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Speicher werden Gamechanger der nächsten Jahrzehnte

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Wien, 13.11.2017

Bei der Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien droht Europa ins Hintertreffen zu geraten. "Das Thema Photovoltaik ist von China und Südostasien besetzt, bei der Speichertechnologie sind die USA vorne", sagte Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber am Montag bei einem Pressegespräch. Wo Europa noch eine Chance habe vorne mitzuspielen, sei die Digitalisierung der Energieversorgung.

"Wo wir heute noch vorne sind, das ist die Versorgungsqualität, da ist Europa sicher Spitze in der Welt." Im Bereich der Energieeffizienz und Integration der verschiedenen Systeme könnte Europa eine führende Rolle spielen, "da ist das Feld noch offen, da können wir jetzt auch reingehen. Digitalisierung wäre so eine Chance, in diese Integration reinzukommen", sagte Anzengruber im Vorfeld der Präsentation des "World Energy Outlook" der Internationalen Energieagentur (IEA).

Hier sieht Anzengruber in der Zukunft auch eine Chance für den Verbund. "Eines, was wir sehr gut können: Wir können Energiesysteme gut managen. Da haben wir sehr viel Wissen und Erfahrung." Man werde auch in Österreich mit Pumpspeichern alleine nicht auskommen, sondern auch andere Energiespeicher brauchen, etwa für die Elektromobilität. Diese Lösungen "kann man dann über das Land hinaus skalieren", und zwar nicht nur in Europa, sondern auch global.

Speicher seien überhaupt das "Missing Link" für den Durchbruch der erneuerbaren Energien, sagte Verbund-Aufsichtsratschef Gerhard Roiss. Bei Windkraft sei man im Offshore-Bereich schon marktfähig, vereinzelt auch bei Onshore-Projekten. "Mit den preiswerten Solarpanelen aus China sind wir auch sehr nahe daran, marktfähig zu sein." Der "Pferdefuß" sei aber die Tatsache, dass man mit Öl, Kohle oder Gas dann produzieren könne, wenn Strom benötigt werde, während etwa ein Flusskraftwerk die gleiche Leistung tagein, tagaus erbringe.

China habe bewusst die strategische Entscheidung für Solarpanele und Elektromobilität getroffen und sich damit eine Vorreiterrolle gesichert, erklärte Roiss. Die Bedeutung der Elektromobilität könne man ermessen, wenn man sich vor Augen halte, dass etwa in den USA 28 Prozent des Energiebedarfs vom Verkehr verursacht würden. Daher würden die Batterien als Kostenfaktor eine große Rolle spielen. "Da ist viel passiert in den letzten Jahren. Die Lithium-Ionen-Batterie wird allmählich wettbewerbsfähig, aber den Durchbruch erreichen Sie mit Lithium-Ionen nicht." Man werde Speicher "nicht nur im Auto, sondern auch im Keller" brauchen. Während aber Solar und Wind nahe an der Marktreife seien, sei man bei den Batterien noch weiter davon entfernt.

"Die Speicherkapazitäten werden der Gamechanger der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein", sagte Anzengruber. Man erlebe dort derzeit eine enorme Kostendegression. "Wir erleben dort etwas Ähnliches wie wir es in der Mikroelektronik bei den Speicherchips gesehen haben: Die Leistungen und Speicherkapazitäten verdoppeln sich, die Preise halbieren sich."

Beim Thema Mobilität dürfte der Trend zum Elektroauto nicht mehr zu stoppen sein, sind sich die Energiemanager einig. Wasserstoff könnte wegen der höheren Energiedichte vielleicht bei Lkw oder im Schiffsverkehr eine Rolle spielen, aber bei Pkw hätten die Elektrofahrzeuge klar die Nase vorn. Das liege auch daran, dass sich der riesige Markt China entschieden habe, auf Elektromobilität zu setzen "und nicht dort, wo andere schon seit Jahrzehnten forschen", sagte Roiss.

APA