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E-Control vermisst zu "Grünem Gas" noch konkrete Projekte

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Wien, 12.11.2018

Eine Nutzung der heimischen Erdgasinfrastruktur auch zur Einspeisung von "Grünem Gas" brächte in einem Energiesystem der Zukunft die geringsten Kosten im Vergleich zu einem reinen Strom- oder einem Strom-Gasspeicher-Modell, sagt die Leiterin der Gasabteilung beim Regulator E-Control, Carola Millgramm.

Doch bedürfe es im Bereich von "Grünem Gas" erst konkreter Projekte, damit die Politik den wertvollen Beitrag von Gas für die Energiezukunft erkennen könne. Es gebe verschiedene Chancen für die Gasinfrastruktur. Gehyped werde oft nur Strom, aber vorstellbar sei ja auch Power-to-Gas - die Erzeugung von Gas durch Überschussstrom, so Millgramm in einem Webinar der Behörde.

Als "Grüne Gase" ins Netz eingespeist werden könnten etwa Wasserstoff und Biomethan. Dass sich Wasserstoff durch Elektrolyse von Wasser mit Strom gewinnen lasse, sei erstmals 1878/79 getestet worden. Damit könne die Gasinfrastruktur volkswirtschaftlich sinnvoll genutzt werden. Bei Biogas gebe es Einspeisungen ins Gasnetz erst durch ganz wenige Anlagen - aber Hunderte Anlagen, die direkt verstromen. Ein Anschlusserfordernis sei hier ein Netzzutritts- und Zugangsantrag beim jeweiligen Netzbetreiber.

Die bestehende Gasinfrastruktur biete großvolumige, saisonale Speichermöglichkeiten, die bisher für Strom nicht vorhanden seien, erläuterte die Leiterin der Gasabteilung. Die Nutzung von Gasinfrastruktur könne die Notwendigkeit zum Ausbau der Strominfrastruktur verringern - das bedeute geringere Kosten für Endverbraucher durch die Nutzung der Gasinfrastruktur. Das alles erhöhe die Akzeptanz und die Durchsetzbarkeit der heimischen Energiestrategie, so Millgramm.

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Energieagentur: Holz und Wärmepumpen am billigsten

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Wien, 12.11.2018

Heizen ist in sanierten und neuen Einfamilienhäusern mit einer Wärmepumpe am billigsten, geht aus dem aktuellen Vollkostenvergleich der Energieagentur hervor, der auch die Anschaffungs- und Wartungskosten für die Anlagen berücksichtigt. Beim unsanierten Gebäude hat Holz die geringsten Kosten. Gas-Brennwert-Anlagen liegen jeweils auf Rang zwei. Am teuersten sind Ölheizungen.

Thermische Sanierung lohnt sich auf jeden Fall - sowohl fürs Geldbörserl als auch für die Umwelt. Man könne die Hälfte der Kosten sparen, wenn man saniert, sagte Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann am Montag vor Journalisten. Die Sanierungsoffensive müsse vorangetrieben werden und der Sanierungsgrad auf zwei bis drei Prozent gesteigert werden. Das sei auch gut für die Umwelt. Die CO2-Emissionen sind laut Energieagentur im Vergleich saniert zu unsaniert durchschnittlich ebenfalls um mehr als 50 Prozent geringer.

Für die Forcierung der thermischen Sanierung wichtig sind nach Ansicht von Traupmann unter anderem auch Gesetzesänderungen, etwa im Mietrecht oder Wohnungseigentumsgesetz. Ermöglicht werden sollte beispielsweise auch, dass der Investor von den dadurch erzielten Ersparnissen etwas zurückbekommt. Verbessert werde durch Sanierungen auch das Raumklima.

Die Energiepreise sind - ausgenommen Heizöl - aktuell relativ stabil. Heizöl ist im November aber um fast ein Drittel (32 Prozent) teurer als vor einem Jahr. Die Ölpreise sind sehr volatil, die anderen Energieträger weisen auch seit 2010 eine stabilere Entwicklung auf. Empfehlenswert sei, sich mit Systemen, die eine konstante Entwicklung aus der Vergangenheit zeigten, zu beschäftigen. Diese seien berechenbar, und man könne in etwa abschätzen, wie viel das Heizen in den nächsten Jahren kosten werde.

Bei den Energieträgern gebe es einen steigenden Trend bei Fernwärme und Umgebungswärme (Wärmepumpen). In Österreich gab es laut Statistik Austria 2015/16 rund 3,82 Millionen Heizungen. Davon entfielen mehr als ein Viertel (rund 28 Prozent) auf Fernwärme und fast ein Viertel (rund 24 Prozent) auf Erdgas. Auf Rang drei lag Biomasse (rund 17 Prozent), gefolgt von Heizöl (rund 16 Prozent) und Umgebungswärme (9 Prozent).

Für den heute präsentierten Heizkostenvergleich der Energieagentur wurde ein 118 m2 großes Einfamilienhaus in drei Varianten herangezogen: Thermisch unsaniert (HWB 175), thermisch saniert (HWB 60) und Neubau (HWB 45). Dabei wurden aus Effizienzgründen keine Wärmepumpen in unsanierten Gebäuden und keine Holzheizungen im Neubau berücksichtigt. Etwas weniger als vier Fünftel aller Gebäude Österreichs (1,9 Millionen) sind Ein- und Zweifamilienhäuser.

Erfreulich sei, dass mit der Wärmepumpe und Stückholz effiziente und erneuerbare Systeme das Rennen gemacht hätten, so Traupmann. Die Grundaussagen könnten auch auf den mehrgeschoßigen Wohnbau umgelegt werden. In Städten seien zentrale, hocheffiziente Heizsysteme in der Regel günstiger als Einzelheizsysteme. Fernwärme sei eine vernünftige Alternative, vor allem wenn sie mit erneuerbaren Energieträgern betrieben werde. Zum Thema Feinstaub bei Holzheizungen verwies Traupmann darauf, dass neue Anlagen mit einer relativ guten Verbrennungsleistung und Filtern ausgestattet seien.

Luft-Wasser-Wärmepumpen schneiden im Neubau mit jährlichen Gesamtkosten von 2.063 Euro und im sanierten Gebäude mit 2.496 Euro am besten ab. In unsanierten Gebäuden sind die Heizkosten auch bei der billigsten Variante mit Stückholz (3.992 Euro) um fast 1.500 Euro höher als in einem sanierten Haus.

Das teuerste Heizsystem sind Öl-Brennwertanlagen, hier wirkt sich der hohe Heizölpreis deutlich aus. Die Unterschiede sind ebenfalls hoch: Im Neubau betragen die Vollkosten 2.847 Euro, im sanierten Gebäude 3.227 bis 3.406 Euro und im unsanierten Gebäude 5.233 bis 5.586 Euro.

Erdgas-Brennwertanlage weisen in allen untersuchten Gebäudearten die zweitniedrigsten Vollkosten auf. In unsanierten Gebäuden sind es 4.007 bis 4.177 Euro, im sanierten Gebäude 2.356 bis 2.526 Euro und im Neubau 2.115 Euro.

Betrachtet man nur die Energiekosten sind Ölheizungen ebenfalls am teuersten. Im Neubau liegen die Energiekosten aktuell bei einer Öl-Brennwertheizung bei 1.316 Euro im Jahr, im sanierten Einfamilienhaus bei 1.778 Euro und im unsanierten bei 3.784 Euro. Die niedrigsten jährlichen Energiekosten weisen Wärmepumpen im Neubau mit etwas mehr als 580 Euro auf.

Bei den Vollkosten auf Rang drei liegt im Neubau die Erdwärmepumpe (Sole-Wasser) mit 2.645 Euro, gefolgt von Fernwärme (2.760 Euro), Pellets (2.796 Euro) und an letzter Stelle Öl. Im sanierten Gebäude sind die Kosten für Heizen mit Stückholz (2.856 Euro) am drittniedrigsten. Dahinter liegen die Sole-Wasser-Wärmepumpe (2.370 bis 2.912 Euro), Pellets (2.984 Euro) und Fernwärme (3.089 Euro). Auch beim unsanierten Gebäude liegen Pellets und Fernwärme auf den Rängen drei und vier, allerdings muss da fürs Heizen deutlich mehr gezahlt werden - 4.246 Euro bei Pellets und 4.980 Euro bei Fernwärme.

CO2-Emissionen gibt es bei Stückholz und Pellets so gut wie kaum. Bei Fernwärme sind es höchstens 959 Kilogramm im Jahr (unsaniert). Dahinter folgen Sole-Wasser-Wärmepumpen mit 922 Kilogramm (saniert), Luft-Wasser-Wärmepumpen mit 1.104 Kilogramm (saniert). Bei Gas und Ölheizungen sind die Unterschiede zwischen sanierten bzw. neu gebauten Einfamilienhäusern und unsanierten besonders hoch: Bei Erdgas beträgt der CO2-Ausstoß 2.481 Kilogramm im Neubau. Im sanierten Gebäude sind es 3.355 Kilogramm und im unsanierten mehr als doppelt so viel mit 7.371 Kilogramm. Am meisten CO2 emittierten Öl-Brennwert-Heizsysteme: 9.800 Kilogramm sind es in unsanierten Gebäude, 4.559 Kilogramm in sanierten und 3.350 Kilogramm im Neubau.

Die Anschaffungskosten wurden auf 20 Jahre aufgeteilt, berücksichtigt wurde auch die Inflation. Bei den Investitionskosten berücksichtigt wurde die Marktentwicklung. Im Jahresvergleich November 2017/November 2018 verteuerten sich vor allem Fernwärme, Gas-Brennwert und Erdwärmepumpen. Die Sole-Wärmpumpen wiesen auch die höchsten Investitionskosten auf. Am zweit- und drittteuersten waren Pellets und Scheitholz.

Untersucht wurde von der Energieagentur heuer auch die "Raus aus Öl-Förderung" der Regierung, im Rahmen derer für die Umstellung von Ölheizungen auf klimafreundliche Heizsysteme 5.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. In Anspruch genommen werden kann sie nur, wenn gleichzeitig thermisch saniert wird oder das Gebäude bereits einem guten thermischen Standard entspricht. Die Luft-Wärmepumpe liegt laut Energieagentur hier weiter auf Platz eins, Stückholz, Pellets sowie die Erdwärmepumpe ziehen am Erdgas-Brennwertsystem vorbei.

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Investitionen in Energie und Infrastruktur amortisieren sich

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Wien, 12.11.2018

Verstärkte Investitionen in die Infrastrukturbereiche Energie und Breitband-Internet würden sich volkswirtschaftlich rasch bezahlt machen - mit dem Einsatz neuer digitaler Anwendungen könnte Österreichs jährliche Wirtschaftsleistung um 15,5 Prozent (rund 57 Mrd. Euro) gesteigert werden, zeigt eine Modellrechnung für den "FBA Infrastrukturreport".

"Stellt man diese Produktivitätssteigerung in Relation zu den - einmaligen - Kosten des flächendeckenden Breitband- und 5G-Ausbaus in Österreich in der kolportierten Höhe von rund 10 Mrd. Euro, wird deutlich, wie bedeutsam der Ausbau der digitalen Infrastruktur für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist", sagte FBA-Initiator David Ungar-Klein zur APA. Ausreichende Investitionen in Breitband, 5G und Energietechnologien seien die existenziellen Grundlagen für die erfolgreiche digitale Transformation des Standorts und die Weiterentwicklung der traditionellen Infrastrukturen, sagte Ungar-Klein anlässlich des Infrastruktursymposiums "Future Business Austria" in der Albert Hall in Wien.

"Gerade das Zusammenwirken von Digitalisierung und Energietechnologien ist eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Transformation der österreichischen Infrastruktur und für ihre 'Fitness' für die Zukunft", kommentierte Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) den Infrastruktur-Report.

Nach Ansicht von Ungar-Klein könnte die Finanzierung auch durch eine staatliche Infrastrukturgesellschaft erfolgen, denn "IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) und Energie-Infrastruktur müssen den gleichen makroökonomischen Stellenwert haben wie Straße und Schiene, sie sind die Basis für alles andere".

Laut einer für den Infrastrukturreport durchgeführten Manager-Umfrage sind neben dem generellen Asset "Bildung und ausgebildete Fachkräfte" (68 Prozent) für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts vor allem Infrastruktur (61 Prozent) und Digitalisierung (40 Prozent) sowie Innovation (39 Prozent) erfolgsentscheidend. Für 59 Prozent der befragten Manager (2007: 29 Prozent) stellt die Infrastruktur die wichtigste Größe für einen Wirtschaftsstandort dar.

Bei den prioritären Infrastrukturausbauprojekten führt nach Meinung der befragten Manager mit Abstand der Ausbau neuer Technologien für Energieeffizienz (73 Prozent) vor der Sicherung gegen Cyber- und Terrorangriffe (58 Prozent) und dem Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes (50 Prozent).

Für den Infrastrukturbereich Energie wünschen sich die interviewten Experten vor allem Investitionssicherheit, stabile Rahmenbedingungen, ein investitionsfreundliches Klima und schnellere Genehmigungsverfahren. Österreich müsse die Energieforschung noch mehr stärken. Die innerösterreichischen Gasnetze müssten zu einem Marktgebiet zusammengeschlossen werden, die Gasspeicher bräuchten eine leistungsfähige Anbindung. Außerdem müsste das 380-Kilovolt-Stromnetz wegen des steigenden Strombedarfs und des Windkraftausbaus rasch vervollständigt werden.

Im Infrastrukturbereich Verkehr sei der Ausbau der Schieneninfrastruktur essenziell, um den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf die Schiene zu forcieren, lautet eine der Empfehlungen. Der Ausbau von Schienennetzen (S-Bahn-Netzen) sei sowohl innerstädtisch als auch auf das Umland bezogen zu fördern. Darüber hinaus brauche Österreich ein einheitliches E-Ticketing bzw. ein "Österreich-Ticket". Eine "Mobilcard" sollte künftig alle Modalitäten des Verkehrs aufzeichnen und verrechnen. Im Güterverkehr müsste die Schiene attraktiver gemacht werden, um die Transitstrecken durch Österreich vom Lkw-Verkehr zu entlasten.

Für ÖBB-Generaldirektor Andreas Matthä "beweist der Infrastrukturreport 2019 sehr gut, dass wir mehr Bahn in Österreich brauchen". Mit den Investitionen aus dem aktuellen Rahmenplan von 13,9 Mrd. Euro bis 2023 sei man auf dem richtigen Weg. Im Passagierverkehr wolle man das Angebot mit dem Integrierten Taktfahrplan und neuen Zügen verbessern, für die Güterverkehrskunden mit neuen Services und Wagen. "Einen zusätzlichen Schub erwarten wir durch die Digitalisierung", sagte der ÖBB-Chef.

Befragt wurden für den Report von Markt- und Meinungsforscher Peter Hajek 240 Manager österreichischer Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Ergänzend dazu wurden rund 100 Interviews mit österreichischen Experten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung geführt. Der volkswirtschaftliche Befund stammt vom ehemaligen Fiskalrats-Chef Bernhard Felderer, die industrieökonomische Analyse der österreichischen Infrastruktur hat Sebastian Kummer erstellt, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien.

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Kärntner Photovoltaik-Investor begibt erneut Anleihen

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Wien, 12.11.2018

Die Kärntner PV-Invest, die überwiegend in Photovoltaikanlagen (PV) investiert und mehrere PV- und Kleinwasserkraftwerksprojekte in Zentral- und Osteuropa verfolgt, begibt erneut Anleihen, wieder im Volumen von 15 Mio. Euro. Gezeichnet werden kann ab heute, Montag. Gewählt werden kann zwischen einer 7-jährigen Laufzeit mit 4,15 Prozent Verzinsung pro Jahr bzw. 10 Jahren zu 4,5 Prozent jährlich.

Alle Projekte hätten einen ausreichenden Förderzeitraum größer 10 Jahre und damit einen langfristig planbaren Cashflow, so Geschäftsführer Günter Grabner in einer Aussendung. PV-Invest (mit Sitz in Klagenfurt) erzeugt mit Tochtergesellschaften Strom aus PV- und Kleinwasseranlagen. Derzeit hat man Bestandsobjekte mit 28,4 Megawatt (MW) Leistung in Betrieb. Die jetzige Emission erfolgt auf Basis einer Wertpapierprospekt-Billigung durch die Luxemburger Finanzaufsicht CSSF.

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Ölpreise legten deutlich zu

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Singapur, 12.11.2018

Die Ölpreise haben sich am Montag spürbar von ihren starken Verlusten in den vergangenen Wochen erholen können. Deutliche zwischenzeitliche Gewinne konnten aber nicht lange gehalten werden. Händler nannten Hinweise auf Produktionskürzungen als Grund. Diese kamen am Wochenende und zu Wochenbeginn vor allem vom Ölriesen Saudi-Arabien.

Äußerungen anderer Länder, darunter vom großen Ölförderer Russland, klangen dagegen zurückhaltender und deuteten eher nicht auf eine baldige Förderkürzung hin. Montagmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 70,99 US-Dollar (62,57 Euro). Das waren 81 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 30 Cent auf 60,50 Dollar. In der Früh hatten ein Barrel Brent bis zu 71,88 Dollar und ein Fass WTI bis zu 61,28 Dollar gekostet.

Bereits am Wochenende gab es Signale, die auf ein künftig vermindertes Rohölangebot hindeuten. Zum einen kündigte Saudi-Arabien an, seine Öllieferungen im Dezember um 500.000 Barrel je Tag zu verringern. Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih bestätigte dies Montagfrüh. In Abu Dhabi sagte Al-Falih darüber hinaus, Saudi-Arabien sehe die Notwendigkeit einer Reduzierung der Tagesproduktion um eine Million Barrel gegenüber dem Niveau von Oktober.

Auch Äußerungen aus anderen OPEC-Ländern lassen darauf schließen, dass die Rohölförderung im kommenden Jahr sinken könnte. Entsprechende Hinweise hatte ein wichtiges Erdölkomitee des Verbunds "OPEC Plus" - bestehend aus der OPEC und weiteren großen Förderstaaten - am Wochenende gegeben. Der Ölminister von Oman sprach sich am Sonntag wie Al-Falih für eine Förderkürzung um eine Million Barrel je Tag aus.

Russlands Ölminister Alexander Nowak äußerte sich dagegen zurückhaltender. Es gebe derzeit keine Notwendigkeit, schnell zu handeln, sagte er am Wochenende. Es sei schwer vorherzusagen, wie sich der Ölmarkt 2019 entwickle. Er gehe aber davon aus, dass der Markt Mitte 2019 ausgeglichen sei, also Angebot und Nachfrage im Lot seien. Damit deuten sich unterschiedliche Auffassungen der beiden größten OPEC-Plus-Mitglieder Saudi-Arabien und Russland an.

Sollten die OPEC-Plus-Staaten ihre Förderung tatsächlich um eine Million Barrel je Tag kürzen, würden die jüngsten Produktionsausweitungen wieder größtenteils rückgängig gemacht, urteilten die Rohstoffexperten der Commerzbank in einem Kommentar. Diese Ausweitung hatten die Förderländer in Erwartung harter US-Sanktionen gegen Iran vorgenommen.

Letztlich fielen die Sanktionen gegen die iranische Ölproduktion aber wesentlich schwächer aus als befürchtet. Seit Anfang Oktober sind die Ölpreise auch deshalb um rund 20 Prozent gefallen. Darauf scheinen die Produzenten jetzt mit der Kürzung ihrer Förderung reagieren zu wollen.

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Saudi-Arabien will Erdölproduktion drosseln

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Abu Dhabi, 12.11.2018

Der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien will die Talfahrt bei den Rohölpreisen mit einer Drosselung der Fördermenge stoppen. Energieminister Khaled al-Faleh kündigte am Montag eine Verringerung der Produktion um 0,5 Millionen Barrel pro Tag ab Dezember an. Gemeinsam mit den weiteren Förderländern sei zur Stabilisierung des Ölpreises eine Reduktion um insgesamt eine Million Barrel pro Tag nötig.

Eine "technische Analyse" habe ergeben, dass eine Million Barrel pro Tag weniger erforderlich sei, um den "Markt zu stabilisieren", sagte al-Faleh auf einer Konferenz in Abu Dhabi. Dort waren bereits am Sonntag die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und weitere Produzenten wie Russland zusammengetroffen. Sie hatten erklärt, dass "neue Strategien" zur Anpassung der Produktion nötig seien, da das Angebot derzeit die Nachfrage übersteige.

Hintergrund ist der zuletzt stark gesunkene Rohölpreis. Am Freitag notierte er erstmals seit April unter 70 Dollar (61,7 Euro) pro Barrel (159 Liter) - seit Oktober hat ein Fass Rohöl damit ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. Al-Faleh sagte in Abu Dhabi, die Lagerbestände seien hoch, "und die 25 Förderländer werden nicht zulassen, dass sich das fortsetzt".

Als Grund für den gegenwärtigen Preisverfall gelten neben dem großen Angebot an Rohöl auch die bisher relativ geringen Auswirkungen der Anfang November in Kraft getretenen US-Sanktionen gegen den Iran, die vor allem den Finanz- und Ölsektor des drittgrößten OPEC-Produzenten treffen sollen. Allerdings gewährten die USA Ausnahmen für acht Länder - sie dürfen trotz der Sanktionen weiter Öl vom Iran kaufen. Dazu gehören große Abnehmer wie China und Indien.

Nicht zuletzt in Erwartung dieser Sanktionen hatte der Ölpreis im Jahresverlauf kräftig zugelegt: Nachdem er zunächst Ende September auf den höchsten Stand seit vier Jahren kletterte, riss er Anfang Oktober die Marke von 85 Dollar pro Barrel. Unmut schürte dieser Preisanstieg auch bei US-Präsident Donald Trump. Er rief den US-Verbündeten Saudi-Arabien und die OPEC auf, für niedrige Preise zu sorgen. Ende September beschlossen die Förderländer allerdings, die Förderung nicht auszuweiten.

Nach der Ankündigung Saudi-Arabiens stiegen die Ölpreise am Montag wieder an. Am Mittag notierte ein Fass der Sorte Brent in London bei knapp 71 Dollar. Die Spritpreise in Deutschland könnten damit womöglich weiter steigen. So zahlten Verbraucher am Montagnachmittag dem Portal tanke-guenstig.de zufolge etwa in Baden-Württemberg 1,61 Euro für einen Liter Super und 1,52 Euro für einen Liter Diesel.

In Schleswig-Holstein waren es hingegen nur 1,47 Euro beziehungsweise 1,34 Euro. Dass die Preise für Verbraucher derzeit regional so verschieden ausfallen, hat mit dem anhaltenden Niedrigwasser vieler Flüsse zu tun, das den Transport von Öl und Kraftstoffen via Schiff vor allem im Süden Deutschlands erschwert und verteuert.

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EnBW senkt Prognose für Ökostromgeschäft

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Karlsruhe, 12.11.2018

Der Energiekonzern EnBW kämpft in seiner Ökostromsparte mit schwachen Windverhältnissen und Niedrigwasser. Daher schraubte das Unternehmen seine Erwartungen für diesen Bereich zurück. Das Ergebnis der erneuerbaren Energien werde im Gesamtjahr bestenfalls fünf Prozent über dem Vorjahr liegen, könne aber auch um bis zu zehn Prozent niedriger ausfallen, teilte der deutsche Versorger am Montag mit.

Bisher hatte EnBW mit seinen Windrädern und Laufwasserkraftwerken den Vorjahreswert um zehn bis 20 Prozent übertreffen wollen. Dank Zuwächsen im Netzgeschäft bekräftigten die Karlsruher zwar die Prognose für den Gesamtkonzern, der ein Ergebnis auf Vorjahreshöhe oder um bis zu fünf Prozent darüber vorsieht. Es hänge aber von den Wetterverhältnissen ab, ob der Versorger am oberen oder am unteren Ende der Bandbreite lande.

In den ersten neun Monaten steigerte der Konzern seinen Umsatz um gut 13,4 Prozent auf 17,4 Mrd. Euro, das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) kletterte um 3,3 Prozent auf rund 1,6 Mrd. Euro.

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Haushaltsenergiepreise im September um 7,5 Prozent gestiegen

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Wien, 09.11.2018

Die Preise für Haushaltsenergie sind im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,5 Prozent gestiegen, geht aus dem von der Österreichischen Energieagentur berechneten Energiepreisindex (EPI) hervor. Heizöl verteuerte sich um ein Viertel und wies damit den stärksten Preisanstieg auf. Im Vergleich zum Vormonat August waren die Haushaltsenergiepreise um 1,5 Prozent höher.

Die Energiepreise wirkten weiter preistreibend. Die allgemeine Teuerung im Jahresvergleich lag bei 2,0 Prozent. "Wichtigste Preistreiber im September blieben Diesel und Superbenzin. Durch die große Bedeutung von Treibstoffen für die Konsumenten sind diese beiden Produkte auch im EPI entsprechend gewichtet", so Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann laut Pressemitteilung. Mitte 2015 bis Anfang 2018 seien erdölbasierte Energieträger unter der allgemeinen Teuerungsrate gelegen, mittlerweile lägen sie deutlich darüber. "Dennoch haben die aktuellen Preisentwicklungen noch nicht das Ausmaß von 2010 und 2011 erreicht", so Traupmann.

Heizöl kostete heuer im September um 24,8 Prozent mehr als im September 2017 und um 4,3 Prozent mehr als im August 2018. Eine Tankfüllung mit 3.000 Liter kostete im September um 100 Euro mehr als im August, im Jahresvergleich war sie sogar um rund 500 Euro teurer.

Kräftig angezogen haben auch die Spritpreise. Diesel war im September um 15,3 Prozent teurer als vor einem Jahr, Superbenzin um 11,6 Prozent. Für einen Diesel-Pkw mit einer Jahreskilometerleistung von 13.000 km und einem Verbrauch von 6,5 Liter/100 km ergibt sich bei derzeitigem Preisniveau ein Kostenunterschied von ungefähr 140 Euro pro Jahr im Vergleich zu 2017. Für einen Benziner mit derselben Kilometerleistung und einem Verbrauch von 7 Liter/100 km errechnete die Österreichische Energieagentur Mehrkosten von rund 120 Euro im Jahr.

Ebenfalls deutlich teurer als vor einem Jahr war Brennholz mit einem Preisanstieg von 11 Prozent. Pellets kosteten um 5,5 Prozent mehr. Fernwärme verzeichnete einen Preisanstieg von 2,4 Prozent. Der Strompreis veränderte sich mit einem Rückgang von 0,1 Prozent nur leicht. Gas war um 5,7 Prozent billiger. Im Vergleich zum Vormonat August stiegen die Preise für Diesel (+2,8 Prozent), Superbenzin (+2,0 Prozent), Brennholz und Fernwärme (je +1,1 Prozent) und Pellets (+0,8 Prozent). Die Preise für Strom und Gas waren unverändert.

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OMV mit Sapura-Einstieg erstmals direkt in Asien am Markt

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Wien/Kuala Lumpur, 09.11.2018

Der OMV-Konzern wird mit dem Einstieg in die malaysische Öl- und Gasproduktion erstmals auch in der Vermarktung direkt am großen asiatischen Markt tätig sein können, sagte Generaldirektor Rainer Seele am Freitag im APA-Gespräch. Die Produktion dort soll mit geringen Investitionen bis 2023 auf 60.000 Barrel täglich versechsfacht werden. Langfristig erhofft sich Seele weitere Lagerfunde in Malaysia.

Für 540 Mio. US-Dollar, die für den Kauf eines Hälfteanteils am malaysischen Öl- und Gasunternehmen SEB Upstream (SUP) bei dem für Anfang 2019 erwarteten Closing fällig sind, erhält die OMV Zugang zu Feldern, deren Volumen über die gesamte Lebensdauer auf rund 260 Mio. Barrel Öl-Äquivalent (boe) geschätzt wird. Mit gemeinsamen Investitionen von 500 Mio. Dollar binnen fünf Jahren, von denen die OMV die Hälfte trägt, soll die aktuelle Tagesproduktion von etwa 10.000 boe auf das Sechsfache wachsen. Derzeit werde überwiegend Öl gefördert, 2023 werde es zu 90 Prozent Gas sein, so Seele. Dann soll diese Plateauproduktion von 21 Mio. boe im Jahr erreicht werden.

Die Kosten der Produktionssteigerung seien so gering, weil die Infrastruktur für die Gas-Aufbereitung und -Vermarktung schon vor Ort sei und die Felder in seichtem Wasser liegen. Das Gas werde zu einem großen LNG-Terminal der malaysischen Petronas gebracht und von dort nach Asien verkauft. In Malaysia selbst solle die Öl- und Gasnachfrage bis 2030 um 20 Prozent steigen - und die OMV nutze diese Gelegenheit, in einem wachsenden Markt Fuß zu fassen. Die Kooperation mit Sapura werde die OMV unterstützen, Australasien als neue OMV-Kernregion zu etablieren. Sapura Upstream soll im OMV-Jahresabschluss voll konsolidiert werden.

In der Partnerschaft mit Sapura Upstream, einer Tochter des Sapura-Energy-Konzerns, gebe es weiteres Explorationspotenzial, betont der OMV-Chef. In der Exploration könne Sapura auf große Erfolge verweisen, neun von elf Bohrungen seien fündig gewesen. Beim Aufsuchen neuer Lagerstätten sei der Partner "sehr kompetent", daher mache man sich Hoffnungen auf neue Funde für eine nachhaltige Produktion. Die auf 260 Mio. boe geschätzten Vorräten von Sapura in Malaysia sollen also nicht das Ende der Fahnenstange sein. Zusätzlich zu seinen malaysischen Öl- und Gas-Assets hält Sapura Upstream Beteiligungen an Explorationsblöcken in Neuseeland, Australien und Mexiko.

Für 50 Prozent des Joint Ventures SEB Upstream zahlt die OMV beim Closing 540 Mio. Dollar, möglicherweise aber - bei Eintreten bestimmter Erfolge - innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre noch weitere bis zu 85 Mio. Dollar, so der OMV-Chef. Abhängig sind weitere Zahlungen größtenteils vom Ressourcenvolumen im Block 30 (Mexiko) zum Zeitpunkt der finalen Investitionsentscheidung. Das gab die OMV am Freitag nach Abschluss rechtsverbindlicher Vereinbarungen mit Sapura bekannt.

Der Kauf basiert auf einem Brutto-Unternehmenswert von bis zu 1,6 Mrd. Dollar, der sich netto - nach Abzug von 350 Mio. Dollar Finanzschulden - auf 1,250 Mrd. Dollar beläuft. Für diese konzerninternen Verbindlichkeiten, die aus Darlehen der Mutter an die Tochter resultieren, wurde eine Restrukturierung vereinbart. Konkret wird die OMV die Schuldenfinanzierung übernehmen, in welcher Form ist laut Seele noch offen: Das könne aus dem OMV-Eigenkapital geschehen, via Projektfinanzierung, "da gibt es viele Möglichkeiten". Jedenfalls wolle man das gute Cash-Management der OMV auf das JV mit Sapura ausdehnen, dafür stelle man eine neue Finanzierung auf die Beine.

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Brent-Ölpreis erstmals seit Monaten unter 70 Dollar

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London, 09.11.2018

Vor einem Treffen der Ölförderländer in Abu Dhabi am Wochenende ist der Ölpreis gesunken. In London fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent am Freitagvormittag erstmals seit April auf unter 70 Dollar. Das Fass wurde zum Preis von 69,69 Dollar (61 Euro) gehandelt, ein Minus von 96 Cent allein am Freitag.

Die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und weitere Produzenten wie Russland treffen sich am Wochenende, um über eine mögliche Reduzierung zu beraten. Damit könnten sie den seit einigen Wochen wieder fallenden Ölpreis stützen.

Experten waren eigentlich von einer Steigung ausgegangen, zumindest auf längere Sicht, nachdem am Montag die Sanktionen der USA gegen den Iran in Kraft getreten waren. Sie sollen vor allem den Ölsektor treffen. Allerdings machten die USA Ausnahmen für acht Länder. Sie dürfen trotz der Sanktionen weiter Öl vom Iran kaufen. Dazu gehören große Abnehmer wie China und Indien.

Die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen in Deutschland bleiben trotz der sinkenden Rohölpreise allerdings hoch. Für einen Liter Super E10 müssen Autofahrer nach Angaben des ADAC derzeit durchschnittlich 1,542 Euro bezahlen. Diesel kostet demnach 1,447 Euro pro Liter. Damit bewegen sich Benzin und Diesel laut ADAC im Bereich des Jahreshochs.

Als einen Grund für die hohen Preise an den Zapfsäulen vor allem im Süden Deutschlands nennt die Branche das anhaltende Niedrigwasser an Rhein und Main, das den Transport von Öl und Kraftstoffen erschwert und verteuert.

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RWE will Flüssiggasgeschäft mit japanischem Partner ausbauen

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Düsseldorf/Essen, 09.11.2018

Der deutsche Energiekonzern RWE schlägt zum Ausbau seines Geschäfts mit verflüssigtem Gas eine Brücke nach Japan. Der Versorger wolle mit dem Unternehmen Tokyo Gas bei der Beschaffung, dem Handel und dem Transport des Brennstoffs verstärkt zusammenarbeiten, teilte RWE am Freitag mit. In einem ersten Schritt wollten beide Unternehmen den Transport des von Tokyo Gas bezogenen US-LNG verbessern.

Die Gespräche über den Abschluss einer rechtsverbindlichen Vereinbarung sollten in Kürze abgeschlossen sein. RWE zufolge wollen die Unternehmen den Wert ihrer Portfolios steigern, indem sie kurzfristige Handelsmöglichkeiten nutzen. Der Versorger geht davon aus, dass LNG eine immer wichtigere Rolle im Gasmarkt spielen wird. Im Gegensatz zu Erdgas aus Russland, Norwegen oder den Niederlanden wird LNG nicht über Pipelines transportiert, sondern mit Schiffen. Dadurch können die Firmen LNG von Anbietern weltweit übernehmen. In Deutschland konkurrieren derzeit Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade um den Standort eines ersten LNG-Terminals hierzulande.

Innogy ist in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt. Im RWE-Aufsichtsrat sitzt der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).

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E.ON sieht Innogy-Deal nicht in Gefahr

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Frankfurt, 09.11.2018

Der deutsche Energiekonzern E.ON sieht durch die Nachverhandlungen von Innogy mit dem britischen Konkurrenten SSE zum geplanten Gemeinschaftsunternehmen keine Gefahr für die eigene mit Innogy geplante Transaktion. "Wir erwarten keine wesentlichen Auswirkungen auf den Sinn und den Zeitplan der übergreifenden Transaktion", teilte E.ON am Freitag mit.

Man sei davon überzeugt, dass Innogy und SSE den Nutzen einer Zusammenarbeit erkennen würden. Die beiden Unternehmen hatten am Donnerstagabend angekündigt, wegen des schlechteren Marktumfelds das vereinbarte Joint Venture noch einmal nachzuverhandeln. E.ON will bis Ende kommenden Jahres das Vertriebs- und Netzgeschäft von Innogy übernehmen. Der Konzern ist ebenfalls in Großbritannien aktiv.

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Umbau des Stromsystems muss leistbar sein

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Wien, 09.11.2018

Die Industrie und die größte Einzelgewerkschaft GPA-djp pochen darauf, dass Strom trotz der ambitionierten Umstellung der Erzeugung auf Erneuerbare leistbar bleibt. Für die Wirtschaft sei die Gesamtkostenbetrachtung wichtig, betonte WKÖ-Energieexperte Stephan Schwarzer in einer Diskussion. Und GPA-Chefin Barbara Teiber sagte, die Kosten sollten nicht nur von den Konsumenten allein getragen werden.

In Deutschland zahle ein Hartz-IV-Empfänger schon 10 Prozent seiner Bezüge für Energiekosten, soweit dürfe es in Österreich nicht kommen, warnte Teiber am Donnerstagabend beim "trendforum" von Oesterreichs Energie, dem Interessenverband der E-Wirtschaft. Es gehe um "eine breite Finanzierungsbasis und eine faire Kostenverteilung", bei der die Lasten nicht nur auf die Konsumenten abgewälzt werden dürften: "Alle sollen einen Beitrag leisten." In die Gesetzwerdung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EAG), das ab 2020 gelten und den Rahmen für den Ökostromausbau stecken soll, wolle man einbezogen werden, so die Gewerkschaftschefin.

Wirtschaftskammer-Experte Schwarzer bekannte sich zu den in Paris ausgehandelten Klimazielen, "ich bin persönlich ein Fan von Paris". Eigentlich tue es ihm "im Herzen weh, wenn wir kalorische Kraftwerke im Sommer anwerfen müssen, weil Leitungen und Speicher fehlen". Es gehe beim Ökostromausbau einerseits um Mengen an Kilowattstunden, aber auch um Augenmaß und Kosteneffizienz. Das jetzige heimische System sei deutlich günstiger als das deutsche, weil es nur ein Dreißigstel koste, sonst sei die Relation ja 1:10. "Wir brauchen Markt, Wettbewerb - und die geplanten Anlagen-Ausschreibungen erzeugen diesen", so Schwarzer.

Zu hohe Energiekosten könnten die Wertschöpfung der heimischen Industrie bedrohen, warnte Schwarzer - und mit jeder fossilen Einheit, die aus der Stromerzeugung herausgenommen werde, komme mehr Volatilität ins System. Daher sollten die CO2-Preise nicht so hoch gemacht werden, dass die Kohle aus dem Energiesystem draußen sei. Damit bezog er sich auf eine Äußerung von Christoph Gatzen, der in Köln als Associate Director beim Berater Frontier Economics tätig ist. Der hatte gemeint, eine CO2-Preis-Anhebung im europäischen Emissionshandelssystem (ETS) sei nur mit einer Verringerung der Menge an Treibhausgaszertifikaten möglich, denn mit 15 bis 20 Euro je Tonne CO2 sei Kohle noch nicht aus dem Markt. Doch könne Europa allein nicht allzu viel ausrichten, gab er zu verstehen, machten doch die europäischen Emissionen nur 5 bis 8 Prozent der weltweiten aus.

Für die Wirtschaft sei die Gesamtkostenbetrachtung ganz wichtig, betonte WKÖ-Umwelt- und Energieexperte Schwarzer: "Wir wollen kein Party-Crasher sein - aber wir wollen zu möglichst geringen Kosten möglichst viel Strom haben." Das System müsse billiger werden. Es dürfe keine Ausschreibungspreise geben, die über den jetzigen Einspeisetarifen liegen, und es dürften bei den Auktionen nicht womöglich schlechte Standorte wie gute behandelt werden. Kämen einmal Stromspeicher dazu, würden die ja auch etwas kosten. Der Generalsekretär des auch für Energie zuständigen Nachhaltigkeitsministeriums, Josef Plank, erwiderte, es sollte bei der Umstellung des Energiesystems nicht nur über die Kosten gesprochen werden, "es geht um mehr".

Das bisherige Beihilfenrecht der EU habe eher keinen Schub für den Ausbau der Erneuerbaren gebracht, meinte Plank. Das werde man sich ansehen müssen, denn die EU-Kommission werde einen Plan Richtung 2050 auf den Tisch legen. Auch Kohle und Atom sollten einen Beitrag zur Speicherung leisten müssen - in Sinne der Systemverantwortung. Für alle, bis hin zur Atomkraft, sollte es gleiche Spielregeln geben - 35 Jahre lang indexierte Einspeisetarife würden sich viele wünschen, das seien nicht gleiche Regeln.

Beim ehrgeizigen Ökostrom-Ausbau in Österreich werde man sich keine Lücke leisten können, "wir werden am Wege nach vorn keinen Durchhänger verkraften", meinte Plank. Schließlich sei das Ziel, die heimische Stromaufbringung bis 2030 bilanziell übers Jahr gerechnet zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken. Bis 2030 soll in Österreich ja die dreifache Menge an gefördertem Ökostrom dazukommen - aber zu den gleichen jährlichen Kosten wie bisher, ist das Ziel der heimischen E-Wirtschaft.

Aktuell stammt in Österreich rund ein Sechstel des Endverbrauchs aus geförderten erneuerbaren Quellen - etwa 10,5 von insgesamt 66 Terawattstunden (TWh). Bis 2030 sollen aus neu geförderten Anlagen auf Basis von Wasserkraft, Wind, Photovoltaik und Biogas rund 30 TWh hinzukommen. Das Unterstützungsvolumen dafür soll aber mit knapp 900 Mio. Euro pro Jahr gleich bleiben, hatten Branchenvertreter am Donnerstag erklärt. Pro geförderter Strommenge würden sich die Kosten bei neuen Anlagen damit dritteln.

Im neuen System soll von den jetzigen fixen Einspeisetarifen abgegangen werden - einerseits auf Marktprämien, die sich Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen durch eine Direktvermarktung holen, andererseits durch Auktionen für neue Anlagen, um eine bessere Mengensteuerung und mehr Wettbewerb zu erreichen, indem sich die effizienteren Projekte durchsetzen, so die E-Wirtschaft.

Zuletzt bezog Österreich rund 60 Prozent des Stroms aus Wasserkraft, 10 Prozent aus Windkraft, 6 Prozent aus Biomasse, 2 Prozent aus PV und ein Prozent aus Biogas. Aktuell stammen 54 TWh Strom aus Erneuerbaren, nur rund 10,5 TWh davon sind gefördert.

Beim Ausbau um rund 30 auf 88 TWh sollen an Windkraft und Photovoltaik je 11 bis 13 TWh dazukommen, an Wasserkraft 6 bis 8 TWh, hat Oesterreichs Energie errechnet. Auch mit den zusätzlichen Mengen wäre das Potenzial bei Wind- und Wasserkraft jeweils erst zu rund 60 Prozent genutzt (ohne Antasten von Wachau oder Nationalparks), bei PV erst zu rund 35 Prozent.

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Wechselbereitschaft bei Strom geringer, bei Gas höher

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Wien, 08.11.2018

Die österreichischen Haushalte haben von Jänner bis September 2018 etwas häufiger den Gasanbieter gewechselt als noch vor einem Jahr, aber weniger oft den Stromanbieter. Am häufigsten wechselten Oberösterreicher und Kärntner den Strom- oder Gaslieferanten. Da die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen sind, lohne es sich umso mehr, Vergleiche anzustellen, rät die E-Control.

Zählt man auch Unternehmen hinzu, liegen die Wechselraten in den ersten neun Monaten auf dem etwa gleich hohen Niveau wie in den Vorjahren. In Summe haben 252.734 Strom- und Gaskundinnen und -kunden ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt. Die Wechselrate insgesamt bei Strom betrug heuer bisher 3,1 Prozent und bei Gas 4,6 Prozent.

Den Stromanbieter wechselten von Jänner bis inklusive September 190.530 Kunden, darunter 157.196 Haushalte. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatten rund 163.200 Haushalte einen neuen Stromlieferanten gewählt. Einen neuen Gaslieferanten suchten sich heuer bisher 62.204 Kundinnen und Kunden, darunter 58.193 Haushalte. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres sind 56.000 Haushalte zu einem neuen Gaslieferanten gewechselt. Das geht aus der Marktstatistik der Energieregulierungsbehörde E-Control hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Am wechselfreudigsten waren in den ersten neun Monaten die Oberösterreicher. 46.928 Kunden suchten sich einen neuen Stromlieferanten und 9.554 einen neuen Gaslieferanten. Am zweithäufigsten wechselten die Kärntner, mit 4,4 Prozent oder 17.148 Kunden bei Strom und 6,5 Prozent oder 900 Kunden bei Gas, gefolgt bei Strom von den Wienern mit 3,6 Prozent Wechslern oder 55.831 Kunden und bei Gas von den Niederösterreichern mit 4,9 Prozent oder 14.445 Kunden. Am seltensten wechselten sowohl ihren Strom- als auch Gaslieferanten die Vorarlberger mit Wechselraten von 1,1 Prozent bei Strom und 1,6 Prozent bei Gas.

Derzeit spart sich ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden Strom im ersten Jahr in Oberösterreich und Linz knapp 250 Euro inklusive Neukundenrabatt und rund 170 Euro ohne Neukundenrabatt. Bei Gas beträgt die Ersparnis bei einem Durchschnittsverbrauch von 15.000 Kilowattstunden im Jahr rund 650 Euro in Klagenfurt inklusive Neukundenrabatt und - ebenfalls in Klagenfurt - rund 250 Euro ohne Neukundenrabatt.

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Umbau in der Kraftwerksparte belastet Siemens-Geschäft

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München, 08.11.2018

Hohe Kosten für den Personalumbau in der Kraftwerksparte haben im vierten Quartal den Gewinn bei Siemens kräftig gedrückt. In den letzten drei Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres verdiente der deutsche Mischkonzern unterm Strich 681 Mio. Euro - um 46 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor, wie Siemens am Donnerstag in München mitteilte.

Der Umsatz stieg im vierten Quartal leicht um 2 Prozent auf rund 22,6 Mrd. Euro. Die Dividende will Siemens um 10 Cent auf 3,80 Euro je Aktie erhöhen. Zudem beginnt im November ein weiteres, erneut drei Milliarden Euro schweres Aktienrückkaufprogramm, das bis 2021 läuft. Im Gesamtgeschäftsjahr legte Siemens beim Gewinn zu. Nach Steuern blieben dem Konzern rund 6,12 Mrd. Euro - nach rund 6,09 Mrd. Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg ebenfalls leicht von 82,86 Mrd. auf 83,04 Mrd. Euro.

Insgesamt präsentierte Siemens in nahezu allen Sparten sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis gestiegene Zahlen. Die Krise in der Kraftwerksparte aufgrund von Überkapazitäten insbesondere von großen Gasturbinen geht indes weiter.

Die hohen Umbaukosten ließen das Ergebnis auf ein Minus von 139 Mio. Euro einbrechen. Der Umsatz ging um 8 Prozent auf rund 3,35 Mrd. Euro zurück. Anfang des Jahres hatte sich Siemens mit der Arbeitnehmerseite auf den Abbau von 2.900 Stellen allein in Deutschland geeinigt sowie auf die Neustrukturierung der Standorte. Die Kosten für den Personalabbau allein in der schwächelnden Kraftwerkssparte bezifferte Siemens auf 301 Mio. Euro.

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Weg zu Klimazielen führt laut VCÖ über öffentlichen Verkehr

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Wien, 08.11.2018

"Business as usual" reicht nicht aus für das Ziel der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß beim Verkehr bis zum Jahr 2030 auf höchstens 15,7 Millionen Tonnen zu senken. Der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist indes notwendig, wenn Österreich seine Klimaziele erfüllen will, sagte Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Neben der Politik seien auch die Unternehmen gefordert.

"Bisher hat das Wachstum des öffentlichen Verkehrs mit jenem des Pkw-Verkehrs mitgehalten. Mit diesen kleinen Steigerungen sind die Klimaziele nicht zu erreichen", sagte der Experte am Donnerstag bei der Präsentation der VCÖ-Publikation "Mobilitätswende braucht mehr Öffentlichen Verkehr" in Wien. Noch geht der CO2-Trend in die Gegenrichtung, denn seit dem Jahr 2014 sind die Emissionen des Verkehrs um rund zwei Millionen Tonnen gestiegen.

Derzeit werden in Österreich und 20 Milliarden Personenkilometer auf der Schiene zurückgelegt, weitere 10,2 Milliarden Personenkilometer mit Linien- und Reisebus. Dadurch würden im Vergleich zu Autofahrten rund drei Millionen Tonnen CO2 vermieden, rechnete der VCÖ vor. Benzin- und Diesel-Pkw verursachen hingegen pro Personenkilometer im Schnitt 15 Mal so viel CO2 wie die Bahn und rund vier Mal so viel CO2 wie ein Bus, lautete die Gegenrechnung.

Ein weiteres Argument des Experten für eine deutliche Mobilitätswende über den öffentlichen Verkehr ist, dass "dieser mehr CO2 einspart als das Elektroauto". Um den Individualverkehr aber einzubremsen, dürfe auch der Faktor "Bequemlichkeit" nicht zu kurz kommen. Ein "Gesamtangebot von der Haustür bis zum Zielort, das es angenehm macht, die Wege zurückzulegen" sei daher gefragt, so der Experte im Gespräch mit der APA.

Autofahrer würden sich ohnehin mehr Öffi-Verbindungen wünschen und Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen mit der Bahn fahren können, sind dichtere Takte und der forcierte Ausbau des Bahnnetzes etwa im Ballungsraum Wien, wo man an die Kapazitätsgrenzen stoße. "Städte brauchen saubere und platzsparende Mobilität", sagte Gansterer und erinnerte in diesem Kontext an die Tatsache wachsender Ballungsräume. Auch das Umland der Großstädte wachse und der öffentliche Verkehr sei einfach effektiver bei der Raumnutzung, so der Experte.

Für die Mobilitätswende braucht es laut VCÖ zudem ein einfaches, österreichweites Ticketing, eine gut nutzbare Reisezeit, multifunktionale Bahnhöfe - und in Summe eine "durchgehende komfortable und zusammenhängende Wegekette". Der verdichtete Linienverkehr der Bahn solle in den Regionen mit Sammeltaxis ergänzt werden, die dort spät abends Lücken schließen.

Was die eingangs geforderte Mitwirkung der Unternehmen betrifft, so nannte Gansterer den deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim als leuchtendes Beispiel. Die Firma habe an ihrem Standort in Wien-Meidling die Zahl der Beschäftigten einerseits von 2.000 auf rund 2.500 erhöht, gleichzeitig die Parkplätze aber von 600 auf 280 reduziert. Das Mobilitätsmanagement der Firma hatte zur Folge, dass statt 53 Prozent nur mehr 30 Prozent der Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit kommen, der Anteil der Öffi-Nutzer stieg von 36 auf 55 Prozent - und das Konzept "Arbeitsplätze statt Parkplätze" stärke auch den Wirtschaftsstandort, betonte der VCÖ.

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Viele Strom-Angebote sind laut Kritikern gar nicht so sauber

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Wien, 08.11.2018

Von den heimischen Stromangeboten sind die wenigsten so sauber wie behauptet, sagen die Umweltorganisationen Global 2000 und WWF Österreich. Mit einem Anteil 36 Prozent werde mehr als ein Drittel des in Österreich verkauften Stroms mit zugekauften Nachweisen "umetikettiert" und "grün gewaschen", kritisierten sie am Donnerstag.

Das Umetikettieren mache es etwa möglich, Kohlestrom einzukaufen und diesen beispielsweise mit einem Wasserkraft-Nachweis als Grünstrom zu deklarieren, erklärte der Autor einer Studie dazu, der Energieexperte Thomas Steffl. Der Verkauf von Strom unbekannter Herkunft sei zwar seit 2015 verboten, dennoch könnten vollkommen legal Strom und Nachweise getrennt voneinander gehandelt werden. Aus Kundensicht sei eine Rückverfolgung kaum möglich.

Noch immer würden 24 Prozent der heimischen Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern stammen, so Hanna Simons, Leiterin Naturschutz beim WWF Österreich. Darüber hinaus sei die große Mehrheit der sogenannten Grünstromanbieter "nicht so sauber, wie sie gerne vorgeben", lautet ihr Vorwurf. Privathaushalte hätten ein Recht darauf zu erfahren, wo ihr Strom wirklich herkommt.

Die gute Nachricht für Stromkunden sei: Es gebe naturverträgliche, saubere Vorreiter und den Anbietern in Österreich - die schlechte: Leider würden zu viele noch hinterherhinken oder auf fossile Quellen setzen, meinte Global-2000-Energiesprecher Reinhard Uhrig. Freilich bescheinigt auch er dem heimischen Stromkennzeichnungssystem, es sei, obwohl verbesserungswürdig, das beste in Europa - und er bedankt sich bei den Versorgern für die Teilnahme an der Online-Befragung. Von den 158 für Haushalte relevanten haben sich 31 beteiligt. Bis auf zwei hätten alle Landes-EVU teilgenommen, so Steffl. Ziel sei es gewesen, "blinde Flecken" der Stromherkunft besser zu beleuchten. Woher der Strom beim einzelnen Kunden aber tatsächlich komme, lasse sich physikalisch ohnedies nicht korrekt sagen, meinte der Studienautor.

Besonders stoßen sich Global 2000, WWF und der Studienautor an der noch verbliebenen Kohleverstromung in Österreich. Konkret betrifft das eine der Verbund-Anlagen im steirischen Mellach und den EVN-Block in Dürnrohr in Niederösterreich. Für Mellach gibt es schon einen Zeitplan für den Ausstieg. Die Kohleverstromung werde noch diese Heizperiode laufen und voraussichtlich im Mai vom Netz gehen, meinte Uhrig. Der EVN-Block solle dagegen noch bis 2025 laufen, je nach technischem Zustand, kritisierte der Global-2000-Energiesprecher: "Unserer Meinung müsste der Einsatz wegen der Klimaziele aber schon im Jahr 2020 enden", meinte er im Pressegespräch. Der Block wäre auch mit Gas zu befeuern, mit Kohle sei es aber profitabler, so Uhrig. Die EVN wollte sich auf Anfrage dazu aktuell nicht äußern.

Nur zwei der 31 näher untersuchten Stromanbieter erreichten die Top-Bewertung "Treiber der Stromzukunft" - nämlich W.E.B und AAE, sie stellen aber nur 0,2 Prozent des Strommarkts. Gerade Anbieter, die mehrheitlich oder gänzlich in öffentlicher Hand seien, stünden in der Pflicht, ihr Engagement für eine nachhaltige Energiewende zu verstärken, sagen Global 2000 und WWF. So rangieren in ihrer Wertung etwa Verbund, Wien Energie, Energie Steiermark und Tiwag im untersten Drittel, unter den "Stromanbietern mit großen Herausforderungen" mit 39 Prozent Marktanteil. Als Schlusslichter ("Fossile Nachzügler") machen die Umweltorganisationen die ENAMO aus OÖ, die EVN und die EnergieAllianz aus, die es zusammen allerdings auf 28 Prozent Anteil am Strommarkt bringen. Auch die Politik müsse handeln und endlich umweltschädliche Subventionen in fossile Technologien stoppen, fordern die NGO's. Auch für verbundene Unternehmen sollte es eine Pflicht zur Kennzeichnung des Stroms geben, oft würden sich Atomstromkonzerne mit Tochter- oder Enkelunternehmen im Grünstrombereich betätigen, so Uhrig: "Und die Landes-EVU sollten rasch von Atombeteiligungen befreit werden."

Laut Energieregulator E-Control sind 2017 in der österreichischen Stromversorgung zu 83,7 Prozent Nachweise erneuerbarer Energien eingesetzt worden, bezogen auf die Gesamtabgabemenge von 68,97 Terawattstunden (TWh). Der Wert war kleiner als 2016 (86,7 Prozent), da wegen eines geringeren Wasserkraftangebots Lieferanten auf fossile Alternativen ausgewichen sind. Zu 16,1 Prozent wurden 2017 Nachweise für Erdgas, Kohle und Erdöl eingesetzt, nach 12,9 Prozent 2016, erklärte die E-Control Anfang Oktober. Erneut gab es mehr Nachweise aus Österreich, ihr Anteil stieg laut Regulierungsbehörde von 70 auf knapp 74 Prozent. Größter ausländischer Lieferant blieb - mit seinem hohen Wasserkrafterzeugungsangebot - Norwegen mit etwas über 14 Prozent.

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Bis 2030 dreimal so viel Ökostrom fürs gleiche Geld

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Wien, 08.11.2018

Bis 2030 soll in Österreich die Menge an gefördertem Ökostrom verdreifacht werden - aber zu den gleichen jährlichen Kosten wie bisher, ist das Ziel der heimischen E-Wirtschaft. Erreicht werden soll das durch eine modernere finanzielle Unterstützung, die auf höhere Effizienz und mehr Systemverantwortung der Anlagenbetreiber setzt, schlägt man zum geplanten Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) vor.

Aktuell stammt in Österreich rund ein Sechstel des Endverbrauchs aus geförderten erneuerbaren Quellen - rund 10,5 von insgesamt 66 Terawattstunden (TWh). Bis 2030 sollen aus neu geförderten Anlagen auf Basis von Wasserkraft, Wind, Photovoltaik und Biogas rund 30 TWh hinzukommen. Das Unterstützungsvolumen dafür soll aber mit knapp 900 Mio. Euro pro Jahr gleich bleiben, erklärten Branchenvertreter am Donnerstag. Pro geförderter Strommenge würden sich die Kosten bei neuen Anlagen damit dritteln.

Im neuen System solle von den jetzigen fixen Einspeisetarifen abgegangen werden - einerseits auf Marktprämien, die sich Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen durch eine Direktvermarktung (den Stromverkauf über Strombörsen) holen, andererseits durch Auktionen für neue Anlagen, um eine bessere Mengensteuerung und mehr Wettbewerb zu erreichen, indem sich die effizienteren Projekte durchsetzen.

Zum forcierten Ökostrom-Ausbau will die für Energie zuständige Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) noch vor Weihnachten eine Punktation zum EAG fertig haben - die Vorschläge zu den Eckpfeilern sollen noch heuer den Ministerrat passieren, sagte Barbara Schmidt, die Generalsekretärin des Branchenverbandes Oesterreichs Energie. Im zweiten Quartal 2019 solle der Gesetzentwurf in die Begutachtung gehen - "hoffentlich in eine längere als zuletzt" -, im Herbst 2019 wäre die parlamentarische Behandlung möglich. Für ein Inkrafttreten am 1.1.2020 erhofft die Branche einen frühestmöglichen Beschluss, für die Zweidrittelmehrheit müsste im Bundesrat die SPÖ mit an Bord sein.

Die E-Wirtschaft sieht es als "sehr kurze Zeitspanne" an, binnen zwölf Jahren bei Strom von rund drei Viertel auf 100 Prozent Erneuerbare zu kommen. Zuletzt bezog Österreich rund 60 Prozent des Stroms aus Wasserkraft, 10 Prozent aus Windkraft, 6 Prozent aus Biomasse, 2 Prozent aus PV und ein Prozent aus Biogas. Aktuell stammen 54 TWh Strom aus Erneuerbaren, nur gut 10 TWh davon sind gefördert.

Beim Ausbau um rund 30 auf 88 TWh sollen an Windkraft und Photovoltaik je 11 bis 13 TWh dazukommen, an Wasserkraft 6 bis 8 TWh, hat Oesterreichs Energie zuletzt errechnet. Auch mit den zusätzlichen Mengen wäre das Potenzial bei Wind- und Wasserkraft jeweils erst zu rund 60 Prozent genutzt (ohne Antasten von Wachau oder Nationalparks), bei PV erst zu rund 35 Prozent, so Karl Heinz Gruber, Spartensprecher Erzeugung bei Oesterreichs Energie. Ein solcher Ausbau sei auch für die Bevölkerung akzeptabel. Weitere rund 2 TWh aus Biomasse-KWK sind zur Anlagen-Bestandssicherung angedacht. Voraussetzung ist freilich der komplette Erhalt der bestehenden Stromerzeugung.

Credo beim Ausbau solle "so viel Markt wie möglich und so wenig Förderung wie nötig" sein, betonte Schmidt. In den Erzeugungssektor werde die Branche bis 2030 rund 30 Mrd. Euro investieren müssen, so Gruber. Weitere 20 Mrd. Euro seien für die Netze nötig, was zusammen die bekannten rund 50 Mrd. Euro ergebe. Maßnahmen zu Stromspeichern, Batterien, "Power to X" usw. seien hier aber noch nicht enthalten.

Die Hauptsäulen der künftigen Incentivierung des Ökostrom-Ausbaus sollten Ausschreibungen (Auktionen) und die Direktvermarktung sein, sagte Christoph Gatzen, der in Köln als Associate Director beim Berater Frontier Economics tätig ist. Auktionen würden eine Mengensteuerung bieten, es könnten sich die effizientesten Projekte durchsetzen, unterm Strich sei das ökonomisch sinnvoll. Die Marktprämie solle eine "gleitende" sein, so Gruber - steige der Strompreis am Markt, könne die Anreizsumme kleiner werden; theoretisch könne sie sogar auf Null gehen, wenn der Preis stark steige. Gemäß einem sehr optimistischen Szenario könnte sich das Fördervolumen halbieren, meinte er. Nur für ganz kleine Anlagen könnte es administrierbare Prämien geben, was dann auch eine Art Einspeisetarif wäre, so Gatzen.

Bei der Marktprämie jedoch müssten sich die Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen jeweils mit ihresgleichen messen - eine Windkraftanlage etwa müsste andere Windräder ökonomisch "schlagen", erläutert Gatzen. Denn die Prämie bemisst sich an der Differenz zwischen dem Strompreis, mit dem man selbst geboten hat und dem was ein durchschnittliches Windrad gerade in seiner Stromproduktion kostet. "Das heißt die Anlage muss besser eingesetzt werden, an einem besser ausgewählten Ort stehen"; es müssen also andere Anlagen der selben Technologie im Auge behalten werden, um sie mit der eigenen Anlage "toppen" zu können, so der Experte.

Technologiespezifische Ausschreibungen neuer Anlagen hält man sowohl bei Oesterreichs Energie als auch bei Frontier Economics für sinnvoller - weil effizienter - als technologieneutrale. Das bedeutet, dass zum Beispiel Windkraft-Anlagen allein ausgeschrieben werden oder PV-Anlagen separat für sich. Gemeinsame, technologieübergreifende Auktionen im Ausland, die gelegentlich als Negativ-Beispiele genannt würden, seien eher Versuchsballons und hätten sich auch nur auf kleine Leistungsvolumina bezogen, so der Kölner Experte.

Mit einer technologiespezifischen Förderung lasse sich auch ein Klumpenrisiko vermeiden, etwa dass in einer Region nur noch PV-Anlagen oder Windräder hingestellt werden. Für alle Bewerber sollten die Bedingungen gleich sein, so Gruber. Voraussetzung sollte auch eine Genehmigung erster Instanz bzw. bei Wasser und Wind ein positiver UVP-Bescheid sein. Zudem sollte es eine Baupflicht geben, falls jemand den Zuschlag erhalten hat. Gruber: "Das ist der österreichische Weg. Wir haben schon bisher das deutsche EEG nicht einfach abgekupfert, sondern etwas Besseres gemacht."

"Wir wollen die Anlagen komplett in den Markt stellen, jeder muss Systemverantwortung mitübernehmen", betonte Gruber. Die durchschnittliche Unterstützung könnte von heuer rund 80 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf etwa 30 Euro/MWh bis 2030 sinken, "da weiß man schon wohin die Reise geht". Insgesamt beträgt die Erneuerbaren-Jahreserzeugung 54 TWh, davon sind aber nur gut 10 TWh gefördert.

Gegenüber einer früheren Rechnung wird jetzt der Zuwachs bei Windstrom und PV etwas geringer angenommen, im April ging die E-Wirtschaft hier noch von jeweils 14 TWh Anstieg bis 2030 aus, womit das gesamte Plus rund 35 TWh auf ebenfalls 88 TWh ausgemacht hätte. Über den Sommer hat man neu gerechnet, da laut Klima- und Energiestrategie die zur Netzstabilisierung nötige Regel- und Ausgleichsenergie nicht für die Berechnung des 100-Prozent-Erneuerbaren-Ziels für 2030 inkludiert werden kann und bestimmte Strommengen für die Eigenversorgung der Sachgüterproduzenten nicht durch zusätzliche Exporte ausgeglichen werden müssen.

Der Dachverband Erneuerbare Energien Österreich (EEÖ) sprach kürzlich sogar von 40 TWh, die die sechs erneuerbaren Erzeugungsarten (Wasser, Wind, PV, Biomasse, Biogas, Erdwärme) bis 2030 mehr produzierten müssten, denn zugleich würde die fossile Stromerzeugung bilanziell von 9,8 TWh auf Null gedrückt - und es würden aus im Vorjahr 6,7 TWh Stromimporten unterm Strich 7 TWh Stromexporte.

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Preisdruck sorgt bei SMA für Verlust

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Niestetal, 08.11.2018

Der Preisdruck infolge des Markteinbruchs in China macht dem deutschen Solartechnikkonzern SMA Solar zu schaffen. Im dritten Quartal rutschte der Wechselrichterproduzent netto mit 2,7 Mio. Euro ins Minus, nach einem Gewinn von 16 Mio. Euro vor Jahresfrist.

"Für 2018 rechnen wir im weltweit größten Solarmarkt China mit einem Markteinbruch um 26 Prozent", erklärte der neue Vorstandschef Jürgen Reinert am Donnerstag. Infolge dessen drängten die chinesischen Produzenten verstärkt auf die internationalen Märkte und verursachten einen "massiven" Preisdruck.

Um in den kommenden Monaten von noch niedrigeren Preisen zu profitieren, würden Investoren Projekte verschieben. Der Auftragseingang bei SMA sei daher erheblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Der ehemalige Konzernlenker Pierre-Pascal Urbon hatte vor diesem Hintergrund bereits im September die Jahresziele reduziert. Demnach peilt SMA einen Umsatz zwischen 800 und 850 Mio. Euro an und ein ausgeglichenes bis leicht negatives Betriebsergebnis (Ebitda) nach Sondereffekten. Zuvor war mit einem Umsatz von 900 Mio. bis 1 Milliarde Euro gerechnet worden und einem Ebitda von 90 bis 110 Mio. Euro.

In den ersten neun Montane sanken die Erlöse um 2,9 Prozent auf 575,1 Mio. Euro, das Ebitda schrumpfte auf 50,5 (55,3) Mio. Euro.

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EU rügt Österreich wegen Umsetzung von Energieeffizienz

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Brüssel, 08.11.2018

Die EU-Kommission hat Österreich ein Mahnschreiben wegen mangelhafter Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie geschickt. Auch Finnland, Deutschland, Ungarn, Rumänien, die Slowakei und Spanien erhielten entsprechende Aufforderungsschreiben, weil sie bestimmte Anforderungen der Richtlinie nicht ordnungsgemäß um- oder durchgesetzt hätten, teilte die EU-Behörde am Donnerstag in Brüssel mit.

Die EU-Richtlinie schafft einen Rahmen für Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz, um sicherzustellen, dass das Energieeffizienzziel der EU von 20 Prozent bis 2020 erreicht wird, und um weitere Energieeffizienzverbesserungen für die Zeit danach vorzubereiten. Die betroffenen EU-Staaten haben zwei Monate Zeit, um auf die von der EU-Kommission vorgebrachten Beanstandungen zu reagieren. Andernfalls kann die EU-Kommission das Vertragsverletzungsverfahren weiter vorantreiben.

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Conti hält sich Einstieg bei Batteriezell-Produktion offen

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Hannover, 08.11.2018

Der deutsche Autozulieferer Continental will sich alle Möglichkeiten einer eigenen Fertigung von Batteriezellen weiter offenhalten. "Wir schauen uns das an", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern beobachte dabei die Entwicklung verschiedener Technologien für Batteriezellen und wäge deren Chancen ab.

"Wir gehen davon aus, dass wir nicht vor Ende 2020 eine endgültige Entscheidung treffen werden." In welche Richtung man sich entscheiden werde, ob für einen Einstieg oder dagegen, sei völlig offen, betonte Schäfer.

Conti hat schon mehrfach Bedenken gegen eine Fertigung von herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus in Deutschland ins Feld geführt. Als Hindernis dafür sieht der Konzern sowohl hohe Energiekosten als auch Personalkosten.

Volkswagen hat die Initiative für eine Zellfertigung ergriffen und verhandelt Insidern zufolge über eine milliardenschwere Kooperation mit dem koreanischen Hersteller SK Innovation. Die Wolfsburger wollen die Produktion von Elektroautos in den kommenden Jahren massiv hochfahren, um die schärferen Klimaschutzvorgaben zu erfüllen. Um rasch die nötigen Mengen an Energiespeichern zur Verfügung zu haben, will Volkswagen Unternehmenskennern zufolge mit der Lithium-Ionen-Technologie einsteigen und nicht erst abwarten, bis Feststoffbatterien entwickelt sind. Letztere gelten als aussichtsreiche Technologie, weil sie größere Reichweiten versprechen.

Die deutschen Autobauer kaufen die Lithium-Inonen-Zellen bisher bei Herstellern aus Japan, Korea und China ein. Deutschlands Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zuletzt die Hoffnung auf eine baldige Einigung mit deutschen Firmen und anderen EU-Ländern auf eine gemeinsame Fertigung von Batteriezellen genährt.

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Verbund-Prognose nach trockenem Sommer gesenkt

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Wien, 07.11.2018

Wegen des geringen Wasserangebots im dritten Quartal kürz der Verbund-Stromkonzern seine Jahresziele für 2018, die aber noch immer über den Resultaten von 2017 liegen. Trotz historisch niedriger Wasserführung im dritten Quartal verdiente der Konzern bis September operativ und unterm Strich mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Im dritten Quartal lag die Wasserführung mit einem Koeffizienten von 0,74 um 26 Prozent unter dem langjährigen Schnitt. Laut Verbund zählten Juli, August und September zu den trockensten Monaten seit Beginn der Aufzeichnung. Aufgrund des überdurchschnittlichen Wasserangebots bis Juni lag der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke in den neun Monaten zusammen aber mit 0,96 nur um 4 Prozent unter dem langjährigen Schnitt - und um 2 Prozentpunkte über dem Vergleichswert des Vorjahres. Positiv auf die Ergebnisse wirkten sich heuer ein höherer Ergebnisbeitrag aus dem Segment Netz sowie die Erfolge aus den Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogrammen der letzten Jahre aus. Gesunken sind dagegen die Erlöse aus Flexibilitätsprodukten, nachdem das Jahr 2017 hier stark von positiven Effekten geprägt war.

Eigenerzeugung

Die Verbund-Eigenerzeugung sank in den neun Monaten um 1,8 Prozent auf 24.347 Gigawattstunden (GWh). Dabei legte sie in der Wasserkraft um 2,0 Prozent auf 22.893 GWh zu, ging aber in der Windkraft um 14,2 Prozent auf 584 GWh und in der Wärmekraft um 47,8 Prozent auf 870 GWh zurück. Das Gas-Kombikraftwerk Mellach produzierte wegen geringeren Einsatzes fürs Engpassmanagement um 717 GWh weniger, beim Kohlekraftwerk Mellach waren es 80 GWh weniger.

Die Gas-Kombi-Anlage Mellach wird derzeit einzig zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit im Rahmen des Engpassmanagements eingesetzt. Eine neue Kontrahierungs-Vereinbarung (die auch das Fernheizkraftwerk Mellach umfasst) wurde erst kürzlich unter Ägide der E-Control für 1.10.2018 bis 30.9.2021 mit der Austrian Power Grid (APG) fixiert. Heuer gab es in den ersten drei Quartalen in der Verbund-Bilanz keine Wertminderungen, nachdem da 2017 im gleichen Zeitraum 15,0 Mio. Euro angefallen waren (mit 10,5 Mio. vor allem aus der Wertminderung des FHKW Mellach). Wertaufholungen gab es heuer bisher 6,2 Mio. Euro, im Wesentlichen bei den stillgelegten Kraftwerksanlagen in Dürnrohr und Korneuburg; die Wertaufholungen bis 30.9.2017 von 38,2 Mio. kamen zur Gänze aus der damaligen Wertaufholung des GKW Mellach.

Samt Fremdbezug in Handel und Vertrieb (+5,5 Prozent auf 19.521 GWh) und Fremdbezug Verlust- und Regelenergie stieg die gesamte Stromaufbringung des Verbund bis September um 0,5 Prozent auf 48.065 GWh. Um ebenfalls 0,5 Prozent - auf 44.365 GWh - wuchs der Stromabsatz des Konzerns; davon gingen 20.768 GWh (-2,5 Prozent) an Weiterverteiler, 14.174 GWh (+1,6 Prozent) an Händler und 9.424 GWh (+6,0 Prozent) an Endkunden. Im Privatkundenbereich zählte der Verbund per Ende September rund 464.000 Strom- und Gaskunden, geht aus dem Quartalsbericht hervor.

Beim Stromabsatz wurde ein Rückgang im Inlandsgeschäft durch eine deutliche Steigerung der Abgabe an Auslandskunden mehr als ausgeglichen, heißt es. In Österreich verringerte sich der Stromabsatz um 16,6 Prozent auf 20.437 GWh, dafür legte er in Deutschland um 19,4 Prozent auf 20.644 GWh und in Frankreich um 21,6 Prozent auf 2.310 GWh zu.

Die Preise für Strom-Future-Kontrakte (Frontyear-Base 2018, gehandelt 2017) lagen heuer mit durchschnittlich 32,4 Euro pro Megawattstunde (MWh) um 21,8 Prozent über dem Durchschnittsniveau der gleichen Vorjahresperiode. Die Spotmarktpreise (Base) stiegen im Berichtszeitraum um 20,7 Prozent auf 41,7 Euro/MWh.

Niedrigere Stromerlöse

Beim 3,7-prozentigen Umsatzrückgang bis September auf 2,081 Mrd. Euro sanken die Stromerlöse um 165,9 Mio. auf 1,614 Mrd. Euro. Stromerlösmindernd habe vor allem die (ergebnisneutrale) Erstanwendung von IFRS 15 bezüglich verrechneter Netzentgelte/Umlagen saldiert um Bezugsaufwendungen gewirkt. Die Netzerlöse stiegen um 74,7 Mio. auf 371,7 Mio. Euro, maßgeblich durch höhere nationale Netzerlöse infolge Tarifsteigerungen. Die sonstigen Erlöse wuchsen um 10,3 Mio. auf 95,2 Mio. Euro, vornehmlich durch mehr Erlöse aus dem Verkauf von Grünstromzertifikaten und aus Fernwärmelieferungen. Die Aufwendungen für den Strom-, Netz-, Gas- und Zertifikatebezug verringerten sich um 110,3 Mio. auf 984,9 Mio. Euro.

Bis September legte der Verbund beim operativen Ergebnis (EBITDA) um 2,3 Prozent auf 678,4 Mio. Euro zu und verbesserte das berichtete Konzernergebnis um 4,9 Prozent auf 282,8 Mio. Euro, teilte der zu 51 Prozent republikseigene Konzern mit, der mit der geplanten Reform der Staatsholding ÖBIB als ÖBAG dieser zugeordnet werden soll. Fürs Gesamtjahr erwartet der Verbund nun nur rund 870 Mio. Euro EBITDA - Ende Juli, zum Halbjahresbericht, ging man noch von 950 Mio. Euro aus. Das Konzernergebnis sieht man nun 2018 bei rund 340 statt 370 Mio. Euro, auf Basis einer durchschnittlichen Wasser- und Windkraft-Eigenerzeugung. 2017 betrug das EBITDA 922 Mio. Euro, das berichtete Konzernergebnis 301 Mio. Euro.

Das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis, von dem dann 40 bis 45 Prozent als Dividende ausgeschüttet werden sollen, soll nun im Gesamtjahr 2018 bei rund 335 Mio. Euro liegen, zuletzt ging man noch von rund 365 Mio. Euro aus. Bis September erhöhte sich das bereinigte Konzernergebnis um 10,1 Prozent auf 277,6 Mio. Euro. Im Gesamtjahr 2017 hatte es 354,5 Mio. Euro ausgemacht, und die Ausschüttungsquote betrug darauf bezogen 41,2 Prozent.

Der operative Cashflow legte heuer bis September um 12,0 Prozent auf 542,1 Mio. Euro zu, der Free Cashflow vor Dividende um 21,5 Prozent auf 389,0 Mio. Euro, so der Verbund weiter. Die Nettoverschuldung wurde seit Ende 2017 um 7,4 Prozent auf 2,663 Mrd. Euro reduziert. Der Nettoverschuldungsgrad verminderte sich im Jahresabstand auf 46,3 (52,7) Prozent. Die Cashflow-Verbesserung und Schulden-Abnahme würden die finanzielle Flexibilität erhöhen, betont das Unternehmen.

Der Personalstand lag heuer in den drei Quartalen mit im Schnitt 2.739 um 3,2 Prozent tiefer als ein Jahr davor.

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100.000 Familien in Tirol heizen mit Öl

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Kufstein, 07.11.2018

Beim 21. Österreichischen Biomassetag plädierten Experten für Umstieg auf erneuerbare Energiequellen.

Heizen mit Holz sei die effizienteste Methode, um CO einzusparen. Zu diesem Ergebnis kamen Experten des Forschungszentrums Bioenergy 2020+, die ihre Studie gestern im Rahmen des 21. Österreichischen Biomassetages in Kufstein präsentierten.


Basierend auf Heizkostenvergleichen der TU Wien wurden im Forschungsprojekt bauliche und energetische Maßnahmen verglichen. "In einem unsanierten Einfamilienhaus können nach Umstieg auf Pellets, Hackgut, Scheitholz oder Nahwärme bis zu 14 Tonnen CO im Jahr eingespart werden."


Die Wärmegewinnung aus nicht-fossilen, organischen Stoffen macht am Tiroler Wärmemarkt etwas mehr als ein Drittel aus. Gemeinsam mit biogener Fernwärme erreicht man so 45 Prozent. Dabei hätte Tirol noch mehr Potenzial, Emissionen einzusparen, meint Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes. Noch immer seien hierzulande über 100.000 Ölheizkessel installiert. Bezogen auf die Anzahl der Haushalte ist Heizöl in Tirol damit immer noch die führende Raumwärmequelle (31 Prozent).


Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes für erneuerbare Energien Österreich, plädiert nicht nur wegen der Umweltverträglichkeit für einen Umstieg auf erneuerbare Energien. Für ihn sei dies auch eine Frage von Moral und Wirtschaftlichkeit: "Österreich importiert Öl für 10 Milliarden Euro aus Ländern, deren Werte wir nicht teilen - wo das Regime seine Gegner töten lässt", fordert Püspök ein Umdenken in Richtung "Österreich zuerst".


Auch die Dezentralisierung werde in den kommenden Jahren großes Thema am Energiemarkt sein. Den Kommunen prophezeit Püspök, dass sie bei der Energieproduktion und -verteilung eine größere Rolle einnehmen werden müssen.

 

 

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Illwerke VKW haben innert der letzten fünf Jahre 130 Mitarbeiter abgebaut

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Bregenz, 07.11.2018

Der Wind in der Energiewirtschaft ist seit einigen Jahren rau bis stürmisch. Wer nicht gut aufgestellt ist, bekommt Schwierigkeiten. Deshalb hat sich auch der Vorarlberger Stromkonzern Illwerke VKW ein ehrgeiziges Effizienzprogramm verschrieben (die VN berichteten). Der landeseigene Energiekonzern wird den seit einigen Jahren durchgeführten schrittweisen Personalabbau bzw. die Einsparungen auf der Personalseite zum Ende des Geschäftsjahres 2018 abschließen. Wie Unternehmenssprecher Andreas Neuhauser erklärte, werde Illwerke VKW bis dorthin voraussichtlich 1200 Mitarbeiter inklusive Lehrlinge beschäftigen. „Mit diesen 1200 Mitarbeitern ist der vorgesehene Zielstand erreicht“, erklärt Neuhauser. Es sei durch die Maßnahmen in den letzten Jahren gelungen, den gesamten Personalaufwand in der Unternehmensgruppe stabil zu halten.  


Zehn Prozent abgebaut


Ein Blick in die Kennzahlen zeigt, dass Illwerke VKW im Jahr 2013 im Jahresschnitt 1334 Mitarbeiter beschäftigten. Diese Zahl sinkt seither permanent. Zum Ende des Geschäftsjahres 2017 waren es im Jahresschnitt noch 1211 Mitarbeiter inklusive der Lehrlinge. Der Zielstand von 1200 Mitarbeitern zum Jahresende 2018 bedeutet, dass der Stromkonzern in den vergangenen fünf Jahren rund zehn Prozent der Belegschaft oder etwa 130 Mitarbeiter abgebaut hat.


Nach Angaben von Neuhauser suchen Illwerke VKW allerdings weiterhin nach Fachkräften. Zudem habe man für die bestehenden Lehrlinge ein Übernahmeangebot ausgesprochen.


Zur Gruppe des Unternehmens gehören insbesondere die Vorarlberger Illwerke AG, die Vorarlberger Kraftwerke AG und die Vorarlberger Energienetze GmbH. Diese drei Unternehmen bilden das Kerngeschäft ab. Dazu kommt noch der Seilbahn- und Tourismusbereich der Golm Silvretta Lünersee Tourismus GmbH.

 

Vorarlberger Nachrichten am 07.11.2018, S. D1
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Alle hassen die Trassen

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07.11.2018

Der Kampf gegen Stromleitungen und Windparks ist keine deutsche Besonderheit mehr: In ganz Europa wehren sich Anwohner gegen die Auswirkungen der Energiewende

In Europa ist der Ausbau erneuerbarer Energien ins Stocken geraten. Das liegt auch am hartnäckigen Widerstand der Menschen vor Ort. Brigitte Artmann ist eine von ihnen. Die Frau aus dem bayerischen Wunsiedel ist gegen eine Stromtrasse, die hinter ihrem Haus entlangführen soll. Die "Südostlink" genannte Hochspannungsleitung soll die energieintensive Industrie im Süden des Landes mit Strom aus norddeutschen Windkraftanlagen versorgen. So lautet jedenfalls das Argument von offizieller Stelle.
"Es ist doch völlig klar, dass momentan nur Kohlestrom transportiert werden kann", glaubt jedoch Artmann. Wenn es wirklich um Windenergie ginge, würde sie das Projekt zwar positiver sehen. "Aber auch dann würde ich fragen, ob überhaupt alles auf korrektem Wege geplant wurde." Artmann steht mit ihrer Haltung nicht allein da. In ganz Europa werden Investitionen in Milliardenhöhe von Aktivisten und Betroffenen blockiert oder hinausgezögert. Das gefährdet inzwischen sogar die Klimaschutzziele der Europäischen Union (EU).


In Frankreich etwa werden 70 Prozent der neu geplanten Windparks mit Klagen überzogen, wie Parlamentarier jüngst im "Le Figaro" vorgerechnet haben. In Irland durchkreuzen Proteste die Pläne für den Bau von Stromtrassen. In den Niederlanden fürchten Fischer, dass die geplanten Nordsee-Windparks die Fische vertreiben und die Fanggründe verkleinern. Selbst eine geplante Unterwasserstromtrasse zwischen Großbritannien und Frankreich zieht Proteste auf sich: Die Bewohner der Insel Alderney wollen das Kabel nicht in der Nähe haben. Und die polnische Regierung hat nach öffentlicher Kritik die Anforderungen an neue Windkraftanlagen derart verschärft, dass Investitionen so gut wie ganz ausbleiben.


"Oftmals glauben die Leute nicht daran, dass neue Stromleitungen auch wirklich für eine Zukunft sorgen, die nachhaltig und gerecht ist", sagt Antonella Battaglini. Sie ist Geschäftsführerin der Renewables Grid Initiative, einer Vereinigung europäischer Nichtregierungsorganisationen und Netzbetreiber, die den Trassenausbau anschieben will. "Derzeit installieren wir nicht die nötige Netzinfrastruktur, um dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gerecht zu werden."
Insgesamt sind mehr als 60.000 Kilometer zusätzlicher Leitungen nötig, damit die EU ihre Energie- und Klimaziele erreichen kann. 114 Milliarden Euro sind dafür in einem Zehn-Jahres-Plan veranschlagt, der vom Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber vorgelegt wurde. Etwa 100 der 350 vorgeschlagenen Investitionen würden jedoch nicht pünktlich zum anvisierten Termin umgesetzt werden, stellt eine andere Studie fest. Hauptgrund: Es fehlt an "lokaler Akzeptanz". "Auch wenn es auf nationaler oder europäischer Ebene nicht so auffallen mag: Überall wo gebaut wird, gibt es Widerstand", sagt Battaglini. Als vor Jahrzehnten Großteile des heutigen Netzes installiert wurden, gab es diese Haltung noch nicht. "Da galten solche Projekte als Zeichen des Fortschritts und des wirtschaftlichen Wachstums", sagt Battaglini. "Heute fragen die Leute sofort: Brauchen wir das wirklich?"


Das fragt auch Matthias Grobleben aus dem bayerischen Ort Grub. Er ist gegen den Südostlink - und spricht sich stattdessen für eine lokale Energieproduktion und ein dezentrales Stromnetz aus. "Fünf Jahre lang haben uns Politiker erzählt, dass wir Strom aus dem Norden benötigen, weil dort ja so viel Windenergie produziert wird", sagt er. "Dabei bräuchten wir doch nur Solaranlagen, um Energie aus der Region zu nutzen."


Die Regierung, findet Grobleben, "hat sich noch nie Gedanken über einen anderen Ansatz gemacht als die Ausweitung des bestehenden Netzes". Die Bundesregierung ist den Kritikern allerdings schon weit entgegengekommen: Die meisten der Stromleitungen vom Norden in den Süden müssen nach einem Beschluss aus dem Jahre 2015 unterirdisch verlegt werden. Aber das kostet nicht nur viele Milliarden Euro mehr als überirdische Trassen: Landwirte sind erzürnt, dass nun ihre Felder für den Bau ausgehoben werden.


In der EU-Kommission tut man sich oft schwer damit, die richtigen Worte für die Notwendigkeit solcher Projekte zu finden. "Wenn ich in Brüssel mit EU-Politikern über diese Akzeptanzprobleme spreche, bekomme ich oft zu hören, dass die Projekte doch gut für den europäischen Handel seien", sagt Marius Strecker vom niederländisch-deutschen Netzbetreiber Tennet. "Dass etwas gut für den europäischen Handel ist, ist jedoch das Letzte, was man den Leuten vor Ort in Bayern sagen sollte."


Bei den Anwohnern wirbt Strecker mit dem Argument, dass durch neue Stromleitungen irgendwann auch die Strompreise sinken. Doch die Skepsis überwindet er damit kaum. "Wer profitiert denn?", heißt es vor Ort: "Die Menschen in Dänemark?" Am Widerstand gegen Infrastrukturprojekte knüpfen auch Populisten an, wie etwa die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien. Und auch Polens PiS-Partei und Frankreichs ehemaliger Front National haben schon gegen Windenergie auf dem Festland gewettert, stellt Battaglini fest: "Alles, was aus Europa kommt, wird in diesen Gruppen oft als Gefahr für die lokale Identität wahrgenommen."


Verzögerungen beim Bau der Leitungen haben indes eine weitere Folge, die lokalen Aktivisten ebenso missfällt: Atom- und Kohlekraftwerke werden entsprechend länger am Netz gehalten. Die Gründe für den Widerstand gegen Infrastrukturprojekte seien vielschichtig, sagt Battaglini. Menschen machten sich Sorgen, dass die Stromleitungen und Windräder ihr Wohneigentum entwerten und Eigentumsrechte verletzen - oder die Landschaft verschandeln. Sie zeigen sich unzufrieden mit dem Planungsprozess oder fürchteten sich vor Umweltschäden. Oft möchten sie jedoch nichts weiter, als dass ihnen zugehört wird.


"Früher reichte es für die Planung einer Stromleitung aus, eine Karte zur Hand zu nehmen und eine gerade Linie von A nach B zu ziehen", sagt Rosemary Steen, verantwortlich für die Außenbeziehungen des irischen Netzbetreibers EirGrid. "Nun müssen wir bei der Konzeption der Netze die Anliegen der Menschen vor Ort mit einbeziehen." Genau das geschah vor vier Jahren, als Nord Connacht, ein Projekt von EirGrid im Westen Irlands, auf heftigen Widerstand stieß. Die Lektion daraus: Das Unternehmen begann, mit den Menschen zu reden.


"Sobald Menschen nachvollziehen können, was ihnen vorgelegt wird, verschwinden die Ängste größtenteils", hat Steen beobachtet. "Denn sie verstehen, dass sie Einfluss auf das Projekt nehmen können." Heute setzt EirGrid Vertreter vor Ort ein, die mit der lokalen Bevölkerung sprechen und Publikationen verteilen, die bereits im Titel den Ansatz der Bürgerbeteiligung in sich tragen: "Wie wir ein Stromnetz entwickeln - und wie Sie sich in die Pläne einbringen können." "Meine Generation möchte mehr Kontrolle und Einfluss als die meiner Eltern", sagt Steen. "Heute gibt es überall in Europa ein hohes Bildungsniveau. Da wollen Menschen mitreden - und werden wütend, wenn ihnen das verwehrt wird."


Das kann Strecker aus Deutschland nur bestätigen. "Wir haben gelernt, wie entscheidend es ist, alle Beteiligten von Anfang an mit einzubeziehen", sagt er. "Und es kommt auf die richtigen Worte an: Schon die Begriffe 'Dialog' und 'Beteiligung' werden völlig unterschiedlich wahrgenommen." Durch die öffentliche Mitgestaltung dauert die Umsetzung eines Projekts deutlich länger, sagt Steen: Die Verantwortlichen müssten deshalb lernen, die zusätzlichen zeitlichen und finanziellen Ressourcen einzukalkulieren, die es braucht, um die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen.


"Wir verkaufen keine iPhones oder schenken Freibier aus", räumt Strecker jedoch ein. "Komplette Zustimmung können wir daher niemals erwarten. Es geht um etwas, das die Leute zwar nicht gerne in der Nähe ihres Hauses oder in ihrem Garten haben wollen - aber durchaus bereit sind hinzunehmen, wenn sie die Gründe verstehen."

 

von Anca Gurzu in Zusammenarbeit mit Politiico
Übersetzt aus dem Englischen von Jonas Gerding.

 

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Kampf um Nord Stream 2

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Wien, 07.11.2018

Rainer Seele, Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, warnt vor teurem Flüssiggas aus den USA und verteidigt das Pipeline-Projekt. In ein LNG-Terminal will der Konzern nicht investieren.

Die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 richtet sich aus der Sicht des Öl- und Gaskonzerns OMV nicht gegen die osteuropäischen Staaten. "Nord Stream 2 wird nicht gebaut, um die Pipeline durch die Ukraine zu ersetzen. Es geht darum, die Versorgung zu diversifizieren", sagte Vorstandschef Rainer Seele auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft Österreich in Wien. "Wir haben derzeit nur eine einzige Monopolroute durch die Ukraine. Das ist für mich kein guter Zustand", ergänzte der 58-jährige Chef des größten Unternehmens in Österreich.


Aus der Sicht des teilstaatlichen Energiekonzerns ist das russische Gas wichtiger denn je. "Die Eigenproduktion von Gas geht in Europa schneller zurück als prognostiziert", warnte der frühere CEO der BASF-Tochter Wintershall. Von 130 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2016 würde die Förderung von Erdgas auf 85 Milliarden Kubikmeter in diesem Jahr sinken. Insbesondere Großbritannien und die Niederlande würden künftig als traditionelle Gasförderländer ausfallen. "Europa muss deutlich größere Mengen an Gas importieren. Die Versorgungssicherheit steht auf der Tagesordnung", mahnte der OMV-Chef.


Erst am Wochenende hatte Seele Gazprom-CEO Alexej Miller in St. Petersburg getroffen. Die beiden Konzernchefs schlossen dort einen Vertrag mit der Garantie für zusätzlich eine Milliarde Kubikmeter Gas pro Jahr für OMV. "In den vergangenen Jahren erzielte Gazprom neue Exportrekorde nach Österreich. Allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind die Gaslieferungen um ein Drittel im Vergleich zur selben Periode des Vorjahres gestiegen und haben 8,8 Milliarden Kubikmeter erreicht", sagte Miller angesichts der Ausweitung des Exports.


Ablehnung aus Osteuropa OMV pflegt seit mehr als 50 Jahren eine enge Partnerschaft mit dem weltgrößten Gaslieferanten aus Russland. "Wir sind gut zahlende Kunden. Gazprom braucht jeden Euro von uns", sagte Seele selbstbewusst. Bereits Ende 2019 soll durch die 1 230 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 russisches Gas nach Deutschland fließen. Die 9,5 Milliarden Euro teure Leitung wird von Gazprom, Wintershall, Uniper sowie den Ölkonzernen OMV, Shell und dem französischen Energieunternehmen Engie finanziert.


Nord Stream 2 ist die Erweiterung der bereits bestehenden Nord-Stream-Erdgas-Pipeline. Die Gasleitung mit einem maximalen Volumen von jährlich 55 Milliarden Kubikmetern wird in Lubmin bei Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) anlanden. Die Kapazitäten auf der Pipelinetrasse werden sich mit Nord Stream 2 verdoppeln.


Zahlreiche osteuropäische Länder wie Polen und die baltischen Staaten lehnen die neue Gasleitung jedoch ab. Vor allem die Ukraine kritisiert das Projekt lautstark. Das Land fürchtet um rund zwei Milliarden Euro Einnahmen aus Transitgebühren pro Jahr. Das Geld aus Moskau ist ein wichtiger Posten im Staatshaushalt der ehemaligen Sowjetrepublik. Die USA bekämpfen die Ostsee-Gasleitung hingegen nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen. Angesichts der riesigen Mengen an Schiefergas würden die Amerikaner liebend gerne Flüssiggas, in der Branche LNG genannt, in großen Mengen nach Europa liefern.


Auf der Handelsblatt Energie-Tagung in Wien warnte Seele davor, in Zukunft auf Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten zu setzen. "Das Flüssiggas aus den USA kostet ein Drittel mehr. Die Politik ist am wenigsten bereit, uns eine Prämie für den Einkauf von LNG zu zahlen", sagte der Vorstandschef. "Wir können es uns in Europa nicht leisten, teures Erdgas einzukaufen und durch höhere Energiepreise an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren." Investments in ein LNG-Terminal lehnte er für den eigenen Konzern ab.


50 Prozent des Gases in Österreich kommen aus Russland. Deutschland hingegen will den Bau eines Flüssiggasterminals beschleunigen, betonte Kanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in Polen am vergangenen Freitag. Dennoch droht sich der Konflikt mit den Amerikanern zuzuspitzen. Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, erwartet eine Eskalation Anfang 2019. "Darauf müssen wir uns einstellen", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters.


OMV versucht unterdessen, seine Erdgasförderung eigenständig zu diversifizieren, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern. "Wir werden die Produktion in einem norwegischen Gasfeld aufnehmen, und wir investieren in die Gasproduktion in Nordafrika", sagte Seele. In dem nordafrikanischen Bürgerkriegsland Libyen ist der Wiener Konzern seit Jahrzehnten engagiert. Doch wegen beschädigter Pipelines und Häfen kommt es dort immer wieder zu Unterbrechungen. "Nordafrika macht mir am meisten Sorgen", bekannte der Vorstandschef offenherzig.


In Tunesien verkauft OMV zum Jahreswechsel einen Teil seiner Ölförderung für 65 Millionen Dollar an das britische Öl- und Gasunternehmen Panoro Energy ASA. Damit will der Konzern sein Portfolio optimieren, sagte Konzernvize Johann Pleininger am Dienstag.


Dänemark unter Druck Ob Nord Stream 2 so schnell fertig gebaut werden kann wie ursprünglich geplant, ist jedoch weiterhin unklar. Denn während andere skandinavische Länder wie Finnland und Schweden die Gasleitung längst genehmigt haben, hadert Dänemark mit dem Projekt. Der politische Druck auf das kleine EU-Land insbesondere vonseiten der USA sei gewaltig, berichten Insider. Deshalb wurde über den im April 2017 gestellten Antrag noch nicht endgültig entschieden. Nach den ursprünglichen Planungen sollten 87 Kilometer durch die Territorialgewässer vor der dänischen Insel Bornholm verlaufen.


In seiner Not hat das Nord-Stream-2-Konsortium unter Federführung des teilstaatlichen Gasriesen Gazprom mittlerweile sogar eine Alternativroute von 174 Kilometern nördlich der dänischen Ostsee-Insel entwickelt. Mitte August wurde ein entsprechender Antrag eingereicht. Die dänische Regierung hat über ihre staatliche Energieagentur einen dreimonatigen Zeitraum für die Beteiligung der Öffentlichkeit initiiert - mit offenem Ausgang.


Nord Stream 2 versucht unterdessen, Fakten zu schaffen. "Wir haben bereits rund 200 Kilometer der Pipeline in der Ostsee verlegt", sagte ein Sprecher des im schweizerischen Zug ansässigen Unternehmens dem Handelsblatt. In deutschen Gewässern ist das Schiff "Audacia" zum Verlegen der zwölf Meter langen und 24 Tonnen schweren Rohre unterwegs. Dort sollen die Arbeiten vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bis Jahresende abgeschlossen sein.


ZITATE FAKTEN MEINUNGEN
Europa kann es sich nicht leisten, teures Erdgas einzukaufen und an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Rainer Seele OMV-Chef
Weblink
 

 

 

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Ab Samstag suchen Stadtwerke neue Chefs

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07.11.2018

Aufsichtsrat beschloss die Erhöhung des Stromtarifs mit Beginn des Jahres 2019.

Es war nur noch ein formaler Beschluss notwendig, dennoch soll es gestern im Klagenfurter Stadtsenat heftige Diskussionen über die anstehende Strompreiserhöhung gegeben haben. Letztlich wurde die Preisanpassung aber mehrheitlich beschlossen. Der Gesamtstrompreis steigt damit ab Jahresbeginn 2019 um 3,8 Prozent, ein durchschnittlicher Haushalt zahlt damit 32 Euro mehr pro Jahr. Für Kunden der Stadtwerke bedeutet die Preisanpassung ein außerordentliches Kündigungsrecht.


Dagmar Onitsch, Betriebsratsvorsitzende und Mitglied des Aufsichtsrates, verteidigt den Schritt: „Diese Preisanpassung ist notwendig, damit das Unternehmen lebensfähig bleibt. Und wir sind schließlich nicht die Einzigen, die den Preis erhöhen.“ Sie betont zudem, dass der Anlass der Preiserhöhung die Trennung der Strompreiszone Deutschland/Österreich sei, dadurch steigen die Kosten für CO2-Zertifikate und die Einkaufspreise für den Strom.


Widerstand gegen die Preiserhöhung gibt es weiterhin von der FPÖ. Stadtparteichef Wolfgang Germ: „Ich hätte eine klare Strategie der Vorstände gebraucht und Antworten auf die Frage, ob diese Strompreiserhöhung weitere ausschließe.“ Diese wollen die Vorstände dem Aufsichtsrat im Dezember nachreichen.


Auch in der zweiten Stadtwerke-Debatte, die derzeit öffentlich geführt wird, bezieht Betriebsratschefin Onitsch klar Stellung: Von einer eventuellen Neubesetzung des Vorstandes, erwarte sie sich „ein Klima und eine Zusammenarbeit, in dem die mehr als 800 Mitarbeiter wieder mit Stolz und Energie daran arbeiten, dass wir ein Leitbetrieb sind“. Am Samstag solle die von Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) in ihrer Funktion als Eigentümervertreterin beauftragte Ausschreibung der Vorstand-Positionen veröffentlicht werden. Dem Vernehmen nach, ist die Ausschreibung bewusst „sehr offen gestaltet“.

 

von Thomas Cik

 

Kleine Zeitung am 07.11.2018, S. 20
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Wärmeversorger Kelag voll im Zeitgeist

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07.11.2018

National über 10 Mio. Euro. Sieger ist Marktführer bei Nutzung von industrieller Abwärme und Bioenergie.


Seit diesem Sommer tritt das Unternehmen Kelag Wärme GmbH unter dem neuen Namen Kelag Energie & Wärme GmbH auf. Der Grund dafür ist einfach: Bis 1. August war das Unternehmen im Wärmegeschäft tätig. Nun übernimmt man auch den Vertrieb für die Produkte Strom und Gas für den Mutterkonzern Kelag - allerdings nur für Großkunden. Während die Mutter selbst in Kärnten Landesenergieversorger ist, agiert das Tochterunternehmen als österreichweit aufgestelltes Unternehmen und ist in allen Bundesländern, bis auf Vorarlberg, in rund 80 Fernwärmenetzen vertreten. "Wir betreuen 900 Heizzentralen, die für die Beheizung von Wohnanlagen dienen", sagt Adolf Melcher, der gemeinsam mit Günther Stückler Geschäftsführer der Kelag Energie & Wärme ist.
1988 war Kelag in Kärnten eines der ersten Unternehmen, das mit Fernwärmeprojekten startete. Es kaufte in der Folge mehrere Betriebe, wie 1999 von Shell die Wärmebetriebe GmbH und 2007 von Esso die österreichische Fernwärmegesellschaft. Aus dieser Fusion entstand die heutige Kelag Energie & Wärme.


Erfolgsfaktoren


Das Unternehmen setzt auf Kundenorientiertheit. Damit das gelingt, bedarf es verlässlicher Mitarbeiter, und so verwundert es nicht, dass Melcher sagt: "Erfolgreich machen uns vor allem unsere 200 Mitarbeiter." In der Regionalstruktur gliedert sich der Villacher Wärmeprofi in viele Gruppen auf, von denen keine mehr als 50 Personen stark ist. "Das schafft hohe Motivation und Identifikation mit den Aufgaben und mit dem Kunden", ist Melcher überzeugt.


Großer Nachhaltigkeitsplayer


Der große Wärmeversorger spielt auch kräftig bei der Nachhaltigkeit mit. "Das macht die Kelag schon seit 50 Jahren. Heute ist es auf einmal Zeitgeist", sagt der Geschäftsführer. Das spiegelt sich in sehr großen industriellen Abwärmeprojekten wider. So verwertet das Kärntner Unternehmen etwa die Abwärme der Voest in Linz und in Trofaiach (Stmk.). Fernwärme gewinnt Kelag Energie & Wärme auch aus Biomasse und hat damit schon früh auf Versuche mit neuen Technologien gesetzt. Besonders originell etwa das Projekt "Brauquartier" in Graz, bei dem die Bierwärme durch eine dazwischengeschaltete Wärmepumpe genutzt wurde, um 800 Wohnungen mit Wärme zu versorgen. Melcher: "Früher war es den Menschen egal, wie die Wohnung warm wird, mittlerweile setzt ein Bewusstseinswandel ein, und die Kunden bestehen beim Heizen auf ein gutes Gewissen. Deshalb lassen sich heute solche Produkte viel leichter verkaufen."


2. Platz


Leeb ist Europas führender Balkonhersteller
Leeb aus Gnesau im Bezirk Feldkirchen entwickelte sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten vom kleinen Familienbetrieb zu Europas führendem Hersteller von Balkonen und Zäunen. Markus und Roswitha Leeb setzten 2017 mit ihren 165 Mitarbeitern rund 33 Millionen Euro um. Im Fokus des Unternehmens liegen maßgeschneiderte Balkongeländer und Zäune aus heimischem Holz und Alu. Zur Auswahl stehen mehr als 200 Zaun- und Balkonmodelle. Viele Gütesiegel sprechen für die hohe Qualität der Produkte. Leeb ist das einzige europäische Balkonbauunternehmen, das die strenge Qualitätsnorm ISO 9001 erfüllt.


3. Platz


Sto verbindet Innovationskraft und Funktionalität
Die Sto GmbH mit Sitz in Villach ist eine Tochter der deutschen Sto AG. Sto gilt als Technologieführer im Bereich Wärmedämmung. "Profitables Wachstum ist schon seit Jahren die klare Strategie der Sto GmbH", sagt CEO Walter Wiedenbauer. "Nachhaltigkeit, Technologieführerschaft, exzellentes Service, soziale Kompetenz bilden die Basis unseres Geschäftserfolgs. Umgesetzt wird die Strategie von leistungsstarken, erfahrenen und loyalen Teams in allen Regionen Österreichs, Kroatiens und Sloweniens - gepaart mit dem Willen zum Erfolg." 2017 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro.
 

 

 

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Grüne wollen mehr Klimaschutzeinsatz der Ratspräsidentschaft

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Brüssel, 07.11.2018

Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft sei bisher beim Klimaschutz "kein Totalversager", es könnte aber noch viel mehr getan werden, hat der grüne Europaabgeordnete Thomas Waitz am Mittwoch in Brüssel betont. So erhoffe er sich bei der Wegekostenrichtlinie und bei der Strommarktverordnung etwa substanzielle Erfolge. Bei der UNO-Klimakonferenz COP24 in Katowice sei Führungsqualität gefordert.

Auch "sollte Österreich aufhören, die Interessen der Erdölindustrie zu vertreten", forderte Waitz ein klares Statement gegen Nord Stream 2. Europas Rolle als reichste Region der Welt müsste es sein, "wesentlich sinnvollere Energie in Form von Sonne und Wind zu schaffen", statt Geld für Öl und Gas in Autokratien wie Russland und Saudi-Arabien zu pumpen. Wichtig wäre es auch, endlich darüber zu sprechen, "wie viel Geld in Dinosaurier-Technologien" fließe, so Waitz. So gebe es weiter Subventionen für Kohle und Gas oder das extrem-klimaschädliche Kerosin, was dazu führe, dass Zugtickets immer noch teurer seien als Flugtickets.

"Bisher war die Regierung nur dort aktiv, wo es den wirtschaftlichen Interessen nicht schadet", sagte Waitz. So habe Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) die Einigung im Rat, dass Neuwagen im Jahr 2030 durchschnittlich um 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen sollen als 2020, als großen Erfolg verkauft. Mit der Stimme Österreichs wäre aber auch ein qualifizierte Zweidrittelmehrheit für eine Reduktion um 40 Prozent möglich gewesen, so Waitz. Aus Rücksicht auf die Autozulieferungsindustrie im Land habe dies die Ratspräsidentschaft jedoch verweigert. Die Hoffnung, "dass die Regierung auf einen vernünftigen Pfad findet", wolle er aber nicht aufgeben.

Die parteifreie Nationalratsabgeordnete Martha Bißmann, mit der es laut Waitz eine rein sachpolitische Kooperation gebe, betonte, "die Klimastrategie der österreichischen Ratspräsidentschaft hat viele Mängel". So würden immer noch "3,8 bis 4,7 Milliarden Euro in die Subvention fossiler Brennstoffe fließen", so das ehemalige Liste Pilz-Mitglied. Allein durch die 120 Kilometer lange Teststrecke mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 140 km/h würden jährlich zusätzlich 40.000 Tonnen CO2 ausgestoßen und die Feinstaubbelastung um 20 Prozent zunehmen. Stattdessen brauche es eine öko-soziale Steuerreform wie in Schweden, die klimaschädliches Verhalten bestrafe, die Menschen bei der Lohnsteuer dafür im Gegenzug aber entlastet werden, so Bißmann.

Susann Scherbath von der NGO Friends of the Earth äußerte die Hoffnung, dass Österreich nach zwei Jahren Verhandlung noch das Clean Energy Paket abschließen könne. Die "Zeit läuft davon" für ein Europa ohne fossile Brennstoffe, so Scherbath, daher erwarte sie sich ein klares Signal der Ratspräsidentschaft, dass die Übergangsphase endlich beginne. Joanna Flisowska vom Climate Action Network Europe kritisierte, dass der Rat Subventionen für Kohle über 2025 hinaus erlauben will. Hier müsse Österreich Führungsqualität zeigen, denn "weitere Subventionen für Kohle sind inakzeptabel".

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Probleme an belgischen Atommeilern machen Engie zu schaffen

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Paris, 07.11.2018

Die Abschaltung von Kernkraftwerken in Belgien hat dem französischen Versorger Engie im dritten Quartal zu schaffen gemacht. Für das laufende Jahr rechnet Engie-Chefin Isabelle Kocher deshalb im Kernkraft-Bereich mit einem operativen Verlust (Ebitda) von rund 600 Mio. Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Paris mitteilte.

Im Gesamtjahr dürften die belgischen Kernkraftwerke des Konzerns nur zu rund 52 Prozent in Betrieb sein. Mängel an belgischen Atommeilern sind immer wieder Grund zur Sorge. Für das Gesamtjahr erwartet Kocher einen bereinigten Nettogewinn von etwa 2,45 Mrd. Euro. Das ist das untere Ende der eigentlich angepeilten Spanne und hängt zudem davon ab, dass der Konzern seine Atomreaktoren in Belgien wie geplant wieder anfahren kann. Das Ebitda soll etwas unterhalb der ursprünglich erwarteten 9,3 bis 9,7 Mrd. Euro herauskommen.

In den ersten neun Monaten erzielte Engie trotz der Probleme einen Umsatz von 43,0 Mrd. Euro und damit 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging um 0,3 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro zurück. Organisch und bei stabilen Währungskursen wäre ein Plus von 5,0 Prozent herausgekommen. Nach den ersten sechs Monaten hatte der Zuwachs allerdings noch einen Prozentpunkt höher gelegen.

Engie hat sich von zahlreichen Geschäftsteilen getrennt, den Anteil an Kohlestrom reduziert und will sich verstärkt auf umweltfreundliche Energien und seine Stromnetze konzentrieren. In Belgien betreibt der Konzern jedoch noch die wegen technischer Mängel umstrittenen Atommeiler Tihange und Doel.