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Auch Wind und Sonne brauchen ein Netz

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Wien, 17.07.2017

Energie. Die Verbund-Tochter APG pocht auf den raschen Ausbau des Stromnetzes. Andernfalls müssen weiterhin die umweltschädlichen Gaskraftwerke zugeschaltet werden. Das nächste Großprojekt ist die 380-KV-Leitung in Salzburg.

   Wien. Am Montag steht beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) - nach der dritten Piste des Wiener Flughafens - ein weiteres wichtiges Infrastrukturprojekt zur Verhandlung an: die 380-KV-Leitung in Salzburg. Für die Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG) ist das ein Schlüsselprojekt in ihrem Ansinnen, das ziemlich überlastete heimische Stromnetz auszubauen. "Nur so können wir die Energiewende zu Wind- und Sonnenstrom, die wir begrüßen, auch umsetzen", sagte APG-Chefin Ulrike Baumgartner-Gabitzer am Freitag.

   Für den Betreiber des Übertragungsnetzes wird es zusehends schwieriger, bundesweit zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen: Einerseits gibt es auch aufgrund der ehrgeizigen Ausbaupläne für Erneuerbare ein Stromüberangebot, andererseits vor allem im Winter einen Mangel. Dann müssten kalorische Kraftwerke zugeschaltet werden. Auf sie könne man nicht verzichten, verwies Baumgartner-Gabitzer auf das erste Halbjahr. Da mussten 2600 GWh Strom aus thermischen Kraftwerken eingespeist werden, was 800.000 Tonnen CO2 entsprach.

   Kosten schnellen in die Höhe

   Abgesehen von der Umweltbelastung schlägt sich das auch finanziell nieder: Mussten 2013 dafür nur 20 Mio. Euro aufgewendet werden, so waren es 2015 schon 200 Mio. Euro. Heuer waren es bis Anfang Juli bereits 180 Mio. Euro.

   "Passiert beim Netzausbau nichts, brauchen wir auch weiter die Gaskraftwerke, um das Netz zu stabilisieren." Heuer gab es von den 181 Tagen nur 30, an denen keine thermische Energie zugeschaltet werden musste.

   Der auf zehn Jahre ausgelegte Netzausbauplan liegt schon vor, er umfasst Investitionen in Höhe von 2,2 Mrd. Euro. Allein 600 Mio. Euro davon entfallen auf die Salzburger 380-KV-Leitung. Seit 50 Monaten betreibt die APG das Projekt - auch das erinnert an die dritte Piste. Seit Ende 2015 hat die APG einen positiven erstinstanzlichen Bescheid, der aber bekämpft wurde, sodass die Causa eben beim BVwG verhandelt wird. Die APG erhofft sich - trotz der von den Gegnern angekündigten Gegenargumente - grünes Licht und sieht sich juristisch im Vorteil.

   Das war freilich beim Flughafen auch so, das BVwG hat dann aber negativ entscheiden und den Umweltschutz über wirtschaftliche Interessen gestellt. Der Verfassungsgerichtshof hob das Urteil allerdings auf, jetzt ist wieder das BVwG am Zug. Angesichts der CO2-Belastung müsste das Gericht eigentlich für uns entscheiden, hieß es bei der APG. Die Alternative zur 380-KV-Leitung, eine Verkabelung, sei zudem nicht nur teurer, sie sei nicht Stand der Technik.

   Die behördlichen Verfahren an sich seien nicht das Problem, sie dauerten nur viel zu lang, betonte Baumgartner-Gabitzer. (eid)

 

"Die Presse" vom 15.07.2017