170 Masten und neues Umspannwerk geplant – Auflagen für Wald, Fledermäuse, Ameisen
Das Großprojekt „Stromversorgung Mühlviertel“ kann umgesetzt werden – das ist die Entscheidung im UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung). Zwischen Rohrbach und Waldburg im Oberen Mühlviertel sollen rund 170 Strommasten, eine 40 Kilometer lange 110-kV-Freileitung und ein Umspannwerk in Langbruck bei Bad Leonfelden entstehen. Projektbetreiber sind Netz OÖ und Linz Netz (die Netzbetreiber der Energie AG und der Linz AG). Das Vorhaben wird auf Flächen von zwölf Gemeinden umgesetzt.
Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder (Grüne) hat den UVP-Genehmigungsbescheid am Dienstag abgezeichnet, wie auf Anfrage bestätigt wurde. Damit wird in den kommenden Tagen die öffentliche Kundmachung der Entscheidung erfolgen.
„Ein leistungsfähiges Netz ist die Grundlage dafür, dass wir erneuerbare Energie ins System bringen und dorthin transportieren können, wo sie gebraucht wird“, sagt Kaineder. Mit der neuen Leitung könne man die Versorgung für kommende Generationen sichern. Vor allem Betriebe seien von einer zukunftsfähigen Stromleitung abhängig und bekämen wieder eine klare Ausbauperspektive. „Die Leitung ist auch eine Investition in Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung.“
Weitere Rechtsmittel möglich
Zwei Wochen nach öffentlicher Kundmachung wird die vierwöchige Rechtsmittelfrist beginnen, in der Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht erhoben werden können. In vergleichbaren Projekten hat dieser Instanzenzug noch rund ein Jahr gedauert.
Die UVP-Behörde hat neben der Genehmigung zahlreiche Umweltauflagen erteilt. Beispiele: Für jeden nachweislich von Fledermäusen besiedelten Baum, der entfernt wird, müssen drei „seminatürliche Fledermaushöhlen“ in maximal 1000 Meter Entfernung angebracht werden; Baufelder und Trassen sind vor Baubeginn nach Ameisenhügeln abzusuchen – Hügeln muss ausgewichen werden; die geplanten Rodungen von rund 1,5 Hektar sind mit Aufforstungen in der Nähe auszugleichen; zum Schutz von Lebensräumen müssen Versteckplätze wie Totholz- und Steinhaufen errichtet oder erhalten werden; Vogelmarkierungen an der Leitung müssen auf Wirksamkeit kontrolliert werden.
Das UVP-Verfahren hat 18 Fachbereiche beschäftigt und 21 Monate gedauert, Sachverständige mussten umfassend prüfen – von Arten- und Bodenschutz über Wald bis Landschaft. „Dass wir am Ende nach nur 21 Monaten einen Bescheid mit klaren Auflagen vorlegen können, ist auch eine Anerkennung für die gründliche, objektive und transparente Arbeit unserer Fachleute in der gesamten Verwaltung“, sagt Kaineder.
Erdkabel-Kritik und Anzeige
Wie berichtet, gab es teilweise Kritik an der Freileitung und die Forderung, das Projekt als Erdkabel umzusetzen. Das wurde aber von der UVP-Behörde nicht geprüft, da sie nur das beantragte Freileitungsprojekt zu beurteilen hatte.
Auch politisch war und ist die 110-kV-Leitung ein Thema. Im Frühjahr 2025 wurde von Kritikern mit Unterstützung der Neos eine Anzeige wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch gegen den Verfahrensleiter eingebracht. Die Staatsanwaltschaft leitete wegen fehlenden Anfangsverdachts kein Ermittlungsverfahren ein. Die Anzeige sei wie erwartet ins Leere gegangen, so Kaineder, der die Neos kritisiert: „Politische Einflussnahme hat in einem UVP-Verfahren nichts verloren. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter handeln nach Recht und Gesetz.“ Wer versuche, ein Verfahren über Inszenierung zu beeinflussen, schade dem Vertrauen in eine funktionierende, unabhängige Verwaltung.
„Die Leitung ist auch eine Investition in Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung.“
Stefan Kaineder, Umwelt- und Klimalandesrat
Oberösterreichische Nachrichten


