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Die Klimaneutralität in der EU bis 2050 ist gescheitert

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Brüssel , 26. Jun. 2019

Staats- und Regierungschefs erzielen keinen Konsens über ambitioniertere Klimaziele – derweil halten die Diskussionen über EU-Chefposten an 

«Gestern war ich vorsichtig optimistisch», schreibt EU-Rats-Präsident Donald Tusk auf dem Nachrichtendienst Twitter. Und fährt fort: «Heute bin ich mehr vorsichtig als optimistisch.» Der Pole versucht im Auftrag der EU-Staats- und Regierungschefs die Besetzung der höchsten Ämter der EU voranzutreiben. Im Einklang mit der Stimmung von Tusk verdichtete sich am Donnerstag der Eindruck, dass es wohl an diesem Gipfel noch nicht für einen Konsens im Streit um die Spitzenposten reichen dürfte. 

Bei dem ebenfalls lange diskutierten Thema Klimaschutz sah es zunächst besser aus. «Wir wollen uns auch verpflichten, Klimaneutralität bis im Jahr 2050 zu erreichen», sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel. Auch Irlands Premierminister Leo Varadkar und die Kanzlerin von Österreich, Brigitte Bierlein, sprachen sich dafür aus. Doch aufgrund des Widerstands aus Polen, Tschechien, Estland und Ungarn kam keine Einigung zustande. Dazu hätte es Einstimmigkeit gebraucht. 
Bereits in der Vergangenheit standen Länder wie Polen, Tschechien, Kroatien, Estland, Litauen und Rumänien bezüglich Klimaschutz abseits oder bremsten. Sie fürchten aufgrund der für ambitioniertere Ziele nötigen Massnahmen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. 

Zudem spielt selbstverständlich der Energiemix eine grosse Rolle. Während beispielsweise Frankreich dank Atomkraftwerken im Bereich CO2-Reduktion gute Voraussetzungen hat, sind in Ländern wie Polen, die stark von Kohlekraftwerken abhängig sind, diesbezüglich deutlich grössere Anstrengungen gefragt. 
Trotz diesem Scheitern wurde augenscheinlich, dass auch ohne einen eigenen Vertreter im Europäischen Rat die Themen der grünen Parteien nach deren erfolgreichem Abschneiden bei den Europawahlen auch bei den Staats- und Regierungschefs derzeit präsenter sind. 
Im November hatte die EU-Kommission dafür plädiert, dass die EU bis 2050 klimaneutral wird. Das bedeutet, dass sämtliche Treibhausgasemissionen, wie zum Beispiel Kohlenstoffdioxid (CO2), entweder eliminiert oder kompensiert werden. Dadurch will man die Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen einhalten und dazu beitragen, die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
 
Im Gegensatz zu den USA bekennt sich die EU aber weiterhin zu ihren Verpflichtungen aus dem Klimaabkommen. Dazu hat die EU Ende 2018 einen rechtsverbindlichen Rahmen verabschiedet. Demnach müssen die Mitgliedstaaten bis Ende 2018 provisorische und bis Ende 2019 endgültige Zehnjahrespläne vorlegen, wie sie die für 2030 vereinbarten Energie- und Klimaziele zu erreichen gedenken. So will die EU die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 um 40% verringern, die Energieeffizienz soll um 32,5% gesteigert werden, der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen dann 32% ausmachen, und CO2-Emissionen von neuen Autos und Lastwagen will man um zwischen 30 und 37,5% verringern. 
Die Kommission hat am vergangenen Dienstag ihre Auswertung der provisorischen Klimaberichte der Mitgliedstaaten veröffentlicht. Demnach sind in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz zusätzliche Anstrengungen nötig, um die Ziele bis 2030 zu erreichen. Die Länder müssen laut der Richtlinie die Empfehlungen der Kommission «gebührend» beachten oder darlegen, wieso sie das nicht tun. Die Kommission kann aufgrund fehlender verbindlicher nationaler Ziele die Vorgaben aber nicht durchsetzen. Kritiker sagen, eine Ausweitung des Emissionshandels wäre effizienter und würde für weniger Berichte und weniger Administration sorgen. 

Ferner einigten sich die Regierungschefs auf die weitere Verlängerung der im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen um sechs Monate. In einem Entwurf der Gipfelschlussfolgerungen riefen sie Russland dazu auf, die in der Meerenge von Kertsch gefangenen ukrainischen Matrosen freizulassen und die freie Schifffahrt zu gewährleisten. Kritik gab es auch bezüglich der Vergabe russischer Pässe in der Ostukraine. Erwartet wurde überdies, dass die EU-Regierungschefs Zypern im Streit um türkische Bohraktivitäten vor der zypriotischen Küste den Rücken stärken. 
 

Neue Zürcher Zeitung, von Christoph G. Schmutz
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Gasversorgung soll grün werden

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26. Jun. 2019

100 Prozent Gas aus erneuerbaren Quellen bis 2050 soll möglich sein.

Wie bei Strom soll auch bei Gas die Versorgung in Österreich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden können, wenn auch nicht bis 2030, sondern bis zum Jahr 2050. Der Fachverband Gas Wärme spricht von "gewaltigen Potenzialen" bei Methangas aus Biomasse. Diese soll aus enormen Mengen an Schadholz, aber auch anderen land-und forstwirtschaftlichen Reststoffen kommen.
Der Verband verweist auf eine Studie von "Bioenergy 2020+",einem Grazer Forschungszentrum. Demzufolge besteht für das Jahr 2050 ein Biomassepotenzial für die Herstellung von 4 Mrd. Kubikmeter erneuerbarem Gas, was ungefähr dem heutigen halben jährlichen Erdgasverbrauch Österreichs entspricht. Zugleich müsse aber auch der Verbrauch gedrosselt werden.
Von der Politik wünscht man sich "Anreize".So begrüße man etwa Begünstigungen für erneuerbares Gas im Zuge der geplanten Steuerreform sowie die Verankerung eines marktbasierten Fördermodells. Es brauche aber stabile Rahmenbedingungen. 

Tiroler Tageszeitung
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DHL Campus eröffnet

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26. Jun. 2019

Das rotgelbe Firmen-Logo über dem nagelneuen Bürogebäude ist nicht zu übersehen: Mit DHL hat Fischamend nach „cargo-partner“ und „Makita“ einen weiteren erfolgreichen „Global Player“ an Land ziehen können. Der deutsche Post-Riese hat seine Österreich-Zentrale zwischen Fischamend und Flughafen in Betrieb genommen und sorgt für neuen Schwung auf dem Arbeitsmarkt. Fischamends Bürgermeister Thomas Ram: „Der Konzern schafft 250 neue Arbeitsplätze in der Region. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Gemeindeeinnahmen aus. Auch die Gastronomie, Handel, Gewerbe und Dienstleister in Fischamend profitieren von unserem neuen Nachbarn“. 

DHL hatte sich für Fischamend statt Wien entschieden, zum einen wegen der direkten Anbindung an den Flughafen zum anderen wegen der Nähe zur A4 und damit zu Wien. Der Campus dient als Fracht-Terminal und nicht als Verteilerzentrum für Endverbraucher. Die Hälfte der Waren wird für den Luft- bzw. Seeweg umgeschlagen. 

Flughafen-Vorstand Günther Ofner: „Durch den DHL-Campus Wien werden Arbeitsplätze geschaffen und damit auch weitere Anreize für andere Betriebe gesetzt, sich hier anzusiedeln.“ Auch NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ist voll des Lobes: „Die Betriebsansiedlung des weltweit führenden Logistikunternehmens DHL in Fischamend ist ein großer Vertrauensbeweis in den Wirtschaftsstandort Niederösterreich.“ Bei der mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik gefeierten Eröffnung gab es auch einen Einblick in das moderne Logistikzentrum. DHL legte schon beim Errichten des neuen Standortes hohen Wert auf nachhaltige Bauweisen und den Einsatz von erneuerbaren Energien. Zudem hat Bürgermeister Ram eine Vereinbarung mit DHL-Österreich-Chef Christoph Wahl getroffen: „Auch wenn die Güter auf der Straße ohnehin großteils in Richtung Flughafen und Wien transportiert werden, sind wir übereingekommen, dass Fahrzeuge vom DHL Standort grundsätzlich den Weg zur A4 und Richtung Osten die Flughafen-Abfahrt nehmen.“ 

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"Die Energiewende hat eine massive Umverteilung gebracht"

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26. Jun. 2019

Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum über die europäische Energiepolitik, Entlastung bei den Strompreisen und mehr Sektorkopplung 

Herr Birnbaum, Sie sind kürzlich zum Vizepräsidenten des Branchenverbandes Eurelectric gewählt worden. Doch der Streit um Nord Stream 2 spaltet Europa und die Strompreise divergieren immer stärker. Nimmt Europas Relevanz in der Energiepolitik gerade ab? 
Das kann ich nicht erkennen. Der Emissionshandel hat eine überragende Bedeutung und ist europäisch. Das Clean Energy Package sortiert den Energiemarkt neu und ist europäisch. Die auch für Deutschland hoch relevanten Klimaschutzregeln sind europäisch. Die neuen Regeln für den europäischen Gasmarkt, die jetzt kommen, die Förderung großer Infrastrukturprojekte - alles europäisch getrieben. Europa hat der Weiterentwicklung der Energiewirtschaft besonders im Sinne der Kunden unglaublich gutgetan. 

Zum Beispiel? 
Die Einführung des Auktionsmodells bei den Erneuerbaren beispielsweise - Wettbewerb zum Nutzen der Stromkunden - ging von Europa aus. Das war ein ganz wichtiger Impuls für Deutschland. Und der grenzüberschreitende Stromhandel ist mit einer Effizienz möglich, die vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar war. Das trägt bei uns und in anderen Ländern zur Versorgungssicherheit bei. 

Die Versorgungssicherheit ist angesichts des Kohleausstiegs und des Ziels von 65 Prozent Erneuerbaren bis 2030 ein Riesenthema in Deutschland. Wie bekommt man da eine europäische Koordination hin? 
Wir können Versorgungssicherheit nur europäisch denken - im Gasmarkt zum Beispiel ist das völlig evident: Für die osteuropäischen Länder gibt es keine Versorgungssicherheit außer im europäischen Kontext. Aber auch Deutschland könnte seinen Atom- und seinen Kohleausstieg kaum bewältigen, ohne in ein europäisches System eingebunden zu sein. Lösungen müssen jetzt erarbeitet werden. 

Was genau muss erarbeitet werden? 
Wenn wir wissen, welchen Pfad wir gehen wollen, müssen wir sehen, welche Mittel wir dazu einsetzen und wie unsere Nachbarländer sich dazu positionieren. Wir sollten - und das Wirtschaftsministerium hat damit begonnen - mit unseren Nachbarn diskutieren und sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Daraus wird dann ein Gesamtpaket entstehen, das die Branche abarbeiten muss. Wir brauchen tatsächlich einen koordinierten Ansatz. Deutsche Kraftwerke sichern doch schon längst Frankreichs Strommarkt ab und andersherum.
 
Versorgungssicherheit ist das eine, die EU-Kommission strebt aber auch eine zunehmende Elektrifizierung an, um die Klimaziele zu erreichen. Klappt das? 
Für einen umfassenden Klimaschutz müssen wir die Sektorkopplung vorantreiben, auch der Wärme- und der Mobilitätsmarkt müssen ihren Anteil beitragen. Hier wird die Elektrifizierung immer wichtiger werden, denn so wird die Energie aus Wind und Sonne beispielsweise auch für Mobilität oder zum Heizen nutzbar. Wir müssen außerdem die Rolle der Verteilnetzbetreiber stärken. Wir müssen Roadmaps zur Elektrifizierung anlegen, in denen wir berücksichtigen, wo die einzelnen Länder starten - auch in Bezug auf die Zahlungsfähigkeit der Kunden. Wenn wir diese Roadmaps haben, können wir das elektrifizierte Energiesystem der Zukunft aufbauen - aber nicht vorher, weil sonst die Investitionssicherheit fehlt. Gerade in Deutschland ist unklar, wo bei Power-to-X die Reise hingehen soll. Über die Berücksichtigung in den Netzentwicklungsplänen ist die Sache bislang nicht hinausgekommen. 

Wie schaffen wir Investments in diese Technologien, die noch am Anfang der Lernkurve stehen? 
Man kann in einem Reallabor zeitlich und in der Größe begrenzt von den Marktbedingungen abweichen, um zum Beispiel Erfahrungen zur Integration von Power-to-Gas-Anlagen in die Energiesysteme zu erhalten. Bei Marktreife sollte dann direkt ein Auktionsmodell eingeführt werden. Auktionen bedeuten, dass die Preise durchaus über den Marktpreisen für Energie liegen können, aber eben auch dem vollen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind. Sie haben ja schon gehört, dass ich das bei den Erneuerbaren für einen sehr guten Schritt gehalten habe. Was wir nicht mehr machen sollten, sind Fördersysteme mit zeitlich und finanziell offenem Ende. Das war der Fehler in der Anfangsphase der Energiewende. 
Was dem Ansehen der Energiewende erheblich geschadet hat. 
Die Energiewende hat tatsächlich eine massive Umverteilung von unten nach oben gebracht, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Teilen Osteuropas, wo die Bürger teils exzessiv mehr bezahlen müssen und relativ wenige davon profitiert haben. Deshalb müssen wir auf den Roadmaps soziale Akzeptanz erreichen und eine weitere Umverteilung ausschließen. 

Welches Tempo streben Sie an? 
Wir wollen als europäische Stromwirtschaft im Jahr 2045 komplett dekarbonisiert sein, dieses Ziel hat sich Eurelectric gesetzt. Daneben haben wir eine ganze Palette an weiteren Zielen. Aber fast für wichtiger halte ich, dass wir uns jetzt auf die kommenden fünf Jahre konzentrieren. Die schnellen ersten Schritte sind jetzt wichtiger als das Setzen zusätzlicher Langfristziele. 

Das bedeutet, Sie wollen rasche Entscheidungen der neuen EU-Kommission? 
Der Handlungsdruck ist hoch, und wenn die europäische und nationale Ebene nicht handeln, werden sie von den Ereignissen überrollt. E-Mobilität wird massiv kommen. Der Massen-Rollout wird anfangen zu wirken und ein ganz anderes Marktverständnis mit sich bringen. Wir werden in Deutschland die Kernkraftwerke endgültig abschalten. Es werden die ersten Kohlekraftwerke aus dem Markt genommen und dann ersetzt werden müssen. Wir müssen in dieser Zeit die großen Transportleitungen bauen und Projekte über die Landesgrenzen hinweg schaffen. 

Das wird teuer. 
Völlig unabhängig von Regulierung werden wir in den nächsten fünf Jahren schon jede Menge Veränderung im System bemerken. Ich sehe deshalb vor allem eine vordringliche Aufgabe für Eurelectric: diesen Prozess begleiten, ordnen, effizient machen. Dazu müssen zum Beispiel die Preissignale für die Sektoren außerhalb der Stromwirtschaft neu gesetzt werden. Und wir sollten - europäisch koordiniert - über eine Entlastung der Stromkunden nachdenken, die für diese greifbar und nicht abstrakt ist. 

Sehen Sie eine Möglichkeit, Gebäude und Verkehr in den EU-Emissionshandel (ETS) einzubeziehen? 
Ja, die sehe ich langfristig. Allerdings hat Eon bewusst eine CO2-Besteuerung beispielsweise über eine Neujustierung der Energiesteuern vorgeschlagen, die gleichzeitig eine Entlastung des Strompreises vorsieht. Das lässt sich bereits auf der nationalen Ebene umsetzen. Das EU-ETS mag zu einem gegebenen Zeitpunkt auch verändert werden, und Unterstützung gibt es zum Beispiel unter anderem von Schweden, Dänemark und Frankreich. Aber bis dahin wäre eine nationale Abgabe der schnellere Schritt. 

Auch, weil die osteuropäischen Staaten blockieren werden? 
Möglich. Wir sollten aber generell akzeptieren, dass wir nicht mehr als europäischer Oberlehrer in Sachen Energiewende und Klimaschutz auftreten können. Dazu ist zu viel schiefgelaufen in Deutschland. Unterschätzen Sie nicht, dass diese Länder ihre eigenen Schlüsse ziehen - zum Beispiel ist die Windkraft in Polen im Kommen, weil sie nun eine günstige Alternative ist. Es lohnt sich, geduldig am europäischen Konsens zu arbeiten, auch wenn es Kompromisse erfordert und man andere Prioritäten akzeptieren muss. Eine einseitig nationale Energiepolitik ist gar nicht mehr vorstellbar - man kann es bloß so gut machen, dass sich andere ein Beispiel daran nehmen. 

Das Gespräch führten Christian Schaudwet und Jakob Schlandt. 
Leonhard Birnbaum verantwortet im Vorstand von Eon als Chief Operating Officer unter anderem die erneuerbaren Energien und die Integration von Innogy. Der promovierte Chemieingenieur, 1967 in Ludwigshafen geboren, begann seine Karriere als McKinsey-Berater. 2008 kam er zu RWE, wo er im Vorstand als Chefstratege bis 2013 wirkte. Dann wechselte Birnbaum zu Eon. Der Düsseldorfer Konzern hat sich im Zuge der Energiewende von fossilen Energieträgern getrennt und steht nun auf drei Beinen: Verteilnetze, erneuerbare Energien und Kundenlösungen. Eon kam zuletzt mit rund 43 000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von gut 30 Milliarden Euro. 

Versorgungssicherheit können wir nur europäisch erreichen, sagt Leonhard Birnbaum.

Tagesspiegel
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Volksbegehren, Volksabstimmung: Was die Klimaschützer fordern

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26. Jun. 2019

 Raus aus Öl und Gas.

Im Herbst soll über konkrete Maßnahmen abgestimmt werden. Wissenschafter legen eigenen Plan vor. Die Politik kommt beim Klimaschutz durch Zivilgesellschaft und Wissenschaftscommunity immer stärker unter Druck. 

Seit Montag liegen die konkreten Forderungen des "Klimaschutzvolksbegehrens" auf, kommende Woche präsentiert die Wissenschaft einen konkreten Plan, wie die Republik ihren Verpflichtungen bis 2030 nachkommen soll. Und der Verein "Wir entscheiden Klima" will zudem in den nächsten Tagen die Pläne konkretisieren, die in eine Volksabstimmung über den Klimaschutz münden sollen. 
Aber der Reihe nach: Am Montag präsentierten die Initiatoren des "Klimavolksbegehrens" ihr Begehren an die Politik. Es sind vier schlanke Forderungen: 
Verfassungsgesetz Der Klimaschutz soll in der Verfassung verankert werden, damit "auf allen staatlichen Ebenen dem Klimaschutz als öffentliches Interesse Priorität eingeräumt wird". 
Null-Emission bis 2040 Treibhausgase sollen bis 2030 halbiert werden, bis 2040 soll Österreich gar keine Treibhausgase emittieren. 

Öko-Steuerreform Eine ökologische und soziale Steuer- und Abgabenreform: Klimaschädigende Subventionen abbauen, zukunftsfähige und sozial gerechte Klimasteuer auf Treibhausgase einführen. 
Nachhaltiger Verkehr "Es muss allen Menschen möglich sein, nachhaltig zu leben. Deshalb soll in ein gut ausgebautes, breit leistbares öffentliches Nah- und Fernverkehrsnetz und leistbare, regionale erneuerbare Energie für alle investiert werden." 

"Unsere Forderungen wurden intern ausgearbeitet. In einem mehrstufigen Abstimmungsprozess haben wir allerdings mit den großen Umweltorganisationen, Wissenschaftern des CCCA (Climate Change Center Austria, Anm.) und zivilgesellschaftlichen Experten die Forderungen noch finalisiert, um ein möglichst breites Stimmungsbild einzufangen", erklärt die Sprecherin der Initiative, Katharina Rogenhofer, die auch für "Fridays for future" tätig ist. 

Im Herbst soll die Unterstützungsphase starten, erreichen will die Initiative zumindest 100.000 Unterschriften, zudem gibt es eine Spendenkampagne, mit der 100.000 Euro gesammelt werden sollen. 
Auch die heimische Klima-Wissenschaft war bereits aktiv: Kommenden Dienstag (2. Juli) will das Klimaforschungsnetzwerk CCCA, in dem fast alle namhaften Klimaforscher des Landes tätig sind, ihren "Nationalen Klima- und Energieplan für 2030" vorstellen. Hintergrund: Der von Türkis-Blau eingereichte 2030-Plan stieß in Brüssel auf wenig Begeisterung, bis Ende Dezember muss die Bundesregierung - egal ob die aktive oder eine neue - einen deutlich verbesserten Plan an die EU-Kommission schicken. 
Die Wissenschafter wollen ihren Plan in der Juli-Sitzung des "Nationalen Klimaschutzkomitees" einbringen und diskutieren. 

Volksabstimmung Als überparteilich sieht sich auch die Bürger-Plattform "Wir entscheiden Klima". Sie will, grob verkürzt, dass die Politik Bürgerräte einberuft, die einen konkreten Text zum Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen ausarbeitet, über den letztendlich alle Österreicher in einer Volksabstimmung (Ja/Nein) entscheiden sollen. Die Politik müsse sich dann an den Volksentscheid halten, so der Plan der Initiatoren. 

Kurier, von Bernhard Gaul
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Die französische Atompolitik bekommt Risse

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26. Jun. 2019

Frankreichs Vorzeigereaktor EPR muss schon vor seiner Inbetriebnahme repariert werden. Das Baudebakel gefährdet die Energiepolitik des Atomlandes.
 
Es nimmt sich jetzt RWE und Eon zum Vorbild. Stefan Brändle aus Paris 

Es sind nur ein paar Schweißnähte – aber sie bedrohen den ganzen Nuklearkurs eines Landes, dessen Strom zu fast drei Vierteln aus Kernenergie stammt. Die französische Atomsicherheitsbehörde ASN hatte am Donnerstag verkündigt, dass acht längere Nähte in der Stahlhülle des neuen Druckwasserreaktors (EPR) in Flamanville (Normandie) undicht seien und neu geschweißt werden müssen. Zur Ausbesserung muss wahrscheinlich eine zweite Sicherheitshülle aus teils meterdickem Beton abgetragen werden. Für diese Arbeiten fehlt aber das Fachpersonal, denn Frankreich hat seit zwanzig Jahren keine Atommeiler mehr gebaut. 

Vor allem aber fehlt die Zeit. Der EPR in Flamanville kann laut ASN-Vorsteher Bernard Doroszczuk erst Ende 2022 ans Netz gehen. Das wird den Stromkonzern Électricité de France (EDF) viel Geld kosten. Ursprünglich für 2012 vorgesehen, kostet der neue Reaktor schon heute rund elf Milliarden Euro, dreimal mehr als ursprünglich geplant. Unabsehbar sind die kommerziellen Folgen: Großbritannien hat von Frankreich zwei EPR bestellt und schaut zunehmend skeptisch auf das neue Flaggschiff der französischen Atompolitik. Auch Großkunden wie Indien könnten abspenstig werden. 
Im chinesischen Taishan ist zwar ein von Frankreich gebauter EPR-Reaktor seit einem halben Jahr in Betrieb, aber wohl nur, weil die lokalen Sicherheitsbehörden weniger Auflagen machen; zudem ist die Rentabilität „ungenügend“, wie EDF-Vorsteher Jean-Bernard Lévy im Frühjahr zugeben musste. 

Atombranche in der Sackgasse 
In Frankreich selbst, wo die EPR-Technologie die 58 bestehenden Kernreaktoren langfristig ablösen soll, fragen sich Medien und Politiker, ob die Affäre der Schweißnähte die ganze Atombranche bedrohe. Sie stecke in einer „Sackgasse“, kommentierte die Zeitung Le Monde am Freitag. Der Kurs der EDF-Aktie – die zu 14 Prozent in privater Hand ist – verlor ebenfalls deutlich an Wert, nachdem sie innerhalb eines Jahres schon um 17 Prozent eingebrochen war. 

Auch Emmanuel Macron muss seine Energiepolitik überdenken. Der französische Präsident wollte den Startschuss für Flamanville unbedingt nächstes Jahr geben. Dies sollte es ermöglichen, die vier letzten Kohlekraftwerke des Landes 2022 sowie das dienstälteste AKW Fessenheim 2020 stillzulegen. Daran will Macron offenbar festhalten. Das EPR-Problem „ändert nichts an unserer Entscheidung und unserem Arbeitsprogramm, Fessenheim bis 2020 zu schließen“, erklärte seine zuständige Staatssekretärin Brune Poirson am Freitag. Die vier französischen Kohlekraftwerke würden bis zum Ende von Macrons Amtszeit 2022 abgeschaltet. 

Fessenheim-Gegner erinnern sich, dass der frühere Präsident François Hollande die Schließung von Fessenheim auch schon bis zum Ende seiner Amtszeit versprochen hatte. Branchenexperten schätzen allerdings, dass EDF in der Zwischenzeit wirklich Ersatz für das umstrittene elsässische AKW gesucht und gefunden habe. Vom EPR-Fiasko ist die EDF bedeutend härter getroffen. Der stolze Staatskonzern, der mit seinem AKW-Park groß geworden war, zerbricht nun genau daran. Vorsteher Lévy präsentierte am Donnerstag den Gewerkschaften ein Projekt namens „Hercule“, das die Aufsplitterung des Konzerns vorsieht, ähnlich wie es die deutschen Konkurrenten RWE und Eon bereits vor Jahren vorgemacht hatten. 
„EDF blau“ soll in Zukunft die Kern- und Wasserkraftwerke sowie die Stromnetze unter ihrem Dach vereinen und zu 100 Prozent im Besitz des französischen Staates bleiben; die privatisierte „EDF grün“ würde die übrigen erneuerbaren Energien und den kommerziellen Handel mit Strom übernehmen. 

Bürger soll Atomschuld nicht zahlen 
Lévy will damit offiziell der EU-Vorgabe zur Öffnung des Strommarktes nachkommen. Die Gewerkschaften sind allerdings gegen die Spaltung, da sie um ihr Sonderstatut fürchten. Auch der grüne Europaabgeordnete Yannik Jadot meldete am Freitag Widerstand an: „Wir sind gegen die Logik, dass der Staat, also die Steuerzahler, die Atomschulden begleichen soll, während private Aktionäre mit dem Stromhandel Geld verdienen.“ EDF ächzt heute unter einer gigantischen Schuld von 37 Milliarden Euro – und müsste für die Erneuerung des AKW-Parks weitere 50 Milliarden Euro stemmen. 

Der technische und damit finanzielle Ärger mit dem EPR Flamanville dürfte auch auf die öffentliche Meinung einwirken. Die Franzosen waren bisher vor allem deshalb für den Atomstrom, weil er billig war. Die steigenden Kosten für den AKW-Park und die Endlagerung haben aber in den vergangenen fünf Jahren zu einem Umdenken geführt: In einer Umfrage vor einem halben Jahr war in Frankreich erstmals seit den Sechzigerjahren eine knappe Mehrheit von 53 Prozent gegen die Atomkraft. 

Eine starke Minderheit bleibt aber dafür, und das hat heute wohl eher „klimatische“ als finanzielle Gründe: Anders als europäische Nachbarn scheint die französische Regierung unfähig, die Energiewende durchzuziehen und nachhaltigen Ersatz für die CO2-arme Kernenergie zu schaffen. Die geplanten Windkraftparks an den langen Küsten des Atlantiks und des Ärmelkanals sind bisher nicht einmal über die Projektphase hinausgekommen. „Sortir du nucléaire“ (Atomausstieg) würde deshalb in Frankreich fast unweigerlich zu einer Zunahme der fossilen Energien führen. 

Der Standard
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Preisauftrieb ist nicht von Dauer

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MÜNCHEN/HAMBURG, 26. Jun. 2019

Die Gaspreise in Deutschland sind im ersten Halbjahr im Durchschnitt um knapp 2 Prozent gestiegen.
Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern und einem jährlichen Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden komme nunmehr auf eine Jahresrechnung von 1259 Euro, teilte das Internetportal Check 24 am Freitag in München mit. 

Zuvor waren es 1236 Euro. Mehr als 350 von den gut 700 Gasanbietern in Deutschland haben demnach die Preise erhöht, im Schnitt um 9 Prozent. Vor allem die Grundversorger, die in ihren jeweiligen Geschäftsgebieten die höchsten Marktanteile haben und oft zu großen Energiekonzernen wie Eon gehören, hoben ihre Preise an. 

Jahrelanger Abwärtstrend 
Doch der Preistrend nach oben könnte von kurzer Dauer sein. Die Großhandelspreise für Gas seien seit Februar um rund 42 Prozent gesunken. Darauf hätten vor allem kleinere Alternativanbieter ebenfalls mit Preissenkungen reagiert, heißt es bei Check 24. Sie hätten seit Februar ihre Preise um 3 Prozent herabgesetzt. Sollten sich die niedrigen Großhandelspreise stabilisieren, so könnten im zweiten Halbjahr weitere Preissenkungen die Folge sein. 

Die Gaspreise waren über Jahre zurückgegangen, ehe sie im vergangenen Jahr ihren langjährigen Tiefpunkt erreicht hatten und wieder zu klettern begannen. "Vor allem im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Gaspreise kräftig an", sagte Oliver Bohr, Geschäftsführer bei Check 24. Selbst wenn die Gaspreise für Verbraucher gestiegen sind, liegen sie noch immer deutlich unter ihren früheren Höchstständen. Vor gut zehn Jahren, im Januar 2009, mussten die Verbraucher für 20 000 Kilowattstunden 1597 Euro bezahlen, also über 300 Euro mehr als heute. 

Für die Verbraucher in Deutschland wird die Entwicklung auf dem Weltmarkt entscheidend sein. Vor allem der kurzfristige Gaspreis ist stark gefallen, weil die Gasspeicher in Europa gut gefüllt sind und kaum Bedarf für weitere Einspeicherungen besteht. Für kurzfristiges Gas müssen die Versorger nur noch etwa 10 Euro je Megawattstunde bezahlen, so wenig wie noch nie. 

Das taugt allerdings noch nicht für eine mittelfristige Vorhersage. Wer jetzt als Großhändler oder Versorger Gas kauft, das erst im Winter geliefert werden soll, zahlt mehr als 18 Euro je Megawattstunde. Die Einkaufsstrategien der Versorger, ihr Mix aus längerfristigen Lieferverträgen und kurzfristigen Marktreaktionen, bestimmen letztlich über ihre Einkaufskosten und damit ihre Preise. 

Nachfrageschub aus Asien 
Der Gaspreis ist dabei auch Entwicklungen unterworfen, die von Verbrauchern in Deutschland nicht beeinflusst werden. Gas wird nicht nur zum Heizen verwendet, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt. Die Analysten eines Handelshauses verweisen auf einen möglichen Nachfrageschub in Asien, wenn der Sommer sehr heiß wird. Dann steigt der Bedarf für Gas zur Klimatisierung von Häusern. 

Zusätzliche Nachfrage könnte auch aus dem Stromsektor kommen, wenn niedrige Wasserstände den Betrieb von Kohle- und Kernkraftwerken einschränken sollten. Mittelfristig ist mit einer steigenden Nachfrage nach Gas zu rechnen; die Internationale Energie-Agentur erwartet in den kommenden fünf Jahren ein Marktwachstum von rund 10 Prozent. 

Berliner Zeitung, VON ECKART GIENKE
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Lenzing will Fasern ohne CO2-Ausstoß produzieren

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26. Jun. 2019

Klimaschutz: Bis 2030 sollen CO2-Emissionen halbiert werden, bis 2050 gänzlich wegfallen - 100 Millionen Euro investiert 

"Es wird eine Riesen-Anstrengung für die Gruppe, aber es ist uns ein Anliegen", fasst Vorstandsvorsitzender Stefan Doboczky den ambitionierten Plan des Faserherstellers zusammen. Der börsenotierte Konzern hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2050 kein Kohlendioxid netto mehr zu emittieren, also seine Fasern weltweit klimaneutral zu produzieren. 

Bis 2030 sollen die Emissionen pro Tonne produziertem Zellstoff und Fasern im Vergleich zu 2017 halbiert werden. In Summe will der Konzern dadurch 1,3 Millionen Tonnen an CO2 vermeiden. Das entspricht einem CO2-Fußabdruck von mehr als 200.000 Österreichern. 
Erreicht werden soll dieses Ziel zum einen durch Einsparungen in den bestehenden Produktionen. Zum anderen wird beim Bau neuer Zellstoff- und Lyocell-Anlagen auf CO2-arme Energiequellen und Produktionsverfahren Wert gelegt. Die Erweiterung der Lyocell-Kapazitäten in Prachinburi, Thailand, sei ein Beispiel dafür. Dort habe der Konzern Zugang zu biogener Energie. Im Gegensatz zu anderen Produktionsstandorten in Asien: Dort produziere die Textilindustrie praktisch noch ausschließlich basierend auf Kohle. 

Motivation der Lenzing AG sei, einen Klimabeitrag zu leisten, sagt Stefan Doboczky. Man wolle Vorreiter in der produzierenden Industrie sein und sich damit in gute Gesellschaft internationaler Konzerne wie Heidelberg Cement (Baustoffe), BASF (Chemie) und Maersk (Reederei) begeben, die ähnliche Ziele formuliert haben. 
Gleichzeitig erwartet sich der Faserhersteller ökonomische Vorteile. "In der Textilindustrie sind nachhaltige Lösungen derzeit gefragt. Wir verbessern durch diese Maßnahme unsere Positionierung", so Doboczky. Die Lenzing-Fasern werden unter anderem von Textilherstellern wie Zara und H&M zu Kleidung verarbeitet. Zudem ist mit Einsparungen zu rechnen, wenn keine Aufwendungen für CO2-Zertifikate getätigt werden müssen.
 
100 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren in Energieeinsparung, Umstellung auf erneuerbare Energie und in neue Technologien investiert. (sd) 
"In der Textilindustrie sind nachhaltige Lösungen derzeit gefragt. Durch diese Maßnahme verbessern wir unsere Positionierung." 
Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender der Lenzing AG 

Oberösterreichische Nachrichten
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"Der Boom wird kommen"

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Frankfurt, 26. Jun. 2019

Die geplante Reduktion der CO2-Emissionen in Deutschland erfordert nach Einschätzung des Bankhauses Metzler einen massiven Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die Branche steht dem Institut zufolge vor einem Boom, was ihren Unternehmen gute Perspektiven eröffne. 

Nach Meinung des Bankhauses Metzler steht die Erneuerbare-Energien-Branche unmittelbar vor einem starken Aufschwung, der interessante Anlagechance verspricht. "Der Boom wird kommen", sagte Guido Hoymann, für Versorgeraktien zuständiger Analyst des Instituts, in einem Pressegespräch. 

Wettbewerbsfähigkeit 
Hoymann verwies unter anderem auf durch stetige Effizienzgewinne deutlich gesunkene Gestehungskosten von Strom aus erneuerbaren Quellen. Ungefähr 2020 werde Strom aus Onshore-Wind Netzparität erreichen. Solarenergie, die jahrelang deutlich teurer gewesen sei, habe mittlerweile nahezu das Kostenniveau von Windenergie erreicht. Erneuerbare Energien seien dann auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig. Neben ihren niedrigeren Gestehungskosten habe der gestiegene Strompreis, dazu beigetragen, dass die erneuerbaren Energien die Netzparität erreichten. Maßgeblicher Treiber des Strompreisanstiegs sei die Verknappung der CO2-Zertifikate und die damit einhergehende drastische Verteuerung des CO2-Preises. Hoymann erwartet weiteren einen Anstieg des Strompreises von derzeit knapp 50 auf 54,60 Euro je Megawattstunde im Jahr 2023. 

Anteil 2020 bei 50 Prozent 
Haupttreiber des erwarteten Booms ist Hoymann zufolge die Energiewende. Bis 2050 wolle die Bundesregierung die CO2-Emissionen auf quasi null reduzieren. Die noch bei knapp 40 % der Stromerzeugung liegende Kohle solle bis 2038 auf null zurückgefahren werden. "Um die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, muss die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden." Der vollständige Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 unterstreiche die Dringlichkeit, noch stärker als bislang auf erneuerbare Energien zu setze. Hoymann glaubt, dass erneuerbare Energien schon 2020 ungefähr die Hälfte des deutschen Strombedarfs decken werden, 2030 und 2038 wird der Anteil seiner Einschätzung nach bei 66 % bzw. 77 % liegen. Die restlichen 23 % würden im Jahr 2038 Gaskraftwerke stellen. 

Um die CO2-Ziele zu erreichen, müssen die Kapazitäten erneuerbarer Energien derzeit um 6 Gigawatt p. a. ausgebaut werden. Hoymann schätzt, dass die Kapazitäten nach 110 Gigawatt 2018 auf 215 Gigawatt im Jahr 2038 steigen werden. Jedoch verwies er auf zahlreiche Hemmnisse für den Ausbau. So stoße die Windkraft auf zunehmenden Widerstand in der Bevölkerung. Bundesweit gebe es mehr als 1 000 Bürgerinitiativen gegen Windkraft. In diesem Jahr seien in Bayern bislang nur zwei Windräder errichtet worden. Hinzu kämen Flaschenhälse. So sei laut der Netzagentur beim Übertragungsnetz 7 700 Kilometer Ausbau notwendig. Bislang seien aber lediglich 1 800 Kilometer genehmigt worden. Dennoch ist Hoymann überzeugt, dass der Druck, die CO2-Ziele zu erreichen, so groß ist, dass der massive Ausbau kommen wird. "Der Zubau wird vorangepeitscht werden." 

Auch RWE profitiert 
Hoymann nannte mehrere Unternehmen, die seiner Einschätzung nach von dem Umbau der deutschen Stromversorgung profitieren werden und die er zum Kauf empfiehlt. Dazu zählt überraschenderweise RWE, für die er ein Kursziel von 27,30 (aktueller Kurs: 26,51 Euro) nannte. Das Unternehmen habe gutes Timing bei der Akquisition des Geschäfts mit erneuerbaren Energien von Eon und Innogy bewiesen. Bei der Aktie liegt der Markt nach Auffassung von Hoymann falsch, weil er die konventionelle Stromerzeugung mit -3 bis -4 Mrd. Euro bewerte. Der Analyst setzt einen Wert von rund 0,5 Mrd. an. Zur Begründung verwies er auf erwartete hohe Kompensationszahlungen für den Kohleausstieg. Zudem würden steigende Preise für CO2 und Strom das Geschäft mit konventioneller Energie unterstützen. Die Atomkraftwerke, die kein CO2 produzierten, würden bis zum Atomausstieg hohe Gewinne abwerfen. 

Eon (Kursziel 12,40, aktuell: 10,09 Euro) werde durch die geplante Übernahme von Innogy hohe Synergieeffekte erzielen. Die Kerngeschäftsfelder Netze und Vertrieb böten Wachstumschancen durch Netzausbau für erneuerbare Energien und zunehmende Elektrifizierung z. B. durch die E-Mobilität. Uniper (Kursziel 30, derzeit: 26,51 Euro) habe durch die große Menge an verkauftem Strom aus Wasser und Atomkraft gute Voraussetzungen, um ohne Kostenbelastung durch CO2-Zertifikate vom steigenden Strompreis zu profitieren. Zudem werde durch den Kohleausstieg die Nachfrage nach den bislang nicht ausgelasteten Gaskraftwerken des Unternehmens steigen. Hoymann glaubt, dass die Auslastung der Gaskraftwerke durch den Umbau des deutschen Strommixes von 20 % auf 75 % hochgetrieben wird. Bei Nordex (Kursziel 15,50, aktuell 12,31 Euro) würden die globalen Forderungen nach einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die Netzparität von Windenergie für eine gute Auftragslage sorgen. Gute Perspektiven ergeben sich durch den Umbau der Stromversorgung Hoymann zufolge auch für SMA Solar und Energiekontor. 

Börsen Zeitung
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Österreich zählt zu Europas Sprit-"Diskontern"

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26. Jun. 2019

In nur drei EU-Ländern ist Diesel laut dem Verkehrsclub billiger als in Österreich, bei Superbenzin sind nur sieben EU-Staaten günstiger.

In kaum einem anderen EU-Staat ist Diesel so billig wie in Österreich. "Wer ins Ausland reist, wird beim Tanken merken, dass Österreich zu den Diskontern gehört",erklärt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Demnach ist Diesel in nur noch drei EU-Staaten günstiger als in Österreich-nämlich in Luxemburg, Bulgarien und Litauen. Eurosuper ist noch in sieben EU-Staaten billiger als hierzulande, nämlich in Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Zypern, Luxemburg, Polen und Litauen.
Billig-Sprit steht seit vielen Jahren im Zentrum der Verkehrs-und Klimadiskussion. Die vergleichsweise günstigen Preise gelten als mitverantwortlich für den Transit durch Tirol, weil sie neben den "Tanktouristen" vor allem den internationalen Lkw-und Urlauber-Durchzugsverkehr anlocken. Was sich wiederum auf Luftqualität, Lärmbelastung und CO 2-Bilanz auswirkt, vor allem im Inntal.
Just im liebsten Reiseland der Österreicher, Italien, sind Super und Diesel besonders teuer: Pro Tankfüllung (50 Liter) zahlt man für Sprit fast 17 Euro und für Diesel 14,50 Euro mehr. Am höchsten ist der Preis für Eurosuper in den Niederlanden (82,55 Euro für 50 Liter), vor Dänemark und Griechenland mit jeweils rund 80 Euro. In Frankreich kostet eine Tankfüllung Eurosuper um fast 13 Euro mehr als in Österreich, in Portugal und Deutschland um 11 Euro, in der Schweiz um 8 Euro und in Kroatien um fast 4 Euro.

Am teuersten ist Diesel in der Schweiz, wo 50 Liter Diesel im Schnitt umgerechnet 77 Euro kosten. In der Schweiz ist Diesel deutlich teurer als Eurosuper, weil Diesel pro Liter mehr CO 2 verursacht als Benzin. Auch in Großbritannien, Belgien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Zypern ist für Diesel mehr zu zahlen als für Eurosuper, macht der VCÖ aufmerksam. In Frankreich kostet eine Tankfüllung Diesel rund 11 Euro mehr als in Österreich, in Griechenland rund 9 Euro, in Kroatien fast 5 Euro und in Slowenien fast 4 Euro.
Am günstigsten tanken Autofahrer in Österreich zudem kurz vor 12 Uhr, erinnerte gestern die Energieregulierungsbehörde E-Control. "Erhöhungen der Spritpreise dürfen nur einmal am Tag, immer zu Mittag, gemacht werden",so die E-Control. Das bedeute, dass der spätere Vormittag, also vor 12 Uhr, günstiger zum Tanken sei als der Nachmittag. Geld sparen lasse sich auch durch einen umsichtigen Einsatz der Klimaanlage. Ebenso können unnötig angebrachte Fahrradträger sowie das Laufenlassen des Motors im Stau oder vor Bahnübergängen zu Spritfressern werden. Auch empfiehlt die E-Control den von ihr betriebenen Spritpreisrechner, der die günstigsten Tankstellen auflistet. (APA, mas)
 

Tiroler Tageszeitung
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Turbospeicher bringt Schwung ins Stromtanken

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26. Jun. 2019

Die Flughafen Wien AG bekennt sich zu einem schonenden und bewussten Umgang mit der Umwelt und hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Energieverbrauch kontinuierlich zu senken. 

Der Umstieg auf Elektromobilität ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Mobilitätswende. Sie verändert aber auch die Anforderungen an unser Energiesystem. Wir brauchen Innovationen wie diesen Turbospeicher. Damit können wir auch dort High-Speed-Ladestellen anbieten, wo nur eine niedrige Netzanschlussleistung vorhanden ist“, so Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie. 

Das Wunderwerk 
funktioniert wie ein Kreisel 
„Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind für den Flughafen Wien von höchster Bedeutung und daher ist es für uns selbstverständlich, als Raum für Innovationen zur Verfügung zu stehen. Mit der Inbetriebnahme des Chakratec Schwungmassenspeichers bieten wir unseren Passagieren und Besuchern den höchsten technologischen Stand für die Schnellladung von E-Fahrzeugen“, so Günther Ofner und Julian Jäger, Vorstände der Flughafen Wien AG. 

Strom wird zur Bewegung, Bewegung wieder zu Strom. Der High Speed-Speicher ermöglicht eine Leistungs-Pufferung durch ein patentiertes System. Zehn magnetisch im Vakuum gelagerte Schwungmassenspeicher arbeiten dabei ähnlich wie Kreisel. Jeder Einzelne wiegt 250kg und wird auf bis zu 18.000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Bei der Entladung wird die Schwungmasse abgebremst und mithilfe eines Generators die Bewegungsenergie in elektrische Energie umgewandelt. Mit diesem Strom wird das E-Auto geladen. 

Der ganze Zyklus erfolgt zu 100% nachhaltig, es werden keine seltenen Rohstoffe zur Erzeugung des Speichers benötigt. Entwickelt wurde der Speicher vom israelischen Start-Up Chakratec in Kooperation mit Wien Energie. 
Die neue E-Tankstelle verfügt über drei unterschiedliche Ladepunkte, von denen zwei gleichzeitig verwendet werden können. Bei dem Projekt handelt es sich um einen Testbetrieb, der zunächst bis Ende dieses Jahres laufen wird. Eine Ausrollung der neuen Highspeed-Ladestellen auf weitere Standorte ist geplant. 

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"Gehen wir doch aufs Dach"

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26. Jun. 2019

Es müssen nicht immer die ganz großen Reformen sein, die im Kampf gegen den Klimawandel Fortschritte bringen. Manchmal sind es auch kleine Tüfteleien.

Wie ein Installateur aus Wien eine Idee betreffend Gasthermen entwickelte, die unsere Städte weit klimafreundlicher machen könnte.

Das Objekt, um das sich diese Geschichte dreht, könnte unspektakulärer kaum sein. Hinter einem kleinen Türchen zu einem Kaminschacht, wie sie in alten Häusern häufig in die Wände eingelassen sind, verbergen sich zwei Rohre, umwickelt mit silbrig glänzender Dämmfolie. Das ist es auch schon, im Wesentlichen.
Auch der Mann, der den Einfall dazu gehabt hat, wirkt nicht unbedingt so, als könnte er die Massen elektrisieren: Michael Müller - ein Installateur aus Wien, 38 Jahre alt, dunkle Haare, weißes Hemd -verfällt schnell in den Jargon seines Berufsstandes, wenn er spricht. Dann schwirrt einem bald der Kopf vor lauter "Rohrnetzauslegungen","Gipskartoneinhausungen" und "45-Prozent-Kegeln". Doch wer Müller länger zuhört, stellt fest: Der Mann verfolgt ein Projekt, das noch einige Folgen nach sich ziehen dürfte. Es könnte Österreichs Städte deutlich klimafreundlicher machen. Falls der Kampf gegen die globale Erhitzung doch noch erfolgreich sein wird, wird es auch dank Ideen von Leuten wie Michael Müller gelingen.
Er steht im Dachstuhl eines 60er-Jahre- Wohnhauses im 2. Wiener Bezirk, der Leopoldstadt, neben ihm das Türchen mit den silbernen Rohren. Rundherum hat sich eine Gruppe aus Energie-und Klimaexperten versammelt. Sie kommen aus unterschiedlichen Abteilungen des Umweltministeriums und der Stadt Wien. Müller führt heute vor, was er hier entwickelt hat. In diesem Dachboden läuft eine der ersten Anlagen in Wien.

Würde man sie flächendeckend in der ganzen Stadt einsetzen, wäre das ökologisch ein enormer Gewinn, errechnete das Institut "Urban Innovation Vienna" (UIV), ein zum Rathaus gehöriger Thinktank, der sich mit der Zukunft von Städten auseinandersetzt. Von jährlich rund 200.000 Tonnen weniger CO2 Emissionen spricht UIV-Experte Michael Cerveny. Zum Vergleich: Damit könnte allein in Wien pro Jahr ungefähr so viel klimaschädliches Treibhausgas eingespart werden wie alle PKW der Stadt Salzburg gemeinsam ausstoßen (60.000 bis 70.000 Fahrzeuge). Das ist die Geschichte einer nur scheinbar unspektakulären Maßnahme, wie es in Zukunft viele von ihnen brauchen wird. Denn neben großen politischen Vorhaben -beispielsweise ökologischen Steuerreformen und dem Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel - sind viele kleine Modifikationen notwendig, in der Art, wie die Menschen bauen und wohnen. Vor allem in Städten, wo global gesehen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt. Es können begrünte Fassaden sein oder raffinierte Belüftungssysteme für Hochhäuser. Oder eben Müllers Idee.

Er wuchs im 17. Bezirk auf, seine Eltern betrieben ein Schuhreparaturgeschäft, er selbst schloss im Jahr 2000 die Lehre zum Installateur ab. Nach Jahren in der Selbstständigkeit bewarb sich Müller 2016 bei der Sozialbau AG, einem großen SPÖ-nahen gemeinnützigen Wohnbauunternehmen (Generaldirektor ist Josef Ostermayer, bis 2016 SPÖ-Kulturminister unter Kanzler Werner Faymann). Zum Bewerbungsgespräch habe Müller gleich seine "zündende Idee" mitgebracht, erzählt Ernst Bach, jener Direktor bei der Sozialbau, der für den Bereich Hausbewirtschaftung verantwortlich ist. Es geht ums Heizen, einen der größten Energiefresser. Laut Umweltministerium fließen 30 Prozent des österreichischen Energiebedarfs in Heizungen und die Bereitstellung von Warmwasser. Konkret dreht sich Müllers Idee um eine Heizungsart, die zwar klimaschädlich ist, aber weitverbreitet, denn zu ihr ließen sich bislang schwierig Alternativen finden: die Gaskombitherme, wie sie üblicherweise im Badezimmer oder der Küche von älteren städtischen Wohnungen hängt. Allein in Wien versorgen Gasthermen mehr als ein Drittel aller Wohnungen mit warmer Luft und warmem Wasser. Bei der Sozialbau sah man darin ein Problem - und zwar zunächst weniger wegen des Klimaschutzes als aus Gründen der Sicherheit und des Mietrechts. Seit einer Reform desselben im Jahr 2015 ist nämlich nicht mehr der Mieter für die Wartung der Thermen zuständig, sondern der Vermieter. Da die Sozialbau 6000 Mietwohnungen mit Gasthermen ihr Eigen nennt, bedeutet das, dass sich die Techniker des Konzerns zu jeder Wohnung Zutritt verschaffen müssen. Dazu kamen strengere Umweltauflagen für die Thermen. Außerdem kann es an heißen Tagen - selten, aber doch - zu Unfällen kommen, falls hochgiftiges Kohlenmonoxid aus schlecht gewarteten Thermen austritt. Sie sollten also aus den Wohnungen raus -das dachte man bei der Sozialbau bereits, bevor Müller anheuerte. Es bräuchte irgendeine Form von Gemeinschaftsthermen. Aber welche? Hier kommt Müller ins Spiel. "Ich habe mir gedacht: Gehen wir doch aufs Dach", erzählt er. Die Idee ist nicht einmal besonders ausgefeilt. Vielmehr hat es vor allem intensives Herumtüfteln und Herumberechnen gebraucht, ehe sie sich in die Tat umsetzen ließ. Der Grundgedanke: Man bedient sich eines Relikts aus fernen Tagen, das sich in allen älteren Wohnungen findet. Es sind die Kaminschächte, durch die Abgase abziehen -anno dazumal der Rauch aus Kohlen-und Holzöfen. Durch sie werden nun Leitungen verlegt, die oben in eine Gastherme münden -sie befindet sich also jetzt im Dachstuhl, nicht mehr in der einzelnen Wohnung. "Man muss nur unten die Therme abhängen und da und dort ein paar Löcher bohren", sagt Sozialbau-Direktor Ernst Bach. "Dafür braucht es kein Stemmen, gar nichts."

Die trivial wirkende und vergleichsweise einfach zu realisierende Angelegenheit birgt vielfältigen Nutzen. Zunächst benötigt nicht mehr jede Wohnung ihre eigene Therme -das spart Energie und Emissionen. Oben im Dach kann eine Therme gleich mehrere Wohnungen versorgen.
Und mehr noch: Hat man die Thermen einmal an einem Ort gesammelt, lassen sie sich leicht durch andere, umweltfreundlichere Heizsysteme ersetzen. Oder zumindest ergänzen. Unterschiedliche Heizarten können umwelt-und kostenschonend zusammenspielen.

Beispielsweise lässt sich auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installieren, die Strom aus Sonnenlicht erzeugt. Je nachdem, wie viel sie gerade davon hergibt, laufen die Thermen parallel dazu mehr oder weniger stark belastet. Scheint gerade besonders viel Sonne, kann deren überschüssige Energie in -separat installierten -elektrischen Warmwasserspeichern aufbewahrt werden, aus denen die Hausbewohner später etwa ihr Wasser zum Duschen beziehen. Überdies lassen sich Häuser mit Gemeinschaftsthermen einfacher an das Fernwärmenetz anschließen. In jedem Fall: Die Thermen schalten sich erst ein, wenn andere, ökologischere Systeme gerade schwächeln. "Ist es einmal gelungen, das Heizen an einem Ort zu konzentrieren, kann man beliebig kombinieren und skalieren", sagt Bach. Weniger Energieverbrauch bedeutet auch, dass weniger Stromrechnung zu berappen ist. Laut Bach rechnet man wegen der Gemeinschaftsthermen mit zehn bis 15 Prozent weniger Energiekosten pro Wohnung und Jahr. Abgesehen davon: Die Hausbewohner müssen bei anstehenden Thermenwartungen nicht mehr zu Hause sitzen, bis der Techniker klingelt.

Michael Müller jedenfalls hat die vergangenen drei Jahre vor allem mit Rechenübungen verbracht. Wie dick müssen die Rohre sein, die durch die alten Kaminschächte führen? Welches Material ist flexibel genug, damit sie gut durchpassen? Für wie viele Wohnungen reicht eine Therme auf dem Dachboden? Wie könnte man dafür sorgen, dass oben genug Zuund Abluft zur Verfügung steht und der Brandschutz gewährleistet ist -unabdingbar bei leistungsstarken Thermengeräten. Derzeit gibt es drei Anlagen in Wien, eine davon läuft im Vollbetrieb. Bald aber sollen es mehr werden. Die Sozialbau AG will in den kommenden drei Jahren alle 6000 Mietwohnungen mit Gasthermen auf Gemeinschaftsanlagen, sogenannte Kesselhäuser umstellen - in rund 250 Gebäuden. Dazu ist zunächst das Einverständnis der Mieter erforderlich. "Das wird wohl kein Problem sein", glaubt Direktor Bach. "Immerhin haben sie davon nur Vorteile, genauso wie wir." Die Idee ist ausbaufähig, im wahrsten Sinn des Wortes. Überall in Städten, wo jede einzelne Wohnung mit einer klimaschädlichen Gastherme ausgestattet ist, wären Gemeinschaftsanlagen eine denkbare Lösung -und brächten die Perspektive, sie durch bessere Systeme zu ergänzen. Schwieriger könnte es nur in jenen Häusern werden, in denen jede einzelne Wohnung einem anderen Eigentümer gehört. Dann müssen sich die Nachbarn zusammenraufen und organisieren. Wohnkonzerne à la Sozialbau, die bei vielen Immobilien zugleich als Vermieter fungieren, haben es diesbezüglich leichter. Die Führung unter dem Dach im 2. Wiener Bezirk geht mittlerweile zu Ende. Die Energieexperten klettern nacheinander über eine schmale Stahltreppe zurück ins Stiegenhaus des Wohngebäudes. Zuletzt folgt Müller und sperrt die Dachbodentür zu. "Als Nächstes machen wir das in der Bahnstraße in Wien-Penzing", sagt er. n
Warum diese Geschichte? Nie zuvor waren der Klimawandel und seine Folgen derart präsent in der öffentlichen Debatte. Angesichts dessen halten wir es für wichtig, neben der Auseinandersetzung mit dem Problem selbst auch ganz konkrete Lösungen aufzuzeigen. Der Autor wohnt übrigens in Wien im Neubau und heizt mit Fernwärme.

"Ist es einmal gelungen, das Heizen an einem Ort zu konzentrieren, kann man beliebig kombinieren und skalieren"
Ernst Bach Sozialbau-Direktor
Grünfärberei
Ölheizungen sind die Klimakiller schlechthin. Nun wirbt die dahinterstehende Branche damit, dass sie angeblich klimaneutral werden. Ein verantwortungsloser Öko-Schmäh, sagen Kritiker.
Wenn es ums klimafreundliche Heizen geht, tut sich eine Branche besonders schwer: die Verkäufer von Ölheizungen und des dazugehörigen Heizöls. Immer noch heizt damit rund jeder sechste Haushalt in Österreich, vor allem im ländlichen Raum. Doch damit soll besser heute als morgen Schluss sein, meinen Umweltschützer und Politiker aller Couleurs. Das Heizöl schwankt nicht nur extrem im Preis, es ist vor allem das mit Abstand klimaschädlichste Heizsystem (mehr noch als die ebenfalls umstrittenen Gasheizungen, siehe Geschichte links). Mit dem Pariser Klimaziel 2015, demzufolge der globale Temperaturanstieg bis 2050 auf unter zwei Grad begrenzt werden soll, gelten Ölheizungen als keinesfalls vereinbar. In den Bundesländern Niederösterreich und Wien gilt seit heuer ein Verbot, sie in Neubauten zu installieren.

Für die Branche geht es also ums Überleben. Und sie führt den Kampf um ihre Zukunft mit fragwürdigen Methoden, sagen Kritiker.
Konkret wird derzeit in Zeitungsinseraten geworben: "Eine grüne Ölheizung hat Zukunft." Die Gestaltung der Annoncen wirkt, als würde hier eine staatliche Einrichtung Umweltfördergelder verteilen: "Heute modernisieren, morgen profitieren." Doch dahinter steckt eine privatwirtschaftliche Initiative: Die Firma Heizen mit Öl GmbH in Wien ist eine Gründung der heimischen Wirtschaftskammer-Fachverbände für Mineralölindustrie und Energiehandel.

Was soll das sein, die grüne Ölheizung? Konkret wirbt die Branche dafür, künftig nicht mehr klassisches Öl aus fossiler Quelle zu verbrennen, sondern "Hydrotreated Vegetable Oil" (HVO), also tierische und vor allem pflanzliche Öle. Weil es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt, wäre dies klimaneutral.
"Mogelpackung","Irrweg", "Ablenkungsmanöver" - Johannes Wahlmüller, Aktivist von der Umweltschutzorganisation Global 2000, kritisiert die Aktion scharf. Würde man nämlich die erforderlichen HVO-Brennstoffe innerhalb Österreichs erzeugen, "bräuchte man dafür ganze 50 bis 80 Prozent der heimischen Ackerfläche", sagt Wahlmüller. "Weil das undenkbar ist, lassen sich grüne Ölheizungen in Wahrheit nur betreiben, indem man HVO im großen Stil importiert." Und woher? Jenes HVO, das derzeit nach Österreich kommt (vor allem zur Erzeugung von Bio-Diesel), besteht zu 85 Prozent aus Palmöl. Für dessen Erzeugung werde in Indonesien der Regenwald abgeholzt, so Wahlmüller. Keine Spur also von grün.

"Palmöl ist für uns keine Option", hält Jürgen Roth dagegen, Obmann des Wirtschaftskammer-Fachverbandes Energiehandel. Woher aber soll sonst der Brennstoff für die grünen Ölheizungen kommen, ohne dass ein Gutteil heimischer Ackerflächen draufgeht? Roth sieht mittelfristig im sogenannten "Power-to-Liquid- Verfahren" viel Potenzial: In diesem hochkomplexen Prozess kann aus Strom, etwa aus Sonnenenergie, synthetisches Öl erzeugt werden. Dieses ließe sich dann im Ölkessel verheizen. "Ich bin mir zu 95 Prozent sicher, dass wir schon innerhalb eines Jahrzehnts über solche erneuerbaren Kraftstoffe verfügen", sagt Roth. Das Problem daran: Das Konzept steht sehr am Anfang; in Europa laufen erst wenige Pilotanlagen. Zur Erzeugung des künstlichen Öls bräuchte es enorme Mengen Elektrizität. Ist die Technologie dereinst ausgereift, wird diese -ziemlich teure -Flüssigkeit wohl letztlich nicht im Heizkessel landen, sondern eher für andere Zwecke eingesetzt werden, zum Beispiel als klimaneutrales Kerosin für Flugzeuge.

Ist es angesichts all dessen wirklich angebracht, per Werbekampagne angeblich grüne Ölheizungen als ausgereifte Technologie zu präsentieren - als reale Option für die Masse der Österreicher? Roth empfindet Kritik daran als unfair: "Den perfekten Energieträger wird es nie geben", sagt er. "Immerhin erforschen wir, welche ökologischen Alternativen zur fossilen Energie in der Zukunft zur Verfügung stehen."
Die Causa ist brisant, weil der Großteil der Ölheizungen in Österreich veraltet ist -in den kommenden Jahren stehen sie zum Austausch an. Hundertausende Österreicher müssen also bald wählen, ob sie beim Heizöl bleiben oder lieber auf ein ökologischeres System umsteigen, etwa auf Biomasse oder eine elektrisch betriebene Wärmepumpe.

Vor diesem Hintergrund tönt nicht nur aus den Reihen der Umweltschützer die Kritik, dass die Heizölbranche mit Grünfärberei auf Kundenfang gehe. Bereits im März meldete sich Elisabeth Köstinger zu Wort, damals noch ÖVP-Umweltministerin. Per Twitter drückte sie ihr Missfallen über die Kampagne aus. Heizen mit Öl sei keinesfalls Teil der österreichischen Strategie für mehr Klimaschutz, so Köstinger. "Auch wenn private Fördervereine das suggerieren wollen."

Joseph Gepp
"Um die Brennstoffe für die grünen Ölheizungen zu erzeugen, bräuchte man ganze 50 bis 80 Prozent der heimischen Ackerfläche."
Johannes Wahlmüller, Global 2000

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Profi-Hacker durften ran

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26. Jun. 2019

Wie stabil ist das Stromnetz? Hält es den steigenden Anforderungen stand?

Das sind Fragen, die die Energie AG auf Trab halten. Dass zuletzt in Argentinien und Uruguay Menschen stundenlang ohne Strom waren, hat viele alarmiert. „Die Gefahr, dass so etwas passiert, ist immer da“, so Generaldirektor Werner Steinecker. 

Im Netzführungszentrum (o.) der von Steinecker (l.) geleiteten Energie AG werden die Stromleitungen überwacht. Der Umsatz stieg zwischen Oktober und März auf 982 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern schrumpfte auf 107,3 Millionen Euro zurück – von einer „sehr guten und stabilen Geschäftsentwicklung“ sprach Energie-AG-Generaldirektor Werner Steinecker, als er übers erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/19 Bilanz zog. Der stundenlange Stromausfall in großen Teilen von Argentinien und Uruguay hat viele alarmiert. „Das war ein echter Black-Out“, sagt Steinecker. Die heimischen Energieversorger versuchen sich, so gut als möglich für etwaige Gefahren zu rüsten. „Versorgungssicherheit ist das höchste Gut“, so der Energie-AG-Chef, dessen Unternehmen vom Netzführungszentrum in Linz 30.000 Kilometer Stromleitungen überwacht. 

Regelmäßige TestsVor allem das steigende Risiko von Angriffen durch Cyber-Kriminelle hat man im Blick. „Vierteljährlich werden von unserer Branche professionelle Hacker engagiert, die Angriffe auf das Netz machen“, so Steinecker. Bei der Energie AG wurde in so einem Test das Datennetz mit den 600.000 intelligenten Stromzählern „befeuert“. B. Kneidinger 

Kronen Zeitung
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Der Einzug der E-Mobilität

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26. Jun. 2019

Der Einzug der E-Mobilität. Jedem seine E-Tankstelle, heißt es erstmals in Kärntner Wohnanlage. Nachfrage ist zögerlich. 

Schon seit 2014 sind im Siedlungswohnbau in Kärnten bei zehn Prozent von zu errichtenden Stellplätzen bauliche Vorkehrungen vorgeschrieben, welche die Einrichtung einer Elektrotankstelle ermöglichen. Außerdem sind für alle Tiefgaragenstellplätze Leerverrohrungen für die nachträgliche Installation von Ladestationen Pflicht. Ebenso gibt es bei Außenparkplätzen längst Vorgaben für E-Autos. 
Nur der Autofahrer lässt sich vorerst von der E-Mobilität nicht so recht unter Strom setzen, was aber den Pioniergeist von Kelag und Kollitsch Immobilien GmbH nicht bremsen kann, der in ein innovatives Wohnbauprojekt in Klagenfurt mündete. „Freigeist“ ist der treffende Name der Eigentumswohnanlage, von der gestern die ersten 45 Einheiten übergeben wurden. Dort hat die automobile Zukunft erstmals in Kärnten umfassend Einzug gehalten. Jeder Eigentümer kann, sofern er will, in der Tiefgarage seine eigene E-Tankstelle betreiben, sprich eine Ladebox installieren lassen. 

Herzstück ist ein intelligentes Lademanagementsystem, wofür ein Hauptverteiler notwendig ist. Das sind die technischen Grundvoraussetzungen für das Laden von E-Autos in Wohnanlagen. Die Kooperationspartner sind von diesem Weg überzeugt, wobei Christian Schwarz (Kelag Unternehmensentwicklung) auf entsprechende Erfahrungswerte verweist: „Besitzer von E-Autos wollen ihre Fahrzeuge fast immer zu Hause laden, weil es für sie bequem und kostengünstig ist.“ 
Ob dieses Angebot vom Kunden entsprechend nachgefragt wird, wird von der Entwicklung des Automobilmarktes abhängen, wo durch strenge Flotten-Emissionsvorgaben ab 2020 die E-Mobilität entscheidend in Fahrt kommen könnte. 

Derzeit jedenfalls ist der Druck von Kundenseite noch überschaubar, sagt etwa Harald Repar, kaufmännischer Geschäftsführer von Landeswohnbau Kärnten. Aber: „Anfragen kommen immer öfter.“ Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben werden flächendeckend umgesetzt, mit dem Stadtentwicklungsprojekt Klagenfurt-Harbach will die LWBK zudem Trendsetter bei „High Mobility“ sein. 
Auch das Kärntner Siedlungswerk ist fit für die E-Mobilität. Zögerlich ist aber auch hier die Nachfrage. Haustechnik-Leiter Ivo Decleva: „Beim Neubau-Eigentum gibt es pro Projekt derzeit circa drei Nachfragen. Beim Bestand im Mietbereich ist es maximal eine pro Jahr.“ 

 

Kleine Zeitung
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Energie AG im Halbjahr mit Gewinnrückgang

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LINZ, 26. Jun. 2019

Operatives Ergebnis sank um 15,7 Prozent 

Mehr Absatz bei Strom und Gas bei gleichzeitig gestiegenen Beschaffungskosten hat bei der Energie AG im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (per Ende März) den Umsatz um7,5 Prozent auf 982 Millionen Euro steigen lassen. Das operative Ergebnis sank aber um 15,7 Prozent auf 107,3 Millionen Euro. 

Generaldirektor Werner Steinecker sieht sein Unternehmen "weiterhin gut unterwegs", sagte er gestern bei der Präsentation der Halbjahresbilanz. Für das Gesamtjahr geht er von einem "guten bis sehr guten operativen Geschäft" aus. Dies auch deshalb, weil die Flüsse derzeit viel Wasser führen und er auf ein entsprechend gutes "Wasserkraft-Jahr" hofft. Ungewöhnlich sei, dass man durch den schneereichen Winter "bis in den August hinein" mit Schmelzwasser rechnen könne. 

Strompreis bleibt vorerst stabil 
Den Strompreis schätzt Steinecker vorerst als stabil. Wenn Deutschland wie geplant 2022 seine Atomkraftwerke abschalte, werde der Preis wohl steigen, erwartet der Energie-AG-Chef. Dass der Atom- und der mittelfristig geplante Kohleausstieg der Deutschen allein mit Wind- und Photovoltaik aufgefangen werden könne, bezweifelt er. 
Deutschland werde wohl wieder verstärkt auf Gas zurückgreifen bzw. Gas und Strom aus Russland importieren müssen, um die Versorgung sicherstellen zu können. 

Beim Glasfaserausbau habe die Energie AG bisher Siedlungsgebiete in 166 Gemeinden erschlossen und 20.000 Haushalte erreicht. Rund 5000 davon hätten tatsächlich Glasfaseranschlüsse vornehmen lassen. Anders als erwartet "werden wir nicht überall mit offenen Armen empfangen", so Steinecker. Es gebe viele potenzielle Kunden, die mit der geringeren Bandbreite ihres Internet-Anschlusses zufrieden seien. 
Die Investitionen hat die Energie AG im Halbjahr deutlich um 15,8 Prozent auf 74,6 Millionen Euro erhöht. Fast die Hälfte davon entfiel auf das Segment Netz. Dabei würden nicht nur Hochspannungsleitungen errichtet. Viel Geld fließe auch in das Mittel- und Niederspannungsnetz. Denn immer mehr Haushalte würden selbst Strom produzieren, der abgeleitet werden müsse. 19.300 Kunden im Versorgungsgebiet hätten bereits eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 223 Megawatt. Der Umsatz im Segment Wasser stieg im Halbjahr um 5,1 Prozent auf 71,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 32,6 Prozent auf 6,1 Millionen Euro. 

Oberösterreichische Nachrichten
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Pkw-Branche verlässt bekanntes Terrain

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Frankfurt , 26. Jun. 2019

Den Zeitpunkt für einen Branchenumbruch kann man sich meist nicht aussuchen.

Das gilt auch für die Automobilindustrie, die trotz sinkendem Absatz und rückläufigen Margen spätestens mit der IAA den Startschuss für ihre Elektrifizierungsoffensive gibt. Nur mit steigenden E-Auto-Anteilen lassen sich die strengeren CO2-Emissionsgrenzen in der EU ab 2021 annähernd erreichen. 

Wie schnell sich die Zeiten wandeln können. "Wir müssen alle daran arbeiten, den Kunden zu überzeugen, dass ein moderner Diesel die Lösung ist", hatte der ehemalige VW-Vorstandschef Matthias Müller auf der Automesse IAA 2017 noch appelliert. Für seinen Nachfolger Herbert Diess ist Technologieoffenheit dagegen längst "die falsche Parole". Er setzt mehr denn je auf die Elektrifizierung der Flotte - schon allein weil die deutlich strengeren CO2-Emissionsgrenzwerte in Europa in den kommenden Jahren Volkswagen wie auch den Wettbewerbern praktisch keine Wahl lassen. 

Der ursprüngliche Elektrifizierungsplan, den Müller vor zwei Jahren umriss, ist von Diess mittlerweile konkretisiert und ausgeweitet worden. Der batterieelektrische ID3, der auf der IAA im Herbst vorgestellt werden soll, ist der erste Volkswagen, der auf dem modularen E-Baukasten des Unternehmens basiert und damit keine Sonderentwicklung wie Porsche Taycan oder Audi E-Tron. Auch von anderen Konzernen dürften zahlreiche Elektro-Premieren auf der Messe in Frankfurt präsentiert werden. So wird Opel wahrscheinlich den Elektro-Corsa vorstellen, der ab Frühjahr 2020 erhältlich sein soll. BMW sollte die Elektroversion der Tochtermarke Mini im Gepäck haben. Wettbewerber Daimler dürfte mit dem neuen Konzernchef Ola Källenius ebenfalls einige elektrifizierte Fahrzeuge zeigen wie auch die französische, japanische und chinesische Konkurrenz. 
Volkswagen geht indes weiter als viele andere Hersteller. Die Basis für die vom damaligen VW-Markenchef Diess 2017 geforderte europäische Batteriezellen-Allianz ist mit einer Beteiligung an Northvolt und der Festlegung auf den Bau einer Zellfertigung in Niedersachsen erst kürzlich gelegt worden. Auch Konkurrent BMW, der lange von einer Batteriezellen-Allianz nichts wissen wollte, ist mittlerweile ebenfalls bei Northvolt engagiert. 

Diesel-Anteil fällt weiter 
Mit Milliardeninvestitionen versuchen die Autobauer, die ab 2021 drohenden Strafzahlungen wegen zu hoher CO2-Emissionen zu vermeiden oder doch zumindest abzumildern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die künftigen Grenzwerte zum Stichtag noch erreicht werden, scheint für viele Autobauer dennoch gering. Aktuell liegt der durchschnittliche Flottenausstoß in Europa noch bei rund 120 Gramm pro Kilometer (g/km). Bis zum Zielwert von 95 g/km bleibt wenig Zeit. 2021 soll es so weit sein. Dabei ist der Flottenausstoß in Europa zuletzt sogar wieder leicht gestiegen, weil der Diesel-Anteil aufgrund des Stickoxid-Abgasskandals regelrecht in sich zusammengefallen ist. 

Im ersten Quartal betrug der Diesel-Anteil an den Neuzulassungen in Europa weniger als ein Drittel, Benziner machten knapp 60 % aus. Benziner stoßen im Schnitt zwar deutlich weniger Stickoxide, aber dafür mehr CO2 aus. Damit kamen alternative Antriebe (Batterieelektrisch, Hybrid, Erdgas, Wasserstoff) nur auf gut 7 %. Deren Anteil muss aber bald anziehen, wenn die Ziele nicht verfehlt werden sollen. Da Wasserstoff noch zu teuer ist und Erdgas seit Jahren in der Nische spielt, bleibt der Branche nur, alles auf die Elektrifizierung zu setzen. 

Das hat bereits deutlich spürbare Auswirkungen auf die Profitabilität. Im ersten Quartal sind die Gewinne der meisten Autobauer bereits deutlich prozentual zweistellig eingebrochen. Die Analysten von S&P Capital IQ rechnen auch in den kommenden beiden Jahren mit sinkenden Margen. Entweder aufgrund von Strafzahlungen, die - wenn die Grenzwerte deutlich gerissen werden - in die Milliarden gehen können, oder wegen der höheren Kosten von Elektroautos, die nicht an die Kunden weitergegeben werden können, weil deren Bereitschaft, signifikant mehr für ein Elektroauto zu zahlen, gering ausfällt. Bei den meisten Herstellern dürfte eine Kombination aus beidem dafür sorgen, dass die Margen auch in den kommenden Jahren unter Druck bleiben. Das CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen schätzt, dass der Automarkt erst 2023 das Rekordniveau des Jahres 2017 wird übertreffen können, als 84,8 Millionen Neuwagen verkauft wurden. Für den laufenden Turnus wird ein Rückgang unter die 80-Millionen-Grenze in Aussicht gestellt. 

Wäre es nur ein Absatzproblem, könnte man als Branche, die noch immer teils sehr hohe Gewinne einfährt, beruhigt weiterfahren. Doch mit dem eingeschlagenen Kurs in Richtung Elektromobilität verlassen die Autobauer das ihnen bekannte Straßennetz. Der Rückruf von mehr als 1500 Audi E-Tron wegen fehlerhafter Dichtungen zeigt, dass neben Tesla auch die etablierten Hersteller mit der neuen Technologie auf Produktionsprobleme stoßen können. Die Marge dürfte zudem dauerhaft niedriger ausfallen als bei der traditionellen Verbrennertechnologie. 

Neue Wertschöpfungsketten 
Neben den Produkten ändern sich auch die über Jahrzehnte gewachsenen Wertschöpfungsketten. Die Autobauer müssen für ihre Stromer sowohl auf alte Zulieferer mit neuen Produkten als auch auf gänzlich neue, oft branchenfremde Partner setzen. Diese sollen nicht selten Komponenten in Großserie fertigen, die bislang allenfalls in Kleinserie nachgefragt wurden. "Wir wollen bei den Lieferanten präsent sein, um - falls nötig - frühzeitig gegensteuern zu können", erklärte VW-Einkaufsvorstand Stefan Sommer unlängst im Interview mit der Börsen-Zeitung. Die Umsetzungsrisiken auf Seiten der Zulieferer verlangen laut Sommer auch von den Herstellern zumindest einen Teil der Risiken mitzutragen. 
Ging es über die vergangenen Jahre oft primär darum, die Komponentenpreise zu drücken, so rückt nun die Lieferkettensicherheit wieder stärker in den Fokus der Einkaufsabteilungen der Hersteller. Deren Stabilität ist dabei nicht nur durch den Bedarf an neuen Komponenten und die Einbindung neuer Partner angegriffen. Erschwerend kommt hinzu, dass die grenzüberschreitende Logistik durch wachsende Zollstreitigkeiten auf internationalem Parkett zunehmend in Frage gestellt wird. US-Präsident Donald Trump droht in fast jede Richtung mit Strafzöllen. Selbst neu festgezurrte Abkommen wie der Nafta-Nachfolgevertrag für die Freihandelszone zwischen Kanada, den USA und Mexiko können wenige Monate nach Unterzeichnung von Trump schon wieder unter Beschuss genommen werden. Auch die landesgrenzübergreifende Arbeitsteilung zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien ist mit dem Brexit mehr denn je in Frage gestellt. Entsprechend vorsichtig wird mittlerweile neu investiert. 

Denn zu all den Problemen kommt noch die konjunkturelle Eintrübung hinzu, die den Autoabsatz vor allem in China kräftig einbrechen ließ, 2019 bislang aber auch weltweit sinkende Verkaufszahlen gebracht hat. Eine Entspannung der Lage ist nicht absehbar, so dass in der Branche bereits Hochspannung herrscht, bevor die Elektroauto-Wette in den kommenden Quartalen den Realitätscheck bestehen muss. 
Neben Herstellern und Zulieferern der Automobilindustrie setzt die neue Mobilitätswelt auch andere Branchen unter Druck. Die Ölindustrie hat längst begonnen, sich zu positionieren, um bei einem veränderten Antriebsmix nicht der große Verlierer zu sein. Längst sehen Supermärkte und andere Geschäfte ihre teils großen Parkplätze als Stromtankstellen der Zukunft. Auch den Energiekonzernen kommt eine neue Bedeutung zu. Die Stromnetze sind für die zu erwartenden Spitzenbelastungen, wenn viele Autos gleichzeitig laden, nicht ausreichend vorbereitet. Hinzu kommt die Politik, die zwar Batteriezellenförderung betreibt und auch steuerliche Kaufanreize setzt. Die nötige Infrastrukturförderung kommt aus Sicht vieler Hersteller aber deutlich zu kurz. 

Viele Fragen offen 
Kurz vor dem Start des Elektroautozeitalters, das mit der IAA unter dem Motto "Driving Tomorrow" eingeläutet werden soll, sind also noch viele Fragen offen. In einer umfangreichen Serie wird sich die Börsen-Zeitung diesen Fragen in den kommenden Wochen annehmen und überprüfen, wie Hersteller, Zulieferer und andere Stakeholder auf den Wandel vorbereitet sind, wie ihre Elektrifizierungsstrategie aussieht und mit welchen Partnern sie diese umsetzen wollen. 

Börsen Zeitung, von Sebastian Schmid
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Besorgt wegen Atomausstieg

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24. Jun. 2019

Energie Der Atomstrom in den Industrieländern verliert an Bedeutung.

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht deshalb die Ziele im Klimaschutz in Gefahr - schliesst aber auch nicht aus, dass es ohne Atomstrom geht. 
Der Direktor der Internationalen Energieagentur Fatih Birol hat wohl manchem FDP-Delegierten aus dem Herzen gesprochen. "Ohne den wichtigen Beitrag des Atomstroms wird die globale Energiewende viel schwieriger", sagte Birol kürzlich anlässlich einer neuen IEA-Studie zur Rolle der Nuklearenergie für den weltweiten Klimaschutz. Die IEA ist besorgt über die zunehmenden Pläne in den Industrieländern, aus der Atomkraft auszusteigen. 

Auch die Schweiz hat sich dafür entschieden, allerdings ohne Fälligkeitsdatum. Das will eine Mehrheit der FDP-Basisgemäss einer Umfrage nun ändern. Morgen befinden die FDP-Delegierten über das neue Positionspapier zur Klima- und Umweltpolitik. Dabei entscheiden sie, ob der Bau neuer Atomkraftwerke wieder zugelassen werden soll. 

Ein positiver Entscheid wäre gegenläufig zur allgemeinen Entwicklung, die eher auf einen kontinuierlichen Ausstieg zielt. Deutschland will bis 2022 aus der Kernenergie aussteigen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" kam nach dem Atomunfall in Fukushima zum Ergebnis, dass es risikoärmere Energiequellen gibt, die wirtschaftlich und sozial verträglich sind. Auch Spanien will zwischen 2028 und 2035 alle Atomkraftwerke schliessen. Selbst Frankreich, dessen elektrischer Strom zu gut 70 Prozent aus Kernkraftwerken stammt, will den Anteil im Strommix bis 2035 auf 50 Prozent senken. 

Stromangebot nimmt ab 
Die ältesten Kraftwerkpärke sind in der EU und in den USA: Die Reaktoren sind im Durchschnitt 35 Jahre alt. In den meisten Fällen ist laut IEA die Betriebszeit auf 40 Jahre ausgelegt. Nimmt man diesen Massstab, so wird die nukleare Leistung für die Energieversorgung in den Industrieländern bis 2025 um ein Viertel reduziert. Für die Autoren der Studie hängt das Schicksal der restlichen Reaktoren davon ab, ob die Betriebszeiten in den kommenden Jahren verlängert werden. In den USA erhielten 90 Reaktoren eine Lizenz für eine 60-jährige Betriebszeit. 
Die Atomenergie ist mit einem Anteil von 18 Prozent an der Stromproduktion die grösste CO2-arme Stromquelle in den Industrieländern. Allerdings nahm der Beitrag am Stromangebot in den letzten Jahren stetig ab. Es gibt mehrere Gründe für diese Entwicklung: Die Reaktoren kommen allmählich ins Alter, zusätzliche neue Kapazitäten gibt es nur wenig, und einige Kraftwerke, gebaut in den 1970er- und 1980er-Jahren, sind altershalber bereits vom Stromnetz genommen worden. Es wird immer schwieriger, Investoren für die Atomkraft zu finden. Nur sieben von den derzeit 54 im Bau befindlichen Kraftwerken sind privat finanziert. Das Risiko ist zu gross geworden. Zwei Kraftwerkprojekte des Typs EPR in Finnland und Frankreich haben sich um Jahre verzögert, und die Milliarden-Kosten haben sich inzwischen vervielfacht. In den USA wurde der Bau von zwei AP-1000-Reaktoren abgebrochen. 

Wende nicht unmöglich 
Hinzu kommt, dass die Kosten zum Beispiel für Fotovoltaik in den letzten sechs Jahren um 65 Prozent gesunken sind. Die IEA geht davon aus, dass in den nächsten zwanzig Jahren der Preis um weitere 50 Prozent sinken wird. Die IEA fordert deshalb politische Massnahmen, damit die Atomenergie wieder auf dem Markt konkurrenzfähig wird. Sonst seien die Klimaziele des Pariser Abkommens schwierig zu erreichen. 
Ohne Atomstrom würden die globalen CO2-Emissionen von 1971 bis 2018 um 20 Prozent höher liegen, heisst es in der Studie. Die Energiewende ins postfossile Zeitalter sei allerdings nicht unmöglich. Doch brauche es weltweit in den nächsten 20 Jahren fünfmal so viel an erneuerbarer Energie, wie in den letzten 20 Jahren zugebaut wurde, um den geplanten Atomausstieg zu kompensieren. 
Anteil Atomstrom an der inländischen Stromproduktion 2018 
Anteil der Energiequellen an der globalen Stromproduktion 
Noch in Betrieb: Kühlturm des AKW Leibstadt. 

Duell um die beste Lösung für das Klima 
Was ist klimapolitisch sinnvoller: Atomkraft oder Fotovoltaik? Diese Frage hat an Brisanz gewonnen, seit der Klimaschutz auf der politischen Agenda nach oben gerückt ist. 
Eine Studie des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) aus dem Jahr 2017 weist für 
die Atomkraft eine sehr gute Bilanz aus. Über die ganze Produktionskette 
betrachtet, fallen pro Kilowattstunde 15 Gramm CO2 an, klar weniger als 
bei einem Braunkohlekraftwerk oder einem Gaskombikraftwerk. Auch im 
Vergleich mit Fotovoltaik schneidet Atomkraft besser ab. Der 
AKW-Branchenverband Swissnuclear begrüsst, dass sich das PSI in seiner 
Studie faktenbasiert mit der Atomenergie auseinandersetze und dieser eine 
sehr gute Klimabilanz ausweise. 
Allerdings zeigt die Studie auch: Die Bilanz der Atomkraft verschlechtert 
sich bis 2050, da der Abbau von Uran zunehmend in tiefer gelegenen 
Erdschichten erfolgen, also tendenziell mehr Ressourcen und Energie 
verschlingen wird. Philippe Renault, Geschäftsführer von Swissnuclear, 
weist indes darauf hin, dass nicht nur Uran, sondern auch andere Rohstoffe 
und damit auch Silizium mit fortschreitendem Abbau in tiefer gelegenen 
Schichten erschlossen werden müssten. 

Wichtiger Faktor Zeit 
Die Studie geht bei der Fotovoltaik, die auf Silizium angewiesen ist, 
gleichwohl von künftig besseren CO2-Werten aus, weil die Produktion 
laufend optimiert und der dafür eingesetzte Strom tendenziell ökologischer 
werde. Freilich, selbst unter dieser Annahme schneidet im Jahr 2050 die 
Fotovoltaik noch immer schlechter ab als die Atomkraft. 
Atomkritische Kreise überzeugt das klimapolitische Argument gleichwohl 
nicht. Nils Epprecht von der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) sagt, 
zwei Faktoren in der PSI-Prognose seien aus heutiger Sicht extrem unsicher 
und könnten die Prognose auch umkehren: Wie entwickelt sich die 
Fotovoltaik-Forschung? "Weitere Durchbrüche sind wahrscheinlich, auch was 
die CO2-Bilanz der Produktion anbelangt", sagt Epprecht. Und: Wie viele 
Emissionen fallen im Bereich Rückbau und Entsorgung bei den AKW an? Dazu 
hat man laut Epprecht "noch sehr geringe Erfahrungswerte". 
Unter dem Strich sieht die Energie-Stiftung klare Vorteile bei der 
Fotovoltaik. Das zeigt sie in ihrer Kurzstudie "Klimawandel und 
Atomkraftwerke", die heute publiziert wird. Die Vorteile liegen laut 
Studie nicht nur am Risiko eines Atomunfalls und an den hohen Kosten, die 
für den Bau sowie Stilllegung und Entsorgung anfallen. Auch der Faktor 
Zeit spricht gegen die Atomkraft, wie aus der Studie weiter hervorgeht. 
"Um die gesetzten CO2-Ziele zu erreichen, muss die Schweiz ihre CO2-arme 
Energieproduktion schnell ausbauen", sagt Epprecht. Doch dauere der Bau 
eines AKW mit mindestens 21 Jahren dreimal länger als der Aufbau derselben 
Produktion mit Fotovoltaik - dies, weil der politische Prozess von der 
Aufhebung des Neubauverbots bis zur Betriebsbewilligung deutlich 
hürdenreicher ist. 

Klumpenrisiko AKW? 
Hinzu kommt: Der Ausbau der Fotovoltaik wird nicht mit ein oder zwei 
Grossprojekten erfolgen, wie dies wohl bei der Atomkraft der Fall wäre. 
Ein Klumpenrisiko mit entsprechenden Folgen bei einem Scheitern besteht 
also für die dezentrale Energieversorgung mit Fotovoltaik nicht. "Die 
Klimaziele", sagt Epprecht, "liessen sich mit Fotovoltaik viel schneller 
erreichen." 
Der AKW-Branchenverband Swissnuclear relativiert Epprechts Aussagen: Es 
sei nicht nachvollziehbar, welche zusätzlichen signifikanten Emissionen 
beim Rückbau und Abbau der KKW entstehen sollten. Mit Blick auf den Faktor 
Zeit gelte zudem, dass auch Projekte im Solarbereich Bewilligungspflichten 
unterlägen. Geschäftsführer Renault weist auf den Platzbedarf hin: Um wie 
die Schweizer AKW 25 Terawattstunden Strom pro Jahr zu erzeugen, seien 220 
Quadratkilometer Solarpanels nötig; das entspreche etwa der Fläche des 
Kantons Neuenburg. Zur Studie der Energie-Stiftung äussert sich der 
Verband nicht, da er das Papier noch nicht kenne. 
So stark wird das Klima belastet 

Tagesanzeiger
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Energieforschung boomt

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Wien, 24. Jun. 2019

Das ÖVP-FPÖ-Aus verzögert das Gesetz zum Ausbau von Solar-,Wasserund Windenergie. Verbund-Chef Anzengruber fürchtet Untätigkeit.

Die neuesten Zahlen zur Energieforschung und zur Marktentwicklung erneuerbarer Energietechnologien sind positiv: Demnach haben Bund und Länder im vergangenen Jahr 144,1 Mio. Euro in Energieforschung investiert. Das sei eine Steigerung um 4,7 Mio. Euro bzw. 3,4 Prozent gegenüber 2017, teilte das Technologieministerium mit.

An erster Stelle lag-wie in den Jahren zuvor-der Bereich "Energieeffizienz" mit 66,9 Mio. Euro, mit großem Abstand gefolgt von den Bereichen "Übertragung, Speicher und andere" sowie "Erneuerbare Energie" (also Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft sowie Windenergie) mit jeweils 22,4 Mio. Euro. Knapp dahinter liegen die so genannten "Querschnittsthemen" mit 21,9 Mio. Euro, in denen auch zahlreiche große Sektoren übergreifende Projekte der "Vorzeigeregion Energie" des Klima-und Energiefonds erfasst wurden.
Der Ausbau der erneuerbaren Energietechnologien braucht aber noch mehr Investitionen-und zwar rasch,mahnt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber im einem Interview mit dem Standard. Denn durch das Auseinanderbrechen der ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung hat sich das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) deutlich verzögert, demnach werde auch das Ziel, Strom ab dem Jahr 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, noch schwerer zu erreichen sein. "Es geht um 25 bis 30 Terawattstunden (TWh) Strom, die wir zusätzlich benötigen-bei rund 70 TWh, die wir derzeit in Österreich pro Jahr verbrauchen",sagte Anzengruber. Man erwarte sich zusätzlich 6 bis 8 TWh aus Wasserkraft und noch um einiges mehr aus Wind und Photovoltaik. Allerdings rechne sich trotz des gestiegenen Strompreises derzeit keine der Technologien, so der Verbund-Chef.

Anzengruber ist für eine flexible Marktprämie: "Steigt der Strompreis, soll die Prämie sinken, fällt er, soll es entsprechend mehr Zuschuss geben." Er gehe jedoch nicht von einem fallenden Strompreis aus. "Zudem soll jede Technologie einen eigenen Topf bekommen, weil es einen Unterschied macht, ob der Strom aus Wasserkraft, Photovoltaik oder Wind kommt."

In Deutschland gehörten die Energieträger Wind und Sonne wegen der günstigen Witterung im ersten Quartal zu den größten Gewinnern, sie legten um 26 und 15 Prozent zu. Der Verbrauch von Steinund Braunkohle nahm um 15 beziehungsweise 16 Prozent ab, weil viel Strom aus Anlagen erneuerbarer Energieformen kam. 

Tiroler Tageszeitung
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Verbund und BIG füllen die Kassen der Öbag

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24. Jun. 2019

Die neue Staatsholding unter der Führung von Thomas Schmid profitiert stark von ihren beiden Neuzugängen.

In Hinkunft will die Republik bei "ihren" Unternehmen wieder stärker mitreden. 
Wien. Seit zehn Wochen gibt es die Staatsholding Öbag in neuer Form - und in den zehn Wochen ist viel passiert: Öbag-Chef Thomas Schmid sitzt mittlerweile in den Aufsichtsräten von fast allen Unternehmen mit staatlicher Beteiligung: in der OMV, der Telekom Austria, der Casinos-Tochter Lotterien sowie im Stromkonzern Verbund, wo er den Vorsitz des Kontrollgremiums übernommen hat. Kommende Woche wird er auch die Funktion des Aufsichtsratspräsidenten in der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) übernehmen. 

Das ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zur bisherigen Staatsholding Öbib: Die Öbag will in Hinkunft aktiv bei den Staatsbeteiligungen mitgestalten - und hat nunmehr (in der Person von Thomas Schmid) Sitz und Stimme in den Aufsichtsräten der jeweiligen teilstaatlichen Unternehmen. Es gehe um die Erhaltung und die Steigerung des Wertes der Beteiligungen, heißt es. "Eine schlagkräftige Standort-Holding", nennt Schmid die Öbag. 

Die Öbag soll auch ein stabiler Dividendenbringer für die Republik Österreich sein. In der gestrigen Hauptversammlung wurde die Tilgung der Verbindlichkeiten für das Geschäftsjahr 2018 und eine Dividendenausschüttung in Höhe von 370 Mio. Euro abgesegnet. "Eine schuldenfreie Öbag ist ein wichtiger Schritt für eine langfristig positive Performance und ein Beitrag zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Kern. Dividendenbringer zu sein wird der Öbag auch in Zukunft nicht schwerfallen: Gab es im vergangenen Jahr noch Dividenden der Staatsunternehmen in Höhe von insgesamt 278 Mio. Euro, kommen jetzt auch jene der neuen Beteiligungen BIG und Verbund, für die die Öbag nun auch zuständig ist, dazu. 

Spitzenreiter dabei ist die BIG mit einer Ausschüttung von 200 Mio. Euro, gefolgt von der OMV mit rund 180 Millionen. (siehe Grafik). Der ebenfalls neu zur Öbag-Verantwortung dazukommende Verbund hat für das vergangene Jahr 74,4 Mio. Euro an Dividenden bezahlt. 

Verbund und BIG erhöhen auch den Portfoliowert der Staatsholding enorm. Der liegt jetzt bei 22,4 Mrd. Euro. Davon entfallen sieben Mrd. auf die BIG und 7,6 Mrd. auf den Stromkonzern. (kor.) 

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US-Behörde ebnet Weg für Kohlestrom

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Washington , 24. Jun. 2019

Obama-Regulierungen gekippt – Mehrere Kraftwerke könnten wieder ans Netz gehen 

Die US-Umweltbehörde EPA hat Regulierungen für Kohlekraftwerke aus der Regierungszeit von Präsident Barack Obama zurückgenommen. Der von US-Präsident Donald Trump eingesetzte EPA-Chef Andrew Wheeler – ein früherer Lobbyist für die Kohlebranche – erwartet, dass nun nach zahlreichen Schließungen in den vergangenen Jahren wieder mehr Kohlekraftwerke ans Netz gehen werden. 
„Wir fördern und nutzen unsere Kohle in den Vereinigten Staaten sauberer als unsere internationalen Wettbewerber“, sagte Wheeler. Mit der neuen Regelung muss die US-Energiewirtschaft ihre Kohlendioxidemissionen bis 2030 im Vergleich zum Niveau von 2005 nur noch um 35 Prozent senken. Das ist einem Bericht der Washington Post zufolge weniger als die Hälfte dessen, was Experten als notwendig ansehen, um eine katastrophale Erderwärmung zu vermeiden. 

Dem Bericht zufolge mindert die Branche derzeit ihren Ausstoß ohnehin stärker, als selbst die Obama-Regelungen vorsehen – vor allem wegen einer Abkehr von der Kohle hin zu Gaskraftwerken. Durch neue Fördermethoden ist US-Gas extrem billig geworden und für Investoren in der Energiebranche damit attraktiv. 

Kohlestrom ist weltweit auf dem Rückzug und wird von Investoren zunehmend gemieden – aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen. Wheeler verwies am Mittwoch darauf, dass unter anderem der Ausstoß von Schwefel und Quecksilber in Kohlekraftwerken in den vergangen 30 Jahren deutlich zurückgegangen sei. Auch beim Feinstaubausstoß lägen die USA deutlich unter Konkurrenten wie China oder auch Deutschland. Chinesischer Kohle dürfe nicht das Feld überlassen werden, so Wheeler. 
Die Opposition und Umweltschützer schlugen dagegen Alarm. In einigen Staaten sind Klagen gegen die Neuregelungen in Vorbereitung. Präsident Trump hat die Neuerung als Teil seines wirtschaftsfreundlichen Deregulierungskurses gepriesen. 

Der Standard
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Die USA haben das russische Stromnetz im Visier

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Washington , 24. Jun. 2019

Medienbericht über vorsorgliche Platzierung von Schadsoftware zur Abschreckung 

Die USA haben gemäss einem Medienbericht ihre verdeckten Cyber-Operationen gegen das russische Stromnetz verstärkt, um dem Kreml-Chef Wladimir Putin klarzumachen, dass Cyber-Angriffe auf amerikanische Einrichtungen nicht unbeantwortet bleiben würden. Die «New York Times» berichtete am Wochenende unter Berufung auf frühere und gegenwärtige Regierungsmitarbeiter, die Amerikaner hätten Schadsoftware in das Elektrizitätsnetz eingeschleust, die bei Bedarf aktiviert werden könnte. 
Im vergangenen Sommer hatte die Regierung von Präsident Donald Trump die Regeln für offensive Cyber-Operationen gelockert. Dabei wurde dem Verteidigungsminister in einem Zusatz zum Militärbudget die Befugnis gegeben, eigenhändig über die Lancierung von geheimen Massnahmen zu befinden, mit denen Cyber-Angriffe gegen die Vereinigten Staaten verhindert, eingedämmt oder abgewehrt werden können. 
Während die Umstände, die Details und die Tiefe des Eindringens der Amerikaner in die russischen Verteilnetze von Regierungsvertretern nicht kommentiert wurden, unterstreicht die «Times», dass hinsichtlich der Veröffentlichung ihres Berichts keine Bedenken über eine allfällige Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit geäussert wurden. Das deutet darauf hin, dass die USA ihr aggressiveres Verhalten nicht verstecken wollen – im Gegenteil. 

Wie aus dem Bericht hervorgeht, soll allfälligen Angreifern unmissverständlich bedeutet werden, dass sie für Attacken auf die USA einen hohen Preis zahlen müssen. Die Aktion gegen das russische Verteilnetz soll im Zusammenhang mit der Abwehr von Manipulationsversuchen im Umfeld der Zwischenwahlen für den Kongress vom letzten November stehen. 

Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass Washington bereit sein will, um eine Attacke auf die Präsidentenwahl von 2020 beantworten – oder noch besser: mit Abschreckung verhindern – zu können. Es ist bekannt, dass sich russische Hacker seit längerem im amerikanischen Stromnetz tummeln und Schwachstellen identifizieren. Da sich das amerikanische Abstimmungssystem zum grössten Teil auf elektronische Wahlmaschinen stützt, könnten gezielte Unterbrüche der Stromversorgung am Wahltag zu einem unvorstellbaren Chaos und zu verbreiteten Zweifeln an den Resultaten führen. 

Der abschreckenden Wirkung stehen allerdings auch Risiken gegenüber. Zum einen droht immer die Gefahr, dass die eingesetzten Mittel dem Gegner verraten werden. «Lose Zungen könnten Schiffe versenken» («loose lips might sink ships»), hatte das amerikanische Kriegsministerium im Zweiten Weltkrieg als Warnung verbreitet. In der Ära Trump befindet sich die lose Zunge gelegentlich im Oval Office, wie die Affäre um ein Treffen Trumps mit dem russischen Aussenminister Lawrow und dem Botschafter Kisljak vor zwei Jahren zeigte. Trump verriet den Russen eine streng vertrauliche Information über Pläne von Terror gegen den zivilen Luftverkehr. Weil diese potenziell erlaubten, die Quelle zu identifizieren, reagierten die Nachrichtendienste entsetzt – vor allem derjenige eines verbündeten Staats, der die Informationen zum Schutz der Quelle unter grösster Geheimhaltung geliefert hatte. 

Ein weiteres Risiko ist, dass die Schadsoftware von Amerikas Gegnern entdeckt, kopiert und für eigene Aktionen eingesetzt wird. So geschehen mit einem Spionage-Instrument des Abhördiensts National Security Agency (NSA) namens Eternal Blue. Es soll die Basis für einige der bisher verheerendsten Cyber-Attacken mit Schad- und Erpressersoftware (ransomware) gebildet haben. 

Neue Zürcher Zeitung, Peter Winkler
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Erdgas als grüne Hoffnung

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24. Jun. 2019

Fiat Chrysler Automobiles setzt auf Fahrzeuge mit Erdgas-Antrieb 

Die europäischen Autohersteller geben bei Gasmodellen ein starkes Lebenszeichen von sich: Sie bieten in Österreich derzeit so viele gasbetriebene Modelle an wie noch nie. Aktuell sind 52 gasbetriebene Pkw-, Lkw- und Busmodelle in Österreich erhältlich. Die Käufer sind damit sicher, sauber und sparsam unterwegs. Derzeit sind 23 unterschiedliche Pkw-Fabrikate zu haben. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme, berichtet, dass der Autohandel schon seit Monaten mehr Interesse an Erdgasmodellen bemerke, weil "Erdgas für viele Konsumenten der neue, saubere Diesel" sei. Neben Fiat und Opel gehören VW und die Konzerntöchter Audi, Seat und Skoda zu den führenden Herstellern bei der zukunftsweisenden Erdgas-Mobilität in Europa. Auch die Palette bei Fahrzeugen für wirtschaftliche Anwendungen ist größer geworden: Unternehmer können unter sieben Bus-Modellen sowie je elf Nutzfahrzeugen und Lkw-Modellen auswählen. 

Mehr Gasbusse unterwegs 
Immer mehr Städte Europas setzen auf saubere Erdgasbusse - nicht nur Salzburg, Österreichs Vorreiter im sauberen Busverkehr, sondern auch zum Beispiel Madrid, die drittgrößte Stadt Europas: Aufgrund der positiven Erfahrungen der Spanier mit Gasbussen sollen im kommenden Jahr die letzten Dieselbusse der mehr als 1.900 Fahrzeuge umfassenden Flotte ausgemustert werden. Die Madrider Verkehrsbetriebe (Empres Municipal des Transportes de Madrid) ersetzen diese etwa durch gasbetriebene Busse. Durch den Umstieg auf Erdgas seien die Luftschadstoffe im Vergleich zu Diesel um mehr als 80 Prozent verringert worden. 

Fiat hat über 20 Jahre Erfahrung mit Erdgas 
Im Bereich der erneuerbaren Energien ist Erdgas, auch bekannt als CNG für "Compressed Natural Gas", der Stoff mit dem geringsten Ausstoß von CO2 im Vergleich zur erzeugten Energiemenge. Als Folge kann Erdgas einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen darstellen. Erdgas erzeugt nahezu keine Partikel und deutlich weniger Stickoxide und Kohlenwasserstoffe als Benzin oder Diesel. Betrachtet man den gesamten Energiebedarf von der Gewinnung der Rohstoffe bis zu Produktion und langfristigem Betrieb des Fahrzeugs schneiden mit Biogas betriebene Pkw ähnlich gut ab wie Elektro-Fahrzeuge, die Strom aus erneuerbaren Energiequellen nutzen. Erdgas und Biogas können so schon heute eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Luftqualität spielen. 
Fiat Chrysler Automobiles kann im Bereich Erdgas auf mehr als 20 Jahre Erfahrung und auf mehr als 700.000 verkaufte Fahrzeuge verweisen. Als erstes in Massenproduktion hergestelltes Erdgas-Modell ist der Fiat Panda mit über 300.000 Einheiten das meistverkaufte Erdgas-Fahrzeug Europas. Auch in Österreich ist Fiat gemeinsam mit Fiat Professional mit einem überzeugenden Marktanteil von über 37 Prozent führend (Stand März 2018). 

Für die steigende Beliebtheit der Erdgas-Modelle sprechen nicht nur die überzeugenden Umweltaspekte, sondern auch ganz klare wirtschaftliche Vorteile. Dadurch, dass der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas ungefähr dem Gehalt von 1,5 Liter Benzin bzw. 1,3 Liter Diesel entspricht, können die Treibstoffkosten um bis zu 50 Prozent reduziert werden. 

Auch die bisher häufig genannten Gründe, warum ein Erdgas-Modell nicht die erste Wahl sein kann, verlieren seit einiger Zeit ihre Berechtigung. So bietet Österreich mit rund 160 Tankstellen ein flächendeckendes Netz, das jederzeit und überall für ein sicheres Weiterkommen sorgt. Auch in den Nachbarstaaten und den beliebten Urlaubsländern hat sich die Infrastruktur für Erdgas rasant weiter- entwickelt. Darüber hinaus ist man mit den bivalenten Modellen von Fiat selbst dann zuverlässig unterwegs, wenn tatsächlich einmal keine Erdgas-Tankstelle in der Nähe sein sollte. 

Informationen: 
www.fiatprofessional.com 
https://smex12-5-en-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=www.erdgasautos.at&umid=0c84a795-e0ba-4bed-b3d7-c9000c38d14a&auth=082cbc62930efe7a6117e021874a6e8ca3c3bf7d-b4155298f78a3ada07bdf5e76cf95f1865a1ca2a 
https://smex12-5-en-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=www.gaswaerme.at&umid=0c84a795-e0ba-4bed-b3d7-c9000c38d14a&auth=082cbc62930efe7a6117e021874a6e8ca3c3bf7d-067c3cdccccbc8a78a8c2ebeb1cf251f2b5ab42a 
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Oberösterreichische Nachrichten
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„Nichts zu tun ist viel teurer“

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24. Jun. 2019

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber hält nichts von einer CO2-Steuer für die Industrie, kann sich aber einen Mindestpreis für Zertifikate vorstellen und hält Fridays for Future für einen erfrischenden Zugang der Jugend. 

Monika Graf Österreichs Stromwirtschaft sieht sich heute beim Klimaschutz als Vorreiter, allen voran der Verbund, sagt dessen Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber. 
Südamerika hat soeben einen riesigen Stromausfall erlebt. Kann das in Europa auch passieren? Anzengruber: Die Wahrscheinlichkeit ist geringer, weil die Struktur hier anders ist und es nicht so große Einheiten gibt. Solche Dominoeffekte sollten grundsätzlich ausgeschlossen sein, aber die totale Gewissheit kann keiner geben. Die E-Wirtschaft hat jahrelang vor Blackouts gewarnt. Die Branche wollte so den Ausbau von Wind- und Sonnenstrom bremsen. Passiert ist nichts. Hat man übertrieben? Man darf nicht den Fehler machen, mit Panik etwas zu erzwingen. Die Anforderungen an die Stromnetze sind – wegen des richtigen Ziels, Wind- und Sonnenenergie auszubauen – aber heute anders als früher und nicht überall erfüllt. Die Sicherheitsreserven sind weniger geworden, einige Reservekraftwerke, fallen demnächst aus Altersgründen weg. Das hat das Eis, auf dem wir gehen, dünner gemacht. Daher braucht es mittelfristig einen Plan. 

Diese Warnung bzw. Forderung ist auch nicht neu. Mit viel Einsatz und Kooperation ist die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Und mit Investitionen, die wir nur tätigen können, wenn sie wirtschaftlich sind. Hier hinken wir nach. Die Anforderungen sind da und je langsamer wir sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann etwas passiert. 
Früher ging es beim Verbund nur um Wasser. Neuerdings betonten Sie die Bedeutung von Wind und Sonne. Wandelt sich der Saulus zum Paulus? Es hat sich was verändert. Wasserkraft bleibt für Österreich die elementare Technologie – historisch und geografisch. Aber Windkraft und Photovoltaik sind mittlerweile wirtschaftlich interessante Technologien. Und: Früher haben wir die Stromversorgung sichergestellt. Jetzt ist es Staatsziel, die Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Ich unterstütze das und daher müssen wir alle Ressourcen nützen. 

Sie verlangen, dass auch Wasserkraft künftig gefördert wird. Ist das notwendig? Wir müssen die Förderungen den Marktmechanismen anpassen, um diese zusätzlichen Strommengen zu erzeugen. Es geht heute um mittelgroße Wasserkraftwerke, verbunden mit vielen ökologischen Maßnahmen. Diese Investitionen sind höher. Die Wissenschaft sagt auch, dass es für 100 Prozent erneuerbare Elektrizität Zwischenspeicher braucht, nicht nur Pumpspeicher. Dafür gibt es aber noch keine wirtschaftlichen Modelle. Daher braucht es in nächster Zeit noch Unterstützung dafür. 

Glauben Sie, dass die Klima- und Energiestrategie und das 100-Prozent-Ökostrom-Ziel trotz Neuwahlen erreichbar sind? Unter optimalen Bedingungen ja. Weil optimale Bedingungen aber nicht da sind, wird es eng. Ich rechne bei den Energiegesetzen realistischerweise mit Verzögerungen, denn es sind Verfassungsmaterien. Meine Angst ist, dass jetzt wieder der Streit zwischen Versorgungssicherheit und Ausbau der Erneuerbaren ausbricht. Es sind aber beide gleich wichtig. Mein Rat wäre: Die Ziele haben wir, jetzt sollten Taten folgen mit einer breiten Phalanx aus Kunden, Industrie und Politik. Es wird ohnehin sehr schwierig. 

Die Klimadebatte hat durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg eine völlig andere Dynamik bekommen. Wie schätzen Sie das ein? Ich unterschreibe vieles von dem, was die Fridays-for-Future-Demonstranten wollen. Das sind keine Schulschwänzer, sie bilden die Befindlichkeit der Menschen ab und das Gefühl täuscht nicht. Wir sollten nicht die Generation sein, die gewusst hat, was zu tun wäre und nicht gehandelt hat. Es ist erstaunlich, was Greta Thunberg auf ihre Weise auslösen kann. 
Was, glauben Sie, wird konkret passieren? Mehr als wortreiche Erklärungen, so wie Donnerstag und Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel? Viele Politiker werden sich dieses Themas annehmen, auch im heimischen Wahlkampf. Vielleicht sollten wir es auch nicht pessimistisch sehen als Luxus- und Wohlstandsverlust, sondern als erfrischenden Zugang der Jugend. Motto: Wir wollen, wir können, also bitte tut es. Ich glaube, dass durchaus ein riesiger Qualitätsgewinn möglich wäre. 

Aber sind die Forderungen ohne harte Einschnitte in das moderne Leben umsetzbar? Ich halte radikale Veränderungen immer für gefährlich. Aber noch schlimmer ist Untätigkeit. Notwendig sind Bewusstseinsbildung und Anreizsysteme. Der Mensch ist ein Schmerzverweigerer. Wir ändern uns nur, wenn das Beibehalten eines Zustands schmerzhaft wird oder Veränderung Spaß macht. Es braucht ein Maßnahmenbündel. 
Ein Vorschlag, der stets kommt, ist eine CO2-Steuer. Was halten Sie davon? Wir sind grundsätzlich gegen Steuern, möglich wäre aber ein Mindestpreis. Laut Wissenschaft ist die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre so hoch wie zuletzt vor drei Millionen Jahren. Damals gab es uns aber noch nicht. Also wird man CO2 einen Preis geben müssen, den zu vermeiden attraktiv ist. 

Wie hoch müsste der sein? Nicht 800 Euro, wie das Fridays for Future verlangt. Das ist eine Illusion. Mittelfristig wäre eine schrittweise Verdoppelung von derzeit 25 Euro pro Tonne vorstellbar. Die Differenz zum Marktpreis sollte abgeschöpft und der Industrie zur Verfügung gestellt werden. 
Das alles wird das Energiesystem massiv verteuern. Drehen wir es um und fragen: Was kostet es, es nicht zu tun. Das ist auch die Motivation der Fridays-for-Future-Kids. Die werden es zahlen. Das ist genau die Schwierigkeit: Gelingt es uns, diese Mehrkosten, die eklatant sind, von der Zukunft in die Gegenwart zu verlagern. 

Rechnen Sie mit Widerstand? Es hängt von der Kommunikation ab. Schocks sind immer schlecht. Wenn ich aber eine Perspektive sehe, kann ich mein Verhalten in diese Richtung verändern. 
Wird diesmal auch Österreich wirklich etwas tun? Es ist wahrscheinlicher geworden, auch wegen Fridays for Future. Übrigens ist das Wort Umweltschutz falsch. Die Erde wird sich wieder erholen. Es geht um uns. 

Salzburger Nachrichten
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Wenn plötzlich die Dunkelheit regiert

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24. Jun. 2019

Der folgenschwere Stromausfall in weiten Teilen Südamerikas wirft die Frage auf: Ist so ein Blackout auch bei uns möglich? So rüsten sich Versorger und Gemeinden für den Ernstfall. 

Letztlich hat es fast 15 Stunden gedauert, bis die Versorgung wieder halbwegs hergestellt war. Um 7.07 Ortszeit gingen am Sonntag in Argentinien und Uruguay die Lichter aus. Und nicht nur die. Es war ein kapitaler Stromausfall, ein fast flächendeckendes Blackout, von dem knapp 50 Millionen Menschen betroffen waren (siehe links). 
Auch wenn Südamerika weit weg ist, das Thema Blackout ist auch in unseren Breiten ein präsentes und auch ernst zu nehmendes Krisenszenario. Die Frage, die seit Sonntag daher häufig zu hören ist: Kann so etwas auch in Europa, auch in Österreich passieren? 

Erst Mitte Mai wurde mit „Helios“ in Österreich die bis dato größte Blackout-Übung der Geschichte abgehalten. Teilgenommen haben alle Ministerien, Bundesländer, Einsatzorganisationen, Energieversorgungsunternehmen, der Regulator E-Control und der Verbund. „Eine Übung in diesem Ausmaß hat es in Österreich zuvor nicht gegeben“, sagt Robert Stocker, Leiter des Krisen- und Katastrophenmanagements des Innenministeriums. Bei der Übung ging es darum, dass „alle in dieselbe Richtung ziehen. Wir wollen herausfinden, in welchen Bereichen es Verbesserungsbedarf gibt.“ 
Denn unmöglich ist ein Blackout auch in Österreich nicht, wie E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer erklärt. Dennoch: Das letzte Blackout liegt Jahrzehnte zurück, das liege auch am umfassenden Sicherheitssystem in Europa. „Wenn eine Hauptkomponente im Stromnetz ausfällt, müssen die anderen Systeme den Ausfall abfangen können“, so Eigenbauer. Störungen im Netz seien nämlich auch in Österreich normal. Im Winter hatte etwa eine Lawine in Tirol eine Hochspannungsleitung umgeworfen. „Problematisch wird es, wenn zwei Hauptsysteme zugleich ausfallen und sich dann eine Kaskade bildet.“ 
2003 passierte genau das in Italien. 57 Millionen Menschen waren fast zwölf Stunden ohne Strom. Eine Lernerfahrung aus diesem Blackout: „Das Netz lässt sich schneller wieder aktivieren, wenn es von zwei Seiten aufgebaut wird“, sagt Eigenbauer. Das wäre auch der Plan für Österreich. „Welche Einrichtungen, welche Haushalte nimmt man zur Stabilisierung vom Strom, welche Folgen hat das? Hier müssen wir noch dazulernen“, sagt Eigenbauer. Genau deshalb seien regelmäßige Übungen auch so wichtig. „Es ist wie bei der Feuerwehr: Man braucht Übung, um in der Krise schnell zu reagieren.“ 

Das sagt auch Robert Schmaranz, Leiter der Netzführung bei der Kelag-Tochter Kärnten Netz. „Wir haben zweimal pro Jahr eine Übung, in der wir genau diese Szenarien simulieren.“ Nächste Woche, vom 25. bis 27. Juni, findet in Kärnten wieder eine Übung statt, intern ‚Combined Success‘ genannt“. Konkret wird diesmal in den Bezirken Spittal, Hermagor, Villach und Feldkirchen das Vorgehen bei einem Blackout geprobt. Die Führung hat der Landeskatastrophenschutz. Die letzte Übung im Herbst habe laut Schmaranz gezeigt: „Wir sind für den Ernstfall gut gerüstet. Nach derzeitiger Abschätzung bräuchten wir nicht länger als einen Tag, um den Großteil Kärntens wieder versorgen zu können. Im Idealfall sogar kürzer.“ 
Dafür gibt es für Österreich im Gesamten sowie für Kärnten speziell einen sogenannten „Netz-Wiederaufbauplan“, für den wiederum der Kelag-Kraftwerkspark auf der Fragant, gelegen in einem Seitental des Mölltals, eine entscheidende Rolle spielt. 

Die Fragant ist es sogenanntes „schwarzstartfähiges“ Kraftwerk, das heißt, es kann unabhängig vom Stromnetz vom abgeschalteten Zustand aus anfahren, ohne von außen Energie zu bekommen. 
Die Schwarzstartfähigkeit ist bei einem flächendeckenden Stromausfall von Bedeutung, um das Energienetz wieder in Betrieb zu nehmen. „So kann man auf der Fragant eine sogenannte Insel hochfahren. Zug um Zug werden dann andere Teile dazugeschaltet“, erklärt Schmaranz, der mit seinem Team auch zweimal im Jahr in Duisburg trainiert: Dort steht ein Großstörungssimulator. Auch Funkübungen gehören dazu: „Die Kommunikation ist extrem wichtig“, sagt Schmaranz. 
Rechnen müsse man mit allem: Kärnten ist in das europaweite Stromnetz eingebunden. Gäbe es zum Beispiel in Norddeutschland eine Störung, könnte sie auch uns treffen. 

Kleine Zeitung
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Modell Ebay gegen Kohlestrom

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24. Jun. 2019

Das Gesetz zum Kohleausstieg lässt zwar noch auf sich warten.

Doch es gilt als sicher, dass Deutschland die Stromproduktion mit dem klimaschädlichen Energieträger bis spätestens 2038 auslaufen lässt. Das Datum steht in der Ausstiegs-Blaupause, die die Kohlekommission im Januar vorgelegt hat. Denkbar ist sogar, dass der Termin vorgezogen wird. Denn der Druck auf die Bundesregierung ist durch Schülerstreiks und Europawahl-Absturz von Union und SPD enorm gewachsen, beim Klimaschutz mehr zu tun als bisher. 
Doch damit der Ausstieg, ob wie geplant oder schneller, auch wirklich bringt, was er verspricht, muss er fiskalisch flankiert werden - am besten mit einem Mindestpreis auf CO2. Geschieht das nicht, droht ein groteskes Ergebnis: Der Treibhausgas-Ausstoß aus dem Kohlesektor könnte trotz der sukzessiven Abschaltung der Kohlemeiler sogar ansteigen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die Experten des renommierten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) vorgelegt haben. 

Der Kohleausstieg hat danach zwei Effekte. Erstens sinkt das Stromangebot im deutschen Markt, dadurch steigt der Strompreis, und die noch vorhandenen Kohlemeiler können häufiger kostendeckend produzieren. Folge: Die Emissionen steigen. Angeheizt werden könnte das besonders, wenn künftig viel zusätzlicher Strom für E-Autos und Wärmepumpen zur Hausheizung gebraucht wird. Zweitens vermindert sich durch das sukzessive Abschalten der Meiler in Deutschland die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten im EU-weit organisierten Emissionshandel. Das verbilligt diese "Verschmutzungslizenzen". Strom- oder Industriekonzerne im Ausland, zum Beispiel im Kohleland Polen, können sich günstiger damit eindecken und ihre Meiler und Produktionsanlagen höher auslasten. Ergebnis auch hier: Der CO2-Ausstoß nimmt zu. Zwar nicht in Deutschland, aber zum Beispiel in den Nachbarländern. Ein ärgerliches Nullsummenspiel für das Weltklima. 

Die PIK-Forscher kritisieren, dass diese Risiken in der politischen Debatte über den Kohleausstieg bislang unterschätzt werden. Kurz nach der Einigung in der Kohlekommission hatte allerdings schon das Münchner Info-Institut moniert, dass der hiesige Kohleausstieg teils durch Importe von Kohle- und Atomstrom aus Osteuropa ausgeglichen werden könnte. Die PIK-Forscher machen nun aber auch Vorschläge, wie das Problem behoben werden kann. 

Die Potsdamer Experten plädieren dafür, am besten für den gesamten EU-Emissionshandel einen Mindestpreis für die Tonne CO2 festzulegen - "analog zu einem Mindestgebotspreis bei Ebay". Das könnte Kohlestrom so stark verteuern, dass sich das zusätzliche Anwerfen von Kohlekapazitäten im Ausland nicht lohnen würde. Derzeit liegt der CO2-Preis dafür zu niedrig, nämlich nur bei 25 Euro pro Tonne. Initiativen für einen ansteigenden Mindestpreis mit Start bei 30 Euro hat es ja bereits gegeben, so von Frankreichs Präsident Macron. Realistischer ist allerdings, dass eine "Pioniergruppe" von Ländern wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden mit dem Mindestpreis voranginge. Als weitere Möglichkeit sehen die PIK-Forscher eine Löschung der durch den Kohleausstieg überzählig werdenden CO2-Zertifikate. Das aber würde Deutschland rund 19 Milliarden Euro kosten. Da wäre der Mindestpreis, wie das PIK meint, in der Tat deutlich "eleganter". 

Frankfurter Rundschau, von Joachim Wille
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Gut 630 € sparen bei Energie

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24. Jun. 2019

Der Strompreis ist österreichweit zuletzt gestiegen. Wer hingegen zum jeweils billigsten Anbieter bei Strom sowie Gas wechselt, erspart sich viel Geld . 

„Eine vierköpfige Familie kann sich derzeit im Schnitt insgesamt gut 630 € im Jahr einsparen. Das ist noch um 30 € mehr als zu Jahresbeginn. Wir raten deshalb jetzt im Sommer zum Anbieterwechsel“, betont Marc Schuler, Österreich-Chef des Vergleichsportals compera.at. Exklusiv für die „Krone“ hat er die mögliche Ersparnis je nach Größe des Haushalts sowie pro Bundesland ermittelt. Im Raum Linz sind demnach bis zu 830 € im Jahr drin, wenn man zum billigsten Anbieter für Strom sowie Gas geht, in Vorarlberg immerhin 457 €. 

Kronen Zeitung
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Mit Wind und Wasserstoff in ein neues Industriezeitalter

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24. Jun. 2019

"Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern."

Diese Zeilen schrieb Jules Verne im Jahr 1874 - ein weitsichtiger Mann! Und Niedersachsen - so möchte man heute fast 150 Jahre später ergänzen - als Windenergieland Nr. 1 wird so zum Vorreiter für eine nachhaltige Industriegesellschaft, der es gelingen kann, mit sauberem, "grünen" Wasserstoff erneuerbare Energien zu speichern und industrielle Prozesse, Wärme und Mobilität zu dekarbonisieren. 


In der Tat: Wenn man Strom durch Wasser leitet, wird Wasserstoff als Gas freigesetzt. Für eine solche Elektrolyse benötigt man jedoch jede Menge Energie. Deswegen kommt der Wind ins Spiel, der in Niedersachsen fast immer stark weht. Unsere On- und Offshore-Windanlagen produzieren mehr Wind, als das Stromnetz aufnehmen kann. Die großen Stromtrassen in den Süden müssen erst noch gebaut werden. Die Kosten für das Abregeln und Vergüten von überschüssiger Windenergie belaufen sich auf 1,4 Mrd. Euro jährlich. Die schwankende erneuerbare Energie kann jedoch als Wasserstoff gespeichert und auf unterschiedliche Weisen eingesetzt werden - Power to Gas! 

Langer Speicherzeitraum 
Fügt man dem so gewonnenen Wasserstoff CO2 hinzu, erhält man synthetisches Erdgas, das überall dort zum Einsatz kommen kann, wo bislang fossiles Erdgas verwendet wird. Bringt man in einer Brennstoffzelle den Wasserstoff mit Sauerstoff in Kontakt und führt Zündenergie hinzu, wird ein Großteil der Energie, die vorher zur Spaltung des Wassers aufgebracht werden musste, wieder abgegeben und in elektrische Energie umgewandelt. Wasserstoff ermöglicht es so, große Energiemengen über einen langen Zeitraum hinweg zu speichern. 

Norddeutschland ist für eine erfolgreiche Wasserstoffwirtschaft prädestiniert. Die On- und Offshore-Windanlagen in Niedersachsen haben enorme Ausbau- beziehungsweise Ertüchtigungspotenziale. Erste Produktionskapazitäten für Wasserstoff sind bereits vorhanden. Unterirdische Gasspeicher können auch Wasserstoff speichern, die vorhandene Erdgasnetzinfrastruktur kann genutzt werden, um Wasserstoff zu transportieren oder zwischenzuspeichern. Es gibt zudem eine Vielzahl niedersächsischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich intensiv mit Wasserstoff in verschiedensten Facetten beschäftigen. 
Im Nordwesten Niedersachsens planen TenneT, Gasunie und Thyssengas eine 100 Megawatt starke Anlage zur Umwandlung von Windenergie in grünen Wasserstoff. Eine vergleichbare Power-to-Gas-Anlage wollen Amprion und Open Grid Europe (OGE) in der Region Lingen errichten. 
Dow Chemical in Stade arbeitet intensiv an der Dekarbonisierung industrieller Prozesse mithilfe von Wasserstoff. Und der Ersatz von emissionsreicher Kokskohle durch die Nutzung von Wasserstoff als Reduktionsmittel ist das zentrale Element von SALCOS - Salzgitter Low CO2 Steelmaking für die geplante CO2-arme Stahlproduktion. Auch bei Raffinerieprozessen wie bei BP in Lingen kann regenerativ erzeugter "grüner Wasserstoff" zur Dekarbonisierung der Kraftstoffproduktion eingesetzt werden. 

Beitrag zu sauberem Verkehr 
Wasserstoff leistet schon heute einen wichtigen Beitrag zu saubererem Verkehr. Der von Alstom in Salzgitter gebaute iLint-Zug wird mit Brennstoffzellen angetrieben, die Wasserstoff und Sauerstoff in Strom umwandeln und so den Schadstoffausstoß im täglichen Betrieb auf null reduzieren. Was für ein Potenzial für die Vielzahl der nichtelektrifizierten Bahnstrecken in Deutschland! 

Mit einem zeitnahen Einsatz von Wasserstoff und Brennstoffzellen ist auch im Schwerlastverkehr und in der Schifffahrt zu rechnen. Allerdings: Die Energiewende in Deutschland war bislang vor allem eine Stromwende. Nicht nur im Stromsektor, sondern auch im Wärme- und im Kältesektor, in der Industrie und im Verkehr müssen fossile Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Wir müssen endlich die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen verbessern, um erneuerbare Energien auch in den anderen Sektoren sehr viel breiter einsetzen zu können. 

Um die zusätzlichen Strombedarfe einer umfassenden Sektorenkopplung decken zu können, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien - insbesondere aus On- und Offshore-Windkraft - deutlich vorangetrieben werden. 2030 muss der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bei 65 % liegen. Die vorhandenen Stromnetzkapazitäten müssen entsprechend schnell ausgebaut werden. Alle Flexibilitätsoptionen müssen zum Einsatz kommen. Wir benötigen einen konkreten und verlässlichen Fahrplan, der Planungssicherheit schafft und Investitionen anreizt. 

Niedersachsen steht bereit, um das volle Potenzial grünen Wasserstoffs auszuschöpfen. Hier existiert bereits die notwendige Infrastruktur für Speicherung, Transport und Verteilung großer Mengen von Wasserstoff. Hier können neue Wertschöpfungsketten entstehen. Eine grüne Wasserstoffwirtschaft wäre ein enormer industriepolitischer Standortvorteil, der eine Erfolgsstory verspricht. Dekarbonisierte industrielle Prozesse können gleichermaßen zu Wertschöpfung, Sicherung von Arbeitsplätzen, Ressourcenschonung und Klimaschutz beitragen. 

Noch Herausforderungen 
Noch gibt es jedoch einige Herausforderungen: Die Produktionskosten von strombasiertem Wasserstoff sind noch zu hoch. Power-to-Gas-Anlagen müssen alle Stromnebenkosten, also Steuern, Umlagen und Abgaben, in vollem Umfang tragen. Damit aber sind Investitionen in die Wasserstoffproduktion noch wenig attraktiv, und die Nachfrage nach Anlagen und Anlagenkomponenten ist gering. Dies wiederum führt zu nach wie vor hohen Stückkosten. Wasserstoff aus erneuerbarem Strom ist bislang im Vergleich zu konventionell hergestelltem Wasserstoff und zu anderen Energieträgern im Mobilitäts-, Wärme- und Industriesektor noch nicht wettbewerbsfähig. 

Die Niedersächsische Landesregierung wird zusammen mit den anderen norddeutschen Ländern alles daransetzen, diese Hemmnisse zu überwinden. Dazu haben wir bereits Eckpunkte für eine Norddeutsche Wasserstoffstrategie vorgelegt. So muss zukünftig der Einsatz erneuerbarer Energie konsequent belohnt werden, etwa durch Anrechenbarkeit auf bestehende Klima- oder Umweltziele. Die Nutzung erneuerbarer Energien muss im Vergleich zu fossiler Energie deutlich günstiger werden. Dazu müssen vor allem die Steuern, Abgaben und Umlagen reduziert werden und sich am spezifischen CO2-Gehalt des Energieträgers ausrichten. So könnten die Kosten für die Herstellung grünen Wasserstoffs deutlich reduziert werden. 
Notwendig sind auch faire Marktzutrittschancen für Technologien, die dabei helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren. Hilfreich wäre zudem eine Experimentierklausel, um bessere Rahmenbedingungen in der Sektorenkopplung zu testen. Zudem sollten die Mittel für die geplanten "Reallabore" deutlich erhöht und verstetigt werden. 

Die Jugendlichen der "Fridays for Future"-Bewegung mahnen uns allwöchentlich zu mehr Klimaschutz und zu hohem Engagement und größerer Konsequenz in der Energiewende. Sie haben Recht. Wir müssen umsteuern im Bund und auf EU-Ebene hin zu einer echten sektorenübergreifenden Energiewende. Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel: Erneuerbare Energien können und sollen mithilfe der Wasserstofftechnologie zukünftig der Grundlastträger der Energieversorgung sein. 
Niedersachsen kann und will Vorreiter für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft sein. Die Menschen in Niedersachsen neigen in der Regel nicht zu Revolutionen, aber für die auf Wasserstoff basierende fünfte industrielle Revolution sind wir bereit. Jules Verne würde sich freuen. 
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Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen 
 

Börsen Zeitung
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Alle wollen das Kabel

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24. Jun. 2019

Die 600-Kilometer lange Leitung, durch die erneuerbarer Strom zwischen Deutschland und Norwegen fließen soll, ist bei Büsum am Deich angekommen. Es gibt kaum Proteste 

Als das Kabel in das Rohr gezogen wird, herrscht Stille. Nur das Knarren der Seilwinde und das Klicken der Fotoapparate ist zu hören, dazwischen das irritierte Bliep-Bliep der schwarz-weiß gefiederten Austernfischer, die über dem Verlegeschiff kreisen. Das Schiff liegt vor dem Nordseedeich bei Büsum auf dem grau-braunen Schlick, der armdicke Nordlink rollt zentimeterweise über gebogene Gestelle ab in das Rohr, das durch den Seedeich führt. 
Das alles ist lange geplant, "aber man fiebert doch auf diesen Moment hin", sagt Gunnar Spengel, Nordlink-Projektleiter bei der Firma Tennet, die mit dem norwegischen staatlichen Netzbetreiber Statnett das Kabel verlegt. Um die Zwei-Milliarden-Euro-Investition zu stemmen, ist auf deutscher Seite die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beteiligt. 

Der Deich-Durchstich ist noch nicht das Ende des Projekts. Es fehlen noch rund 54 Kilometer Erdkabel bis zum Umspannwerk bei Wilster. Aber der größte Teil der Strecke ist geschafft, inklusive schwieriger Transporte von 400-Tonnen-Trafos über norwegische Serpentinenstraßen und Verlegung des Seekabels bei Sturm und Wellengang. Es wird von Spezialschiffen auf dem Meeresgrund ausgelegt und später mit Sand zugeschüttet. Aber nicht nur technisch sei Nordlink eine "Pioniertat", sagt Tennet-Sprecher Mathias Fischer, sondern "wichtig für ganz Europa, um die Energiewende zu schaffen". 

Über das Doppelkabel - zwei Stränge verlaufen parallel - kann Strom aus deutschen Windrädern nach Norwegen und Energie aus den norwegischen Wasserkraftwerken nach Deutschland geleitet werden, um stetigen Zufluss erneuerbarer Energie zu garantieren. Das verhindert, dass Windräder abgeschaltet werden, wenn die Netze überlastet sind, oder dass bei Flaute nichts aus der Steckdose kommt. 
Knapp zwei Stunden nachdem das Kabel auf See im Rohr verschwunden ist, rollt es jenseits des Deiches ans Licht. Ab hier beginnt die Verlegung als Erdkabel - in einem rund fünf Meter breiten Graben, in dem beide Kabelstränge liegen. Ist der Graben wieder zugeschüttet, sei bald nichts mehr von den Arbeiten zu sehen, sagt Fischer. 

Was fehlt, ist der Protest gegen die Kabelverlegung oder Menschen, die sich über die Nutzung der Nordsee als Kabelschacht aufregen - im Gegenteil, es herrscht eher Begeisterung, allen voran in der Landespolitik. Der Grüne Robert Habeck, bei Baubeginn Umwelt- und Energiewendeminister in Schleswig-Holstein, nannte die Seetrasse einen "Zukunftsbaustein" und freute sich über die Zusammenarbeit mit Norwegen: "Die Energiewende wird europäisch." 
Diese Haltung sei bei der heutigen Jamaika-Regierung geblieben, berichtet Tennet-Sprecher Fischer. Zwar gab es vor Baubeginn Proteste von AnwohnerInnen des Hardanger-Fjords in Norwegen, berichteten damals Medien. Und dass Bayern keine Lust auf Kabel für Windstrom hat, ist bekannt. In Schleswig-Holstein dagegen, wo an viele Gemeinden Bürgerwindparks angeschlossen sind, scheint der Nordlink willkommen. 

Das Kabel wird durch das empfindliche Wattenmeer geführt, aber auch die Umweltschutzverbände haben "keine grundsätzlichen Bedenken", so der BUND Schleswig-Holstein auf taz-Anfrage. Ja, das Kabel sei ein "starker Eingriff", aber "eine Energiewende ohne Eingriffe in Natur und Landschaft ist leider nicht möglich". Der Nabu verweist auf technische Fortschritte seit den ersten unterseeischen Stromkabeln, und der Nationalpark Wattenmeer erinnert daran, dass auch für die Offshore-Seeparks Leitungen gebaut werden müssen: "Um die negativen ökologischen Effekte zu minimieren, werden alle Kabel auf einer Trasse durch den Nationalpark gebündelt" - der Nordlink ist Teil dieses Pakets. 
Ingrid Austen, freiberufliche Wattführerin, sieht es pragmatisch: "Der Eingriff ist nur temporär, und es gibt strenge Auflagen. Und schließlich wollen wir alle weiter Energie nutzen." 

Nordlink in Zahlen 
Die Gesamtlänge beträgt 623 Kilometer, davon 516 auf See. 
Übertragen wird Hochspannungs-Gleichstrom, der in den Umspannwerken Wilster und Tonstad in Wechselstrom umgewandelt werden kann. 
Die Übertragungs-Kapazität von 1400 Megawatt entspricht dem Bedarf von 3,6 Millionen Haushalten. 
Geplanter Start ist Ende 2020. 
So kommt das Kabel an Land: Nordlink verbindet Norwegen und Norddeutschland 

 

taz.die tageszeitung, von Esther Geißlinger
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Vorsorge für die Dunkelheit

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Wien, 24. Jun. 2019

Auch Österreich ist nicht vor Blackouts sicher. Grund dafür sind meistens unvorhersehbare Naturereignisse. 

Ampeln fallen aus. Glühbirnen und Straßenlaternen lassen sich nicht einschalten. Die U-Bahn fährt nicht. Krankenhäuser und Schulen haben keinen Strom. Dunkel, überall. Am Wochenende hat Südamerika einen solchen flächendeckenden Blackout erlebt. 47 Millionen Menschen hatten bis zu 15 Stunden lang keinen Strom, vor allem in Argentinien und Uruguay. 
Vor gut einem Monat wurde in Österreich unter dem damaligen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) der Blackout-Fall geübt. An der Krisenübung „Helios“ nahmen 100 Vertreter von Ministerien, Ländern, Einsatzorganisationen und Infrastruktureinrichtungen teil. Fazit der damaligen Übung: Hie und da bedarf es einer Nachschärfung. Und auch Familien sollten sich für den Krisenfall wappnen. Also mit Vorräten wie Kerzen, Konserven und Batterien eindecken. 

30 Minuten Blackout 
In Österreich gibt es derzeit insgesamt 30 Minuten im Jahr ein solches Blackout. Das heißt, insgesamt 30 Minuten lang fällt der Strom großflächig aus, sodass etwa ein ganzes Wohnviertel temporär ohne Strom ist. „Der Hauptgrund für solche Blackouts sind Naturereignisse“, erklärt Ernst Brandstetter von Österreichs Energiewirtschaft. Meist sind es Bäume, die im Zuge eines Sturms eine Stromleitung beschädigen, Blitzeinschläge, Hochwasser oder Lawinenabgänge. Und manchmal sind es schlicht technische Probleme bei den Energieversorgern. 

Wie wahrscheinlich ein Total-Blackout zum Beispiel durch einen Cyberangriff für Österreich ist, lässt sich nur sehr schwer einschätzen. „Wenn sie (die Hacker, Anm.) es sehr gut machen und es besonders blöd hergeht, kann man ganz Österreich lahmlegen“, so Brandstetter. Verantwortlich für die Sicherheit der heimischen Stromversorgung ist die Austrian Power Grid (APG). An sie müssen heimische Energieerzeuger tägliche, sehr detaillierte Stromerzeugungs-, Verbrauchs- und Krisenpläne vorlegen. Und regelmäßig wird auch der Krisenfall geprobt. 

Laut Gerhard Christiner, Geschäftsführer der APG, scheint ein Blackout in Österreich zumindest weniger wahrscheinlich als in Südamerika, wie er im Ö1-„Mittagsjournal“ erklärte. Zum einen liegt das an der kleinteiligen Netzstruktur und an der Vielzahl an Energieversorgern hierzulande. Den einzigen, staatlichen Energiebetreiber gibt es nicht, und das macht die Netze weniger volatil. 
„Natürlich kann ein Hackangriff ein solches Blackout verursachen. Wir versuchen aber, alle sensiblen Systeme abseits des Internets zu betreiben“, erklärt Christiner. Und auch bei heimischen Energieversorgern wird seit einigen Jahren viel in die Cybersicherheit investiert. „Wir stimmen uns regelmäßig mit dem Cert (Computer Emergency Response Team Austria, Anm.) ab und proben auch unternehmensintern Krisenfälle“, sagt ein Sprecher des Verbunds auf Nachfrage. 

EU-weite Vernetzung 
Neben Naturkatastrophen und Cyberangriffen sind auch die erneuerbaren Energien derzeit noch ein Unsicherheitsfaktor in der Stromversorgung. Weil Sonnenschein und Wind nicht genau prognostizierbar sind, lassen sich Peaks, Überschüsse und Engpässe auch schwer planen und steuern. Das, so Branchenkenner, stellt die Netze derzeit vor größere Herausforderungen. 
Zudem ist die Stromversorgung EU-weit stark vernetzt. Die Infrastruktur ist länderübergreifend, und Vorfälle in anderen EU-Staaten können zu Stromausfällen in Österreich führen. So wie im November 2006 zum Beispiel. Teile von Deutschland, Belgien, Italien, Spanien, Österreich und sogar Marokko blieben bis zu zwei Stunden ohne Strom. Ausgelöst wurde das durch die Ausschiffung eines Kreuzfahrtschiffs im deutschen Papenburg und einer damit einhergehenden Panne bei der Abschaltung einer von E.ON betriebenen 380-kV-Hochspannungsleitung. 
Etwa 30 Minuten im Jahr fließt in Österreich kein Strom durch die Leitungen. 

Wiener Zeitung, von Marina Delcheva
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Niedrige Strompreise sind nicht in Sicht

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Wien, 24. Jun. 2019

Die Ausbaupläne der österreichischen E-Wirtschaft liegen auf Eis. Damit rückt das Erreichen der Klimaziele wieder in die Ferne. 

Die meisten Stromverbraucher in Österreich haben in den vergangenen zwölf Monaten teils kräftige Strompreiserhöhungen erlebt. Gründe gab es einige, wie die Branche wiederholt erklärt hat, von der Trennung des gemeinsamen Marktes mit Deutschland bis zur Kostenexplosion bei CO2 -Zertifikaten. 
Wer nun auf eine Umkehr des Trends gehofft hat, wird enttäuscht. „Im Allgemeinen ganz grundsätzlich“ würden die Strompreise in Österreich steigen, sagte Leo Schitter, Chef der Salzburg AG und amtierender Präsident des Branchenverbands Oesterreichs Energie, am Dienstag in Wien. 

Wie stark diese Erhöhungen über die Jahre ausfallen könnten, wagt derzeit niemand zu schätzen. Ebenso wenig wie die möglichen Auswirkungen von Strafzahlungen, sollte Österreich seine Klimaziele 2030 verfehlen. „Dazu ist jetzt keine seriöse Aussage möglich“, sagte Schitter. Wichtiger sei es auch, daran zu arbeiten, dass diese Zahlungen – die zwei bis schlimmstenfalls neun Milliarden betragen könnten – gar nicht schlagend werden. Dazu müssten der Verkehr und der Wärmesektor mehr für die Senkung der Treibhausgasemissionen tun. 

Die E-Wirtschaft drängt jedenfalls trotz der Absetzung der türkis-blauen Regierung auf die Verwirklichung des für sie besonders relevanten Punkts in der Klima- und Energiestrategie „Mission 2030“: Österreich bis 2030 zu 100 Prozent mit Strom aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse zu versorgen. Derzeit stammen rund 72 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie (56 Prozent Wasser, 16 Prozent Wind, Photovoltaik, Biomasse). 

Dazu müssen rund 30 Terawattstunden an Wasserkraftwerken, Windrädern, Photovoltaik- und Biomasseanlagen dazukommen – halb so viel, wie in Österreich derzeit an Strom verbraucht wird. Ein Drittel der zusätzlichen Kapazitäten existiert laut dem Branchenverband in Projektform, sei es im Bau (darunter 21 Wasserkraftwerke), in Planung oder als Konzept. „Wir brauchen nicht politischen Stillstand, sondern politische Entscheidungsfreude“, sagte Schitter. Österreich habe keine Zeit mehr, sonst seien die Ziele nicht erreichbar. 

Enorme Investitionen planen die Energieversorger in die Stromnetze. Zehn Mrd. Euro sind bei den Stromkonzernen für neue oder verbesserte Stromleitungen vorgesehen. Weitere acht Mrd. wären für die Umsetzung der Klimapläne nötig. 

Um diese Zusatzkosten zu finanzieren, sollen die Netztarife künftig stärker auf Stromspitzen und nicht nur Kilowattstunden abstellen, verweist Schitter auf Pläne der E-Control. Damit würden Betreiber von PV-Anlagen oder E-Ladestationen stärker belastet. Für Normalhaushalte sollte sich nichts ändern. 
Österreich lag im zweiten Halbjahr 2018 mit einem Strompreis (Energie und Netz) von 12,65 Cent pro Kilowattstunde bzw. 20,12 Cent (inkl. Steuern und Abgaben) leicht unter dem EU-Durchschnitt. Spitzenreiter waren Dänemark (31,23 Cent) und Deutschland (30,00). mg 
 

Salzburger Nachrichten