0
62
148694040007
701486940400

Wiener verbrauchen am wenigsten Energie

Weiter zum Artikel
Wien, 13.02.2017

In mancher Hinsicht ist die „grüne“ Millionenstadt Wien aber immer noch Schlusslicht.
 
Der Österreichische Biomasse-Verband hat den „Atlas der Bioenergie Österreich“ veröffentlicht und darin die Bundesländer einem Energiewende-Vergleich unterzogen. Darin zeichnet sich die Bundeshauptstadt durch den geringsten Energieverbrauch und den kleinsten Ausstoß an Kohlendioxid pro Kopf aus.
 
Obwohl Wien mit fast 1,8 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland ist, beträgt sein Energieverbrauch nicht einmal die Hälfte des Wertes der wesentlich stärker industrialisierten Bundesländer Ober- oder Niederösterreich. Im Bundesländer-Vergleich verbrauchen die Wiener mit Abstand die wenigste Energie. 83 Gigajoule (oder 23.000 kWh) pro Kopf sind nur die Hälfte des Energieverbrauchs eines Durchschnittsösterreichers. Die Treibhausgasemissionen Wiens sind von 1990 bis 2014 um fünf Prozent auf 7,8 Millionen Tonnen CO2 -Äquivalente gesunken.
 
Obwohl 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung in der Bundeshauptstadt leben, beträgt ihr Anteil an den gesamten Emissionen Österreichs nur zehn Prozent. Die Pro-Kopf-Emissionen Wiens sind die niedrigsten in Österreich und betragen mit 4,4 Tonnen CO2 nicht einmal die Hälfte des österreichischen Schnitts von 8,9 Tonnen.
 
Hauptverursacher der Wiener Treibhausgasemissionen sind die Sektoren Verkehr (43 Prozent), Energie (20 Prozent) und Gebäude (17 Prozent).
 
Allerdings: Der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch beträgt in Wien gerade einmal elf Prozent. Das ist mit Abstand der niedrigste Wert in Österreich (Bundesschnitt: 33 Prozent). Beim Pro-Kopf-Einsatz erneuerbarer Energien liegen die Wiener mit 9,4 Gigajoule abgeschlagen an letzter Stelle.
 
Die Energieversorgung Wiens wird von Erdgas (für Strom und Wärme) und Erdöl (im Verkehrssektor) beherrscht. Der Erdgas-Anteil ist in Wien mit 36 Prozent höher als in jedem anderen Bundesland. Dazu kommen 34 Prozent Erdöl und 13 Prozent Stromimporte. Da die Fossilenergien komplett aus dem Ausland bezogen werden, ist Wien deshalb auch zu 87 Prozent von Energieimporten abhängig. Auch das ist ein Negativrekord unter den Bundesländern.
 
Weiters nutzt Wien ein Viertel der gesamten Fernwärme Österreichs. Die Wiener Fernwärme basiert zu zwei Dritteln auf Erdgas, daher erreicht die Stadt nur einen Anteil erneuerbarer Fernwärme von 13 Prozent. Für den hohen Anteil brennbarer Abfälle (17%) sind die Wiener Müllverbrennungsanlagen verantwortlich. Das Waldbiomassekraftwerk in Simmering beliefert 12.000 Wiener Haushalte mit Biowärme. Während andere Bundesländer Stromüberschüsse produzieren, importiert Wien 55 Prozent seines Stromaufkommens vor allem aus Deutschland und Tschechien. Gerade 15 Prozent des Wiener Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen.

Von Barbara Morawec

"Salzburger Nachrichten" Nr. 36