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Die deutsch-österreichische Strompreiszone

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Wien, 16.02.2017

Österreich und Deutschland haben seit rund 15 Jahren einen gemeinsamen Strommarkt, in dem unbegrenzt Strom gehandelt werden kann. Bei den Großhandelspreisen an der Börse gibt es keinen Unterschied, Österreich und Deutschland haben somit auch eine gemeinsame Strompreiszone. Diese soll nun getrennt werden, Österreich wehrt sich dagegen. Strom dürfte durch eine Trennung in Österreich teurer werden.
 
Die heimische E-Wirtschaft spricht von mehreren hundert Millionen Euro im Jahr. Die österreichische Regulierungsbehörde E-Control rechnet damit, dass Unternehmen stärker betroffen sind als Haushalte. Befürchtet werden in Österreich auch Standortnachteile. In Deutschland sind die Großhandelspreise im Zuge des Erneuerbaren-Ausbaus deutlich gesunken und damit durch die gemeinsame Preiszone auch in Österreich. Innerhalb Europas sind ansonsten die Strompreise je nach Land unterschiedlich.
 
Den österreichisch-deutschen Strommarkt trennen möchten die deutsche Bundesnetzagentur sowie die europäische Regulierungsagentur ACER. Dabei werden aber keine Stromleitungen gekappt, sondern es soll der Stromhandel eingeschränkt werden.
 
Grund für die angestrebte Trennung ist vor allem der massive Ausbau der Stromerzeugung aus Windkraft in Norden Deutschlands. Der Strom muss zu den Verbrauchszentren in den Süden gebracht werden, dafür fehlen innerhalb Deutschlands Stromleitungs-Kapazitäten. Polen und Tschechien sind ebenfalls für die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone, denn der deutsche Windkraftstrom fließt in so genannten Ringflüssen über diese beiden Länder nach Süden und belastet deren Stromnetze.
 
Die deutsche Bundesnetzagentur will nun ab Anfang Juli 2018 ein Engpassmanagement zwischen Deutschland und Österreich einführen, "weil die Kapazitäten der Übertragungsnetze in Deutschland, Österreich sowie Polen und Tschechien technisch nicht in der Lage sind und auch bei erfolgreichem Netzausbau langfristig nicht in der Lage sein werden, den gehandelten Strom vollständig zu transportieren", wie sie Ende Oktober vergangenen Jahres mitteilte. Der Stromhandel soll eingeschränkt werden, die Bundesnetzagentur sprach davon, dass nur die Handelsspitzen gedeckelt werden sollen.
 
Mitte November 2016 hat die europäische Energieregulierungsbehörde ACER die Stromzonentrennung beschlossen. Österreich will dagegen alle Rechtsmittel ergreifen, will dazwischen aber auch verhandeln. Österreich weist darauf hin, dass die gemeinsame Strompreiszone mit Deutschland in der EU als beispielhaft für eine gelungen Marktintegration gelte. In Arbeit ist derzeit auch eine Studie der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E über Preiszonen in Mitteleuropa.
 
WEB http://wko.at

itz/tsk
 

 

APA