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USA bekräftigten Ausstieg aus Pariser Klima-Abkommen

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Bonn, 17.11.2017

Die US-Delegationsleiterin Judith Garber hat vor dem Plenum der UN-Klimakonferenz in Bonn den Ausstieg ihres Landes aus dem Pariser Klimaabkommen bekräftigt und zugleich das Engagement der USA bei der Förderung erneuerbarer Energien hervorgehoben. US-Präsident Donald Trump habe die Haltung der US-Regierung zum Pariser Abkommen klar dargelegt, sagte Garber.

Die USA wollten "frühestmöglich" aussteigen, betonte die Referatsleiterin für Ozeane und internationale Umwelt- und Wissenschaftspolitik des US-Außenministeriums am Donnerstag. Ihr Land sei aber weiterhin "offen für die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt unter Bedingungen, die günstiger für das amerikanische Volk sind, zurückzukehren", fügte Garber hinzu.

Trump hatte im Juni den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen angekündigt, der allerdings frühestens Ende 2020 möglich ist. Mittlerweile sind die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt, das das Pariser Abkommen nicht unterstützt. Trump machte geltend, das Abkommen benachteilige die USA und koste dort Jobs.

Garber versicherte, ungeachtet der Ausstiegsankündigung würden die USA weiter "ein Anführer bei sauberer Energie und Innovation sein", dem die Notwendigkeit eines Umbaus der Energiesysteme bewusst sei. Die US-Regierung setze sich für den universellen "Zugang zu bezahlbarer und verlässlicher Energie und für offene, wettbewerbsfähige Märkte" in diesem Bereich ein.

Garber hob hervor, dass ihr Land in den vergangenen Jahren bereits bewiesen habe, "dass es Emissionen verringern kann, während die Wirtschaft wächst". Seit 2005 sei der Treibhausgasausstoß der USA um 11,5 Prozent zurückgegangen, während die US-Wirtschaft um 15 Prozent gewachsen sei. Die US-Regierungsvertreterin hob den Beitrag der Privatwirtschaft zu dieser Entwicklung hervor, die "innovative Energie-Technologien" genutzt habe.

Die gemeinsamen Anstrengungen der Behörden und der Privatwirtschaft hätten zu einer "dramatischen Verringerung" der Preise für Solar- und Windenergie, Flüssiggas sowie Energiespeicherung geführt, sagte Garber. Auf diesem Weg wollten die USA mit anderen Staaten zusammenarbeiten.

Solche Kooperationen gebe es bereits etwa mit China und Indien. Auch in Afrika und der Karibik seien die USA in diesem Feld engagiert. Außerdem unterstütze ihr Land anderen Ländern mit Wald- und Landnutzungsprojekten bei der Verringerung von Emissionen und helfe ihnen, mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden.

Garber wandte sich in ihrer Rede immer wieder gegen Reglementierungen. Jedes Land müsse selbst wissen, welcher Energiemix seinen Bedürfnissen entspreche, sagte sie. Die US-Regierung setze auch auf hochmoderne Formen der Atomenergie und auf Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung.

Die US-Delegation in Bonn sollte ursprünglich von Außen-Staatssekretär Tom Shannon geleitet werden. Dieser sagte aber wegen einer dringenden familiären Angelegenheit ab. Für ihre Rede am zweiten Tag der Plenumssitzung erntete Garber verhaltenen Applaus.

APA/ag.
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OMV-Strom-Tankstellen auch in Tschechien, Ungarn, Slowenien

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Wien, 17.11.2017

Wie in Österreich will der OMV-Konzern auch in Tschechien, Ungarn und Slowenien eigene Tankstellen mit Strom-Schnellladestationen für Elektroautos ausrüsten. Marktgerüchte, dass es um insgesamt rund 40 Stationen geht, wollte man seitens des Öl- und Gaskonzerns am Freitag nicht bestätigen. Bei den E-Ladestationen ist die OMV Partner von Ionity, einem Joint Venture von BMW, Daimler, Ford und VW.

Die Eröffnung der ersten Schnellladestation an einem OMV-Standort ist für das erste Halbjahr 2018 vorgesehen, teilte das Unternehmen in einer Aussendung mit. Bis zum Jahr 2020 plant Ionity mit verschiedenen Partnern rund 400 Schnellladestationen, wie seit Anfang November bekannt ist. In Deutschland etwa, wo die OMV wie in Österreich über mehrere hundert Tankstellen verfügt, kooperiert Ionity jedoch mit dem Autobahn-Raststättenbetreiber Tank & Rast, in Nordeuropa mit der Handelskette Cercle K.

Umsetzen will die OMV ihr Strom-Ladekonzept an Standorten entlang von Hauptverkehrsverbindungen in Zentral- und Osteuropa, schwerpunktmäßig in der Nähe von Autobahn und Schnellstraßen oder in Ballungsräumen. Jede Station soll zwei bis sechs Ladepunkte mit je 350 kW Ladekapazität erhalten. Damit könne die Ladezeit signifikant verkürzt werden. Mit den Strom-Tankstellen gehe man einen weiteren Schritt Richtung nachhaltiger Energiezukunft, so OMV-Downstream-Vorstand Manfred Leitner.

Insgesamt verfügt die OMV über rund 2.000 Tankstellen in zehn Ländern, darunter rund 420 in Österreich (davon die Hälfte OMV-Markenstationen, der Rest Diskontstationen wie Avanti oder Hofer).

APA
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Österreich steigt bei Smart Meter auf die Bremse

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Wien, 17.11.2017

Energie. Die strengen nationalen Ziele wurden klar verfehlt. Jetzt sollen die intelligenten Stromzähler so langsam kommen, wie es die EU erlaubt.

Nächstes Jahr ist es so weit: Dann werden die meisten Österreicher von ihrem Netzbetreiber einen sogenannten intelligenten Stromzähler geliefert bekommen. Das bisherige nationale Ziel zum Smart-Meter-Roll-out haben die zögerlichen Versorger damit aber klar verfehlt: Ursprünglich sollten bis Ende 2017 laut Verordnung des Wirtschaftsministeriums 80 Prozent aller Haushalte über einen Smart Meter verfügen. Geworden sind es bisher 8,5 Prozent, wie aus dem Marktbericht des Energieregulators E-Control hervorgeht.

"Das wird sich nicht mehr ausgehen", sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Das dürfte auch das zuständige Wirtschaftsministerium erkannt haben. Wie "Die Presse" erfahren hat, geht dieser Tage eine neue Verordnung in Begutachtung, die den ambitionierten Austro-Zeitplan bremsen soll. Die Republik begnügt sich demnach künftig mit den Mindestzielen aus der EU-Verordnung, wonach im Jahr 2020 erst acht von zehn Haushalten einen intelligenten Zähler haben müssen. Bisher waren in Österreich 95 Prozent im Jahr 2019 vorgesehen.

Smart Meter verrechnen sich

Am Grundproblem hinter der milliardenschweren Umstellung ändert das nichts. Während die Befürworter der Einführung große Einsparungen durch genauere Abmessungen in Aussicht stellen, bleibt die Skepsis bei vielen Bürgern groß. Kein Wunder: Erst im Sommer haben Forscher der niederländischen Universität Twente nachgewiesen, dass viele digitale Zähler den Stromverbrauch oft um das Sechsfache überschätzen. Zudem warnen IT-Sicherheitsfirmen, dass sich Österreich mit den Geräten Millionen neuer Einfallstore für Hacker ins Land hole.

Manche Sorgen sind freilich unbegründet. So kann man über den Smart Meter etwa nicht ablesen, welches Fernsehprogramm ein Stromkunde gerade ansieht. Dennoch halten sich derartige Gerüchte hartnäckig.

Die Österreicher sind allerdings nicht die einzigen in Europa, die den Einbau der neuen Geräte mit Skepsis betrachten. Im EU-Vergleich sind die heimischen Energieversorger sogar unter den Vorreitern bei der Umstellung, so das Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young. 57 Prozent haben demnach zumindest mit dem Roll-out begonnen. Fast doppelt so viele wie in Deutschland und der Schweiz.

Wie viele dürfen verweigern?

Nach dem Gesetz darf im Grunde jeder Österreicher den Einsatz eines Smart Meters in seinem Haushalt verweigern (Opt-out). Bis dato liegt die Opt-out-Rate laut E-Control bei rund 1,7 Prozent. Allerdings steht die große Umstellung in den Metropolen, wo überdurchschnittlich viele Verweigerer vermutet werden, noch bevor.

Vollkommen unklar war bisher, was passiert, wenn sich so viele Menschen gegen die neuen Geräte entscheiden, dass das Land die EU-Quote nicht erfüllen kann.

Auch hier soll die neue Verordnung endlich Klarheit bringen. Künftig könnte demnach etwa jeder Haushalt mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet werden. Bei den Gegnern würden die "smarten" Funktionen des Gerät jedoch wieder deaktiviert. Zur EU-Quote sollen sie dennoch zählen.

Von Matthias Auer

"Die Presse"
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200 Millionen Euro für Österreichs Stromnetz

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17.11.2017

Die heimische Wirtschaft muss sich ab 2018 auf eine drastische Erhöhung der NETZGEBÜHREN einstellen. Am härtesten trifft es die Industrie.

Bis zu 200 Millionen Euro wird die Benutzung des österreichischen Stromnetzes im Jahr 2018 kosten, schätzen Energieexperten, wenn die vom Regulator E-Control ausgearbeitet Systemnutzungsverordnung in Kraft tritt. Etwa die Hälfte der Summe entfällt auf die Industrie, die damit mit einer Kostenerhöhung von bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnen muss.

Der Protest in der energieintensiven Industrie ist groß, niemand hat mit einer derart drastischen Steigerung gerechnet. Bis Freitag dieser Woche konnten die Betroffenen Einwände gegen die Verordnung vorbringen. Doch das wird nicht viel bringen: Die E-Control begründet die Erhöhung mit gestiegenem Aufwand für das sogenannte Engpassmanagement des Übertragungsnetzbetreibers

APG: Die Verbund-Tochter muss immer mehr ausgeben, um das Stromnetzes stabil zu halten und vor Ausfällen zu schützen. Im Monatstakt werden neue Rekordstände erreicht. Zugute kommt das Energieversorgern wie Verbund, Wien Energie, Energie AG oder EVN, die mit ihren thermischen Kraftwerken beim Ausbalancieren des Stromsystems mitverdienen.

"Die Erhöhung der Gebühren ist auf die Packelei der Sozialpartner zurückzuführen. Jeder reklamiert etwas hinein, und die Industrie kriegt die Rechnung", sagt Alfred Heinzel, Aufsichtsratschef der Heinzel Group. Bei dem Papierkonzern machen die Energiekosten rund 20 Prozent des Gesamtausgaben aus und sind damit höher als die Personalausgaben. Allein das Papierwerk in Laakirchen würde 2018 bis zu 800.000 Euro für die Netzentgelte bezahlen müssen, sagt Heinzel.

Auch von der Voestalpine kommt Kritik. "Die Anhebung ist unangemessen hoch und trägt zu einer weiteren Verschlechterung des Wirtschaftsstandorts Österreich bei", heißt es bei den Linzern, denen durch die Verordnung Millionen an Mehrkosten entstehen. Zusätzlich wird der Konzern durch höhere Gebühren für die Anbindung der eigenen Kraftwerke an das Stromnetz belastet - mit einer Summe im mittleren einstelligen Millionenbereich: "Obwohl wir einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der Stromversorgung leisten", so der Sprecher: "Einmal mehr wird die Planungssicherheit in Frage gestellt."

koka

"trend" Nr. 46/2017
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Smart Flower Energy Technology GmbH in Güssing insolvent

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Eisenstadt, 17.11.2017

Die Smart Flower Energy Technology GmbH in Güssing ist insolvent: Über das Unternehmen, einen führenden Anbieter von Solarsystemen, ist am Freitag in Eisenstadt das Konkursverfahren eröffnet worden, teilten Gläubigerschutzverbände mit. Nach Angaben des KSV1870 unter Berufung auf Unternehmensangaben betragen die Passiva rund 5,2 Mio. Euro.

Dies würde bedeuten, dass es sich um die drittgrößte Insolvenz in diesem Jahr im Burgenland handle. Zum Masseverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Wagner bestellt.

Die genauen Insolvenzursachen sowie die endgültigen Vermögensverhältnisse und die Anzahl der Gläubiger müssen im Zuge des Verfahrens eruiert werden, hieß es vom AKV Europa. Ein Antrag auf Sanierung sei bisher nicht eingebracht worden. Ob ein solcher geplant sei, könne derzeit noch nicht gesagt werden.

Forderungen im Rahmen der Insolvenz können bis zum 15. Jänner 2018 über die Gläubigerschutzverbände angemeldet werden. Eine Prüfungs- sowie Berichtstagsatzung im Landesgericht Eisenstadt wurde für 29. Jänner angesetzt. Zur Bewertung der Marken und Patente sowie des beweglichen und unbeweglichen Vermögens wurden vom Gericht die Beiziehung der entsprechenden Gutachter sowie eines Steuerberaters und eines Patentanwalts genehmigt.

Von der Insolvenz sind nach Angaben des AKV Europa mindestens 20 Gläubiger betroffen. Eine genaue Zahl müsse noch festgestellt werden. Das Unternehmen beschäftigt 18 Mitarbeiter. Als eine Ursache, warum das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geriet, werden Absatzprobleme genannt. Es sei nicht gelungen, die angebotenen Produkte in der Anzahl zu verkaufen, damit ein positives Ergebnis erzielt werden konnte.

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E-Motorrad-Hersteller EMC will in Österreich wachsen

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Rom/Wien, 17.11.2017

Energica Motor Company (EMC), italienischer Hersteller elektrisch betriebener Motorräder der Spitzenklasse, will in Österreich wachsen. Das an der Mailänder Börse notierte Unternehmen hat ein Abkommen mit dem Wiener Mobilitätsanbieter Vertical eMobility GmbH für den Vertrieb seiner Motorräder auf dem österreichischen Markt abgeschlossen.

"Österreich ist ein wichtiger europäischer Markt, auf dem jährlich 40.000 Motorräder verkauft werden. Der Anteil an E-Motorräder wächst in Österreich Jahr für Jahr", so die Geschäftsführerin von EMC, Livia Cevolini.

EMC ist seit Jänner 2016 im Mailänder AIM-Index notiert. Mit dem Börsengang sammelte das Unternehmen aus dem norditalienischen Soliera bei Modena 5,3 Millionen Euro ein, um das Vertriebsnetz aufzubauen.

EMC möchte vor allem im Ausland wachsen, etwa in Österreich, Deutschland und in Nordeuropa, wo Ladestationen weiter verbreitet sind als auf den italienischen Straßen, - und in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen erzielte 2016 mit 40 Mitarbeitern einen Umsatz von 800.000 Euro. 2019 will EMC die Gewinnschwelle erreichen.

Ego heißt das Superbike von EMC, das Insider als "Tesla der Motorräder" bezeichnen. Die Maschine mit einem 110 Kilo schweren Batteriepaket schafft 240 Stundenkilometer und kostet 30.000 Euro. Das jüngste Modell heißt Energica Eva und punktet mit einer Reichweite von rund 150 Kilometern bei einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern.

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VW steckt 34 Milliarden Euro in Elektroautos

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Wolfsburg, 17.11.2017

Der Volkswagen-Konzern will mit Milliardeninvestitionen in die E-Mobilität den tiefgreifenden Wandel der ganzen Branche bewältigen. In die Entwicklung von E-Autos, autonomes Fahren und die Digitalisierung sollten von 2018 bis 2022 mehr als 34 Mrd. Euro fließen, teilte Volkswagen am Freitag in Wolfsburg nach Beratungen des Aufsichtsrats mit.

Damit würden die Voraussetzungen geschaffen, Volkswagen bis 2025 zur "weltweiten Nummer Eins in der Elektromobilität zu machen", sagte Konzernchef Matthias Müller. Der Standort Zwickau solle zum E-Mobilitäts-Werk werden, die Passat-Produktion ab Ende 2018 in Emden konzentriert und die Golf-Familie in Wolfsburg gebaut werden.

APA/dpa
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AK begrüßt Smart-Meter-Aufschub

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Wien, 17.11.2017

Die Arbeiterkammer (AK) begrüßte am Freitag den laut einem Entwurf des Wirtschaftsministeriums geplanten zeitlichen Aufschub für die Umrüstung auf die neuen digitalen Stromzähler in Österreich. Demnach sollen die Smart Meter bis 2020 zu 80 Prozent ausgerollt sein und nicht, ohnedies unrealistisch, 95 Prozent schon bis 2019. Auch die Streichung der Opt-Out-Obergrenze von 5 Prozent goutiert die AK.

Mit dem geplanten neuen Zeitraster, über den die "Presse" (Freitag) berichtet hatte, kehre Österreich zur ursprünglichen EU-Vorgabe zurück, erinnerte die AK in einer Aussendung. Vor Jahren glaubte man hier ehrgeiziger sein zu können, doch erwies sich der straffere Zeitplan als nicht umsetzbar. Auch die E-Wirtschaft hatte seit langem eine Lockerung gefordert, weil die Ausschreibungen für die neuen Geräte sehr viel Zeit in Anspruch nahmen. "Das ist eine sachlich richtige Entscheidung", hieß es daher am Freitag aus der Strombranche zur APA. Und eine Quote von 80 Prozent würden in drei Jahren viele andere EU-Staaten nicht erreichen.

Auch jene Smart Meter, deren ständige Aufzeichnungs- und Übertragungsfunktion deaktiviert ist, sollen auf die 80-Prozent-Quote angerechnet werden, zählen also nicht als "Opt Out". Nach der bisherigen Verordnung wäre - kumuliert - höchstens fünf Prozent der Stromkunden ein Recht auf "Opt Out" zuerkannt worden. Dies hätte zum Beispiel Verbraucher in Regionen benachteiligt, die als letzte umgerüstet werden. Dort hätte womöglich dann gar niemand mehr die Aktivierung ablehnen können, was Fachleute für verfassungsrechtlich fragwürdig hielten - auch ein AK-Rechtsgutachten des Datenschutzexperten Daniel Ennöckl.

Es sei daher ein Erfolg, dass die AK-Vorschläge im jetzigen Begutachtungsentwurf des Wirtschaftsministers berücksichtigt würden, so AK-Direktor Christoph Klein - sowohl was den Ausrollungsgrad an sich als auch den drohenden 5-Prozent-Flaschenhals betreffe.

Ende 2016 waren in Österreich von den 6,099.000 Zählpunkten in Haushalten, Klein- und Mittelgewerbe sowie Landwirtschaft 519.000 mit "Smart Meter" ausgestattet, also 8,5 Prozent. Ende 2015 hatte der Ausrollungsgrad 7,4 Prozent betragen.

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Verbrauch von Primärenergie in Deutschland zuletzt gestiegen

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Wiesbaden, 16.11.2017

Zur Umsetzung der Energiewende hat sich die deutsche Bundesregierung eine deutliche Senkung des Verbrauchs von Primärenergie als Ziel gesetzt - zuletzt ist der Verbrauch in Deutschland aber wieder leicht angestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt anlässlich der derzeit stattfindenden Weltklimakonferenz in Bonn am Donnerstag mit.

Demnach stieg der Primärenergieverbrauch vorläufigen Zahlen zufolge seit dem Tiefststand im Jahr 2014 wieder leicht an, erreichte aber dennoch den viertniedrigsten Stand seit 1990. Insgesamt ist der Primärenergieverbrauch im Zeitraum von 1990 bis 2016 um 9,8 Prozent gesunken. Von 2008 bis 2016 ging er den Statistikern zufolge insgesamt um 6,5 Prozent zurück. Die Bundesregierung hat sich bis 2020 eine Reduktion um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 als Ziel gesetzt.

Den Energieverbrauch durch Einsparungen und höhere Energieeffizienz zu senken, ist neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien die zweite tragende Säule der Energiewende. Dem Statistischen Bundesamt zufolge unterliegt der Primärenergieverbrauch immer wieder deutlichen jährlichen Schwankungen, was unter anderem der konjunkturellen Entwicklung und den Witterungsverhältnissen zuzuschreiben ist.

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WKÖ-Kritik an Lieferanten wegen Strompreiszonen-Trennung

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Wien, 16.11.2017

Die Wirtschaftskammer wirft den Stromlieferanten vor, ihre Kunden schon jetzt mit den Mehrkosten zu belasten, die aufgrund der Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone erwartet werden. Die WKÖ rät ihren Mitgliedern daher, gegenüber den Lieferanten vorsorglich Widerspruch anzumelden und zu prüfen, ob eine einseitige Kostenüberwälzung rechtlich überhaupt möglich ist.

"Unübersehbar ist die Parallele zum Versuch der Energielieferanten, vermeintliche Kosten des Energieeffizienzgesetzes auf die Kundenseite abzuwälzen - ein Deja-vu", sagt der Leiter der WKÖ-Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik, Stephan Schwarzer. Die Trennung - und damit die Einführung einer eigenen österreichischen Preiszone - werde erst mit 1. Oktober 2018 in Kraft treten, erklärte Schwarzer am Donnerstag laut Aussendung. Ab diesem Zeitpunkt werde die derzeitige gemeinsame Preiszone Deutschland-Österreich für den Stromeinkauf im Großhandel aufgespalten. "Wie sich das auf den Strompreis konkret niederschlägt, kann man jetzt noch nicht sagen", so Schwarzer.

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Heimische Strombranche forscht in über hundert Projekten

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Wien, 16.11.2017

Die Strombranche ist forschungsintensiver als gedacht. Der neue Forschungsbericht 2017 von Oesterreichs Energie listet 101 Forschungsprojekte der E-Wirtschaft auf. Im Schnitt investiert der Sektor hier jährlich 23 Mio. Euro. Dabei spreche man alle großen Zukunftsthemen an, von Blockchain über Wasserstoff-Technologie, von Datensicherheit bis zu Smart Grids, so Präsident Leonhard Schitter.

Beispiele sind eine Studie zur Effizienz der E-Mobilität, eine Untersuchung der Rolle von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), eine Netzfinanzierungs-Studie, Untersuchungen zum Sustainable River Management und zur Frage der Datensicherheit bei den sogenannten "intelligenten Stromzählern" (Smart Meter).

Die aktuellen Forschungsvorhaben der Branche beziehen sich etwa auch auf den Themenbereich der zunehmend dezentral organisierten Stromerzeugung, die Übertragung des stark schwankenden Energieangebots sowie Speicher in allen Ausprägungen, von der Sekundenreserve bis zum Ausgleich jahreszeitlicher Schwankungen.

Gemeinsam mit dem Innovationsnetzwerk "energieloft" hat Oesterreichs Energie eine Plattform entwickelt, um innovative Akteure aus der Energiebranche zu vernetzen und Kooperationen zu initiieren. Die Plattform bietet den Mitgliedern der Interessenvertretung der heimischen E-Wirtschaft Zugang zu technologischen Neuentwicklungen und Geschäftsideen von Start-ups und Forschungsinstituten. Diese Datenbank umfasst rund 900 Start-ups aus den Bereichen Energie, Smart City, Mobilität und Umwelt. 30 der jungen, innovativen Unternehmen sind öffentlich für alle Besucher der Site sichtbar, weitere 100 mit dem Log-in der Mitglieder. Die Plattform wird laufend aktualisiert. Ein eigener Projektmarktplatz soll aktiv das Zustandekommen von Kooperationen unterstützen.

Äußerst positiv entwickelt sich laut Schitter der 2017 durchgeführte Open-Innovation-Prozess "FuturE". Im Rahmen dieses Projekts habe die E-Wirtschaft als erster Wirtschaftssektor die Basis für eine langfristig angelegte branchenübergreifende Struktur zur Optimierung des Übergangs von einem fossil dominierten Energiesystem zu einem klimaschonenden, weitgehend mit erneuerbaren Energien agierenden System gelegt.

FuturE ermögliche einen branchen- und sektorenübergreifenden Austausch am Weg zu innovativen Antworten für die Zukunft der Energieversorgung, so Schitter in einer Aussendung. Die E-Wirtschaft habe dafür wesentliche Vorarbeiten geleistet, die in der 2015 präsentierten Stromstrategie "Empowering Austria" zusammengeflossen seien. FuturE solle den Diskurs über das Energiesystem der Zukunft langfristig vorantreiben und gestalten, indem dort Raum für den Ideenaustausch geschaffen worden sei. So können konkrete Projekte entstehen.

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Welt ohne Kohle

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Frankfurt, 16.11.2017

Erdgas steigt zum zweitwichtigsten Brennstoff auf, erneuerbare Energien setzen sich immer weiter durch: Es steht eine Energiewende bevor, die wenig mit Politik und viel mit Marktwirtschaft zu tun hat

Selbst ein Kohle-Beschwörer wie US-Präsident Donald Trump wird irgendwann anerkennen müssen, was in seinem Land in den vergangenen Jahren geschehen ist. Noch vor gut einem Jahrzehnt gab es Warnungen: Die Erdgasvorräte der USA würden so knapp, dass steigende Gaspreise das Wachstum bedrohten. Kurz darauf geschah genau das Gegenteil. Die Fracking-Technologie, mit der US-Konzerne seit damals die riesigen Schieferformationen tief unter der Erde aufsprengen, machte die USA wieder zum größten Erdöl- und Gasproduzenten und verdrängt die Kohle aus der Energieversorgung - mit Folgen für die gesamte Welt.

Innerhalb der kommenden Jahrzehnte wird Erdgas die Kohle als weltweit zweitwichtigsten Brennstoff nach dem Öl ablösen, zugunsten des Klimas. Die Kohlenachfrage steigt dagegen kaum noch oder geht sogar zurück. Eine globale Energiewende steht bevor. Das ist eine der wichtigsten Botschaften der Internationalen Energieagentur (IEA) in ihrem neuen Energieausblick.

Der Bericht des Pariser Thinktanks ist eine der wichtigsten Publikationen zur Zukunft der Energiemärkte und erscheint in diesem Jahr während der entscheidenden Phase der Bonner Klimaverhandlungen. Er bietet Anlass zum Optimismus. Denn während die globalen Kohlendioxid-Emissionen 2017 erstmals seit zwei Jahren wieder steigen, stehen die Energiemärkte vor einem gewaltigen Umbruch, der für einen ambitionierten Klimaschutz dringend nötig ist: Kohle wird als Energieträger zunehmend ersetzt, von Erdgas und Energie aus Sonne, Wasser und Wind.

Anders als Erdöl war das flüchtige Erdgas einst auf den Transport durch Rohre beschränkt. Schon vor dem Bau der Tausende Kilometer langen Pipelines schlossen Produzenten und Abnehmer deshalb lang laufende Verträge ab, um die enormen Investitionen zu finanzieren. Die globale Gasversorgung war deshalb noch vor wenigen Jahren regional aufgeteilt: Nordamerika, Europa und Asien hatten jeweils eigene Märkte, mit unterschiedlichen Quellen und eigenen, starren Preissystemen.

Der Aufstieg der Erdgas-Verflüssigung hat diese Grenzen beseitigt. Rund um den Globus sind neue Hafen-Terminals entstanden, in denen Erdgas unter hohem Druck verflüssigt und auf Spezialschiffe gepumpt wird. So wird Gas zur globalen Handelsware. Die Zahl der Länder, die sogenanntes LNG (Liquefied Natural Gas, Flüssigerdgas) importieren, stieg von 15 im Jahr 2005 auf heutzutage 40, und es werden nach und nach mehr. "Der Markt für Erdgas wird sehr viel globaler und viel stärker vernetzt, als wir es bisher kennen", sagt Tim Gould, einer der Hauptautoren des Energieausblicks. Im wahrscheinlichsten Szenario der Energieagentur verweist das Gas die Kohle bis in 20 Jahren auf Platz drei im globalen Energiemix.

Für das Weltklima sind das zunächst gute Aussichten. Gas verbrennt von allen fossilen Rohstoffen am saubersten; es führt zu etwa 40 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß als Kohle und zu etwa 20 Prozent weniger als Öl. Vor allem in der Stromversorgung und in der Industrie kann Erdgas wesentlich dazu beitragen, die Emissionen zu senken. Ein Vorbild könnte ausgerechnet das Land mit dem zweithöchsten Ausstoß an Treibhausgasen sein: Vor zehn Jahren lieferten Kohlekraftwerke noch die Hälfte des Stroms in den USA. Heute ist es weniger als ein Drittel - und zwischen 2006 und 2016 sanken die Emissionen aus dem US-Energiesektor um 15 Prozent.

Gleichwohl warnt die IEA vor zu viel Optimismus, aus zwei wesentlichen Gründen. Erstens ist umstritten, wie viel Erdgas auf dem Weg von der Quelle zum Verbraucher verloren geht - je mehr es ist, desto schlimmer die Folgen: Methan trägt zwanzig Mal so viel zum Treibhauseffekt bei wie Kohlendioxid und hält sich länger in der Atmosphäre. Zweitens dürfte zwar langfristig die weltweite Nachfrage nach Kohle abflachen, für einen ambitionierten Klimaschutz reicht ein schleichender Kohleausstieg indes nicht aus - und noch ist die Welt viel zu abhängig von dem Brennstoff. "Die Kohlendioxid-Emissionen aus der Energieversorgung steigen bis 2040 weiter an", schreiben die IEA-Experten. "Das ist weit davon entfernt, die heftigen Folgen des Klimawandels zu vermeiden."

Um die nahe und langfristige Zukunft der Energiemärkte vorherzusagen, arbeitet die IEA mit Szenarien, die sie für unterschiedlich wahrscheinlich hält. In allen Szenarien hält sie einige Entwicklungen aber für unbestritten: Die Kosten für erneuerbare Energien sind so rapide gesunken, dass Solar- und Windenergie in vielen Ländern die günstigsten Energiequellen sind. Kein anderer Sektor wird deshalb so viel dazu beitragen, den steigenden Energiebedarf der Weltbevölkerung zu decken. Zudem geht die IEA von einer zunehmenden Elektrifizierung aus: Wurde die Energieversorgung abseits der Stromproduktion früher zum Großteil aus fossilen Brennstoffen gedeckt, wird es in Zukunft elektrische Energie sein - nicht zuletzt wegen der Verbreitung von Elektrofahrzeugen. "Elektrizität ist die aufstrebende Macht im weltweiten Endenergieverbrauch", schreibt die IEA.

Zum 40. Geburtstag des World Energy Outlooks enthält dieser eine sehr klare Botschaft: Wenn sich die Staaten der Welt nicht auf deutlich strengere Klimaschutzmaßnahmen einigen, werden viele schwerwiegende Folgen der globalen Erwärmung nicht mehr zu vermeiden sein. Donald Trump, 71, wird die aber vermutlich kaum noch erleben.

Von Jan Willmroth

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Russland verärgert über EU-Transparenzregeln

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Moskau , 16.11.2017

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat Versuche der Europäischen Union zur Regulierung des Gas-Pipelineprojekts Nord Stream 2 scharf kritisiert. Es sehe so aus, als ob sein Land dazu gebracht werden solle, aus dem Vorhaben auszusteigen, sagte Medwedew am Dienstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. "Unser Ansatz zur Umsetzung dieses Projekts hat sich bislang nicht geändert: Das ist kein politisches Werkzeug, das ist ein reguläres kommerzielles Projekt mit dem Ziel, Europas Energiesicherheit zu schützen." Die EU-Kommission hatte vergangene Woche mitgeteilt, die derzeit geltenden Regeln für den internen EU-Gasmarkt auf Pipelines aus Drittstaaten, die nach Europa gehen, erweitern zu wollen. Für solche Gasleitungen würden damit die gleichen Auflagen im Hinblick auf eine Regulierung der Preise und die Transparenz gelten wie für Pipelines innerhalb der Union. Das Europaparlament und die Mitgliedsländer müssen der Neuregelung noch zustimmen. Nord Stream 2 ist umstritten. Die Pipeline soll russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland bringen, doch in der EU gibt es große Vorbehalte. So wird etwa eine zu große Abhängigkeit von Russland befürchtet.

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Österreich am Klima-Pranger

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16.11.2017

Hinterbänkler. Eine aktuelle Analyse bescheinigt der Alpenrepublik "geringe Anstrengungen" beim Klimaschutz. Experten warnen: Es ist nicht mehr viel Zeit.

Österreich zählt beim Klimaschutz zu den Schlusslichtern Europas, zeigt eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation Germanwatch.

Das am Mittwoch im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Bonn (siehe Artikel rechts) veröffentlichte Ranking weist Österreich nur auf Platz 35 von 57 Staaten aus. Die Experten evaluieren mit diesem Index die notwendigen politischen Maßnahmen, die die Länder in Sachen Klimaschutz umsetzen.

Studienautor Jan Burck von Germanwatch kann in Österreich keine Strategie erkennen, sagt er im KURIER-Gespräch. Österreich habe das Klimaschutz-Abkommen von Paris ratifiziert und müsse daher seinen Teil leisten, so Experte Burck. "Auch wenn sich im Bereich der erneuerbaren Energien schon einiges getan hat, liegt das Land in puncto Emissionen noch über den Europäischen Durchschnitt."

"Nehm' ich nicht ernst" ÖVP-Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter zeigte sich am Rande der Klimakonferenz über den Index verärgert: "Ich nehme diesen Klimaindex einfach nicht ernst", sagte er den anwesenden Journalisten. Rupprechters Begründung: Mit Frankreich liege etwa ein Land weit vorne, "in dem 50 Prozent des Stroms in Atomkraftwerken erzeugt wird". Auch in Deutschland, das Platz 22 belegt, werde "gerade diskutiert, die Verstromung durch Kohle bis 2045 zu verlängern".

Experte Burck kontert, dass es bei dem Klimaschutz-Ranking auch nicht darum gehe, welches Land wie viel Atomstrom produziere, sondern um die Frage, welche Anstrengungen und Ziele vorhanden sind, um die jeweiligen nationalen Klimaziele zu erreichen.

Österreichs größte Umweltorganisationen übten anlässlich des Rankings jedenfalls scharfe Kritik an der Klimapolitik: "Seit Jahren erleben wir in Österreich einen klimapolitischen Stillstand", sagt etwa Adam Pawloff von Greenpeace.

"Den zuletzt wieder steigenden -Emissionen sieht man völlig tatenlos zu! Wo bleiben die Gegenmaßnahmen?", fragt Johannes Wahlmüller von Global 2000.

Rupprechter verspricht, "bis Mitte 2018" werde eine nationale Klima- und Energiestrategie erstellt. Diese hatte Rupprechter zwar schon für Dezember 2016 versprochen, blieb aber säumig, nicht zuletzt, weil sie von vier Ministerien (Wirtschaft, Umwelt, Verkehr-und Soziales) hätte erstellt werden sollen.

Wie ernst die Situation ist, erklärt der Umweltökonom Karl Steininger von der Uni Graz. Mit dem Klimaabkommen von Paris haben sich alle Staaten verpflichtet, die Erderhitzung "deutlich unter 2°C" zu begrenzen, indem die Treibhausgas-Emissionen (vor allem aus fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas oder Kohle) radikal gesenkt werden. Tatsächlich sind Österreichs Emissionen zuletzt aber nicht gesunken, sondern sogar um 3,4 Prozent angestiegen.

Steininger hat berechnet, was das für Österreichs nationale Ziele heißt, und kommt zum Schluss: "Wenn wir weiter wie bisher nichts tun, wird Österreich sein nationales Emissionskontingent bereits im Jahr 2035 aufgebraucht haben. Es braucht jetzt tief greifende Änderungen in unserem Wirtschaftsstil, eine umgehende Neuorientierung und politisches Handeln in allen Bereichen."

 Von Bernhard Gaul und Aus Bonn Sandra Lumetsberger

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Das Geschäft mit dem Müll

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Wien, 16.11.2017

Österreich exportiert genauso viel Müll, wie es importiert – aus Rom kam heuer weniger als festgelegt, ab 2018 ist ganz Schluss.

Fast ein Jahr ist es her, dass der erste Zug aus Rom bei der EVN-Müllverbrennungsanlage Dürnrohr in Niederösterreich eintraf: vollgefüllt mit 700 Tonnen italienischem Hausmüll in 62 Containern. Innerhalb eines Jahres sollten rund 70.000 Tonnen Müll aus Rom in Dürnrohr verbrannt werden, so die Vereinbarung. Auf diese Menge wird man aber wohl nicht mehr kommen. „Etwa drei Viertel davon sind verbrannt. Mehr wird aus diesem Vertrag wahrscheinlich nicht mehr kommen“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach zur „Wiener Zeitung“. Ab 2018 will die Stadt Rom ihren Müll nicht mehr in Österreich entsorgen, wie der Generaldirektor der römischen Entsorgungsfirma AMA, Stefano Bina, ankündigte. Man plane, den Müll dort zu entsorgen, wo er produziert wird.

Dass Österreich letztendlich nicht einmal die vertraglich festgelegte Menge bekam, sei den beschränkten Kapazitäten der Müllverbrennungsanlage aufgrund des Konjunktur-Aufschwungs im eigenen Land geschuldet, sagt Zach. Denn ein Wirtschaftswachstum habe immer auch ein größeres Müll-Aufkommen zur Folge. Die 70.000 Tonnen seien aber ohnehin ein Maximalwert gewesen, der Müll aus Niederösterreich hatte laut Vertrag immer Vorrang. „In der Praxis bedeutet das, dass die Italiener Anfang der Woche anrufen und nur dann einen Zug schicken, wenn wir Platz haben.“

Win-win-Situation durch Import

Insgesamt werden in Dürnrohr 500.000 Tonnen Müll im Jahr verbrannt. Mit dem dadurch erzeugten Strom werden 170.000 Haushalte in der Region und Fernwärme für St. Pölten und Firmen erzeugt. Der Müll aus Italien stellte für Österreich eine Win-win-Situation dar.

Denn für jede ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde gibt es zwischen drei und fünf Cent (Haushaltskunden zahlen inklusive Steuern, Abgaben und Netzgebühren rund 18 Cent). Gleichzeitig müsse man in Österreich zwischen 100 und 170 Euro an die Müllentsorger zahlen, um eine Tonne Abfall verbrennen zu lassen, präzisiert Hans Roth, Präsident des Verbands der österreichischen Entsorgungsbetriebe (VOEB) und Gründer von „Saubermacher“.

Die römische AMA zahlte laut der römischen Tageszeitung „Il Tempo“ 139,81 Euro pro Tonne an Dürnrohr. Für Italien ist das ebenfalls ein gutes Geschäft, weil es für einen Platz auf einer seiner heimischen Deponien rund 150 Euro pro Tonne zahlen müsste. Und Rom produziert immerhin bis zu 3000 Tonnen Müll pro Tag.

Schon von 2013 bis 2016 hatte die EVN 100.000 Tonnen Müll aus Neapel verbrannt. Pläne für die Errichtung von Müllverbrennungsanlagen in Italien scheiterten bisher an Anrainerprotesten. Dazu kamen Missmanagement und Korruption beim AMA, bei dem ein Finanzloch von 650 Millionen Euro klafft.

Den in der römischen Zeitung genannten Preis von 139,81 Euro für die Müllverbrennung in Österreich will Zach – aufgrund des Wettbewerbs – zwar nicht bestätigen. Kunden mit langfristigen Verträgen über große Mengen Müll zahlten aber grundsätzlich weniger als Kunden mit kurzfristigen Verträgen wie etwa Italien, sagt er.

„Abfall ist ein Handelsgut“, ergänzt Roth. Und: „Die Abfallpreise haben europaweit ein ähnliches Niveau – wie beim Ölpreis.“ Unseren Müll in Ungarn verbrennen zu lassen, komme nicht billiger. Es sei aber näher.

Usus sei daher, näherliegende Müllverbrennungsanlagen aufgrund der kürzeren Transportwege zu bevorzugen, auch wenn sie auf der anderen Seite der Grenze liegen. Und das sei auch einer der Hauptgründe, warum Österreich in der – auf den ersten Blick kuriosen – Situation ist, nahezu gleich viel Müll zu importieren und zu exportieren. „Rund 700.000 Tonnen werden importiert, wir exportieren aber auch die gleiche Menge – allerdings nie ohne Genehmigung durch das Umweltministerium“, sagt Roth. Insgesamt produziert Österreich rund 60 Millionen Tonnen Müll pro Jahr (inkl. Bodenaushub).

Müll ist kein starrer Markt

Österreichischer Müll landet somit vor allem in den Nachbarländern wie in der Slowakei, wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Das Zementwerk in Mannersdorf ist weiter von den grenznahen Ortschaften weg. Neben der Müllverbrennungsanlage ist ein Zementwerk wie dieses die zweite Möglichkeit der Energiebeschaffung durch Abfall als Brennstoff.

Müll ist kein starrer Markt. In den vergangenen Jahren haben sich rege Müll-Ströme entwickelt. Die Briten etwa, deren Land zu wenige Verbrennungskapazitäten und seit kurzem hohe Deponiesteuern bietet, bringen ihren Müll vor allem nach Holland und Deutschland.

Das führt wiederum zu einer Vollauslastung der deutschen Anlagen, wodurch die Zahl der Müll-Importe nach Österreich steigt. Seit rund zwei Jahren drängen Roth zufolge immer mehr Abfallmengen aus Deutschland, aber auch der Schweiz, Ungarn, Slowenien und eben Italien nach Österreich. Hauptgründe dafür seien nationale Gesetzgebungen und hohe Steuern.

Seit 2004 gilt in Österreich die Deponieverordnung, die das Entsorgen von Abfällen streng regelt. 23 der 28 EU-Länder betreiben jedoch nach wie vor Mülldeponien. Noch immer werden Roth zufolge jährlich rund 90 Millionen Tonnen Abfall in Europa deponiert. Das soll sich ändern: Die EU will das Kreislaufwirtschaftsgesetz neu auflegen, wonach Deponien künftig besser reguliert und Recyclingquoten auf bis zu 70 Prozent erhöht werden sollen. In Österreich wird derzeit etwas mehr als die Hälfte des Mülls recycelt.

Die Importe sorgen für eine gute Auslastung, die im Müllgeschäft ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Denn wer Müll verbrennt, verpflichte sich mitunter vertraglich, eine gewisse Menge Strom oder Fernwärme zu liefern – ist nicht genug Müll vorhanden, müsse man die Kunden mit Gas beliefern, so Zach. Die Kehrseite der Medaille: Müllimporte treiben die Preise beim Gewerbe- und Industrieabfall in die Höhe. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage greift.

Die Qualität des Hausmülls aus dem Ausland sei ähnlich wie bei unserem, sagt Zach. „Im Müll aus Rom waren lediglich mehr Spaghettiverpackungen und Nudelreste dabei.“ Dass Österreichs Müllverbrenner durch das Geschäft mit den Importen die heimische Umwelt belasten, sieht Zach freilich differenziert. „Bei der Verbrennung entsteht CO 2 , keine Frage. Auf der Deponie bildet sich aber Methan – und das ist 20 Mal klimaschädlicher als CO 2 .“ Eine Müllverbrennungsanlage produziere etwa 600 Kilogramm CO 2 pro Tonne, sagt dazu Roth. Wird aus Abfall aber ein Ersatzbrennstoff hergestellt, der in der Industrie (Zementwerk) eingesetzt wird, erspare das dort den Einsatz von fossilen Brennstoffen wie Steinkohle oder Gas. In Summe spare man beim Einsatz von Ersatzbrennstoffen rund 650 bis 900 Kilogramm CO 2 pro Tonne ein. Nach der Verbrennung hat der Müll um 90 Prozent weniger Volumen und um 75 Prozent weniger Gewicht. Der Filterkuchen kommt auf eine Spezialdeponie. Tatsache ist laut Roth: „Die abfalllose Gesellschaft gibt es nicht.“

Reform Abfallwirtschaftsgesetz

Auf nationaler Gesetzesebene wünscht sich der VOEB, der 220 Mitglieder zählt und rund zwei Drittel des Abfalls in 1100 Anlagen entsorgt, eine Reform des Abfallwirtschaftsgesetzes. Derzeit gibt es neun Landesgesetze und ein Bundesgesetz. Das hat laut Roth zur Folge, dass sich zum Beispiel in Kärnten ein Unternehmer den Entsorger aussuchen kann und in Tirol nicht. Ein gemeinsames Ressourcenwirtschaftsgesetz könnte die Verwaltung vereinfachen und faire Bedingungen schaffen.

Zudem fordert Roth eine klare Trennung zwischen Haus- und Industriemüll. Für Letzteren seien eigentlich die – vom VOEB vertretenen – privaten Entsorgungsbetriebe zuständig, für den Hausmüll die Gemeinden. Diese scheinen sich jedoch seit einiger Zeit zunehmend den Industrieabfall sichern zu wollen, sagt Roth – wohl aus wirtschaftlichen Gründen. Dem VOEB-Präsidenten gehe es dabei aber nicht um die Privatisierung der Müllentsorgung. Vielmehr seien Public-Private-Partnership-Modelle, bei denen Private und Gemeinden beteiligt sind, eine Möglichkeit. Schließlich hält Roth die Bündelung der Ressourcenwirtschaft, Energie und Umwelt in einem einzigen Ministerium für sinnvoll.

Der Müll aus Italien fehle Österreich wie eingangs erwähnt jedenfalls nicht, sagt Roth. Am sinnvollsten wäre es seiner Ansicht nach, wenn Italien tatsächlich in den Bau von Müllverbrennungsanlagen investiert – nicht zuletzt deshalb, „weil das auch für Österreich als eines der Vorreiterländer in Sachen Technologie eine riesige Chance darstellen würde“.

Petra Tempfer

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Kleines Geld, große Hoffnung

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Palo Alto, 16.11.2017

Innogy, eine Tochter des Energieriesen RWE, investiert im Silicon Valley in amerikanische Start-ups. Der Druck, unter den jungen Unternehmen die Volltreffer zu identifizieren, ist groß


Im Science-Fiction-Film "Minority Report" weiß die Polizei im Voraus, wer wann und wo einen Mord begehen wird - und buchtet die Täter präventiv schon vor der Tat ein.

Das klingt erst mal nach ganz großem Quatsch. Doch Noam Maital kann so etwas Ähnliches heute schon: Der 28-Jährige stammt aus Tel Aviv, arbeitet in Kalifornien und weiß zum Beispiel, wann und wo in den nächsten zwei Stunden im 9000 Kilometer entfernten Bochum mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Verkehrsunfall passieren wird.

In dem kleinen Vortragsraum von Maitals Firma Waycare an der California Avenue in Palo Alto strebt Peter Terium zielstrebig als Erster auf einen Sessel zu. Es ist nicht Neugier, die den früheren Vorstandsvorsitzenden des deutschen Energiekonzerns RWE so schnell Platz nehmen lässt, sondern Erfahrung. Terium weiß: Wer sich bei einem Start-up-Unternehmen im Silicon Valley nicht rasch einen anständigen Stuhl sichert, muss sich in einen der hier üblichen Sitzsäcke fallen lassen. Und beim Wiederaufstehen aus deren reisgefüllten Tiefen hat noch nie jemand, der über 30 ist, seine Würde bewahrt.

Terium ist als Vorstandschef des Ökostromunternehmens Innogy hier, der größten und wichtigsten Finanzbeteiligung von RWE. Während sich die alte Konzernmutter aus Essen heute nur noch um die konventionellen Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke kümmert, soll Innogy die dezentrale, klimafreundliche und erneuerbare Energiewelt der Zukunft erschließen. Die Dividende, die Teriums Innogy im Ökoenergiegeschäft erwirtschaftet, gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen des alten Kraftwerksriesen RWE.

Dass es im Ökostromgeschäft nicht darum geht, einfach nur möglichst viele Windräder und Solaranlagen zu errichten, wusste Terium schon vor drei Jahren, als er noch als RWE-Chef im Konzern ein "Innovation Hub", also ein Innovationsdrehkreuz, gründete: ein Zukunftslabor voller junger Ingenieure, Vertriebs- und Softwareexperten. Bei der Abspaltung der Innogy nahm er die ganze Truppe, die heute 150 Mitarbeiter an den Standorten London, Tel Aviv, Palo Alto und Essen umfasst, kurzerhand mit.

In Palo Alto, nur ein paar Schritte entfernt von der Straßenecke, an der Steve Jobs einst den ersten Apple-Store aufmachte, residiert seither Innogy in einem gemütlich aussehenden, zweistöckigen blau-weißen Einfamilienhaus mit acht Mitarbeitern. Deren Aufgabe: Die hochaktive Start-up-Szene im Silicon Valley nach energiemarkttauglichen Ideen absuchen, Kontakte knüpfen, Geld investieren.

An rund 30 vielversprechenden Start-ups hat sich Innogy beteiligt, neun davon sitzen im Silicon Valley. Rund 40 Millionen Euro hat Innogy allein in diesem Jahr dort investiert. "Wir kaufen uns hier für vergleichsweise kleines Geld die Zukunft", sagt Terium. Doch zugleich legt er die Messlatte hoch: Bis 2020 will er insgesamt 300 Millionen Euro in die Hightech-Schmieden südlich von San Francisco investieren, wobei der Wert des Portfolios dann mehr als 500 Millionen Euro betragen soll. Angesichts der Tatsache, dass im Schnitt neun von zehn Start-ups im Valley scheitern, keine leichte Aufgabe für das Innogy Innovation Hub und seinen operativen Leiter Thomas Birr. "Wir schauen uns hier Geschäftsmodelle an", sagt Birr, "die noch hinter dem Horizont liegen."

Das Start-up Waycare gehört für Innogy dabei ganz sicher zu den großen Hoffnungsträgern. Der Präsentation von Firmenchef Maital, in Karohemd und Jeans, lauscht Terium nur als höfliches Mitglied einer Besuchergruppe aus Deutschland: Eigentlich kennt er die Details der staunenswerten Wahrsagekünste des Israelis längst auswendig. Innogy hat sich als führender Investor an dem Start-up beteiligt - und Terium gedenkt, dessen Prognosekünste gewinnbringend auf dem deutschen Energiemarkt anzuwenden.

Denn Verkehrsmanagement und Energieversorgung gehören sehr wohl zusammen, zumindest, wenn man vom Kunden her denkt. Wenn Innogy künftig in ein Bietergefecht um die lukrative Konzession eines städtischen Stromnetzes in Deutschland einsteigt, wird das Unternehmen der Kommune nicht nur Geld anbieten können - sondern die Lösung der schlimmsten kommunalen Verkehrsprobleme gleich mit. Womöglich geht die Rechnung des Innogy-Chefs auf: Kaum eine Stadt im staugeplagten Nordrhein-Westfalen würde so ein Angebot wohl ausschlagen können.

Doch dafür braucht es erst mal Vertrauen in eine Technik, die nach Science-Fiction klingt: Waycare benutzt für die Vorhersage von Staus und Unfällen keine bleichen "Precogs" wie in Hollywood: Die seherischen Fähigkeiten des Unternehmens beruhen auf der Analyse von "Tonnen von Daten", die im städtischen Verkehr anfallen. Der lernende Algorithmus von Waycare nutzt die Bilder Hunderter Verkehrskameras, wertet das Tempo von Straßenbahnen und Bussen aus, zählt Fahrzeuge, registriert die Datenströme privater Navigationssysteme und Smartphones, liest die in den Fahrbahnen verlegten Induktionsschleifen ab, vergleicht Wetterdaten mit den Parametern früherer Unfälle.

Das ermöglicht "pre-active traffic management" also vorauseilendes Verkehrsmanagement. Wenn zum Beispiel in einer bestimmten Jahreszeit an einem bestimmten Straßenabschnitt die Sonne in einem bestimmten Winkel steht und genau hier mal wieder ein Lieferwagen auf dem Seitenstreifen hält, dann weiß das Waycare-Computersystem, dass es hier gleich mit hoher Wahrscheinlichkeit krachen wird. Das ist Big-Data-Analyse, "reine Mathematik", sagt Maital. Polizei und Rettungsdienste können ihre Kräfte schon Minuten bis Stunden im Voraus an den besonders gefahrenträchtigen Verkehrsknoten bündeln - und dort vorausschauend Gefahrenquellen beseitigen.

Mit der Stadt Las Vegas ist Maital schon ins Geschäft gekommen: Im Kampf gegen Staus, Unfälle und Verkehrstote will die Glücksspielmetropole nichts mehr dem Zufall überlassen. Waycare scannt dort jetzt die verschlungenen Pfade der US-Highways 93 und 95 über das "Spaghetti Bowl" genannte Autobahnkreuz. Bald könnte es auch an der A40 und der A43 bei Bochum oder am Autobahnkreuz Düsseldorf Süd soweit sein: Andreas Pinkwart (FDP), Nordrhein-Westfalens Minister für Wirtschaft, Energie und Digitalisierung, hat sich von Peter Teriums Begeisterung für Waycare angeblich bereits anstecken lassen: Ein Pilotversuch in Nordrhein-Westfalen scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Andere Silicon-Valley-Investments von Innogy haben einen noch engeren Bezug zum Energiegeschäft. So haben sich die Deutschen etwa an Intertrust beteiligt, einem der führenden Anbieter von Verschlüsselungstechnologien und Datensicherheit. Intertrust hatte einst bei der technischen Absicherung des iTunes Music Store von Apple mitgewirkt. Jetzt entwickelt Innogy gemeinsam mit Intertrust gemeinsam Methoden, den sich ständig vergrößernden Datenschatz der Energieversorger gewinnbringend aufzubereiten, zu nutzen und möglichst vielfältig zu vermarkten.

Teriums Hintergedanke: Mit Strom allein wird zukünftig niemand mehr viel Geld verdienen können, denn den kann ja fast jeder auf dem eigenen Hausdach produzieren. "Was in Zukunft wertvoll ist, ist nicht die Energie, sondern die Daten, die man zur Systemsicherheit braucht", glaubt der Innogy-Chef. Darin weiß er sich einig mit Intertrust-Chef Talal Shamoon, der zur ersten Gründergeneration im Valley gehört. "Wann immer du Energie verbrauchst, erzeugst du Daten", sagt Shamoon. "Jedes Elektron ist ein Bit." Stromversorger seien deshalb "in der Digitalisierung in einer super-strategischen Position".

Nutzbar sind die Daten allerdings nur, wenn diese im Eigentum des Stromversorgers bleiben und sicher übertragen werden können. Hier setzt die Intertrust-Idee an: Während Datensicherheit früher darin bestand, Computer nachzurüsten und abzuschirmen, werden heute die Datenpakete selbst mithilfe einer besonderen Programmierung vor Fremdzugriff geschützt. Damit können sie in einer Welt der verschiedensten, ungeschützten Endgeräte sicher übertragen werden. Stromversorgern, die den Weg der Digitalisierung nicht konsequent beschreiten, ist Shamoon überzeugt, drohe ein Abstieg nach dem Vorbild der früheren Telefonmonopole oder der Schallplattenindustrie.

Der Begriff "Datenstrom" bekommt durch dieses Zusammenwachsen von Energieversorgern und Digitalfirmen eine ganz neue Bedeutung, das werden auch bald normale Verbraucher merken. Mit der Beteiligung an Bidgley etwa wollen Investoren wie Innogy und in diesem Falle auch E.on in die Wohnzimmer und Küchen der Kunden vordringen: Die Software des Unternehmens misst den Stromverbrauch jedes Geräts im Haushalt, ohne dafür an jede Steckdose ein Messgerät anschließen zu müssen. Bidgley kann damit unnütze Stromfresser identifizieren, Licht, Heizung und Herd aus der Ferne per Smartphone steuern und die Alarmanlage überwachen. Wer solche Services zusammen mit dem Stromliefervertrag anbietet, so die Hoffnung der Energieversorger, leidet weniger unter den "Tarifhoppern", die regelmäßig zum nächst billigeren Stromanbieter wechseln.

Ein anderes Start-up aus dem Silicon Valley, das Innogy schon in Polen im Testbetrieb hat, ist Agent.ai - ein automatischer Servicemitarbeiter, der bei Kundenanfragen per Internetkurznachricht schnell weiterhilft. Anders als die heute oft unzulänglichen "Chatbots", die Anfragen oft nicht verstehen und falsche oder gar keine Antworten geben, will Agent.ai durch höchste Zuverlässigkeit glänzen: Die Algorithmen sind so programmiert, dass beim kleinsten Kommunikationsproblem sofort und für den Kunden fast unmerklich ein menschlicher Servicemitarbeiter übernimmt.

"Anders als Callcenter können Kundenanfragen, die über Online-Chats hereinkommen, automatisch ausgewertet werden", sagt Gründer Fred Hsu. "Das ermöglicht es dem Algorithmus, beständig dazuzulernen." Für einen Energieversorger mit Millionen von Kunden sind das Fähigkeiten, die entscheidend für den künftigen Markterfolg sein können: Nach einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Gartner werden im Jahr 2020 rund 85 Prozent aller Kundenkontakte über künstliche Intelligenz abgewickelt. Entsprechend wichtig ist es, Verbraucher genau zu verstehen und nicht durch lausige Kommunikationssoftware zu vergraulen.

Solche Perlen unter den Zehntausenden von Start-up-Firmen im Silicon Valley kann man nicht aus der Ferne entdecken, ist Terium überzeugt. Der Innogy-Chef ist fast regelmäßig hier, trifft Start-up-Gründer sowie Risikokapitalgeber und ist mit Energieexperten der hier ansässigen Eliteuniverstität Stanford auf Du und Du. Im Silicon Valley werden pro Jahr 30 Milliarden US-Dollar Risikokapital investiert, das Vierfache dessen, was die übrigen Software-Hotspots der Welt, London, Berlin und Tel Aviv zusammen dafür ausgeben. Ein solches Potenzial von mehr als 400.000 Technikspezialisten auf kleinstem Raum gibt es nirgendwo sonst auf der Welt, sagt Terium. Die teure Repräsentanz im Silicon Valley sei ihr Geld wert: "Es ist sehr wichtig, Teil des Ökosystems hier zu sein, einfach um die Chance zu haben, abends beim Barbecue jemanden mit tollen Ideen kennenzulernen."

Von Daniel Wetzel

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EU einigt sich auf Reform des Emissionshandels

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Brüssel, 16.11.2017

Bis zu 3 Milliarden Zertifikate sollen stillgelegt werden / Weiter kostenlose Zuteilung für Industrie

Nach mehr als zwei Jahren Verhandlungen haben sich Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten auf eine Reform des Emissionshandels geeinigt. Die Europäische Union nimmt mit dem Kompromiss erstmals bis zu 3 Milliarden Emissionsrechte dauerhaft aus dem Markt. Der Preis für die Rechte dürfte damit im Laufe des kommenden Jahrzehnts von rund 5 Euro auf mindestens 25 Euro steigen. Darüber hinaus wird die Zahl der an die Industrie und Stromerzeuger ausgegebenen Emissionsrechte von 2021 an um jährlich 2,2 Prozent gekürzt. Damit will die EU ihre Zusage erreichen, den Treibhausgasausstoß bis 2030 um 40 Prozent zu verringern. Zugleich soll die Industrie weiterhin einen großen Teil der Rechte umsonst zugeteilt bekommen. Das soll sie vor Nachteilen im internationalen Wettbewerb bewahren.

Der Emissionshandel ist das wichtigste Instrument der EU zur Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2). Der Handel deckt 45 Prozent der CO2-Emissionen der EU ab. Stromerzeuger und Industrie sind einbezogen, nicht aber Landwirtschaft oder Verkehr. Die von dem Emissionshandel betroffenen Betriebe müssen für jede Tonne Kohlendioxids, die sie ausstoßen, Zertifikate vorlegen. Die Menge der Emissionsrechte wird dabei von vornherein so begrenzt, dass die EU ihre Klimaziele erreicht. Stößt ein Unternehmen mehr CO2 aus, als es Emissionsrechte hat, kann es Rechte anderer kaufen oder die Emissionen durch Investitionen in neue Technik senken. Letztlich wird es sich für den günstigeren Weg entscheiden. Das soll sicherstellen, dass die Emissionen zu geringen Kosten gesenkt werden.

Klimaschützer beklagen jedoch, dass der Preis mit 5 Euro je Emissionsrecht zu niedrig ist, um die Dekarbonisierung der Wirtschaft voranzutreiben. Ein Grund dafür ist, dass es bis zu drei Milliarden überschüssige Emissionsrechte auf dem Markt gibt. Das liegt an der jahrelangen Wirtschaftskrise, aber auch daran, dass sich Unternehmen lange problemlos Gutschriften von Emissionsrechten für Klimaprojekte in anderen Ländern gutschreiben lassen konnten. Die EU reagiert darauf nun, indem sie zunächst die Zahl der Rechte verdoppelt, die sie in die 2015 beschlossene Marktstabilitätsreserve einstellt. Daraus könnten sie aber in den Markt zurückgelangen. Deshalb sollen zudem von 2023 an - abhängig von der im Vorjahr versteigerten Menge an Emissionsrechten - jährlich Rechte "stillgelegt" werden.

Insgesamt dürfte das zwischen zwei Milliarden und drei Milliarden Zertifikate treffen. "Das ist ein Riesenhammer: Zwei Milliarden Zertifikate entsprechen dem Doppelten des Jahresausstoßes von Deutschland und einem Vielfachen der zum Erreichen der deutschen Klimaziele fehlenden Lücke", sagte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Angesichts dessen spiele die in den Verhandlungen um die Jamaika-Koalition diskutierte Frage, ob einige Kohlekraftwerke früher oder später stillgelegt würden, eine untergeordnete Rolle. Auch SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen bezeichnete die Stilllegung der Emissionsrechte als "gute Nachricht für das Klima".

Heftige Kritik äußerten auch Klimaschutzverbände. Die EU unterminiere die parallel verlaufenden Klimaschutzverhandlungen in Bonn, kommentierte der WWF. Um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad, verglichen mit der vorindustriellen Zeit, zu begrenzen, müsse die EU die Menge der Zertifikate jährlich um 4,2 Prozent kürzen, bemängelte die Klimaschutzorganisation Carbon Market Watch. Der Industrieverband Business Europe begrüßte, dass die Industrie nun zumindest bis zu 46 Prozent ihrer Rechte kostenlos zugeteilt bekommen soll. Das sind 3 Prozentpunkte mehr als von der Kommission vorgeschlagen. Der Rest wird versteigert. Der Kompromiss muss nun noch offiziell von Europaparlament und Ministerrat, dem Gremium der Staaten, angenommen werden.

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Atomlobby zeigt sich auf UN-Klimagipfel als Bürgerinitiative

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Bonn, 16.11.2017

Auf dem Bonner UN-Klimagipfel wird auch für Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel geworben. Mit lachenden Menschen, die Schilder wie "Wir brauchen Atome für die Zukunft" oder der "Nuklear ist Teil der Lösung" präsentiert sich "Nuclear for Climate". Man nennt sich "Grassroots Initiative", also eine Art Bürgerinitiative. Dahinter steckt die Atomlobby, weiß Reinhard Uhrig von Global 2000.

Das Infomaterial, das auf den zwei Ständen in Bonn zu finden ist, lässt dann auch keinen Zweifel offen: So findet sich etwa das "Factbook 2017" der Canadian Nuclear Association (CNA), die die Atomindustrie Kanadas vertritt. Die CNA ist dann auch einer der Mieter der "Nuclear for Climate"-Stände, gemeinsam mit dem Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) oder dem Europäische Atomstromverband, Foratom, der schon vor zwanzig Jahren auf den Beitrag der Kernenergie zum Klimaschutz hinwies.

Ein paar Meter weiter findet sich auf dem Gelände der Klimakonferenz ein weiterer Stand namens "Don't Nuke The Climate", einer COP23-Allianz aus mehreren NGOs, an der Global 2000 beteiligt ist. Deren Atomsprecher Uhrig bestreitet die Klimafreundlichkeit der Atomkraft durch niedere Treibhausgasemissionen: "Die derzeitige Einstufung ist zwölf Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde, was viel zu niedrig ist. Wenn man sich die gesamte Kette ansieht, also nicht nur das Atomkraftwerk, dann kommt man auf einen wesentlich höheren Wert". Nimmt man den Abbau von der Mine und den Weg bis zur Endlagerung des radioaktiven Materials dazu, dann käme man auf 88 bis 146 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. "Damit ist das keine klimaförderliche Energiequelle", lautet seine Feststellung.

"Nuclear for Climate" beziehungsweise die dahinterstehende Atomlobby ist dabei nicht das erste Mal auf einer Klimakonferenz und will auch nicht alleine Werbung für die nukleare Sache machen, führte Urig weiter aus. "Seitdem sie verstanden haben, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig, sondern einfach am Sterben sind, versuchen sie sich als klimafreundliche Zukunftstechnologie zu verkaufen."

Österreichs ablehnende Haltung zur Atomkraft sei daher notwendig, so Uhrig: "Es ist wichtig, dass Österreich dem etwas entgegen hält, dass Österreich klagt, dass Österreich jetzt schon sagt, dass man ein Veto einlegen wird, bei der Klimafinanzierung". Auch Kumar Sundaram von der indischen NGO DiaNuke gehört zur COP23-Allianz und dankte für die Rolle Österreichs.

Das hat Gründe: Laut Uhrige will die Atomindustrie bei den Geldern des Green Climate Fund (GCF) der UN mitnaschen, also den jährlich 100 Milliarden US-Dollar, mit dem Entwicklungsländer auf erneuerbare Energie umsteigen sollen. "Theoretisch wäre es möglich, weil alle Low Carbon-Technologien gefördert werden können, jedoch ist Einstimmigkeit erforderlich", erläuterte der Atomsprecher, denn im GCF kann Österreich ein Veto einlegen kann. Uhrig merkte aber an, dass Österreich achtgeben müsse, wegen zu geringem Beitrags nicht den Sitz zu verlieren. Statt 11,5 Mio. Dollar sollten 33 Mio. eingezahlt werden.

Sehr gut geschult seien die Mitarbeiter von "Nuclear for Climate", sagte Uhrig. Sie bestünden mehrheitlich aus US-Amerikanern, einigen Finnen und einem Kanadier. Für die Stände sei viel Geld ausgegeben worden, Side-Events wurden und werden veranstaltet und gar Bananen verteilt, die angeblich radioaktiver wären als das Leben neben einem Atomkraftwerk. Am heutigen Mittwoch zeigten sich bei einem Besuch die beiden Stände jedenfalls menschenleer.

Die Atomkraft gibt sich insgesamt in der EU weiterhin aktiv. Anfang Oktober hat erst die Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg über Österreichs Klage gegen Staatsbeihilfen für das britische Atomkraftwerk Kernkraftwerk Hinkley Point C begonnen. Es ist der erste Reaktor-Neubau in Großbritannien seit rund zwei Jahrzehnten.

In 14 der 28 EU-Staaten werden derzeit AKW betrieben, die sich für knapp 30 Prozent der in der EU erzeugten Elektrizität verantwortlich zeigen. Diese 129 Reaktoren machen rund ein Viertel der weltweiten Zahl aus. Österreichs Haltung ist jedenfalls eindeutig, was diese Energieform betrifft. Hier zähle nur der Ausstieg, sagte Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) in Bonn.

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Österreicher glauben an Zukunft der E-Autos

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Linz/Wien, 16.11.2017

Die Österreicher glauben zwar mehrheitlich, dass Benzin- und Dieselautos in 20 oder 30 Jahren keine große Rolle mehr spielen werden, bei einem Autokauf würde eine Mehrheit im Moment aber noch auf fossile Antriebe setzen. Innenstadt-Fahrverbote für "Stinker" und das Verbot der Neuzulassung von Diesel- und Benzinautos werden abgelehnt, zeigt eine IMAS-Umfrage unter 1.078 im September Befragten.

28 Prozent erwarten, dass in zwei oder drei Jahrzehnten vor allem Elektroautos auf den Straßen zu sehen sein werden, 16 Prozent meinen, dass sich der Hybridantrieb durchsetzen wird. Den Glauben an Benzin (sieben Prozent) und Diesel (sechs Prozent) haben nur mehr Wenige. Weitere sechs Prozent favorisieren den Wasserstoffantrieb, je zwei Prozent Gas oder Biosprit. Ein knappes Viertel hat dazu allerdings keine Meinung.

Würden sie sich jetzt ein Auto kaufen, würden 31 Prozent immer noch einen Benziner nehmen, 23 Prozent einen Diesel. Einen Hybridantrieb (neun Prozent) oder ein Elektroauto (fünf Prozent) würden sich nur Wenige leisten. Allerdings gaben zehn Prozent "weiß nicht" als Antwort und 20 Prozent fahren kein Auto.

Dass etwa in Großbritannien ab 2040 keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr zum Verkehr zugelassen werden, wissen 56 Prozent - wobei Männer, Leute mit höherer Bildung und Städter besser informiert sind. Die Neuzulassung von Diesel- und Benzinautos auch in Österreich zu verbieten, halten 33 Prozent für sinnvoll, 54 Prozent jedoch nicht. Dieselfahrzeuge, die bestimmte Abgasnormen nicht erfüllen, aus Innenstädten zu verbannen, würden 40 Prozent unterstützen, 46 Prozent sind dagegen, der Rest äußerte keine Meinung.

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Abschaltung weiterer Kohlewerke in Deutschland möglich

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Berlin, 16.11.2017

Die Energiewirtschaft kann sich die Abschaltung weiterer Kohlekraftwerke bis 2020 vorstellen - aber nur in begrenztem Umfang. "Es ist verantwortbar, in einem Mix aus Braun- und Steinkohle weitere fünf Gigawatt gegen Entschädigung in 2020 vom Netz zu nehmen", schrieben führende Vertreter des Bundesverbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einem Gastbeitrag für "Die Welt".

Damit schaffe die Energiebranche in Deutschland in diesem Sektor "die so viel diskutierten 40 Prozent weniger CO2 in 2020", hieß es weiter in dem Beitrag von BDEW-Präsident Johannes Kempmann und Verbandsgeschäftsführer Stefan Kapferer. Ein größerer Beitrag, etwa um die mangelnde Umsetzung von Klimazielen im Verkehrsbereich auszugleichen, sei dagegen für den Energiesektor "kurzfristig nicht zu verantworten".

Vor Entscheidungen "zu Lasten der Beschäftigten" in der Energiewirtschaft warnte inzwischen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). "Wer den Anschein erweckt, er könnte einzig und allein durch ein Abschalten von Kohlekraftwerken die Klimaziele erreichen, läuft in die Irre", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Vielmehr müssten zunächst "durch eine umfassende Innovationsstrategie" die Voraussetzungen für einen Kohleausstieg geschaffen werden, erklärte er in Berlin.

Der Kohleausstieg ist einer der größten Konfliktpunkte bei den Sondierungsgesprächen über ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen, die am Donnerstag in die entscheidende Schlussrunde gingen. Im Hintergrund steht dabei das deutsche Klimaziel für 2020, die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 zu verringern.

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Rekord bei Lieferantenwechsel bis Ende September

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Wien, 16.11.2017

In den ersten neun Monaten suchten sich deutlich mehr Österreicher einen neuen Energielieferanten. Bis Ende September wurden laut E-Control die höchsten Wechselraten seit Liberalisierungsbeginn und ein absoluter Rekord erreicht und damit der bisherige Höchstwert aus 2014 übertroffen. "Der Wettbewerb hat sich positiv entwickelt", sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Donnerstag.

Bis Ende September haben sich 263.000 Strom- und Gaskunden einen neuen Lieferanten gesucht, um 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für den Wechsel ist, dass man Geld sparen kann. Das Sparpotenzial ist derzeit am höchsten seit Beginn der Liberalisierung zu Anfang des Jahrtausends. Die Einführung der digitalen Stromzähler (Smart Meter) geht langsam voran.

Wechselzahlen seien aber nicht das Einzige, "es geht auch um andere Indikatoren, die den Markt beschreiben", so Urbantschitsch heute bei einer Pressekonferenz zur Präsentation des Marktberichts 2017. Es gebe eine größere Auswahl an Produkten, "wir haben abermals neue Lieferanten dazubekommen - hier ist die Rate nicht so hoch angestiegen wie in den Jahren zuvor -, wir haben ein Einsparungspotenzial, das sich beim Wechsel erhöht hat, und wir haben auch Preissenkungen erkennen können im Jahr 2017. Es tut sich etwas auf dem österreichischen Energiemarkt."

Insgesamt habe die Angebotsvielfalt zugenommen und damit die Produktvielfalt, so Urbantschitsch. An Unterscheidungsmerkmalen gibt es etwa Online- und Offline, Bindungsfristen, Zertifizierung des Stroms, Vergünstigungen für Wärmepumpenbetreiber oder auch Kooperationen mit anderen Branchen wie dem Mobilfunkbereich. Zudem kommen immer mehr digitale Services auf den Markt. Neben Onlineaktivitäten haben auch Haustürgeschäfte wieder zugenommen, die von der E-Control genau beobachtet werden. Verwiesen wurde heute auf die Schlichtungsstelle, von der pro Jahr rund 1.500 Anfragen beantwortet werden.

Mehr als 202.000 Stromkunden haben bis September den Lieferanten gewechselt, davon mehr als 162.000 Haushalte. Zum Vergleich: Die Stadt Linz hat rund 204.000 Einwohner. Einen neuen Gaslieferanten suchten sich knapp 61.000 Kunden, davon mehr als 56.000 Haushalte. Die Gesamtwechselrate von Unternehmen und Haushalten betrug 3,3 Prozent bei Strom und 4,5 Prozent bei Gas. Auf vergleichbarer Basis liege Österreich im europäischen Mittelfeld, hieß es heute.

Nach Bundesländern betrachtet gab es bis September die höchsten Wechselraten in Oberösterreich mit 4,8 Prozent bei Strom und 6,9 Prozent bei Gas, die geringsten in Vorarlberg mit 1,2 Prozent bei Strom und 1,5 Prozent bei Gas. In absoluten Zahlen am häufigsten gewechselt wurde am größten Markt Wien, wo 88.000 Kunden den Strom- und Gaslieferanten wechselten, die Wechselraten lagen bei 3,9 Prozent (Strom) und 4,4 Prozent (Gas).

Das höchste Einsparpotenzial bei einem Wechsel vom angestammten Lieferanten zum günstigsten Anbieter liegt laut E-Control derzeit für einen Durchschnittshaushalt bei Strom in Linz und Oberösterreich mit 330 Euro im Jahr (inklusive Wechselrabatt im ersten Jahr), bei Gas in Klagenfurt mit rund 650 Euro im Jahr (inklusive Neukundenrabatt). Das sind die höchsten Einsparungen seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 2001 und des Gasmarktes im Jahr 2002. Ohne Wechselrabatte liege das Sparpotenzial bei Strom zwischen 90 und 200 Euro im Jahr.

Die Strom- und Gasrechnung besteht aus drei Komponenten: Dem reinen Energiepreis - nur hier wirkt sich ein Lieferantenwechsel aus -, den standortabhängigen Netzkosten sowie den Steuern und Abgaben.

Für jene, die mit Gas heizen, erwartet E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer für heuer keine Nachzahlungen, selbst wenn es wieder ein strenger Winter werden sollte. Die Gaspreise werden eher weiter sinken. Im kalten Winter 2016/17 kam es trotz niedrigerer Gaspreise wegen höherer Mengen vielfach zu Nachzahlungen, dieser Mengeneffekt dürfte heuer wegfallen. Insgesamt lagen die Gaskosten im österreichweiten Schnitt für einen Durchschnittshaushalt (Jahresverbrauch 15.000 kWh) im Jänner 2017 mit 1.079 Euro um 33 Euro niedriger als im Jänner 2016, die Stromkosten (Jahresverbrauch 3.500 kWh) mit 735 Euro um 27 Euro niedriger. Auch in der Industrie habe sich der Rückgang der Strompreise 2016 fortgesetzt.

Die Strompreise könnten allerdings etwas steigen - neben höheren Großhandelspreisen werden sich wohl auch die Kosten für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit bei den Kunden über die Netzkosten bei den Konsumenten irgendwann einmal auswirken, erwartet die E-Control. Durch die Trennung der Strompreiszone zwischen Österreich und Deutschland sei wohl mit einem moderaten Anstieg der Großhandelspreise zu rechnen, nicht mit einem sprunghaften.

Die Smart-Meter-Einführung geht langsam voran. Ende 2016 waren von den 6,099.000 betroffenen Zählpunkten in Haushalten, Klein- und Mittelgewerbe sowie Landwirtschaft 519.000 mit einem intelligenten Messgerät ausgestattet, das ist ein österreichweiter Abdeckungsgrad von 8,5 Prozent. Ende 2015 hatte der Ausrollungsgrad 7,4 Prozent betragen. Die bis Ende des laufenden Jahres 2017 angepeilten 70 Prozent seien sicher nicht zu schaffen, meinen Experten. Man müsse sehen, wie es weitergehe, so Urbantschitsch. Eine Option wäre, die Verordnung anzupassen.

Versorgungssicherheit bleibe auch künftig eines der Top-Themen der E-Control, hieß es heute. Im Winter 2017 sei der energetische Bedarf aus heimischen Quellen inklusive aller kalorischen Kraftwerke nicht zu decken gewesen. Mit den bestehenden Pumpspeicherkraftwerken komme man keine drei Wochen durch. In einem ersten Schritt sei zu vereinbaren, wie lange ein hochindustrialisiertes Land stabil sei, so Eigenbauer.

Die Zahl der Stromlieferanten beträgt aktuell 152, sie beliefern zusammen 4 Millionen Haushalte und mehr als 660.000 Gewerbebetriebe und Industriekunden. Am Gasmarkt gibt es 42 Anbieter, die 1,3 Millionen Haushalte und knapp 80.000 Nicht-Haushalte belieferten. Heuer kam jeweils ein neuer Strom- und Gasanbieter auf den Markt.

Der Strom-Branchenverband Oesterreichs Energie sieht den Marktbericht als konkreten Beleg für die starke Konkurrenz und den gut funktionierenden Markt im liberalisierten Sektor der E-Wirtschaft. Die Strompreise für Haushaltskunden seien seit sieben Jahren praktisch stabil, während die allgemeine Inflationsrate im Schnitt der vergangenen Jahre knapp 2 Prozent erreicht habe, hieß es heute in einer Aussendung. Strom sei somit in relativen Zahlen sogar billiger geworden und habe inflationsdämpfend gewirkt.

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Österreich Teil der neuen Allianz für Kohlestopp

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Bonn, 16.11.2017

Eine globale Allianz bestehend aus 25 Vertragspartnern inklusive Österreich hat sich am Donnerstag auf der Weltklimakonferenz in Bonn zum Ausstieg aus der Kohle verpflichtet. An der "Powering Past Coal Alliance" sind unter anderem elf EU-Staaten, die Fidschi-Inseln, die auch die COP 23-Präsidentschaft innehaben, Mexiko, Kanada, aber auch der US-Staat Washington beteiligt.

Die Unterzeichner der Initiative verpflichten sich zu einem möglichst raschem Ausstieg aus der Kohle, einen konkreten Zeitplan gibt es nicht. Die Deklaration weist aber darauf hin, dass zur Verwirklichung der Klimaziele die Kohlephase in der EU und der OECD im Jahr 2030 und weltweit 2050 enden solle.

Kanada kündigte den Kohlestopp 2030 an, Großbritannien für 2025. Auch Österreich hat seit 2015 einen Zeitplan. 2025 will der niederösterreichische Energieversorger EVN das letzte heimische Kohlekraftwerk Dürnrohr abschalten. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) plant nun noch eine Beschleunigung: "Der Ausstieg soll schon 2020 erfolgen, mit den Betreibern wurde bereits gesprochen und das Thema ist auch Teil der Regierungsverhandlungen."

Kohle als Brennstoff gilt als ein enormer Antreiber des Kohlendioxid-Anstiegs und damit des Klimawandels. Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) wird im Jahr 2017 laut einer aktuellen Studie aufgrund stärkerer Nutzung von Kohle als Brennstoff in China erstmals wieder steigen. Aber auch in der EU wird weiterhin auf Kohle gesetzt, so auch in Deutschland, wo der geplante Ausstieg aus der Verstromung durch Kohle bis 2045 auf wackeligen Beinen steht. Rupprechter ortete bei Deutschlands Kohleplänen ein "massives Problem", die deutschen Grünen würden ihre ureigenste Position aufgeben, sollten sie dem "Ausstieg aus dem Ausstieg" zustimmen.

Die "Powering Past Coal Alliance" hat angekündigt, die Zahl der Teilnehmer bis zur nächsten Klimakonferenz 2018 in Polen auf 50 Mitglieder erhöhen zu wollen. In der gemeinsamen Vereinbarung wurde an das Pariser Klimaabkommen von 2015 erinnert und daran, dass 40 Prozent der Elektrizität weltweit immer noch mit Kohlekraftwerken hergestellt werden. Und 800.000 Menschen würden aufgrund der daraus resultierenden Luftverschmutzung jährlich sterben, heißt es in der Deklaration.

Rupprechter wies bei der Vorstellung der Allianz darauf hin, dass der nächste Schritt auch ein Ausstieg aus der Nuklearenergie sein sollte, denn auch hier sei keine Nachhaltigkeit gegeben. Man werde daher versuchen, beim nächsten Klimagipfel in Polen eine ähnliche Allianz zu bilden, um auch einen Atomausstieg in die Wege zu leiten. Italien, Luxemburg und Irland wären mögliche EU-Partner, um diesen Plan zu verwirklichen. Ebenso müsse eine Renaissance der Atomenergie bei den Entwicklungsländern verhindert werden. Die drohende Gefahr, dass hier mit Geldern des Green Climate Fund (GCF) eine derartige Finanzierung stattfinden, werde er "wenn notwendig auch mit einem Veto" verhindern.

Dass eine EU ohne Atomenergie möglich sei, betonte der Umweltminister dann auch noch einmal bei seiner Rede beim "High Level Segment". Dies würde auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen.

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Biovolt legte erfolgreichen Börsenstart in Wien hin

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Wien, 15.11.2017

Die Schweizer Biovolt AG, ein Unternehmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche, hat am Mittwoch einen erfolgreichen Start an der Wiener Börse hingelegt. Der Erstkurs lag mit 4,55 Euro um 1,05 Euro oder knapp 30 Prozent über dem Preis des letzten Private Placement. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung auf 36,4 Mio. Euro. Fürs erste Halbjahr 2018 ist ein Zweitlisting in Deutschland geplant.

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Gas bei Vollkosten günstig, thermisch sanieren lohnt sich

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Wien, 15.11.2017

Heizen mit Erdgas-Brennwert-Systemen kostet im unsanierten und im sanierten Einfamilienhaus unter Einbeziehung von Energie-, Investitions- und Wartungsausgaben am wenigsten. Im Neubau kommt die Luft/Wasser-Wärmepumpe am günstigsten. Dies geht aus dem aktuellen Vollkostenvergleich der Österreichischen Energieagentur hervor. Eine thermische Sanierung lohnt sich in jedem Fall.

"Bei Heizsystemen spielt Energieeffizienz eine immer bedeutendere Rolle", so Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann in einer Pressemitteilung. Das zeige sich auch beim Ergebnis des Vollkostenvergleichs, bei dem hocheffiziente Heizsysteme deutlich im Vorteil seien.

Die thermische Qualität habe eine hohe Auswirkung auf die Heizkosten. "Unabhängig vom Heizsystem liegen die Heizkosten in einem sanierten Einfamilienhaus um 55 Prozent niedriger als in einem unsanierten Gebäude", so Traupmann. Das zeige einmal mehr, wie wichtig es sowohl für den einzelnen Hausbesitzer als auch für die Gesamtbetrachtung sei, die thermische Sanierung voranzutreiben. Der gleiche Effekt zeigte sich auch bei den CO2-Emissionen.

Mit Erdgas-Brennwert-Systemen heizt man laut Energieagentur am günstigsten im unsanierten Einfamilienhaus (maximal 4.525 Euro pro Jahr) und im thermisch sanierten Einfamilienhaus (maximal 2.766 Euro). Dahinter folgt die Luft/Wasser-Wärmepumpe mit höchstens 4.546 Euro (unsaniertes Gebäude) bzw. 2.935 Euro (saniertes Gebäude). In einem neu gebauten Einfamilienhaus dreht sich die Reihenfolge um - hier steht die Luft/Wasser-Wärmepumpe (maximal 2.767 Euro) auf Platz eins, gefolgt von Erdgas-Brennwert (maximal 2.779 Euro). Auf Platz drei ist die Vielfalt größer - hier finden sich Stückholz (unsaniertes Gebäude), Fernwärme (saniertes Gebäude) und Öl-Brennwert (Neubau). Am teuersten kommt in allen drei Fällen eine Pellets-Heizung mit maximal 5.237 Euro (unsaniertes Gebäude) bzw. 3.511 Euro (saniertes Gebäude) sowie 3.760 Euro (Neubau). Die zweithöchsten Vollkosten gibt es im unsanierten Gebäude bei Fernwärme (maximal 5.196 Euro) und Wärmepumpen Sole/Wasser in sanierten Gebäude (maximal 3.424 Euro) sowie im Neubau (maximal 3.316 Euro).

Die Energieagentur hat bei ihrem Vollkostenvergleich nicht nur die Brennstoffpreise, sondern alle anfallenden Kosten der Heizsysteme inklusive Investitions- sowie Wartungs- und Instandhaltungskosten einander gegenübergestellt. Basis ist ein Einfamilienhaus mit 118 m2. Bei den Investitionen wurden zwei Varianten berechnet: Die Maximalkosten beinhalten einen Umstieg auf ein neues Heizungssystem mit einem neuen Energieträger, bei den Minimalkosten werden Teile des vorhandenen Systems weiter verwendet. Im Neubau wird eine Fußbodenheizung angenommen, die höhere Investitionskosten hat als eine Radiatorenheizung.

Bei den reinen Energiekosten schneiden Wärmepumpen auf Basis Sole/Wasser mit Erdsonde am besten ab, sie betragen im unsanierten Gebäude 1.390 Euro im Jahr, im sanierten 646 Euro und im Neubau 546 Euro. Diese Systeme gehen laut Energieagentur aber mit relativ hohen Investitions- und Wartungskosten einher. Am höchsten sind die Energiekosten bei Fernwärme: Im unsanierten Haus liegen sie bei 3.442 Euro, im sanierten Haus bei 1.579 Euro und im Neubau bei 1.247 Euro jährlich.

Bei den CO2-Emissionen schneidet das Öl-Brennwert-System am schlechtesten ab. Die zweithöchsten Emissionen haben Erdgas-Brennwert-Systeme. Dahinter liegen Wärmepumpen (Luft/Wasser und Sole/Wasser).

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Innogy will raus aus britischem Vertriebsgeschäft

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Düsseldorf, 15.11.2017

Der Energiekonzern Innogy will sich früher oder später ganz aus dem Vertriebsgeschäft mit Strom und Gas in Großbritannien zurückziehen. Das geplante Joint Venture mit dem Versorger SSE sei eine reine Finanzbeteiligung und nicht von strategischer Bedeutung für seinen Konzern, sagte Vorstandschef Peter Terium am Dienstagabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf.

"Nein, wir werden nicht langfristig daran festhalten." Dies bedeute aber nicht unbedingt, dass Innogy kurzfristig aussteigen werde. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die seit Jahren schwächelnde britische Tochter Npower in ein Joint Venture mit SSE einzubringen, an dem Innogy 34 Prozent halten wird.

Brandt legt Mandat nieder

Innogy sucht nun auch einen neuen Aufsichtsratschef. Die dafür nötigen Schritte würden zeitnah "geprüft und eingeleitet", sagte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch. Am Dienstagabend hatte der bisherige Chefkontrolleur Werner Brandt sein Amt aus persönlichen Gründen mit Wirkung zum 31. Dezember 2017 niedergelegt, wie das Unternehmen erklärt hatte.

Brandt ist zugleich Aufsichtsratschef der Innogy-Mutter RWE. "Wir gehen davon aus, dass er im Amt bleibt", sagte eine RWE-Sprecherin. Er hält zudem Aufsichtsratsposten bei der Lufthansa und der Osram Licht AG. Außerdem ist er Aufsichtsratschef bei ProSiebenSat1Media. Möglicherweise sei ihm die Zahl der Mandate zu groß geworden, hieß es aus Börsenkreisen. Kandidaten für die Nachfolge wurden in den Kreisen noch nicht genannt.

Brandt war nach der Abspaltung der Ökostromtochter Innogy von RWE 2016 Anfang Juli Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats der neuen Gesellschaft geworden. Ende April 2017 hatte die Hauptversammlung ihn als Aufsichtsratsmitglied bestätigt, und er übernahm erneut den Vorsitz.

Der langjährige SAP-Finanzchef Brandt gilt als erfahrener und besonnener Fachmann. Kritik an seiner Amtsführung oder an der Doppelrolle als Chefaufseher der Mutter RWE und Tochter Innogy wurde nicht geäußert. Allerdings entwickelten sich die beiden Konzerne zunehmend immer eigenständiger, hieß es aus Unternehmenskreisen. Bis Ende 2018 gilt nach den Regularien der Abspaltung ein Wettbewerbsverbot - danach könnte RWE der Tochter Innogy sogar Konkurrenz etwa bei Erneuerbaren Energien machen. Daher spreche Einiges für eine zukünftige Trennung der Aufsichtsratsposten.

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Klimaschutz-Index - Schweden voran, Österreich abgeschlagen

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Bonn/Wien, 15.11.2017

Beim Klimaschutz ist Schweden führend, ebenso Litauen und Marokko. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Klimaschutzindex von Germanwatch und NewClimate Institute hervor. Österreich liegt hingegen abgeschlagen im unteren Mittelfeld der 56 bewerteten Staaten nur auf Platz 35. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) sagte, er nehme den Index nicht ernst, Kritik kam von NGOs.

Die ersten drei Plätze ließen die Autoren frei. Kein Land unternehme bisher genug, um die Temperatur global deutlich unter zwei Grad zu halten. Auf Platz vier landete Schweden, gefolgt von Litauen und Marokko. Bei Schweden wurden das vergleichbar niedrige Emissionsniveau und die starke Entwicklung erneuerbarer Energien positiv erwähnt, Ähnliches gilt für Litauen. Marokko profitierte neben seinem Ausbau erneuerbarer Energien vor allem von guten Politik-Bewertungen seiner nationalen Klima- und Energieexperten.

Mit noch immer vergleichsweise niedrigen Werten bei Emissionen und Primärenergienutzung (jeweils pro Kopf) liege Indien auf Rang 14, noch vor Frankreich (15), der EU (21) und Deutschland (22). China dagegen belegte mit relativ hohem Emissionsniveau und wachsendem Primärenergieverbrauch nur Platz 41 im Index.

Nach einer Phase des starken Wachstums der weltweiten Treibhausgasemissionen bis vor wenigen Jahren zeichne sich nun ein stark verlangsamter Trend ab, so die Autoren. Die Energiesysteme scheinen weltweit weniger CO2-lastig zu werden. Der Index zeige weltweit positive Entwicklungen bei erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und in manchen Ländern auch bei den Emissionen. Allerdings werde klar sichtbar, "dass die Ziele der Länder und die Umsetzung derselben insgesamt noch zu schwach sind, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen".

"Wegen ihrer Ankündigung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten und der Abkehr von einigen zentralen Klimagesetzgebungen der Vorgängerregierung landeten die USA unter den am schlechtesten abschneidenden Ländern im Index (56.)", schrieben die Autoren. Die letzten drei Plätze gingen an Südkorea, den Iran und Saudi-Arabien, die alle keine Fortschritte bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen und ihrem Primärenergieverbrauch verzeichnen können, so Germanwatch und NewClimate Institute.

Österreichs Performance stuften die Autoren als "low" (niedrig) ein. Laut Global 2000 waren die Gründe dafür die anhaltend hohen Emissionen ohne Aussicht auf Rückgang. Der Anteil erneuerbarer Energien wurde allerdings positiv erwähnt.

"Ich nehme diesen Klimaindex einfach nicht ernst", sagte Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) in einer Stellungnahme am Rande der Bonner Klimaschutzkonferenz. Er führte aus, dass mit Frankreich ein Land weit voran liege, "in dem 50 Prozent des Stroms per AKW erzeugt werden". In Deutschland, das auf Platz 22 liegt, werde "bei den Regierungssondierungen gerade diskutiert (...), die Verstromung durch Kohle bis 2045 zu verlängern". Der Politiker weiter: "Der Index beurteilt sich so selbst."

Greenpeace forderte von der künftigen Bundesregierung, "Klimaschutz höchste Priorität einzuräumen". "Seit Jahren erleben wir in Österreich einen klimapolitischen Stillstand", kritisierte Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher von Greenpeace in Österreich. Die neue Koalition solle nun im Regierungsprogramm konkrete Maßnahmen verankern: Ein neues Ökostromgesetz mit ausreichenden Mitteln für den Ausbau von Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, die Erhöhung der Mittel für thermische Sanierung auf 300 Millionen Euro pro Jahr sowie ein massiver Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sind für Greenpeace Beispiele.

Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000, kritisierte ebenfalls die Regierung: "Das schlechte Abschneiden im internationalen Vergleich zeigt, dass Österreich Klimapolitik nicht ernsthaft angeht. Zwei Jahre nach Abschluss des Pariser Klimaschutzabkommens gibt es noch immer keinen Plan, wie der Ausstieg aus fossiler Energie gelingen soll." Wahlmüller forderte ein Maßnahmenpaket für saubere Mobilität, die Umrüstung der mehr als 600.000 Ölheizungen, "und es braucht eine neue Offensive für Gebäudesanierung".

Kritik kam auch vom World Wide Fund für Nature (WWF). "Österreich hat seine Klimaschutzpolitik über Jahre sträflich vernachlässigt und landet daher nur auf Platz 35, also im schlechten Mittelfeld. Umso mehr ist jetzt die neue Bundesregierung gefordert, ein ambitioniertes Programm mit einer verbindlichen Energie- und Klimaschutzstrategie vorzulegen", betonte Karl Schellmann, Klima- und Energiesprecher des WWF. "Wir müssen erneuerbare Energien naturverträglich ausbauen und Energie insgesamt sparsamer einsetzen. Zudem muss das gesamte Steuer- und Abgabensystem auf Klimaschutz getrimmt werden."

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Steirer verwandeln Abfallholz und Stroh in Biotreibstoff

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Grambach b. Graz, 15.11.2017

Weltweit wird die Nachfrage nach Biotreibstoffen immer größer. Mit einem in der Steiermark entwickelten Verfahren können Holzabfälle oder Stroh zu hochwertigen dieselartigen Treibstoffen umgewandelt werden. Dabei wird die Biomasse in den herkömmlichen Produktionsweg eingeschleust und zusammen mit einem Zwischenprodukt der Erdölraffination gecrackt.

Das neue Verfahren basiert grundsätzlich auf einer Flüssigphasen-Pyrolyse. Dabei wird die Biomasse ohne Zufuhr von zusätzlichem Sauerstoff in einem flüssigen Trägermedium bei mehr als 300 Grad Celsius erhitzt, schilderte Nikolaus Schwaiger gegenüber der APA. Er hat mit seinem Forschungsteam am Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik der TU Graz, das sich seit mehr als zehn Jahren mit der Flüssigphasen-Pyrolyse beschäftigt, das daraus abgeleitete bioCRACK-Verfahren mitentwickelt. Der steirische Biogas- und Biodiesel-Anlagenbauer BDI - BioEnergy International AG hat es bereits patentieren lassen.

Hauptvorteil der Flüssigphasen-Pyrolyse ist eine direkte Umsetzung von fester Biomasse in flüssige und feste Kohlenwasserstoffe in einem technisch relativ einfachen Prozessschritt, nachteilig ist die Spaltung der Trägerflüssigkeit. Hier genau setzt das Erfolgsrezept des bioCRACK-Prozesses an: Es spaltet zeitgleich die Biomasse und ein Trägeröl, dessen Spaltung erwünscht ist.

Die Grazer nutzen sogenanntes Vakuumgasöl (Vaccum Gas Oil, VGO) als Trägeröl. Es ist laut Schwaiger ein Zwischenprodukt der Erdölraffination, das einen hohen Siedebereich aufweist und bei Raumtemperatur eine Konsistenz wie Margarine habe. Bisher wurde das mineralische Schweröl unter hoher Temperatur und Druck aufwendig gespalten - und dabei in diesel- und vor allem benzinhaltige Treibstofffraktionen weiterverarbeitet.

In einer Pilotanlage bei der OMV in Schwechat wurde die Umsetzung von rund 100 Kilogramm pro Stunde fester Biomasse und schwersiedendem VGO bereits zwei Jahre getestet. Das Verfahren und Testergebnisse zur optimalen Reaktionstemperatur und Zusammensetzung der Biomasse hat die Grazer Gruppe in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Royal Society Open Science" veröffentlicht. "Der nächste Schritt wäre eine Demonstrationsanlage. Für einen wirtschaftlichen Betrieb müsste das bioCRACK-Verfahren im industriellen Maßstab untersucht werden", betonte die Erstautorin Klara Treusch von BDI, die über das Thema an der TU Graz dissertiert.

Im Verfahren wird Abfallholz oder auch Weizenstroh oder Schilfgras - ohne Sauerstoff - im Vakuumgasöl erhitzt. So lange, bis die Biomasse und das Vakuumgasöl "gecrackt" werden, das heißt, die Makromoleküle in kleinere Bruchstücke zerlegt werden. Bei 390 Grad Celsius wurden nahezu 40 Gewichtsprozent biogener Kohlenstoff in rohe Kohlenwasserstofffraktionen überführt.

Das wichtigste Produkt ist das bioCRACK-Öl. Darin befinden sich rund 21 Prozent des eingesetzten biogenen Kohlenstoffs. Es besteht aus gecracktem VGO und den Zerlegungsprodukten der Biomasse. "So entsteht ein Treibstoff mit etwa zehn Prozent biogenem Anteil, der in einer Raffinerie direkt weiterverarbeitet werden kann. 15 Prozent des biogenen Kohlenstoffs lösen sich in das nicht-gecrackte Trägeröl. Dieses könne in einem weiteren Prozessschritt in der Raffinerie zu Treibstoff "upgegradet" werden, erklärte Schwaiger. Im Labormaßstab gelang es auch bereits, die biogene Kohle zu verflüssigen.

Zusätzlich entsteht Flüssigphasenpyrolyse-Öl, das durch seinen hohen Sauerstoff- und Säureanteil und sehr hohen Wassergehalt nicht direkt als Energieträger oder Biotreibstoff einsetzbar ist. Die flüssige Komponente muss von Sauerstoff und Wasserstoff befreit werden (Hydrodeoxygenierung), um als Treibstoff nutzbar zu sein. Im Projekt "bioBOOST plus" soll diese Technologie nun praxistauglich werden.

http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/4/11/171122 )

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IEA: Elektroautos allein werden Klimawandel nicht stoppen

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Wien, 15.11.2017

Im Jahr 2040 werden weltweit 300 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein, schätzt die Internationale Energieagentur (IEA). Auf den Klimawandel wird sich das aber nicht spürbar auswirken. "Der Effekt auf die Reduktion der globalen CO2-Emissionen beträgt weniger als ein Prozent", sagt IEA-Chef Fatih Birol. "Elektroautos alleine werden das Problem des Klimawandels nicht lösen."

"Heute haben wir zwei Millionen Elektroautos, bei einem weltweiten Auto-Bestand von einer Milliarde", sagte Birol am Mittwoch bei der Präsentation des "World Energy Outlook 2017" in Wien. Bis zum Jahr 2040 werde sich der gesamte Pkw-Bestand auf zwei Milliarden Fahrzeuge verdoppeln, die Elektroautos mit 300 Millionen Stück also 15 Prozent ausmachen. "Das sind nicht Peanuts, aber die Zahl könnte sicher auch höher sein. Das wird davon abhängen, wie schnell die Kosten der Batterien sinken und wie sehr die Regierungen dahinter sind, etwa beim Ausbau der Infrastruktur. Aber es könnte auch langsamer passieren, wenn die Regierungen ihre Hausaufgaben nicht machen."

Jedenfalls werden Elektroautos nicht das Ende der Öl-Nachfrage einläuten, ist Birol überzeugt. "Es ist viel zu früh, den Nachruf auf das Erdöl zu schreiben." Zwar würden Pkw immer effizienter, und auch bei der Stromproduktion werde immer weniger Öl eingesetzt, "aber das ist nicht das ganze Bild. Lkw sind ein großer Treiber der Öl-Nachfrage und unser blinder Fleck, wenn es um die Ölnachfrage und CO2 geht. Alle reden über Pkw, aber niemand über Lkw."

Auch in der Luftfahrt sei Erdöl schwer zu ersetzen und in der Petrochemie werde man sogar noch mehr Öl benötigen. "Die Welt braucht immer mehr Plastik." Die IEA geht deshalb davon aus, dass die Ölnachfrage weiter zunehmen wird, wenn auch langsamer als bisher.

Auf der Produktionsseite seien die USA bereits heute ein wichtiger Gasexporteur, "2020 werden sie auch ein Nettoexporteur von Erdöl werden", so der IEA-Chef, "und zwar auch deshalb, weil sie durch strengere Standards beim Treibstoffverbrauch ihren eigenen Bedarf senken." Dennoch würden die USA den Großteil ihrer Produktion selbst verbrauchen, der Nahe Osten werde deshalb der größte Ölexporteur der Welt bleiben.

Beim Erdgas werde sich das Bild rasch ändern, sind die Energieexperten der IEA überzeugt. Derzeit werde Gas zu 60 Prozent über Pipelines gehandelt, künftig werde der Anteil von verflüssigtem Erdgas (LNG) aber vor allem durch das Angebot aus den USA, aber auch Australien, Katar und Russland steigen. 90 Prozent des Zuwachses beim Gasverbrauch werden von LNG kommen, schätzt die IEA. Für die Importeure sei das eine gute Nachricht, denn LNG werde das Preisniveau drücken. "Auch wenn man selbst kein LNG bezieht, wird das Gas billiger, weil es die zumindest die Option gibt, es auch in Form von LNG zu kaufen."

Die fossilen Energieträger werden also noch lange eine wichtige Rolle spielen, aber "unsere Botschaft ist: Die Zukunft ist elektrisch", ist Birol dennoch überzeugt. 2016 sei zum ersten Mal mehr im Stromsektor investiert worden als in Öl und Gas. "Wir erwarten in den nächsten zwei Jahrzehnten eine Zunahme von 30 Prozent beim Energieverbrauch insgesamt und 60 Prozent bei Strom." Eine Schlüsselrolle bei dieser Entwicklung spiele China. Dabei gehe es der Führung in Peking erst nachrangig um den Klimawandel, vordringlicher sei für sie die Reduktion der Luftverschmutzung in den Städten. Außerdem wolle China an der Spitze des Innovationstrends stehen. Auch aus der Sicht der IEA ist die Luftverschmutzung ein wichtiges Thema neben dem Klimawandel. Ein weiteres sei der Zugang zu Elektrizität für eine Milliarde Menschen, die derzeit ohne Stromversorgung seien.

"Das Argument, dass es nicht möglich sei, eine Milliarde Menschen mit Strom zu versorgen und gleichzeitig die CO2-Emissionen zu senken, akzeptiere ich nicht", sagt der IEA-Chef. "Es ist möglich."

Das Ziel, fast die gesamte Energieversorgung auf elektrischen Strom umzustellen, sei "nicht nur möglich, sondern sogar unvermeidlich", meint David Hochschild von der California Energy Commission. Kalifornien werde das Ziel, bis 2030 die Hälfte seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken, möglicherweise schon 2020 erreichen. "Fossile Brennstoffe werden in Zukunft die Alternativenergien sein", so Hochschild. Die Technik für saubere Energie - Solarpanele, Batterien, LEDs - werde immer billiger, während die Fossilen durch die Verknappung immer teurer würden. "Die Preistrends sind auf unserer Seite."

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"Green Energy Lab" startet 2018

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Graz/Wien/Eisenstadt, 15.11.2017

Mehr als 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Ostösterreich haben sich zu einer "Werkstatt für grüne Energie" vernetzt. Das "Green Energy Lab" ist mit 30 Teilprojekten im Wert von 150 Mio. Euro das bisher größte genehmigte Innovationsprojekt für die Entwicklung grüner Energie, so die Energie Steiermark am Mittwoch. Eingebunden sind auch die Energie Burgenland, EVN und Wien Energie.

Die Partner aus Forschung und Wirtschaft wollen ab dem dritten Quartal 2018 operativ starten. Bis dahin sollen noch die Vollanträge an den Klima- und Energiefonds eingebracht werden. Zusammen werden mit tausenden Testkunden neue Energie-Lösungen erarbeitet. Das "Green Energy Lab" strebt unter anderem bis 2025 eine Verfünffachung der Tage mit 100 Prozent erneuerbarem Strom bzw. Wärme in der Region sowie 20 Energiesystem-Innovationen für die globalen Märkte an.

Geplant sind 30 strategisch vernetzte Teilprojekte: Großflächig demonstriert werden zwei Stadtquartiere mit 100 Prozent erneuerbarer Energie in Graz und Korneuburg, neuartige Sorptionswärmespeicher in virtuellen Heizwerken, verbundene Strom- und Wärmenetze u.a. mit Hochtemperatur-Wärmepumpen, flexible Stromabnahme von Industrie und Haushalten, solare Wärmeerzeugung und Speicherung im Großformat, sowie smarte Anbindung der Nutzer.

www.greenenergylab.at

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E-Mobilität und Sharing: EU-Forschungsprojekt in Villach

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Villach, 15.11.2017

Unter Federführung des Halbleiterproduzenten Infineon startet aktuell ein auf drei Jahre angelegtes EU-Forschungsprojekt für E-Mobilität in Städten in Kombination mit einem Sharing-Ansatz. Für die Testregionen Villach, Turin und Venaria (Italien) und Calvia (Spanien) wird es nach einer Bedarfserhebung Testläufe mit verschiedenen, teilweise noch zu entwickelnden Leichtfahrzeugen geben.

Die 9,5 Millionen Euro Budget für das Projekt "Steve" (Electric Vehicle demonstration in heterogeneous urban use-cases) werden zur Gänze von der Europäischen Union finanziert. Die gesammelten Daten und Forschungsergebnisse sollen letztlich in Handlungsempfehlungen der EU für urbane Mobilitätslösungen einfließen.

Neben Infineon sind mehrere weitere Firmen an dem Projekt beteiligt, darunter auch JAC Italy Design Center, die in Turin ansässige Italien-Tochter eines chinesischen Technologie-Unternehmens, das für das Projekt elektrische Leichtfahrzeuge mit zwei bzw. vier Rädern zur Verfügung stellen wird. Die Typen werden im Rahmen des Projekts weiterentwickelt und sollen ab 2018 auch serienmäßig produziert werden. In Villach werden voraussichtlich rund 100 E-Bikes und zwei Autos getestet.

JAC-General Manager Lou Tik: "Wir werden die elektrifizierten Fahrzeuge in der Testphase ausgehend vom Feedback, das wir von den Testfahrern erhalten, weiter verbessern." So wie die Welt sich ändere, müsse sich auch das Auto anpassen, erklärte Tik und stellte unter anderem die Anzahl der Sitze in einem Vehikel zur Debatte. "Infineon Austria unterstützt mit seinen Technologien im Bereich der Energieeffizienz, Sicherheit und Mobilität die Weiterentwicklung von E-Leichtfahrzeugen als eine Möglichkeit, den urbanen Verkehr und seine Folgeerscheinungen für die Umwelt nachhaltig zu minimieren", sagte Finanzvorstand Oliver Heinrich.

APA