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Pendeln attraktiver und umweltfreundlicher gestalten

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Wien, 20. Feb. 2020

Rund drei Millionen Tonnen CO2 werden jährlich durch Autofahrten zum Arbeitsweg ausgestoßen. Durch konkrete Maßnahmen, wie die Schaffung klimafreundlicher Alternativen und Bonuszahlungen für jene Personen, die öffentlich, zu Fuß oder mit dem Rad anreisen, können große Mengen an Schadstoffen eingespart werden, hieß es bei einer Pressekonferenz des Verkehrclubs Österreich (VCÖ) am Donnerstag.

"Arbeitswege sind in den seltensten Fällen Arbeitszeit, aber eben auch keine Freizeit", sagte Michael Schwendinger, Mobilitätsexperte beim VCÖ. Deshalb sollen diese so attraktiv und angenehm wie möglich gestaltet werden. "Ein umweltfreundlicheres Mobilitätsverhalten am Arbeitsweg ist ein wichtiger Hebel, um die Klimabilanz des Verkehrs zu verbessern", sagte er. In Österreich werden an jedem Werktag rund 98 Millionen Kilometer zum und vom Arbeitsplatz zurückgelegt - 60 Prozent davon hinter dem Lenkrad sitzend.

Aus diesem Grund müssen laut VCÖ klimafreundliche Verkehrsmittel gezielt gefördert werden. "Es braucht einen guten öffentlichen Verkehr, auch außerhalb der klassischen Pendelzeiten", sagte Schwendinger. Das Potenzial dafür sei jedenfalls gegeben, leben laut einer Studie der Arbeiterkammer allein zwei Drittel der aus den umliegenden Bundesländern nach Wien pendelnden Personen näher als drei Kilometer von einem Bahnhof entfernt.

Außerdem müsse in Zeiten des Booms an Elektrofahrrädern die Infrastruktur für Fahrradfahrer, aber auch für Fußgänger, verbessert oder geschaffen werden. Dazu kommt der Vorschlag, ein betriebliches Mobilitätsmanagement für Unternehmen ab 50 Beschäftigten gesetzlich vorschreiben zu lassen. So würden sich die Unternehmer gezielt Gedanken machen, wie sie Geld einsparen und klimafreundlicher werden könnten, erklärte Schwendinger.

Ein zentraler Punkt bei diesem Thema ist die Pendlerförderung. "Es ist sehr kompliziert, sehr vielschichtig und es gibt eine Reihe von nicht aufeinander abgestimmten Systemen", sagte Daniela Kletzan-Slamanig vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) zur aktuellen Situation. Die Ökonomin sieht besonders einkommensschwache Fernpendler benachteiligt, was dem Prinzip der Pendlerförderung widerspreche.

Ein Großteil der Arbeitswege ist jedoch kurz. Daten des Verkehrsministeriums zeigen, dass 57 Prozent aller Arbeitswege unter zehn Kilometer betragen. Dagegen sind nur fünf Prozent länger als 50 Kilometer. "Es braucht eine stärkere Fokussierung auf den öffentlichen Verkehr, dort, wo es möglich ist", sagte Kletzan-Slamanig. Zudem sollen laut ihr höhere Absetzbeträge für niedrigere Einkommensklassen geschaffen werden. "Wichtig ist es aber, ein Gesamtkonzept auf den Tisch zu bringen, das eine Dekarbonisierung Österreichs generell weiterbringt", sagte sie. Nur so können Emissionen langfristig eingespart werden.

Eine Entlastung für Pendler forderte auch der ÖAMTC. "Nachdem die Kosten für den Weg in die Arbeit mit jedem Kilometer steigen und jeder - egal ob man mehr oder weniger verdient - in die Arbeit kommen muss, sollten Pendler nicht abhängig von ihrem Einkommen und nach Entfernungsklassen entlastet werden", erklärte Martin Grasslober. Aus der aktuellen Pauschale sollen laut ÖAMTC deshalb individuelle Förderungen geschaffen werden.

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Elektromobilität: "Kampf" um Strom mit IKT-Sektor

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Wien, 20. Feb. 2020

Für die Elektromobilität werden womöglich ausreichende Mengen Strom fehlen - zumindest wird der Sektor mit anderen Bereichen wie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) um Elektrizität kämpfen müssen, die weltweit 30 Prozent des Stroms benötige, warnt der Grazer Physiker Univ.-Prof. Georg Brasseur. Für APG-Vorstandsdirektor Gerhard Christiner werden Speicher das große Thema der Zukunft.

Zwischen IKT und anderen Stromverbrauchssektoren wird es einen "Kampf" um Strom geben, etwa auch mit Wasserstoff-Technologien und E-Autos, prophezeite der Grazer TU-Professor am Mittwochabend in einem Vortrag im Presseclub Concordia in Wien. IKT könne nur mit Strom betrieben werden, habe also keine Alternative - der Verkehr schon. Freilich könne man binnen zwei Jahrzehnten von einem vervierfachten IKT-Strombedarf ausgehen.

In den USA gingen bereits 30 Prozent des Stromverbrauchs allein durch den Streamingdienst Netflix auf, meinte Brasseur. "Es ist eigentlich zu wenig Strom für den Verkehr da, daher bleibt als Lösung letztlich nur Energiesparen übrig." Den Stromanteil am gesamten Weltenergieverbrauch bezifferte er mit lediglich 16 Prozent. 60 Prozent der Elektrizität würden fossil erzeugt - schlecht für Umwelt und Klima.

Auch Windkraft und Photovoltaik könnten nur eingeschränkt helfen: In den letzten eineinhalb Jahrzehnten hätten Windräder in Deutschland nur 15 bis 24 Prozent der Zeit ihre Nennleistung zur Verfügung gestellt (1.200 bis 1.900 Stunden von 8.760 Stunden eines Jahres), PV sogar nur 760 bis 1.020 Stunden im Jahr, was eine Auslastung von nur 10 bis 13 Prozent bedeute. Daher sei es auch eine Illusion, sein Auto am Car-Board einzig mit Strom vom eigenen PV-Dach laden zu wollen, "das würde eine Woche dauern".

Brasseur plädierte auch für Privat-Pkw für eine Hybrid-Technologie, wie sie seit einem Jahrzehnt erfolgreich in der Formel-1 eingesetzt wird - also einen elektrischen Hochleistungs-Antriebsstrang. Ein Hybrid-Konzept könne etwa einen Power Tank mit 80 kW Leistung samt einem Fuel Converter mit 35 kW umfassen, denn jeweils nur kurz eingesetzt belaste ein Kraftstoffwandler nicht die Umwelt, ganz im Gegenteil sinken dabei die Emissionen. Auch im Weltmaßstab sei das einsetzbar, dort gebe es nämlich im Schnitt noch 518 Gramm CO2-Emissionen pro kWh. Europa könnte zum Marktführer in der E-Mobilität werden, falls man solche Hybrid-Konzepte einsetze - als eine Brücke, bis in 20, 30 oder 40 Jahren genug Strom da sei für die Herstellung von grünem Wasserstoff.

"Das ganz große Thema" in Zukunft würden die Stromspeicher sein, sagte der technische Vorstandsdirektor des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG), Gerhard Christiner. Selbst wenn es gelinge, dass Österreichs Strombedarf bis 2030 - bilanziell übers Jahr gerechnet - zu 100 Prozent auf erneuerbar umgestellt sei, werde es im Sommer massive Stromüberschüsse und im Winter einen großen Strommangel geben. Wasserstoff werde dafür eine der Optionen sein, um Strom vom Sommer in den Winter zu bringen, trotz der zweimaligen Wandlungsverluste.

Wesentlich sei die Vernetzung Österreichs innerhalb Europas, durch die es noch kein Liquiditätsprobleme bei Strom gebe, obwohl durch das vermehrte Aufkommen von Erneuerbaren-Strom Gaskraftwerke in ganz Europa aus dem Markt gedrängt würden, Kohle- und Atomkraftwerke dagegen nicht. Mit dem Green Deal der EU-Kommission sei aber klar, dass die Weichen in Richtung Dekarbonisierung gestellt seien. "Dass der Weg in Richtung Erneuerbare gehen muss, haben alle verstanden", meinte Christiner. Für Windkraft, PV, den Netzbedarf und Stromspeicher sei aber ein "Generalplan" nötig, appellierte der APG-Vorstand an die neue, auch für Energie zuständige Umweltministerin Leonore Gewessler von den Grünen.

Hans-Jürgen Salmhofer von der Stabsstelle Mobilitätswende und Dekarbonisierung im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, meinte mit Blick auf die Energiewende, dass Sparen und Energieeffizienz an Bedeutung gewinnen würden, "weil wir die fossile Welt nicht einfach 1:1 abbilden können". Natürlich wünsche man sich, egal unter welcher Regierung, dass der Öffentliche Verkehr gestärkt werde und mehr Güter auf die Schiene kommen. Dennoch werde es auch künftig immer noch einen signifikant hohen Anteil an Individual- und Lkw-Verkehr auf der Straße geben.

Helmut-Klaus Schimany von der Plattform e-Mobility Austria bezeichnete es als "katastrophal niedrig", dass voriges Jahr nur 2,7 Prozent der gesamten Autozulassungen in Österreich Elektroautos gewesen seien - in Deutschland sei die Quote mit 2,8 Prozent trotz bis zu 6.000 Euro Zuschuss auch nicht höher gewesen. Ein Großteil der Autoindustrie habe den E-Mobilitätszielen "etwas gepfiffen", meinte der Cluster-Vertreter bei der Veranstaltung auf Einladung der "Weis(s)en Wirtschaft": "Die Schere klafft auseinander, wenn die Industrie keine entsprechenden Fahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Preisen auf den Markt wirft." E-Autos seien einfach weiterhin zu teuer, daher seien sie bis vor kurzem fast nur als Firmenwagen gekauft worden. 2019 ist der E-Auto-Bestand nach jüngsten Statistik-Austria-Daten auf knapp unter 30.000 angestiegen, bei insgesamt 5 Mio. Pkw.

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BMW will Elektroanteil dieses Jahr deutlich hochfahren

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München, 20. Feb. 2020

Der Autobauer BMW will seine EU-Emissionsziele in diesem Jahr vor allem mit einem deutlichen Verkaufsplus von elektrifizierten Autos schaffen. 2020 wolle das Unternehmen rund 140.000 Autos mit E-Antrieb in Europa absetzen, sagte Finanzchef Nicolas Peter am Donnerstag vor Journalisten in München.

Im vergangenen Jahr verkaufte BMW demnach mehr als 85 000 Autos mit Elektromotor oder einem Mischantrieb aus Verbrenner und E-Antrieb. Insgesamt setzt der Dax-Konzern in Europa rund eine Million Autos ab und geht auch dieses Jahr von dieser Größenordnung aus. Über 40.000 Autos in diesem Jahr sollen rein elektrisch sein, darunter der i3 und ab Ende des Jahres der in China gebaute Vollelektro-SUV iX3. Den Rest will BMW mit den sogenannten Plug-in-Hybrid-Motoren verkaufen.

Peter bekräftigte die Aussagen von Konzernchef Oliver Zipse, die CO2-Emissionen in diesem Jahr um rund 20 Prozent senken zu wollen. Für 2018 hatte BMW in der neu verkauften Flotte im Schnitt einen Ausstoß von 128 Gramm gemeldet, im vergangenen Jahr ist dieser laut Peter nur knapp gesunken. Mit einem Wert von gut 100 Gramm CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer werde BMW seine EU-Ziele in diesem Jahr schaffen und damit Strafzahlungen vermeiden, so der Manager. Ein Drittel der Einsparungen bei den CO2-Emissionen sollen durch neue, emissionsärmere Modelle kommen.

Mit dem von gut 8,5 auf rund 14 Prozent steigenden Anteil elektrifizierter Antriebe will BMW in Europa auch den Grundstein legen, um im Jahr 2021 auf einen Elektro-Anteil von 25 Prozent zu kommen. 2021 gelten noch einmal schärfere Regeln für den CO2-Ausstoß in der EU, weil bestimmte Übergangsregelgungen wegfallen.

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Studie sieht in Pumpspeicherkraftwerken viel Potenzial

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Wien/Laxenburg, 20. Feb. 2020

Eine Studie des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien sieht in Pumpspeicherkraftwerken viel Potenzial. Diese würden eine erschwingliche Möglichkeit bieten, erneuerbare Energie langfristig zu speichern und damit eine dringend benötigte Lücke beim Übergang zu diesen füllen, erklären sie im Fachjournal "Nature Communications".

Studienautor Julian Hunt bezeichnet saisonale Pumpspeicherkraftwerke als "bereits etablierte, aber noch wenig genutzte Technologie". Sie würden im Vergleich zu anderen ausgereiften Speicherlösungen "ein beträchtliches Potenzial zu äußerst wettbewerbsfähigen Speicherkosten bieten". Das Problem der Wind- und Sonnenenergieerzeugung sind vor allem saisonale Schwankungen. Deshalb werden Speicheralternativen benötigen, um die Nachfrage jederzeit decken zu können.

In ihrer Studie haben die Forscher das theoretische globale Potenzial für Pumpspeicherkraftwerke erhoben und sich dabei auf die Standorte mit dem höchsten Potenzial und den niedrigsten Kosten konzentriert. Sie schätzen die weltweite Kapazität zur Energiespeicherung mit Hilfe von Pumpspeicherkraftwerken - bei einem Preis von unter 50 Dollar pro Megawattstunde (MWh) - auf 17,3 Petawattstunden (PWh). Das entspreche etwa 79 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs im Jahr 2017.

Insbesondere im unteren Teil des Himalaya, in den Anden, den Alpen, den Rocky Mountains, dem nördlichen Teil des Nahen Ostens, dem äthiopischen und dem brasilianischen Hochland, Mittelamerika, Ostasien, Papua-Neuguinea sowie dem Sajan-, Jablonowy- und Stanowoigebirge in Russland sehen die Forscher ein bedeutendes Potenzial für Pumpspeicherkraftwerke. Hunt ist überzeugt, dass diese "angesichts des enormen ungenutzten und billigen Potenzials bald eine wichtige Rolle bei der Speicherung von Energie und Wasser spielen werden".

Auch mit potenziellen Umweltproblemen haben sich die Wissenschafter beschäftigt. Die Auswirkungen von Pumpspeicherkraftwerken auf die Umwelt und die Landnutzung seien zehn bis 50 Mal geringer als bei traditionellen Wasserkraftwerken, betonen sie.

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Russland will Maduro trotz US-Sanktionen unterstützen

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Moskau, 20. Feb. 2020

Russland will ungeachtet der neuen US-Sanktionen seinen Kurs für einen Machterhalt von Präsident Nicolás Maduro in Venezuela beibehalten. Die gegen eine Tochterfirma des größten russischen Ölkonzerns Rosneft gerichteten Strafmaßnahmen würden sich nicht auf das Verhältnis zwischen Moskau und Caracas auswirken.

Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch in Moskau. Die Sanktionen seien ein Verstoß gegen internationales Recht.

Zuvor hatten die USA Sanktionen gegen Rosneft Trading erlassen - als Strafe für Russlands Unterstützung für Maduro. Die USA und viele Verbündete wollen den Sozialisten Maduro zum Rückzug bewegen. Sie haben im Machtkampf in dem ölreichen Land Juan Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt.

Russland unterstützt dagegen das krisengeschüttelte Land etwa mit Waffen und Militärberatern sowie mit Krediten und humanitären Hilfslieferungen. Die Zusammenarbeit soll nach Informationen des russischen Außenministeriums noch deutlich ausgebaut werden.

Der Konzern Rosneft wird von Igor Setschin, einem engen Vertrauten von Kremlchef Wladimir Putin, geführt. Das Unternehmen gehört zu den größten Investoren in Venezuelas Wirtschaft. Rosneft kritisierte die Sanktionen als unrechtmäßig und Akt juristischer Willkür der USA. Das Unternehmen, das in Venezuela Erdöl fördert und mit dem Rohstoff handelt, habe sich an alle internationalen und nationalen Gesetze gehalten, hieß es in der Mitteilung. Geprüft würden nun juristische Schritte gegen die Sanktionen.

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Gasverbrauch 2019 gestiegen, Strom stabil

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Wien, 19. Feb. 2020

Der Gasverbrauch ist in Österreich im Vorjahr gestiegen. Der Stromverbrauch war laut E-Control stabil. Die Erdgasabgabe wurde im relativ warmen Jahr 2019 durch den Einsatz von Gaskraftwerken zur Stabilisierung der Stromnetze getrieben. Die Stromerzeugung war höher. Die Nettoimporte sind gesunken. Die Wasserkrafterzeugung lag über dem Durchschnitt, auch wegen der hohen Schneemengen zu Jahresanfang.

Die Gasabgabe an Endverbraucher stieg um 3,9 Prozent auf 94,21 Terawattstunden (TWh). Die Gasspeicher waren ab August voll befüllt. Das sei eine Vorbereitung gewesen, um für eine mögliche Liefereinschränkung aus Russland gerüstet zu sein, so E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch zur APA. Liefereinschränkungen gab es dann nicht, zudem blieben die Gasspeicher im Winter ziemlich voll. Zu Jahresende waren um 32,6 TWh (von 93,4 TWh Speichervolumen) oder etwa ein Drittel mehr eingelagert als im Jahr davor.

In den Sommermonaten sei viel Gas abgegeben worden, zu einem beträchtlichen Teil an Gaskraftwerke, die zur Stromnetzstabilisierung eingesetzt wurden. In den Monaten Jänner bis März sei der Verbrauch geringer gewesen als im Jahr davor. Die Gasimporte stiegen um 4,5 Prozent auf 551,5 TWh. Der größte Teil davon kam mit 86 Prozent über die Slowakei aus Russland. Gleichzeitig wurden mit rund 430 TWh um 2,9 Prozent weniger exportiert. Die österreichische Gasproduktion ging um 9 Prozent auf 10,3 TWh zurück.

Der Gaspreis sei deutlich gesunken und liege im Großhandel aktuell bei 10 Euro pro Megawattstunde (MWh), im September 2018 waren es noch 30 Euro/MWh, so Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft in der E-Control. Haushaltskunden rät Urbantschitsch, zu vergleichen, welcher Anbieter niedrigere Gaspreise weitergibt.

Der Stromverbrauch (ohne Pumpspeicher) lag 2019 stabil bei 71,2 TWh (nach 71,3 TWh). Zieht man davon noch den Eigenbedarf der Kraftwerke und Netzverluste ab, blieb ein Endverbrauch von 66,0 TWh (plus 0,2 Prozent). Verbrauchsstärkster Monat bezogen auf die Abgabe an Endverbraucher (inklusive Netzverluste) war laut der Energieregulierungsbehörde E-Control der Jänner mit 6,14 TWh. Das waren um rund 31 Prozent mehr als im schwächsten Monat Juni mit 4,7 TWh Verbrauch.

Die Stromerzeugung stieg um 8 Prozent oder 5,4 TWh auf 72,9 TWh. Die Nettostromimporte sanken um fast zwei Drittel von 8,9 TWh auf 3,1 TWh.

2019 sei in Summe ein gutes Wasserjahr gewesen, sagte Urbantschitsch. Vor allem das erste Halbjahr sei angesichts der hohen Schneemengen im Jänner sehr gut gewesen und auch gegen Jahresende sei es relativ wieder besser gewesen. 2018 sei für die Laufwasserkraft ein unterdurchschnittliches Jahr gewesen mit nur 93 Prozent der Produktion eines Durchschnittsjahres. 2019 lag dieser Wert bei 102 Prozent, also um 2 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt.

Im Sommer lag die Produktion laut E-Control um 4,3 Terawattstunden (TWh) über Vorjahr und um 3,1 TWh über dem Inlandsstromverbrauch (ohne Pumpspeicher). Im wasserarmen Jahr 2018 hatte diese Sommerbilanz minus 0,7 TWh betragen. Insgesamt stieg die Stromproduktion aus Großwasserkraft (über 25 MW) um 10,6 Prozent auf 21,7 TWh, die thermische Erzeugung (über 25 MW) um 15,5 Prozent auf 10,2 TWh.

Die Pumpspeicher wurden gut gefüllt. Vor allem die hohe Wasserführung im Juni hat dazu geführt, dass alleine in diesem Monat netto fast 1,4 TWh in die Jahresspeicher eingefüllt wurden. Es sei einerseits viel Strom zur Verfügung gestanden, andererseits wurden sie auch befüllt, um angesichts der Schneeschmelze unterliegende Gewässer zu entlasten. Zu Jahresende waren von den knapp 3,3 TWh, die die österreichischen Speicher fassen, noch rund zwei Drittel vorhanden. Das war laut E-Control mehr als im Jahr davor und historisch gesehen im oberen Bereich. Geringere Lagerstände gibt es mittlerweile bei den fossilen Brennstoffen Kohle und Öl. Zu Jahresende waren noch 635 GWh an Brennstoffen vorrätig, um 50 Prozent weniger als im Jahr davor. Ausgewirkt hat sich dabei die Schließung des Kohlekraftwerks in Dürnrohr durch die niederösterreichische EVN im August 2019.

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Steuerreform: "Task Force" zur Ökologisierung startet bald

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Wien, 19. Feb. 2020

Die von der Bundesregierung angekündigte "Task Force" zur Vorbereitung der im Regierungsprogramm angekündigten "ökosozialen Steuerreform" wird kommende Woche ihre Arbeit aufnehmen. Das gaben Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Anschluss an den Ministerrat bekannt. Das Ziel laute: "Menschen entlasten und Umwelt schützen", so Gewessler.

Die Einsetzung der sechsköpfigen Task Force ist im Regierungsprogramm festgeschrieben; der Fahrplan für deren Einsetzung im Februar wurde bereits bei der Regierungsklausur in Krems Ende Jänner fixiert. Laut Gewessler sollen "drei Dinge unter einen Hut" gebracht werden: Die "ökologische Lenkungswirkung, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Vernunft".

Erstes Thema sei die Ökologisierung der Steuerreform über eine "Bepreisung von Emissionen": "Das ist ein Beitrag nicht nur zum Klimaschutz, sondern auch für Innovationen" und damit ein Beitrag zum Wirtschaftsstandort, so die Umweltministerin. Es soll sich um "eines der zentralen Instrumente, mit denen wir das Steuersystem auf Klimakurs bringen wollen", handeln.

Auf die Frage, ob man diese Bepreisung "CO2-Steuer" nennen kann, gab es ausweichende Antworten: "Das kann man mit 'Bepreisung von Emissionen' bezeichnen. In welcher Art und Weise, das ist genau die Aufgabe, der wir uns in der Task Force widmen werden", sagte Gewessler. Blümel verwies auch auf die EU-Ebene: Dort gebe es "zum Glück" bereits intensive Diskussionen zu diesem Thema. "Es wäre nicht sinnvoll gewesen, wenn wir schon ein fixes Modell hätten, ohne zu wissen, wie die Sache in Brüssel ausgeht", betonte der Finanzminister. Es gebe ja EU-weit verschiedenste Wege, wie die Emissionen bepreist werden.

Für die ersten sechs Lenkungsmaßnahmen im Umwelt-Bereich, die bis zu diesem Sommer konkret ausgearbeitet werde sollen, werde man ein Volumen von einer Milliarde Euro bewegen, sagte Gewessler. Bei diesen sechs Punkten handelt es sich um die schon im Regierungsprogramm angekündigte Vereinheitlichung der Flugticketabgabe auf zwölf Euro mit dem Ziel, die Kurzstrecke teurer und die Langstrecke günstiger zu machen. Daneben stehen Maßnahmen gegen den Tanktourismus sowie die "Ökologisierung" der Pendlerpauschale, der Normverbrauchsabgabe, der Lkw-Maut sowie des "Dienstwagenprivilegs" auf dem Programm.

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Erste Anlageteile des Schweizer AKW Mühleberg weggebracht

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Mühleberg, 19. Feb. 2020

Bei der Stilllegung des Schweizer Kernkraftwerks Mühleberg hat die Betreiberin BKW am Mittwoch einen ersten Meilenstein erreicht: Erstmals verließen - nach einem Reinigungsprozess - Anlagebestandteile das Kraftwerkgelände.

Auf zwei Lastwagen wurden mehrere sogenannte Splitterschutzsteine aus dem Maschinenhaus des Kernkraftwerks weggebracht. Die großen Betonblöcke gehörten zu Schutzwänden, welche um die Turbinen des Kraftwerks herum aufgebaut worden waren. Sie hätten im Fall, dass eine Turbine explodiert wäre, Splitter aufgefangen.

Die Zementherstellerin Vigier zertrümmert nun auf einem Recycling-Platz die Betonelemente. In einem Zementwerk des Unternehmens in Pery im Berner Jura fließen dann die zertrümmerten Teile der Splitterschutzwände wieder in die Zementproduktion ein.

Bevor die Splitterschutzsteine das Werksgelände verließen, wurden sie minutiös auf allfällige Strahlung untersucht, wie die Verantwortlichen anlässlich einer kurzen Medienkonferenz auf dem Kraftwerkgelände erläuterten. "Für jedes Gramm müssen wir nachweisen, dass die Grenzwerte unterschritten sind", sagte Joachim Dux, Leiter Rückbau. Jede Messung werde dokumentiert und dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI vorgelegt. Dieses hat mit der BKW eine Frist von vier Wochen vereinbart, innert welcher es die Messresultate kontrolliert.

Deshalb konnten die ersten gereinigten Anlageelemente erst Mitte Februar das Kraftwerkgelände verlassen, obwohl die Stilllegungsarbeiten bereits Anfang des Jahres begonnen hatten. Abgeschaltet wurde das Kernkraftwerk Mühleberg am 20. Dezember des vergangenen Jahres.

Die Stilllegungsarbeiten seien auf Kurs, hieß es weiter. Nicht nur Splitterschutzsteine, sondern auch Röhren aus dem Maschinenhaus und tonnenschwere Abdecksteine der sogenannten Reaktorgrube sind bereits demontiert worden. Das Kernkraftwerk Mühleberg abzubauen, bedeutet 200.000 Tonnen Material zu entfernen. Davon sind etwa acht Prozent radioaktiv verunreinigt, der größte Teil davon aber nur gering.

Rund 3.000 Tonnen Material werden als radioaktive Abfälle gelten, welche gesondert entsorgt werden. Stark radioaktiv verstrahlte Teile werden nicht gereinigt, sondern direkt ins Speziallager geführt.

Die Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg ist ein aufwendiger Prozess und braucht seine Zeit: Ende des Jahres 2030 soll das Gelände frei von radioaktivem Material sein und ab 2034 kann das Areal neu genutzt werden.

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Französisches AKW Fessenheim geht ab Samstag vom Netz

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Straßburg, 19. Feb. 2020

In Frankreich beginnt am Samstag die Stilllegung des an der Grenze zu Deutschland gelegenen Atomkraftwerks in Fessenheim. Das entsprechende Dekret der Regierung wurde am Mittwoch offiziell veröffentlicht. Der erste der beiden Druckwasserreaktoren des ältesten französischen AKW wird in der Nacht zum Samstag heruntergefahren. Reaktor zwei soll dann am 30. Juni vom Netz genommen werden.

Den Beginn der Abschaltung des AKW in dem elsässischen Ort Fessenheim am 22. Februar hatte die französische Regierung bereits seit längerem angekündigt. Die Anlage wird in Deutschland und der Schweiz heftig kritisiert. Das AKW liegt direkt an der deutschen Grenze, nur rund 30 Kilometer von Freiburg im Breisgau entfernt. Von Basel ist es nur 50 Kilometer entfernt.

Frankreich bezieht rund drei Viertel seines Stromverbrauchs aus der Atomenergie. Das ist der höchste Anteil weltweit.

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Russland muss 50 Mrd. Dollar Schadenersatz für Yukos zahlen

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Den Haag/Moskau, 18. Feb. 2020

Russland hat im milliardenschweren Dauerstreit mit den Altaktionären des zerschlagenen Ölkonzerns Yukos eine Niederlage erlitten. Russland müsse doch 50 Mrd. Dollar (rund 46 Mrd. Euro) Schadenersatz zahlen, urteilte ein Gericht in Den Haag im Berufungsverfahren am Dienstag.

Das Gericht gab damit einer Klage der früheren Aktionäre statt. Das russische Justizministerium in Moskau kündigte an, gegen diese Entscheidung vor dem höchsten Gericht der Niederlande vorzugehen.

Ein internationales Schiedsgericht in Den Haag hatte 2014 den Aktionären 50 Milliarden US-Dollar Schadenersatz zugesprochen, weil Yukos zu Unrecht enteignet worden sei. Doch zwei Jahre später war der Anspruch auf Schadenersatz nach Klage von Russland von einem Bezirksgericht in Den Haag kassiert worden. Vor dem Berufungsgericht aber haben die Altaktionäre nun recht bekommen.

Yukos gehörte früher dem Oligarchen und Gegner von Präsident Wladimir Putin, Michail Chodorkowski. Russland hatte Chodorkowski wegen angeblicher Steuerhinterziehung verurteilt.

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Coronavirus- Fukushima-Betreiber fürchtet Schutzanzug-Mangel

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Tokio/Fukushima, 18. Feb. 2020

Das neuartige Coronavirus hat womöglich auch bald Auswirkungen auf die Arbeiter im 2011 havarierten japanischen Atomkraftwerk in Fukushima. Wegen der Virus-Epidemie sei die Herstellung der in China gefertigten speziellen Schutzanzüge in Gefahr, erklärte der AKW-Betreiber Tepco am Dienstag. Deshalb müssten die Angestellten stattdessen möglicherweise bald Plastikregenmäntel tragen.

Das Personal, das die nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami zerstörte Anlage aufräumt, trägt spezielle Schutzmäntel. Diese verhindern, dass sich radioaktiver Staub auf der Kleidung oder dem Körper festsetzt. Tepco braucht etwa 6.000 dieser Schutzmäntel pro Tag.

"Wir könnten wegen des Covid-19-Ausbruchs Schwierigkeiten haben, bestimmte spezielle Artikel von unseren üblichen Lieferanten zu bekommen", sagte ein Tepco-Sprecher. "Wir haben zum Beispiel Mäntel mit durchsichtigen Taschen, durch die der Dienstausweis und ein Strahlungsmessgerät sichtbar sind. Es ist möglich, dass dieselben Produkte nicht erhältlich sind", fügte er hinzu.

In diesem Fall wäre Tepco gezwungen, auf im Handel erhältliche Produkte wie Plastikregenmäntel zurückzugreifen, sagte der Sprecher. Auswirkungen auf die Sicherheit hat das nach Angaben des Unternehmens nicht, da die Schutzmäntel nicht dazu bestimmt seien, die Arbeiter vor Strahlung zu schützen

In Fukushima hatte sich im März 2011 infolge des Erdbebens und des Tsunamis das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 ereignet. Tepco und die japanische Regierung schätzen, dass sie rund 40 Jahre brauchen werden, um die Schäden zu beheben.

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Windkraftausbau in Europa stockt - Österreich fällt zurück

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Wien, 17. Feb. 2020

Der Windkraftausbau in Europa stockt, beklagt die heimische IG Windkraft. Österreich fiel 2019 weiter zurück und war nicht einmal mehr in den Top Ten. Bei der installierten Leistung liegt Österreich nun auf dem 14. Platz, beim Ausbau auf Rang 11. Heuer dürften hierzulande netto mehr nur neun Windräder errichtet werden, so die Interessensvertretung.

13.200 Megawatt Windkraftleistung wurde 2019 in der EU neu errichtet, davon 11.700 MW an Land. "Damit konnte gerade einmal die Höhe des Windkraftausbaus an Land aus dem Jahr 2012 erreicht werden", rechnete die IG Windkraft am Montag in einer Aussendung vor. Die gesamte Windkraftleistung in der Union beträgt nunmehr 192.231 MW, davon entfallen 89 Prozent auf Windräder am Land (onshore). In Österreich kamen 2019 rund 152 MW dazu, die installierte Leistung beläuft sich auf 3.159 MW.

2019 konzentrierte sich der Ausbau von Windkraft erneut auf wenige Länder. Drei Viertel der neu hinzugekommenen Leistung wurden in lediglich fünf Ländern installiert. Am meisten Windräder wurden in Großbritannien aufgestellt, gefolgt von Spanien, Deutschland, Schweden und Frankreich. Bei der installierten Leistung hatte Ende 2019 Deutschland mit mehr als 61.000 MW die Nase vorn, obwohl der Ausbau von 2017 auf 2019 um 80 Prozent eingebrochen ist. Es folgten mit großem Abstand Spanien (knapp 26.000 MW), Großbritannien (rund 23.500 MW) und Frankreich (fast 17.000 MW).

"Europa installiert einfach nicht genug Windparks, um die EU-Ziele zu erreichen", so WindEurope-Geschäftsführer Giles Dickson. "Klimaneutralität und der New Green Deal benötigt jährlich einen doppelt so hohen Windkraftausbau wie heuer."

2019 betrug der Windkraftanteil am Stromverbrauch in der EU 15 Prozent, in Österreich waren es 13 Prozent. Einzelne Länder leben weit mehr vom Wind: Dänemark etwa hat einen Windstromanteil von 48 Prozent, Irland 33 Prozent und Portugal 27 Prozent.

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US-Finanzierung für Energieprojekte in Mittel- und Osteuropa

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München/Washington, 17. Feb. 2020

Die USA werden nach Worten von Außenminister Mike Pompeo Energieprojekte in Mittel- und Osteuropa finanzieren, um die Unabhängigkeit der dortigen Länder von Energie aus Russland zu fördern. "Ziel sei es, Investitionen im Privatsektor im Energiebereich dieser Länder zu fördern, sagte Pompeo am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Dadurch sollten "die Freiheit und die Demokratie in der Welt geschützt werden", kündigte Pompeo an. "Als Zeichen der Unterstützung der Souveränität, des Wohlstands und der Unabhängigkeit im Energiebereich unserer europäischen Freunde würden die USA bis zu eine Milliarde Dollar an mittel- und osteuropäische Länder der Drei-Meere-Initiative bereitstellen."

Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund der US-Kritik an dem Pipelineprojekt Nord Stream 2. Mit der Pipeline von Russland nach Deutschland soll russisches Gas durch die Ostsee direkt nach Westeuropa transportiert werden - unter Umgehung des Ostens Europas. Washington ist der Auffassung, dass die Pipeline Russland zu viel Einfluss über Sicherheits- und Wirtschaftsaspekte in Westeuropa gibt.

Die Drei-Meere-Initiative vereint zwölf EU-Staaten, darunter Anrainer der Ostsee, der Adria und des Schwarzen Meeres. Ziel der Initiative ist die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Sicherheit insbesondere gegenüber Russland, das viele der Mitgliedstaaten als direkte Bedrohung empfinden.

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Strugl: Grünen Wasserstoff bevorzugen

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Wien, 17. Feb. 2020

Verbund-Vizevorstandschef Michael Strugl macht sich für eine Bevorzugung von "grünem Wasserstoff" stark, der nicht fossil, sondern mit Hilfe von Überschussstrom aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird. Hier sollten "Hebel" überlegt werden, um diesen Wasserstoff in den Markt zu bringen - etwa eine steuerliche und regulatorische Incentivierung, sagte Strugl im APA-Interview.

Grüner Wasserstoff werde für die Energiewende eine große Rolle spielen, Stichwort Sektorkopplung. Sinnvoll zum Einsatz kommen könne dieser Rohstoff sowohl in der Industrie als auch im Bereich der Mobilität, auch könne er gut gespeichert werden. Das Thema Wasserstoff müsse aber "mindestens europäisch" gedacht werden, sagte Strugl: "Denn die Mengen, die man braucht, können in Österreich gar nicht erzeugt werden." Zu denken sei da beispielsweise an eine Produktion mithilfe von Solar- oder Windstrom. Die frühere Regierung habe im März 2019 ja eine Wasserstoff-Initiative gestartet, "ich gehe nach wie vor davon aus, dass das ein wichtiges Anliegen der Politik ist".

Gerade weil grüner Wasserstoff bei der Energiewende in der Sektorkopplung eine große Rolle spielen werde, wolle Verbund in diesem Bereich ein Vorreiter sein, betonte Strugl. Beim Stahl- und Technologiekonzern voestalpine in Linz läuft ja seit geraumer Zeit unter Einbindung von Verbund ein 6-Megawatt-Elektrolyse-Pilotprojekt, das größte Europas. Dort wolle man vorführen, wie die Dekarbonisierung im industriellen Bereich funktionieren könne.

Auch am Verbund-Standort Mellach in der Steiermark, der zum zentralen Innovations-Hub des Stromkonzerns werden solle, wird Wasserstoff-Elektrolyse Strugl zufolge eine wichtige Rolle spielen - sowohl im Bereich der Hochtemperatur-Elektrolyse als auch in der klassischen PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane). Dort könne Verbund Demonstrations- und Probeanlagen in Kooperation mit Forschungsinstituten und Unternehmenspartnern durchführen, sagte der im Konzern unter anderem für Innovationen zuständige stellvertretende Vorstandschef.

In Mellach verfüge man über ein 12 Hektar großes Areal, die nötige Strom-, Gas- und Verkehrsinfrastruktur, das technische Personal und das Know-how. Nach der Kohleverfeuerung in Mellach, die mit Ende dieser Heizsaison auslaufen soll - derzeit wird noch Fernwärme für die Stadt Graz erzeugt -, solle der "Old-Economy-Standort" zu einem "New-Economy-Standort" werden. Dort werde man sich auch mit Speicher- und Batterie-Lösungen sowie digitalen Anwendungen befassen. Das Gaskraftwerk Mellach bleibt weiter zur Netzstabilisierung tätig.

Für einen zügigeren Ausbau von Wasserkraft und Erneuerbaren Energien sowie die nötigen Stromnetze sollte es rascher grünes Licht geben, fordert der Verbund-Vizechef: "Die Genehmigungsverfahren sind ja nicht unbedingt ein Beschleuniger." Wolle Österreich wie geplant die 100-prozentige Deckung des Strombedarfs mit Erneuerbaren erreichen - bilanziell über ein Jahr gerechnet -, was ohnedies schon schwer genug sei, müsse man sich etwas einfallen lassen, wie man Erzeugungsanlagen, Speicher und die Netzinfrastruktur in vernünftiger Zeit errichten könne.

Verbund selbst möchte laut Strugl seine Wasser- sowie Solar- und Wind-Erzeugungskapazität ausweiten, vom Zubau soll gemessen in der erzeugbaren Menge etwa ein Drittel auf Wasserkraft entfallen. Das bezieht sich aber nicht nur auf Österreich, sondern etwa bei der Wasserkraft auch auf Anlagenertüchtigungen in Deutschland, wo der Verbund in Bayern über entsprechende Kraftwerke verfügt. Bei Sonne und Wind seien, über diese beiden Länder hinaus, auch Zukäufe denkbar, gab Strugl zu verstehen, der von "anorganischen Überlegungen" sprach. Das hänge von jeweils gegebenen Opportunitäten ab, derzeit gebe es diesbezüglich aber nichts Konkretes.

Wie für die Energiewirtschaft und die produzierende Industrie werde es in Österreich auch für die übrigen Bereiche eine Bepreisung des Kohlendioxid-Ausstoßes geben müssen, betonte Strugl: "Es muss irgendeine Form geben über alle Sektoren hinweg, bei der CO2 einen Preis hat. Es muss einen Mindestpreis geben." Insbesondere seien der Verkehr und der Wärmesektor in ein Bepreisungssystem zu bringen. Das sei nötig, denn der Übergang zu Erneuerbaren sei nur zu schaffen, wenn CO2 nicht kostenlos ist. Die Regierung habe zu dem Thema ja eine Task Force eingerichtet. Freilich sei eine Lösung nicht einfach, räumte Strugl ein, gelte es doch in einem größeren Kontext auch die europäische Perspektive sowie Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und des Außenhandels mitzubedenken.

Im Elektroauto-Bereich, in dem Verbund durch seine Beteiligung am E-Mobilität-Provider Smatrics mitmischt, wird der "Hochlauf" kommen, ist Strugl überzeugt. Derzeit gebe es zwar erst rund 30.000 strombetriebene E-Autos in Österreich, womit man unter Plan liege, "doch hat sich das nur zeitlich verschoben". Mit den CO2-Flottenzielen für die Fahrzeughersteller sei der Pfad zum Hochfahren der E-Autos mit entsprechenden Modellen vorgegeben.

In der E-Mobilität sei nicht die für das Laden der Elektroautos erforderliche Strommenge das Problem, sondern der Lastgang, also die Lastspitzen zu bestimmten Zeiten. Aber selbst wenn bei einer elektrischen Vollausstattung "alle" E-Autobesitzer gleichzeitig laden würden, gehe es um maximal neun Terawattstunden (TWh). Doch davon gehe man nicht aus: Denn 90 Prozent der Ladevorgänge würden daheim oder nahe dem Arbeitsplatz erfolgen, und nur ein sehr geringer Teil werde aufs Schnellladen entfallen. Smatrics habe neben den normalen Ladestationen auch mehrere Anlagen fürs Schnellladen in Wien und einigen Landeshauptstädten errichtet, so Strugl: "Dort kappen wir die Lastspitzen mit Energiespeichern - das wird mit Lithium-Ionen-Batterien abgepuffert."

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Ölhändler stecken Milliarden in klimafreundliche Projekte

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London, 17. Feb. 2020

Windparks, blauer Wasserstoff, Biostrom aus Kuhdung - die größten Ölhändler der Welt stecken mittlerweile Milliarden in klimafreundliche Projekte. Sie suchen neue Geldquellen bei alternativen Energien. Speziell für die Energiebranche beginnt unter dem wachsenden Druck von Investoren, Regierungen und Aktivisten eine neue, umweltfreundliche Ära.

Für die Handelshäuser im Ölgeschäft tickt die Uhr noch etwas schneller: Bereits jetzt schmelzen die Gewinnmargen wegen stärkerer regulatorischer Kontrollen und einer wachsenden Transparenz in der Branche dahin.

Deswegen suchen Marktteilnehmer wie Vitol und Trafigura abseits von Öl nach neuen Geschäftsfeldern in den Sektoren Windparks, Wasserstoff, Solar, Elektromobilität, Biokraftstoffe und Biomethan. Aber sie sind bishernoch auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. "Niemand hat bisher herausgefunden, wie man Geld verdienen kann", sagte Jean-Francois Lambert vom Beratungsunternehmen Lambert Commodities. "Die Handelsfirmen loten das jetzt aus."

In ihrem klassischen Geschäft verdienen die Öl-Lieferanten daran, dass sie Preisunterschiede beispielsweise zwischen verschiedenen Ländern und Regionen und Produkten ausnutzen. Sie tätigen Geschäfte, die andere Unternehmen entweder nicht erkennen oder für zu riskant halten.

Vergleichbare Möglichkeiten im Bereich der alternativen Energien sind aber rar. "Erneuerbare Projekte werden für Investoren immer attraktiver, aber es gibt viel Kapital, das hinter einer begrenzten Anzahl von Projekten her ist", sagt Vitol-Chef Russell Hardy. "Das richtige Projekt zum richtigen Preis zu finden, ist nicht einfach." Noch machen die Handelsfirmen 70 bis 80 Prozent ihrer Umsätze mit Öl und Ölprodukten.

Dabei nimmt der Druck, das Thema Nachhaltigkeit zu bedienen, auch seitens der Finanzdienstleister zu. Im September führte etwa die französische Bank Natixis interne Geldstrafen für Geschäfte ein, die nicht umweltfreundlich sind.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) treibt eine grüne Agenda voran, weswegen andere große europäische Banken nachziehen könnten. Die in der Kritik von Umweltaktivisten stehenden Ölhändler versuchen deswegen unter anderem, im Handel mit Strom aus erneuerbaren Energien Fuß zu fassen. Vitol und die in Genf ansässige Mercuria haben bereits seit längerem in entsprechendes Personal investiert, andere wie Trafigura und Gunvor Group stehen erst am Anfang.

Zudem stecken die meisten Handelsfirmen mittlerweile hohe Summen in Solar- und Windparks. Die Vitol-Gruppe will in ihrem Kraftwerk im britischen Immingham sogenannten blauen Wasserstoff produzieren, der aus Erdgas gewonnen wird. Damit sollen die Erdölraffinerien Humber und Lindsey mit Strom versorgt werden.

Auch mit Abfall soll künftig Geld gemacht werden. Vitol hat in mehrere Start-ups investiert, darunter auch Firmen, die Kohle- und Kunststoffabfälle in Treibstoff umwandeln. In Idaho hat das Unternehmen in einen "Bio-Vergaser" für Kuhdung investiert, der 700.000 Kubikfuß Biomethan pro Tag produziert.

Das Bergbau- und Handelsunternehmen Glencore hat die Kohleproduktion gedeckelt und reduziert die Dieselerzeugung in einigen seiner abgelegenen Bergwerke durch den Einsatz von Wasserkraft, Wind und elektronischen Fahrzeugen. Trafigura und Glencore konzentrieren sich auf Zulieferungen für Elektroauto-Batterien. So hat Trafigura in das finnische Bergbauunternehmen Terrafame investiert, um Nickel und Kobalt zu produzieren.

Trotz verstärkter Bemühungen steht der Branche Experten zufolge noch eine große Wegstrecke hin zu einem nachhaltigeren Geschäftsmodell bevor. "Die Energiewende wird schwieriger und länger dauern, als die Leute denken", sagte Gunvor-Chef Torbjorn Tornqvist zu Reuters.

Die Ölnachfrage nehme zu, obwohl der Öl-Anteil am Energiemix sinke. "Gas muss die Kohle ersetzen", sagte der Manager. Dadurch könnten Treibhausgase erheblich reduziert werden. "Wir haben uns aus kommerziellen Gründen aus dem Kohlehandel zurückgezogen, aber jetzt werde ich aus Überzeugung nicht wieder damit anfangen."

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Guterres zu Klimawandel: "Unser Planet steht in Flammen"

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Islamabad, 17. Feb. 2020

UN-Generalsekretär António Guterres hat die internationale Gemeinschaft erneut eindringlich zu entschlossenen Klimaschutzmaßnahmen aufgerufen. "Unser Planet steht in Flammen, aber einige Entscheidungsträger spielen weiterhin Spielchen", sagte Guterres am Sonntag in einer Rede in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

"Die einzige Antwort" auf die fortschreitende Erderwärmung seien "entschiedene Klimaschutzmaßnahmen". "Schrittweise Ansätze reichen nicht mehr." Bei der nächsten UN-Klimakonferenz im November im schottischen Glasgow müssten die Regierungen daher den tiefgreifenden Wandel zusagen, "den unsere Welt braucht und den die Menschen fordern, mit viel stärkerer Ambition". Reiche Länder müssten dabei vorangehen, indem sie etwa die "perversen" Subventionen für klimaschädliche fossile Energieträger beendeten.

Guterres stützt sich bei seinen Forderungen auf Berichte des Weltklimarats IPCC, der Weltmeteorologiebehörde WMO und des UN-Umweltprogramms UNEP. Demnach müssen die weltweiten klimaschädlichen CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent gesenkt werden und bis zum Jahr 2050 Treibhausgasneutralität erreicht werden, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Guterres ist zu einem dreitägigen Besuch in Pakistan. Dabei nimmt er auch an einer Konferenz über afghanische Flüchtlinge in Pakistan teil.

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Verbund hat die Marke von 500.000 Kleinkunden geknackt

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Wien, 17. Feb. 2020

Der Verbund hat sein Ziel erreicht und versorgt bereits eine halbe Million Haushalts- und Kleinkunden mit Strom und Gas. Die 500.000-Kunden-Grenze sei mit Jahresende tatsächlich geknackt worden, sagte Verbund-Vizevorstandschef Michael Strugl im Interview mit der APA. Das sei angesichts des Umbaus der Vertriebsorganisation ein ehrgeiziges Ziel gewesen..

"Nachdem wir das bei laufenden Motor vornehmen mussten, ist es besonders erfreulich, dass das Ziel, die 500.000-Schallmauer zu durchbrechen, gelungen ist", sagte Strugl. Der Marktanteil bei Haushaltskunden betrage 8 Prozent. Bei den Industrie- und Geschäftskunden liege der Marktanteil bei einem Fünftel. "Beim Kundenstock sind wir unter den ersten Fünf."

Eine immer größere Rolle spielen die Kunden im Zuge der Dezentralisierung der Stromproduktion als Erzeuger - also somit als "Prosumer". Verbund will auch hier punkten. Wenn es wie erwartet zu einer Dezentralisierung des gesamten Sektors komme, wenn von Energiegemeinschaften die Rede sei, müssten bei Verbund auch Haushaltskunden in diesem Geschäftsmodell Platz haben. Diese Kundenschnittstelle werde wichtiger. Wenn Endkunden nicht nur Stromabnehmer seien, sondern auch am Energiemarkt in einem größeren Umfang teilnehmen werden - indem sie etwa mit einer Photovoltaik-Anlage am Dach Strom produzieren oder es lokale Energiegemeinschaften als Marktteilnehmer gebe -, "dann wäre es strategisch falsch, sich von diesen Kunden zurückziehen".

Bei der Photovoltaik im Privathausbereich habe die Verbund-Beteiligung Solavolta rund 5.500 Kundenanlagen. Die Steigerungsraten seien in den vergangenen Jahren zweistellig gewesen. Strugl sieht im Bereich Sonnenenergie noch viel Potenzial und verweist dabei auf das "Eine Million Photovoltaik-Dächer-Programm" der Regierung. "Da entsteht ein großer Markt und auf dem wollen wir erfolgreich sein." Er geht davon aus, dass der Ausbau weiter beschleunigt wird, nicht nur bei Privathaushalten, sondern auch mit größeren Anlagen etwa auf Industriegebäuden, Dächern von Gewerbebetrieben oder auch auf Freiflächen "und das ist etwas, was wir uns auch genau anschauen"..

Verbund und OMV errichten aktuell die zum jetzigen Zeitpunkt größte Photovoltaik-Anlage in Österreich auf OMV-Freiflächen in Niederösterreich. Das ist aber nicht die einzige Anlage für Industriekunden. Es gebe auch andere Unternehmen, die mit Verbund auf ihren Flächen solche PV-Anlagen errichten, weil das beim Eigenverbrauch schon jetzt ein wirtschaftlicher Vorteil sei - indem man sich auch Netzgebühren oder Abgaben erspare.

Wenn der Verbund über alle Wertschöpfungsstufen integriert bleibe, müssten diese noch profitabler werden. "Der Vertrieb war schon profitabel, aber wir haben uns die Latte höher gelegt und wollen hier einen noch größeren Ergebnisbeitrag für den Konzern liefern sowohl was den Haushalts- als auch den Industrie- und Businesskunden betrifft."

Strugl geht davon aus, dass die Flexibilitäten von Großkunden im Stromsystem (Demand-Side-Management ) eine immer größere Rolle spielen werden, je mehr volatile Erzeugungen in den Markt kommen, um diese auszugleichen. Verbund habe hier sehr frühzeitig begonnen und verfüge über einen eigenen Power-Pool, in dem vor allem Industriekunden ihre Flexiblitäten zur Verfügung stellen und am Energiemarkt und vor allem am Regelenergiemarkt teilnehmen können. "Das ist eine Entwicklung, die, davon gehe ich aus, auch stärker werden wird", erwartet Strugl.

Preiserhöhungen für Haushaltskunden sind derzeit nicht vorgesehen. "Derzeit aktuell ist jetzt keine Preiserhöhung in der Pipeline", sagte Strugl. Gearbeitet wird beim Verbund jedoch an einer Anpassung der Preiserhöhungklauseln, die möglichst rasch erfolgen soll, um Rechtssicherheit zu haben. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hatte nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen Verein für Konsumenteninformation (VKI) und dem nö. Versorger EVN im Herbst eine Preisanpassungsklausel der EVN Energievertrieb GmbH & Co KG für unzulässig erklärt, was kürzlich zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen VKI und EVN führte, der gemäß Kunden Geld zurück erhalten sollen. Das Thema derartiger Klauseln "betrifft im Prinzip die ganze Branche", sagt auch Strugl.

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Erdgas LNG in der Schifffahrt umstritten

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Hamburg, 17. Feb. 2020

Bisher galt verflüssigtes Erdgas LNG in der Schifffahrt als die beste Antriebsenergie für die nächsten Jahre und darüber hinaus. Doch nun wachsen die Zweifel. "Das Flüssigerdgas entpuppt sich als schädlicher Irrweg", meint die Umweltorganisation Nabu. Sie beruft sich auf einen Bericht des renommierten Internationalen Rats für sauberen Transport (ICCT), der zu alarmierenden Ergebnissen kommt.

Laut diesen Ergebnissen führt ein LNG-Antrieb zu 70 bis 80 Prozent höheren Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichem Schiffsdiesel. Grund ist das aggressive Klimagas Methan, das beim LNG-Betrieb austritt. Über einen Zeitraum von 20 Jahren seien die LNG-Schiffe deshalb klimaschädlicher als herkömmliche Frachter. "LNG ist gut für die Luftqualität, aber nicht für das Klima", sagt Sönke Diesener vom Nabu.

Die Maritime LNG Plattform, eine Lobby-Organisation, hält dagegen. Die ICCT-Studie widerspiegele weder den aktuellen Stand der Motorenentwicklung und die damit verbundene Reduzierung des Methanschlupfs noch die Realitäten des LNG-Marktes. "Die maritime Energiewende muss kommen", sagt Geschäftsführerin Tessa Rodewaldt. "Den Einstieg kriegen wir aber nur mit der LNG-Technologie hin." Zunehmend werde auch synthetisch hergestelltes, klimaneutrales LNG zum Einsatz kommen. Auf deutschen Schiffen soll es schon heuer getestet werden.

Tatsache ist: Mit irgendeinem Treibstoff müssen die Schiffe fahren. Und wenn es nicht Diesel sein soll und nicht LNG, was dann? Der Nabu verweist auf höhere Effizienz, Windunterstützung, Batterien, Brennstoffzellen und synthetische Kraftstoffe.

Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Tanker und selbst riesige Containerschiffe sind künftig mit dem Gastreibstoff LNG unterwegs. Mehr als 350 Schiffe fahren mit LNG oder werden demnächst gebaut - bei einer Weltflotte von rund 60.000 größeren Schiffen.

Das sind noch wenige LNG-Schiffe und es fehlt auch noch an einer flächendeckenden Infrastruktur für die Versorgung mit dem tiefgekühlten Gas. LNG wird wohl trotz der Kritik der Umweltschützer in den nächsten Jahren in der Schifffahrt eine größere Rolle spielen, weil es gegenwärtig die einzige marktfähige Alternative zu Schiffsdiesel ist. Die Infrastruktur in Europa wird gerade aufgebaut, auch auf Druck der USA, die gern LNG nach Europa verkaufen wollen. Gegenwärtig arbeiten bereits 36 LNG-Terminals im europäischen Ausland, die allerdings erst zu 40 Prozent ausgelastet sind, meldet der Verband BDEW.

In Deutschland planen private Investoren mit Rückendeckung aus Berlin LNG-Terminals in Brunsbüttel, Stade, Wilhelmshaven und in kleinerem Maßstab in Rostock. Die Investitionsentscheidungen sind überfällig, aber noch nicht getroffen. Gegen die Projekte hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bereits Widerstand angekündigt, weil sie wegen der von ihnen ausgehenden Gefahren gar nicht genehmigungsfähig seien. Bis der erste LNG-Tanker an einem deutschen Kai anlegt, dürften deshalb noch einige Jahre vergehen.

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Künftiger UN-Klimabeauftragter Carney macht Druck auf Firmen

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London, 14. Feb. 2020

Der scheidende britische Notenbankchef und künftige UN-Sonderbeauftragte für Klimaschutz und Finanzen, Mark Carney, mahnt die Unternehmenswelt zur Eile bei der ökologischen Wende. Bis zum November sollten Firmen Strategien zum Abbau der CO2-Emissionen und zum Umstieg auf grüne Energien vorlegen, sagte er in einem am Freitag. Im November findet in Glasgow die UN-Klimakonferenz statt.

Jedes Unternehmen müsse einen Plan für die ökologische Wende parat haben und dabei Risiken und Chancen auflisten. "Bis Glasgow muss das alles in die Wege geleitet sein", forderte der Notenbankchef in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Es dürften im Umgang mit dem Klimawandel keine Fragen mehr aufgeworfen werden, vielmehr müsse nun eine neue Norm geschaffen werden.

Carney gibt sein Amt an der Spitze der Bank of England Mitte März ab und wechselt dann als Sonderbeauftragter zu den Vereinten Nationen. Mitte vorigen Jahrzehnts hatte Carney die Arbeitsgruppe "Task Force on Climate-related Financial Disclosures" - kurz TCFD - mit aus der Taufe gehoben, die Empfehlungen erarbeitet, wie auf klimabedingte Risiken reagiert werden soll. Dabei geht es beispielsweise um freiwillige Angaben zu klimabezogenen Finanzrisiken, die auch Anlegern zur besseren Orientierung dienen sollen.

Carney schlug nun vor, über Wege nachzudenken, wie die TCFD zu einem verbindlichen System gemacht werden könne: "nicht über Nacht, sondern über Börsennotierungsanforderungen oder Offenlegungsstandards in der Wertpapierregulierung". Dies müsse allerdings ein weltweiter Ansatz sein, wobei die einzelnen Weltregionen auch eigene Pläne zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes vorlegen sollten.

Die EU ist dabei bereits vorgeprescht: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht Europa in einer Vorreiter-Rolle beim Klimaschutz. Ihr sogenannter Green Deal sieht vor, dass die EU bis 2050 klimaneutral sein soll, also praktisch kein CO2 mehr produziert. Es sind insgesamt für die nächsten zehn Jahre eine Billion Euro vorgesehen, wobei ein Drittel durch private Investitionen aufgebracht werden soll.

Zuletzt hat auch die Debatte über die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken für die Wirtschaft und das Finanzsystem Fahrt gewonnen. Der Vermögensverwalter Blackrock drängt beispielsweise Konzerne zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. Andernfalls würden sich die Anleger zunehmend abwenden, warnte Blackrock-Chef Larry Fink zu Jahresbeginn in einem viel beachteten Brief an Konzernchefs. Unlängst hat zudem der Ölkonzern BP das Ziel der Klimaneutralität für 2050 ausgegeben. Carney lobte das Unternehmen ausdrücklich dafür.

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EDF profitierte 2019 von Erneuerbaren Energien

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Paris, 14. Feb. 2020

Der französische Versorger EDF hat mit seinen Ergebnissen für das Jahr 2019 die Erwartungen übertroffen. Gestützt auf ein besseres Preisumfeld in Großbritannien und Frankreich sowie ein starkes Geschäft in der Sparte Erneuerbare Energien stieg der Kerngewinn (Ebitda) um 12,1 Prozent auf 16,7 Mrd. Euro.

Der Nettogewinn kletterte auf 5,2 Mrd. Euro, verglichen mit 1,1 Mrd. Euro im Vorjahr, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten jeweils weniger erwartet. "Die Ergebnisse von 2019 bestätigen den Aufschwung von 2018. Alle unsere Ziele wurden erreicht", sagte Jean-Bernard Levy, Vorstandsvorsitzender von EDF.

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Rechnungshof-Kritik wegen Mineralölsteuer-Begünstigungen

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Wien, 14. Feb. 2020

Der Rechnungshof hat erneut den Umgang des Finanzministeriums mit Mineralölsteuer-Begünstigungen kritisiert. Bemängelt wird unter anderem die steuerliche Begünstigung bei gekennzeichnetem Gasöl (Heizöl Extra Leicht), durch die dem Staat jährlich 400 Mio. Euro an Steuereinnahmen entgehen. Bereits im Herbst 2016 hatte das Kontrollorgan zu diesem Thema Kritik geübt.

Sechs von zwölf Empfehlungen des Rechnungshofes habe das Finanzministerium nicht umgesetzt, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Follow-Up-Bericht: So habe das Ministerium die Höhe und Notwendigkeit der Mineralölsteuerbegünstigungen sowie die Vielzahl an Steuersätzen nicht evaluiert. Das Volumen an Steuerbegünstigungen bei der Mineralölsteuer insgesamt sei mit rund 1,152 Mrd. Euro im Jahr 2017 weiterhin hoch gewesen.

Die Steuerbefreiung für Luftfahrtbetriebsstoffe (Kerosin) führte 2017 laut RH-Berechnungen zu einem Steuerausfall von 376 Mio. Euro. Die Steuerbefreiung für biogene Treibstoffe brachte einen Steuerausfall von 296 Mio. Euro und die Steuerbefreiung für Schiffbetriebsstoffe zu einem Entfall von 48 Mio. Euro.

Der RH bleibt bei seiner Empfehlung, insbesondere zu evaluieren, ob 15 Jahre nach Einführung biogener Treibstoffe noch die Notwendigkeit einer Steuerbegünstigung als zusätzliche flankierende Maßnahme zur Unterstützung von Biokraftstoffen besteht. In eine Evaluierung wäre auch die Frage einzubeziehen, ob die beabsichtigte Wirkung nicht besser durch direkte Förderungen anstelle einer steuerlichen Begünstigung erreicht werden kann.

Auch die Interne Revision des Finanzministeriums selbst habe Anlass zur Kritik gesehen und vor allem die Begünstigung beim gekennzeichneten Gasöl kritisiert. Gasöl eignet sich auch als Treibstoff für Dieselmotoren, war jedoch deutlich geringer besteuert als Diesel. Bei gleicher Besteuerung wäre das Steueraufkommen für gekennzeichnetes Gasöl von 2015 bis 2017 jährlich um mehr als 400 Mio. Euro höher gewesen, schreibt der Rechnungshof und empfiehlt dem Ministerium daher neuerlich zu evaluieren, ob die Begünstigungen bei der Mineralölsteuer wirklich notwendig sind.

Darüber hinaus kritisiert der Rechnungshof, dass die Kontrollmaßnahmen reduziert wurden und das Risiko des Missbrauchs der Steuerbegünstigungen gestiegen sei.

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Forscher stellen neuen Klima-Rechner vor

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Wien/Europa-weit, 13. Feb. 2020

Über drei Jahre hinweg hat ein großes Forschungsteam an einem neuen Simulationsmodell zu Europas CO2-Ausstoß gearbeitet. Am Freitag wird der "EU Calculator" (EUCalc) u.a. in Wien vorgestellt. Politiker bis Schüler können damit in Echtzeit die verschachtelten Wege in Richtung Treibhausgasreduktion beschreiten. Dabei zeigt sich auch wie stark der Erfolg vom Verhalten jedes Einzelnen abhängt.

Insgesamt 14 Forschungsinstitutionen aus Europa haben sich im Rahmen des Projekts daran gemacht, eine detaillierte, auch für Laien anschauliche und wissenschaftlich präzise Simulation zu erstellen. Mit der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) ist auch eine Einrichtung aus Österreich Teil des fächerübergreifenden Forschungskonsortiums, das von der EU mit rund 5,3 Millionen Euro unterstützt wurde.

Seit kurzem kann mit dem CO2-Emissions-Rechner eines der zentralen Projektergebnisse unter http://tool.european-calculator.eu online aufgerufen werden. Nachdem der Nutzer in der Simulation definiert hat, ob die Erwärmung unter 1,5- oder Zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau bleiben soll, kann man Europas verbleibendes CO2-Ausstoß-Budget ein Stück weit als Zielparameter einstellen. "Daraus ergibt sich dann die Gesamtverantwortung der EU hinsichtlich Klimaschutz und damit gewissermaßen auch eine Grundlage für eine effektive und effiziente Teilung der Lasten", erklärte ÖGUT-Experte Hannes Warmuth im Gespräch mit der APA.

Je nach Ambition, mit der die CO2-Reduktion angegangen werden soll, können dann verschiedene Szenarien detailliert durchgespielt werden. Von der Landwirtschaft, über den Verkehr, den Industriesektor bis zum Energieverbrauch von Gebäuden zeigen sich die Auswirkungen auf alle wichtigen Bereiche heruntergebrochen.

Ende des Monats sollen Interessenten dann selbst in jedem der zahllosen Unterbereiche mehr oder weniger ambitionierte Handlungsoptionen einstellen können. Somit kann in der Simulation in Echtzeit zum Beispiel nachgesehen werden, welche Auswirkungen ein weitgehendes Umstellen auf Holz als Baustoff im Gesamtsystem hätte. Neben der Verbesserung der CO2-Bilanz im Bausektor ergeben sich dadurch natürlich weniger positive Effekte für Wald oder Biodiversität. So sollen Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung, Wissenschafter oder Schüler die wahrscheinlichen Auswirkungen ihrer Zielsetzungen auch auf Länderniveau durchspielen können.

Bisherige wissenschaftliche Modellrechnungen lieferten mitunter erst nach vielen Tagen Ergebnisse und es brauchte viel Expertenwissen dafür, sagte Warmuth, der vor allem für die Simulationen des Industriesektors zuständig ist. Eines der zentralen Erkenntnisse des Gesamtprojekts ist für den Forscher, welch großen Hebel zur CO2-Reduktion die Verhaltensänderung darstellt. Wichtige Stellschrauben sind nämlich die Ernährung - hier vor allem die Reduktion des Fleischkonsums - oder der Individualverkehr.

"Grundsätzlich muss man in allen Sektoren ambitioniert handeln", so Warmuth, aber "auf rein technologischer Ebene wird man die Klimaziele nie erreichen. Es braucht auch Verhaltens- und Lebensstiländerungen." Ohne eine relativ starke Reduktion des Fleischkonsums könne beispielsweise der landwirtschaftliche Bereich nicht annähernd klimaneutral werden. Würde vom heutigen Stand aus 73 Prozent weniger Fleisch in Europa konsumiert, könnte das den CO2-Ausstoß - abhängig von den jeweiligen Annahmen - um gleich 15 Gigatonnen pro Jahr reduzieren. Zum Vergleich: Eine komplette Umstellung auf elektrisch betriebene KFZ würde im Jahr 2050 rund 20 Gigatonnen einsparen, so der Experte. Klar sei auch, dass im Gebäude- oder Industriebereich bereits jetzt Maßnahmen ergriffen werden müssten, damit sich um 2040 oder 2050 tatsächlich etwas zum Positiven verändert.

Neben der Simulation an sich, sind auch die zugrunde liegenden Überlegungen in wissenschaftlichen Publikationen und Analysen sowie der gesamte Quellcode öffentlich zugänglich. Unter dem Titel "My2050" wird es auch eine für Lern- und Lehrzwecke vereinfachte des Simulationsmodells geben, die auf Jugendliche abzielt. Insgesamt hoffen die Wissenschafter, damit zur Bewusstseinsbildung für nachhaltigere Lebensstile in Politik und Gesellschaft beizutragen.

(S E R V I C E - Projektwebsite: www.european-calculator.eu;)

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Gasekonzern Linde steigerte 2019 den Gewinn

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München, 13. Feb. 2020

Der deutsche Gasekonzern Linde hat im vergangenen Jahr einen höheren Gewinn erzielt. Das um Fusionskosten bereinigte Betriebsergebnis im fortgeführten Geschäft stieg um 10 Prozent auf 5,27 Mrd. Dollar (4,83 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz legte nur leicht auf 28,2 Mrd. Dollar zu.

Vorstandschef Steve Angel, der die neue Linde plc. seit der Fusion von Praxair und der Linde AG 2018 von den USA aus führt, will Investoren die Jahresbilanz am Nachmittag im größten deutschen Werk Pullach bei München erläutern. Die Jahreszahlen vor und nach dem Zusammenschluss seien sehr schwer vergleichbar, weil Linde und die amerikanische Praxair nach Kartellauflagen einen großen Teil ihrer früheren Geschäfte abgeben mussten, sagte ein Sprecher. Der neue Konzern ist Weltmarktführer für Industriegase.

Linde ist weltweit breit aufgestellt und beliefert alle Branchen der Öl-, Chemie- und Metallindustrie genauso wie Lebensmittelhersteller und Krankenhäuser. Den Löwenanteil seiner Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Linde in Amerika. In Deutschland beschäftigt Linde noch rund 7.000 Mitarbeiter, weltweit 80.000. Linde ist an der New Yorker Börse und in Frankfurt notiert und nach SAP zweitgrößter Wert im Deutschen Aktienindex DAX.

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Jüngste Preisanstiege beim Öl vorerst gestoppt

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Singapur, 13. Feb. 2020

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag nach den Anstiegen der vergangenen beiden Handelstage wenig verändert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in der Früh 55,67 US-Dollar (51,01 Euro). Das waren 12 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI stieg geringfügig um 2 Cent auf 51,19 Dollar.

An den Finanzmärkten ist das Coronavirus wieder stärker in den Fokus gerückt. Zuletzt ist die Zahl der Infizierten in China sprunghaft angestiegen und auch die Zahl der nachgewiesenen Todesopfer ging stark nach oben. Investoren setzten verstärkt auf vergleichsweise sichere Anlagen, während riskantere Anlagen wie Rohöl etwas weniger gefragt waren.

Die Rückkehr der Sorgen vor einer starken Ausbreitung des Virus und möglichen negativen Folgen für die Weltwirtschaft dürfte nach Einschätzung von Marktbeobachtern den Druck auf Russland verstärken, einer weiteren Kürzung der Fördermenge durch die OPEC+ zuzustimmen. Ein Expertengremium der OPEC+, einem Zusammenschluss von OPEC-Staaten und anderer Ölländer wie Russland, hatte in der vergangenen Woche eine Reduzierung um weitere 600.000 Barrel pro Tag zur Stabilisierung der Ölpreise empfohlen.

Außerdem wird die Entwicklung der US-Ölreserven ebenfalls als ein Hinweis für eine schwächere Nachfrage gedeutet. Am Vortag hatte die US-Regierung gemeldet, dass die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 7,5 Millionen auf 442,5 Millionen Barrel gestiegen waren. Analysten hatten im Mittel nur einen Zuwachs um 3,2 Millionen Barrel erwartet.

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Bilfinger will beim Umsatz bis 2024 die 5-Mrd.-Euro-Marke knacken

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Mannheim, 13. Feb. 2020

Der Industriedienstleister Bilfinger will in den kommenden Jahren seinen Umsatz kräftig steigern. Bis 2024 soll der Erlös auf mehr als fünf Mrd. Euro steigen, wie Bilfinger am Donnerstag in Mannheim mitteilte. 2019 kletterten die Erlöse im Jahresvergleich um vier Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. Gleichzeitig will das Unternehmen wieder profitabler werden.

Das Konzernergebnis 2019 lag erstmals seit 2016 mit 24 Mio. Euro wieder im positiven Bereich. Derzeit beschäftigt der Konzern rund 34.000 Menschen.

Bereits im November hatte Unternehmenschef Tom Blades angekündigt, mit Hilfe einer strafferen Organisation und einem Abbau von 200 Stellen die jährlichen Vertriebs- und Verwaltungskosten auf unter 300 Millionen senken. Dazu beitragen soll auch die Verkleinerung des Vorstands von vier auf drei Mitglieder. Zudem will Blades weitere Unternehmen verkaufen, die nicht profitabel genug sind.

Der seit Mitte 2016 an der Bilfinger-Spitze stehende Brite hatte nach dem Verkauf des Tafelsilbers, den Immobiliendienstleistungen, einen tiefgreifenden Umbau eingeläutet. Seitdem konzentriert sich der Konzern auf zwei Geschäftsbereiche und trennte sich von verlustbringenden Geschäften.

ISIN DE0005909006 WEB http://www.bilfinger.com/

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Coronavirus - IEA erwartet Rückgang der Ölnachfrage

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Paris, 13. Feb. 2020

Das Coronavirus dürfte nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) zum ersten Rückgang der globalen Rohöl-Nachfrage seit etwa zehn Jahren führen. Die Nachfrage sei durch die neuartige Lungenkrankheit und die Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft "hart getroffen" worden, hieß es in dem am Donnerstag in Paris veröffentlichten Monatsbericht.

Die Experten räumten ein, dass es zum jetzigen Zeitpunkt schwer sei, eine präzise Prognose über die möglichen Folgen zu erstellen. In den ersten drei Monaten des Jahres ist laut der aktuellen IEA-Prognose mit einem weltweiten Rückgang der Ölnachfrage um durchschnittlich 435.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag zu rechnen. Zuvor hatte der Interessenverband für das erste Quartal noch einen Zuwachs um 800.000 Barrel pro Tag prognostiziert.

2020 dürften die Folgen der Virus-Krise das Wachstum der Nachfrage um etwa 30 Prozent bremsen, hieß es weiter. Demnach sei nur mit einer Zunahme um durchschnittlich 825.000 Barrel pro Tag zu rechnen. Nach Einschätzung der IEA-Experten werden die Folgen der Coronavirus-Epidemie stärkere Auswirkungen auf die Nachfrage nach Rohöl haben als die SARS-Epidemie 2003, die auch von China ausging. Sie begründen dies mit der gewachsenen Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft.

Bereits am Vortag hatte das Ölkartell OPEC seine Prognose für die weltweite Nachfrage nach Rohöl kräftig gesenkt. Im ersten Quartal dürfte die Nachfrage um durchschnittlich 440.000 Barrel pro Tag niedriger ausfallen als bisher prognostiziert, wie aus dem Monatsbericht der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hervorgeht. Der Ausbruch des Coronavirus werde sich auf die Nachfrage in Asien auswirken, hieß es.

Jüngst hatte eine Expertengruppe der OPEC+ eine weitere Reduzierung der Fördermenge um 600.000 Barrel pro Tag empfohlen, um die Ölpreise zu stützen. In der OPEC+ sind die Mitgliedsstaaten des Kartells und verbündete Ölstaaten wie Russland zusammengefasst. Nachdem sich das führende OPEC-Land Saudi-Arabien zustimmend zur Empfehlung geäußert hatte, zeigte sich Russland bisher zögerlich.

WEB http://www.iea.org/

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CO2-Steuer: Forschungsinstitut EcoAustria mahnt zur Umsicht

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Wien, 12. Feb. 2020

Das junge Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria hat sich mit den ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen der von der türkis-grünen Regierung geplanten Klimainstrumente beschäftigt und dabei einige Stolpersteine ausgemacht. So bestehe bei einer CO2-Steuer die Gefahr, dass der Staat die Steuer zu niedrig oder zu hoch ansetzt und damit seine Ziele verfehlt oder private Haushalte und Unternehmen zu stark belastet werden.

Grundsätzlich hält EcoAustria ein Gegensteuern gegen den Klimawandel für notwendig. "Der Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren. Daher hat sich Österreich auf internationaler Ebene zurecht zur Reduktion der CO2-Emissionen verpflichtet. Aktuell gehen Prognosen allerdings nicht davon aus, dass Österreich seine Vorgaben bis zum Jahr 2030 erfüllen wird", erklärt Tobias Thomas, Direktor von EcoAustria.

Die Bereiche Energie und Industrie werden auf europäischer Ebene mit dem Emmissionszertifikatehandel geregelt. Nun gehe es darum, geeignete klimapolitische Instrumente für die Bepreisung der CO2-Emissionen in den Bereichen zu finden, die nicht in den europäischen Emissionszertifikatehandel einbezogen sind. Das sind insbesondere die Bereiche Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft.

Die Task Force der Bundesregierung, die noch im Februar ihre Arbeit aufnehmen soll, stehe vor einer kniffligen Aufgabe, denn sie soll ein klimapolitisches Instrument für die Bereiche Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft entwickeln, mit dem die Klimaziele treffsicher erreicht werden, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich erhalten bleibt und unerwünschte soziale Nebenwirkungen möglichst vermieden werden.

So sei bei der CO2-Steuer die Höhe der Steuer, mit der das vorgegebene Emissionsziel erreicht wird, bestenfalls abschätzbar. Daher bestehe die Gefahr, dass der Staat die Steuer zu niedrig oder zu hoch ansetzt und damit das Ziel verfehlt wird, oder private Haushalte und Unternehmen unnötig belastet werden. Ein häufiges Nachsteuern bei der Steuerhöhe wäre somit wahrscheinlich, wie auch das Beispiel der CO2-Abgabe in der Schweiz zeigt.

Beim Emissionshandel dagegen könne die Emissionsmenge direkt über die Menge der ausgegebenen Zertifikate gesteuert werden. Ein solches System könnte für die Bereiche Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft auch auf nationaler Ebene dazu beitragen, dass die Klimaziele treffsicher erreicht werden.

Werden die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an Beschäftigte und Unternehmen rückerstattet, kann dies positive Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung haben. Allerdings können bei ungünstiger Ausgestaltung Wachstum und Beschäftigung und damit verbunden Einkommen und Konsummöglichkeiten der privaten Haushalte auch deutlich gebremst werden.

So zeigen internationale Studien, dass die Wachstumswirkung einer CO2-Bepreisung je nach Höhe und der Art der Rückerstattung zwischen plus 4 und minus 8 Prozent auf 40 Jahre kumuliert ausmachen kann. Dies verdeutlicht die Chancen aber auch die Risiken der Klimapolitik. Auch die Verteilungswirkung sei hiervon abhängig. Zusätzlich erhöht die Überwälzung der CO2-Bepreisung in die Verbraucherpreise die Inflation, was über höhere Lohnabschlüsse die Arbeitskosten erhöhen kann. Auch dies sollte bei der Rückvergütung der Einnahmen berücksichtigt werden. "Wenn es gelingt, die Ziele der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit gemeinsam zu erreichen, kann Österreich ein Vorbild für viele Länder sein", so Thomas.

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Coronavirus - OPEC senkt Prognose für Ölnachfrage kräftig

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Wien, 12. Feb. 2020

Das Ölkartell OPEC hat seine Prognose für die weltweite Nachfrage nach Rohöl kräftig gesenkt. Im ersten Quartal dürfte die Nachfrage um durchschnittlich 440.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag niedriger ausfallen als bisher prognostiziert, wie aus dem Monatsbericht der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hervorgeht, der in Wien veröffentlicht wurde.

In dem Bericht wird ausdrücklich auf die Folgen der Viruskrise verwiesen. Der Ausbruch des Coronavirus werde sich auf die Nachfrage in Asien auswirken, hieß es. Laut der aktuellen Prognose rechnet das Ölkartell in den Monaten Jänner bis März mit einer weltweiten Nachfrage von 99,51 Millionen Barrel pro Tag, nach bisher 99,95 Millionen Barrel. Das volle Ausmaß der Auswirkungen der Viruskrise dürfte erst in den kommenden Monaten deutlich werden, hieß es weiter.

In den vergangenen Wochen hatte die Coronakrise die Ölpreise stark belastet. Am Montag war der Preis für Rohöl aus der Nordsee noch bis auf 53,11 Dollar (48,72 Euro) je Barrel gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit etwa einem Jahr.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, haben die OPEC-Staaten im Jänner im Schnitt 28,86 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert. Wegen der niedrigeren Prognose für die Nachfrage geht das Ölkartell davon aus, dass auf dem Weltmarkt im zweiten Quartal ein Überangebot von 570.000 Barrel pro Tag herrschen werde.

In der vergangenen Woche hatte eine Expertengruppe der OPEC+ eine weitere Reduzierung der Fördermenge um 600.000 Barrel pro Tag empfohlen, um die Ölpreise nach der jüngsten Talfahrt im Jänner zu stützen. In der OPEC+ sind die Mitgliedsstaaten des Kartells und verbündete Ölstaaten wie Russland zusammengefasst.

Nachdem sich das führende OPEC-Land Saudi-Arabien zustimmend zur Empfehlung geäußert hatte, zeigte sich Russland bisher zögerlich. Zuletzt hatte der russische Energieminister Alexander Nowak gesagt, dass die Regierung in Moskau den jüngsten Ratschlag einer Expertengruppe der OPEC+ "studieren" werde.

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Gazprom engagiert sich nach Nord Stream 2 stärker in Asien

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Moskau, 12. Feb. 2020

Russlands Gasmonopolist Gazprom will sich nach dem Fertigbau der Ostseepipeline Nord Stream 2 vor allem auf die Entwicklung des Energiemarktes in Asien konzentrieren. Nord Stream 2 solle trotz der US-Sanktionen bis Ende dieses Jahres fertiggestellt werden, sagte der Gazprom-Chefstratege Kiril Polous der Agentur Interfax zufolge bei einem Investorentag in New York.

Die neue Pipeline erfülle die Kernaufgabe des Unternehmens, den Verbrauchern in Europa eine risikofreie Lieferung zu gewährleisten. Russland hatte zuletzt angekündigt, das fast fertige und mit 10 Mrd. Euro veranschlagte Projekt selbst zu beenden. Wegen US-Sanktionen waren zuletzt die westlichen Spezialschiffe für die Verlegung der Gasröhren abgezogen. Der Bau ist gestoppt. Russland hat aber ein eigenes Schiff - die "Akademik Tscherski", die im Moment noch in Asien ist, jedoch bald die restlichen Meter in der Ostsee verlegen soll.

Nach Darstellung von Polous wird sich Gazprom im nächsten Jahrzehnt zudem stärker auf die Produktion von Flüssiggas ausrichten - für jene Märkte, die mit Pipelines schwer zu erreichen seien. In Asien hat Russland vor allem Chinas Energiehunger im Blick. Vor dem Start der neuen Gasleitung Power of Sibiria (Kraft Sibiriens) 2019 ging der Export fast ausschließlich - zu 95 Prozent - nach Europa. Bis 2030 solle der Anteil Asiens am Gazprom-Export auf 30 Prozent wachsen.

Gazprom-Vizechef Famil Sadygow sagte einer Mitteilung zufolge, dass der Konzern trotz schwieriger Marktbedingungen ein ordentliches Ergebnis für 2019 vorweisen könne. Demnach erwartet der Konzern nach vorläufigen Angaben einen Gewinn von 21,4 Mrd. US-Dollar (19,5 Mrd. Euro). Das sind um acht Prozent weniger als 2018. Nach Darstellung von Gazprom hat der Konzern für heuer einen Exportpreis von rund 200 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter Gas angesetzt. Allerdings habe schon Anfang Februar die Prognose auf 175 bis 185 Dollar je 1.000 Kubikmeter Gas gesenkt werden müssen.

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EU-Parlament erlaubt Förderung von Gasprojekten

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EU-weit/Straßburg, 12. Feb. 2020

Das EU-Parlament hat den Weg für die Förderung milliardenschwerer Gasprojekte in der Europäischen Union freigemacht. Die Abgeordneten lehnten mehrheitlich einen Einspruch von Grünen und Linken ab, die weitere Investitionen in fossile Energieprojekte als klimaschädlich kritisieren. Eine im Oktober von der EU-Kommission veröffentlichte Vorschlagliste nahm das Parlament an.

Konkret geht es um sogenannte Projekte im gemeinsamen europäischen Interesse, nach der englischen Abkürzung PCI genannt. Diese sind länderübergreifende Energievorhaben, in die in den kommenden Jahren Gelder fließen sollen.

Die Grünen kritisieren, dass allein für Erdgasprojekte rund 29 Milliarden Euro ausgegeben werden könnten. "Das Europaparlament kann nicht den Klimanotstand in Europa ausrufen und dann im nächsten Moment grünes Licht für neue Gasprojekte zur Übernahme von US-Fracking-Gas geben", sagte der grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz. "Da fragt man sich schon, ob die ÖVP-Europaabgeodneten das Regierungsprogramm verstanden haben. Denn die heute durchgewunkene PCI-Liste konterkariert das Pariser Klimaabkommen und versenkt Milliarden an europäischem Steuergeld mit der Finanzierung von Erdgasleitungen, Frackinggas-Terminals, statt es in den Ausbau von erneuerbaren Energien und dem Green Deal zu investieren."

Auch die SPÖ-Europaabgeordneten hätten dagegen gestimmt, sagte der SPÖ-EU-Parlamentarier Günther Sidl. "Wir können nicht vom Klimanotstand reden und bei der ersten Gelegenheit den Befürwortern einer veralteten Energieversorgung Fördergelder genehmigen." Für die NEOS erklärte die Europaabgeordnete Claudia Gamon, es wäre besser, "dieses Geld in Projekte zu investieren, die der Dekarbonisierung Rechnung tragen, wie zum Beispiel Speicherprojekte für erneuerbare Energie, um den Netzausgleich zu erleichtern".

Die deutsche Linken-Energiepolitikerin Cornelia Ernst sieht in den Gasprojekten auch einen Türöffner für sogenanntes Fracking-Gas aus den USA, das verflüssigt nach Europa verschifft wird. "Niemand braucht dieses Gas. Die bestehende Gasinfrastruktur reicht vollkommen aus", sagte Ernst. Die Kommission müsse die Liste überarbeiten und alle Gasprojekte streichen.

Der CDU-Abgeordnete Markus Pieper sagte dagegen: "Es ist grundfalsch, beim Klimaschutz in Panik zu verfallen und alles zu verteufeln, was mit Gas zu tun hat." Ohne neue Gasprojekte gebe es künftig keine Infrastruktur mehr für CO2-arme Alternativen.

Gas verursacht bei der Verbrennung weniger Kohlendioxid als Kohle. Befürworter sehen es als Übergangsenergie auf dem Weg zu emissionsfreien Energien. Gegner argumentieren, die jetzt errichteten Projekte legten eine Nutzung auf Jahrzehnte fest. Dabei will die EU bereits 2050 "klimaneutral" werden, also keine neuen Treibhausgase in die Atmosphäre blasen.