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China will Kampf gegen Smog drastisch verstärken

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Bad Vilbel, 13.02.2017

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung erwägt China einem internen Plan zufolge drastische Einschränkungen der Produktion von Stahl und anderen Industriegütern. Die Maßnahmen konzentrieren sich auf die für Smog besonders anfällige Heizperiode von Ende November bis Ende Februar, wie aus einem Reuters vorliegenden Gesetzesentwurf des Umweltministeriums hervorgeht.

In dieser Zeit soll demnach in 28 Städten die Stahl- und Düngerproduktion um mindestens die Hälfte sowie die Aluminiumherstellung um wenigstens ein Drittel gekürzt werden. Die Städte im Visier des Ministeriums - darunter Peking - liegen in den Kohle- und Stahlrevieren an der Ostküste des Landes. Die Regionen sind dicht bevölkert und haben besonders stark mit Smog zu kämpfen.

Gerade im heurigen Winter führten die Abgase von Kohleheizkraftwerken, der Schwerindustrie und des wachsenden Autoverkehrs im Nordosten der Volksrepublik zu extremer Luftverschmutzung. Das Ministerium hat seine Pläne Insidern zufolge Unternehmen und Verwaltungen in den Regionen zur Stellungnahme zugestellt. Sollten die Vorhaben umgesetzt werden, würden die Schritte zu den bisher radikalsten in dem vor drei Jahren ausgerufenen Kampf gegen Smog gehören. Das Ministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Nach Reuters-Berechnungen würden die auf drei Monate ausgelegten Einschränkungen die chinesische Stahlproduktion aufs Jahr gerechnet um 8 Prozent und den Aluminiumausstoß um 17 Prozent verringern. Sollten die Einschnitte tatsächlich kommen, dürfte dies die Preise für Stahl und Aluminium in die Höhe treiben. Die Produktionskürzungen könnten andererseits aber auch die Nachfrage nach Eisenerz bremsen und insgesamt für Unruhe unter Bergbaukonzernen, Versorgern und Rohstoffhändlern sorgen. Auch das Kohlegeschäft wäre betroffen, weil nach dem Entwurf im besonders wichtigen Hafen Tianjin ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Kohle mehr umgeschlagen werden darf. Der Verkehr soll in ins weiter nördlich gelegene Tangshan umgeleitet werden.

Bis wann das Ministerium über eine Umsetzung der Pläne entscheiden will, blieb zunächst unklar. Fraglich wäre aber ohnehin, ob die Einschränkungen überhaupt durchzusetzen sind. Darauf deutete gerade am Montag eine von Greenpeace veröffentlichte Studie hin, nach der die chinesische Stahlproduktion 2016 unter dem Strich gestiegen ist - obwohl die Pekinger Führung im Kampf gegen weltweite Überkapazitäten die Schließung zahlreicher Anlagen angekündigt hatte. Nach Berechnungen der Umweltschützer stieg die Produktion 2016 netto um 36,5 Millionen Tonnen, was mehr als dem gesamten Jahresausstoß Brasiliens entspricht. China produziert und verbraucht so viel Stahl wie kein anderes Land der Erde.

APA/ag.