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Deutsche Stadtwerke fordern Hilfe für Kraftwerke

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Düsseldorf, 21.07.2014

Die deutschen Stadtwerke fordern von der Bundesregierung rasche Hilfen für ihre Kohle- und Gaskraftwerke. "Die Bereitstellung von Leistung muss entsprechend honoriert werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bundesregierung dürfe dies nicht auf die lange Bank schieben.

"Das muss jetzt auf die Agenda. Was bis 2015/16 nicht geregelt ist, wird vor der nächsten Wahl 2017 nicht mehr angefasst." Der VKU vertritt die Interessen von mehr als 1.400 Unternehmen der Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft. Die rund 250.000 Beschäftigten erzielen einen Umsatz von gut 100 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung hat zwar Gespräche über eine etwaige Vergütung für die Bereitstellung von Kraftwerken angekündigt, die unabhängig vom Wetter rund um die Uhr Strom erzeugen können. Ob, wann und in welchem Umfang es zu einem so genannten Kapazitätsmarkt kommt, ist aber offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Freitag zudem erklärt, dass die Frage notwendiger Energie-Reserven von Kraftwerken nicht nur auf deutscher, sondern auf europäischer Ebene gelöst werden könne. Dies dürfte länger dauern.

"Wir brauchen auch einen Kapazitätsmarkt", sagte Reck. Er verwies darauf, dass Ökostrom aus Wind und Sonne nicht ständig zur Verfügung stehe und durch konventionelle Kraftwerke abgesichert werden müsse. Die Stadtwerke stehen mit ihren Anlagen genauso unter Druck wie die Energieriesen E.ON , RWE & Co. Sie haben in den vergangenen Jahren Milliardensummen in neue Anlagen investiert. Diese werden aber durch den Ausbau des in Deutschland vorrangig behandelten Ökostroms aus dem Markt gedrängt. Zugleich purzeln wegen des Überangebots die Preise an den Strombörsen.

Auch E.ON-Chef Johannes Teyssen und RWE-Boss Peter Terium trommeln seit Monaten für Kraftwerkshilfen. Sie haben Milliardensummen auf ihre Anlagen abgeschrieben und legen reihenweise Anlagen still. Die Stadtwerke haben nach Angaben Recks Investitionen in konventionelle Kraftwerke von schätzungsweise sieben Milliarden Euro auf Eis gelegt. Die Idee von Kraftwerkshilfen trifft dennoch unter anderem bei Verbraucherschützern auf Widerstand. Die Zeche müssten erneut die Stromkunden zahlen, sagen sie.

VKU-Geschäftsführer Reck rechnet damit, dass auch Stadtwerke weitere Abschreibungen auf Kraftwerke vornehmen müssen. "Eine Pleitewelle droht den Stadtwerken nicht", betonte der 61-Jährige. Er sehe keine Gefahr, dass die Kommunalbetriebe nun reihenweise dem Beispiel der Stadtwerke Gera folgten. Diese hatten Ende Juni Insolvenz angemeldet, nachdem sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren. Einige Experten haben vor ähnlichen Fällen gewarnt. "Die Energiebranche an sich steht unter Druck, aber wir stehen nicht in einer Krisensituation a la Gera", erklärte Reck. Das sei ein Einzelfall gewesen.

Insbesondere durch das starke Vertriebsgeschäft bieten sich für Stadtwerke seiner Einschätzung nach eine Reihe von Chancen. "Wir versorgen in Deutschland die Hälfte aller Strom- und Gaskunden." Wenn Ökostrom - wie von der Bundesregierung geplant - künftig stärker direkt vermarktet werden soll, könnten die Stadtwerke den Betreibern der Anlagen helfen. "Die Stadtwerke sind in erster Linie Vertriebs- und Handelsorganisationen." Auch im wichtiger werdenden Geschäft mit Energiedienstleistungen könnten die Firmen mitmischen. "Die kommunale Energiewirtschaft hat eine gute Zukunft - wenn sie gut gemanagt wird."

APA/ag.