötigt. Aber angesichts der Preise im Stromgroßhandel sind solche Anlagen wirtschaftlich unter Druck, auch wenn sie in letzter Zeit gestiegen sind. Was muss die Regierung tun, um die KWK abzusichern?

Dass wir die KWK benötigen, ist ein Faktum, das weithin unbestritten ist. Eine Novelle des Elektrizitätswirtschafts- und -Organisationsgesetzes (ElWOG) sowie die anderen kommenden Energiegesetze werden dem Rechnung tragen müssen, dass flexible Leistung faire Abgeltung braucht. Das kann nicht nur das Gas sein, das dann verheizt wird, wenn die Anlagen vielleicht 600 Stunden im Jahr laufen, sondern es geht um Gesamtkosten. Sonst kann kein Unternehmen eine derartige Anlage halten oder neu bauen. Wie man das macht, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Wie steht es mit dem Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze? Können die in derzeitigem Zustand den gewünschten Anstieg der Ökostromproduktion verkraften?

Die Übertragungsnetze werden in einer Situation, in der die Stromproduktion weitestgehend auf erneuerbaren Energien beruht, wichtiger. Ein Ausbau ist daher unverzichtbar. Die EU hat das längst realisiert und wichtige Projekte definiert. Österreich sollte an vorderster Stelle mitmachen.

Oesterreichs Energie begrüßte zumindest grundsätzlich das geplante „Standortentwicklungsgesetz“. Es sieht vor, Projekte im besonderen öffentlichen Interesse nach einem Jahr automatisch zu genehmigen, ungeachtet des Stands des betreffenden Genehmigungsverfahrens. Ist eine solche Bestimmung nicht rechtsstaatlich problematisch?

Das Ziel, die Verfahrensdauern, die oft eine gefühlte Ewigkeit ausmachen, zu verkürzen, ist wichtig und richtig. Wenn man eine Klima- und Energiestrategie auf zwölf Jahre angelegt, kann man nicht sechzehn Jahre warten, bis ein wichtiges Projekt vielleicht genehmigt ist. In der E-Wirtschaft haben wir eine ganze Liste verschleppter Projekte, die wir gerne allen Interessierten anbieten. Mehr Tempo ist kein Schaden, wenn man die Energiewende schaffen will. Rechtssicherheit muss aber natürlich gegeben sein.
 

 
Wiener Zeitung am 10.10.2018, S. 30