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Branche im Windjammer

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22. Jan. 2019

Die heimische Offshore-Windbranche sieht flaue Jahre auf die Anlagenbauer zukommen und warnt vor dem Verlust der weltweiten technologischen Marktführerschaft. In den Jahren 2020 bis 2022 werde der Ausbau auf See in Deutschland komplett zum Erliegen kommen, wie die Branchenverbände auf einer Pressekonferenz gestern in Berlin beklagten.

Offshore-Wind sei einer der letzten Märkte mit deutscher Spitzenposition, sagte Andreas Wellbrock, Geschäftsführer des Branchennetzwerks WAB. Wenn jetzt der Heimatmarkt politisch abgewürgt werde, fehle das Schaufenster für das Exportgeschäft. Zudem würden die klugen Köpfe der Branche zunehmend ins Ausland abwandern, wo sich der Offshore-Boom weiter beschleunige. Nur Deutschland bremse, sagte Marc Becker vom Anlagenbauer Siemens-Gamesa. Die Offshore-Branche hat in Deutschland 26.000 Arbeitsplätze. Das sind 30 Prozent mehr als im Braunkohle-Sektor.

Vergangenes Jahr gingen laut Branchenvertreter 136 neue Anlagen ans Netz mit einer Leistung von 969 Megawatt - das entspricht etwa einem großen Atommeiler. Weitere 46 Anlagen mit 276 MW wurden errichtet, die noch keinen Strom eingespeist haben. Der Ausbau deckte damit etwa zwei Drittel der Produktionskapazitäten. Auch 2019 erwarten die Verbände noch einmal einen ansehnlichen Zubau. Dann drohe eine große, drei Jahre anhaltende Flaute. Denn die nächste Auktionsrunde mit der Vergabe neuer Anlagen sei erst für 2021 terminiert. Um den " abrupten Abbruch mit drastischen Folgen" zu verhindern, so Knud Rehfeldt, Geschäftsführer der Deutschen Windguard, verlangt die Branche schnelle zusätzliche Ausschreibungen, wie sie im Koalitionsvertrag zugesichert worden seien, und " klare Signale" der Politik.

Klimaziele und die Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien würden sonst gerissen. Der Zubau müsse sich auch deshalb beschleunigen, weil sich bis zur Jahrhundertmitte der Stromverbrauch verdoppeln könnte.

Der stagnierende Netzausbau macht der Offshore-Branche ebenfalls Sorgen. Ein Sonderzubau von 1.500 MW könne aber über die bestehenden Netzstrukturen gut abtransportiert werden, hieß es.

von Manfred Kriener

 

taz am 22.01.2019, S. 8
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EU-Beihilfenreform in der Warteschleife

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21. Jan. 2019

Die Europäische Kommission verlängert das bestehende Regelwerk für staatliche Beihilfen bis 2022. Die Aktualisierung von Bestimmungen muss trotz gewisser Schwächen des Status quo weiter warten.

Staatliche Beihilfen sind in der EU grundsätzlich verboten. Zulässig sind sie nur, wenn sie von der EU-Kommission auf Basis einer Anmeldung genehmigt werden oder ausnahmsweise von einer Anmeldepflicht freigestellt sind. Freigestellt sind gewisse Gruppen von Beihilfen, die unter die sogenannte Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) fallen, sowie – generell – sogenannte De-minimis-Beihilfen, das sind Beihilfen unterhalb eines vergleichsweise geringen Schwellenwerts von 200.000 Euro.

Mit der großen Modernisierungswelle seit 2012 hat die EU-Kommission den Vollzug dieser Vorschriften stark vereinfacht. Insbesondere wurden die Gruppen der freigestellten Beihilfen beträchtlich erweitert und wichtige Klarstellungen vorgenommen. Diese Reform führte zu einer deutlichen Reduktion der Fallzahlen auf EU-Ebene – laut Statistik der EU-Kommission können nunmehr mehr als 97 Prozent aller Beihilfemaßnahmen anmeldungs- und genehmigungsfrei durchgeführt werden.

Ermöglicht wurde dies vor allem durch die neu gefasste AGVO 2014. Sie stellt gewisse staatliche Beihilfen von vornherein frei, wenn allgemeine und besondere Kriterien erfüllt sind. Grob gesprochen betrifft dies besonders förderungswürdige Sektoren wie Umwelt, Beschäftigung, Forschung und Entwicklung und Innovation, kleine und mittlere Unternehmen, wenn der Anreizeffekt entsprechend hoch und die Wettbewerbsverzerrungen gering sind. Die Förderstellen gestalten ihre Förderprogramme in der Regel auf Basis dieser AGVO, sofern die Beihilfen nicht ohnehin unter dem De-minimis-Schwellenwert bleiben.

Die AGVO 2014 ist auf den ersten Blick sehr umfangreich. Die Regelungstechnik mit einem allgemeinen Teil sowie spezifischen Regelungen für insgesamt zwölf Gruppen von Beihilfen bringt es aber mit sich, dass jede einzelne Gruppe nur kurz behandelt wird. Dies führt – wie oft in der Juristerei – zu einem Graubereich und Unsicherheiten in der Anwendungspraxis.

Die Modernisierung hat die EU-Kommission erheblich entlastet und Kapazitäten für wichtige Beihilfefälle und Initiativen geschaffen. Damit wurde den Mitgliedsstaaten mehr Verantwortung bei der Vollziehung des EU-Beihilferechts übertragen, ohne ihnen aber ein umfassenderes Begleitinstrumentarium anzubieten. Immerhin stellt die EU-Kommission Interpretations- und Orientierungshilfen – sogenannte FAQs – bereit; diese sind aber rechtlich unverbindlich und unvollständig, was ihren Mehrwert für den Rechtsanwender deutlich reduziert. Nationale Förderstellen können zudem noch ein internes Q&A-Tool der Generaldirektion Wettbewerb nutzen.

Gesamthaft betrachtet sind die beihilferechtlichen Rahmenbedingungen mit der De-minimis-Verordnung, der AGVO 2014 und den Leitlinien nicht mehr ganz aktuell und bilden die aktuellen Entwicklungen am Markt und in der Rechtsprechung nur unvollständig ab. Das ist an sich kein Problem, da sie ja nach ihrer Konzeption ohnehin großteils Ende 2020 auslaufen und durch Nachfolgeregelungen ersetzt werden sollten.

In die Verlängerung

In dieser Gemengelage hat die EU-Kommission vergangene Woche allerdings mitgeteilt, dass der Status quo – insbesondere auch die AGVO 2014 – vorerst um zwei Jahre bis Ende 2022 verlängert wird. Damit wird z. B. Investitionssicherheit bei Energiebeihilfen gewährleistet. Andererseits könnten damit neu formulierte Politikziele z. B. in Hinblick auf Klimaschutz und Industrie 4.0 deshalb beihilferechtlich nicht ausreichend unterstützt werden.

Bei dem in Österreich derzeit andiskutierten „Erneuerbaren Ausbau Gesetz“ könnte sich – je nach Ausgestaltung und Laufzeit – die Frage ergeben, ob die EU-Kommission bei einer beihilferechtlichen Prüfung des Gesetzesvorhabens (voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2019) die neue, ambitioniertere EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien überhaupt mitbedenken müsste oder weiterhin nach den offeneren Leitlinien zu Umweltschutz- und Energiebeihilfen aus dem Jahr 2014 vorgehen kann.

Handlungsbedarf besteht jedenfalls in- Hinblick auf die nationalen Spielräume zur Privilegierung energieintensiver Industrien. Werden diese Spielräume von einzelnen EU-Mitgliedstaaten nämlich unterschiedlich genutzt – Deutschland hat z. B. eine derartige Privilegierung, Österreich nicht – verzerrt dies den Wettbewerb innerhalb der EU, und das sollte ja auch nicht sein.
Eine Aktualisierung wichtiger EU-Beihilferegeln hätte einzelne Punkte klären können. Darauf muss man nun weitere zwei Jahre warten.

Immerhin werden die beihilferechtlichen Regelungen jetzt einmal kommissionsintern und durch öffentliche Konsultation einem Fitness-Check unterzogen. Anhand einer „Eignungsprüfung“ soll bewertet werden, ob sie künftig verlängert werden können oder aktualisiert werden müssen. Mehr Orientierung und Transparenz würde den Förderstellen und der Wirtschaft jedenfalls das Leben leichter machen.
 

von Johannes Barbist und Regina Kröll

 

 

Der Standard am 21.01.2019, S. 12
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Schluss mit Koksen

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Duisburg, 21. Jan. 2019

Thyssen-Krupp will bis 2050 zehn Milliarden Euro in die CO2 - freie Stahlerzeugung investieren. Für die Branche beginnt ein Rennen gegen die Zeit.

Die rostroten Industrietürme von Thyssen-Krupp im Duisburger Norden sind so eng mit der Stadt verbunden wie der Fußballverein MSV oder die Currywurst. Schon seit mehr als 100 Jahren wird in den riesigen Hochöfen im Ortsteil Bruckhausen, wo Rhein und Ruhr aufeinandertreffen, täglich tonnenweise Eisenerz und Kokskohle zu schwarzgrauem Roheisen zusammengeschmolzen. Doch die Tage der Traditionstürme sind gezählt: Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, will Thyssen-Krupp seine Hochöfen voraussichtlich spätestens im Jahr 2050 erlöschen lassen.

Enden soll damit aber nicht die Stahlproduktion, sondern allein die CO2 - Belastung, die mit der dortigen Herstellung von Roheisen bisher untrennbar einhergeht. Als einer der ersten Hersteller in Europa legt der Ruhrkonzern damit ein konkretes Datum für den Ausstieg aus der Kokskohle fest. "Es ist Aufgabe der Industrie, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", sagte Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss dem Handelsblatt.

Bislang war der Konzern in Sachen Klimaschutz vor allem für sein Projekt "Carbon2Chem" bekannt, bei dem das anfallende CO2 in andere Chemikalien wie Ammoniak umgewandelt wird, die sich weiternutzen lassen. "Daneben wollen wir aber auch versuchen, CO2 gar nicht erst entstehen zu lassen", so Goss. "Deshalb haben wir nun einen Fahrplan für die Umstellung auf eine wasserstoffbasierte Stahlerzeugung aufgestellt."

Insgesamt zehn Milliarden Euro will das Unternehmen über die kommenden 30 Jahre in die Modernisierung seiner Prozesse investieren, um die Kokskohle zu ersetzen. Das Unternehmen setzt sich damit an die Spitze einer Entwicklung, die seit einigen Jahren die gesamte Branche erfasst: der Trend zur wasserstoffbasierten und damit CO2 - freien Stahlherstellung, die die Unternehmen langfristig vor steigenden Umweltkosten und strengeren Klimaregeln schützen soll.

Denn bislang zählt die Stahlindustrie zu den industriellen Hauptverursachern von CO2 in Deutschland. Durch das Verbrennen von Kokskohle werden hierzulande jedes Jahr bis zu 38 000 Kilotonnen des Klimagases in die Atmosphäre abgegeben. Das ist fast ein Drittel der Emissionen der gesamten deutschen Industrie. Angesichts des Ziels der EU, die CO2 - Emissionen bis 2050 auf null zu reduzieren, wolle Thyssen-Krupp mit den Investitionen nun einer möglichen Einschränkung seiner Geschäfte zuvorkommen, so Goss: "Wir haben Sorge, dass die Stahlerzeugung in Europa aus vornehmlich ideologischen Gründen über Nacht infrage gestellt wird."

Es ist eine Sorge, die viele Wettbewerber teilen. Denn der weit überwiegende Teil des europäischen Stahls wird bisher im Hochofenverfahren hergestellt, bei dem Eisenerz und Kokskohle abwechselnd im Ofenschacht aufgeschichtet und unter Zugabe von Heißluft und weiterer Stoffe auf mehr als 1 200 Grad Celsius erhitzt werden. Die Produktion von Kohlenstoffdioxid gehört dabei untrennbar zum Prozess: Das Klimagas bindet den Sauerstoff, der dem Eisenerz bei der Umwandlung zum Roheisen vor der endgültigen Weiterverarbeitung zur Stahlbramme entzogen wird.

Schon länger erproben daher auch Hersteller wie die niedersächsische Salzgitter und die österreichische Voestalpine neue Verfahren, bei denen andere Stoffe diese Aufgabe übernehmen können. Das Rennen hat bei allen der Wasserstoff gemacht: Das Gas ist brennbar und reagiert ebenfalls mit dem Sauerstoff im Eisenerz - bildet dabei aber kein klimaschädliches CO2 ,sondern H20, also Wasser. Doch noch hat kein Hersteller die "grüne Stahlproduktion" zur industriellen Marktreife gebracht - auch, weil die Voraussetzungen für eine solche Umstellung gewaltig sind.

Denn statt des klassischen Hochofens braucht es für grünen Stahl sogenannte Reduktionsanlagen, in denen das Eisenerz zunächst mithilfe von Wasserstoff in Eisenschwamm umgewandelt werden kann. Erst danach wird der Eisenschwamm in einem Elektro-Ofen unter Beigabe von Schrott zu Stahl geschmolzen. Vor allem für die fünf größten deutschen Hersteller würde der Einsatz von Wasserstoff somit einen Komplettaustausch der Anlagen bedeuten: Sie setzen bei der Produktion derzeit noch zu fast 95 Prozent auf das Hochofenverfahren.

Auch bei der Versorgung sieht Arnd Köfler, Produktionsvorstand bei Thyssen-Krupp Steel, derzeit "noch viele Fragezeichen", bevor sich die Wasserstofftechnologie in der Branche vollständig durchsetzen kann. "Wir brauchen Pipelines, die uns mit Wasserstoff versorgen, und der Wasserstoff muss in ausreichender Menge zur Verfügung stehen", so der Manager. Rahmenbedingungen wie die Versorgung mit Wasserstoff und Energie ließen sich vom Konzern "nur begrenzt beeinflussen", gibt auch Stahlchef Goss zu bedenken.

Für das Projekt arbeitet Thyssen-Krupp deshalb mit Unternehmen aus der Region zusammen, deren Namen in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden sollen. Köfler sagt bislang nur so viel: "Wir haben in Duisburg für die Umstellung auf wasserstoffbasierte Stahlerzeugung eine in Europa einzigartige Ausgangslage. In einem Umkreis von 200 Kilometern befinden sich hier die wichtigsten Industriepartner, mit denen wir das Projekt gemeinsam angehen wollen."

Ähnlich setzt auch die österreichische Voestalpine auf Kooperationen mit anderen Industriezweigen, um die eigene Versorgung mit Wasserstoff für die Zeit nach Kokskohle und Hochofen sicherzustellen. So bauen die Österreicher gemeinsam mit Siemens, dem Energieversorger Verbund, dem Netzbetreiber Austrian Power Grid und weiteren Forschungspartnern in Linz an der weltweit größten Pilotanlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff. Ziel des Projektes "H2Future" sei, "echte Breakthrough-Technologien zu erforschen, die in etwa zwei Jahrzehnten im großtechnischen Stil anwendbar sein könnten", so Voestalpine-Vorstandschef Wolfgang Eder.

Enorm hoher Energiebedarf

Der österreichische Forschungsverbund adressiert damit ein weiteres Problem, das die Umstellung mit sich bringen dürfte: den rapide wachsenden Bedarf an Wasserstoff und der Energie, mit dem er erzeugt wird.

So bräuchte allein die Voestalpine zusätzliche Energie in Höhe von jährlich etwa 30 Terawattstunden, um den benötigten Wasserstoff für die eigene Stahlproduktion herzustellen. Das entspricht aktuell fast der Hälfte des gesamten österreichischen Strombedarfs. "Voraussetzung für grünen Wasserstoff ist, dass erneuerbare Energien in ausreichendem Umfang und zu konkurrenzfähigen Bedingungen als Basis zur Verfügung stehen", so Eder. Doch angesichts des deutschen Strommixes, bei dem erneuerbare Energien noch kaum ein Drittel der Gesamtproduktion ausmachen, scheint das Ziel noch in weiter Ferne.

Und so sorgen sich die deutschen Stahlhersteller trotz aller Anstrengungen vorerst weiter um ihr Geschäft. Denn dass die EU eines Tages harte Regeln für eine klimaneutrale Industrie festlegen wird, gilt in der Branche als ausgemacht. Mehr oder weniger eindeutig äußerte sich hierzu auch der zuständige EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Cañete, als er erklärte: Bei einer vollständigen Dekarbonisierung Europas könnten möglicherweise ganze Industriezweige verschwinden.
Thyssen-Krupp-Stahlchef Goss fordert daher von der Politik vor allem genügend Zeit, um die langfristigen Vorgaben aus Brüssel umzusetzen. "Ich beobachte häufig, dass die Diskussion um Klimaschutz unsachlich verläuft", so der Manager. Dass eine Veränderung notwendig sei, werde von der Industrie grundsätzlich nicht bestritten. "Das Problem muss aber wissenschaftlich und wirtschaftlich gelöst werden, nicht ideologisch."

Zumindest sein Unternehmen hat damit nun begonnen: In zwei Jahren startet in Duisburg die erste Phase der Umstellung auf grünen Stahl, bei dem der Konzern zunächst den Einsatz und die Gewinnung von Wasserstoff im klassischen Hochofenprozess näher erforscht. Stück für Stück sollen dann in den kommenden Jahrzehnten Anlagen modernisiert und neu gebaut werden, bis die Duisburger Hochöfen 2050 vollständig von Reduktionsanlagen und Elektro-Öfen ersetzt sind.

Einen mahnenden Appell richtet Goss derweil an Brüssel: "Eine Deindustrialisierung Europas würde bedeuten, dass Produkte wie Stahl künftig in anderen Regionen der Welt hergestellt werden, wo die ökologischen Produktionsbedingungen nicht so streng kontrolliert werden."

ZITATE FAKTEN MEINUNGEN

Wir haben Sorge, dass die Stahlerzeugung in Europa aus vornehmlich ideologischen Gründen über Nacht infrage gestellt wird.
Andreas Goss Vorstandsvorsitzender Thyssen-Krupp Steel
 

von Kevin Knitterscheidt

 

 

Handelsblatt am 21.01.2019, S. 016
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Grüne Unternehmenswende

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Düsseldrof, 21. Jan. 2019

Ölkonzerne koppeln Manager-Boni an CO2 - Emissionen, und deutsche Unternehmen versprechen mehr Engagement für nachhaltige Entwicklung. Dahinter steckt nicht nur der Gedanke, das Klima zu retten.

Lange haben Unternehmen versucht, das Thema Klimaschutz zu ignorieren oder es mit leeren Versprechungen vom Tisch gewischt. Nun scheint langsam ein Umdenken stattzufinden, und eine Klima-Allianz jagt die nächste. Eine Gruppe aus Großinvestoren hat sich in der Initiative "Climate Change 100+" versammelt, um Druck auf Multimilliardenkonzerne aufzubauen. Der Ölriese Shell verkündete noch vor Ende des vergangenen Jahres, seine Managergehälter und Boni an bestimmte Nachhaltigkeitsziele zu knüpfen. Und das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit gründete im Dezember eine "Allianz für Entwicklung und Klima". Unterstützer sind Unternehmen wie SAP, die Commerzbank, Bosch oder der Rückversicherer Munich Re.

"Ja, wir sehen tatsächlich Bewegung in der Wirtschaft beim Thema Klimaschutz", sagt Steven Tebbe, Europachef des Carbon Disclosure Projects (CDP), einer Non-Profit-Organisation, die Umweltdaten wie Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch von Unternehmen sammelt und veröffentlicht. Immerhin hätten sich über 80 Prozent der europäischen Unternehmen nun eigene Klimaziele gesetzt.

Und Rückversicherer treffen die Naturkatastrophen besonders hart. So musste der größte Energieversorger der USA, PG & E, nach den Waldbränden im US-Bundesstaat Kalifornien im vergangenen Jahr jetzt Insolvenz anmelden. "Der letzte Bericht des Uno-Weltklimarats (IPCC) hat deutlich gemacht, dass die Zeit mehr als knapp ist", warnt Tebbe.

Nach drei relativ stabilen Jahren sei der weltweite CO2 - Ausstoß 2017 wieder gestiegen, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht. Mit 53,5 Gigatonnen CO2 sei der Ausstoß alarmierend hoch. Der Hauptgrund: Die Wirtschaft wächst, und gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch nur langsam - vor allem mit Blick auf Kohle.

Auch Deutschland ist weit davon entfernt, die selbst gesteckten Klimaziele einzuhalten. Eigentlich sollten die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Doch bisher sind erst 32 Prozent geschafft. So steht es im aktuellen Klimaschutzbericht der Regierung.

Die Energiewirtschaft macht immer noch den Hauptteil der Emissionen aus, auch wenn diese im vergangenen Jahr gesunken sind. Danach kommen Verkehr und Industrie. Proteste gegen Kohlestrom und öffentliche Debatten über die späte Kehrtwende deutscher Autohersteller hin zu alternativen Antrieben setzen Großkonzerne unter Druck, endlich zu handeln.

Auch Wirtschaftswissenschaftler Franz Josef Radermacher sieht die Wirtschaft in der Bringschuld. Nichtstaatliche Akteure wie Unternehmen sollen zusätzlich zu allen gesetzlichen Vorgaben freiwillig und auf eigene Kosten ihre Klimagasemissionen über hochwertige Projekte in Nicht-Industrieländern kompensieren.

Der studierte Mathematiker wirkt ebenfalls an der neu gegründeten "Allianz für Klima und Entwicklung" mit. Deren Ziel: Die Mitglieder sollen vor allem in Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren, um ihren restlichen CO2 - Ausstoß zu kompensieren, etwa durch Technologie-Transfer für erneuerbare Energien, Aufforstung oder den Kauf von CO2 - Zertifikaten.

"Man kann die Probleme der Welt nicht nur im eigenen Land lösen", sagt Radermacher. So viel CO2 ,wie Indien und Afrika in ein paar Jahren verbrauchen würden, könne Europa gar nicht einsparen, meint der Ökonom.

Laut dem neuen Energy Outlook der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die höchste Energienachfrage in Zukunft nicht mehr aus den Industriestaaten kommen, die ihren Verbrauch stetig senken, sondern aus Entwicklungs- und Schwellenländern in Asien und Afrika.

Diese Länder werden durch starkes Wirtschaftswachstum und eine steigende Bevölkerungszahl bald mehr Gas, Kohle und Atomenergie verbrauchen als Europa. Durch die freiwillige Kompensation könne die Wirtschaft laut Radermacher einen erheblichen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz leisten.
Gegner missbilligen Kompensationen allerdings oft als Ablasshandel. Und tatsächlich lassen sich durch derlei Angebote weitere Umweltschäden lediglich minimieren, aber nicht verhindern. Die Befürchtung, dass Unternehmen nur noch kompensieren, anstatt ihre eigenen CO2 - Emissionen runterzufahren, sieht auch Greenpeace-Experte Karsten Smid.

"Kompensation darf immer nur der letzte Schritt sein, sonst hält es einen davon ab, die fundamentalen Änderungen zu Hause in den Griff zu bekommen", warnt Smid. Es bringe schließlich nichts, wenn RWE seine Emissionen kompensiere, aber trotzdem weiter Kohle verbrenne, argumentiert er.
"An erster Stelle geht es immer darum, CO2 - Emissionen zu vermeiden oder zu reduzieren, dann erst kommt die Kompensation ins Spiel", betont Daniel Schmid, Nachhaltigkeitschef beim Softwareriesen SAP. Der Konzern betreibt seine Gebäude und Rechenzentren auf der ganzen Welt bereits seit fünf Jahren zu 100 Prozent mit grünem Strom.

Auch Schmid beobachtet ein generelles Umdenken in der Konzernwelt. "Die Wirtschaft ist beim Thema Klimaschutz heute deutlich weiter als noch vor ein paar Jahren. Es geht weg von der Debatte Profit oder Nachhaltigkeit. Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz müssen Hand in Hand gehen, und das funktioniert auch", sagt Schmid.

So ist die Allianz-Versicherung bereits aus der Kohle ausgestiegen und versichert keine neuen Kohlekraftwerke oder Bergbauminen.

Das Carbon Disclosure Project berechnet, dass Unternehmen bis zu 14 Milliarden US-Dollar sparen können, wenn sie ihre CO2 - Emissionen in ihrer Lieferkette reduzieren. "Business- und Umweltstrategie können und müssen zusammengedacht werden", appelliert SAP-Manager Schmid.
"Es gibt immer noch einige Konzerne, die noch nicht einmal ihren CO2 - Ausstoß offenlegen, geschweige denn sich eigene Klimaziele gesetzt haben", sagt CDP-Europachef Tebbe.

Auch Greenpeace sieht zwar die Fortschritte in Sachen Klimaschutz in der deutschen Wirtschaft. "Mittlerweile gibt es ein paar positive Tendenzen", sagt Smid von der Umweltorganisation Greenpeace. "Aber die Kernbereiche Energie- und Automobilwirtschaft bringen ihren Anteil nicht", kritisiert Smid.

ZITATE FAKTEN MEINUNGEN

53,5 Gigatonnen betrug der weltweite CO2 - Ausstoß 2017. Quelle: Uno-Weltklimarat
 

von Kathrin Witsch

 

 

Handelsblatt am 21.01.2019, S. 017
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Strom: Kritik an Diskrepanz bei Auswirkungen auf Umwelt

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Innsbruck, 20. Jan. 2019

Laut Stromrechnungen gibt es keine CO 2-Emissionen durch den Versorgermix, tatsächlich werden aber 276 Gramm berechnet.

"Bei der Erzeugung des vorliegenden Versorgermixes fallen weder CO 2-Emissionen noch radioaktive Abfälle an." Dieser Vermerk über die jeweiligen Umweltauswirkungen auf Stromrechnungen wirft für Gerald Prinz, Tiroler Landes-und auch Bundesinnungsmeister der Elektro-,Gebäude-,Alarm und Kommunikationstechniker, viele Fragen auf. Der Grund dafür: Das österreichische Institut für Bautechnik (OIB), Koordinierungsplattform der Bundesländer für Bauprodukte und Bautechnik, weist statt 0 Gramm CO 2 pro Kilowattstunde nämlich einen wesentlich höheren Wert von 276 Gramm aus. Für Prinz ist dieser derzeit geltende Richtwert künstlich hochgerechnet, wodurch die Klimabilanz unnötig um drei Megatonnen CO 2 erhöht werde. Österreich bezahlt wegen Nichterfüllung des Kyotoprotokolls jährlich Strafen in dreistelliger Millionenhöhe.

Ein Ärgernis ist die Sache für Prinz auch deshalb, da sie einen für ihn nicht gerechtfertigten Eindruck erwecke, Strom sei "böse und schmutzig". "Die Bürger werden belogen",sagt der Eigentümer eines Elektrounternehmens und kritisiert, dass etwa Gas trotz der immensen Methanverluste unter anderem durch lecke Leitungen von der OIB mit nur 236 Gramm Kohlenstoffdioxid und damit besser als Strom bewertet werde. Andere europäische Länder, die ebenfalls mit Zertifikaten für Strom zahlen, rechnen dadurch übrigens mit 0 Gramm. Prinz, für den es auch um das Thema öffentliche Förderungen geht, fordert ein Umdenken von Seiten der österreichischen Politik.

"Laut Herkommensnachweis kommt der bei uns verwendete Strom zu 75 Prozent aus Tirol und zu 25 Prozent aus Norwegen", sagt Bruno Oberhuber von Energie Tirol. Das bedeute aber noch lange nicht, dass der Strom auch tatsächlich aus Norwegen kommt, das dafür zu 98 Prozent auf Wasserkraft zurückgreift. Grund dafür ist auch die Liberalisierung des Strommarkts und der Handel mit Zertifikaten. Oberhuber kritisiert, dass dabei Kilowattstunden und Herkunft getrennt angegeben werden. Eine genaue Deklarierung, woher der Strom kommt, wäre ehrlicher, und die Abnehmer würden sich dabei auskennen.

Breite Kritik am derzeit gültigen System gibt es, was den Ausbau erneuerbarer Energien betrifft. Es gebe keine unterstützende Wirkung, bedauert der Geschäftsführer von Energie Tirol.
Die aktuelle Berechnung des CO 2-Werts-ein Durchschnittswert-ist für ihn darauf zurückführen, dass die heimischen Wasserkraftwerke im Winter weniger Strom produzieren. "Würde man einen Tiroler Wert ermitteln, würde dieser im Winter noch deutlich höher sein, im Sommer dagegen sehr niedrig." Durch die E-Mobilität und die Absicht, aus Klimaschutzgründen aus Öl-und Gasheizungen auszusteigen, werde man in Zukunft viel mehr Strom benötigen als bisher.

Für Innungsmeister Gerald Prinz, der angibt, nicht Strom forcieren zu wollen, sondern saubere Energie, steht jedenfalls fest: "Obwohl alles schlechtgeredet wird: Wer angibt, mit Strom zu heizen, ist kein Umweltverschmutzer."

Fakten

Die E-Control, die österreichische Regulierungsbehörde für den Energiemarkt, gibt einen dritten Kohlenstoffdioxid-Wert bei Strom an: Statt 0 Gramm pro Kilowattstunden wie auf Stromrechnungen und 276 laut OIB gibt sie 61 an.

Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte und die damit verbundene Einkommens-und Wohlfahrtsentwicklung hatte massive Auswirkungen: In Österreich hat sich der Energieverbrauch laut E-Control seit 1990 um 36% erhöht, die CO 2-Emissionen sind um 15% angestiegen. Der Einsatz erneuerbarer Energieträger konnte nur 27 Prozent des Verbrauchsanstiegs kompensieren.
Die Stromlieferanten sind verpflichtet, jede Stromlieferung mit einem Stromnachweis zu belegen und auf der Rechnung die Zusammensetzung ihres Strommixes in Prozent je Energieträger auszuweisen.

 

Tiroler Tageszeitung am 20.01.2019, S. 18
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Schweizer Firma im Visier der USA

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20. Jan. 2019

Der Pipeline-Verlegerin Allseas drohen wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 Sanktionen
Châtel-Saint-Denis Vor zwei Wochen hat der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, mehreren deutschen Firmen, die sich am Bau der 1200 Kilometer langen Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligen, mit Sanktionen gedroht. In einem Brief fordert Grenell den Rückzug vom Projekt, sonst müssten die Firmen mit Strafmassnahmen rechnen. Die Ostseepipeline "stelle eine Gefahr für die europäische Energiesicherheit dar", so Grenell, beteiligte Firmen trügen "ein signifikantes Sanktionsrisiko".

Das Schreiben bringt auch Schweizer Unternehmen in die Bredouille. Sanktionen drohen namentlich der Schweizer Spezialfirma Allseas mit Sitz in Châtel-Saint-Denis im Kanton Freiburg. Denn Allseas verfügt weltweit über die grösste Flotte an Schiffen, die Rohre für Unterwasserpipelines verlegen. Das Unternehmen beschäftigt 3000 Mitarbeiter und ist nicht nur an Nord Stream 2 beteiligt, sondern auch an der 1800 Kilometer langen Gaspipeline Turk Stream. Im Golf von Mexiko macht die Firma beim Bau der grössten schwimmenden Bohrinsel des Shell-Konzerns südlich von Louisiana sowie beim 3 Milliarden Dollar teuren Bau einer Unterwasser-Gasleitung von Texas nach Veracruz in Mexiko mit. US-Sanktionen könnten dem Schweizer Unternehmen schwer schaden.

Nord Stream 2 soll russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Hauptaktionär der Gesellschaft ist der russische Gazprom-Konzern. Wichtigste Partner sind zwar die Energieunternehmen Royal Dutch Shell, Wintershall, Eon, OMV, Engie und Gasunie. Doch bilden nach Ansicht des Geschäftsführers des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, die Spezialfirma Allseas und der italienische Pipelineverleger Saipem die Achillesferse des Projekts - aufgrund ihres einzigartigen Wissens. Sanktionen gegen diese Firmen würden den Bau der Pipeline "zumindest stark verzögern oder gar extrem gefährden", sagt Harms. Denn das Allseas-Spezialschiff Pioneering Spirit kann pro Tag bis zu fünf Kilometer Rohre im Meer versenken, auch in grösserer Tiefe. Aktuell sind rund 500 Kilometer Rohre von Nord Stream 2 verlegt.

Nord Stream 2 mit Sitz in Zug nimmt den Fall "sehr ernst"

US-Sanktionen gegen Allseas würden das Ostseeprojekt gewissermassen "einfrieren", meint Energieexperte Michail Krutichin von der Beratungsfirma Rusenergy. Der Direktor des Energieforschungsinstituts in Kiew, Alexander Kharchenko, spricht gegenüber "Ukraine Business News" von einer "Katastrophe" für Allseas, sollte die Firma ins Visier genommen werden. Dann sei es "zu 99,5 Prozent" wahrscheinlich, dass Allseas sich zurückziehe. Michail Honchar vom ukrainischen Zentrum für Globalisierungsstrategie sagt, ohne die Zulieferer Allseas und Saipem könnten "weder Gazprom noch die europäischen Partner" die Pipeline fertigstellen. Die Ukraine lehnt Nord Stream 2 ebenso vehement ab wie Polen, weil man massive Einkommensverluste bei den Transitgebühren befürchtet, wenn die eigenen Gasleitungen umgangen werden.

Unklar ist, ob Allseas ebenfalls ein Schreiben von US-Botschafter Grenell erhalten hat. Ein Unternehmenssprecher lehnte jedwede Stellungnahme ab. Bei Nord Stream 2, die ihren Sitz in Zug hat, ist man besorgt. Man nehme "derartige Debatten sehr ernst, da Androhungen Unsicherheiten schaffen sollen", sagt Sprecher Jens Müller.

Die Zuger Firma geniesst politische Unterstützung von Gerhard Schröder, der noch als deutscher Bundeskanzler den Gasdeal persönlich mit Russlands Präsident Wladimir Putin eingefädelt hatte. Nun amtet er als Verwaltungsratspräsident von Nord Stream 2 und verfügt damit über einen direkten Draht zum Kreml. Schröder wirft den USA vor, ihr eigenes, aus Fracking gewonnenes Erdgas "in den europäischen Markt drücken" zu wollen.

US-Präsident Donald Trump hatte auf dem Nato-Gipfel vom Juli 2018 die Ostseepipeline scharf kritisiert und Deutschland als "Gefangenen Russlands" bezeichnet. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier reagierte diese Woche gelassen auf den Grenell-Brief. Man müsse nicht "jeden einzelnen Brief kommentieren". Das könnte sich schnell ändern, wenn Washington mit Sanktionen Ernst macht.
Das Spezialschiff Pioneering Spirit versenkt fünf Kilometer Rohre pro Tag

 

 

Tageszeiger-Sonntagszeitung am 20.01.2019, S. 34
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Tinetz will Versorgung am Sonnenplateau ausbauen

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19. Jan. 2019

In Fiss will der Netzbetreiber ein neues Umspannwerk errichten. Für ihre künftige Entwicklung braucht die Region mehr Strom.

fiss, serfaus, Ladis-Bergbahnen, Hotels, Restaurants-sie alle haben eines gemeinsam: Sie brauchen Strom. Die Tinetz GmbH, Tochter der Tiwag und für das Stromnetz verantwortlich, forciert derzeit ein Projekt, um den Energiehunger der drei Tourismusgemeinden auch in Zukunft zu decken. Man will damit eine weitere wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen, betont Geschäftsführer Thomas Rieder. In Fiss soll noch heuer ein Umspannwerk errichtet werden, um die Region mit einer neuen Hochspannungsleitung zu erschließen. Die Verfahren laufen.

"Es wird viel gebaut. Jeder Tourismusbetrieb hat inzwischen einen Wellnessbereich. Man merkt, dass es der Wirtschaft gut geht",betont der Tinetz-Chef. Es sei ein Punkt erreicht, an dem ein Ausbau nötig ist, man will aber auch die Versorgungssicherheit steigern. Wobei der Netzbetreiber hier vorausschauend plane. Sowohl künftige Projekte der Bergbahnen als auch eine Bauland-Erschließung spielen eine Rolle.

Es ist eines der größeren Projekte, die das Unternehmen heuer umsetzen möchte-für den Bezirk Landeck ist es das größte. Die Investitionen liegen im Millionenbereich, so Rieder. Um die Energieversorgung künftig zu gewährleisten, soll eine 110-kV-Freileitung errichtet werden: Sie knüpft laut aktuellen Plänen an die bestehende 110-kV-Verbindung Prutz-Tobadill an, quert dreimal die Lader Straße und den Urgenebener Bach. Das Umspannwerk selbst ist an der Lader Straße nördlich der Fisser Höfe geplant. Der Standort habe sich aufgrund der Lage zu bestehenden Stromleitungen angeboten, so Rieder. Von dort wird die Region mit 25-kV-Erdkabeln erschlossen, erläutert er. Das Werk selbst hat einen Flächenbedarf von 3500 Quadratmetern. Die Umspanner werden im Freiland errichtet, für die Schaltanlage ist ein Betriebsgebäude geplant.

Für die Anlage wurde inzwischen um eine naturschutzrechtliche Genehmigung angesucht. Die Verhandlungen für die Freileitungen seien derzeit noch nicht so weit, betont der Tinetz-Geschäftsführer. Wunschtermin für den Baustart sei Ostern, so Rieder. In Fiss werden die Investitionen begrüßt: "Gerade letzte Woche hatten wir einen Stromausfall",betont der Fisser Bürgermeister Markus Pale. Da sei man froh, wenn die Tinetz investiere. Vor allem die Bergbahnen bräuchten viel Strom, sowohl für den Betrieb der Lifte, als auch für die Schneeproduktion.
 

 

 

Tiroler Tageszeitung am 19.01.2019, S. 41
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Brexit treibt CO2-Preis nach oben

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Düsseldorf, 18. Jan. 2019

Vor dem Brexit hat die Europäische Kommission die kostenlose Zuteilung von CO2-Emissionsrechten an Großbritannien vorübergehend mit Wirkung vom 1. Januar ausgesetzt, damit sie im Fall eines ungeordneten Brexit nicht den Markt überschwemmen. Damit finden in Großbritannien derzeit auch keine Auktionen der Zertifikate statt. Den CO2-Preis je Tonne treibt das nach Angaben erfahrener Marktteilnehmer in der Tendenz schon jetzt nach oben, weil in Großbritannien bisher weniger Zertifikate benötigt wurden, als zu geteilt wurden.

Da das Land mit dem Kohleausstieg schon weiter vorangeschritten ist und die Kraftwerksbetreiber dort deswegen weniger Emissionsrechte benötigen, ging der Überschuss bisher in den kontinentaleuropäischen Emissionshandel. Es geht dabei um erhebliche Mengen, da bisher rund 10 % aller EU-Emissionsrechte an Großbritannien zugeteilt wurden.

Seit Mitte 2017 hat sich der CO2-Preis je Tonne wegen der politisch festgelegten Verknappung bereits von 5 Euro auf 22 Euro mehr als vervierfacht. Nun dürfte der Brexit für einen weiteren Anstieg sorgen. Denn im Fall eines ungeordneten Brexit steigt Großbritannien auch aus dem Emissionshandel der EU aus - und die Überschüsse aus dem Vereinigten Königreich fehlen dann auf dem Kontinent.

Verwerfungen im Markt

Für Kraftwerksbetreiber wie RWE oder Uniper steigen damit die Kosten zumindest längerfristig betrachtet erheblich an - wenngleich sich RWE durch den Kauf einer ausreichenden Menge Zertifikate bis 2021 gegen einen steigenden Preis abgesichert hat. Allein im Jahr 2018 hat RWE laut eigener Investorenpräsentation des Konzerns rund 120 Mill. Tonnen CO2 ausgestoßen. Beim aktuellen CO2-Preis je Tonne von 22 Euro würde dies einen Milliardenbetrag an Kosten für CO2 bedeuten.

Das Preishoch im EU-Emissionshandel verändert bereits den Energiemarkt. So manches Steinkohlekraftwerk muss öfter auf die Reservebank, während sich Gaskraftwerke mehr lohnen. Gewinner der hohen CO2-Preise sind aber vor allem erneuerbare Energien und Atomkraftwerke.
Um zu verhindern, dass die britischen CO2-Zertifikate bei einem "harten Brexit" ohne Abkommen das Handelssystem überschwemmen, weil sie dann in Großbritannien von den Kraftwerksbetreibern nicht mehr benötigt werden, weil dort der Emissionshandel durch eine CO2-Steuer von 16 Pfund je Tonne ersetzt würde, hat die EU-Kommission beschlossen, Großbritannien in diesem Fall von der Teilnahme am Emissionshandelssystem auszuschließen. Die rechtliche Vorsorge für einen harten Brexit ist schon vor einem Jahr getroffen worden: Damals hatte die Kommission festgelegt, dass die in Großbritannien ausgegebenen Zertifikate markiert werden und damit nicht abgegeben werden können.

 

 

Börsen Zeitung am 18.01.2019
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Energiewende

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Graz, 18. Jan. 2019

Kelag und AEW Energie AG erschließen mit der Energieoptimierung à la meo neue Geschäftsfelder.

Das Grazer Technologieunternehmen meo Smart Home Energy GmbH hat sich auf die Entwicklung intelligenter Energiesysteme spezialisiert, um hausinterne Energieströme zu optimieren und mittels digitaler Lösungen den Energiebedarf in Gebäuden um mindestens 20% zu reduzieren. Ziel des Unternehmensgründers Peter Käfer ist die autonome Selbstversorgung von Gebäuden mit Wärme und Strom.

Laut einer aktuellen Umfrage gibt es allein in Österreich ein Potenzial von rund 30.000 Haushalten, die einen Heizungsumstieg noch bis Ende 2019 planen. 39% der Befragten haben einen Umstieg bei der verwendeten Energieform zumindest schon einmal angedacht, konkrete Planungen diesbezüglich werden immerhin von 17% der Befragten bestätigt.

Das Herzstück Im Mittelpunkt dieser Energielösung steht die sogenannte meo Box, die als Steuerungszentrale sämtliche Energiequellen und -verbraucher wie etwa Heizung, Warmwasserbereitung, Klimaanlage, Swimming Pool und Elektroauto-Ladestation vernetzt, zeit-und wetterabhängig optimiert. Dadurch kann der Eigenverbrauchsanteil an Solarstrom auf bis zu 70% gesteigert werden. Ergänzend sorgt ein intelligent gesteuerter Stromspeicher dafür, dass die erneuerbare Energie auch während Schlechtwetterperioden und in den Nachtstunden verfügbar ist. Energieversorger wie Kelag in Klagenfurt und AEW Energie AG in Aarau (Schweiz) haben bereits eine Vertriebskooperation mit meo Smart Home Energy geschlossen. Die Unternehmen eröffnen ihren Kunden damit die Möglichkeit, erneuerbare Energie zu produzieren, zu speichern und im Haus optimal einzusetzen.

 

Medianet am 18.01.2019, S. 77
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Ölregion sagt dem Öl "ade"

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18. Jan. 2019

Das Weinviertel war schon immer führend in der Energieproduktion: Waren es die einst so ertragreichen Öl-Lieferungen – vorrangig aus der Region um Neusiedl an der Zaya –, ist es nun Windkraft. Und auch bei der Energiegewinnung durch Sonnenkraft und Biomasse zeigt das Trendbarometer dank des Klimas nach oben.

Das Weinviertel hat bei erneuerbaren Energien die Nase vorn
Im Gegensatz zu blühenden Förderzeiten holen derzeit nur noch sporadisch Pumpanlagen fossile Energieträger aus dem Weinviertler Boden. Das Blatt hat sich gewendet: Nun ist unsere Region auf einem anderen Gebiet führend – und zwar bei den erneuerbaren Energien, wie Landesrat Stephan Pernkopf betont. Und hier vor allem in der Windkraft: Zentren der Produktion in Niederösterreich sind 2019 das östliche Weinviertel, gefolgt vom südöstlichen Wiener Becken (die „Krone“ berichtete). Allein im Bezirk Gänserndorf sollen heuer 19 neue Windrad-Riesen – nicht immer zur Freude der Anrainer – in die Landschaft gepfählt werden. Landesweit zählt man bereits 727.

Durch das Verbot neuer Ölheizungen verstärkt sich dieser Trend vor allem dank der Land- und Forstwirtschaft sowie sonnigem Klimas massiv: Mit 11% hat das Weinviertel bereits jetzt den niedrigsten Anteil an Ölheizungen in Niederösterreich (Waldviertel 12 %, Industrieviertel 14 % und Mostviertel 20 %), wie die Energie- & Umweltagentur erhoben hat. Die Nase vorne hat hier der Bezirk Korneuburg mit bereits 93 % Anteil erneuerbarer Energien, gefolgt von Mistelbach (91 %), Gänserndorf (88 %) und Hollabrunn (84 %).

 

Kronen Zeitung am 18.01.2019, S. 32
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Ölriese will deutschen Ökostromer schlucken

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18. Jan. 2019

Der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick könnte in Zukunft zum Shell-Konzern gehören. Das niederländisch-britische Mineralölunternehmen hat zusammen mit dem niederländischen Pensionsfonds PGGM Interesse an der kommunalen niederländischen Eneco-Gruppe bekundet, zu der Lichtblick seit Dezember 2018 vollständig gehört.

Lichtblick war 1998 von Hamburger Unternehmern gegründet worden und ist derzeit mit mehr als 600.000 Kunden nach eigenen Angaben Deutschlands größter Anbieter grüner Energie. Als die Gesellschafter vor zwei Jahren die Eneco mit 50 Prozent als Anteilseigner mit ins Boot nahmen, begründete Lichtblick das damit, dass man " Kräfte für eine schnellere Energiewende in Europa bündeln" wolle. Die Niederländer seien in ihrem Heimatland mit mehr als 2 Millionen Kunden " Marktführer in der Erzeugung und im Handel nachhaltiger Energie" . Zudem ist Eneco auch in Belgien, Frankreich und Großbritannien aktiv. Eneco übernahm damals 3 von 6 Sitzen im Verwaltungsrat von Lichtblick.

Das niederländische Unternehmen galt aufgrund seiner kommunalen Eigentümerschaft als passender Partner des deutschen Ökostromers. Eneco gehört zu gut 31 Prozent der Stadt Rotterdam, große Anteilseigner sind auch die Städte Den Haag und Dordrecht. Mehr als vierzig weitere Gemeinden halten Anteile, die meisten weniger als jeweils 2 Prozent.

Doch die Kommunen haben inzwischen mehrheitlich das Interesse an dem deutschen Unternehmen verloren und wollen es verkaufen. Gut 92 Prozent der Anteilseigner hätten sich für einen Verkauf entschieden, sagte ein Sprecher von Eneco auf taz-Anfrage. Aus diesem Grund werde das Unternehmen im Frühjahr eine offizielle Ausschreibung starten. Der Verkaufsprozess werde sich dann wahrscheinlich über das ganze Jahr hinziehen. Man hoffe, ihn bis zum Jahresende abgeschlossen zu haben. An eine Veräußerung der Anteile über die Börse sei nicht gedacht.

Zu weiteren Kaufinteressenten äußert sich Eneco nicht. Der niederländisch-britische Erdölkonzern Shell ist mit einem Umsatz von gut 300 Milliarden US-Dollar und weltweit 86.000 Mitarbeitern eines der größten Erdöl- und Gas-Unternehmen. Der Konzern war mit seinem Plan, für Lichtblick zu bieten, selbst an die Öffentlichkeit gegangen. " Die Energiewende bietet gute Möglichkeiten für langfristige Investitionen in eine nachhaltigere Wirtschaft" , erklärte der Konzern dieser Tage. Aus diesem Grund baue Shell seine Rolle in der Energiewende mit zunehmenden Investitionen in Offshore-Windkraft, Solar und Elektromobilität aus. Der Mineralölkonzern betonte, er sei bestrebt, Strom zu einem bedeutenden Teil seines Geschäfts zu machen, von der Erzeugung über den Kauf und Verkauf bis zur direkten Versorgung der Kunden.

Die Erneuerbaren-Sparte von Shell wurde 2016 gegründet und ist bislang klein. Das Investitionsbudget liegt erst bei 200 Millionen US-Dollar pro Jahr, bis 2020 sollen es bis zu 2 Milliarden Dollar werden.
Sollte der Verkauf von Eneco an Shell zum Tragen kommen, stünde Lichtblick in Deutschland vor der Herausforderung, sich unter dem Dach eines etablierten Energiekonzerns weiterhin als Vorreiter der Energiewende zu vermarkten. " Es wird einen Prozentsatz an Kunden geben, die das nicht mitmachen" , sagt Dirk Briese, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Trendresearch. Zugleich aber betont der Energieexperte auch, dass der Markt sich längst verändert habe, dass die klassische Schwarz-Weiß-Sicht - die Ökostrombranche einerseits und die atomar-fossile alte Energiewelt anderseits - ohnehin überholt sei.

Aus Sicht von Shell, das nun Geschäftsfelder " für den Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft" - so die Unternehmens-PR - sucht, liegt der Griff nach Eneco nahe. Mit guter Marktposition und Kundenbeziehungen in mehreren Ländern Mitteleuropas böten die Niederländer einen attraktiven Ersatz für das traditionelle Mineralölgeschäft, das durch den Rückzug des Verbrennungsmotors schrumpfen dürfte.

Mit Lichtblick würde Shell einen großen Schritt in die neue Energiewelt gehen. Denn das Hamburger Unternehmen ist vielfältig aktiv - in den Bereichen Solarstrom und Speicherung, beim Laden von Elektroautos und bei der Entwicklung von " Sharing Energy" . Dabei geht es darum, dass Kunden ihren lokal erzeugten Ökostrom mit anderen Kunden teilen können.

" Es wird einen Prozentsatz an Kunden geben, die das nicht mitmachen"
 

von Bernward Janzing

 

taz am 18.01.2019, S. 9
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Flaute im Stromnetz

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St. Pölten, 18. Jan. 2019

Mit einem Zubau von 223,2 MW war 2018 ein weiteres schwaches Jahr für die Windenergie in Österreich.

Zwischen 2014 und 2018 sank die zugebaute Windkraftleistung in Österreich von 408 auf 223 MW. Mit 53 neuen Anlagen war das Vorjahr das ausbauschwächste seit Bestehen des Ökostromgesetzes 2012, und 2019 wird sich der Abwärtstrend mit nur 68 neuen Windrädern weiter fortsetzen. Auch die Anzahl der geförderten Anlagen geht von Jahr zu Jahr zurück. 2019 werden 104 Windräder in ganz Österreich weniger gefördert als noch 2016. Aktuell hängen 170 fertig genehmigte Windräder in ganz Österreich mit einer Leistung von 500 MW in der Warteschlange bei der Förderstelle und können nicht errichtet werden.

Frischer Wind notwendig Zwar geben der Beitritt Österreichs zur High Ambition Coalition bei der Klimakonferenz in Katowice sowie die Ende 2018 von der Regierung vorgestellten
Eckpunkte für den Ausbau der Erneuerbaren Energien Hoffnung auf Besserung.

"Den vielen Bekenntnissen der Regierung müssen jetzt aber Taten folgen", sagt IG Windkraft-Chef Stefan Moidl. Zentrale Punkte seien die Umstellung auf ein marktwirtschaftliches Fördersystem mit variablen Marktprämien und die Anpassung der Strommarktbedingungen für den Windstrom
Damit Österreich sein Ziel, bis 2030 zu 100% auf erneuerbare Energien umzustellen, erreicht, könnte die Windkraftleistung von aktuell rd. 3.000 auf 7.500 MW mehr als verdoppelt werden.

"Dafür bedarf es eines jährlichen Zubaus von 120 Windrädern mit einer Gesamtleistung von 500 MW. Dies kann die Windbranche durchaus leisten. 2014 wurden bereits 141 Windräder errichtet", erklärt Lukas Püspök, Geschäftsführer der Püspök Group.

Der forcierte Ausbau hätte auch weitere positive Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Allein auf den Baustellen konnten 3.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, dazu kämen noch weitere 270 Stellen pro Jahr für Wartung und Betrieb der Anlagen. Darüber hinaus würden 235 Mio. € Wertschöpfung pro Jahr durch die Errichtung und weitere 550 Mio. € durch den Betrieb der Anlagen generiert werden.
 

 

 

Medianet am 18.01.2019, S. 74
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Vom Grünen ins Grüne

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18. Jan. 2019

Die Erneuerbaren-Chefin von Eon kümmert sich auch weiterhin um Ökostrom - allerdings bald beim Konkurrenten RWE.

In diesem Jahr ordnet sich nicht nur der Energiemarkt komplett neu. RWE wird das Netz- und Vertriebsgeschäft an den Konkurrenten Eon verkaufen, die Erneuerbare-Energien-Sparte seines Tochterkonzerns Innogy aber behalten. Damit wird der Kohleriese RWE auf einen Schlag zum drittgrößten Produzenten grüner Energien in Deutschland.

Diese wichtige Sparte wird die jetzige Eon-Managerin für erneuerbare Energien, Anja-Isabel Dotzenrath, nach der Transaktion bei RWE führen. Damit verfügt sie auch über einen großen Investitionsetat: Zukünftig sollen jährlich 1,5 Milliarden Euro in das Geschäft mit den Erneuerbaren gesteckt werden.

Dotzenrath bringt die nötige Erfahrung für den Job mit. Schon bevor sie 2017 Chefin der Erneuerbaren-Sparte wurde, war sie sechs Jahre bei Eon im Bereich der grünen Energien tätig. Die Elektrotechnikerin und Betriebswirtin, die ihre Abschlüsse in Aachen machte, ist seit insgesamt acht Jahren bei dem Essener Stromversorger, arbeitete unter anderem bei der konzerninternen Beratung. Insgesamt hat sie mehr als 25 Jahre Erfahrung im Industrie- und Chemiesektor gesammelt.

In ihrer zukünftigen Position soll die 52-Jährige das Erneuerbaren-Geschäft von RWE besonders in den drei Hauptbereichen Wind Onshore, Offshore und Photovoltaik ausbauen und die weltweiten Aktivitäten weiterentwickeln. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz betonte, dass das neue Team "sich aus sehr erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammensetzt, die mit ihren unterschiedlichsten Qualifikationen das Erneuerbaren-Geschäft unter dem Dach von RWE voranbringen werden. Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem neuen Team unsere ambitionierten Ziele erreichen."

Der jetzige Innogy-Vorstand für erneuerbare Energien, Hans Bünting, wird allerdings nicht Teil der neuen grünen Führungsgruppe bei RWE. Wie es für Bünting nach der geplanten Transaktion weitergeht, wollte Innogy zu diesem Zeitpunkt noch nicht mitteilen. Kathrin Witsch
 

 

 

Handelsblatt am 18.01.2019, S. 063
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Laufkraftwerk: "Es gibt Ängste."

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17. Jan. 2019

Die Tiwag plant am Inn ein Ausleitungskraftwerk, das "KW Innstufe Imst-Haiming". Die Kraftwerksanlage soll direkt an das Kraftwerk Prutz-Imst mittels Triebwasserstollen angebunden werden und dieses Wasser ein zweites Mal abarbeiten. Als offizieller Projektstart darf die Einreichung zur UVP-Vorprüfung 2013 angesehen werden. 2015 wurde die Innstufe Imst-Haiming zur UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) eingereicht.

Ende 2018 erkundigte sich die Liste Fritz bei LR Josef Geisler, bei LHStv. Ingrid Felipe und letztlich bei LH Günther Platter über den aktuellen Projektstatus, ohne am Ende zu Informationen zu gelangen. "Dass sich die Landesregierung für nicht zuständig erklärt, finde ich kurios bis ärgerlich",beschwert sich LA Markus Sint von der Liste Fritz, welche im vergangenen Sommer einen Lokalaugenschein in Haiming vorgenommen habe. "Die Frage nach dem Ausgleichsbecken ist für die Bauern in Haiming eine zentrale, da bei angepachteten Landwirtschaftsflächen ein normaler Bauer mit der Tiwag nicht mithalten kann",argumentiert Sint. Auch stehe die Frage noch im Raum, ob ausreichend Restwasser im Inn verbleibe, um den touristischen Raftingsport weiterhin ausführen zu können.

Eine Gesprächsverweigerung sieht ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf seitens der Landesregierung nicht: "Die Tiroler Landesregierung ist Eigentümer der Tiwag, einem Landesunternehmen, aber sie plant keine Kraftwerke. Das ist das operative Geschäft der Tiwag-Führung. Ich kann auch nicht bei der Post anfragen, wie es der Wirtschaftskammer geht." Die Liste Fritz möge sich an die Tiwag-Leitung wenden, schließlich handle es sich um ein Laufkraftwerk und nicht um ein Geheimprojekt.

Für die Tiwag nahm der zuständige Projektleiter Robert Reindl zu den Fragen der TT Stellung: "Nach der UVP-Einreichung 2015 gab es rund ein Jahr später, im Juni 2016, einen Verbesserungsauftrag in Form mehrerer Schreiben der jeweiligen Fachbereiche."

Die Experten wollten weitere Erkenntnisse vorgelegt bekommen, was zusätzliche Bohrungen erforderte. "Das betraf die Geologie sowie die Hydrologie, wobei auch ein weiterer Pegel eingerichtet wurde, um über einen längeren Zeitraum den Untergrund zu erkunden. Diese Messungsergebnisse wurden in einen Verbesserungsvorschlag eingearbeitet und am 1. Oktober 2018 erneut eingereicht",informiert Tiwag-Projektleiter Reindl.

Nun habe eine Vollständigkeitsprüfung aller Unterlagen zu erfolgen. "Wenn die Vollständigkeit vorliegt, rechnen wir mit einem zweiten Verbesserungsauftrag. Dieser ist für uns erfahrungsgemäß sehr wahrscheinlich, wie die jüngsten Verfahren gezeigt haben",schätzt Reindl, dem die Anfrage der Liste Fritz ebenfalls bekannt ist.

Was die Haiminger Erwerbsobstbauern betrifft, gibt Reindl dahingehend Entwarnung, dass keine ihrer Flächen betroffen seien. "Das Laufkraftwerk Innstufe Imst-Haiming ist als Kavernenkraftwerk im Inneren des Tschirgant geplant, auch um den Flächenverbrauch gering zu halten",so Reindl.

Hubert Wammes, Obmann der Haiminger Wassergenossenschaft, hat jedoch Bedenken: "Es gibt Ängste. Die Auswirkungen eines sechs Hektar großen Ausgleichsbeckens bzw. Sees ist kaum abschätzbar, weil niemand weiß, ob es durch die große Wasserfläche nicht zur Nebelbildung kommt. Verminderte Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit könnten sich negativ auf den Obstbau in Haiming auswirken. Und wenn man den Berg durchbohrt, muss sichergestellt werden, dass das Wasser nicht durch den Stollen verlustig geht und ausrinnt.-Freude haben wir mit dem Kraftwerk jedenfalls keine." Ins selbe Horn bläst Alexandra Harrasser, Geschäftsführerin des Haiminger Obstlagers und Gemeinderätin in Haiming: "Gleich nach den Obstanlagen ist der See geplant. Der Apfelanbau ist zwar nicht betroffen, eine zukünftige Erweiterung wäre unmöglich, weil der See direkt anschließt."

Der Tiroler Raftingverband sei in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Tiwag. Chris Schnöller, Geschäftsführer der Area 47, meint zum aktuellen Projektstand: "Als Rafting-Unternehmen führen wir über fünfeinhalb Monate unsere Saisonbetriebe. Diese Saison muss jedenfalls erhalten bleiben. Ich persönlich bin mit dem Kraftwerk nicht glücklich, bin aber guter Dinge, das Raftinggeschäft wie bisher anbieten zu können."
 

Tiroler Tageszeitung am 17.01.2019, S. 29
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Verbund: Mehr Gewinn

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Wien, 17. Jan. 2019

Versorger. Der Verbund erwartet nun einen höheren Nettogewinn. Grund sind bessere Strompreisprognosen. 

Bessere Strompreisprognosen sorgen beim Stromkonzern Verbund für Sondererträge und damit für einen ordentlichen Schub beim Nettogewinn. Am Mittwoch hat der Konzern die Ergebnisschätzung für das Vorjahr angehoben, und zwar auch deutlich über den Wert, der vor der letzten Abwärtsrevision vom November erwartet worden ist. Die Die Werterhöhungen aufgrund der Strompreisprognosen betreffen den Wasserkraftbereich in Österreich und Deutschland sowie den Windkraftbereich in Rumänien. Die Aktie legte kräftig zu. 

Nun werde dank positiver Einmaleffekte aus Werthaltigkeitsprüfungen für das Geschäftsjahr 2018 ein Konzernergebnis von rund 430 Mio. Euro erwartet, teilte der Konzern mit. Zuvor war von 340 Mio. Euro die Rede. 

Die Vorhersagen für das operative Ergebnis (Ebitda) und das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis, das Basis für die Berechnung der Dividende ist, bleiben unverändert bei 870 Mio. bzw. 335 Mio. Euro. Die Ausschüttungsquote soll für 2018 bei 40 bis 45 Prozent liegen, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis. Details zu den Zahlen 2018 gibt es am 13. März. 2017 lag das Konzernergebnis mit 301 Mio. Euro um 29 Prozent unter dem Wert vom Jahr davor, das berichtete EBITDA mit 922,3 Mio. Euro um 11,7 Prozent unter dem Wert von 2016. 

Die Presse am 17.01.2019, S. 20
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Schneechaos erzeugt eine Dunkelflaute

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Wien, 17. Jan. 2019

Schnee, Sturm, aber auch Hitze und Hochwasser sind Herausforderungen für Energieerzeuger. Sollten die Wetterextreme zunehmen, wird die Stromerzeugung eine Herausforderung für alle. 

Tonnenweise Schnee auf den Dächern, Stürme jagen durchs Land, Straßen sind unpassierbar. Der heuer überaus schneereiche Winter setzt den Menschen zu. Er ist auch eine Eignungsprüfung, wie sich alternative Energieerzeugung unter solchen Wetterverhältnissen bewährt. 

Es gibt bereits einige Beispiele dafür, wie anfällig alternative Energieformen bei extremen Witterungsbedingungen sind: Im Jänner 2017 fielen in Deutschland Ökostromanlagen wochenlang als Energielieferanten aus. Schon vor zwei Jahren mussten wegen der schlechten Witterungsverhältnisse Photovoltaikanlagen und Windräder abgestellt werden. Techniker nennen so eine Zeit Dunkelflaute. 
Wer eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung betreibt oder Warmwasser aus einer Solaranlage auf dem Dach bezieht, hat es derzeit schwer, sollte er in den schneereichen Regionen Österreichs wohnen. Entweder er hält sein Dach schneefrei oder er bezieht Strom für den Betrieb seines Haushalts aus dem allgemeinen Netz. 

Ähnliches gilt für Windräder: Ist der Wind zu stark, muss eine Windkraftanlage abgeschaltet werden, weil sie sonst beschädigt werden könnte. Allerdings halten Windräder mehr aus, als man denkt. Florian Maringer, Geschäftsführer vom Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) sagt, Windräder würden erst ab einer Sturmstärke von 140 Stundenkilometern zurückgefahren und erst bei etwa 200 bis 250 km/h ganz abgeschaltet. Das sind Windstärken, die in Österreich selten vorkommen und wenn, dann fast nur in den Gipfelregionen. 

Auch Elektroautos verlieren im Winter wegen der Kälte – je nach Modell – an Reichweite. Allerdings hat sich in diesem technischen Sektor in den vergangenen Jahren vieles verbessert. Wer auf Erdwärme gesetzt hat, um sein Haus im Winter mollig warm zu machen, kann getrost die Regler aufdrehen. „Schnee isoliert sogar noch den Boden, also kein Problem“, sagt Maringer. 

Wer eine Pelletsanlage im Keller zur Herstellung von Wärme und Warmwasser betreibt und jetzt eingeschneit ist, wird wohl auf die nächste Lieferung der kleinen Holzschnipsel warten müssen, bis die Straßen wieder befahrbar sind. „Aber warten müsste man ja auch auf Heizöl“, sagt Maringer. 

Überhaupt seien nicht nur die erneuerbaren Energieformen von extremen Wetterlagen betroffen. Im vergangenen Sommer herrschte extreme Hitze. Die Folge war, dass in Frankreich fast alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden mussten, weil die Kühlung nicht mehr funktionierte. Grund: Es gab zu wenig Wasser in den Flüssen. Frankreich ist stark von Atomstrom abhängig. Der dadurch entstandene plötzliche Strombedarf wurde zur Herausforderung für europäische Energieerzeuger. „Das passiert in Frankreich mittlerweile schon fast jeden Sommer“, sagt Maringer. „Wassermangel betrifft natürlich auch alle anderen thermischen Kraftwerke.“ Bei Wassermangel, bei Hochwasser oder bei einer gefährlichen Eisstauung in Flüssen sind wiederum Wasserkraftwerke betroffen, die dann ihre Turbinen abschalten müssen. 

Sollten die Extremwetterlagen zunehmen, sind die verschiedenen Energieerzeugungssysteme also aufeinander angewiesen. Auch das Stromnetz ist in solchen Situationen gefährdet. Der heurige Winter mit seiner enormen Schneelast hat den Stromleitungen stark zugesetzt. Bricht das Netz zusammen, droht auch dann die Dunkelflaute. 
 

von Barbara Morawec

 

 

Salzburger Nachrichten am 17.01.2019, S. 19
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"Der Drohbrief ist nicht hilfreich"

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16. Jan. 2019

Der Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV reagiert scharf auf die Ankündigung von US-Botschafter Richard Grenell, die am Bau von Nord Stream 2 beteiligten Firmen zu sanktionieren. Seele verteidigt die neue Gaspipeline durch die Ostsee. Europa brauche zusätzliche Kapazitäten mehr denn je.

Ein orkanartiger Wind umtost die oberste Etage des gläsernen OMV-Wolkenkratzers in Wien. Rainer Seele, Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns, verfolgt den Sturm gelassen von seiner mit Orangen- und Olivenbäumen ausgestatteten Vorstandslounge aus. Der begeisterte Gartenliebhaber und promovierte Chemiker blickt entspannt in Richtung Westen. Denn Gegenwind ist der 58-jährige CEO, der den teilstaatlichen Konzern seit 2015 führt, gewohnt - vor allem bei der neuen Ostseepipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung sich OMV beteiligt.


Herr Seele, im Streit über Nord Stream 2 setzen die USA die beteiligten Unternehmen immer stärker unter Druck. Haben Sie auch einen Brief des US-Botschafters Richard Grenell bekommen - wie Ihre Kollegen von BASF und Uniper?


Der amerikanische Botschafter Grenell ist für Deutschland, nicht für Österreich zuständig. Deshalb habe ich von ihm keine Post bekommen.


Grenell droht in den Briefen unverhohlen mit Sanktionen. Sehen Sie das massive Engagement der USA gegen Nord Stream 2 als Einmischung in die europäische Energiewirtschaft und - politik?


Der Brief ist eine vollkommen inakzeptable Bedrohung von deutschen Unternehmen. Es ist Ausdruck der veränderten Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Washington setzt auf Konfrontation statt Kooperation mit den Verbündeten. Das bedauere ich zutiefst.


Wie hoch schätzen Sie das Risiko von Sanktionen für die OMV und die beteiligten Unternehmen wie Wintershall oder Uniper ein?


Einseitige Sanktionen sind in der Wirkung sehr eingeschränkt. Wenn man auf politischer Ebene sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen kann, ist es unter befreundeten Staaten nicht Praxis, dass man dann Unternehmen bedroht.


Sie waren zuvor CEO der BASF-Tochter Wintershall und kennen Ihre Kollegen sehr gut. Wird es zu einer gemeinsamen Antwort der an der Ostseepipeline beteiligten Unternehmen kommen?


Jedes Unternehmen wird seine Antwort selbst geben müssen. Nun ist aber eine scharfe Reaktion der Politik gefragt. Europa darf sich bei energiepolitischen Fragen nicht von den USA bevormunden lassen. Es ist das Hoheitsrecht von Deutschland und Europa, dass wir uns um unsere Energiepolitik selbst kümmern. Damit die Versorgungssicherheit und Wettbewerbssicherheit zu unserer Zufriedenheit geregelt wird.


Wie hoch schätzen Sie das Risiko von Sanktionen der amerikanischen Regierung gegenüber den europäischen Partnern von Nord Stream 2 ein?


Ich will mich an Spekulationen über Sanktionen nicht beteiligen. Der Drohbrief des amerikanischen Botschafters in Deutschland ist auf alle Fälle nicht hilfreich. Ich glaube, dass die USA nicht das Image haben möchten, befreundete Länder zu bedrohen.


Botschafter Grenell warnte die beteiligten Unternehmen vor einer zu großen Abhängigkeit von Russland bei der Gasversorgung. Damit hat der US-Botschafter nicht ganz unrecht, oder?


Wir sehen eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Energielieferanten und den Energieabnehmern. Dabei ist es egal, ob der Lieferant Russland heißt. Sosehr wir das Gas für unsere Wirtschaft brauchen, so stark benötigen die Produzenten die sicheren Einnahmen von ihren Kunden in Europa. Wir haben über Jahrzehnte ein System aufgebaut, in dem die europäische Energiewirtschaft immer die Versorgung garantieren konnte. Wir investieren nicht in die Abhängigkeit von Russland, sondern wir investieren in die Diversifizierung der Gastransportwege nach Europa. Nord Stream 2 ist eine Infrastrukturinvestition, welche die Versorgungssicherheit in Europa noch weiter erhöhen wird. Wir sehen bislang eine starke Abhängigkeit durch den monopolartigen Transit des russischen Gases durch die Ukraine.


Können Sie sich vorstellen, angesichts des massiven Streits mit den USA Nord Stream 2 auf Eis zu legen?


Nein, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und halten uns an die geltenden Spielregeln in Europa. Nahezu alle Baugenehmigungen für die neue Ostseepipeline liegen vor. Nur Dänemark fehlt noch. Die Situation hat sich überhaupt nicht geändert. Nur der politische Dialog der USA mit Europa hat sich verändert. Das Projekt hat sich in der Konzeption und der Bedeutung hingegen nicht verändert. Europa braucht die zusätzlichen Kapazitäten durch die neue Ostseepipeline mehr denn je. Denn der Produktionsrückgang von Gas, beispielsweise in Großbritannien oder den Niederlanden, ist schneller gegangen, als wir alle in der Branche erwartet haben.


Was passiert im Verhältnis mit den USA, wenn Nord Stream 2 fertiggestellt und in Betrieb geht?


Das Signal aus den USA ist doch sehr eindeutig. Es handelt sich um eine Vermischung von Außenpolitik und Wirtschaftspolitik. Die USA haben ein massives Interesse daran, amerikanisches Flüssiggas auf dem europäischen Markt zu platzieren.


Das ist doch eine gute Sache...


Europäische Unternehmen sind daran interessiert, auch amerikanisches Flüssiggas für den europäischen und deutschen Markt unter Vertrag zu nehmen, wenn das Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten wird. Der Markt braucht so viele zusätzliche Importmengen, dass es noch genügend Platz für amerikanisches Flüssiggas geben wird...


...aber nur, wenn die Preise für amerikanisches Flüssiggas sinken, oder?


Eines ist klar: Neben der Versorgungssicherheit und der Diversifizierung der Lieferungen geht es darum, den Standort Europa wettbewerbsfähig zu halten. Es kann nicht sein, dass wir hierzulande amerikanisches Flüssiggas zu überteuerten Preisen einkaufen und damit unsere energieintensiven Industrien gegenüber der amerikanischen Konkurrenz benachteiligen. Das ist ein Standortsicherungskonzept, das nicht aufgehen kann.


Nord Stream 2 soll Gas direkt von Russland über die Ostsee nach Deutschland transportieren. Der Bau der über 1 200 Kilometer langen Trasse hat längst in Deutschland begonnen. Wie kommen die Bauarbeiten in der Ostsee derzeit voran?


Es geht zügig voran. Knapp 400 Kilometer sind schon verlegt.


Dänemark hat aber die Trasse als einziges der nordischen Anrainerländer noch nicht genehmigt. Nord Stream 2 beantragte deshalb vorsichtshalber eine Alternativroute. Stellt Dänemark ein Problem dar?


Dänemark besitzt ein Rechtsstaatssystem mit klaren Spielregeln. Drei EU-Mitgliedstaaten, nämlich Deutschland, Schweden und Finnland sind von der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit des Projekts überzeugt. Warum sollte Dänemark eine andere Sichtweise haben? Wenn auf der Grundlage von Fakten entschieden wird, erwarte ich die Zustimmung der dänischen Regierung.


Wann wird die neue Ostseepipeline fertig?


Laut Planung wird Nord Stream 2 Ende 2019 fertiggestellt werden.


Wie geschlossen treten die beteiligten Konzerne von OMV über die BASF-Tochter Wintershall und Uniper bis hin zu Engie aus Frankreich auf?


Ich denke, dass alle Partner von der Wichtigkeit dieses Projektes überzeugt sind.


Die Ukraine, aber auch einige östliche EU-Staaten wie Polen oder die baltischen Staaten wollen das Projekt stoppen. Manövriert sich Europa nicht zu sehr in die Abhängigkeit von russischem Gas?


Seit Jahren bemühen wir uns um mehr Diversifikation. Wir setzen auch auf Gas außerhalb von Europa. Die OMV hat beispielsweise im vergangenen Jahr einen Liefervertrag mit Katar abgeschlossen. Doch an zwei Ländern mit den größten Erdgasreserven in direkter Nähe zu Europa kommt man nicht vorbei, das sind Russland und Norwegen.


Was ist mit Nordafrika?


Dort haben wir in einigen Ländern eine instabile politische Situation. Die Versorgungssicherheit in Ländern wie Libyen ist aufgrund der Unruhen im Land derzeit eingeschränkt.


Welche Preisentwicklung erwarten Sie beim Gas?


Das ist eine Frage des Winters. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres stiegen die Preise wegen der niedrigen Temperaturen in Europa. Wenn der Winter wieder hart ausfallen sollte, werden die Preise darauf reagieren. Der Preis in Europa ist eben eine Frage von Angebot und Nachfrage.
Die OMV will künftig ihr Engagement im Gasbereich ausbauen, beispielsweise beim Betanken von Gasautos. Doch von Ihren über 2 000 Tankstellen sind nur 71 Tankstellen für die Gasbetankung überhaupt ausgerüstet.


Setzen Sie doch mal die Zahl der Gastankstellen in Relation zu dem Gasfahrzeugen.


Das alte Henne-Ei-Problem bei der Mobilität mit Erdgas oder?


Wir sind als OMV bereit, das Tankstellennetz mit Erdgas weiter auszubauen. Denn Erdgas hat aus ökologischen Gründen eine große Zukunft und kann sehr schnell zur Senkung der Kohlendioxidemissionen beitragen. Doch wir brauchen dafür ein klares Bekenntnis der Automobilindustrie zum Treibstoff Erdgas. Ich wünsche mir, dass die Autokonzerne bei der Mobilität mit Erdgas so engagiert sind wie in der E-Mobilität. Das Gute ist, die Politik ist offen für das Thema. In Deutschland gibt es schließlich eine Steuerbefreiung für Erdgas. Nun müssen die Autoindustrie und die Verbraucher überzeugt werden.


Haben Sie denn Grund, optimistisch zu sein, dass sich die Automobilwirtschaft bei den Erdgasfahrzeugen mehr anstrengt als in den vergangenen Jahrzehnten?


Ich sehe den klaren Trend, auf die Klimaproblematik mit neuen Produktionskapazitäten zu reagieren. Wir dürfen nicht monogam in die Zukunft gehen. Der Autofahrer muss zwischen mehreren Antriebsarten wählen können. Eine einzige Technologie wäre eine Bevormundung des Verbrauchers.


Was ist mit Wasserstoff?


Wasserstoff kann zweifelsohne einen Beitrag in der Mobilität leisten, um die Emissionen zu senken. Japan setzt bereits sehr deutlich auf diese Energie. Deutschland ist in der Forschung vorne. Darauf kann man aufbauen. Wir bereiten uns vor, gemeinsam mit der Autoindustrie eine Alternative bieten zu können.


Beim Klimagipfel in Kattowitz wird Gas im gleichen Atemzug wie Kohle genannt. Warum wird die Energiequelle Gas quasi dämonisiert?


Ich bedauere das. Nicht jede fossile Energiequelle ist aus ökologischen Gründen ablehnungswert. Wir sollten auf Erdgas setzen in allen Sektoren - von der Mobilität über den Wärmemarkt bis zur Stromerzeugung. Es ist das sauberste Produkt, das wir anbieten können, um die Grundversorgung mit Energie auch künftig sicherzustellen.


Herr Seele, vielen Dank für das Interview.


Die Fragen stellte Hans-Peter Siebenhaar.


ZITATE FAKTEN MEINUNGEN


Vita Rainer Seele Der Manager Der Bremerhavener führt seit 2015 den österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV. Zuvor war der promovierte Chemiker Vorstandschef der BASF-Tochter Wintershall. Vom Wiener Wirtschaftsmagazin "Trend" wurde der 58-Jährige zum "Mann des Jahres 2018" gewählt. Der Konzern Die Politiknähe ist groß. Die OMV AG ist mehrheitlich im Besitz von Österreich und Abu Dhabi. Der Konzern erzielte zuletzt mit über 20 000 Mitarbeitern mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz. Die OMV pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu der russischen Gazprom. Die Ostseepipeline Nord Stream 2 mit einer Länge von 1 230 Kilometern soll Ende 2019 fertig sein. Unter der Führung von Gazprom finanzieren Wintershall, Uniper, OMV, Shell und Engie das knapp zehn Milliarden Euro teure Projekt mit.
Der Markt braucht so viele zusätzliche Importmengen, dass es noch genügend Platz für amerikanisches Flüssig- gas geben wird.
 

 

 

Handelsblatt am 16.01.2019, S. 014
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Industrie fordert Kostenschutz

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16. Jan. 2019

Weil der Kohleausstieg so teuer wird, sollen die Belastungen insgesamt gedeckelt werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte persönlich zum Spitzentreffen eingeladen. Doch dann ließ sie sich beim Kohlegipfel doch entschuldigen: Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) übernimmt die undankbare Aufgabe, mit Kabinettskollegen und den Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg über die finanziellen Folgen des deutschen Kohleausstiegs zu verhandeln.

Die Länderchefs hatten die Höhe der Anpassungshilfen für den Kohleausstieg auf 60 Milliarden Euro über 30 Jahre beziffert. Entschädigungszahlungen an die Kraftwerksbetreiber sind da noch nicht drin. Und auch damit ist es längst noch nicht getan. Bei der Herkules-Aufgabe Kohleausstieg werden die volkswirtschaftlichen Belastungen erst nach und nach sichtbar. So fordert etwa die Gewerkschaft IG BCE bereits ein "Anpassungsgeld Braunkohle" für ältere Kumpel. Kostenpunkt: weitere fünf Milliarden Euro, jeweils hälftig zu tragen von Staat und Unternehmen.

Zusätzlich legt auch die energieintensive Industrie der Regierung eine Rechnung vor. Die Unternehmen gehen davon aus, dass der Kohleausstieg den Großhandelspreis für Strom um mindestens 30 Prozent oder sogar 50 Prozent erhöhen wird. Damit wäre die internationale Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Branchen akut bedroht. Betroffen sind Hersteller von Papier, Zement, Glas, aber auch die gesamte Chemie- und metallverarbeitende Industrie und Stahl mit zusammen Hunderttausenden von Beschäftigten. Ein Forderungspapier der Wirtschaftsvereinigung Metalle warnt: "Ein politischer Eingriff zur vorzeitigen Stilllegung von Kraftwerken hat mehrere negative Effekte, auf welche Politik und WSB-Kommission eine Antwort haben müssen."

Womöglich schwänzt Angela Merkel das Spitzentreffen der Kohleländer, weil sie keine Antwort hat. Denn wettbewerbsrechtlich ist die Forderung der Industrie äußerst knifflig zu erfüllen. Für ihren nationalen Kohleausstieg muss die Bundesregierung in Brüssel nämlich um Änderung des europäischen Beihilferechts ersuchen. Ob die Bitte erhört wird, ist völlig unklar. Nicht, dass die EU-Kommission nicht immer mal wieder Beihilfen für Unternehmen genehmigt hätte, wenn sie dem höheren Zweck des Klimaschutzes dienen: So erfreuen sich viele energieintensive Betriebe in Deutschland etwa an geringeren Stromnetzkosten, Nachlass bei der EEG-Umlage und einer Strompreiskompensation für die Folgen des Emissionshandels. Doch die Folgen des Kohleausstiegs in Deutschland sprengen die Grenzen des europäischen Wettbewerbsrechts. Denn die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke ist im europäischen Großhandelsmarkt nach den Grenzkosten der Produktion geregelt. Fallen die billig produzierenden Braunkohle-Kraftwerke weg, werden nach diesem sogenannten Merit-Order-Effekt die deutlich teureren Gaskraftwerke bestimmend für den gesamten Strompreis. Durch den Ausstieg aus der Braunkohle erhöht sich der Strompreis am Terminmarkt um 19 Euro pro Megawattstunde, also gut um 50 Prozent, schätzt die Wirtschaftsvereinigung Metalle: "Ohne eine Kompensation der Kosten wird diese nationale Mehrbelastung zur Abwanderung der stromintensiven Industrie in Deutschland führen."
Nur: Die Politik kann Betriebe zwar von staatlichen Umlagen, Steuern und Abgaben befreien, ohne damit automatisch gegen europäisches Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Doch den Firmen einfach steigende Marktpreise für Strom zu ersetzen ist nach EU-Beihilferecht nicht drin - selbst dann nicht, wenn dieser allgemeine Strompreisanstieg durch eine Klimaschutzmaßnahme wie den Kohleausstieg ausgelöst wurde. Experten der chemischen Industrie glauben deshalb, dass die Bundesregierung nach Brüssel pilgern muss, um dort um eine Änderung der europäischen Beihilferegeln zu ersuchen. Die Erfolgsaussichten sind nicht unbedingt gut: Auf energiepolitische Sonderwege Deutschlands ist man bei den Nachbarn nicht mehr so gut zu sprechen. Gerade erst soll sich Österreich in Brüssel über die deutschen Befreiungstatbestände bei Netznutzungsentgelten beschwert haben.

Die Metallindustrie fordert deshalb jetzt einen "Gesamt-Deckel", der die Betriebe vor allen Energiewende-Kosten schützt, einen sogenannten Super-Cap. Die Idee: Alle Energiewende-Kosten dürfen einen bestimmten Prozentsatz an der Bruttowertschöpfung des jeweiligen Unternehmens nicht überschreiten. Dieser Kostenschutz soll der Industrie langfristig Planungs- und Investitionssicherheit geben. Nach diesem Modell sollen alle staatlichen Kostenpositionen wie EEG-Umlage, Stromsteuer, Netzentgelte jeglicher Art, Konzessionsabgabe und CO2-Kosten aufaddiert werden, fordert die Wirtschaftsvereinigung: "Das, was auf der Stromrechnung an staatlicher Belastung über einen wettbewerbsverträglichen Prozentsatz der Bruttowertschöpfung hinausgeht, wird ausgeglichen oder zurückgezahlt." Nach einer ersten Prüfung des Vorschlags kommt die Anwaltskanzlei Redker Sellner Dahs zu dem Ergebnis, dass "eine Gesamtbegrenzungsregelung beihilferechtskonform umsetzbar ist, soweit bei den einzelnen einbezogenen Kostenbestandteilen eine Begrenzung möglich ist".

Für die übrigen Stromverbraucher bedeutet das, dass sie die energiewendebedingten Zusatzkosten übernehmen müssen. Beschwerden über solche Industrieprivilegien sind allerdings eine zweischneidige Angelegenheit. Schließlich liegen die Energiekosten für Industriebetriebe im Ausland heute schon deutlich niedriger. Die Bürger stehen damit vor der Wahl, entweder die Energiewende-Last der eigenen Industrie zum Teil mitzutragen oder aber womöglich in Zukunft Zehntausende Arbeitslose in der energieintensiven Industrie alimentieren zu müssen - und dem Verlust industrieller Wertschöpfung in Deutschland durch Abwanderung der Betriebe zuzusehen.
 

von Daniel Wetzel

 

 

Die Welt am 16.01.2019, S. 11
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Die Grenzen der Elektromobilität

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16. Jan. 2019

Mit dem Kauf eines E-Autos sind alle Umweltprobleme im Verkehrsbereich gelöst? Mitnichten. Und um die Klimaziele zu erreichen, wird es auch einschneidende Verhaltensänderungen brauchen.

Studiert man die österreichischen Zielpfade zur Erreichung der Klimaziele, die vom Umweltbundesamt im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie im Herbst 2018 erarbeitet wurden, so wird der Elektromobilität eine zentrale Rolle eingeräumt: Bis 2030 soll die prognostizierte Reduktion der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen zu knapp 50 Prozent durch Elektromobilität bewirkt werden, bis zum Zieljahr 2050 des Pariser Klimaabkommens zu mehr als 80 Prozent.

Festzuhalten ist, dass mit den laut Klimastrategie fixierten Maßnahmen der Zielwert für 2030 mit 16 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen pro Jahr um 35 Prozent überschritten wird, für 2050 beträgt die Überschreitung mehr als das Zehnfache des Zielwerts.

Angesichts dieser Ergebnisse stellt sich die Frage, inwieweit Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen können. Aus sachlichen Gründen sind Zweifel angebracht. Ohne einschneidende verkehrspolitische Rahmenbedingungen, die vor allem Einschränkungen für die Benutzung fossil angetriebener Autos umfassen, ist der gewünschte Erfolg nicht zu erreichen.

Marketingschmäh

Elektrisch angetriebene Autos haben aus Umweltsicht einige Vorteile, stellen aber nicht die nachhaltig umweltfreundliche Lösung dar, wie vielfach propagiert wird. Was die Bereitstellung der elektrischen Energie betrifft, steht Österreich mit einem Anteil von mehr als zwei Dritteln durch erneuerbare Energiequellen sehr gut da. Wenn aber in Zukunft der Großteil der im Verkehr benötigten Energie mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden soll, dann sind enorme Anstrengungen notwendig, die derzeit nicht in Sicht sind.

In der österreichischen Klimainventur werden dem Elektroauto am Ort der Benutzung weder Treibhausgasemissionen noch andere Emissionen angerechnet wie zum Beispiel Stickoxide. Diese werden der Stromerzeugung zugerechnet. Das verführt natürlich zu der irrigen Annahme, dass Elektromobilität quasi null Emissionen verursache. In der Vermarktung wird das als „lokal emissionsfrei“ beworben. Damit wird dem Konsumenten suggeriert, dass mit dem Kauf eines Elektroautos alle Umweltprobleme gelöst seien. Dies wird auch in den Verbrauchsangaben der Autos übernommen, sodass es sich für Autohersteller lohnt, große fossil angetriebene Autos durch große E-Autos zu ersetzen, um den mittleren Flottenverbrauch ihrer Produktpalette zu senken.

Energie zur rechten Zeit

Seriöse Untersuchungen zeigen, dass zur Erreichung der Klimaziele neben technologischen Lösungen auch einschneidende Verhaltensänderungen notwendig sind. Für die Betrachtung der Nachhaltigkeit und der verursachten externen Kosten von E-Autos ist die gesamte Wertschöpfungskette, beginnend von der Herstellung über die Nutzungsdauer bis zur Entsorgung, zu berücksichtigen. Die Batterie stellt diesbezüglich eine große Schwachstelle dar, für die beschränkt zur Verfügung stehende Rohstoffe wie zum Beispiel Lithium benötigt werden.

Dringend erforderlich ist die Einführungeiner Standardisierten Ermittlung und Offenlegungspflicht der gesamten Emissionen für E-Autos. Nicht zu vergessen ist, dass der Betrieb von E-Autos auch Feinstaub verursacht, da in Ballungsräumen rund 85 Prozent des Feinstaubs PM10 nicht direkt aus dem Motor kommen, sondern durch Aufwirbelung entstehen.

Die Bereitstellung der Energie am rechten Ort zur rechten Zeit, damit am Morgen die E-Autos vollgeladen zur Verfügung stehen, ist eine Voraussetzung für die Akzeptanz. Wenn man den Prognosen den Bestand an E-Autos betreffend des Umweltbundesamts auf Basis existierender Maßnahmen für das Jahr 2030 glaubt, dann werden in Österreich knapp 1,9 Millionen E-Autos in Betrieb sein. Das wären 35 Prozent des gesamten Pkw-Bestands. Dafür werden am Hauptabstellort zu Hause und zum Nachladen am Zielort insgesamt etwa 1,5 Millionen Ladestellplätze benötigt. Das bedeutet, dass im Mittel jährlich etwa 150.000 Ladestellplätze geschaffen werden müssten. Die Maßnahmen der E-Mobilitätsoffensive der Regierung bieten nur eine Förderquote von etwa 15 Prozent der laut Prognosen erforderlichen E-Pkws und Ladestellplätze an. Viele Gemeinden sind mit zu niedrigen Anschlusswerten ausgestattet, wenn die bisher verbrauchten fossilen Treibstoffe durch elektrische Energie ersetzt werden sollen. Es sind also große Investitionen in die Verteilernetze notwendig.

Druck auf Autonutzer

Eindrucksvoll wird immer wieder dargelegt, die Batterien der E-Autos seien in einem intelligent gesteuerten Stromnetz, dem sogenannten Smart Grid, selbst als Speicher nutzbar. Daher seien große Fahrzeuge mit großen Batterien eher die Lösung als das Problem. Hier wird übersehen, dass der zeitliche Tagesverlauf des Energiebedarfs für Kraftfahrzeuge dies mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erlaubt.

Wenn die Erwartungen, die in die Elektromobilität auch vonseiten der Regierung gesetzt werden, erfüllt werden sollen, so bedarf es mehr als die derzeit bekannten Maßnahmen. Einerseits ist mehr Druck auf die Autohersteller notwendig, damit qualitativ mit den fossil angetriebenen Autos vergleichbare E-Autos auf den Markt kommen. Dazu zählen die Eigenschaften Reichweite, Kaufpreis und Betriebskosten. Das ist für die nächste Zukunft nicht zu erwarten. Andererseits sind die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass der Druck auf die Autonutzer verstärkt wird. Die jüngst von der EU beschlossene Verpflichtung zu einer Senkung der Treibhausgasemissionen des Flottenmix auf 37,5 Prozent ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Eine Schlüsselfunktion kommt einer schrittweisen und langfristig fixierten Internalisierung der externen Kosten des Kraftfahrzeugverkehrs mit fossilem Antrieb zu. Das kann mit einer spürbaren Abgabe für Treibhausgasemissionen auf fossile Treibstoffe oder mit einer umweltorientierten flächendeckenden und entfernungsabhängigen Maut für alle Kraftfahrzeuge erfolgen. Letztendlich ist es fair, wenn die Schäden an der Umwelt von den Verursachern bezahlt werden. Autofahren mit fossilem Antrieb würde damit signifikant teurer werden.

Soziale Komponente

Wichtig ist, dass für eine soziale Kompensation für jene Zielgruppen gesorgt wird, die keine Alternative haben. Sonst könnte der französische Gelbwesten-Protest exportiert werden. Dies sollte im Rahmen einer umfassenden ökologischen aufkommensneutralen Steuerreform geschehen, am besten europaweit abgestimmt.

Nicht zu vergessen ist dabei, dass die Elektromobilität nur ein wichtiger Mosaikstein zur Lösung der Klimafrage im Sektor Verkehr ist. Die Verfolgung anderer technologischer Lösungen, aber auch eine grundsätzliche Verhaltensänderung, die durch restriktive Maßnahmen gegen umweltfeindliche Verkehrsmittel vorangetrieben wird, ist unbedingt erforderlich, wenn wir die Mobilitätswende schaffen wollen.
 

 

 

Der Standard am 16.01.2019, S. 31
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Störung bei Europas Stromnetz

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16. Jan. 2019

Blackout. Mehrere Ereignisse brachten das Netz kurzzeitig an den Rand des Totalausfalls

Am 10. Jänner 2019 ist etwas eingetreten, wovor Experten in ganz Europa schon seit Langem warnen. Eine Verkettung von mehreren Störungen und Ereignissen hat dazu geführt, dass die Netzfrequenz im europäischen Verbundsystem auf einen kritischen Wert - 49,8 Hertz - abgesunken ist und das europäische Stromnetz unmittelbar vor einer großflächigen Störung stand. Im schlimmsten Fall würde ein derartiges Ereignis zu einem europaweiten Blackout (Totalausfall, Anm.) führen.
Netzregelung "Ein normaler Wert ist 50 Hertz. Bei 49,8 Hertz sprechen wir von einem gestörten Betrieb, bei dem Schutzmechanismen greifen", erklärt Klaus Kaschnitz, zuständig für Versorgungssicherheit bei der Austria Power Grid (APG). Die APG ist in Österreich für die Netzregelung und -sicherheit zuständig. 240 Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich darum, dass der Netzbetrieb einwandfrei funktioniert. Wenn die Netzfrequenz unter 49,8 Hertz sinkt und nicht rasch stabilisiert werden kann, könnte es im schlimmsten Fall schnell gehen und die Stromversorgung in ganz Europa zusammenbrechen. Doch dazu kam es dieses Mal nicht, weil entsprechende Schutzmaßnahmen gegriffen haben.


Schutzmaßnahmen "Hier hat jedes Land in Europa einen eigenen Staffelplan mit Schutzmaßnahmen", erklärt Kaschnitz. "Je schlimmer die Frequenzabweichung ist, desto gravierender werden die Eingriffe. Das Ziel ist, mit diesem Schutzkonzept einen Blackout europaweit zu verhindern." Vergangene Woche konnte man die Unterfrequenz laut Kaschnitz binnen "weniger Sekunden" wieder in den Griff kriegen. "In Österreich waren dazu keine Eingriffe notwendig", sagt der APG-Experte. Wäre Österreich betroffen gewesen, würde das automatische Lademanagement aktiviert und als erstes würden bestimmte Kraftwerke vom Stromnetz abgeworfen werden. Erst in weiterer Folge müsste man auch Verbraucher vom Netz nehmen.


Kommt nicht oft vor Das war zuletzt etwa vor dreizehn Jahren der Fall. Im November 2006 wurden zehn Millionen Haushalte in Europa vom Netz getrennt, um den Kollaps des europäischen Stromnetzes zu verhindern. Auch damals war die Netzfrequenzgrenze von 49,8 Hertz erreicht. "Die Fälle kann man aber nicht direkt miteinander vergleichen, weil damals eine Leitungsüberlastung die Ursache war und Europa in drei Bereiche gespalten wurde. Dieses Mal ist alles vernetzt geblieben", sagt Kaschnitz.
Ursachen bekannt Die Ursache für die diesjährige Großstörung war laut Kaschnitz "eine Verkettung von mehreren Störungen". Untersuchungen dazu würden derzeit noch laufen, doch einiges ist bereits bekannt: "Zum einen hat es einen Datenfehler bei einem ausländischen Netzregler bei der Übernahme einer Grenzleitung gegeben. Zum anderen gab es Schwankungen bei der Ablöse von Kraftwerken. Dann gab es noch eine dritte Ursache, die gerade untersucht wird." Wenn ein Kraftwerk vom Netz genommen werden muss, springt ein anderes ein. Dabei kann es passieren, dass ein Kraftwerk schneller runterfährt, als das andere hochfährt und die volle Leistung liefern kann.


Netzausbau wichtig Dieses Mal ist noch alles glattgegangen. Doch wird dies auch sobleiben? "Der aktuelle Fall zeigt uns, wie gut und wichtig es ist, Schutzkonzepte zu haben und diese regelmäßig zu überprüfen", so Kaschnitz. Mittlerweile müsse enormer Aufwand betrieben werden, um die hohe Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, weil die Komplexität der Systeme weiter steigt. "Wir müssen auch die Netze ausbauen. Und zwar schnell. Nur damit wird das Gesamtsystem wieder leistungsfähiger", erklärt Kaschnitz. Bei einem europaweiten Stromausfall würde nicht nur das Licht ausgehen, sondern so gut wie alles, das wir für das tägliche Leben benötigen, ausfallen. Daher empfiehlt sich Vorsorge.

 

von Barbara Wimmer

 

Kurier am 16.01.2019, S. 20
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Car2go fährt elektrisch in Paris

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Paris/Wien, 16. Jan. 2019

Carsharing-Anbieter will seine Flotte auch in Wien mit Strom betreiben.

Nach Amsterdam, Madrid und Stuttgart bringt der Carsharing-Anbieter Car2go nun auch in Paris vollelektrische Fahrzeuge auf die Straße. Die Flotte besteht fortan aus 400 strombetriebenen smart EQ fortwo. Weitere Fahrzeuge sollen im Laufe des Jahres folgen. Insgesamt hat Car2go nun in vier Städten 2100 Elektrofahrzeuge im Einsatz. Paris ist der 15. Car2go Standort in Europa und der 26. weltweit.

Mit einer Größe von 77 Quadratkilometern deckt das Pariser Geschäftsgebiet den Bereich innerhalb der Stadtautobahn Boulevard Périphérique, die Paris umgibt, ab. Der Minutenpreis für den smart fortwo liegt zwischen 0,24 und 0,34 Euro, je nachdem wo und wann die Miete für das Car2go Fahrzeug beginnt.

Gespräche mit der Stadt

Die Car2go-Kunden in Paris können die Autos selbst laden. Hierfür stehen rund 1100 Ladestationen zur Verfügung. „Ich möchte mich bei der Stadt Paris für die konstruktive Haltung gegenüber Carsharing-Unternehmen bedanken – vor allem im Hinblick auf die Parkvereinbarung und die Regelung zur Nutzung der Ladeinfrastruktur“, sagt Car2go-Geschäftsführer Olivier Reppert.

1100 Ladestationen wie in Paris soll es auch bald in Wien geben. Wie die „Wiener Zeitung“ berichtete, errichtet Wien Energie heuer 550 neue Ladestellen, davon 400 im öffentlichen Raum. Ende 2019 werden dann im Großraum Wien (plus Niederösterreich) 1500 Ladestationen der Wien Energie am Netz sein.

Ob diese Anzahl von Ladestationen ausreicht, um in Zukunft auch in Wien auf vollelektrische Fahrzeuge umzustellen, konnte man bei Car2go nicht beantworten. Derzeit sei die Ladeinfrastruktur in Wien noch unzureichend. Es finden aber Gespräche zur Förderung des elektrischen Carsharing mit der Stadt Wien statt. Der einzige Wiener Carsharing-Anbieter mit strombetriebenen Fahrzeugen ist derzeit Konkurrent DriveNow.

Nach Amsterdam, Madrid und Stuttgart nun auch in Paris unterwegs: die E-Autos von Car2go.

 

Wiener Zeitung am 16.01.2019, S. 16
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Elektrisierender Knochenjob

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Bregenz, 16. Jan. 2019

„Die größte Schwierigkeit war der nasse, schwere Schnee“, erklärt Manfred Moosmann, Betriebsstellenleiter Bezau, die größte Herausforderung für die Mitarbeiter der Vorarlberg Energienetze GmbH in den letzten Tagen. Mit seinem Team, sieben Monteuren und zwei Technikern, hat er dafür gesorgt, dass Stromausfälle durch defekte Überlandleitungen in den letzten beiden Wochen nur kurz ausfielen. Durch die hohe Schneelast sind in den letzten Tagen immer wieder Bäume geknickt und haben die Leitungen erwischt. Dann kommt es zu einem Stromausfall. Meist ist der diensthabende Mitarbeiter des Störungsdienstes schon unterwegs, wenn die ersten Anrufe mit Meldungen zum Stromausfall kommen. Denn in der Hauptschaltzentrale in Bregenz wird sofort alarmiert, wenn eine Leitung ausfällt. Dann muss der Mitarbeiter ins Gelände: oft mitten in der Nacht und bei widrigsten Bedingungen. Die betroffene Stelle muss genau lokalisiert werden, dann wird der Strom abgeschaltet. In Folge werden die Leitungen umgeschaltet, dank Ringsystem kann in der Regel die Stromversorgung von „der anderen Seite“ in Kürze wieder hergestellt werden. „Diese Ausfälle sind meist innerhalb einer Stunde behoben“, erzählt Moosmann. Ansonsten kommen Notstromaggregate zum Einsatz. Die Reparatur erfolgt möglichst schnell. Auch bei starkem Schneefall werden die Leitungen wieder in Ordnung gebracht. „Oft müssen unsere Arbeiter das Material Hunderte Meter durch den hohen Schnee zur Schadensstelle bringen“, verweist der Betriebsstellenleiter auf zusätzliche Schwierigkeiten. „Die Beurteilung, ob die Situation sicher ist, obliegt dabei den Mitarbeitern“, erklärt Moosmann. Die Erfahrung der Monteure spiele eine wichtige Rolle. Die schnelle Wiederherstellung der Leitung ist wichtig. So kam es etwa im Bereich Egg-Schetteregg innerhalb von zwei Wochen zu vier Beschädigungen, ohne Reparaturen wäre die Stromversorgung zusammengebrochen. Einsätze gab es laufend, ein bis zwei pro Tag seien landesweit in den letzten Wochen angefallen, berichtet Moosmann.
Auch die 110kV Leitung am Pfänder wurde beschädigt und musste abgeschaltet werden. Bei den Hochspannungsleitungen gibt es allerdings immer eine zweite Lösung, erklärt Vorarlberg Netz Geschäftsführer Johannes Türtscher. So bleibt die Versorgung gesichert.

Spitzenwert bei Ausfallzeiten

Vorarlberg ist bei Stromausfällen eine „Insel der Seligen“. 2017 fiel der Strom im Schnitt rund 7,65 Minuten aus, österreichweit war der Schnitt 32 Minuten. Das erklärt Türtscher mit dem hohen Grad an Verkabelung. 94 Prozent der Stromleitungen sind hierzulande vergraben, im Bundesschnitt sind es nur 71 Prozent. „Neben dem sehr gut ausgebauten Netz sind aber auch die super Mitarbeiter ein Grund dafür, dass alles so gut über die Bühne ging“, lobt er seine Mitarbeiter. VN-GMS
„Energie für unser Leben“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der Vorarlberger Nachrichten mit Unterstützung von illwerke vkw.
 

 

 

Vorarlberger Nachrichten am 16.01.2019, S. A5
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Lösung für Öko-Kraftwerke gefordert

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16. Jan. 2019

Viele Holzkraftwerke müssen heuer kostenbedingt Betrieb einstellen
Für rund 130 ältere, voll funktionsfähige Holzkraftwerken, die Ökostrom produzieren droht heuer kostenbedingt das Aus. Der Großteil dieser Kraftwerksanlagen muss wahrscheinlcih den Betrieb einstellen, da sich die Produktion von Ökostrom aus Holz ohne geregelten Einspeisetarif nicht rechnet. Etwa 6400 Arbeitsplätze hängen an diesen Kraftwerken.


Da das geplante Ausbaugesetz für die erneuerbaren Energien zu spät kommt, pocht die Landwirtschaftskammer OÖ auf eine Zwischenlösung für den Weiterbetrieb. „Ohne Übergangsregelung fallen allein 2019 drei Viertel der Anlagen weg, das entspricht der Stromproduktion von 450.000 Haushalten. Die erfreulichen Ziele der Bundesregierung beim Ausbau der erneuerbaren Energie wären stark gefährdet und die Klimaziele würden in weite Ferne rücken. Es ist ein Gebot der Stunde, rasch eine Übergangslösung für alle Holzkraftwerke zu beschließen“, betont LK-OÖ-Präsident Franz Reisecker.
Nach aktuellen Berechnungen liegt die Wertschöpfung der Anlagen bei 500 Millionen Euro. Nicht zuletzt deshalb ist Strom aus Holz aus Sicht der LK OÖ ein unverzichtbarer Bestandteil im Sortenmix der erneuerbaren Energieträger. Denn auch für die Holzverwertung sind die Anlagen wichtig: Allein in Kleinanlagen könnten bei optimaler Nutzung 280.000 Festmeter Holz in Ökostrom und Wärme umgewandelt werden.


280.000 Festmeter Holz könnten bei optimaler Nutzung in Kleinanlagen in Ökostrom und Wärme umgewandelt werden.
 

 

 

Oberösterreichisches Volksblatt am 16.01.2019, S. 19
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Klimawandel überwältigt Energiekonzerne

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San Francisco, 15. Jan. 2019

USA Sammelklagen und ein Bankrott: Die zwei grossen Energieversorger Pacific Gas & Electric und Exxon müssen teuer für ihre unachtsame Politik oder irreführende Kommunikation zur Klimaveränderung bezahlen.

Schwer trifft es die Pacific Gas & Electric, einen den grössten Strom- und Gasversorger des Landes. Nach verheerenden Waldbränden mit über 100 Toten in den letzten zwei Jahren muss das Unternehmen den Konkurs anmelden. Opfer der Brände werfen dem Konzern vor, sich ungenügend auf die steigenden Brandrisiken wegen des Klimawandels vorbereitet zu haben. Der Erdölmulti Exxon muss gemäss einem Urteil des Bundesgerichts alle internen Unterlagen zur Klimaleugnungskampagne herausgeben, womit der Weg zu Betrugsprozessen geebnet wird.


Der Konkurs von PG&E ist der zweite in der Firmengeschichte, doch gravierender als das Verfahren vor 15 Jahren, als die Manipulation des kalifornischen Energiemarktes durch Enron die Strompreise zum Explodieren brachte. Zwar suchte der Konzern in den letzten Monaten nach einem Ausweg abseits des Konkursgerichts, doch alle Versuche, den drohenden Kollaps auf politischer Ebene abzuwenden, scheiterten.


Veraltete Infrastruktur


Noch ist die Schuldfrage nicht geklärt, doch dürfte PG&E seit dem Herbst 2017 für zwei der katastrophalsten Brände in der Geschichte des Bundesstaats verantwortlich gewesen sein. Auf die Baumkronen durchhängende Überlandleitungen oder veraltete Transformatoren haben gemäss den provisorischen Untersuchungen Funkenschläge verursacht und Bäume in Brand gesetzt, die wegen des Klimawandels beschleunigt ausgedorrt waren. Mehr als 100 Menschen kamen in den Bränden ums Leben, die Kleinstadt Paradise wurde eingeäschert, und viele Unternehmen melden sinkende Einnahmen, weil Kunden und Touristen ausbleiben.


Auf mehr als 30 Milliarden Dollar schätzt PG&E die Schadenersatzforderungen von Opfern der Brände, Hauseigentümern und Geschäftsinhabern. Der Konzern räumt ein, mit dem Unterhalt der Infrastruktur in Rückstand geraten zu sein, begründet das aber mit finanziellen Engpässen. Anderseits habe der Klimawandel die Lage verschärft - und daran habe das Unternehmen keine Schuld. Das Problem ist, dass PG&E als börsenkotiertes Unternehmen nicht nur die Kunden zufriedenstellen musste, sondern auch die Aktionäre und das Management in Form von Dividenden und Boni.


Staatsbetriebe haften nicht


Besser in dieser Hinsicht stehen die Energieversorger in staatlichem Besitz da. Sie operieren vorwiegend im südlichen Kalifornien und zwangen die Politik dazu, die Kosten für die Brände auf die Allgemeinheit abwälzen zu können. Strom- und Gaskunden zahlen somit in Form höherer Tarife indirekt für die dürreund klimabedingten Schäden.


Wie es mit PG&E weitergeht, ist offen. Als Ausweg steht die Aufteilung in eine staatliche Versorgungsgesellschaft und einen privaten Strom- und Gasproduzenten zur Debatte. Die Aktionäre müssen sich auf jeden Fall auf einen totalen Wertverlust gefasst machen.


Zur Herausgabe gezwungen


Auch Exxon drohen höhere Kosten wegen des Klimawandels, allerdings aus exakt gegenteiligen Gründen. Nachdem der Konzern seit Jahren versucht hatte, die Herausgabe von internen Unterlagen zur Kampagne gegen den Klimawandel zu blockieren, fällte das höchste Gericht letzte Woche ein klares Urteil. Das Bundesgericht weigerte sich, ein Verfahren des Staates Massachusetts zu unterbinden, das als Mustervorlage für das ganze Land dienen dürfte. Exxon hatte geltend gemacht, dass Massachusetts kein Recht habe, das Beweismaterial zu behändigen, weil dort kein Öl und Gas produziert werde. Diesem Ansinnen des Konzerns mit Sitz in Texas widerspricht das Bundesgericht. Es gelte die Meinung des Staatsanwalts, wonach Exxon auch die Bevölkerung in Massachusetts systematisch hinters Licht geführt habe und die Klage entsprechend auch von anderen Bundesstaaten übernommen werden könnte.


Das Ausmass der Irreführung hatten 2015 die "Los Angeles Times" und die "Inside Climate News" aufgedeckt. Es zeigte sich, dass Exxon seit Beginn der 1970er-Jahre um die Risiken der fossilen Energieträger für das Klima wusste und versuchte, deren schlechtes Renommee mit einer immensen PR-Kampagne zu unterdrücken. Dies bis heute mit Erfolg, wie die Person Trump zeigt. Bereits früher war der Staat New York gegen den Konzern vorgegangen: mit einem ungewöhnlichen Verfahren. Die Klage richtet sich nicht gegen Exxon als Klimalügnerin, sondern verfolgt eine Betrugsklage aus Sicht der Aktionäre. Die Klage fordert, dass Exxon alle Gewinne, die unter dem Deckmantel der Klimalüge erwirtschaftet wurden, an die Aktionäre zurückerstattet.


Gasraffinerie von Exxon in Baytown, USA: Die Firma versuchte, den Klimawandel schönzureden. Foto: Getty Images
Exxon wusste um die Risiken der fossilen Energieträger für das Klima.
 

 

 

Tagesanzeiger am 15.01.2019, S. 12
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"Da kommen die Amerikaner ins Spiel"

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15. Jan. 2019

Die Pipeline Nord Stream 2 ist zum Politikum geworden. OMV-Vorstand Manfred Leitner glaubt dennoch an einen guten Ausgang – und daran, dass die OMV irgendwann russisches Gas vermarkten kann.


Das letzte Rohr der Gaspipeline Nord Stream 1 wurde 2011 im Baltischen Meer versenkt. Das ging noch relativ problemlos. Die Realisierung der Parallelpipeline gestaltet sich ungleich schwieriger. Die USA setzen alle Hebel in Bewegung, um das Projekt zu verhindern, mit dem die russischen Gasexporte nach Europa auf dieser Route auf bis zu 110 Milliarden Kubikmeter ansteigen könnten. Die OMV hat sich zusammen mit dem französischen Gasunternehmen Engie, Shell und den deutschen Unternehmen Uniper und Wintershall verpflichtet, bis zu 50 Prozent der Finanzierungskosten zu tragen.


STANDARD: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Nord Stream 2 wie vorgesehen Ende 2019 betriebsbereit sein wird, wenn die Skala von null bis zehn geht?

Leitner: Dann sage ich neun.


Standard: So hoch trotz der Drohung der USA mit Sanktionen wie zuletzt vorige Woche gegen Unternehmen, die mit der Verlegung der Pipeline betraut sind?


Leitner: Zwei Dinge. Das eine ist die wirtschaftliche und versorgungstechnische Dimension. Die Gasproduktion in Europa geht zurück, gleichzeitig sagen Experten, dass die Gasnachfrage steigen wird, nicht zuletzt weil die Produktion von Strom aus Kohle wegen hoher CO2-Belastung zurückgefahren und wohl durch Gas ersetzt werden muss. Doch selbst bei gleichbleibender Nachfrage ergibt sich für Europa bis 2022/23 ein Zusatzimportbedarf von 35 bis 40 Milliarden Kubikmeter (m3). Und der wird weiter zunehmen – bis 2030 wahrscheinlich auf mehr als 50 Milliarden m3.

Standard: Vor der Finanzkrise war man auch bullish hinsichtlich der Gasnachfrage. Das hat sich jedoch als ziemliche Fehleinschätzung herausgestellt.

Leitner: Korrekt. Nur hat es damals die CO2-Diskussion noch nicht in der Form gegeben, die Optionen sind weniger geworden. Jetzt ist es undenkbar zu sagen, bauen wir ein Kraftwerk und befeuern das mit Öl. Ein Konsens besteht aber darin, dass die Kohle zurückgedrängt werden muss. Das heißt andererseits, dass man um Gas nicht mehr herumkommt. Dazu eine Zahl: Wenn man von heute auf morgen die Stromproduktion von Kohle auf Gas umstellen würde, ersparte man sich mit einem Schlag 50 Prozent CO2-Ausstoß und würde so das für Europa für 2030 vorgesehene Ziel für die CO2-Reduktion sofort erreichen.

Standard: Bringt Nord Stream 2 zusätzliches Gas oder wird nicht primär die Ukraine als unliebsames Transitland umgangen?

Leitner: Nord Stream 2 ist für die Versorgungssicherheit Europas extrem wichtig, da sie zusätzliches Gas bringt. Das steht in Konkurrenz zu anderen Importströmen, die im Wesentlichen Flüssiggasströme sind, also LNG. Da kommen jetzt die Amerikaner ins Spiel.

Standard: Inwiefern?

Leitner: Die USA produzieren mittels Fracking günstig und ohne Umweltauflagen inzwischen mehr Gas, als sie selbst verbrauchen können. Als Erstes wurde dort die Stromproduktion von Kohle auf Gas umgestellt, die Kohle blieb übrig. Das hat einen Preisverfall ausgelöst. Die Kohle hat Europa gekauft und produziert damit Strom. Jetzt suchen die Amerikaner Märkte, um das überschüssige Gas in Form von LNG vermarkten zu können.

Standard: Und deshalb wollen die USA Nord Stream 2 abschießen?

Leitner: Das wirtschaftliche Interesse steht wahrscheinlich im Vordergrund. Daneben gibt es Machtinteressen, aber das ist nicht mein Gebiet. Eines jedoch würde ich gerne wissen: Was würde wohl die US-Regierung sagen, wenn die EU erklärte, sie sollte die XL-Pipeline von Kanada in die USA nicht bauen, weil diese Leitung allen Vorstellungen der EU widerspricht?

Standard: Knapp ein Drittel der Leitung ist verlegt, auf den restlichen gut 800 Kilometern könnte noch einiges passieren. Was macht Sie so sicher, dass nichts passiert?

Leitner: Was soll passieren? Ich kann nicht diskutieren, wie wahrscheinlich Sanktionen gegen wen auch immer sind. Ich setze darauf, dass Europa stark genug ist, um zu kapieren, was da stattfindet. Ich bin dankbar dafür, dass die österreichische Bundesregierung in dieser Frage eine klare Position eingenommen hat und dass auch die deutsche Bundesregierung noch immer eine klare Position hat. Letztlich werden die Kunden entscheiden, ob das Projekt erfolgreich wird. Die Ukraine hat lange nicht in ihr Pipelinenetz investiert. Eine zusätzliche Leitung beruhigt.

Standard: Warum hat gerade dieses Projekt für die OMV einen so hohen Stellenwert, dass Sie zur Finanzierung der Pipeline deutlich über 500 Millionen Euro lockergemacht haben?

Leitner: Weil das Projekt in unsere Strategie passt, führender integrierter Anbieter im Gashandel von Nordwest- bis Südosteuropa zu werden. Der erste Schritt war, uns in russische Gasfelder einzukaufen. Derzeit wird das dort geförderte Gas von einer Gesellschaft in Russland vermarktet. Aber wer weiß, wie es in 20 Jahren aussieht, vielleicht können wir das Gas irgendwann ja selbst vermarkten. Außerdem sind wir interessiert, dass möglichst viel vom Nord-Stream-2-Volumen bei unserem Gashub in Baumgarten landet.

Was würde wohl die US-Regierung sagen, wenn die EU erklärte, sie sollte die XL-Pipeline von Kanada in die USA nicht bauen?
 

 

 

Der Standard am 15.01.2019, S. 17
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Die Sonne auf Erden

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15. Jan. 2019

Während die Kernspaltung in immer mehr Ländern geächtet wird, lebt die Vision von der Kernfusion. Selbst in Deutschland wird geforscht. In Nordamerika wollen Start-ups schon in wenigen Jahren Strom erzeugen.

Die weiße, fensterlose Halle am Rande von Greifswald ist von außen unauffällig. Aber schon der angeschlossene Bürokomplex mit futuristisch geschwungenem Dach lässt erahnen, dass es sich nicht um eine einfache Lagerhalle handelt. In dem Gebäude, nur vier Kilometer von der Ostseeküste entfernt, türmen sich 1 000 Tonnen Stahl: Eine ringförmige Metallkonstruktion ist bestückt mit lauter Messeinrichtungen und insgesamt 500 Luken, die den Weg ins Innere bahnen. Ein permanentes Rauschen in der Halle klingt wie ein überdimensionierter Staubsauger.


Thomas Klinger ist der Herr dieses Gebildes. In die Forschung hier sei er "so reingestolpert", sagt der Physiker des Max-Planck-Instituts, während er sich seinen Weg um den Stahlkomplex bahnt. Pathos ist bei ihm fehl am Platz: Seit 19 Jahren tüftelt er an "der Anlage", wie Klinger das Konstrukt nüchtern nennt.


Die Rede ist vom Wendelstein 7-X, einer Maschine zur Erforschung der Kernfusion. Zehn Jahre hat es gedauert, den Wendelstein zu planen. Zehn weitere, das 16 mal 16 Meter große Ungetüm aufzubauen. Seit 2015 laufen die Experimente. Ein klein wenig pathetisch ist Klinger dann doch. "Die Kernfusion könnte ein wichtiger Beitrag zum Stoppen des Klimawandels sein", sagt der hochaufgeschossene 53-Jährige, ohne eine Miene zu verziehen.


Mithilfe der Kernfusion versuchen Forscher aus aller Welt seit Jahrzehnten, die Sonne auf der Erde zu erschaffen. Die Sonne ist nichts Anderes als ein riesiger Fusionsreaktor, in dem durch die Verschmelzung von Teilchen Unmengen an Energie frei werden. Irdische Fusionsreaktoren sollen dieses Vorgehen nachahmen, um Strom zu erzeugen. Während Deutschland vor dem Atomausstieg bei der Kernspaltung steht, wird weltweit an der nächsten Form der Stromerzeugung mit radioaktivem Material geforscht. Sinn und Unsinn der Kernfusion ist aber kaum weniger umstritten als die Kernspaltung.


Ein bisschen Radioaktivität


Die Besonderheit bei der Kernfusion: Wie bei heutigen Atomkraftwerken könnte schwankungsfrei Strom ohne CO2 - Ausstoß produziert werden. Im Gegensatz zur herkömmlichen Atomkraft, bei der Hunderte Tonnen radioaktives Material eingesetzt werden, müssten bei der Fusion nur ein paar Kilogramm bereitgestellt werden. "Und beim Prozess in der Anlage braucht es nur ein einziges Gramm", sagt Klinger.


"Es ist ein weltweit einzigartiges Experiment, das uns der Energiequelle der Zukunft einen entscheidenden Schritt näherbringen kann", hatte Kanzlerin Angela Merkel 2015 beim Besuch des Wendelsteins gesagt. Dort aber werden lediglich die optimalen Bedingungen für die Kernfusion erforscht. Klinger und sein Team leisten damit die Vorarbeit für das Projekt Iter.


In Cadarache im Süden Frankreichs bauen die Europäische Union, China, Indien, Japan, Korea, die USA und Russland schon seit gut einem Jahrzehnt den "Iter". Dieser soll 2035 als erster Versuchsreaktor überhaupt mehr Energie erzeugen, als für die Fusion hineingesteckt wird. "Wir brauchen einen Weg, schwankungsfreie Energie zu produzieren, um schmutzige fossile Energieträger zu ersetzen", sagt Iter-Generaldirektor Bernard Bigot. Die EU kostet der Iter in heutigen Preisen voraussichtlich 20 Milliarden Euro bis 2035. Deutschland ist nur über den EU-Haushalt beteiligt. Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung mit 137 Millionen Euro jährlich die inländische Fusionsforschung. Neben dem Wendelstein in Greifswald gibt es drei weitere Anlagen in Deutschland.


Diese steuerfinanzierte Förderung sorgt mancherorts für Unverständnis. "Angesichts der wirklich drängenden Probleme, vor denen wir stehen, halte ich die Förderung der Kernfusion für unverhältnismäßig überzogen", kritisiert Matthias Bartelmann, Professor an der Universität Heidelberg. Mit 418 Millionen Euro im Jahr 2017 war die Forschungssubvention von erneuerbaren Energiequellen nur dreimal höher als die der Kernfusion. Erstgenannte tragen in diesem Jahr 40 Prozent zur Stromerzeugung bei. Fusionsstrom werde "erst nach 2050 verfügbar" sein, heißt es aus dem Bundesforschungsministerium. Die Fraktion der Grünen im Bundestag hatte bereits mehrere Anträge zum Stopp der Fusionsförderung gestellt.


Das Max-Planck-Institut in Greifswald erhält jährlich 53 Millionen Euro Steuergelder von Bund und Land. "Es hilft ja nichts", sagt Projektchef Klinger, "Fusion ist nur mit großen Anlagen möglich. Und die sind nun einmal teuer."


"Selbst wenn sie durch die Forschungsgelder machbar würde, halte ich eine Energieversorgung durch Kernfusion überhaupt nicht für wünschenswert", widerspricht Bartelmann. Obwohl die Menge radioaktiven Materials gering wäre, hinterließen Fusionskraftwerke radioaktiv verseuchten Schrott.
Die Suche nach Endlagern für Tausende von Jahren wie bei der Kernspaltung braucht es jedoch nicht. Das einzige radioaktive Material, das bei künftigen Fusionskraftwerken eingesetzt werden könnte, verliert circa 70 Millionen Mal schneller seine Strahlung als das heute üblicherweise eingesetzte Uran. "100 Jahre müsste man ein ausgedientes Fusionskraftwerk absperren, dann könnte man sogar die Materialien recyceln", sagt Klinger. Und selbst bei einem Terrorangriff drohe wegen der geringen Menge an radioaktivem Stoff keine Gefahr, ergänzt Iter-Chef Bigot: "Die Anwohner am Kraftwerk müssten nicht evakuiert werden."


Noch sind das nur Gedankenspiele. Frühestens 2055 könne der Kraftwerksprototyp Demo, der auf Iter folgen soll, tatsächlich Strom ins Netz einspeisen. Nach Ansicht von Greenpeace ließe sich bis dahin die weltweite Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umstellen. "In einem Extremszenario kann es sein, dass wir Fusionsenergie gar nicht brauchen werden", gibt Klinger zu.


Christofer Mowry, Ingenieur, der jahrelang für General Electric gearbeitet hat, will dem zuvorkommen. Der CEO des kanadischen Start-ups General Fusion ist derzeit wie so oft in Malaysia unterwegs. In Asien entscheide sich, ob die Welt am Klimawandel scheitern werde, sagt er: "Es ist hier nicht sonnig oder windig genug, damit man sich jemals komplett durch erneuerbare Energien versorgen könnte." Der Strom in Malaysia wird zu drei Vierteln aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Der malaysische Staatsfonds ist einer der Investoren von General Fusion.


Mowry hat es eilig, bis 2024 will er das weltweit erste Fusionskraftwerk bauen. "Wir haben die komplette Technologie, um Fusion zu kommerzialisieren", sagt er.


Von tonnenschweren Reaktoren, in die die staatliche Forschung seit Jahrzehnten ausschließlich investiert, will er nichts wissen. Stattdessen setzt er auf rohe mechanische Kraft: Auf der Außenseite des Reaktors von General Fusion sind Hunderte druckluftbetriebene Kolben angebracht, die auf die Oberfläche hämmern. Die dadurch entstehende Schockwelle im Inneren der Kugel verdichtet und erhitzt das Plasma so stark, dass Kernfusion möglich ist.


Seit 15 Jahren arbeiten Mowry und sein Team an diesem Reaktor. Weit über 100 Millionen Dollar Kapital sind nach eigenen Angaben bereits in das Unternehmen geflossen. Und es werde weitere Hunderte Millionen von Dollar kosten, um die Technik zu kommerzialisieren, sagt er. Finanzstarke Investoren hat General Fusion. Über 25 Prozent der Investments stammen vom kanadischen Staat. "Sie wissen, dass Fusion die ultimative Technologie für saubere Energie ist", sagt Mowry.


Der reichste Mensch der Welt, Amazon-Gründer Jeffrey Bezos, hat ebenfalls in General Fusion investiert. Er ist Teil einer illustren Runde von Geldgebern, die Fusions-Start-ups unterstützen. Der deutschstämmige Starinvestor Peter Thiel hat sich bei Helion Energy engagiert. Das Unternehmen Commonwealth Fusion Systems erhielt dieses Jahr 50 Millionen Dollar vom Energiekonzern Eni. Der italienische Energieversorger will so 2033 einen Fusionsreaktor ans Netz bringen.


Paul Allen, Microsoft-Mitgründer, und die Rockefeller-Familie setzen auf Tri Alpha Energy (TAE). Das kalifornische Start-up wird seit dem Sommer vom Österreicher Michl Binderbauer geführt. "Unsere Kinder könnten als erste Generation ohne Umweltverschmutzung leben", sagt der Astrophysiker. Mitte der 2020er-Jahre will TAE einen ersten Versuchsreaktor herstellen, der in Kuwait stehen könnte. Der Staatsfonds aus dem arabischen Land sieht sein Investment in TAE als einen Schritt, sich auf eine Zukunft ohne Erdöl vorzubereiten.


Reaktor im Generator


Dazu könnte auch Eric Lerner beitragen. Der Gründer und CEO von LPP Fusion aus New Jersey hat sein Leben den Fusionsreaktoren gewidmet, seit über 30 Jahren tüftelt er an der Stromerzeugung aus Fusion. "Damit werden wir die Stromversorgung weltweit verändern können", ist sich Lerner sicher.
"Dampf und Turbinen brauchen wir dafür nicht, wir setzen auf Röntgenstrahlen", sagt der Forscher. Lerner experimentiert an einem Reaktor, der gleichzeitig ein Stromgenerator sein soll. So groß wie eine Garage sollen die Generatoren von LPP Fusion einmal sein, fünf Megawatt Leistung sollen sie bringen. Transformatoren, die heute in den Städten verteilt sind, um Elektrizität umzuspannen, könnten einfach gegen die LPP-Generatoren eingetauscht werden, glaubt Lerner.


2022 soll ein erster Prototyp bereits Strom produzieren können. Sieben Millionen Dollar hat LPP Fusion dafür bisher eingesammelt. "Die Konsequenzen des Erfolgs unseres Projekts werden revolutionäre Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten haben", ist Lerner überzeugt.
Iter-Chef Bigot hält die Pläne der Start-ups für realitätsfremd. Wenn es klappe, "wäre das natürlich wunderbar und würde alle unsere Probleme lösen", sagt Bigot. "Das müssen die Start-ups ja sagen, um an privates Geld zu kommen", findet auch Klinger vom Max-Planck-Institut. Dafür aber bräuchte es "schon ein paar Wunder".



ZITATE FAKTEN MEINUNGEN


Wie funktioniert Kernfusion? Erhitzung In den ringförmigen Reaktoren befindet sich eine Vakuumkammer und darin ein sehr dünnes Gasgemisch. Dieses wird auf 100 Millionen Grad Celsius erhitzt. Die Kerne des Wasserstoffgases werden dadurch frei und bewegen sich rasant. Plasma wird dieser Zustand genannt. Energieerzeugung Aufgrund ihrer positiven Ladung stoßen sich die Kerne eigentlich ab. Durch ihre hohe Geschwindigkeit kommen sie sich nun aber doch so nah, dass sie verschmelzen. Dabei entstehen unter anderem Neutronen, die durch die Fusion noch mal um das Tausendfache beschleunigt werden. Sie werden an der Reaktorwand gebremst, ihre Geschwindigkeit wird dort in Wärme umgesetzt. Über einen Wärmetauscher wird Dampf erzeugt, der wie bei herkömmlichen Kraftwerken Turbinen zur Stromerzeugung antreibt.


Kernfusion: 100 Millionen Grad Celsius: So stark muss das Gasgemisch in den Reaktoren erhitzt werden, damit die Reaktion stattfindet.
 

von Julian Olk Greifswald

 

 

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Streit um Nord Stream 2 spitzt sich zu

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Düsseldorf, 15. Jan. 2019

Noch haben die USA keine Sanktionen gegen Unternehmen verhängt, die sich wie der Energiekonzern Uniper am Bau der russischen Pipeline Nord Stream 2 beteiligen. Aber die Härte der Drohungen nimmt zu. In einem für Diplomaten ungewöhnlichen Akt mischt sich jetzt sogar der US-Botschafter in den Streit ein.

Der Streit zwischen Deutschland und den USA um die insgesamt 10 Mrd. Euro teure Ostseepipeline Nord Stream 2 spitzt sich zu. Nachdem Außenminister Heiko Maas und die deutsche Industrie die schärfer werdende Kritik der US-Regierung an Nord Stream 2 deutlich zurückgewiesen haben, schreibt der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, nun mehreren an dem Projekt beteiligten Konzernen einen drohenden Brief.

"Wir betonen weiterhin, dass sich Firmen, die sich im russischen Energieexport-Sektor engagieren, an etwas beteiligen, das mit einem erheblichen Sanktionsrisiko verbunden ist", zitiert die "Bild am Sonntag". "Im Ergebnis untergraben Firmen, die den Bau beider Pipelines unterstützen, aktiv die Sicherheit der Ukraine und Europas." Ein Sprecher der US-Botschaft verwies zudem darauf, dass sich das Europäische Parlament im Dezember gegen die Pipeline ausgesprochen habe.

Als Miterbauer der Pipeline neben dem russischen Staatskonzern Gazprom direkt betroffen von etwaigen Sanktionen gelten die in der Schweiz ansässige Allseas Group - ein Spezialist für die Verlegung von Pipelines im Meer - und die im selben Geschäft tätige italienische Saipem, da sie an dem Projekt, der Gazprom-eigenen Nord Stream 2 AG, beteiligt sind. Allseas soll über 90 % der schon zu einem Viertel gebauten Pipeline verlegen, während Saipem die von dem Unternehmen übernommenen Arbeiten bereits abgeschlossen hat.

Laut Vorsitzendem des Ostausschusses und Osteuropavereins der deutschen Wirtschaft (OAOEV), Wolfgang Büchele, ermöglicht die Pipeline, die russisches Gas über Deutschland in die EU bringen soll, stabile Energiepreise in ganz Europa nach dem Auslaufen der niederländischen Gas-Förderung.
"Fragen der europäischen Energiepolitik müssen in Europa entschieden werden, nicht in den USA", sagte Außenminister Maas. "Nord Stream 2 mit einseitigen Sanktionen zu belegen, ist jedenfalls nicht der richtige Weg." Würden deutsche und europäische Unternehmen aus dem Projekt herausgedrängt, werde es zudem niemanden mehr geben, der darauf poche, dass der russische Gastransit durch die Ukraine erhalten bleiben müssen.

10-Mrd.-Euro-Projekt

Die insgesamt 10 Mrd. Euro teure Pipeline Nord Stream 2 wird vom russischen Energiekonzern Gazprom gebaut und von fünf westlichen Unternehmen mit jeweils knapp 1 Mrd. Euro finanziert. Geldgeber sind die deutschen Öl- und Gasunternehmen Wintershall und Uniper, der französische Energiekonzern Engie, der britisch-niederländische Energiekonzern Royal Dutch Shell und der österreichische Energiekonzern OMV. Nach Informationen der Börsen-Zeitung ist vom Kraftwerksbetreiber Uniper bereits ein Finanzierungsbeitrag von 500 Mill. Euro geflossen.

Uniper-Finanzvorstand Christopher Delbrück, der das Unternehmen während der krankheitsbedingten Abwesenheit von CEO Klaus Schäfer führt, hatte jüngst betont, trotz anhaltender Kritik mache Nord Stream 2 kontinuierlich Fortschritte. "In den deutschen und finnischen Gewässern sind inzwischen über 100 Kilometer Rohre für die Erdgaspipeline verlegt worden", sagte Delbrück. "Das Projekt bewegt sich im Zeitplan." Die Verlegung sei in allen Ländern genehmigt - bis auf Dänemark. Die Opposition aus den USA gegen das Projekt sowie die Sanktionsmaßnahmen gegen Russland hielten derweil an. Uniper beobachte die Risiken weiter genau.

Von den 170 Mrd. Kubikmetern Gas, die Russland 2017 nach Europa geliefert hat, kamen 90 Mrd. über die Ukraine sowie 50 Mrd. durch die Ostsee und 30 Mrd. über Polen. Nord Stream 2 brächte weitere 50 Mrd. Damit stiege der Russland-Anteil an Europas Gasverbrauch von rund 40 % auf mehr als 50 %. 300 Kilometer der insgesamt 1 220 Kilometer Pipeline sind bereits gebaut. In Artikel 232 des noch nicht in Kraft getretenen US-Sanktionsgesetzes gegen Russland aus dem Jahr 2017 wird dem US-Präsidenten das Recht bescheinigt, "in Koordination mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten" Strafmaßnahmen gegen Personen und Unternehmen zu ergreifen, wenn diese sich in als kritisch definierten Geschäften mit Russland engagieren.

Sanktionen ab 1 Mill. Dollar

Genannt wird der Bau von Energieexport-Pipelines. Die Rede ist von einem Schwellenwert von 1 Mill. Dollar, ab dem solche Aktivitäten als kritisch gelten. In Artikel 257 wird der russischen Regierung vorgeworfen, die Energieressourcen des Landes als Waffe einzusetzen, um anderen Ländern ihren Willen aufzuzwingen. Politik der USA sei es, der Ukraine zu helfen, ihre Abhängigkeit zu verringern.
 

 

 

Börsenzeitung am 15.01.2019
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Massiver Ausbau von E-Tankstellen

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Wien, 15. Jan. 2019

1000 Ladestellen im öffentlichen Raum bis zum nächsten Jahr.

Die Wien Energie setzt verstärkt auf E-Mobilität und baut heuer ihr Stromtankstellen-Netz massiv aus. In der Bundeshauptstadt und im Umland werden heuer 550 neue Ladestellen errichtet. Davon entfallen 400 Elektroladestellen im öffentlichen Raum, 150 auf Stationen im halböffentlichen Raum etwa bei Supermärkten, Firmen oder in Garagen, heißt es aus der Wien Energie zur APA.
„Wir erwarten in den nächsten Jahren einen regelrechten E-Auto-Boom. Deshalb werden wir heuer beim Ausbau der Ladestellen spürbar zulegen und uns für die wachsenden E-Auto-Zahlen rüsten“, sagt Wien-Energie-Chef Michael Strebl. Im Vergleich zum Vorjahr, als die Wien Energie 350 Ladestellen errichtet hatte, „wollen wir heuer noch um über 60 Prozent mehr bauen“.


Ende 2019 werden dann im Großraum Wien 1900 Ladestationen der Wien Energie am Netz sein. Die Investitionskosten beziffert die Wien Energie mit 7 Millionen Euro. Die Stadt will den öffentlichen Raum bis 2020 mit 1000 Ladestellen ausstatten.


Damit die E-Mobilität noch alltagstauglicher werde, müsse auch die private Ladeinfrastruktur ausgebaut werden, betont Strebl. „Dabei müssen derzeit noch existierende rechtliche Hürden im Wohnrecht beseitigt werden. Konkret geht es um die Installation von Wall-Boxen in Mehrparteienhäusern.“ Mieter und Eigentümer müssen künftig die Möglichkeit haben, ihr Elektroauto unkompliziert in der eigenen Garage oder am Parkplatz aufzuladen.


Vier Windräder liefern Strom


Bei den Wien-Energie-Tankstellen stehen je 11 Kilowatt (kW) Leistung für beschleunigtes Laden zur Verfügung, im halböffentlichen Bereich bis zu 50 kW. Noch nicht eingerechnet sind in die Zahlen zum Ausbau mögliche Zuwächse bei Privaten oder im Wohnbau sowie die zusätzliche Errichtung von Schnellladestationen.


Der Strom der öffentlichen Wien-Energie-Ladestellen stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, betont das Unternehmen. Falls im Jahr 2020 an allen vorgesehenen 1000 Stromtankstellen gleichzeitig getankt werden sollte, sei dafür eine Leistung von vier größeren Windrädern (insgesamt 11 MW) nötig. Die Wien Energie hat mehrere Windparks und erzeugt damit Windstrom unter anderem in Niederösterreich und in der Steiermark. Ein Windrad steht auch auf der Donauinsel.


Ende 2018 waren 250 Ladestationen der Wien Energie im öffentlichen Raum verfügbar, die mehr als 30.100 Mal benutzt wurden. Die Tankfüllungen beliefen sich in Summe auf 385.000 Kilowattstunden, hatte es Anfang Jänner laut Wien Energie geheißen. Das entspreche einem Jahresverbrauch von knapp 160 Haushalten. Seit Oktober vergangenen Jahres muss fürs Aufladen auch bezahlt werden. Neben den Stromzapfsäulen im öffentlichen Raum gab es noch zusätzliche 670 Ladestellen im halböffentlichen Raum.


40 Highspeed-Stationen


Der Elektro-Mobilitätsdienstleister Smatrics, eine Kooperation von Verbund, OMV und Siemens, betreibt in Wien unter eigenem Namen aktuell 69 Ladepunkte. 40 davon seien sogenannte Highspeed-Stationen mit 43 beziehungsweise 50 kW, an denen die Fahrzeuge in 30 Minuten wieder voll seien.
Vier Ladepunkte seien Ultra-Highspeed-Stationen, an denen in fünf Minuten bis zu 100 Kilometer geladen werden könnten. Smatrics errichte auch Ladestationen für Drittunternehmen wie ÖBB, Turmstrom oder Post. Auch Unternehmen sähen zusehends den Mehrwert von Ladelösungen. So habe man beispielsweise für die Erste Bank am Wiener Erste Campus gerade mehr als 30 Ladestationen errichtet.
 

 

Wiener Zeitung am 15.01.2019, S. 16
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Europas Stromnetz stand am Rande des Totalaufalls

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15. Jan. 2019

Vergangene Woche kam es im europäischen Stromnetz laut Experten zu einer Verkettung unglücklicher Umstände, die beinahe einen Blackout ausgelöst hätten.

 

Millionen Haushalte in Europa mitten im kalten Winter ohne Strom: Dieses Szenario hätte vergangene Woche beinahe eintreten können. Das zeigt die Stromnetzfrequenz, die letzten Donnerstag gegen 21 Uhr auf 49,8 Hertz abgesunken ist. Für Experten ist das die entscheidende Grenze, ab der Schutzmechanismen in Kraft gesetzt werden – zuletzt vor zwölf Jahren, als in Frankreich zehn Millionen Haushalte präventiv vom Strom genommen wurden. Offenbar konnten dieses Mal Gegenmaßnahmen greifen, sodass es zu keinen großflächigen Ausfällen kam. Laut Experten schrammte Europa aber „knapp an einer Katastrophe“ vorbei.


Verantwortlich dafür könnte vor allem der Stromhandel gewesen sein, vermutet der Bundesheer-Major und ausgewiesene Blackout-Spezialist Herbert Saurugg. So gehen Kraftwerke manchmal zu früh vom Netz, während andere sich zu langsam zuschalten. Das Resultat ist eine Unterdeckung. Passiert dann zusätzlich etwas – vergangene Woche etwa ein Kraftwerksausfall in Spanien –, dann trennt das Stromnetz nur mehr wenig von einem umfassenden Blackout, der bei 48 Hertz einsetzt.


Vorsorge wichtig


Da Strom nicht in relevanter Menge gespeichert werden kann, müssen Verbrauchsspitzen ebenso wie zu geringe Stromabnahme ausgeglichen werden. Hier kommt die Netzfrequenz ins Spiel. In Europa fließt Wechselstrom einheitlich mit einer Frequenz von 50 Hertz. Dieser Takt muss genau eingehalten werden. Nimmt die Last plötzlich zu – etwa durch eine Verbrauchsspitze oder durch den Ausfall eines großen Kraftwerks –, dreht der Generator langsamer, die Frequenz sinkt. Die Techniker müssen nun blitzschnell reagieren, da andernfalls der vollständige Zusammenbruch des Stromnetzes droht.
Zwischen 49,8 Hertz und 48 Hertz scheine es noch viel Spielraum zu geben, allerdings „gehe es dann relativ schnell, und zwar nicht linear, sondern exponentiell“, sagt Saurugg zum STANDARD. Binnen weniger Sekunden drohe ein Totalausfall.


Saurugg verweist in diesem Zusammenhang darauf, wie wichtig eine entsprechende Vorsorge sei. Gerade bei einer Wetterlage wie der aktuellen dauere es, bis alle Funktionen wiederhergestellt seien. Deshalb sollten Bürger jedenfalls ausreichend Wasser und Essensvorräte bereithalten. Empfohlen werden etwa Haltbarmilch, Zucker, Gemüse oder Hülsenfrüchte in Dosen sowie Nahrungsmittel, die man mit Kochwasser zubereiten kann – idealerweise besitzt man dann auch einen Gaskocher. Denn ein Blackout betrifft nicht nur akut die Stromversorgung, sondern hat auch längere Auswirkungen. So können etwa Lebensmittel verderben, weil die Kühlkette unterbrochen wird.
 

 

 

Der Standard am 15.01.2019, S. 12
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400 Millionen für bessere Windkraft

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15. Jan. 2019

Energie Burgenland. Landesunternehmen versorgt 95 Prozent aller Haushalte / Ab 2019 wird groß investiert

Den Energieversorgern bläst derzeit ein rauer Wind entgegen. Durch die seit Oktober 2018 geltende Strompreiszonentrennung wird die Menge an Strom, die zwischen Österreich und Deutschland gehandelt werden darf, auf 4,9 Gigawatt (GW) beschränkt, unbegrenzter Handel ist nicht mehr möglich. Das treibt die Strompreise in die Höhe, die Energie Burgenland hat die Preise zuletzt im Oktober angepasst. "Eine weitere Erhöhung ist derzeit nicht absehbar, wir müssen allerdings die Entwicklungen abwarten - derzeit bewegen wir uns bei den Strompreisen stabil auf einem hohen Niveau", sagt Energie Burgenland Vorstandsdirektor Alois Ecker.


"Rückläufig, aber gut" Gemeinsam mit Vorstandsvorsitzenden Michael Gerbavsits präsentierte er am Montag die Bilanz der Energie Burgenland für das Geschäftsjahr 2017/'18 (siehe Zusatzbericht unten) . Den Rückgang im Umsatz bei gleichzeitig steigendem Gewinn erklärt das Duo mit dem "relativ geringen Windaufkommen, dem warmen Winter sowie punktuellen Ereignissen."


Grundsätzlich sei man mit der Entwicklung des im Oktober 2018 abgelaufenen Geschäftsjahres aber zufrieden: "Trotz rückläufigem Umsatz ist das insgesamt ein positives Ergebnis", sagen Gerbavsits und Ecker. Der Vergleich mit anderen österreichischen Energieversorgern gibt ihnen Recht: Beim Umsatzwachstum liegt die Energie Burgenland an dritter, beim Ertragswachstum sogar an zweiter Stelle (von 2012 bis 2017).


2019 wird investiert Aufbauend darauf soll die gute Entwicklung fortgesetzt werden, im heurigen Jahr sind Investitionen in der Höhe von rund 110 Millionen Euro geplant. Geplant ist etwa eine Erweiterung des Erdgasnetzes in Eisenstadt sowie eine Verdichtung in Neusiedl am See. Viel Geld wird auch im Bereich Windenergie in die Hand genommen: Im vierten Quartal 2019 startet die dritte Windausbauphase, bis 2023 werden rund 400 Millionen Euro investiert. Laut Gerbavsits sollen zwei Drittel davon in den Tausch bestehender und ein Drittel in den Bau neuer Windräder fließen.
"In Summe wird es dann zwar zehn Anlagen weniger geben, diese produzieren dafür aber um 20 Prozent mehr Energie", sagt der Vorstandsvorsitzende. Derzeit hat die Energie Burgenland 225 Windkraftanlagen in Betrieb, diese haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 917 GWh (Gigawattstunden) Energie produziert. Rund ein Drittel des Umsatzes der Energie Burgenland wird mit Windrädern produziert. Im Vergleich dazu nimmt die vor allem bei Privathaushalten immer beliebter werdende Fotovoltaik nur einen geringen Stellenwert ein - und das wird auch noch länger so bleiben. Denn alle Fotovoltaikanlagen der Energie Burgenland zusammen genommen produzieren so viel Energie wie zwei Windräder.


Für neue Anlagen, wie etwa in Rechnitz immer wieder im Gespräch, sieht Gerbavsits wenig Chancen: "Die Technologie der Schwachwindanlagen müsste massiv verbessert werden, damit sich das rentiert." Generell sei die Aufteilung der erneuerbaren Energie im Burgenland geografisch klar verteilt: "Im Norden setzen wir auf Wind, im Süden eher auf Fotovoltaik."
 

 

von Michael Pekovics

 

 

Kurier am 15.01.2019, S. 17