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Klimafonds und VCÖ wollen Vorurteile über Elektromobilität mit Faktencheck entkräften

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08.09.2017

Neue Publikation soll Zweifel an Umweltfreundlichkeit und Ökonomie von E-Autos ausräumen. Obwohl Elektroautos in Österreich immer populärer werden, gibt es skeptische Stimmen, die dem neuen Boom nicht ganz trauen. Sie bringen unter anderem vor, dass Elektromobilität gar nicht so umweltfreundlich ist, wie sie scheint, dass die Energieversorgung für Massen an Elektroautos nicht gerüstet ist oder dass sich der Umstieg von Verbrennungs- auf Elektromotoren nicht rentiert. Der Klima- und Energiefonds und der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) haben diese und andere Aussagen in einer neuen Publikation einer Überprüfung unterzogen. "Wir wollen Mythen zur Energiewende mit Fakten entkräften", sagt Klimafonds-Geschäftsführer Ingmar Höbarth.

Bessere Ökobilanz
Ist die Produktion von E-Autos nicht stark umweltbelastend? Der Faktencheck stellt hier klar, dass bei der Herstellung von Elektroautos tatsächlich mehr Energie verbraucht wird, als bei Benzin- oder Dieselautos. Über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs von der Produktion bis zum Recycling werde dieser Nachteil jedoch mehr als wettgemacht. Am Ende erzeugen Elektroautos um 70 bis 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als fossil betriebene Fahrzeuge, lautet die Beurteilung des Klimafonds. Ein entscheidender Faktor bei der Umweltverträglichkeit sei der Strommix. Gerade Österreich mit seinem hohen Anteil an erneuerbarer Energie in der Stromproduktion (rund 70 Prozent) hätte hier einen deutlichen Vorteil. "Erneuerbare Energien und Mobilität müssen Hand in Hand gehen", sagt Faktencheck-Autor Georg Günsberg. "Wir müssen in gekoppelten Systemen denken", fordert Günsberg. Energieproduktion, Verkehr und Raumplanung seien Teile eines großen Ganzen.

Keine Stromknappheit
Belastet ein massiver Zuwachs an Elektroautos das Stromnetz nicht zu stark? Der Faktencheck rechnet hier vor, dass das Ökostrom-Ausbaupotenzial jegliche Zuwächse an Fahrzeugen mit Elektromotoren leicht abdecken kann. Wenn zehn Prozent aller Pkw in Österreich (rund 500.000 Stück) elektrisch fahren, wäre der jährliche Strombedarf um 1,3 Terawattstunden oder 1,8 Prozent höher. Laut einer TU-Wien-Studie liege das Ökostrom-Ausbaupotenzial in Österreich bis 2030 bei 31 Terawattstunden. Der Gesamtenergieverbrauch des Landes sinke durch den wesentlich höheren Wirkungsgrad von Elektromotoren im Vergleich zu Benzin- oder Dieselmotoren deutlich.

Weniger Kosten
Kommt ein Elektroauto am Ende teurer als ein Auto mit Verbrennungsmotor? Laut Faktencheck sind die Anschaffungskosten von Elektroautos derzeit tatsächlich deutlich höher, allerdings spart man bei Steuer, Versicherung, Wartung und Treibstoffkosten. Die Kosten über die gesamte Nutzungszeit des Fahrzeugs seien deshalb geringer. Außerdem sei zu bedenken, dass es in den vergangenen Jahren massive Steigerungen bei der Energiedichte von Akkus und rasante Rückgänge bei Akkupreisen gegeben habe.

Einzige Chance
Im Faktencheck werden noch einige andere kritische Fragen behandelt, etwa jene, was mit den vielen Arbeitsplätzen in der heimischen Automobilindustrie geschehen wird (Elektromobilität als Boom-Branche und Chance), was mit alten Autoakkus passiert (zweites Leben als Heimspeicher) oder wie man denn mit einer durchschnittlichen Reichweite von 270 Kilometer auf Urlaub fahren soll (Mieten statt Besitzen, Carsharing).

Für Ingmar Höbarth steht jedenfalls fest, dass Österreichs Klimaziele nur erreicht werden können, wenn Elektromobilität weiterhin gefördert wird.

von David Kotrba

Kurier" vom 08.09.2017