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Kontroverse um Studie zu Ausbau des ungarischem AKW Paks

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Budapest/Wien, 11.07.2017

Laut dem ungarischen Nachrichtenportal atlatszo.hu hat die ungarische Regierung verheimlicht, dass der Standort des ungarischen Atomkraftwerk Paks II nicht erdbebensicher ist, wie Greenpeace Österreich am Mittwoch berichtete. Der für das Projekt verantwortliche Staatssekretär Attila Aszodi wies dies unter Hinweis auf öffentliche zugängliche Untersuchungsergebnisse als "Panikmache" zurück.

Dem betreffenden Medienportal wurde laut Greenpeace eine bisher geheimgehaltene Studie zugespielt, die von der ungarischen Regierung in Auftrag gegeben worden sein soll. "In Paks droht ein massives Sicherheitsrisiko", mahnt Adam Pawloff, Anti-Atom Sprecher von Greenpeace in Österreich. Das AKW-Projekt liegt 180 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.

Ein Atomkraftwerk dürfe nicht an einer Stelle gebaut werden, wo innerhalb der vergangenen 100.000 Jahre Erdbeben stattgefunden hätten, schrieb die NGO. Zudem dürfe es keine geologischen Bruchlinien innerhalb von zehn Kilometer um ein AKW geben. Die in der Studie enthaltenen Hinweise deuten drauf hin, dass beide Punkte jedoch zutreffen.

Staatssekretär Attila Aszodi sagte gegenüber der APA, mit der Standortgenehmigung habe bestätigt werden müssen, dass in den kommenden 100.000 Jahren weder bedeutende noch kontinuierliche Erdbeben bzw. andere solche Verschiebungen zu erwarten seien, die das AKW betreffen. Und solche Gefahren bestünden nicht. Bei den Untersuchungen hätte man sich davon überzeugen können, dass es zu keinem solchen Ereigniss kommen werde, das die Sicherheit von Paks gefährde. Nach diesem Bericht über Standortsicherheit habe die Landes-Atomenergie-Behörde die Standortgenehmigung erteilt.

Es bestünde volle Transparenz hinsichtlich der Untersuchungsergebnisse des Standortes. Diese 1.200 Seiten seien öffentlich erreichbar auf der Webseite von Paks II. Da sie bereits im Herbst vergangenen Jahres erstellt und veröffentlicht wurden, hätte auch "atlatszo.hu diesen Bericht lesen können. Wäre man gefragt worden, hätte man auch auf jegliche Befürchtungen reagiert.

Auf die Frage, warum "atlatszo" gerade jetzt an die Öffentlichkeit geht, betonte Aszodi, dass die Grünen "allgemein gegen Kernkraft sind und solche Projekte verhindern wollen". Es gebe gar keine neuen Gründe dafür, das Projekt anzugreifen. Die Behauptungen von "atlatszo.hu" wiesen keinerlei neue Kenntnisse auf. Konträr die Einschätzung von Greenpeace Österreich: "Diese Hinweise sind Grund genug, alle Bau-Aktivitäten rund um Paks II sofort zu stoppen und das Projekt grundsätzlich zu evaluieren", so Pawloff zu dem Bericht des Portals.

Die EU-Kommission hat Anfang März entschieden, dass Ungarn den vom russischen Konzern Rosatom durchgeführten AKW-Bau subventionieren dürfe. Ungarn will, dass das Bauvorhaben mit einem geplanten Umfang von insgesamt 12,5 Milliarden Euro nach ursprünglichen Planungen 2018 beginnen und der erste der beiden Reaktoren 2023 in Betrieb gehen soll.

APA