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Erneuerbare sollen auch gespeichert werden

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Haselünne, 08.09.2017

Bisher gibt es für die Erzeuger erneuerbarer Energie kaum Anreize, den Strom auch zu speichern. Ein Unternehmer will für einen Windpark in Andorra auf Speicherbatterien setzen - in der Zukunft könnte sich das Thema auch für deutsche Windradbetreiber stellen.

Das Problem mit den erneuerbaren Energien? Ihre schlechte Planbarkeit. Zwar hat die Sonne Unmengen mehr Energie als die Menschen brauchen würden, aber sie scheint nicht immer dann, wenn viele viel Strom benötigen. Und auch bei der Windkraft besteht das Problem, dass sie sich nicht so punktgenau ein- und abschalten lässt, wie es der Bedarf erfordert. Was liegt also näher, als erneuerbare Energie zu speichern, etwa in riesigen Batterien?

Was es schon in manchen Privathaushalten gibt, um den Strom aus Photovoltaikanlagen besser nutzen zu können, will ein Unternehmer aus dem Emsland bei einem Windparkprojekt standardmäßig einbauen: Schiffscontainergroße Batterien sollen den Strom zwischenspeichern.

Geplant ist der Einsatz der Batteriespeicher bei einem Windpark in dem Pyrenäen-Staat Andorra. Der 27 Jahre alte Unternehmer Hendrik Holt aus dem niedersächsischen Haselünne will für das Fürstentum mit knapp 80.000 Einwohnern einen Windpark mit einer Gesamtleistung von jährlich 60 Millionen Kilowattstunden errichten. Andorra wolle unabhängiger werden von Stromlieferungen aus Frankreich und Spanien, sagt der Geschäftsführer des Projektentwicklers Holt Holding.

Allein aus diesem Windpark könnte ein Viertel des gesamten Energiebedarfes Andorras gedeckt werden. Die Windräder stehen in einer Höhe von 2.700 Metern - von den Windverhältnissen her ideal. Das Auftragsvolumen betrage etwa 60 Millionen Euro. "Die Anlagen stehen sehr konzentriert, eine Verspargelung der Landschaft wird es dort nicht geben", sagt der Generaldirektor des Unternehmens, Heinz Luchterhand. Der Windpark werde in einer Zone errichtet, wo niemand wohne und wo es auch keine Touristen hinziehe. "Der Windpark ist kaum zu sehen, er sitzt in einer Bergkette."

Wichtig sei für den Windpark die Möglichkeit, Strom zu speichern, so dass er auch nutzbar sei, wenn die Windräder stillstehen - etwa bei Wartungsarbeiten oder schwierigen Wetterbedingungen im alpinen Winter. Aus Platzgründen werde es wahrscheinlich auf Batteriespeicher hinauslaufen - sechs Speicher, so groß wie Schiffscontainer. Jeder Speicher müsse in der Lage sein, die Tagesproduktion Strom eines Windrades zu speichern.

Als Energiespeicher im großen Maßstab für Strom aus Sonne oder Wind bieten sich drei verschiedene Techniken an, sagt Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie: Große Wärmespeicher, bei denen Wasser erhitzt wird, und die dann etwa für Fernwärme genutzt werden können. Eine andere Technik unter dem Namen "Power to Gas" - etwa: Energie wird zu Gas - setzt auf Elektrolyse. Dabei wird der Strom genutzt, um Wasser in die chemischen Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zu trennen. Der Wasserstoff lasse sich als Energieträger speichern. Aber es gibt laut Röttgen auch große Batteriespeicher: "Das ist heute auch schon Stand der Technik."

Schon immer seien Batterien in Kraftwerken verwendet worden. "In den letzten Jahren sind Batteriespeicher im Megawatt-Bereich entwickelt worden." In England habe es gerade eine Ausschreibung für einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von zweihundert Megawatt gegeben, aufgebaut aus Teilanlagen zu je 20 Megawatt. Batterien seien eine von mehreren Lösungen für das Problem, Strom aus erneuerbaren Quellen speichern zu müssen, sagt Röttgen. Ein Teil könne in Batterien gespeichert werden, ein anderer werde zur Produktion von Wasserstoff verwendet und auch Wärme könne hergestellt werden.

Bisher stelle sich für Windkraftbetreiber in Deutschland die Frage, ob sie einen Speicher benutzen, aber nicht, sagt Stefan Grothe vom Bundesverband Windenergie. Denn bisher bekommen die Windmüller eine feste Vergütung für ihren Strom, unabhängig von der Nachfrage. Für den Betreiber fehle damit der Anreiz, direkt in Speichertechnik zu investieren. Es gebe aber bereits erste Projekte mit Speichermöglichkeiten. Denn in der Zukunft dürfte ein Szenario wichtig werden, für das Fachleute den Begriff "Sektorenkopplung" benutzen. In einigen Jahren werde man nicht mehr die Energiegewinnung, die Wärmeversorgung und den Verkehr als drei getrennte Bereiche sehen, sondern als miteinander vernetzte Einheit. Strom, für den es gerade keine Nachfrage gebe, könnte so tatsächlich zur Wärmegewinnung genutzt werden - und Elektroautos dienten mit ihren Batterien auch als Stromspeicher. In diesem Kontext werde das Thema Energiespeicherung deutlich wichtiger als heute.

APA/dpa