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Gutes Geld: Nachhaltige Geldanlage ist imMainstream angekommen. Immer mehr Investoren, Banken undVermögensverwalter ziehen auf dem Weg zu einer besseren Welt an einem Strang. Und Anleger profitierenvon ansprechenden Renditen

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24. May. 2019

Die Teenies zeigen auf. Als Zugpferd fungiert die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg.

Seit vorigem August zieht die junge Klimaschutzaktivistin massenhaft junge Menschen in ihren Bann, die von Thunberg ausgelösten Schulstreiks namens "Fridays For Future" haben sich zu einer breiten Bewegung entwickelt. Währenddessen stellt sich US-Präsident Donald Trump dumm. Er leugnet den Klimawandel. Dem stehen Forschungsergebnisse von rund um die Welt verstreuten Institutionen entgegen, die belegen, dass der Klimawandel keine Erfindung von Untergangspropheten ist. Die Ergebnisse in Kurzform: Der Klimawandel hat sich 2001 verschärft. Seit damals stellten sich 17 der 18 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen vor 137 Jahren ein. In Europa war der Sommer 2018 der heißeste seit Beginn der Messgeschichte. Das Wasser steht der Menschheit zwar noch nicht bis zum Hals. Aber alleine zwischen 1993 und Ende 2017 ist der Meeresspiegel um knapp acht Zentimeter gestiegen.

HEISSE JAHRE, VERPESTETE LUFT Logischerweise macht die Entwicklung vor Österreichs Außengrenzen nicht halt. Mario Winkler, Kommunikations-Chef Österreichische Hagelversicherung: "Seit der Jahrtausendwende haben sich die warmen Jahre gehäuft, die CO2-Konzentration ist ständig gestiegen." Das belegt eine Auswertung der Hagelversicherung für die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz (siehe Grafik). Und speziell in den vergangenen sechs Jahren wurde die Landwirtschaft unter anderem von Hagel, Dürre, Frost und Überschwemmungen geplagt. Hagelversicherungsexperte Winlder. "Seit 2013 lag die jährliche Schadenssumme zwischen 240 und 270 Millionen Euro. Einzig 2014 war mit einem Schaden von 75 Millionen Euro ein Ausreißer im positiven Sinn."

Es herrscht breiter Konsens darüber, dass das sogenannte Global Warming in den Griff zu bekommen ist. Aber in der Praxis tun sich viele Staaten wirklich schwer, den auf der Pariser Klimaschutzkonferenz von 2015 vereinbarten Zielen zur Begrenzung der Erderwärmung näher zu kommen. Gleichzeitig steigt jedoch die Anzahl der Investoren, denen die Zukunft des Planeten Erde ganz und gar nicht egal ist und die die Welt für die nächsten Generationen in möglichst ordentlichem Zustand erhalten wollen. Das schlägt sich auch auf das Verhalten von Investoren nieder. Werden doch weltweit bereits rund 30 Prozent der nachhaltig investierten Gelder in Anlageprodukten gehalten, die das Hauptaugenmerk auf erneuerbare Energie und Energieeffizienz legen (siehe Grafik Seite 12).

VIELE WEGE ZUM GUTEN GELD In Summe decken nachhaltige Anlageformen auch eine ganze Reihe an Themen abseits des Kampfes gegen den Klimawandel ab, zahlreiche ethisch korrekte Investments folgen unterschiedlichen Strategien. Dazu zählen etwa Investments, die unterschiedliche Nachhaltigkeitsthemen erfassen, ebenso wie Veranlagungen, die innerhalb eines Sektors oder Anlagesegments jeweils in die klassenbesten Wertpapiere investieren. Dazu zählen auch Investments, die auf Basis Ausschluss-und Positivkriterien gelenkt werden, sowie Anlageprodukte, die unter Einsatz von normbasiertem Screening darauf achten, dass die Veranlagungen mit internationalen Standards und Normen konform gehen. Bei Impact Investing wiederum steht nicht nur die Erzielung von Renditen im Vordergrund. Vielmehr wird versucht, die Gelder in Unternehmen zu investieren, die den Zweck haben, soziale, gesellschaftliche oder Umweltprobleme zu lösen.

Während sich die Schar der nachhaltig orientierten Investoren in früheren Zeiten verstärkt aus Stiftungen, Pensionsfonds, Versicherungen, Altersvorsorgeeinrichtungen, kirchlichen Organisationen oder auch betuchten Philanthropen zusammensetzte, ist seit Jahren auch die Anzahl der engagierten Unternehmen und Privatanleger nennenswert gestiegen. Damit ist nachhaltiges Investieren im Mainstream angekommen. Peter Böhler, Vorstand der auf nachhaltige Veranlagungen spezialisierten Bank Schelhammer & Schattera: "Immer mehr Privatanleger fragen genau nach, was mit ihrem Investment passiert. Speziell für Jüngere hat Nachhaltigkeit eine hohen Stellenwert."

VON 3,8 AUF 30,6 BILLIONEN DOLLAR Dass der Trend zu Nachhaltigkeit in der Welt der Geldanlage bereits eine fixe Größe ist, zeigt die Entwicklung der insgesamt investierten Gelder. Laut Zahlen der Global Sustainable Investment Alliance waren im Jahr 2006 weltweit knapp 3,8 Billionen Dollar nachhaltig angelegt. Bis Ende 2017 hat sich das gesamte global verwaltete Vermögen auf 30,6 Billionen Dollar erhöht. Alleine zwischen 2014 und 2016 ist das verwaltete Vermögen um etwas mehr als ein Viertel gestiegen. Ähnlich verlief die Entwicklung in Europa (siehe Grafiken Seite 08). Im Vorjahr haben europäische Investoren zwar geringere Neuinvestments als 2017 getätigt. Laut dem internationalen Investment-Researcher Morningstar floss jedoch deutlich mehr Geld in nachhaltige Fonds als in herkömmliche Investmentfonds.

LUFT NACH OBEN Laut einer Analyse der US-Bank Morgan Stanley weist bereits mehr als ein Viertel der gesamten weltweiten Investments einen Bezug zu Nachhaltigkeit auf. Vergleichsweise bescheiden nehmen sich dagegen die anteiligen Veranlagungen in Österreich oder auch Deutschland aus Schelhammer &Schattera-Vorstand Böhler: "In Österreich entfallen etwa acht Prozent der gesamten Investments auf nachhaltige Geldanlagen. In Deutschland sind es drei Prozent." Diese auf den ersten Blick geringen Anteile sind jedoch auch dem Umstand geschuldet, dass der Begriff zu nachhaltigem Investieren international sehr unterschiedlich interpretiert wird. Dass nachhaltige Veranlagungen in der Alpenrepublik im Trend liegen, zeigt auch eine Auswertung der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). Demnach hat sich das in nachhaltige Fonds gemäß österreichischem Umweltzeichen UZ49 investierte Geld im ersten Quartal des laufenden Jahres um knapp mehr als 25 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro erhöht. Aber es gibt noch Luft nach oben. Beträgt doch der Anteil am gesamten österreichischen Fondsvolumen trotzdem nur 4,6 Prozent.

ENGAGEMENT DER BANKEN In Summe rollt der Zug in Richtung Nachhaltigkeit schnell. Und auch bei Banken ist eine deutliche Umorientierung zu erkennen. Ein Beispiel dafür ist etwa das Asset Management der französischen Großbank BNP Paribas. Die Bank rangiert laut dem S&P Global Market Intelligence Report 2017 gemessen an der Bilanzsumme immerhin auf Platz acht der weltweit größten Institute. Ende 2018 verwaltete BNP Paribas Asset Management ein Vermögen von 537 Milliarden Dollar und lag damit laut dem renommierten Magazin "IPE Investment &Pension Europe" auf Platz 28 der weltweit größten Asset Manager. Und bereits im nächsten Jahr sollen sogenannte ESG-Faktoren -die Abkürzung ESG steht für Environment, Social und Governance, also für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung -in alle Investmentprozesse der Bank integriert werden. Anita Frühwald, Österreich-Leiterin von BNP Paribas Asset Management: "In einer sich schnell verändernden Welt liegt der Fokus darauf, für unsere Kunden langfristig nachhaltige Anlageerträge zu erzielen. In diesem Sinne verpflichtet sich BNP Paribas Asset Management, nachhaltige Anlagepraktiken in seine Strategien zu integrieren. Wir glauben, dass dies im finanziellen Interesse unserer Kunden und der Wirtschaft insgesamt liegt."

BEITRAG ZUR ERREICHUNG DER UNO-ZIELE Einen ähnlichen Weg beschreitet die liechtensteinische LGT Bank. Meinhard Platzer, Co-CEO der LGT Bank AG, Zweigniederlassung Österreich: "Im Rahmen unserer neuen Nachhaltigkeitsstrategie 2025 haben wir insgesamt acht Sustainable Development Goals, kurz SDGs, der UNO definiert, an deren Umsetzung die LGT-Gruppe mitwirken kann. Unser Asset Management und Impact Investing können zu weiteren SDGs einen Beitrag leisten. Als einzelnes Unternehmen können wir bestenfalls einen möglichst großen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele liefern." In der Nachhaltigkeits-Strategie der Bank werden für jeden Unternehmensbereich Maßnahmen formuliert, die die Zielerreichung unterstützen sollen. Platzer: "Dazu zählt zum Beispiel auch die Erhöhung des Anteils nachhaltiger Investments in den Portfolios unserer Kunden." Aber was bedeutet der Aufschwung nachhaltiger Investmentmöglichkeiten für Anleger? Die gute Nachricht lautet: So gut wie alle österreichischen und internationalen Banken, Investment Manager und Fondshäuser haben nachhaltige Anlageprodukte oder -depots im Programm. Aber die Angebotsfülle hat auch Schattenseiten und sorgt bisweilen für Verwirrung. Bei der Benennung von Anlageprodukten und -lösungen tauchen Begriffe wie "nachhaltig", "ethisch korrekt","sozial verträglich" oder auch "Impact Investing" auf. Erschwerend kommt hinzu, dass begriffliche Überschneidungen die Übersicht nicht gerade erleichtern. Das hat die Europäische Union auf den Plan gerufen. Aktuell beschäftigt sich die EU-Kommission mit der Ausarbeitung eines allgemeingültigen, einheitlichen Nachhaltigkeitsstandards, der die gesamte Finanzindustrie in die Pflicht nehmen soll.

VERPÖNTE INVESTMENTS Viele Fonds arbeiten mit spezifischen Positiv-oder Ausschlusskriterien. Und dabei kann die Liste lang sein. Schelhammer & Schattera-Vorstand Böhler: "Wir verwenden insgesamt 39 Ausschlusskriterien. Die Bandbreite reicht von Menschenrechtsverletzung, Embryonenforschung, Glücksspiel, Rüstung, Kohle, Erdöl, Klimaschutz bis hin zu Atomwaffen und Korruption." Zusätzlich kommt bei zahlreichen Veranlagungsprodukten eine Reihe an Positivkriterien zum Einsatz, mit denen Unternehmen oder auch Staaten auf die Einhaltung sozialer und umweltrelevanter Standards überprüft werden. Böhler: "Wir vertrauen beim Screening auf die internationale Research-und Ratingagentur ISS-oekom, auf Basis deren Analysen für Aktien und Anleihen sich die Veranlagungsmöglichkeiten auf rund 25 Prozent des gesamten Anlageuniversums reduzieren." Eine solche Reduktion auf das Wesentliche hat aber auch ihren Vorteil. Können doch Investoren sicher sein, dass nur Wertpapiere gekauft werden, die tatsächlich ihren Ansprüchen von nachhaltig, ethisch korrekt oder sozial verträglich entsprechen.

RESPEKTABLE RENDITEN Ist mit dem Kauf nachhaltiger Anlageprodukte wirklich "gutes Geld" zu machen? In Bezug auf die erzielbaren Renditen von herkömmlich verwalteten Anlageprodukten und nachhaltigen Investments herrscht seit Jahren eine Art Glaubensstreit. Unterschiedliche einschlägige Analysen sehen Performancevorteile mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Eindeutig fällt das Ergebnis auf Basis einer Analyse des Researchers Morningstar für 2018 aus. Dabei wurden in Europa zugelassene Aktienfonds auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: Im Vorjahr konnten sich auch nachhaltige Fonds nicht den schwierigen Verhältnissen an den Finanzmärkten entziehen. Mit einem durchschnittlichen Minus von 0,4 Prozent kamen sie aber besser über die Runden als herkömmliche Fonds, die im Schnitt um vier Prozent an Wert verloren. Wie der Vergleich der Wertentwicklung für die vergangenen drei Jahre zeigt, zählten nachhaltige Branchenfonds zwar nicht zu den absoluten Spitzenreitern im Performance-Ranking. Sie erzielten aber durchaus respektable Erträge. In Zahlen: In Österreich registrierte Wasserfonds legten auf Drei-Jahres-Sicht im Schnitt jährlich um 10,1 Prozent zu. Bei Ökologiefonds lag der jährliche Ertrag bei 9,5 Prozent, bei Fonds, die in Alternativenergieanbieter investieren, bei 7,5 Prozent. Detaillierte Vergleiche zwischen nachhaltigen und herkömmlichen Investmentfonds finden sich im aktuellen Nachhaltigkeitsreport des Finanzdaten-Researchers Mountain View. Demnach haben nachhaltige Aktienfonds zwischen Anfang April 2018 und Ende März des laufenden Jahres im Schnitt etwas mehr als fünf Prozent Ertrag erzielt. Nicht nachhaltig ausgerichtete Fonds brachten dagegen nur eine Rendite von knapp mehr als einem Prozent. Nachhaltige Mischfonds schnitten im gleichen Zeitraum mit einem Durchschnittsertrag von 3,3 Prozent um 2,5 Prozentpunkte besser ab als herkömmliche gelenkte Mischfonds. Bei nachhaltigen Aktien-ETF lag der Ertrag mit drei Prozent nur knapp, und zwar um 0,3 Prozentpunkte, über jenem von herkömmlichen Aktien-ETF.

Warme Jahre und schlechte Luft Die Anzahl der Jahre mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen hat sich gehäuft. Das belegen beispielsweise Auswertungen der Österreichischen Hagelversicherung für die oberösterreichische Landeshauptstadt. In Linz lag die Jahresmitteltemperatur in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten immer häufiger zwischen 10,5 und 12 Grad Celsius. Von den 1960er-Jahren bis 1987 war die Durchschnittstemperatur noch um rund drei Grad Celsius niedriger. Seit Ende der 1950er-Jahre ist auch die CO3-Konzentration infolge von Verkehr, industriellen Aktivitäten und höheren Temperaturen konstant gestiegen. Die Ergebnisse zu den Temperaturveränderungen decken sich weitgehend mit den Publikationen des Goddard Institute for Space Studies der NASA. Demnach hat sich der Klimawandel weltweit seit 2001 verschärft. Seit damals stellten sich 17 der 18 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen vor 137 Jahren ein. Quelle: Österreichische Hagelversicherung
Volumen nachhaltiger Veranlagungen weltweit Zwischen Anfang 2006 und Anfang 2018 hat sich das weltweit in nachhaltige Veranlagungsinstrumente investierte Vermögen um mehr als das Achtfache von 3,8 Billionen auf 30,6 Billionen 1.15-Dollar erhöht. Duellen: Global Sustainable Investment Review, 2012, 2014,2016,2018; Angaben in Billionen US-Dollar

Der Standard
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OÖ verabschiedet sich von Öl, Kohle und Gas

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24. May. 2019

Schrittweiser Umstieg auf Öko-Energieformen 

„Der schrittweise Ausstieg aus fossilen Energieträgern ist eine zentrale Strategie, um auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes OÖ abzusichern“, fasste Landeshauptmann Thomas Stelzer zuletzt den Kern der „Energie-Strategie 2050“ zusammen. Ziel sei es, im Zuge des Umstiegs auf nachhaltige Öko-Energieformen (Biomasse, Wasserkraft, Solarenergie) das Bundesland zu einer internationalen Vorzeigeregion in Sachen Energietechnik und Energieeffizienz zu machen. Wobei OÖ im österreichweiten Vergleich schon jetzt beste Referenzen vorzuweisen hat: „Bei allen erneuerbaren Energieformen außer Wind ist OÖ Nummer 1. Wir nutzen also die meiste Biomasse, die meiste Wasserkraft und die meiste Sonnenenergie“, beschreibt Energie-Landesrat Markus Achleitner die gute Ausgangsposition. 

Große Herausforderung 
Den höchsten Anteil haben derzeit Erneuerbare Energieformen bei der Stromerzeugung in OÖ (76,8 Prozent). Die Raumwärme wird zu 56 Prozent über die ökologischen Varianten zur Verfügung gestellt. Am Beispiel Strom skizziert LH Stelzer die Herausforderung: 2030 sollen 97 Prozent aus nachhaltigen Quellen stammen, die damit bis dahin um 80 Prozent ausgebaut werden müssen. 

Oberösterreichisches Volksblatt
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Ein Engel steht unter Strom

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24. May. 2019

Werner Hofmeister positioniert Kunstwerk auf Strommast. Seine neue Ausstellung in Klein St. Paul wird am Samstag eröffnet. 

Stolze 2,40 Meter groß, die Figur hat Gardemaß. Seit Kurzem ziert eine Skulptur des Künstlers Werner Hofmeister, auch Betreiber des Museums für Quellenkultur, einen Strommasten der Kelag. Seit sich der Engel am Strommast festhält, könne man sich laut Hofmeister die Frage stellen, „was denn die Figur dort einspeist“. Dessen jüngste Arbeit, die Kunstinstallation „Input“ steht übrigens hinter der Aktion am Mast 119 der Kelag 20-KV-Hochspannungsleitung in Klein St. Paul. Am kommenden Samstag wird „Input“ um 11 Uhr im Park des Museums der Öffentlichkeit präsentiert. Über die Installation spricht der Autor Karl-Heinz Kronawetter, Thomas Wallisch sorgt auf der E-Gitarre für Musik und von Reinhard Draxler, Geschäftsführer der Kelag-Tochter Kärnten Netz, kommen die Grußworte. 

Eröffnung.Samstag, 11 Uhr, Museum für Quellenkultur, Klein St. Paul. Tel. 0699-102 710 51 

Kleine Zeitung
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"Der liebe Gott war nicht doof"

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24. May. 2019

Er hat die Welt mit Solar-, Wind- und Wasserenergie gesegnet, sagt Franz Alt. Doch nun schmilzt wegen fossiler Brennstoffe das Arktiseis: Die Welt ist bedroht.

Der Theologe und Journalist Franz Alt übers Kohlenschleppen als Kind, sein Buch mit dem Dalai Lama - und warum die Europawahl für ihn eine Klimawahl ist 
Der Mann ist 80 - und agil wie 18. Franz Alt - Journalist, Umweltaktivist, Theologe - hat seit zehn Jahren kein Auto mehr, innerhalb Europas erledigt er alles mit der Bahn, er kommt auf 100 000 Kilometer im Jahr: Vorträge, Konferenzen, zivilgesellschaftliches Engagement. Gerade ist er im ICE unterwegs, spricht mit seinem Freund, dem Dalai Lama, über ein neues Buchprojekt. Er nimmt sich gern Zeit für die finale Abstimmung des Tagesspiegel-Interviews. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft der Zivilisation. 
Herr Alt, Sie haben als Kind dabei geholfen, den von Ihnen heute kritisierten fossilen Brennstoff zu den

Kohleöfen in Wohnungen zu schaffen - sozusagen eine Jugendsünde? 
Ich bin als Sohn eines Kohlenhändlers natürlich kein geborener Kohlefeind. In den 1950er Jahren habe ich mit meinem Vater den Leuten in meinem badischen Dorf Untergrombach Tausende Zentner Kohlen in die Keller getragen oder geschippt. Kohlen waren die Basis des deutschen Wirtschaftswunders. Danach ging es mit mir aufwärts. Ich bin heute für Zehntausende Solaranlagen auf Dächern in der ganzen Welt verantwortlich und setze im Alter von 80 Jahren auch als Theologe auf himmlische Energie. 

Würde Jesus heute bei "Fridays for Future" mitdemonstrieren? 
Jesus wäre ein großer Lobbyist. Das war er auch damals. Deshalb musste er ja beseitigt werden. Also der Harmlose, den Kirchen aus ihm gemacht haben, das liebe Jesulein an der Krippe oder so, das war er mit Sicherheit nicht. Wenn's ans Geld geht - er hat den Kapitalisten die Tische umgeschmissen -, hört immer jede Freundschaft auf. Heute würde Jesus kämpfen für die Umwelt, für eine gerechtere Welt. Er würde mit Sicherheit an erster Front in der Friedensbewegung stehen. Er würde mit dem Papst Klartext reden. Oder er würde vielleicht von einem Greenpeace-Schiff aus kämpfen. Er wäre auch heute ein großer Störenfried. 

Für Menschen wie Sie, die gläubig sind, steht Gottes Schöpfung durch die Erderhitzung vor dem Ruin, verursacht von nur wenigen Generationen seit der Industrialisierung. Die Jugend macht mit zivilem Ungehorsam darauf aufmerksam, indem sie freitags nicht zur Schule, sondern demonstrieren geht. Soll man Klimaschutz den erwachsenen Profis überlassen? 
Wir erleben ja gerade, was herauskommt, wenn wir das tun, nämlich: gar nichts. Wir haben derzeit eine höhere CO2-Belastung in der Atmosphäre als noch vor zehn Jahren. Die Kinder und Jugendlichen haben durchschaut, dass wir Erwachsenen uns in die Tasche lügen. Wie bei "Des Kaisers neue Kleider". Die Fliegerei und den Autowahn haben wir Alten vorgemacht. Die 16-jährige Greta fliegt nicht und hat ihre Eltern dazu gebracht, auch nicht mehr zu fliegen. Wer sagt, ich will eine bessere Zukunft für mein Kind, und ihm diese gleichzeitig verbaut, indem er die Erde mitaufheizt mit Benzin, Kohle, Gas und Öl, ist ein Heuchler. 

Der Klimawandel ist für den Menschen ein so unfassbar großes globales Phänomen, bei dem sich jeder Einzelne oft ohnmächtig und hilflos fühlt. Was kann man gegen diese Ohnmacht tun? 
Greta Thunberg hat es uns doch schon gezeigt. Aus der Aktion einer einzelnen Schülerin ist eine weltweite Bewegung geworden, die in Politik und Wirtschaft bereits viel angestoßen hat. Zum Glück stellen sich mehr als 23 000 Wissenschaftler, darunter 4200 Klimawissenschaftler, "Parents for Future"-Bewegungen, auch "Grandparents for Future"-Bewegungen hinter die jungen Demonstranten. Es gibt schon den Zusammenschluss "Together for Future", wir brauchen aber eine weltweite "Citizens for Future"-Bewegung. Denn wir alle sind Teil des Problems. Und wenn wir in Deutschland jetzt auf die anderen Länder zeigen, die sollen sich mal zuerst ändern, dann verweise ich etwa auf Asien: Wenn ich in Shenzhen bin, das ist das Silicon Valley in China mit 13 Millionen Einwohnern, sehe ich die mögliche Verkehrswende. Als ich zum ersten Mal da war, nach Maos Tod, lebten damals dort 14 000 Menschen. Und heute? Unglaublich, aber in Shenzhen fahren 16 500 Elektro-Omnibusse. Kein einziger Benziner. Ich habe mal in der Nähe von Frankfurt einen Vortrag gehalten. Dort sagte mir ein Stadtverordneter, man wolle auf Elektrobusse umstellen, fünf Stück. Können Sie sich das vorstellen? Er musste französische Modelle bestellen, weil keine deutsche Autofirma in der Lage war, fünf Elektrobusse zu liefern. 

In Deutschland ist schon einiges angestoßen: Es wird eine CO2-Steuer diskutiert und eine bessere Überwachung beim Export von Plastikmüll aus Deutschland, damit nicht Millionen Tonnen als todbringende Fracht ins Meer gespült werden. Das geht doch schon schnell voran? 
Wir haben zwar die Energiewende eingeleitet, aber es ist doch ein Irrsinn, dass bei uns in Deutschland eine Solarfirma nach der anderen pleitegeht. Und die Kohle weiter gefördert wird, die Kohlekraftwerke nicht noch schneller geschlossen werden. Es heißt immer, da geht es um Jobs. Viele Stellen in der Solarbranche gehen verloren, damit die Arbeitsplätze in der Kohle bleiben. Völlig absurd. An einem Tag verbrennen wir heute so viel Kohle, Gas und Öl, wie die Natur in einer Million Jahre angesammelt hat. Dabei sind alle technischen Voraussetzungen für eine rasche und hundertprozentige Energie- und Verkehrswende bereits vorhanden. Die für die Menschheit überlebensnotwendige Wende müssen wir bis 2035, spätestens 2040, schaffen, so wie "Fridays for Future" jetzt fordert. Alle Probleme, die Menschen geschaffen haben, sind auch von Menschen lösbar. Und die Lösung all dieser Krisen steht am Himmel. Aber leider stehen auch in Berlin die meisten Dächer noch immer völlig umsonst in der Gegend herum, ohne Solaranlagen. Obwohl auch in der Hauptstadt die Sonne auf jedes Dach scheint - kostenlos und umweltfreundlich. Stattdessen holen wir noch im Jahr 2019 Öl aus Arabien, Gas aus Sibirien und Kohle aus Australien für viel Geld nach Berlin und Deutschland. 

Machen wir uns nicht auch bei der Weltrettung was vor?
Die E-Autos fressen in Herstellung und Unterhalt viel Strom, für die Herstellung braucht man jede Menge seltener Bodenschätze und die Akkuentsorgung ist noch ungeklärt. 
In fünf Jahren müssen die Hälfte aller gekauften Fahrzeuge Elektroautos sein, denn das ist der erste wichtige Schritt und unterm Strich immer noch besser als mit Benzin oder Diesel betriebene Wagen. Und es wird weitere Entwicklungen geben: Vor 25 Jahren konnten wir eine Solaranlage nicht ein einziges Mal recyceln, heute sind wir bei fünfmal und bald werden nur noch Rohstoffe eingesetzt, die wir immer wieder recyceln können. Zu den Rohstoffen bei neuen Technologien gibt es längst weitere Alternativen. Die Natur war nicht blöd und der liebe Gott nicht doof. Das Schöne an erneuerbaren Energien: Die Sonne schickt etwa 15 000-mal so viel Energie auf die Erde, wie heute alle Menschen verbrauchen. Das macht sie für alle Zeit, umweltfreundlich und kostenlos. In 70 Ländern ist heute Solar- und Windstrom bereits die preiswerteste Energiequelle. Im Bereich des erneuerbaren Stroms hat Deutschland ja bereits bewiesen, dass der schnelle und komplette Umstieg auf Solarstrom möglich ist. Wir hatten im Jahr 2000 etwa fünf Prozent Ökostrom, in den ersten Monaten des Jahres 2019 sind wir bei 46 Prozent Ökostrom, doch der Wert sollte auf 70 steigen. Am 30. April 2017 deckte Deutschland 85 Prozent seines Strombedarfs aus regenerativen Energiequellen. Im Jahre 2050 können es 86 Prozent sein - und zwar ganzjährig und weltweit, das besagt eine Studie der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena), die unlängst in Berlin vorgelegt wurde. 

Welche Vorreiterrolle kommt Berlin zu? 
Deutschland hat mit seinen Technologie-Entwicklungen bei den Erneuerbaren eine große Verantwortung und zugleich riesige ökonomische Chancen. Ich durfte vor zwölf Jahren mithelfen, die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien zu gründen. Als wir damit anfingen, waren etwa 70 Länder bei der Gründungsversammlung in Bonn, heute sind dort über 160 Länder der Welt Mitglieder, und alle wollen die deutsche Energiewende übernehmen. 

Regionen wie Ostfriesland erzeugen heute schon mehr Solar- und Windstrom, als sie selbst verbrauchen. Doch bei der Wärme, beim Bau und bei der Mobilität sind wir leider erst am Anfang. Was fehlt: viel stärkerer Umstieg von herkömmlichen Heizungstechniken auf Geothermik. Bewussterer Umgang mit der Ernährung. Mehr Bio auf den Tisch, bezahlbar für alle. Mehr Holz beim Bau statt Beton und Stahl. Und: Nachhaltiger Solarstrom ist Sozialstrom. Wir können schon heute in Afrika oder in Chile Solarstrom für zwei Cent produzieren, unschlagbar preiswert. Mit dem größten Solarkraftwerk der Welt will Saudi-Arabien ab 2025 Solarstrom für einen Cent je Kilowattstunde herstellen. 

Schon in wenigen Jahrzehnten werden mehrere Millionen Klimaflüchtlinge erwartet, auf die derzeit kein Land im kühleren Norden oder Süden der Welt vorbereitet ist. Was muss geschehen? 
Der Weltklimarat sagt, wir haben alle nur noch wenige Jahre zum Umsteuern, sonst ist die Existenzgrundlage allen Lebens auf der Erde unwiederbringbar zerstört. Ich war schon als junger Journalist in Bangladesch, dort leben auf der Fläche von Bayern 168 Millionen Menschen. Der Wirtschaftsminister war gerade bei mir in Deutschland und hat mir gesagt: Wir sind das erste große Land, das schon heute am meisten unter dem Klimawandel leidet, den nicht wir verursacht haben. Vorgestern haben Polarforscher die Prognosen zum Meerespegel nach oben korrigiert, auf zunächst maximal 2,38 Meter bis zum Jahr 2100 - damit wäre Bangladesch weg. Indien hat aus Angst vor Klimaflüchtlingen das Land jetzt schon hoch ummauert. Allein auf dem afrikanischen Kontinent gibt es bereits 18 Millionen Klimaflüchtlinge. Meine Erfahrungen in armen Ländern wie Indien, Mali, Südafrika oder Somalia ist: Erneuerbare Energien wie Solarstrom sind die Basis für mehr Wohlstand und damit für die heimische Wirtschaft. So werden Fluchtursachen konkret und praktisch bekämpft. Erneuerbare Energien sind die preiswerteste und effektivste Entwicklungspolitik und die beste Garantie für weniger Menschen auf der "übervollen" Erde. Laut einer UN-Prognose werden allein auf dem afrikanischen Kontinent schon 2050 doppelt so viele Menschen wie heute leben. 

Barack Obama hat getwittert: "Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt - und wir sind die letzte Generation, die daran noch etwas ändern kann". Was raten Sie der jungen Generation? 
Nicht so zu leben wie viele der Alten: gegenwartsversessen und zukunftsvergessen. Die jungen Leute mögen bitte Berufe ergreifen, die die Revolution umsetzen. Auf dem Energie-, Mobilitäts-, Umwelt- und Klimasektor und in der ethischen Digitalisierung. Umweltschutz ist kompliziert: Man kann möglichst aufs Fliegen verzichten - dabei produziert das Internet mit seinen Servern bereits mehr CO2 als der gesamte Flugverkehr. Wissenschaftler müssen bei den neuen Medien noch an besserer Energieeffizienz arbeiten. Nun, ich bin ja auch nur ein Teilzeitheiliger. International muss ich leider fliegen. Wir sollten künftig nicht mehr mit Kerosin fliegen, sondern mit solar erzeugtem Wasserstoff, da weiterforschen. 

Verzicht auf Konsum tut weh und macht manchmal keinen Spaß, wie bekommt man alle ins Boot? 
Das Thema heißt nicht Verzicht oder Askese, sondern ein besseres Leben für alle. Verzicht ist immer auch Gewinn. Wenn ich mit der Bahn fahre, bin ich um den Faktor 100 sicherer. Wir haben nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit auf den Straßen 120 Millionen Menschen getötet! Zweimal Zweiter Weltkrieg. Wie intelligent ist das denn? Kein Auto mehr zu haben, ist doch kein Verzicht. Ich fahre 95 Prozent meiner Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei spare ich Zeit, die ich nutzen kann, um Artikel zu schreiben, Interviews zu geben oder Bücher zu skizzieren. Oder: Weil ich in den letzten Jahrzehnten kaum noch Fleisch esse, bin ich heute mit 80 gesünder, als ich es mit 65 war. Wir produzieren auf unserem Hausdach seit 26 Jahren Strom und Wärme über die Sonne. Dadurch haben wir auch viel Geld gespart. Wir müssen lediglich längerfristig denken, planen und wirtschaften. 

Ist die bevorstehende Europawahl auch eine Klimawahl? 
Wir müssen die Gnadenfrist zur Weltrettung, die wir noch haben, also die nächsten 15 bis 20 Jahre, nutzen, wenn wir als Menschheit überleben wollen. Das ist keine Glaubensfrage, wie uns Herr Trump oder die deutsche AfD weismachen wollen, das ist schlicht Physik und Stand der Wissenschaft. Mit meinem Freund, dem Dalai Lama, schreibe ich gerade ein Buch über ökologische Ethik. Er sagt darin: "Buddha war natürlich ein Grüner. Und wenn ich heute in Europa leben würde, würde auch ich die Grünen wählen". Ich selbst war 26 Jahre CDU-Mitglied, bis ich 1988, zwei Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe, austrat, da meine Partei daraus keine Konsequenzen gezogen hat. Heute bin ich parteilos, aber überzeugt: Wir müssen aus der menschengemachten Klimaerhitzung endlich Konsequenzen ziehen - bis in die Wahlkabine hinein. 

Warum gibt es zwar eine Facebook-Seite "Journalists for Future" - aber noch keine entsprechende Bewegung? 
Nun, wir Journalisten sind eine seltsame Spezies. Wir arbeiten meist nach dem uralten Motto "Only bad news are good news". Je schlechter, je gewaltträchtiger und je spektakulärer die Nachricht, desto höher die Auflage, die Einschalt- oder Klickquote. Nicht wir Journalisten haben die Schüler aufgeweckt, sie sind dabei, uns aufzuwecken. Hoffentlich wacht auch die Politik auf. 
Wenn es um die Überlebensfrage der Menschheit geht, gibt es keine journalistische Neutralität. Die Gründung einer "Journalists for Future"-Bewegung gehört zu unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Dabei geht es nicht um Parteinahme, sondern um unseren eigentlichen Job - um ganzheitliche Aufklärung. Meine eigene Erfahrung nach 50 Jahren politischem Journalismus: Auch good news sind good news. 

Das Gespräch führte Annette Kögel. Dank an den Patmos-Verlag und die Website www.sonnenseite.com für Vorlagen. 

Vorm Verhungern. Eisbären können Robben nur jagen, wenn diese durch Löcher im Eis zum Atmen nach oben kommen. Ohne Eis wird die Art aussterben. Laut einer UN-Studie ist die Arktis schon ab 2030 im Sommer eisfrei. Gerade haben Polarforscher gewarnt, in nur 80 Jahren könnte der Meeresspiegel sogar um knapp 2,38 Meter steigen - das wäre mehr als doppelt so viel, wie der Weltklimarat IPCC 2013 prognostizierte. 1,79 Millionen Quadratkilometer Land könnten verloren gehen, bis zu 187 Millionen Menschen vertrieben werden. 

Tagesspiegel
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Der Mann, der kein guter Onkel sein will

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24. May. 2019

Russland reagiert genervt auf die Ibiza-Affäre um die Führungsspitze der FPÖ: Der Kreml distanziert sich, der vermeintlich beteiligte Oligarch Igor Makarow prüft nun, wer seinen Namen für die Inszenierung missbraucht hat.

Eine „ideale Provokation“ nennt Konstantin Kossatschow, Chef des Außenausschusses im Föderationsrat und damit einer der Lautsprecher der russischen Außenpolitik, die Ibiza-Affäre, über die Österreichs Vizekanzler Karl-Heinz Strache stolperte. In Moskau ist man wenig erfreut über den Skandal, von dem der Kreml eilig versicherte, „gar nichts damit zu tun zu haben“. 
Für Kossatschow handelt es sich um eine zielgerichtete Attacke auf die von Moskau unterstützte europäische Rechte, um diese zu diskreditieren. Dass dabei die „russische Spur“ eingesetzt werde, sei nur folgerichtig, denn „das Gejammer ‚Die Russen kommen‘ hat sich tief ins Bewusstsein der Bürger eingeprägt“, klagte er. 

Für einen Mann ist die Affäre noch unangenehmer als für die Kremlspitze: Igor Makarow. In den westlichen Medien tauchte bislang eher der Eishockey spielende Namensvetter des 57-jährigen Geschäftsmanns auf. Doch nachdem sich in dem Strache-Video der Lockvogel als Aljona Makarowa und angebliche Nichte des Milliardärs vorstellte, stand er plötzlich selbst in den Schlagzeilen, die er lieber vermieden hätte. 

„Es ist weit bekannt, dass ich ein Einzelkind in der Familie war und dementsprechend keine Nichten haben kann“, dementierte Makarow jede Beziehung zu dem Skandal. Er kenne die Frau nicht und habe seine Mitarbeiter bereits darauf angesetzt herauszufinden, wer hinter der „Desinformationskampagne“ stehe. Er werde alle juristischen Schritte unternehmen, um zu prüfen, wer seinen guten Namen illegal missbraucht habe, kündigte er an. 

Tatsächlich wuchs Makarow in der heute turkmenischen Hauptstadt Aşgabad ohne Vater und Geschwister auf. „Meiner Mutter gehört mein Leben, ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe, und ich schäme mich nicht vor ihr“, sagte er einmal. Tatsächlich hat der zweifache Familienvater eine illustre Karriere hingelegt. Als Kind träumte er davon, professioneller Radfahrer zu werden, und schaffte es sogar in die Nationalmannschaft. Doch für das Olympiateam reichte es am Ende nicht, und so stieg er 1987 vom Sattel und aus dem Profisport aus. 

Mit dem Verkauf von zwei Rädern kaufte er sich einen Lada und zog nach Kasan zu seiner Frau, wo er sich zunächst als Souvenirhändler und später in der zu Perestroika-Zeiten verbreiteten Herstellung von Jeans versuchte. 

Für die Karriere Makarows sollten allerdings seine weiterhin bestehenden Verbindungen nach Aşgabad entscheidend sein: Makarow ging bei Turkmenistans Diktator Saparmurat Nijasow – auch Trkmenbaşi genannt – ein und aus und lernte so auch den damaligen Gazprom-Chef Rem Wjachirew und den späteren Chef des ukrainischen Gasmonopolisten Naftogas Igor Bakaj kennen. Und so sattelte Makarow vom Souvenir- und Jeans- auf den Gashandel um. 

Nummer zwei im Gassektor 
Als Zwischenhändler verdiente er mit seinem Konzern Itera prächtig an den Gaslieferungen aus Turkmenistan über die Gazprom-Pipeline in die Ukraine. Zugleich konnte sich Itera dank Gazprom mehrere Lagerstätten sichern und stieg so zum zweitgrößten Gaskonzerns Russlands hinter dem Monopolisten auf. 
Die Präferenzen hörten jäh auf, nachdem der Kreml eine neue Führung bei Gazprom eingesetzt hatte. 2012/13 verkaufte Makarow schließlich Itera an Rosneft. Immerhin 1,8 Milliarden Dollar konnte er für seine Anteile kassieren. Mit einem geschätzten Vermögen von derzeit 2,1 Milliarden Dollar liegt er auf Rang 48 der russischen Dollarmilliardäre. 

Sein Gasgeschäft betreibt er unter dem Namen Ateri – ein Palindrom zu Itera – weiter. Doch inzwischen widmet er sich wieder mehr seiner eigentlichen Leidenschaft; dem Radrennen. 2010 wurde er Präsident des russischen Radsportverbands, seit 2016 ist er Ehrenpräsident. Im Westen wurde er als Gründer und Sponsor des Radteams Katusha (gesprochen: Katjuscha) bekannt, das inzwischen Katusha Alpecin heißt und in der Schweiz registriert ist. Das Team feierte eine Reihe von Erfolgen auf der Tour, hatte aber auch immer wieder mit Dopingskandalen zu kämpfen. 

Neben dem Rad hat Makarow inzwischen aber auch andere „Spielzeuge“. So nennt der Milliardär drei Privatflugzeuge und eine 85 Meter lange Luxusyacht namens Areti sein Eigentum. Die 125 Millionen Dollar teure Yacht war allerdings zum Zeitpunkt des Strache-Videos gerade erst aus der Werft gekommen und auf Testfahrten unterwegs. Auch über eine Villa Makarows auf Ibiza ist nichts bekannt. Dass Nichte und Immobilie auf dem Skandalvideo nicht zu Makarow gehören, ist eigentlich eh klar. Trotzdem will der Oligarch gegen die Organisatoren der Inszenierung vorgehen. 

Der Standard
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Ladenetz für E-Autos wird verdichtet

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24. May. 2019

Österreichs Ladenetz für Elektroautos wird verdichtet.

Die elf Partnerunternehmen des Bundesverbandes für Elektromobilität (BEÖ), darunter die Energie AG und die Linz AG sowie der E-Mobilitätsdienstleister Smatrics vernetzen ihre Ladenetze. Mit nur einer Ladekarte können E-Autofahrer künftig an 3500 Ladepunkten zwischen dem Neusiedler- und dem Bodensee tanken. „Wir sorgen mit unserem Stromnetz dafür, dass Elektro-Mobilität in Oberösterreich möglich wird und unsere Kunden die besten Rahmenbedingungen dafür vorfinden,“ erklärt Werner Steinecker, Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich. Ziel der Vernetzung ist es, den Umstieg auf E-Autos möglichst einfach zu machen. 
 

Oberösterreichisches Volksblatt
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Populisten gefährden Klimawende

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Wien, 24. May. 2019

Mehr Ambition in der österreichischen sowie EU-weiten Klimapolitik wird gefordert.

Die Grenzen des Wachstums" hieß eine Studie der gemeinnützigen Organisation Club of Rome im Jahr 1972. Die Mahnung war ein wesentlicher Impuls für die Nachhaltigkeitsdebatte-die durch die Pariser Klimaziele weiterhin Aktualität hat. Weil die Zeit zur Erreichung des 1,5-Grad-Klimaziels drängt, sieht der österreichische Club of Rome gemeinsam mit Wissenschaftern und Organisationen der Zivilgesellschaft die "Grenzen der Geduld" erreicht. Klimaschäden in den Alpen werden sichtbarer, eine Ökologisierung des Steuersystems in Österreich wurde verschoben und der Preis für eine Tonne CO 2-Ausstoß im europäischen Emissionshandel sei zu niedrig.

Umso wichtiger sei es, welche Politiker nach der EU-Wahl am Sonntag im Parlament und in der Kommission vertreten sind, sagt Hannes Swoboda, früherer SPÖ-EU-Parlamentarier und Präsident des Austrian Chapter des Club ob Rome. Kommissar für Umwelt müsse jemand sein, "der sich klar für Klimapolitik ausspricht".Vor Populisten und Klimawandel-Leugnern im EU-Parlament warnt auch der Wirtschaftsforscher und Leiter der Querdenker-Plattform Wien-Europa Karl Aiginger. Dass Klimaschutz auch gut für die Wirtschaft sei, da sich etwa die notwendige Gebäudesanierung positiv auf die Beschäftigung auswirke, betont Nachhaltigkeits-Forscher Friedrich Hinterberger.

Durch die Proteste vieler Schüler gegen den Klimawandel sieht der Club of Rome einen positiven Druck, der aufgebaut wird. Extinction-Rebellion-Aktivistin Donna Engel wird an der Demo teilnehmen, denn: "Wir wollen die breite Masse über den Notstand informieren."

Tiroler Tageszeitung
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Beim Energiegesetz läuft die Zeit davon

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22. May. 2019

Bis 2020, so der ursprüngliche Plan, sollte das veraltete Ökostromgesetz durch ein neues, mit aktuellen EU-Vorgaben konformes Erneuerbares Ausbau Gesetz (EAG) ersetzt werden. Energieverbände, die seit Monaten auf die neue gesetzliche Regelung warten, befürchten nun eine Verzögerung von bis zu einem Jahr. Ebenfalls problematisch: Bis Jahresende muss Österreich in Brüssel seinen Klima- und Energieplan vorlegen, der die Klimapolitik bis 2030 skizziert. Bislang liegt das Papier nur als rudimentärer Entwurf vor. 
 

Kleine Zeitung
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Eon rüstet Netz für E-Autos auf

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DÜSSELDORF, 22. May. 2019

Investitionen von 2,5 Milliarden Euro bis 2045 nötig 

Der Essener Energiekonzern Eon will sein Stromnetz so ausbauen, dass es einer kompletten Umstellung des Autoverkehrs auf die Elektromobilität gewachsen ist. Bis zum Jahr 2045 sind dafür zusätzliche Investitionen von 2,5 Milliarden Euro erforderlich, wie eine gemeinsam mit dem Energieberater Consentec erstellte Studie ergeben hat. Die Mittel sollen zu zwei Dritteln in punktuelle Baumaßnahmen wie die Erneuerung von Ortsnetzstationen fließen. Ein Drittel werde für die Errichtung neuer Leitungen benötigt. Derzeit investiert Eon jährlich rund 1 Milliarde Euro in die deutschen Netze. 
Davon entfällt rund ein Viertel auf den Netzanschluss erneuerbarer Energien. 

Der zusätzliche Investitionsbedarf von 2,5 Milliarden Euro ergibt sich unter der Annahme, dass bis 2045 sämtliche Fahrzeuge im Eon-Netzgebiet mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet sind und sich der Strombedarf entsprechend erhöht. Momentan sind 6,5 Millionen konventionell betriebene Fahrzeuge in den Netzgebieten unterwegs. Im Durchschnitt lägen die Investitionen bei diesem Szenario bei knapp 400 Euro je Fahrzeug. Dieser Betrag könne unter Umständen durch digitale Angebote und Kundenanreize noch halbiert werden, heißt es. Möglich werde dies durch eine intelligente Steuerung des Ladens, indem beispielsweise Ladevorgänge aus den stark frequentierten Abendstunden in die Nacht verschoben werden, in der das Netz nur schwach ausgelastet ist. 

Bei der Vorstellung der Studie in Berlin trat der für das Netzgeschäft verantwortliche Eon-Vorstand Thomas König Befürchtungen entgegen, die Stromnetze könnten unter der Last von Millionen E-Autos zusammenbrechen. Mit dem Ausbau werde der Konzern dafür sorgen, dass die Netze für die Elektromobilität gewappnet seien. Mit dem bestehenden Netz könnte seiner Einschätzung zufolge der Strombedarf der E-Autos innerhalb der kommenden zehn Jahre gedeckt werden. Zum Jahresbeginn waren 83 200 Elektroautos in Deutschland zugelassen, 29 000 mehr als im Vorjahr. 
 

Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Fahrplan in die Energiezukunft

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22. May. 2019

NÖ stellt heute künftige Strategie vor: Zwei Schwerpunkte sind Wärme und Verkehr

Seit 2015 deckt Niederösterreich seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien. Ein Umstand, der dem Land bereits des Öfteren europäisches Lob einbrachte. Die hinter dem Erfolg stehende Strategie stammt aus dem Jahr 2010 und soll nun adaptiert werden. In den Klima- und Energiefahrplan wurden Anregungen junger Niederösterreicher aufgenommen. 
Die großen Hebel, die NÖ bewegt, sind die Wärmeproduktion und der Verkehr. Bereits seit Jänner dürfen keine Ölkessel mehr in Neubauten verwendet werden. Die Maßnahme hat bereits Wirkung gezeigt. Laut dem Verband der österreichischen Pelletbranche war rund um das Inkrafttreten der Verordnung ein 90-prozentiger Anstieg im Verkauf von Pelletsheizungen zu beobachten. 
Die weitere Strategie des Landes sieht die Vorbereitung eines kompletten Öl-Ausstiegs bis 2050 vor. 
Mobilität Elektromobilität bleibt weiter Schwerpunkt. Aktuell sind in NÖ 6.100 Stromautos zugelassen - österreichweit sind es etwa 27.000. Zuletzt wurde die Anschaffung von mehr als 200 Elektrofahrzeugen für Gemeinden, Landesdienst und Landesgesellschaften ausgeschrieben. 

Der weitere Ausbau von erneuerbaren Energien soll im Land "behutsam" erfolgen, ist zu erfahren. 
Ziel der Maßnahmen bleibe, den Klimawandel zurückzudrängen. Dabei sollen auch Ideen der jungen Generation helfen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hatte kürzlich zur ersten Jugendklimakonferenz geladen. In Workshops wurden Vorschläge zum Energiesparen, zur Mülltrennung und -vermeidung und zum umweltbewussten Einkaufen erarbeitet, ebenso wie zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Mikl-Leitner kündigte bereits bei der Konferenz an, die Anregungen in die Landesplanungen einfließen lassen zu wollen. 
Laut jüngsten Umfragedaten sagen 70 Prozent der Niederösterreicher, dass viel für den Ausbau der erneuerbaren Energien getan wird. Tatsächlich waren die vergangenen Jahre von großen Investitionen geprägt. Seit 2010 lag die Wertschöpfung in Niederösterreich bei rund zwei Milliarden Euro. "Wir haben dadurch knapp 40.000 Green Jobs im Land geschaffen und gesichert", bilanziert der zuständige LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. 

Er nennt als Beispiel die Photovoltaikanlagen, die mehr als 85.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen. Pernkopf: "Die Hälfte der Installationskosten kommen der heimischen Wirtschaft zugute. Und die Installations- und Elektrobetriebe beschäftigen sich mit dem Thema der erneuerbaren Energien." 
Gemeinsam mit Gemeinden, Wirtschaft und Privaten soll die Leistung der Photovoltaikanlagen - und damit ihr Anteil an der Gesamtproduktion von Ökostrom - kontinuierlich gesteigert werden. 
Energiemix Fünf Groß- und 541 Kleinwasserkraftwerke bilden die komfortable Basis für Niederösterreichs Ökostrom-Bilanz. Sie liefern 61 Prozent des Bedarfs. Weitere 28 Prozent steuern 730 Windkraftanlagen bei. Acht Prozent decken die zuletzt bundespolitisch heiß umkämpften Biomassewerke ab. Und die 37.500 Photovoltaikanlagen besorgen die restlichen drei Prozent. 
Zur Einordnung der blau-gelben 100 Prozent: Europaweit liegt der Anteil an Ökostrom bei 33 Prozent, ähnlich ist der Wert in Deutschland. Und in Gesamt-Österreich sind es 75 Prozent, 100 Prozent will man bis 2030 erreichen. 

Der künftige "Klima- und Energiefahrplan" sieht einen behutsamen Ausbau der erneuerbaren Energie vor und die Vorbereitung eines kompletten Öl-Ausstiegs im Jahr 2050 ;
 

Kurier, von Matthias Hofer
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Sturmtief

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22. May. 2019

Der Widerstand gegen Windräder wird immer größer. Das gefährdet die Energiewende 

Die Wieskirche in Oberbayern ist ein Rokoko-Idyll, aber für 80 Bauern wurde sie zum Verhängnis. Elf Kilometer von der Kirche entfernt hatten sie drei Windräder bauen wollen; Platz war da, die Gemeinden waren einverstanden. "Dann kam die Unesco", sagt Robert Sing, dessen Ingenieurbüro den Windpark geplant hatte. Die Regierung von Oberbayern hatte sie auf den Plan gerufen, denn die Wieskirche gilt als Weltkulturerbe. Gutachten um Gutachten reichten die Landwirte nach, das Projekt wurde immer teurer. Am Ende scheiterte es. Zurück bleiben Bürger und Bauern, die in die Energiewende investieren wollten, aber alles verloren. 

So läuft es derzeit überall im Land: Flächen für neue Windparks werden knapp, und wo es Flächen gibt, ziehen sich die Genehmigungsverfahren in die Länge, immer neue Hürden tauchen auf. "Das raucht gerade richtig ab", sagt Jürgen Quentin, der für die Fachagentur Windenergie an Land die Ausbauzahlen in Deutschland erhebt. So wurden in den ersten Quartalen der Jahre 2016, 2017 und 2018 jeweils mehr als 300 Windräder in Betrieb genommen, immer kamen so etwa 1000 Megawatt neue Leistung dazu. Im ersten Quartal 2019 gab es 41 neue Windräder, mit zusammen gut 130 Megawatt Leistung. "Das mit Abstand ausbauschwächste Quartal in diesem Jahrtausend", befand die Fachagentur. In Ländern wie Bayern, Hessen, Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen oder dem Saarland kam kein einziges Windrad hinzu. Schleswig-Holstein verlängerte just am Freitag seinen Ausbaustopp bis 2020. Die Energiewende gerät ins Stocken. 

Das spiegelt sich auch in den jüngsten Ausschreibungsrunden. Seit 2017 erhalten Windräder keine gesetzlich fixierte Vergütung mehr für jede Kilowattstunde Strom. Sie müssen sich an Ausschreibungen beteiligen, in denen die günstigsten Windparks zum Zuge kommen. Den Zuschlag erhält, wer mit der geringsten Förderung auskommt. So die Theorie. Doch als die Bundesnetzagentur jüngst die Förderung für 650 Megawatt neue Windenergie ausschrieb, fanden sich nur 41 Bewerber - für eine Gesamtleistung von 295 Megawatt. Die Ausschreibung war um 55 Prozent unterzeichnet. "Das Wettbewerbsniveau", stellte die Bundesnetzagentur ernüchtert fest, erreiche "eine neue besorgniserregende Dimension". Schon vorherige Runden waren unterzeichnet. 

Das liegt auch an Fehlern in der Vergangenheit. 2017 etwa sollte eine Sonderregel sogenannte Bürger-Windparks begünstigen - diese konnten sich an den Ausschreibungen beteiligen, ohne eine Genehmigung vorzuweisen. 90 Prozent aller Zuschläge gingen an solche Projekte, aber hinter denen standen in den meisten Fällen nicht Bürger, sondern gewitzte Projektfirmen. Nur ein Bruchteil davon ist bis heute genehmigt, geschweige denn gebaut. Die Projekte, so teilt etwa die sächsische Uka-Gruppe mit, "befinden sich aktuell noch in der Entwicklung". Man sei "weiterhin optimistisch", sie auch zu realisieren. Alles sei komplizierter geworden. 

Dabei soll der Ausbau der erneuerbaren Energien die Lücke füllen, die durch den Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom entsteht. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil von derzeit knapp 40 Prozent auf 65 Prozent anwachsen. Ohne zusätzliche neue Windparks wird das nicht gehen. "Unsere Befürchtung ist, dass wir in ein paar Jahren statt Zubau einen Rückgang erleben", heißt es beim Regensburger Projektierer Ostwind. Denn in den nächsten Jahren fallen zunehmend Windräder der ersten Generationen aus der Förderung - jene, die älter als 20 Jahre sind. Einige davon können auch ohne Förderung weiterlaufen, weil sie über Direktverträge Firmen aus der Nachbarschaft mit Strom beliefern. Andere fallen heraus, und der Ersatz wird zunehmend schwierig. 

Das liegt auch daran, dass immer mehr Projekte vor Gericht landen: Gegner der Windenergie haben mittlerweile Erfahrung gesammelt, wie sich neue Windräder vereiteln lassen. Die Fachagentur Windenergie zählt derzeit mindestens 200 Anlagen, die beklagt werden. Die Klagen richten sich dabei regelmäßig gegen behördliche Entscheidungen. "Dadurch wächst die Zurückhaltung bei den Behörden", heißt es beim Branchenverband BWE. "Mit dem Ergebnis, dass alles doppelt und dreifach geprüft wird." Tatsächlich gibt es mittlerweile Fälle wie jenen in Hessen, bei dem für einen kleinen Windpark mehr als 20 Gutachten nötig waren, vom Artenschutz bis zur Denkmalpflege. 

"Die Leute vor Ort müssen besser mitgenommen werden", sagt Hartmut Brösamle, Vorstand beim Bremer Projektentwickler WPD. Nötig sei etwa eine neue Kommunalabgabe, erhoben bei Windparks. "Die Kommunen müssen etwas davon haben, wenn ein Windpark in ihrer Nähe entsteht", sagt Brösamle. Auch beim Naturschutz fordert er Änderungen. Da betreibe Deutschland, anders als viele EU-Länder, eher Individuen- als Artenschutz. "Wir müssen uns entscheiden - wollen wir Klimaschutz oder den Schutz jedes einzelnen Greifvogels", sagt Brösamle. WPD ist mittlerweile im Ausland aktiver als im Inland: in Chile etwa, in Finnland, Schweden, Spanien. So habe sich das Loch füllen lassen. 
Windparks mit insgesamt 11000 Megawatt Leistung sind in der Genehmigungspipeline. "So viel wie noch nie", heißt es beim Branchenverband BWE. 

Auch Ingenieur Sing will sich durch das Wieskirchen-Fiasko nicht entmutigen lassen. "Wir kämpfen weiter", sagt er. 
MICHAEL BAUCHMÜLLER 

Süddeutsche Zeitung
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Was passiert, wenn’s plötzlich finster wird

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22. May. 2019

Das Thema Blackout ist mittlerweile in aller Munde.

Die Gefahr eines längerfristigen Stromausfalls sorgt für ein ungutes Gefühl bei vielen Menschen. Gerade in Bad Eisenkappel mussten viele Haushalte aufgrund der verheerenden Sturmschäden in jüngster Vergangenheit tagelang ohne Strom auskommen. „Während Sturm Yves haben wir in unserer Einsatzzentrale, im Rüsthaus der Feuerwehr Miklauzhof, selbst keinen Strom gehabt. Es müssen viel mehr Feuerwehren im Bezirk mit Notstromaggregaten ausgerüstet werden“, appelliert Bezirksfeuerwehrkommandant Helmut Blažej an die Gemeinden. 

DieFeuerwehren halten regelmäßig Übungen ab, um vorbereitet zu sein. Zuletzt gab es im November 2018 eine mehrtägige Katastrophenschutzübung, an der vier Kärntner Bezirke teilnahmen und bei der ein Blackout in ganz Europa simuliert wurde. „Den meisten ist gar nicht bewusst, wie groß die Abhängigkeit von der Stromversorgung ist. Ohne Strom gehen die meisten Heizungen nicht, auch die öffentliche Wasserversorgung und -entsorgung kann ausfallen. Bauern können ihre Kühe nicht melken und Beatmungsgeräte nicht betrieben werden. Das haben wir alles bereits in Bad Eisenkappel erlebt“, sagt Blažej. Er rät, dass die Menschen ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio zu Hause haben. „Bei einem Stromausfall, der über Tage dauert, ist das die einzige Möglichkeit, um Nachrichten zu hören“, sagt Blažej. 

Außerdem sollte man Lebensmittel auf Vorrat haben und sich die Heizung anschauen. Funktioniert diese auch ohne Strom? „Ein Gaskocher ist eine Überlegung, denn so kann zumindest eine warme Mahlzeit gekocht werden“, fährt er fort. Auch der Zivilschutzverband rät, vorbereitet zu sein. 
Die Bad Eisenkappler haben mittlerweile einen Verein gegründet, durch den gemeinschaftlich Notstromaggregate angekauft werden können. Gerade erst fand auf Einladung der Gemeinde eine Info-Veranstaltung statt, bei der es um die Stromabsicherung im Falle eines Krisenfalles ging. 
Christian Garz, technischer Leiter der Kärnten Solar, stellte die Möglichkeit zur Errichtung einer Photovoltaik-Komplettanlage mit Batteriespeicher und Notstromfähigkeit vor. Bei intensiver Sonnenstrahlung versorgt im Normalfall der Wechselrichter den Haushalt direkt mit Strom. 
Die überschüssige Energie wird an den Batteriespeicher weitergegeben und bei vollgeladener Batterie speist der Wechselrichter den nicht benötigten Strom in das Netz. Im Falle eines Netzausfalls schaltet der Wechselrichter auf Notstromversorgung und arbeitet im Inselbetrieb. 

Einewichtige Aufgabe bei einem Blackout stellt außerdem die Sicherung der Infrastruktur dar. Es gibt im Bezirk Völkermarkt notstromversorgte Tankstellen sowie einen Plan des Bezirkskrisenstabes, in welcher Reihenfolge Fahrzeuge betankt werden (immer zuerst Einsatzfahrzeuge). In Völkermarkt verfügt die Feuerwehr über ein starkes Notstromaggregat, um dieses betreiben zu können, sind 1000 Liter Diesel eingelagert. „Auch im Bauhof haben wir Notstromaggregate und Dieselvorräte, falls es zu einem Stromausfall kommt“, sagt Bürgermeister Valentin Blaschitz. 

Das Umspannwerk in Obersielach ist für einen Blackout vorbereitet: „Vor einem echten Blackout gibt es umfassende, automatische Schutzmechanismen, die in Sekunden wirken. Alle Anlagen reagieren automatisch, Kraftwerke oder Verbraucher wie Industrieanlagen könnten bei größeren Frequenzstörungen bis zur Stabilisierung vom Netz genommen werden. Das österreichische Stromnetz ist mit einer Verfügbarkeit von 99,99 Prozent eines der sichersten der Welt. Trotzdem ist Österreich eines der wenigen Länder, die praktische Übungen durchführen“, sagt Kurt Misak, Sachgebietsleiter Versorgungssicherheit bei APG. 

Was tun, wenn für mehr als 24 Stunden großflächig der Strom ausfällt? Der Zivilschutzverband rät, stets vorbereitet zu sein. Viele Bad Eisenkappler kennen die Situation bereits. 

Kleine Zeitung
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Wien Energie zahlte für Vergleich 680.000 Euro

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Wien, 22. May. 2019

Ein Unternehmer ging mit seiner Firma pleite, als er Aufträge der Fernwärme Wien verlor. Sieben Jahre brauchte es bis zu einer Einigung. 

Nach mehr als sieben Jahren hat der Unternehmer Peter Peninger aus dem Burgenland die Aussicht, dass er demnächst nach dem Konkurs seines Unternehmens wieder beruflich tätig sein kann. Nachdem der Masseverwalter einen Vergleich mit dem städtischen Versorger Wien Energie erzielte, steht das Insolvenzverfahren vor dem Abschluss. Peninger hatte, wie mehrfach berichtet, vielfach Preisabsprachen bei öffentlichen Fernwärmeprojekten angeprangert und sich geweigert, bei unsauberen Praktiken mitzumachen. Wirtschaftlich wurde er dadurch ruiniert, doch mit seinem Gerechtigkeitssinn hat der heute 58-Jährige auch zu strafrechtlichen Ermittlungen beigetragen. Einige Anklagen waren die Folge. 
Masseverwalter in dem Konkursverfahren ist der Anwalt Michael Lentsch aus Wiener Neustadt. Er sagt über den früheren Eigentümer und Geschäftsführer des Rohrleitungsbauunternehmens, Peter Peninger: „Es ist ihm einiges passiert, was nicht in Ordnung war.“ Dadurch, dass die Fernwärme Wien von bereits erteilten Aufträgen zurücktrat und die Zahlungen eingestellt wurden, ging Peningers Unternehmen Anfang 2012 das Geld aus und er musste für sein Unternehmen Konkurs anmelden. „Wir haben dann Rechnungen erstellt und eingeklagt“, erklärte der Masseverwalter. Für die Peter Peninger Pipelines forderte er schließlich mehr als fünf Millionen Euro an ausständigen Honoraren für begonnene Bauaufträge von der städtischen Fernwärme Wien, die heute zur Wien Energie gehört. 

Das städtische Unternehmen brachte von den Klagsforderungen noch große Summen wegen angeblich mangelhafter Leistungserbringung in Abzug. Man war nur bereit, gut 1,5 Millionen Euro an den Masseverwalter zu zahlen, wie aus einem Bericht des Masseverwalters hervorgeht. 

Das Verfahren wurde inzwischen nach mehr als viereinhalb Jahren mit einem Vergleich beendet. Die Wien Energie zahlte brutto 680.000 Euro, wie das Unternehmen bestätigt. „Es ist richtig, dass es zwischen Wien Energie GmbH und dem Masseverwalter der Peter Peninger Pipelines GmbH vor dem Handelsgericht Wien zu einem gerichtlichen Vergleich gekommen ist. Die Beilegung erfolgte nach Chancen-Risiken-Abwägung und war zweckmäßig“, ließ Boris Kaspar, Sprecher der Wien Energie, auf Anfrage schriftlich wissen. 
Lentsch betonte, die Prozesse seien sehr kompliziert und aufwendig gewesen. Anfechtungsprozesse im Bauwesen seien schon komplex, im Tiefbau noch mehr und „ein Tiefbauprozess im Nachhinein ist der doppelte Wahnsinn“, sagte Lentsch. Letztlich hätten die enormen Verfahrenskosten von bereits 800.000 Euro plus fast 200.000 Euro für ein Sachverständigengutachten zum Entschluss geführt, dass ein Weiterprozessieren nicht sinnvoll sei. Eine Quote für die Gläubiger werde es nicht geben. Ein Teil des Vergleichserlöses steht der Sparkasse Wiener Neustadt zu, die den Schadenersatzprozess durch eine Vorfinanzierung überhaupt erst ermöglicht hat. 

Peter Peninger ist mit der Vergleichshöhe dennoch nicht zufrieden. Peninger tue sich schwer, das zu verstehen, sagte Lentsch, aber die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens sei eine andere Ebene, als Vorwürfen wegen angeblicher Preisabsprachen nachzugehen. 

Salzburger Nachrichten, von GERALD STOIBER
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Ölkessel und Kohleheizungen werden in NÖ komplett verboten

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22. May. 2019

Schrittweises Ende der fossilen Brennstoffe bis 2040. 

Windkraft soll verdoppelt werden. Seit 2015 deckt Niederösterreich seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien. Die dahinter stehende Strategie stammt aus dem Jahr 2010 und wurde nun adaptiert. 

Bereits seit Jänner dürfen in Neubauten keine Ölkessel mehr verwendet werden. Jetzt verschärft Niederösterreich das Öl-Verbot. Spätestens ab 2025 soll auch in bereits bestehenden Gebäuden der Tausch auf neue Ölkessel nicht mehr möglich sein. Und ab 2040 wird die Nutzung von festen und flüssigen fossilen Brennstoffen für Raumwärme gänzlich untersagt: Heizen mit Öl und Kohle ist dann verboten. 
Gleichzeitig soll auch Energie beim Wohnen eingespart werden. Ziel ist, den Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser bis 2030 um ein Fünftel zu senken. Sämtliche Gebäude im Land sollen saniert werden, um sie bis 2050 auf Niedrig-Energiestandard zu bringen. 

Erneuerbare Energie Die Menge an Ökostrom aus Windkraft will das Land verdoppeln, 7000 Gigawattstunden sollen Niederösterreichs Windräder bis 2030 liefern. Der zuständige LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betont aber: "Es wird deshalb nicht doppelt so viele Windräder geben. Wir wollen bestehende Anlagen modernisieren, damit sie mehr Leistung liefern. Die Anzahl der Windräder wird sich nur marginal erhöhen." 

Ebenfalls ausgebaut werden soll die Fotovoltaik. 
Die bestehende Gas-Infrastruktur bleibt. Allerdings soll Biogas statt Erdgas in den Leitungen fließen, dazu synthetisches Gas, das mittels Strom aus Überproduktion (Solar, Windkraft) hergestellt wird. 
Elektromobilität bleibt weiter Schwerpunkt. Im Jahr 2030 soll die Hälfte aller in NÖ neu zugelassenen Autos elektrisch angetrieben werden. Zeitgleich will man auch im öffentlichen Verkehr nur noch Busse mit alternativen Antrieben anschaffen und einsetzen. Für beide Ziele wird auch die Ladeinfrastruktur ausgebaut, etwa durch Laternenmasten mit inkludierten Ladestationen.
 
Ziel dieser und anderer Maßnahmen - der neue Energiefahrplan des Landes umfasst knapp 60 Seiten - ist laut Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner "den Energieverbrauch zu reduzieren, die erneuerbaren Energien auszubauen und langfristig den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu forcieren". 
Das soll auch den Arbeitsmarkt befeuern, so Mikl-Leitner: "Wir haben bisher knapp 40.000 Green Jobs im Land geschaffen und gesichert." Ziel sind weitere 10.000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2030. 
Ins neue nö. Energiekonzept sind auch Ergebnisse der von Mikl-Leitner initiierten Jugendklimakonferenz eingeflossen. Landesschulsprecher Lukas Klaczynski lobte die Veranstaltung. Sie sei Ausdruck dafür gewesen sei, dass die "Jugend ernst genommen" werde. 
 

Kurier, von Matthias Hofer
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Dänen verzögern Nord Stream 2

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BERLIN/MOSKAU, 22. May. 2019

Ende 2019 sollte die umstrittene russische Ostsee-Gasleitung eigentlich fertig sein. Doch der Termin ist wohl nicht mehr zu halten. 

Die Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 wird sich wohl deutlich verzögern. Das geht aus Unterlagen des Bau- und Betreiberkonsortiums Nord Stream 2 hervor. Darin heißt es erstmals: "Das Pipelinesystem soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 fertiggestellt und für den Gastransport bereit sein." Bisher hatte das Konsortium unter Führung des russischen Energiekonzerns Gasprom von einer Inbetriebnahme Ende 2019 gesprochen. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt. Damit würden russische Lieferungen durch die Ostsee auf 110 Milliarden Kubikmeter im Jahr verdoppelt. Die Ukraine befürchtet, dass der Transit zurückgeht und sie Geldeinbußen erleidet. 

Grund für die Verzögerung ist das Fehlen einer Genehmigung der dänischen Regierung, alle anderen Staaten - Russland, Finnland, Schweden und Deutschland - haben diese erteilt. Die Leitung ist laut Nord Stream 2 in weiten Teilen fertig. 

Offiziell hält das Konsortium weiter an dem Ziel einer Fertigstellung 2019 fest. In Dänemark lägen genehmigungsreife Anträge für zwei Routen auf dem Tisch, die komplette Verfahren durchlaufen hätten, sagt ein Sprecher auf Anfrage. "Deren Genehmigung lässt die Fertigstellung des Projekts bis Ende 2019 zu." Damit hängt es an der Frage, ob und wann Kopenhagen die Pläne genehmigt. Für Mitte Juni ist dort eine neue Anhörung angesetzt, nach der Parlamentswahl am 5. Juni. 

Nachdem bisher vor allem die EU-Kommission, Polen und die amerikanische Regierung gegen den Bau der Pipeline opponiert hatten, ist Dänemark in eine zentrale Rolle des Widerstands gegen das Projekt hineingewachsen. Mittlerweile hat die Regierung von den Betreibern eine dritte Routenplanung um die Insel Bornholm verlangt - was das Projekt bereits um Monate verzögert hat. Nord Stream 2 hatte die Unterlagen Mitte April eingereicht und zwei Tage später dagegen geklagt. Eine Entscheidung steht aus. Beim Bau der ersten Leitung hatte es keine Probleme um die Streckenführung gegeben. 
Amerikanische Sanktionsdrohungen gegen die Baubeteiligten nähren immer wieder Zweifel, ob die westeuropäischen Partner, die Konzerne OMV, Wintershall-Dea, Uniper, Shell und Engie, abspringen könnten. Die russische Regierung erklärt, Gasprom könne "das Projekt auch eigenständig abschließen, und zwar inklusive allem, was gefordert ist". 

Unlängst hatte Gasprom erstmals Zweifel am Ziel 2019 anklingen lassen. Der Vizechef der Abteilung für Außenwirtschaft sagte, man analysiere Folgen einer später erteilten Genehmigung Dänemarks. Selbst im Fall einer Verzögerung bleibe das Projekt wegen der langen geplanten Laufzeit von 25 bis 30 Jahren rentabel. 

Für Gasprom und die russische Regierung hätte eine Verzögerung negative Folgen: Sie würde ihre Position in den Verhandlungen über den Gastransit durch die Ukraine erheblich verschlechtern. Der jetzige Vertrag läuft Ende 2019 aus; Russland hatte geplant, von 2020 an kaum noch auf das ukrainische Leitungssystem angewiesen zu sein. Nord Stream 2 könnte einen Großteil des ukrainischen Transportvolumens ersetzen. Damit würden für Kiew wichtige Einnahmen wegfallen. Zudem wird befürchtet, dass Russland seine Aggression gegen das Nachbarland ausweiten könnte. Auch die Bundesregierung besteht darauf, Gastransits durch die Ukraine aufrechtzuerhalten. Eine verspätete Inbetriebnahme der neuen Pipeline würde einen neuen Vertrag mit der Ukraine wahrscheinlich machen, da Russland sonst Kunden in Europa, seinem wichtigsten Gasmarkt, verlieren würde. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Österreicher stehen der Energiewende positiv gegenüber

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22. May. 2019

Die Akzeptanz von erneuerbaren Energietechnologien ist in Österreich so hoch wie nie zuvor.

Das zeigt eine aktuelle Studie von Uni Klagenfurt, WU Wien, Deloitte und Wien Energie. 

Im Rahmen der Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2018“ gaben mehr als 1.000 Befragte ihre Meinung ab und bestätigten: Die Stimmung in Bezug auf erneuerbare Energietechnologien ist ungebrochen positiv. 

Ob Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft oder Elektromobilität – die Bevölkerung steht der Energiewende sehr positiv gegenüber. Laut den diesjährigen Ergebnissen stößt die Photovoltaik mit 88 % auf die meiste Akzeptanz in der Bevölkerung. Kleinwasserkraft folgt mit 74 % an zweiter Stelle, die Windkraft knapp danach mit 72 %. „Die Stimmung in der österreichischen Bevölkerung gegenüber erneuerbaren Energien ist traditionell sehr positiv. Der Weg für den großflächigen Umbau des Energiesystems ist bereitet. Der Ausbau selbst hält damit allerdings noch nicht Schritt“, erklärt Nina Hampl, Studien autorin der Universität Klagenfurt und WU Wien.
 
Interesse für Photovoltaik und Stromspeicher steigt . 
Die Photovoltaik ist weiterhin die beliebteste erneuerbare Energietechnologie der Österreicherinnen und Österreicher und erreicht bei den Akzeptanzwerten einen neuen Höchststand. 12 % der Befragten geben an, dass auf ihrem Wohngebäude der Bau einer Photovoltaikanlage geplant ist. 
Interessant sind auch die finanziellen Erwartungen: 45 % der Befragten geben an, dass eine Photovoltaikanlage in sechs bis zehn Jahren abbezahlt sein soll. Eine deutliche Zunahme gibt es beim Interesse an Stromspeichern. So hat sich bereits fast ein Drittel der befragten Planer von Photovoltaikanlagen entschieden, einen Stromspeicher zu kaufen. 

Gute Nachbarschaft mit Windrädern . 
Die Zustimmung für Windkraft liegt derzeit bei rund 72 %. Im Bundesländervergleich gibt es allerdings große Schwankungen. So stößt im Burgenland die Windkraft mit 88 % auf die höchste Akzeptanz. In Niederösterreich sehen 78 % der Befragten Windkraft positiv, in Tirol und Vorarlberg hingegen sind es nur rund 65 %. 
Die Studie zeigt auch einen interessanten Zusammenhang auf: Mit dem Wissen über Windkraft steigt die Akzeptanz. Auch mehr Erfahrung mit Windkraft in der Region beeinflusst die Zustimmung zu einem weiteren Ausbau positiv. 85 % derjeniger, die in der Nähe einer Windkraftanlage wohnen, würden dem Bau einer weiteren Windturbine (eher) zustimmen. 
Die Ergebnisse des aktuellen Stimmungsbarometers decken sich mit allen aktuellen Umfrageergebnissen, die der IG Windkraft vorliegen. Spannenderweise ist in den Regionen mit Windkraftnutzung die Zustimmung zur Windenergie als Zukunftstechnologie zur Stromerzeugung höher als im gesamt österreichischen Raum. 
„Rund 60 % der Befragten erwarten durch den weiteren Ausbau der Windkraft keine Auswirkung auf ihre persönliche Lebensqualität, rund 30 % gehen sogar davon aus, dass sich ihre Lebensqualität verbessern wird“, so Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. Auch von den Menschen, die in direkter Nähe eines Windparks wohnen und sich damit auf Basis konkreter Erfahrungen äußern, erwarten rund 30 % eine weitere Verbesserung ihrer Lebensqualität. 
Als besonders positiv wird von den Befragten genannt, dass mit Windkraft sauberer Strom in der Region erzeugt wird, der keine Umweltbelastung mit sich bringt und den Import von Kohle- und Atomstrom obsolet macht. 

Elektromobilität steht vor dem Durchbruch . 
Bei der Elektromobilität setzt sich der positive Trend der letzten Jahre fort. Der Anteil jener Befragten, die schon beim nächsten Autokauf auf Elektroantrieb umsteigen wollen, liegt heuer bei 18 % und ist leicht gestiegen. Insgesamt wächst die Gruppe der potenziellen Elektroautokäufer stetig und macht derzeit 54 % aus. Das kann auch mit der steigenden Erfahrung mit Elektroautos zusammenhängen. So ist fast jeder vierte Befragte bereits in einem Elektroauto gefahren. Michael Strebl von Wien Energie erwartet sich für die nächsten drei Jahre einen deutlichen Sprung: „Zwei Faktoren werden den Trend beschleunigen: Erstens wird durch eine Modelloffensive der Kauf eines E-Autos einfacher und günstiger. Zweitens wird die Ladeinfrastruktur zügig ausgebaut.“ 

#mission2030 findet breite Unterstützung . 
Die Vorhaben der Bundesregierung für den Ausbau erneuerbarer Energien werden von der Bevölkerung gut aufgenommen. Die österreichische Klima- und Energiestrategie #mission2030 setzt unter anderem auf das Ziel, den Stromverbrauch bis 2030 national bilanziell zu 100 % aus erneuerbaren Energien zu decken. „87 % der Befragten ziehen bei dieser Strategie mit, und die Bevölkerung ist bereit, selbst aktiv zu werden. Die allgemeine Stimmung für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist damit so gut wie noch nie“, betont Studienautorin Hampl. 

Neun von zehn Befragten begrüßen die Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme am Energiesystem. Das kann etwa eine eigene Photovoltaikanlage sein oder auch die Beteiligung an Gemeinschaftsanlagen. Fast ein Drittel der Befragten kann sich den Einstieg in ein Bürgerbeteiligungsprojekt vorstellen. Auch die Beschleunigung und Verkürzung von Genehmigungsverfahren für neue Kraftwerke werden gutgeheißen. „Die Zustimmung der Bevölkerung ist da, jetzt sind die Entscheidungsträger gefragt. Die Politik muss die rasche Umsetzung des geplanten Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes sicherstellen, damit die Industrie mit entsprechenden Investitionen nachzieht. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass der Begeisterung die Ernüchterung folgt. Dann ist das Momentum für die Energiewende verloren“, so Deloitte-Partner Gerhard Marterbauer abschließend. 

Informationen zur Studie. 
Die Studienreihe „Erneuerbare Energien in Österreich“ basiert auf Daten von vier repräsentativen Befragungen der österreichischen Bevölkerung von 18 bis 70 Jahren im Oktober/November 2018 (1.014 Befragte), Oktober 2017 (1.006 Befragte), Oktober 2016 (1.000 Befragte) und Oktober 2015 (1.014 Befragte). 
Sonnenenergie 
Solarenergie nimmt einen hohen Stellenwert in der Energieversorgung Niederösterreichs ein. 33.800 Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 291 Megawatt (MW) erzeugen 291 Gigawattstunden (GWh) oder Strom für mehr als 83.000 Haushalte. Die über 100.000 thermischen Solaranlagen erzeugen 387 GWh Energie für Warmwasser oder 1,5 % des gesamten Raumwärmebedarfes. 
 

Wussten Sie schon? 
1. Ist eine Solaranlage das Gleiche wie eine PV-Anlage? Es gibt zwei Arten von Solaranlagen: thermische Solaranlagen und Photovol taikanlagen. Mit thermischen Solaranlagen wird warmes Wasser zum Duschen & Co. oder auch zum Heizen erzeugt, mit Photovoltaikanlagen wird Strom erzeugt. 
2. Wie viel kostet eine PV-Anlage? 
Pro Kilowattpeak (kWp) kann man mit ca. 1.500 Euro kalkulieren (inkl. Installationskosten). 
3. Wie groß muss/darf eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus sein und wie viel Strom kann ich damit produzieren? Bei einem typischen 4-Personen-Haushalt ist eine PV-Anlage mit einer Leistung von vier bis fünf kWp passend – damit erzeugt man 4.000 bis 5.500 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. 
4. Ist jedes Haus für eine PV-Anlage geeignet? Sowohl bestehende als auch neu errichtete Häuser eignen sich für die Nutzung von Photovoltaik – sofern nicht eine massive Verschattung durch andere Gebäude oder „Hindernisse“ gegeben sind. 
Je nach Tagesablauf und Stromverbrauch eignen sich Dachflächen von Ost- über Süd- bis Westausrichtung. Es können auch mehrere Dachflächen genutzt werden oder etwaige Nebengebäude. Die PV-Anlage kann nicht nur auf dem Dach, sondern auch in-Dach installiert werden oder auf der Fassade, als Balkon-/Terrassen-Geländer usw. 
5. Ab wann zahlt sich eine PV-Anlage aus? Sofort! Da die Haltbarkeit mehrere Jahrzehnte beträgt, ist der aus der eigenen PV-Anlage produzierte Strom konkurrenzlos billig. Das eigene Geld ist am Hausdach bestens angelegt. 
5. Brauche ich zusätzlich zur PV-Anlage Strom (Stichwort Autarkie)? 
Je nach Verbrauchsprofil sind 30 bis 50 Prozent zeitlich passender Eigenverbrauch typisch. Das bedeutet, dass man natürlich noch Strom aus dem Netz bzw. eben von seinem Stromversorger benötigt (nachts, Winter) und diesem auch den eigenen Überschussstrom verkauft (mittags, Sommer). Mit einer Batterie kann man den Eigenverbrauch und auch die Autarkiequote erhöhen, die Anlage und der Wechselrichter müssen dafür ausgelegt sein. Diese Systeme funktionieren auch bei Stromausfall, sind bei heutigen Listenpreisen jedoch wirtschaftlich (noch) nicht abbildbar. www.enu.at 

Die Kraft des Windes 
Österreich: Ende 2018 erzeugten 1.313 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3.045 Megawatt sauberen und umweltfreundlichen Strom für über 1,9 Mio. Haushalte – das sind mehr als 
50 Prozent aller österreichischen Haushalte. 
Niederösterreich: 729 Windkraft anlagen haben eine Gesamtleistung von 1.661 Megawatt. 
Wussten Sie schon? 
Ein einziges Windrad mit drei Megawatt Leistung erzeugt pro Jahr Strom für mehr als 2.000 Haushalte. 
Bis zum Jahr 2020 wird die Windkraft bis zu 18 Prozent der europäischen Stromproduktion liefern. 
Mit dem Strom, den ein Windrad in einer Stunde erzeugt, kann man 65 Jahre lang täglich eine Stunde fernsehen. 
Die Windräder in Österreich erzeugen Strom für 46 Prozent aller österreichischen Haushalte. 
Mit dem Strom, den ein Windrad in einer Stunde erzeugt, kann man mehr als 15.000 Liter Wasser kochen. Mit dem Strom, den ein Windrad in einer Stunde erzeugt, kann man zwei Jahre lang rund um die Uhr Playstation spielen. 
www.igwindkraft.at 

Wasserkraft 
Grundsätzlich kann zwischen Groß- und Kleinwasserkraftwerken in NÖ unterschieden werden. Vier der elf österreichischen Donaukraftwerke liegen in NÖ: Ybbs, Melk, Altenwörth und Greifenstein. Das Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen liegt an der Grenze zu Oberösterreich. Das leistungsstärkste Donaukraftwerk Österreichs ist das Kraftwerk Altenwörth. 

Kleinwasserkraft in Niederösterreich 
Kein anderes Bundesland verfügt über ein so großes Wasserreservoir wie Niederösterreich. Kleinwasserkraft wird hier schon lange genutzt und leistet einen überaus wertvollen Beitrag zur

Ökostromerzeugung. 
Rund 617 anerkannte Kleinwasserkraftwerke 
liefern jährlich ca. 510 Mio. kWh Ökostrom ins öffentliche Netz versorgen ca. 145.000 Haus- halte 
vermeiden jährlich zirka 360.000 Tonnen CO 2 im Vergleich zur Stromproduktion mit fossilen Energieträgern 
(Quelle: E-Control, Kleinwasserkraft Österreich) 
www.kleinwasserkraft.at

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Die Industrie prescht vor

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22. May. 2019

Ob Deutschland bis 2050 klimaneutral werden soll, darüber will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erst noch ihr Klimakabinett beschließen lassen.

Wichtige Player der deutschen Industrie sind da bereits viel weiter. Der Stuttgarter Autobauer Daimler steht mit seiner überraschenden Ankündigung, seine Werke und auch alle Neuwagen bis 2039 "CO2-neutral" machen zu wollen, nicht allein. Der Technologieriese Bosch plant das für seine Produktionsstätten bereits ab nächstem Jahr, und auch der Lastwagenbauer MAN und der Industriekonzern ABB meldeten jüngst große Fortschritte beim Klimaschutz. 

Der Schwede Ola Källenius, der mit der heutigen Hauptversammlung Dieter Zetsche als Chef von Daimler ablöst, will mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie "Ambition 2039" einen neuen, grüneren Kurs einschlagen. Die Klimaneutralität soll dabei in zwei Schritten erreicht werden. Bis 2022 soll die Autoproduktion in den europäischen Werken durch Energieeinsparung und Ökoenergie soweit wie möglich kohlendioxidfrei werden. Für die verbleibenden Emissionen will der Konzern Zertifikate auf dem Klimakompensationsmarkt kaufen. Die Umstellung der gesamten Neuwagenflotte auf CO2-Neutralität wollen die Stuttgarter binnen 20 Jahren erreichen. Als Zwischenschritt ist vorgesehen, dass bis 2030 jedes zweite verkaufte Auto einen E-Motor haben soll - als reines Batterieauto oder Plug-in-Hybrid. Allerdings will Daimler auch weiter in die Verbesserung des Dieselmotors investieren. Källenius glaubt, bei großen Autos und für Vielfahrer sei diese Technologie "Teil der CO2-Reduktion". 

Für den Autobauer, der mit seiner schweren und PS-starken Pkw-Flotte das von der EU für 2020 beschlossene CO2-Limit von 95 Gramm pro Kilometer deutlich überschreiten wird und dem deswegen Strafzahlungen drohen, ist das 2039er-Ziel sehr ambitioniert. "Diese Transformation ist die Aufgabe unserer Generation", sagte Källenius, der bisher im Daimler-Vorstand für Forschung und Entwicklung zuständig war. Die Gesamtemissionen, die Daimler bei Produktion und Nutzungsphase der Autos weltweit zuzurechnen sind, betrugen 2018 rund 80 Millionen Tonnen CO2 - das entspricht fast dem Ausstoß aller deutschen Haushalte. Källenius forderte mehr öffentliche Investitionen in die Infrastruktur "für diesen Systemwechsel", zeigte sich aber auch "offen für eine Diskussion über die wirksame Bepreisung von CO2" und Anreize für kohlenstoffarme oder -freie Technologien - möglichst auf globaler Ebene. 
Källenius ließ keinen Zweifel daran, dass der geplante Umbau für den Konzern teuer ist. Man müsse "auf der Effizienzseite sehr viel tun, um den nötigen Cashflow zu generieren", sagte er. Details zu den Kosteneinsparungen nannte er jedoch nicht. In der Daimler-Belegschaft geht die Sorge um, dass der Konzern Tausende Jobs abbauen könnte, da die Herstellung von Elektroantrieben weniger Personal braucht als die von Benzinern und Dieseln. Einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2029 in den deutschen Werken hat der Betriebsrat allerdings bereits vor zwei Jahren erreicht. 
Zu der Daimler-Strategie gehört auch, die Zulieferer in die Klimastrategie einzubinden. Sie sollen ihre Produktion ebenfalls in Richtung CO2-Neutralität umbauen. Das ist ein wichtiger Faktor, da die Teilefabrikanten im Schnitt gut zwei Drittel eines fertigen Autos liefern. Die Daimler-Einkäufer sollen mittelfristig dazu entsprechende Vergabekriterien bekommen. Will sagen: Die Zulieferer müssen dann konkrete CO2-Vorgaben einhalten. 

Beim weltgrößten Autozulieferer, dem Bosch-Konzern, rennt Daimler damit offene Türen ein. Bosch hat angekündigt, von 2020 an in allen seinen rund 400 Standorten weltweit netto ohne CO2-Ausstoß zu produzieren und damit zum ersten großen klimaneutralen Industrieunternehmen überhaupt zu werden. Bisher verursacht der Konzern pro Jahr rund 3,3 Millionen Tonnen CO2, und diese Fracht soll bereits im nächsten Jahr - zumindest bilanziell - auf null gesenkt werden. 

Auch hier lautet die Strategie, die Energieeffizienz in den Werken zu erhöhen, zum Beispiel mit sparsamerer LED-Beleuchtung, einer bedarfsgeregelten Lüftung und Wärmerückgewinnung aus Druckluft. Außerdem will Bosch grünen Strom produzieren und einkaufen. Der Stromverbrauch selbst soll bis 2020 um 20 Prozent sinken. Hinzu kommt die Kompensation von Emissionen aus Verbrennungsprozessen (Heizung, Prozesswärme), die sich bisher nicht vermeiden lassen: Auch Bosch plant, CO2-Zertifikate zu kaufen. Das Geld fließt dann in Klimaschutzprojekte etwa in Entwicklungsländern die dort den Treibhausgasausstoß vermindern. Der Konzern will dafür pro Jahr 100 Millionen Euro aufwenden. Bosch-Chef Volkmar Denner sieht das Projekt auch vor dem gesellschaftlichen Hintergrund. Er verwies auf Fahrverbote, Dieselproteste, Gelbwesten- und Freitagsdemonstrationen. All das zeige, "dass wir wirtschaftlichen Klimaschutz und neue Lösungen für Luftqualität in Städten brauchen, auch um das gesellschaftliche Klima zu stabilisieren". 

Weitere positive Klima-Nachrichten aus der Wirtschaft kamen in jüngster Zeit vom Lkw- und Bushersteller MAN. Der Konzern meldete, er habe den CO2-Ausstoß seiner Produktionsstandorte im In- und Ausland gegenüber dem Basisjahr 2008 um fast 30 Prozent gesenkt. Damit habe man das selbst gesteckte Ziel von minus 25 Prozent aus der MAN-Klimastrategie, das 2020 erreicht werden sollte, bereits übererfüllt. Jährlich würden so rund 100 000 Tonnen CO2 eingespart, was den Emissionen einer Kleinstadt entspreche. Investiert hat das Unternehmen dafür in den letzten Jahren rund 40 Millionen Euro, zum Beispiel in eine große Solaranlage in Südafrika, in sparsame Blockheizkraftwerke, neue Beleuchtungskonzepte und die Klimatisierung mit Brunnenwasser. 

Der Schweizer Technologie- und Energiekonzern ABB wiederum präsentierte das Werk seiner Tochter Busch-Jaeger in Lüdenscheid (NRW) jüngst als "ersten CO2-neutralen Fertigungsstandort" in Deutschland. Eine neu über den Parkplätzen des Firmengeländes installierte Solaranlage mit Batteriespeichern decke an sonnigen Tagen 100 Prozent des Strombedarfs. Zusätzlich wird Ökostrom vom Versorger MVV sowie Energie aus einem eigenen Blockheizkraftwerk genutzt. Gesteuert wird alles über ein von ABB entwickeltes Energiemanagement-System. Der Konzern will im Rahmen seiner "Mission to Zero" auch in den anderen Werken Zug um Zug aus den fossilen Energien aussteigen. 

Umweltschützer nehmen die Pläne von Daimler und Co. überwiegend positiv auf. Doch es gibt auch Kritiker. "Mehr Öko-Energie in Produktion und Autos ist gut, aber nicht alles", sagte der Autoexperte und Ex-Greenpeace-Mitarbeiter Wolfgang Lohbeck. Ein Autobauer wie Daimler solle seine Modellpalette überdenken. "Was nützt es, wenn zwar immer mehr Strom erneuerbar wird, aber der Energiebedarf trotzdem ansteigt, weil die Autos immer größer und schwerer werden?" Helen Clarkson, Chefin von "The Climate Group", bewertete die Daimler-Ansage hingegen gar als Signal, dass die Autoindustrie, "ihre volle Verantwortung für den Klimawandel übernehmen" wolle. 

Germanwatch lobte, es sei ein "starkes Signal, wenn wichtige Industrieunternehmen ankündigen, dass sie die Weichen in Richtung mehr Klimaschutz und mehr Wettbewerbsfähigkeit stellen wollen". Dies sei Rückenwind für all jene in der Bundesregierung, die den klimapolitischen Stillstand der vergangenen neun Jahre überwinden wollten. 

Frankfurter Rundschau
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„Umweltschutz mit Hausverstand“

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22. May. 2019

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf über die Vorbildwirkung von Niederösterreich im Energiebereich, über die Initiative „Raus aus dem Öl“ und Erleichterung beim Photovoltaik-Ausbau. 

Niederösterreich ist im Energiebereich ein Vorbild. Was machen wir in Niederösterreich im Vergleich zu den anderen Ländern so gut? 
Stephan Pernkopf: Niederösterreich setzt auf Erneuerbare Energie, das macht uns zum Vorbild in ganz Europa. Seit 2015 decken wir unseren Strombedarf zu 100 Prozent aus sauberer, erneuerbarer Energie. Das heißt, wir machen Umweltschutz mit Hausverstand und sind Vorreiter bei den Klimazielen. Dass nun 200 Kilometer von St. Pölten entfernt mit dem AKW Mochovce ein Schrottreaktor ans Netz gehen soll, zeigt einmal mehr, dass wir in der Energiewende den einzig richtigen Weg gehen. Dieser Weg muss aber auch ein europäischer Weg sein, denn Atomkraft ist energiepolitisch ganz klar der falsche Weg. Zudem ist das Problem des Atommülls nicht gelöst. Das Risiko durch Reaktoren, die nicht den Sicherheitsstandards entsprechen, ist zu groß. Man muss nur an die Atomkatastrophen zurückdenken: Vor 33 Jahren war das Reaktor-Unglück in Tschernobyl und vor acht Jahren die Katastrophe in Fukushima. Wir in Niederösterreich haben uns bereits vor 41 Jahren mit dem Nein gegen das Kernkraftwerk in Zwentendorf und somit gegen die Atomkraft entschieden. Das war auch der Startschuss für den Ausbau der Erneuerbaren Energie in Niederösterreich. Derzeit gibt es 40.000 sogenannte Green Jobs, das heißt, unsere Energiewende bringt auch Arbeitsplätze! 

Was kann man als Privatperson für die Energiewende beitragen? 
Pernkopf: Sehr viel, unter anderem müssen wir schauen, dass wir „Raus aus dem Öl“ kommen. Seit Jahresbeginn gilt in Niederösterreich als erstem Bundesland Österreichs das Öl kesselverbot in Neubauten. Das ist ein ganz wichtiger Schritt, denn Ölheizungen haben in einem Wohnhaus nichts mehr verloren. Als nächsten Schritt wollen wir die Zahl der Ölheizungen im Bestand verkleinern. Denn in Niederösterreich stehen in Privathaushalten nach wie vor rund 85.000 Ölheizungen herum. Seit dem 1. Mai gibt es eine Förderung des Landes Niederösterreich für einen Heizkesseltausch von bis zu 3.000 Euro. In Kombination mit dem „Raus aus dem Öl“-Bonus vom Bund kann man sich insgesamt bis zu 8.000 Euro Förderung abholen. Ein wichtiger Punkt ist auch der Ausbau der Photovol taik. Der PV-Ausbau ist in Niederösterreich seit einigen Monaten wesentlich erleichtert: Aufdach-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 200 kWpeak brauchen keine Genehmigung mehr. Weniger Zettelwirtschaft, mehr Erneuerbare Energie: Dieser Bürokratieabbau macht es den Niederösterreichern nun erheblich einfacher, eine Sonnenstromanlage zu installieren. Durch diese wesentliche Vereinfachung erwarten wir uns einen noch stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energie in Niederösterreich und einen weiteren wichtigen Schritt in unserer Energiewende. 

Im Energiebereich spielt auch die Mobilität eine zentrale Rolle. Am 25. Mai findet in Melk der fünfte e-Mobilitätstag statt. Welchen Stellenwert hat Niederösterreich im Bereich der e-Mobilität? 
Pernkopf: Niederösterreich ist Pionier, was die e-Mobilität betrifft. Fast jedes vierte Elektro auto, das bundesweit unterwegs ist, ist in Niederösterreich angemeldet. Im Moment gibt es in unserem Bundesland über 6.000 e-Autos, das entspricht einer Steigerung von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Niederösterreich hat über 50 Schnell lade-Stationen und mit 1.220 Ladestationen die meisten in ganz Österreich. Diese Zahlen unterstreichen, dass Niederösterreich das e-Mobilitätsland Nummer eins ist. Darauf können wir stolz sein. Trotzdem gibt es nach wie vor viel Skepsis gegenüber der e-Mobilität. Daher lade ich alle herzlich ein, sich am 25. Mai am Wachauring in Melk selbst ein Bild darüber zu machen. Denn eines ist klar: e-Mobilität ist bereits heute alltagstauglich. Davon kann man sich am 25. Mai selbst überzeugen, indem man sich in eines der 50 e-Autos am Wachauring setzt und eine Runde dreht. 

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EU fördert synthetische Brennstoffe

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22. May. 2019

Mit nichts als Luft und Sonne will ein Forschungsprojekt die Motoren von morgen antreiben. Die Europäische Kommission gibt dafür zunächst eine Million Euro. Ziel ist es, sehr klimafreundliche Energiequellen zu entwickeln 

Die europäische Forschungsinitiative "Sunrise" will klimafreundlichere Kraftstoffe entwickeln. Im Rahmen der europäischen Exzellenzförderung "Horizon 2020" erhielt die Initiative als eines von sechs Projekten den Zuschlag über eine Million Euro. Nach einem Jahr Laufzeit wird entschieden, ob weiter gefördert wird. Sollte das Projekt überzeugen, würde es mit bis zu einer Milliarde Euro bezuschusst. 

"Sunrise" ist eine Kooperation mehrerer Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen - aus Deutschland sind unter anderem Siemens und die Fraunhofer Gesellschaft involviert. Ziel ist, aus Bestandteilen der Luft durch Sonnenenergie synthetische Brennstoffe und industriell verwertbare Chemikalien herzustellen; das Verfahren ist dabei angelehnt an den natürlichen Prozess der Fotosynthese. 
Dass sich die Methode dabei ausschließlich erneuerbarer Energien bedient, sei "essentiell" für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise und das Ziel eines klimaneutralen Europas bis 2050, sagte Projektleiter Huub de Groot von der Universität Leiden der taz. "Sunrise" will so Brennstoffe wie Methan, Methanol und Ethanol produzieren - und zwar 50 Prozent günstiger als fossile Alternativen. Pro Hektar sollen in den Solarparks jährlich 2.500 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gezogen werden. In Kombination ergäbe sich langfristig eine negative CO2-Bilanz. Hehre Ziele, die noch in weiter Ferne liegen, wie die InitiatorInnen selbst eingestehen. 

In der ersten Phase muss "Sunrise" seine Stichhaltigkeit beweisen. Dann könnte es zu einem sogenannten Flagship avancieren, einem zehnjährigen Förderprogramm der EU, das die Projekte dauerhaft in Exzellenzzentren verwandeln soll. Ob "Sunrise" den zweiten Zuschlag erhält, könnte insbesondere davon abhängen, wie wirtschaftlich die Verfahren am Ende tatsächlich sind. 

Die Chancen auf den Durchbruch stiegen dabei mit der verfügbaren Grundlagenforschung, dem Preisdruck und dem politischen Willen, sagt Jochen Mattay, Experte für Photochemie, der taz. "Die Probleme früherer Ansätze waren etwa die relativ geringe Zahl an Arbeitsgruppen, die sich mit dieser Thematik befassten", konstatiert der emeritierte Bielefelder Professor. Niedrige Preise für Kohle und Öl, das Beharren auf altbewährte Verfahren "und nicht zuletzt das mangelnde Bewusstsein für ökologische Probleme" hätten die Forschung zudem erschwert. Heute sei das anders, weshalb das "Sunrise"-Projekt großes Potenzial habe, so Mattay. 
 

 

Die Tageszeitung, von Jan Christoph Freybott
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Zertifikate-Handel: DAS GESCHÄFT MIT DEM CO2

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22. May. 2019

Der Handel mit CO2-Zertifikaten hat sich zum lukrativen Milliardengeschäft entwickelt.

Prinzipiell war der Anfangsgedanke gut. Denn für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens werden mit grünen „Aktien“ einem Land oder Unternehmen Verschmutzungsrechte eingeräumt. Die Zertifikate selbst werden von der EU-Kommission versteigert, aber zu einem hohen Anteil gratis auch an die heimischen Industrieriesen verteilt. Angeblich, damit diese global gesehen wettbewerbsfähig bleiben. Brüssel gibt aber selbst zu, dass europaweit 1,5 Milliarden Zertifikate zu viel ausgegeben wurden. Von 95 in Österreich an diesem Handel beteiligten Unternehmen bekamen (etwa die Wien Strom) 77 mehr Öko-Papiere, als sie brauchen. Das globale Überangebot führte dazu, dass Genehmigungen um 2,50 Euro pro Tonne verschleudert wurden. Ein billiger Freibrief zur Luftverschmutzung! Zurzeit liegt der Preis zwar bei 25 Euro, doch die Einnahmen (sie werden von der EU an die Staaten rückverteilt) sind in Österreich nicht für Klimaschutz zweckgebunden. Der Umwelt hilft das also – wie Global 2000 anprangert – nichts! 
 

Kronen Zeitung
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Lizenz zum Geldsparen

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22. May. 2019

2020 müssen Stromversorger ihren Kunden neben fixen auch zeitabhängige Tarife anbieten.
Das sieht eine Richtlinie der EU vor
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Unterm Strich sollten Haushalte und Unternehmen damit um einiges günstiger fahren.

Strom ist für viele so weit weg, dass kaum jemand weiß, wie viel er oder sie pro Monat für elektrische Energie zahlt. Künftig könnte es aber noch lohnender sein als jetzt schon, sich über mögliche Alternativen zu erkundigen und Klarheit über die eigenen Verbrauchsgewohnheiten zu gewinnen. Denn schon bald sind Stromanbieter verpflichtet, ihren Kunden neben fixen auch dynamische Tarife zu offerieren. 
Das sieht eine EU-Richtlinie vor, die spätestens bis Sommer 2020 in nationales Recht umzusetzen ist. „Die Stromversorger müssen dann dynamische Tarife anbieten, die Kunden können solche wählen, müssen aber nicht“, sagte Florian Ermacora, Referatsleiter Großhandelsmärkte Strom und Gas in der Brüsseler Generaldirektion Energie bei einem Besuch in Wien. 

Voraussetzung dafür ist der Einbau intelligenter Stromzähler. Ende 2020 sollen acht von zehn Haushalten einen sogenannten Smart Meter eingebaut haben, 2022 soll die Abdeckung österreichweit 95 Prozent betragen. Der Tausch der alten, analogen Ferraris-Zähler gegen neue, im 15-Minuten-Takt messende Geräte gehört derzeit zu den Hauptbeschäftigungen der dafür zuständigen Netzgesellschaften. 
Wer den Sicherheitsversprechungen misstraut oder aus anderen Gründen die „smarte“ Funktion der neuen Zähler ablehnt, kann dies dem lokalen Netzbetreiber bekanntgeben. Dann wird das intelligente Gerät dumm gestellt. 

Laut einer von der E-Control in Auftrag gegebenen Onlineumfrage vom März dieses Jahres zeigten aber drei Viertel der Befragten Interesse an einer automatischen Ausrichtung der Haushalts- bzw. Elektrogeräte. Und 60 Prozent gaben an, an einem zeitabhängigen Stromtarif zumindest interessiert zu sein. 

Erfahrungen zeigten, dass Konsumenten bei Umstieg auf einen dynamischen Tarif unterm Strich günstiger fahren, sagte Ermacora. Er geht davon aus, dass in Zukunft vermehrt IT-Firmen als eine Art Vermittler, als Aggregatoren, auf den Strommärkten auftreten. Haushalte könnten sich dann beispielsweise verpflichten, einen Teil ihrer Stromnachfrage flexibel zu gestalten und so einen Preisvorteil herausschlagen. 
Zum Beispiel könnten Haushalte vereinbaren, das Elektroauto dann zu laden respektive vom Netz zu nehmen, wenn der Aggregator dies anfragt. Oder sie könnten Chip-bestückte Kühlschränke mit zehntausenden anderen im Land gegenläufig zur Stromverbrauchskurve ein- und ausschalten lassen, ohne dass die Temperatur im Kühlgerät unter einen kritischen Wert sinkt. 

Die Aggregatoren bündeln diese Flexibilitätspakete der Verbraucher und verkaufen sie den Versorgern am Strommarkt. Den entstehenden Gewinn teilen sich Aggregator und Haushalt. Solche Geschäftsmodelle gibt es zum Beispiel in Belgien und Frankreich schon seit längerem. 

Nicht nur Private, auch und vor allem Unternehmen könnten sich zeitabhängige Tarife zunutze machen, glaubt Ermacora. So könnten sich etwa Supermarktfilialen abstimmen, wann Strom für die Kühlregale fließen soll und wann nicht. Die flexiblere Nachfrage würde helfen, die Stromnetze gleichmäßiger auszulasten und Spitzenlastzeiten zu vermeiden. Dadurch würde die Stromversorgung insgesamt billiger. 
 

Der Standard
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Das Ende von deutsch-russischen Sonderwegen

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22. May. 2019

Selten hat der Bau einer Gasfernleitung in Europa einen derart erhitzten Streit in der EU verursacht wie das von Zug aus geleitete Nord-Stream-2-Projekt, mit dem die halbstaatliche russische Gazprom jährlich 55 Mrd. m³ Gas vom russischen Wyborg nach Lubmin/Greifswald durch die Ostsee parallel zu Nord Stream 1 transportieren soll. Selten ist so deutlich geworden, wie eng wirtschaftliche, politische und rechtliche Dimensionen bei privatwirtschaftlichen Energieprojekten miteinander verknüpft sind. 


Jüngst hat der EU-Rat die umstrittene Novellierung der Richtlinie für den Erdgasmarkt in der EU mit Rechtskraft zum 23. Mai 2019 verabschiedet. Damit ist der Kampf um die divergierenden politischen und wirtschaftlichen Interessen in diesem Projekt in die befriedenden Bahnen rechtlicher Verfahren gelenkt worden. Das ist ein Fortschritt, selbst wenn die Diskussionen sich in den rechtlichen Verfahren später vermutlich fortsetzen werden. Worum ging es rechtlich, und was sind die Folgen dieser Novellierung? 
Um einen freien Wettbewerb auf dem Gasmarkt in der EU herzustellen, verpflichtete die ursprüngliche Gasrichtlinie die vertikalen europäischen Energieunternehmen dazu, ihr Eigentum an der Produktion rechtlich von jenem des Transports zu entflechten, auch Dritten den Zugang zu ihrem Transportnetz zu gewähren, die Tarife nicht diskriminierend zu gestalten und diese transparent zu machen. 
Der jetzige Kompromiss dehnt den Geltungsbereich dieser Richtlinie nun bei Offshore-Leitungen aus einem Drittstaat auf das Küstenmeer des EU-Staats aus, in dem sie mündet. Über diese bis zu 22 km von der Küste reichende Meereszone besitzt der Küstenstaat nach der VN-Seerechtskonvention ohnehin seine Rechtshoheit. Danach hat jetzt auch Nord Stream 2 für den das deutsche Küstenmeer betreffenden Abschnitt vor Greifswald die Verpflichtungen der Gasrichtlinie zu erfüllen. Da ein Zugang für Dritte in das Gazprom-Netz mitten im Küstenmeer nicht herzustellen ist, müsste dieser schon im russischen Wyborg stattfinden. 

Auch sein Transportnetz von der Gasproduktion zu entflechten, dürfte Gazprom schwerfallen. Zwar könnte die deutsche Bundesnetzagentur nach dem Kompromiss eine Abweichung bzw. eine Ausnahme von diesen Verpflichtungen für Nord Stream 2 genehmigen, wenn das Projekt vor Rechtskraft der Novelle fertiggestellt würde, was aber ausgeschlossen ist. Ausserdem müssen ab jetzt nach der Novelle alle Ausnahmen von den Wettbewerbsregeln von der EU-Kommission genehmigt und alle Energielieferverträge mit Drittstaaten ihr vorgelegt werden. Damit besitzt die Kommission nunmehr ein weitreichendes Eingriffs- und Kontrollrecht über die Energieversorgung der einzelnen Mitgliedsstaaten und damit der EU durch Drittstaaten. 

Die Novelle hat die Rolle der EU-Kommission als Hüterin des Wettbewerbs und der Diversifizierung im EU-Energiemarkt deutlich gestärkt. Deutsch-russische Sonderwege in der EU-Gasversorgung sind damit endgültig beerdigt. Abrupt hatte Frankreich die Novelle unterstützt, so dass Deutschland das Veto-Quorum verlor. Merkels intransigentes Festhalten an dem Schröder-Putin-Projekt gegen eine wachsende EU-Mehrheit hat die Bundesrepublik damit in ihrer Russlandpolitik isoliert. 
Gazproms Advocati Diaboli, pensionierte bundesdeutsche Politiker und akademische Institute, die gerne darüber klagten, dass die Energiewirtschaft so furchtbar politisiert worden sei, müssen einmal mehr erkennen, dass Energiewirtschaft – wie schon immer, so auch jetzt – politischen und geopolitischen Kalkülen imminent unterliegt, weil sie jedem Staat strategisch zu wichtig ist, als dass sie alleine der Privatwirtschaft zu überlassen wäre – selbst wenn Politiker und Unternehmen das wider besseres Wissen gerne leugnen. 

Irgendwelche Ausnahmegenehmigungen für Gazprom erscheinen aussichtslos, selbst wenn Nord Stream 2 erbittert darum rechtlich kämpfen wird. Der deutsche Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) Manfred Weber hat schon verkündet alles zu tun, das Projekt zu «blockieren». So bleibt Gazprom nur die Möglichkeit, den Wettbewerbsauflagen der EU zu folgen, so unwahrscheinlich das heute erscheinen mag. Im Übrigen besteht auch noch die Gasfernleitung durch die Ukraine, die Putin durch Nord Stream 2 überflüssig zu machen hoffte. Die Bundesregierung hat endlich den Bau der Infrastruktur für den Import von Flüssiggas (LNG) bei der deutschen Energiewirtschaft zügig durchzusetzen, um von Gazproms Transportnetzen unabhängiger zu werden. Im Kräftemessen mit der EU haben Putin und seine deutschen Paladine sich verkalkuliert: Die EU kann ein widerspenstiges Deutschland zähmen und manchmal sogar wehrhafte Solidarität zeigen. 

Jörg Himmelreich lehrt an der Ecole Supérieure de ¬Commerce de Paris (ESCP), Paris/Berlin 

Neue Zürcher Zeitung, von Jörg Himmelreich
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DIE CO2-STEUER IST GEFÄHRLICH

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22. May. 2019

Der größte Nachteil der Ökosteuer ist, dass das Geld dem Staat zufließt. 


Ökonomisches Denken ist Denken in Alternativen. Das Geld, das ich für ein Auto ausgebe, kann ich nicht mehr für ein Haus ausgeben. Es gilt auszuwählen. Das ist das Grundprinzip jedes Wirtschaftens. In der aufgeheizten Debatte um die Erderwärmung geht dieses nüchterne Abwägen oft verloren. Wir brauchen einen Preis auf Kohlendioxid, heißt es dann. Die Methode, ob Steuer oder ein Zertifikatshandel, sei zweitrangig. Solche Wertung hat mehr mit Überzeugung als mit Denken in Alternativen, mehr mit ökologischer Heilslehre als mit ökonomischer Analyse zu tun. Doch sind solche Sätze in Deutschland auch von Ökonomen zu hören. So äußerte sich gerade Isabel Schnabel, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auf dem Nachrichtendienst Twitter.
 
Warum ist es wichtig, besonders über die umweltpolitischen Methoden nachzudenken, mit denen der Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden soll? Weil regelsetzende Politiker nicht alles wissen. 
Eine Steuer auf Kohlendioxid setzt einen Preis und verteuert den Ausstoß von CO2. Unternehmen und Verbraucher passen sich daran an, indem sie zum Beispiel weniger oder energiesparende Autos fahren. Das kostet, entweder im Preis des neuen Öko-Autos oder im Verzicht auf schöne Reisen. Eine andere Methode zur Verringerung des CO2-Ausstoßes geht über die Menge. Die Regierung legt eine Höchstmenge fest und verteilt Emissionszertifikate an Unternehmen. Will ein Unternehmen die Produktion ausweiten und dazu mehr Kohlendioxid ausstoßen, muss es Zertifikate zukaufen. Am Markt bildet sich ein Preis, und die Unternehmen haben einen Anreiz, CO2 sparsam einzusetzen. 

Preis und Menge sind natürlich zwei Seiten einer Medaille. Im Idealfall lässt sich eine Situation vorstellen, in der die CO2-Steuer so gesetzt ist, dass Steuer- und Mengenlösung zum gleichen gewünschten Ergebnis führen. Das aber ist pure Theorie, denn Regierungen handeln unter Unsicherheit. Sie wissen nicht, wie viel Schaden für das Weltklima eine weitere in die Atmosphäre entlassene Tonne Kohlendioxid mit sich bringt. Sie wissen auch nicht, wie viel es die Unternehmen in Zukunft kosten wird, CO2 zu vermeiden. Man muss so annehmen, dass Regierungen den Steuerpreis oder die zulässige Emissionsmenge falsch setzen werden. 
Falsch setzen bedeutet, dass es zu viel Emissionen gibt oder dass viel zu viel für eine Verringerung von CO2 ausgegeben wird. Beides ist mit Kosten verbunden, die hoch sein können. "Die ersten 30 Jahre der Klimapolitik hatten einen minimalen Einfluss auf die Emissionen, aber reale Kosten für Teile der Wirtschaft", schreibt der Ökonom Richard Tol von der Vrije Universiteit Amsterdam als Antwort auf Schnabel. "Und das, während Bedenken über das Politik-Design hinweggewischt wurden mit Verweis auf die Größe des Problems und die Dringlichkeit des Handelns." 

Wie hoch diese Kosten einer Klimaschutzpolitik unter Unsicherheit sind, hängt maßgeblich von der Methode ab, mit der eine Regierung den Ausstoß von CO2 verringern will, also von der Wahl zwischen Steuer oder handelbaren Zertifikaten. Darüber aufzuklären ist der originäre Beitrag, den Ökonomen zur Klimaschutzdebatte leisten können, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein wichtiger Versuch der Entscheidungshilfe stammt von dem Harvard-Ökonomen Martin Weitzman aus dem Jahr 1974. Eine CO2-Steuer bietet danach die Sicherheit des Preises, handelbare Zertifikate im Gegenzug die Sicherheit der Emissionsmenge. Welche Sicherheit mehr wert ist, entscheidet sich in einem theoretischen Vergleich von Kosten- und Nutzenkurven. Viele Umweltökonomen ziehen aus dieser Arbeit den Schluss, dass Umweltsteuern den handelbaren Zertifikaten vorzuziehen sind. Dahinter steht die Überlegung, dass für den Einfluss auf das Weltklima alles bisher in die Atmosphäre entlassene Kohlendioxid relevant ist. Der Nutzen einer zusätzlich vermiedenen Tonne CO2 auf das Weltklima sei gering und die Sicherheit des Steuerpreises höher als die Sicherheit der Menge zu gewichten. 

Dieser Schluss wird bezweifelt. Die Ökonomen Larry Karp und Christian Traeger notieren, dass die Berücksichtigung technischen Fortschritts das Pendel zugunsten handelbarer Emissionszertifikate ausschlagen lassen könne. Anmerken ließe sich auch, dass die Sicherheit des Steuerpreises fragil ist, wenn die Politik die Steuerhoheit für umweltpolitische Experimente ausnutzt. Investitionsentscheidungen wie der Kauf einer Heizanlage für das Privathaus lassen sich nicht rational treffen, wenn Politiker an Ökosteuersätzen herumspielen. 

Nicht weniger wichtig sind andere Erwägungen. Verglichen mit Verboten, erlaubt eine CO2-Steuer Unternehmen und Verbrauchern, sich flexibel anzupassen. Sie können zum Beispiel weniger Autofahren, müssen es aber nicht, wenn ihnen das Vergnügen die Mehrkosten wert ist. Solche individuellen Anpassungen zuzulassen bedeutet, dass die Politik sich weniger in das Leben der Menschen einmischt und anerkennt, dass sie nicht allwissend ist. 

Handelbare Emissionszertifikate weiten diese Flexibilität noch, weil der Preis sich am Markt bildet, und verstärken zugleich die Lenkungswirkung, weil die Menge der Zertifikate begrenzt ist. Ein Trugschluss wäre es aber zu glauben, dass ein Zertifikatshandel zwischen Unternehmen die Bürger weniger belastet als eine Ökosteuer. Weniger CO2 kostet. Dem lässt sich nicht ausweichen. Tragen die Unternehmen die Kosten, werden sie diese an ihre Kunden, ihre Aktionäre oder an ihre Beschäftigten weitergeben. 
Vielleicht das wichtigste Entscheidungskriterium liegt woanders. Der Drang der Politik, eine Ökosteuer für neue Einnahmen zu nutzen, ist gewaltig. Schon jetzt werden viele guten Dinge an die Wand gemalt, die man mit dem Geld machen könnte. Bei einer Abgabenquote von etwa 40 Prozent könnte man aber auf die Idee kommen, dass der deutsche Staat seinen Bürgern schon genug Geld abnimmt und durch seine Umverteilungsmaschine schleust. So gesehen hat die CO2-Steuer den riesigen Nachteil, dass das Geld dem Staat zufließt und man nur hoffen kann, dass er es an anderer Stelle zurückgibt. Der größte Vorteil des Zertifikatshandels ist dagegen, dass das Geld für ge- oder verkaufte CO2-Zertifikate direkt in privater Hand bleibt. 

Martin Weitzman (1974): "Prices versus quantities", Review of Economic Studies, Bd. 41, S. 477 - 491. 
Larry Karp, Christian Traeger (2018): "Prices versus Quantities Reassessed", CESifo Working Paper Nr. 7331. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, von Patrick Welter
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OMV verstärkt Wiener Zentrale

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Wien, 22. May. 2019

Öl. Personal-, Finanz- und IT-Management des Ölkonzerns werden in Wien gebündelt. 

Der Öl- und Gaskonzern OMV will sein Finanz-, Personal- und IT-Management für den ganzen Konzern künftig in der Zentrale in Wien zusammenfassen. "Die erfreuliche Nachricht ist, dass wir über 250 hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standort Österreich bringen werden", sagte OMV-Chef Rainer Seele am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz. 

"Wir haben uns entschlossen, dass das zentrale Datenmanagement der OMV und die zentrale Entwicklung im Bereich der Digitalisierung am Standort Wien durchgeführt werden sollen", sagte Seele. Die Umsetzung soll schrittweise bis Ende 2020 erfolgen. Diese Entscheidung sei ein Bekenntnis zum Innovationsstandort Österreich, erklärte Seele. Aber auch die günstigen Steuervoraussetzungen in Österreich hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt und ebenso das "klare Bekenntnis der Bundesregierung zum Thema Digitalisierung"

"Nichts mit Rumänien zu tun" 
Mit den Schwierigkeiten, die die OMV derzeit mit der rumänischen Regierung hat (dabei geht es um den Streit über die Rahmenbedingungen eines milliardenschweren Förderprojekts im Schwarzen Meer), habe die Entscheidung nichts zu tun, sagte Seele. "Das ist eine Entscheidung für den Standort Österreich und nicht eine Entscheidung gegen irgendeinen anderen Standort." 
Für Kurz ist die Entscheidung der teilstaatlichen OMV für Österreich "nicht nur ein positives Signal für den Arbeitsmarkt, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Österreich insgesamt". 
Für den Widerstand in der EU gegen das Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2, auch seitens des EVP-Spitzenkandidaten Manfred Weber, zeigte der ÖVP-Bundeskanzler Verständnis. "Sowohl rational als auch emotional kann ich alle Standpunkte nachvollziehen, und ich verstehe auch andere Perspektiven, aber ich habe gleichzeitig als österreichischer Bundeskanzler und überzeugter Europäer meine eigene Perspektive", sagte Kurz. Je mehr Energiequellen und Transportrouten es gebe, desto besser. 

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Kohle mit Klimaschutz

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21. May. 2019

Die Politik verteuert Kohlendioxid mit Emissionszertifikaten und Steuern.
Anleger können mit Zertifikaten und Aktien vom steigenden Preis des Treibhausgases profitieren. 

Michael O'Leary, Chef der Fluglinie Ryanair, haut gerne mal einen derben Spruch raus. Dass der Mensch den Klimawandel verursacht habe, hält er für "kompletten Müll". Dennoch wirbt sein Unternehmen damit, die umweltfreundlichste Airline Europas zu sein. Tatsächlich rangiert Ryanair unter den größten Klimasündern in der EU auf Platz zehn. Davor liegen nur Braunkohlekraftwerke. Für die Treibhausgasemissionen seiner Flieger muss aber auch O'Leary Zertifikate kaufen. Dazu verpflichtet ihn das EU-Emissionshandelssystem. Die EU will damit ihre Klimaziele erreichen. 

Deutschland werde sein Klimaziel für 2020 verfehlen, räumte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Petersberger Klimadialog in Berlin ein. Das Ziel für 2030, rund 55 Prozent weniger Treibhausgase als 1990, müsse Deutschland dagegen unbedingt einhalten, so Merkel. Dabei kann der EU-Emissionshandel helfen. Wer große Mengen CO 2 ausstoßen will, braucht dafür Zertifikate, die er zum Teil zugeteilt bekommt und zum Teil kaufen muss (Details siehe Seite 87). Diese Zertifikate werden an der Börse gehandelt - und indirekt können auch Privatanleger an ihnen verdienen. 
Die CDU zieht den EU-Emissionshandel der CO 2 - Steuer vor. Sie hält ihn für marktwirtschaftlicher als eine Klimasteuer - und er funktioniert. "Es ist das einzige Instrument, bei dem die beteiligten Branchen ihre CO 2 - Reduktionsziele für 2020 tatsächlich erreichen", sagt Eric Heymann, Analyst bei der Deutschen Bank. 

Derzeit sendet der Emissionshandel klare Signale an Klimasünder, der Börsenpreis für CO 2 legte zuletzt deutlich zu. Grund dafür ist, dass die EU die Menge an Emissionsrechten verknappt. Die Rally am CO 2 - Markt zieht Spekulanten wie Ulf Ek an. Der ehemalige Energiehändler von Barclays Capital und Gründer des 484 Millionen Dollar schweren Hedgefonds Northlander Commodity wettet von London aus mit EU-Emissionsrechten. Preisschwankungen nutzte er clever, 2018 gewann sein Fonds 53 Prozent. 
Bisher gab es zu viele Emissionsrechte auf dem Markt, der CO 2 - Preis liegt noch bei 25 Euro je Tonne. Politisch gewollt sind 35 Euro. Erst dann, so die EU, lohne es sich, in emissionsarme Technologien zu investieren. Die EU werde im Winter in der Spitze bis zu 40 Euro pro Tonne CO 2 tolerieren, glaubt Mark Lewis, Emissionshandelsexperte des Vermögensverwalters BNP Paribas Asset Management. Für einen steigenden CO 2 - Preis spreche, dass Industrieunternehmen von 2021 an mehr Zertifikate zukaufen müssen - überschüssige Zertifikate würden sie deshalb vermutlich noch horten. Wichtig für den Preis sei auch die Konjunktur, sagt Andreas Speer, Rohstoffanalyst bei der Bayerischen Landesbank. Steuert Europa in eine Rezession, gehen Produktion und Stromverbrauch zurück, sinken die Treibhausgasemissionen - und damit auch der CO 2 - Preis. 

Emissionsrechte werden etwa an der Leipziger Strombörse EEX gehandelt. Privatanleger können derzeit nur indirekt über Zertifikate auf CO 2 - Preisindizes mitverdienen (siehe Tabelle Seite 86) - und das nicht eins zu eins, weil die Konstruktion der Papiere Rendite kostet. Wer kauft, sollte auch wissen, dass die Politik die Preise jederzeit wieder senken kann. "Der CO 2 - Markt ist hochpolitisch und wegen der hohen Volatilität eine Spielwiese für Spekulanten", sagt Raik-Oliver Heinzelmann, Vorstand des Emissionsrechtehändlers Advantag. 

Anleger, denen der CO 2 - Markt zu riskant ist, können in Unternehmen investieren, deren Technik hilft, CO 2 zu vermeiden, zu filtern, zu speichern oder zu messen. Der globale Markt für Umwelttechnik ist laut Vermögensverwalter Pictet Asset Management zwei Billionen Dollar groß. "Er wächst mit rund sieben Prozent pro Jahr", sagt Pictet-Manager Walter Liebe. 
Europas Öl- und Gasmultis stecken derzeit sieben Prozent ihrer Investitionen in klimafreundliche Technik. Zudem kaufen Konzerne weltweit Know-how ein. In diesem Jahr etwa übernahmen die Ölmultis Chevron, Occidental Petroleum sowie der Rohstoffkonzern BHP die kanadische Carbon Engineering. Die kann CO 2 aus der Atmosphäre filtern. Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt Carbon Engineering. 
Viele CO 2 - Start-ups gehören inzwischen großen Konzernen oder Private-Equity-Fonds. Börsennotierte Unternehmen, die nur mit CO 2 - Emissionen Geschäfte machen, sind daher selten. Es gibt allerdings mehrere Unternehmen, die mindestens in einer Sparte am Treibhausgas verdienen. Chancen bieten vier Kategorien von Aktien. 

1. SPEICHERUNG IM BODEN 
CO 2 lässt sich in bestimmten Gesteinsschichten dauerhaft speichern. Kanzlerin Angela Merkel will in Deutschland eine neue Debatte über die hierzulande bisher politisch nicht durchsetzbare Technologie anstoßen. Vorreiter in Europa ist der norwegische Energiekonzern Equinor, ehemals Statoil. Die Norweger leiten das Treibhausgas in den Meeresuntergrund, um es dort zu entsorgen. Das Kohlendioxid stammt von drei Industriebetrieben auf dem norwegischen Festland. An dem Projekt sind auch die Ölmultis Shell und Total beteiligt. Equinor selbst speichert seit 1996 CO 2 in der Nordsee. 
Geologische Reservoirs sind endlich. Wer Land besitzt, wo CO 2 versenkt werden kann, macht den Preis. Zu diesen Unternehmen gehört in den USA der Texas Pacific Land Trust. Der texanische Großgrundbesitzer verdient bisher an den Lizenzgebühren von Öl- und Gaskonzernen, die auf dessen Land fördern. Speicherung von CO 2 könnte ein lukratives Zukunftsgeschäft werden. Auch der Forstkonzern Weyerhaeuser, mit 5,3 Millionen Hektar einer der größten Landbesitzer der USA, besitzt Grund über speicherfähigen Gesteinsschichten. 

2. TRANSPORT IN PIPELINES 
Um Kohlendioxid zu speichern, muss es dorthin, wo die geologischen Verhältnisse optimal sind. CO 2 lässt sich kostengünstig mit Pipelines transportieren. In Kanada wird derzeit für 470 Millionen Dollar die weltgrößte CO 2 - Pipeline, die Alberta Trunk Line, gebaut. Das Kohlendioxid stammt aus einer Fabrik des Düngemittelherstellers Nutrien und soll von Bohrfirmen eingesetzt werden, um Öl aus dem Boden zu pressen. 
Das US-Unternehmen Denbury Resources besitzt mehrere CO 2 - Pipelines in Texas. Geld verdienen die Texaner vor allem mit dem Fördern von Öl und Gas. Ähnlich wie bei dem Projekt in Kanada liefert Denbury mit Pipelines Kohlendioxid zu Öl- und Gasfeldern. 

3. KATALYSATOREN UND FILTER 
Chancen bieten auch Technologien zur Filterung von CO 2 aus bestehenden Anlagen. Das Treibhausgas soll anschließend zurück in den Produktionskreislauf. Der Schweizer Spezialchemie-Anbieter Clariant will CO 2 aus Abgasen der Stahlindustrie mithilfe von Katalysatoren abscheiden. Das CO 2 geht dann in die Chemieindustrie. Noch ist das Konzept nicht marktreif. Bisher ist es billiger, Kohlenstoffe aus Öl zu gewinnen. Das Verfahren lohnt sich erst, wenn Öl teurer ist. Bereits marktreif sind die von Clariant entwickelten Katalysatoren, um Stickoxide, Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe zu filtern, die ebenfalls den Treibhauseffekt verstärken. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz mit Katalysatoren um zwölf Prozent. Damit machen die Schweizer 16 Prozent ihres Gewinns. 
Der US-Versorger NRG Energy hat eine Versuchsanlage in Texas, mit der sich das Treibhausgas eines Kohlekraftwerks um 90 Prozent reduzieren lässt. Das in der Anlage aufgefangene CO 2 nutzt die Ölindustrie, um nahezu ausgebeutete Quellen wieder zu beleben. Das Öl soll dabei aus dem Boden geholt werden und das Treibhausgas drin bleiben. NRG hat auch bei anderen emissionsarmen Geschäftsmodellen einen Fuß in der Tür, etwa bei Ladestationen für Elektroautos. Der Energiekonzern baut für die Stadt Houston die Ladeinfrastruktur aus. Houston ist beim Klimaschutz Vorbild: 85 Prozent des Stroms kommen aus erneuerbaren Energien. 

4. MESSEN UND WARNEN 
Damit Unternehmen wissen, wo im Produktionsprozess wie viel Kohlendioxid anfällt, brauchen sie Mess- und Sensortechnik. Geräte des US-Technologieunternehmens Thermo Fisher Scientific messen den Gehalt von Treibhausgasen in der Luft. Mit der Sparte Analysetechnik macht Thermo Fisher ein Fünftel seines Umsatzes und wächst mit acht Prozent pro Jahr. Im Kerngeschäft verkauft der Konzern Medizintechnik und rüstet Chemielabore aus. 
Auch der finnische Technologiekonzern Vaisala spürt CO 2 auf. Dessen Messgeräte werden in der Industrie, bei Wetterdiensten und von Kommunen eingesetzt. Vaisala verdient gleich doppelt am Treibhausgas, weil es Technik liefert, mit der sich Lecks in CO 2 - Kühlanlagen aufspüren lassen. Gefrorenes CO 2 wird nämlich auch als Kühlmittel eingesetzt. Hier ist der Klimakiller also sogar umweltfreundlich - CO 2 ersetzt die für die Ozonschicht der Atmosphäre schädlichen Fluorkohlenwasserstoffe. 
EU-EMISSIONSHANDEL 
DECKELN UND KÜRZEN 
DIE EU VERKNAPPT DIE EMISSIONSRECHTE. WIE DER CO 2 - MARKT FUNKTIONIERT - UND WAS SICH ÄNDERT. 

Unternehmen, die in der EU große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO 2 )durch den Schornstein jagen, brauchen dafür Emissionsrechte. Der 2005 für diese Zertifikate eingeführte Handel erfasst rund 45 Prozent der CO 2 - Emissionen in der EU. Nach festgelegten Quoten erhalten Industrieunternehmen und Energieversorger Emissionsrechte für einen befristeten Zeitraum. Ein Teil davon ist kostenlos, den Rest müssen die Unternehmen über Börsenauktionen zukaufen. Solche Auktionen laufen etwa über die Leipziger Strombörse (EEX), eine Tochter der Deutschen Börse. 
Weil die Gesamtmenge an CO 2 für einen bestimmten Zeitraum gedeckelt ist, hat der Preis kurzfristig keinen Einfluss auf die Emissionen. Er spielt allerdings eine Rolle bei Investitionen in Technologie, die Treibhausgase verringert. Ziel der EU ist es daher, den Preis pro Tonne CO 2 auf 35 Euro zu treiben. Erst ab diesem Preis lohnt es sich für Unternehmen, in emissionsarme Technologie zu investieren. Lange Zeit galt der Emissionshandel als Flop, weil mehr CO 2 - Zertifikate auf dem Markt waren, als die Industrie brauchte. Kritisch war es nach der Finanzkrise 2008, als Europas Wirtschaft lahmte und die CO 2 - Emissionen schrumpften. Der Überschuss an Zertifikaten stieg auf 2,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Das ist in etwa die Hälfte dessen, was die EU 2016 insgesamt an Kohlendioxid produzierte. Zeitweise kostete eine Tonne CO 2 nur noch vier Euro. Zu wenig für effektiven Klimaschutz, monierten Kritiker. Laut WWF sollen Europas größte Klimasünder satte Gewinne mit dem Handel von CO 2 - Zertifikaten gemacht haben. 

Die EU beschloss daher im Februar 2018 eine Reform des Emissionshandels. Seit 1. Januar gehen doppelt so viele der überschüssigen Zertifikate in eine Stabilitätsreserve (24 statt 12 Prozent). Diese Reserve soll die Preise am CO 2 - Markt stabil halten. Zudem sinkt die Zahl der Emissionsrechte von 2021 bis 2030 um jährlich 2,2 Prozent. Bis 2020 verringert sich das Kontingent nur um 1,74 Prozent pro Jahr. 
Mit der Reform von 2018 hat sich der CO 2 - Preis wieder erholt. Er zog seit Januar 2018 von 8 auf rund 25 Euro pro Tonne an (siehe Grafik). Da abzusehen war, dass Brüssel den Emissionshandel verschärft, haben vor allem Finanzinvestoren CO 2 - Zertifikate gebunkert. Das Handelsvolumen an der EEX stieg im vergangenen Jahr um 110 Prozent gegenüber 2017. 

Auf Energiepreise spezialisierte Hedgefonds treiben zusätzlich den CO 2 - Preis. Sie verknüpfen ihre spekulativen Deals mit Wetten auf Strom, Öl und Gas. So verdienen sie doppelt. Denn wird mehr Energie nachgefragt, produzieren die Kraftwerke mehr Kohlendioxid, und die Versorger müssen Emissionsrechte zukaufen. Finanzinvestoren haben im Emissionshandel einen schlechten Ruf. So waren zwischen 2009 und 2010 mehrere Manager der Deutschen Bank an einem Umsatzsteuerbetrug mit CO 2 - Emissionsrechten beteiligt. 2016 wurden sie zu Haftstrafen verurteilt. 
 

Wirtschaftswoche
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Verbund im Clinch mit der E-Control

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Wien, 21. May. 2019

Der Verbund sorgt mit dem Gaskraftwerk Mellach dafür, dass das Stromnetz stabil bleibt. Dafür kassiert er Geld. Zu viel, sagt die E-Control.
Der Betriebsrat droht mit einem Marsch auf Wien. 

Das 550 Millionen Euro teure Verbund-Kraftwerk im steirischen Mellach steht unter keinem guten Stern. Kaum fertiggestellt, fiel der Strompreis so stark, dass das modernste Gaskraftwerk im Land auf dem Markt nichts verdienen konnte. Die Rettung brachte just der Ökostromausbau. Die vielen Tausend Wind- und Solarkraftwerke schwanken in ihrer Erzeugung so stark, dass stabile Lieferanten wieder heiß begehrt sind. Seither sichert Mellach als "Feuerwehr" die Stabilität des heimischen Stromnetzes. Hunderte Male hat der Netzbetreiber APG das Kraftwerk anwerfen lassen, wenn Sonne und Wind gerade ausgelassen haben. 
Allerdings habe die Verbund-Tochter APG ihren Mutterkonzern für die Dienste zu gut bezahlt, befindet der Regulator E-Control. Der Verbund soll aus dem Dreijahresvertrag bis 2021 etliche Millionen Euro zurückbezahlen. Davon will das Unternehmen nichts wissen - der Streit spitzt sich zu. 
Wackelt der Standort Mellach? 

Klar ist, dass das Bereithalten von Kraftwerksleistung kostet: Personal muss abgestellt werden, Reparaturen häufen sich - und dann soll unter dem Strich auch noch etwas übrig bleiben. Umso mehr, wenn ein Kraftwerk wie jenes in Mellach erst acht Jahre jung ist und seine Investition nicht zurückverdient hat. 

Vor Kurzem landete daher ein recht deutlicher Brief aus dem Verbund-Konzern auf den Tischen der beiden E-Control-Vorstände, Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer: "Ich möchte Sie daran erinnern, dass bei jedem Wirtschaftsunternehmen (. . .) die Gewinnkomponente eine Überlebensfrage darstellt", schreibt der Vorsitzende des Zentralbetriebsrats der Verbund Thermal Power, Kurt Christof. "Eine Anerkennung der Kapitalkosten ist erforderlich, um den Standort nicht zu gefährden." 
Wie war das? Ist Mellach schon wieder in Gefahr? Zur Erinnerung: Der Verbund-Vorstand hat lange Jahre um die Zukunft seines Kraftwerks gerungen. "Verkaufen, stilllegen, einmotten", lautete das Motto. Mellach sei von strategischer Bedeutung für das heimische Netz, aber "wenn niemand zahlt, muss es weg", ließ Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber noch 2016 wissen. Heute kalmiert der Vorstand: Es gebe einen laufenden Vertrag mit der APG. Man befinde sich in "normalen Tarifverhandlungen". 
Doch was "normal" ist, liegt in den Augen des Betrachters: "Wir werden zu Tode geprüft", klagt Kurt Christof. Zahle der Verbund in Mellach drauf, sei das Schreckgespenst der Schließung schnell zurück, fürchtet er. Auch die APG hat sich eingeschaltet und den Bescheid des Regulators angefochten. Weder APG noch E-Control wollten sich zum Verfahren äußern. 

Dass eine Lösung gefunden werden muss, ist aber allen klar. Nicht nur, um den 170 Mitarbeitern in Mellach die Jobs zu sichern, sondern auch, um die Stromversorgung im Land nicht zu gefährden. 
Mehr als die Hälfte der thermischen Kraftwerksleistung in Österreich hat die APG reserviert, um sie im Notfall hochfahren zu können und damit das Netz zu stabilisieren. Die kalkulierten Kosten liegen bei gut hundert Millionen Euro im Jahr, die über die Netzkosten von den Stromkunden bezahlt werden. 
Kraftwerk zusperren verboten 
Bleibt die Frage, wie viel so ein Feuerwehreinsatz der Stromkonzerne die Allgemeinheit kosten darf. Laut Gesetz muss der wirtschaftliche Nachteil der Kraftwerksbetreiber ausgeglichen werden, eine Gewinnkomponente sei nicht vorgesehen, heißt es aus der E-Control. 

Noch nicht. Denn die Chancen stehen gut, dass die Regierung mit dem Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) auch diese Regelung ändern wird. Rückendeckung hätte sie genug: "Das ist ein Notfallsparagraf und sicher keine Dauerlösung", sagt E-Control-Ko-Vorstand Andreas Eigenbauer. Österreich brauche eine zukunftsfähige Lösung für das Problem. 

Doch nicht alles, was in den Verhandlungen zum EAG auf dem Tisch liegt, wird den Betreibern zusagen. So hat das Ministerium dem Vernehmen nach Gefallen an einer Idee gefunden, die die frühere APG-Chefin Ulrike Baumgartner-Gabitzer ins Spiel gebracht hat: Die APG soll das Recht erhalten, Betreibern im Notfall das Schließen von Kraftwerken zu verbieten. Auch eine mögliche Preisobergrenze für die Feuerwehreinsätze soll im Gespräch sein.

Damit würde das Problem nur verschlimmert, warnt Kurt Christof. Der Betriebsrat hofft auf ein Einlenken der Regulatoren, damit der Verbund nicht von sich aus aus dem Vertrag aussteige. "Dann werden wir laut", droht er. "Hier geht es um unsere Arbeitsplätze. Wird Mellach infrage gestellt, marschieren wir auf - vor der E-Control in Wien." 
 

Die Presse, von Matthias Auer
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Gewinne mit dem Klimahandel

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21. May. 2019

Durch den Kauf von CO2-ZERTIFIKATEN können auch PRIVATANLEGER von dem System zur Verringerung der Umweltbelastung profitieren.

EINE WELT, die den Klimawandel tatsächlich bekämpfen will, muss ihre Ernährung umstellen. So lautet die Erkenntnis einer im Wissenschaftsmagazin Lancet veröffentlichten Studie von 37 Forschern aus 16 Ländern. Denn die landwirtschaftliche Fleischproduktion ist für 26 Prozent der weltweit menschengemachten Erderwärmung hauptverantwortlich. Oder man startet wie die Umweltaktivistin Greta Thunberg eine globale Bewegung für den Klimaschutz. Die Politik wiederum versucht, durch Drehen an der CO2-Schraube bei Unternehmen den Klimawandel in den Griff bekommen. Neben der aktuell diskutierten CO2-Steuer sind die CO2-Zertifikate schon seit Längerem ein Versuch, den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Unternehmen, die mehr Kohlendioxid in die Luft jagen, als ihnen zusteht, müssen Zertifikate zukaufen. Jene, deren Ausstoß unter dem ihnen erlaubten Grenzwert liegt, können Zertifikate verkaufen. Und an diesem Handel können auch Privatanleger profitieren. Die Commerzbank hat eigens dafür ein Indexzertifikat auf die an der Energiebörse EEX in Leipzig und London gehandelten Emissionsrechte begeben (ISIN: DE000DR1WBM0). Nach einem zögerlichen Start bei der Einführung des Systems 2005 hat sich der Preis für die Emissionsrechte im vergangenen Jahr beinahe verdoppelt. Das Indexzertifikat hat die Preisbewegung mitvollzogen (siehe Chart). Und die Experten der Berenberg Bank prophezeien einen weiteren Anstieg um mehr als 100 Prozent. Denn die Gesamtmenge des CO2- Ausstoßes für die einzelnen Unternehmen wird gesenkt. Die Obergrenze für die Gesamt-Emissionen wird Jahr für Jahr um 1,74 Prozent reduziert. Und ab 2021 wird der Gesamtausstoß um 2,2 Prozent jährlich verringert. Hauptauslöser für die steigenden Preise ist jedoch die sogenannte Marktstabilitätsreserve (MSR) - das sind Zertifikate, die jährlich vom Markt genommen werden. Bis 2018 sind zwölf Prozent der handelbaren Zertifikate in diesen MSR-Fonds gewandert, ab 2019 soll der Anteil noch einmal verdoppelt werden. Es erfolgt also eine künstliche Verknappung der käuflichen Zertifikate. Wenn die Unternehmen ihren Kohlendioxid- Ausstoß dennoch nicht in diesem Ausmaß verringern, müssen sie teurer zukaufen. Erst wenn es für Unternehmen günstiger ist, in umweltschonende Technologie zu investieren, wird der Kurs der Zertifikate wieder fallen.
 

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Stromnetzausbau geht zu langsam voran

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21. May. 2019

Netzagentur sieht hohe Kosten für Systemsicherheit 

Energiewende, Kohleausstieg, Atomausstieg: Der Umbau der deutschen Energieversorgung läuft auf vollen Touren - der dafür notwendige Ausbau des Stromnetzes allerdings eher schleppend. "Der Netzausbau kommt nicht so schnell voran, wie es nötig wäre", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, am Donnerstag in Bonn. Das schlage sich in hohen Kosten für die Systemsicherheit nieder. 
1,4 Milliarden Euro kosteten demnach im vergangenen Jahr Maßnahmen wie Leistungsanpassungen von Kraftwerken und die Vorhaltung von Reservekraftwerken, die über die Netzentgelte auf die Verbraucher umgeschlagen werden. Aktuell sind laut Homann rund 7700 Kilometer neue Stromleitungen in Deutschland geplant. Davon befinden sich 4600 Kilometer in Planungsverfahren und nur 1800 Kilometer sind genehmigt. Von den genehmigten Leitungen wurden laut dem Jahresbericht der Behörde Stand drittes Quartal 2018 nur 950 Kilometer gebaut. 

Oft hakt es bei Stromtrassen an Verzögerungen im Planungs- und Genehmigungsprozess sowie am Widerstand der Bevölkerung. Am Freitag tritt das "Gesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus" in Kraft, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Es soll die Verfahren beschleunigen, gleichzeitig aber die Öffentlichkeit weiter einbinden und die Umweltstandards erhalten. Dies ist "ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Energiewende", erklärte das Ministerium. Homann sagte dazu, er erhoffe sich von der Novelle einen "Beschleunigungsimpuls für die Planungs- und Genehmigungsverfahren". Von mehr Enteignungen für den Netzausbau, wie sie der Wirtschaftsweise Lars Feld gegenüber WELT vorschlug, hält Homann hingegen wenig. "Enteignungen sind wirklich das allerletzte Mittel", sagte er. Vielen Grundstückseigentümern gehe es vor allem ums Geld, da fände sich meist eine Lösung. "Ich wünsche mir allerdings, dass öffentlicher Grund etwas großzügiger zur Verfügung gestellt wird." 

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Das Stiefkind der Energiewende

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21. May. 2019

Solarstrom ist derzeit kaum relevant, könnte aber 30 Prozent des Energiebedarfs Österreichs decken

Zwei Drittel der Energieproduktion in Österreich kommen nach wie vor aus fossilen Energiequellen. Die müssen eigentlich zur Gänze bis 2050 verschwinden. Der Weg dahin geht übers Stromsparen und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das sind Wasserkraft, Windkraft, Biomasseverstromung und -fernwärme und das Stiefkind der Energiewende, die Sonnenverstromung, also Fotovoltaik (PV). 
Derzeit stammen, je nach Wetterlage, zwischen einem halben und knapp vier Prozent des in Österreich verbrauchten Stroms aus Solarzellen. "Langfristig können 20 bis 30 Prozent des Strombedarfs aus Solarstrom gedeckt werden", sagt Vera Immitzer vom Fotovoltaik-Bundesverband. 
Aber macht das Sinn, ist das Land grundsätzlich (nicht derzeit) ausreichend von Sonne begünstigt? "In Österreich liegt die mittlere, jährliche Sonneneinstrahlung bei 1000 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das entspricht dem Energiegehalt von 100 Litern Öl." 

Würde man mit heutiger Technologie auf drei Prozent der Fläche Österreichs (rund 2500 Quadratkilometer) Fotovoltaik-Module installieren, könnte der gesamte Energiebedarf abgedeckt werden, rechnet die Diplomingenieurin vor - jedenfalls theoretisch. 

Der Ausbau stocke seit Jahren, klagt die Branchenexpertin. Derzeit stünden für Privatpersonen Förderungen für Solarstrom in Höhe von 4,3 Millionen Euro zur Verfügung, berichtet Immitzer. In den Jahren davor seien es noch 8 Millionen gewesen. "Unser Problem ist eine Stop-and-go-Förderpolitik, die verunsichert. Die Bevölkerung kann nicht ordentlich planen, und das Gewerbe hat keine Sicherheit, wie es weitergeht." Sie sehe das auch als Problem für die von der Bundesregierung gesetzten Klimaziele für 2030. So sei bei dem von der Regierung angekündigten 100.000-Dächer-Programm bis heute nicht klar, was gemeint sei und wie die Förderung aussehen soll. "Sollen jedes Jahr PV-Module für 100.000 Dächer installiert werden, oder insgesamt bis 2030?" 

100.000 PV-Dächer Thomas Becker kann das nur bestätigen. Der Tiroler Unternehmer hat seine eigene PV-Firma, die Sonnenstrom-Lösungen für Private umsetzt. Rund 100.000 Häuser in Österreich seien derzeit schon mit den Hightech-Modulen ausgestattet. 
Nach welchen Kriterien sollte entschieden werden, ob PV-Anlagen am eigenen Hausdach installiert werden? Becker muss lachen: "Jedenfalls wenn Strom verbraucht wird." 
Je nach Stromverbrauch eines Haushalts werden derzeit Anlagen zwischen 1,5 bis 8 kW installiert. 5 kW-Anlagen kosten 10.000 Euro. 

Einen Haken hat das ganze schon: Sonnenstrom, besonders in Verbindung mit einem Stromspeicher (Kosten ebenfalls rund 10.000 Euro, siehe Artikel rechts) kann Häuser vom Stromnetz unabhängig machen - aber nur von Ende März bis Ende Oktober. 
Im Winter sei die Sonne zu schwach, die Batterien vollständig zu laden, um auch abends den eigenen Strom zu beziehen. Dann greift das installierte System automatisch auf den Netzstrom (etwa von Windkraftanlagen) zu. PV-Förderung für Private unter www.pv.klimafonds.gv.at 
 

Kurier, von Bernhard Gaul
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Große Offensive für erneuerbare Energien

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17. May. 2019

Wasserkraft und Photovoltaik stehen im Fokus

Oberösterreich ist ein Land der erneuerbaren Energien. Ausgenommen bei Windkraft ist das Land ob der Enns bei der Nutzung aller erneuerbarer Energieträger Nummer eins. Trotzdem soll noch weiter an den Stellschrauben gedreht werden. "Wir möchten das Land der erneuerbaren Energien sein und werden", definiert Landeshauptmann Thomas Stelzer das energiepolitische Ziel. Es gehe um einen gesamthaften Umbau der Energiesysteme.

Oberösterreich ist Land der Wasserkraft
Zwei "treibende Motoren" seien die Wasserkraft und Photovoltaik-Anlagen. Oberösterreich ist mit 30 Großkraftwerken und 690 Kleinwasserkraftwerken ein Land der Wasserkraft. Trotzdem gibt es noch Potenzial, das wir heben und ausbauen wollen",so Stelzer. Wasserkraft sei außerdem eine CO2-neutrale Energieform und biete auch einen Erlebnis-und Erholungsraum, so Landesrat Markus Achleitner. Und bis zum Jahr 2030 könnten 2600 bis 6000 Gigawattstunden Strom von den Photovoltaikanlagen geliefert werden. Der Wandel im Energiebereich könne ein Hebel für die oö. Wirtschaft sein.

Schrittweiser Ausstieg aus fossiler Energie
Wichtig sei ein Ausstieg aus fossilen Energieträgern, betont Achleitner. Um ein Signal zu setzen, habe man daher ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten erwirkt, das noch in Begutachtung ist. "Wir rechnen damit, dass ein entsprechendes Gesetz noch vor Sommer beschlossen wird." Mit der Energieoffensive will man außerdem zur Erreichung des Zieles der "#mission2030" des Bundes beitragen, bis zum Jahr 2030 ein Drittel der CO2 Emissionen einzusparen-eine "Herkulesaufgabe, bei der alle Stellschrauben gedreht werden müssen",so Achleitner.

Oberösterreichisches Volksblatt